„Üb immer Treu und Redlichkeit“

Meine Enkel, würde ich sagen, sind brave Jungs. Und sie kennen den Unterschied zwischen gut und böse, zwischen Recht und Unrecht. Wenn jemand bei Rot über die Ampel läuft, monieren sie dies ebenso wie die notorische Missachtung von Verkehrsregeln durch Radfahrer. So weit, so gut. Worüber ich mir Sorgen mache, ist die aktuelle, staatlich geförderte Erosion von Recht und Gesetz. Das gilt für Berlin wie für den Bund. An der Spree können Clans tun und lassen, was sie wollen, den Dealern im Görlitzer Park werden vom Amt Verkaufsflächen zugewiesen, die Rigaer Straße ist mehr oder weniger ein rechtsfreier Raum, ausreisepflichtige Personen werden nicht abgeschoben und Bausenatorin Katrin Lompscher, der vor allem private Eigentumsrechte ein Dorn im Auge sind, schert sich offenbar auch nicht viel um Bau- und Naturschutzrecht. Die Bezirksbürgermeisterin von Steglitz-Zehlendorf fordert sie jedenfalls auf: „Halten Sie sich an Recht und Gesetz!“ Der Beispiele ließen sich sicherlich noch viele mehr finden. Auch im Bund sieht es nicht viel besser aus. Wenn ich alleine daran denke, wie viele Gesetze in der Vergangenheit in Karlsruhe überprüft wurden und bei den Verfassungsrichtern durchgefallen sind, wird mir ganz anders. „Niemand darf sich ohne Sanktionen aus der Geltung des Rechts herausschleichen. Sonst sind Gebote und Verbote nur noch etwas für die Dummen, Braven und Schwachen“, hat der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, gewarnt. Als Beispiel nannte er den Diesel-Skandal. „Die Politik setzt verbindliche Abgas-Grenzwerte fest, ist aber gar nicht willens oder in der Lage, für ihre Einhaltung zu sorgen“, kritisierte er. „Und dann wundert sie sich, wenn Gerichte auf die Befolgung geltenden europäischen oder nationalen Rechts bestehen und Fahrverbote verfügen.“ Was soll ich sagen? Die zunehmende Aggressivität und Rücksichtslosigkeit im öffentlichen Raum weist in eine Besorgnis erregende Richtung. Wie soll ich vor diesem Hintergrund meine Enkel in den nächsten Jahren davon überzeugen, dass man mit „Üb immer Treu und Redlichkeit“ immer noch am weitesten kommt? Ich glaube, ich werde ihnen Matthias Claudius und dessen Vermächtnis an seinen Sohn empfehlen. Darin rät er ihm: „Halte Dich zu gut, um Böses zu tun. Hänge Dein Herz an kein vergänglich Ding“, um dann festzustellen: „Die Wahrheit richtet sich nicht nach uns, lieber Sohn, sondern wir müssen uns nach ihr richten.“

It schimpft isch globat gnua!

„Der gelbe Allgäu-Reiseführer aus der ADAC-Plus-Reihe ist also ideal für alle, die sich etwas intensiver mit dem Allgäu, mit Geschichte, Kultur, Land und Leuten befassen möchten“, sagt Barbara Kettl-Römer über ihr jüngstes, im Juni 2019 herausgekommenes Baby. Und in der Tat: Der Reiseführer bietet selbst mir als gