Riesenrad und Schnitzel

Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen, wusste schon Matthias Claudius. Und auch wir können was erzählen. Denn drei Tage waren Oma und ich mit unserem jüngsten Enkelsohn in Wien – wieder so eine Eltern-Verschickung, dieses Mal mit Enkel. Angesichts der Wettervorhersage hatten wir richtig Glück und haben die Sonnenstunden optimal ausgenutzt. Und dass wir drei auf den Spuren des dritten Mannes gewandelt sind, versteht sich von selbst – für alle, denen die Gnade der späteren Geburt zuteil geworden ist: Das ist ein in Schwarzweiß gedrehter Kriminalfilm aus dem Jahre 1949, bei dem das Riesenrad im Prater eine Rolle spielt. Also sind wir eingestiegen in das 1897 zur Feier des 50. Thronjubiläums Kaiser Franz Josephs I. errichtete Riesenrad und haben uns auf 65 Meter Höhe bringen lassen, mit einem traumhaften Blick über die ganze Stadt. Und natürlich waren wir auch beim Figlmüller in der Wollzeile, seit 1905 sozusagen die Heimat des Schnitzels. Und Sie werden es kaum glauben. Unser kleiner Mann hat doch tatsächlich das im Durchmesser rund 30 Zentimeter große Schnitzel fast vollständig verputzt. Das kleine Stückchen, das da noch auf dem Teller lag, war wirklich nicht der Rede wert. Was soll ich sagen? Wir haben natürlich noch viel mehr unternommen: Stephansdom, Hofburg, Ring, Kindermuseum, um nur ein paar Programmpunkte zu nennen. Aber Riesenrad und Schnitzel waren ganz sicher die Höhepunkte unserer Reise.

Ziemlich groß: Das Riesenrad im Prater und das Figlmüller-Schnitzel.

Eher Sommer denn Herbst

Die Welt ist aus den Fugen, zumal nicht nur in Bayern, sondern auch in Berlin die Uhren offensichtlich anders gehen. Jedenfalls haben wir gegenwärtig einen Wetterbericht, der eher nach Sommer denn nach Herbst aussieht. Heute, morgen und übermorgen 24 Grad, Sonnenschein pur und kein Tropfen Regen. Und danach wird es auch nicht viel schlechter.

So ganz passt das allerdings nicht zur Vegetation, die denn doch eher herbstlich ausschaut, wie unser diesjähriger Quittenertrag nachdrücklich unter Beweis stellt.

   

So viel Quitte war noch nie. Was soll ich sagen? Da scheint die alte Bauernregel ja recht zu haben, die da besagt: Oktobersonne kocht den Wein und füllt auch große Körbe ein. Und wenn diese Regel stimmt, stimmen ja vielleicht auch die: Ist der Oktober freundlich und mild, ist der März dafür rau und wild bzw. Warmer Oktober bringt fürwahr stets einen kalten Januar.

Nichts zu lachen

In dieser Woche war der internationale Tag des Lächelns. Am Freitag lächelte die ganze Menschheit um die Wette. Dabei könnte man diesen Tag inhaltlich eigentlich zwei Mal belegen. Denn jeder Erwachsene lacht etwa 20 Mal am Tag. Dabei fordert 20 Sekunden Lachen unseren Körper mindestens genauso wie drei Minuten Joggen, will die Abendschau des RBB wissen. Das hat natürlich was. Aber das ist noch lange nicht alles. Lachen stärkt das Immunsystem, senkt den Blutdruck und lindert Schmerzen, erklärt ein Mediziner. Was soll ich sagen? Am besten lacht man joggend oder joggt lachend. Das wäre dann doppelt gesund. Nur, vielen Menschen auf dieser Erde vergeht das Lachen, weil sie nichts zu lachen haben. Und nur joggen hilft da auch nicht weiter, so dass die Diagnose leider lautet: An vielen Stellen ist diese Welt so krank, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt.

“Opa spricht” – leider nicht

Opa ist einer von 28.000 Menschen, die sich in diesem Jahr für “Deutschland spricht” angemeldet haben, um am kommenden Sonntag mit einem politisch Andersdenkenden zu diskutieren. Der, der für ein Gespräch mit mir ausgesucht worden war, nennt sich Harald, ist 27 Jahre alt und scheint mit mir in folgenden Fragen uneinig: Haben die #Metoo-Debatte und die Diskussion um sexuelle Belästigung etwas Positives bewirkt? Sollte Fleisch stärker besteuert werden, um den Konsum zu reduzieren? Sollten deutsche Innenstädte autofrei werden? Angesichts dessen hatte ich mich schon auf die Diskussion gefreut. Das allerdings war wohl ein wenig voreilig. Denn der junge Mann, so wurde mir jetzt mitgeteilt, hat das Treffen leider nicht bestätigt. Was soll ich sagen? Schade! Das Gespräch wäre sicherlich spannend geworden. Aber vielleicht hat meinen potentiellen Gesprächspartner ja mein Alter abgeschreckt und er sich gedacht: 65 Jahre – und kein bisschen weise. Ein klarer Fall von denkste, sag ich jetzt mal.

Zornig und wütend

„Obwohl mir der Ruf einer katholischen Hardlinerin vorauseilt, bin ich in Wahrheit nicht einmal sonderlich bibelfest.“, hat jüngst Birgitte Kelle in einem Beitrag für Die Welt eingestanden. Bei mir verhält es sich ähnlich. Ich glaube zwar an Gott, habe aber mittlerweile doch erhebliche Zweifel an der katholischen Kirche. Meine Frau behauptet zwar immer noch gerne, ich sei die letzte Bastion dieser über 2000 Jahre alten Institution. Das ist aber schon lange nicht mehr so. Die Missbrauchsfälle in der Una Sancta und deren Umgang damit, machen mich mehr und mehr zornig und wütend. Sind schon die Taten an sich abscheulich, schlägt die eher halbherzige Aufarbeitung innerhalb der Kirche dem Fass den Boden aus. Dabei hat Jesus selbst uns gezeigt, für wen man da sein sollte und vor allem wie: Für die Kinder, die unser aller Schutz bedürfen. Vor diesem Hintergrund ist es besonders bitter, dass gerade die, die sich als Diener Gottes in den Dienst am Nächsten gestellt haben, diese Aufgabe „ins Gegenteil verkehrt, ja pervertiert haben“, wie es der frühere Berliner Bischof Rainer Woelki dieser Tage formuliert hat. Da kommt einem nur allzuschnell das folgende Jesus-Wort in den Sinn: „Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, dass ihm ein Mühlstein um den Hals gehängt und er ins Meer geworfen würde.“ Da aber auch Jesus hier sicher nicht an Selbstjustiz gedacht hat, würde es schon reichen, wenn die Täter aus der Kirche entfernt und vor ein ordentliches Gericht gestellt würden. Was soll ich sagen? Die katholische Kirche befindet sich vermutlich in einer ihrer größten Krisen. Sie hat es selbst in der Hand, ob sie zum Totengräber in eigener Sache wird oder es dabei bleibt: Deus caritas est.

Ein dreifaches Hoch auf Oma

Es gibt ja heutzutage nichts, was es nicht gibt. Jedenfalls habe ich – aus gegebenem Anlass – Webseiten durchforstet, die listen Sprüche und Gedichte für Omas auf, die 65 Jahre alt werden. Bei der zweiten Webseite habe ich allerdings aufgehört zu lesen und diese Werke ins Reiche der Schüttelreime verwiesen – so nach dem Motto: Schüttelreim, da schüttelst ein’. Da lob’ ich mir doch Udo Jürgens, Gott hab’ ihn selig. Denn der schweiz-österreichische Entertainer war zu seinen Lebzeiten derart treffsicher, das fast jedes seiner Werke ein Hit und Ohrwurm wurde. Das gilt nicht zuletzt für den 1977 veröffentlichten Song: “Mit sechsundsechzig Jahren”. Jedenfalls bietet das Lied, oder genauer gesagt, der Songtexte für Oma, die heute ja einen ganz besonderen Jahrestag feiert, eine hervorragende Perspektive gleich für die nächsten zwölf Monate und darüber hinaus: Mit sechsundsechzig Jahren, da fängt das Leben an – Mit sechsundsechzig Jahren, da hat man Spaß daran – Mit sechsundsechzig Jahren, da kommt man erst in Schuss – Mit sechsundsechzig ist noch lange nicht Schluss. Was soll ich sagen? In diesem Sinne wünsche ich Oma alles, alles Gute und vor allem Gesundheit, auf dass wir noch viele gemeinsame Jahre vor uns haben: Ein dreifaches Hoch auf Oma, ich liebe Dich.

   “De contente mens en de contente vrouw” (frei übersetzt: der zufriedene Mann und die zufriedene Frau), zwei Symbolfiguren aus Brabant, die für Fleiß, Genügsamkeit und Unverwüstlichkeit stehen, haben Oma und Opa ihr Leben lang begleitet und als Vorbild gedient. Es hat geholfen und hilft auch hoffentlich noch ganz viele Jahre weiter: Ein dreifache Hoch auf Oma!

Glückszahl 13

Am Wochenende war es wieder einmal soweit: Opas Firma butterfly communications | hatte Geburtstag. 13 Jahre alt ist das Kommunikationsbüro geworden, das sich nach wie vor bester Reputation erfreut. 13, da werden viele denken, eine Unglückszahl. Doch weit gefehlt. Die Zahl gilt sogar zuweilen als Glückszahl wie zum Beispiel in Italien, wo sie auch noch in Verbindung mit dem Heiligen Antonius gebracht wird. Der steht übrigens bei Oma und Opa hoch im Kurs. Das Stoßgebet „Heilige Antonius, goede vrind, sorg dat ik m’n … vind“ kommt, je älter wir werden, immer häufiger vor. Aber es hilft und wir finden immer, was wir gerade suchen. Was soll ich sagen? Ich bleibe dabei: Wer’s nicht glaubt, soll halt weiter suchen …

 

Kampf ums Überleben

Oma und ich staunten nicht schlecht. Als wir heute mit dem Auto unterwegs waren, entdeckten wir auf der Drakestraße in Lichterfelde-West eine Kastanie, die – obwohl mit unzähligen welken Blättern behangen – an einigen Stellen in voller Blüte stand. “Die muss sich wohl vertan haben”, war unser erster Gedanke. Als ich dann aber das Phänomen im Internet recherchierte, stieß ich auf beunruhigende Informationen. Denn die Kastanie ist offensichtlich nicht mit den Jahreszeiten durcheinander geraten, sondern kämpft ums nackte Überleben. Gründe sind die große Hitze und vor allem die Miniermotte. Weil die Mottenlarven die Blätter aufgefressen haben, versucht die Kastanie, sozusagen als Notreaktion, eine zweite Vegetationsperiode nachzuschieben. So kommen jetzt die Knospen, die der Baum eigentlich für das kommende Frühjahr bereitgehalten hatte. Das aber wiederum hat zur Folge, dass der Baum immer schwächer wird. Bedenklich dabei ist vor allem, dass das Phänomen Jahr für Jahr früher und jetzt schon im August auftritt. Denn, so Experten, wenn die Fraßschäden erst im Herbst auftreten, sind die Auswirkungen auf den Baum noch verkraftbar. So aber dreht sich der Teufelskreis immer schneller. Was soll ich sagen? Es ist befürchten, dass Hitzeperioden wie in diesem Sommer eher die Regel als die Ausnahme sein werden. Zudem gibt es gegen die Miniermotte, die bislang auch kaum Feinde hatte, bis auf das Vernichten der welken Blätter kaum wirksame Maßnahmen. Einziger Hoffnungsschimmer ist, dass immer mehr Vögel den Schädling als Delikatesse entdeckt und auf ihren Speiseplan gesetzt haben. Vielleicht kann man ja auch noch anderen wie Fledermäusen oder Wespen die Motten schmackhaft machen. Die Kastanien würden sich freuen.

Zwei Jahreszeiten in einem Baum: Was nett aussieht, ist aber ziemlich bedrohlich.

Berliner haben’s nicht leicht

Berlin hat’s nicht leicht, oder genauer gesagt: Die Berliner haben’s nicht leicht. „Tote kommen nicht unter die Erde, Geburtsurkunden dauern Monate, jeder Behördengang ist eine Qual: Wer Sehnsucht nach einer linken Sammlungsbewegung hat, sollte sich den Alltag im rot-rot-grün regierten Berlin anschauen“, beginnt eine Kolumne von Jan Fleischhauer auf SPIEGEL ONLINE und ist überschrieben mit: Das Venezuela Deutschlands. Es dauerte nicht lange, da legte Die Welt nach und beschrieb die Missstände so: „Heraus kommt am Ende eine Hauptstadt, die nicht nur zu doof ist, einen Flughafen zu planen oder auch nur einen Radweg zu markieren. Es ist so, als würde Borat Berlin regieren. Hier ist Gentrifizierung, so spotten feine Hamburger, wenn der Nachbar anfängt, mit Messer und Gabel zu essen.“ Verantwortlich für das Elend ist, da sind sich so ziemlich all einig: Der Regierende Bürgermeister Michael Müller und seine Senatoren, über die in besagtem Welt-Artikel wie folgt geschrieben wird: „Der Regierende Bürgermeister wird selbst in seiner eigenen Partei ignoriert, bis auf Innensenator Andreas Geisel haben die meisten Genossen die Namen ihrer Senatoren vergessen. Die Chefin der Grünen, die erzvernünftige Ramona Pop, wird von ihrer linken Basis aggressiv übergangen. Und in der Linkspartei wird im Osten verdrängt, dass die DDR untergegangen ist und so was Ähnliches wie Marktwirtschaft existiert.“ Da kann es auch nicht verwundern, dass bei der jüngsten Umfrage der Regierende wieder auf einem der letzte Plätze landet, was die Zufriedenheitsrate betrifft. Was soll ich sagen? Da lasse ich doch gerne die 1932 geborene Sozialarbeiterin Anneliese Bödecker, die für ihren Einsatz in Berlin 1999 den Verdienstorden des Landes erhielt, zu Wort kommen: „Die Berliner sind unfreundlich und rücksichtslos, ruppig und rechthaberisch, Berlin ist abstoßend, laut, dreckig und grau, Baustellen und verstopfte Straßen, wo man geht und steht – aber mir tun alle Menschen leid, die nicht hier leben können!“ Offenbar war das schon immer so: “Berlin. Es lebt dort ein so verwegener Menschenschlag beisammen, daß man mit der Delikatesse nicht weit reicht, sondern daß man Haare auf den Zähnen haben und mitunter etwas grob sein muß, um sich über Wasser zu halten.” So jedenfalls Johann Wolfgang von Goethe, und das schon am 4. Dezember 1823. Na denn, wenn alles so bleiben soll, wie es ist, muss sich ‘ne Menge ändern.

Berlin – mit Licht und Schatten …

Nachdenken über Gott

Großeltern sind ja zuweilen schon eine merkwürdige Spezies, wie ich bereits in meinem ersten Post geschrieben habe. Aber Großväter sind da sicher noch eine Nummer schärfer, vor allem wenn sie als Strohwitwer alleine daheim sinnieren können. Da sitzt man bei einem Glas Wein auf der Terrasse und denkt über Gott und die Welt nach. Die Welt an sich ist ja schon ein interessantes Thema, das ich aber hier jetzt nicht weiter vertiefen will. Bleiben wir einfach mal bei Gott, an den ich, das bekenne ich hier einmal, glaube. Typisch Katholik werden jetzt viele sagen. Doch so einfach ist das nicht. Denn, das ist jedenfalls mein Credo, wenn es (wirklich) einen Gott (und für die Gender-Fanatiker eine Göttin) gibt, dann gibt es vermutlich nur EINEN (oder EINE). Egal wie der (oder die) dann heißt. Ohne eine der Religionen zu nahe treten zu wollen oder despektierlich zu sein, aber ob nun Gott, Gott Vater, Jesus Christus und der Heilige Geist, Allah, Historischer Buddha, Reinkarnation, Manitu oder wie auch immer es heißt, an was man glaubt, es ist etwas Mystisches, das man nicht wirklich erklären kann, sondern an das man eben glaubt. Insofern bin ich ziemlich beruhigt, was meine Kinder und Enkelkinder betrifft. Denn die sind, zumindest soweit ich das beurteilen kann, grundgute Menschen, so dass ihnen der Himmel – oder wie auch immer das in den anderen Religionen definiert wird – sicher ist. Auch Oma gehört zu dieser Kategorie Menschen, die prinzipiell niemanden etwas zu Leide tun können und eben dieses Schicksal ganz sicher verdient haben. Bleibt nur noch Opa, der sich aber auch nicht wirklich viel in seinem Leben vorzuwerfen hat. So gibt es in unserem familiären Fall also nur noch die entscheidende Frage: Gibt es IHN (SIE) oder gibt es IHN (SIE) nicht? Was soll ich sagen? Was meine Kinder, Enkelkinder und Oma betrifft, so bin ich absolut sicher, dass sie – irgendwann einmal, hoffentlich in ganz, ganz später Zukunft – in Frieden ruhen werden. Was mich betrifft, habe ich das, was man absolutes Gottvertrauen nennt. Vielleicht sehen wir uns ja mal in der Ewigkeit (wieder). Denn das ist die längste Zeit, die noch vor uns allen liegt … Und wenn es denn wirklich das ewige Leben gibt, dann … Ist Hoffnung nicht etwas Göttliches?!?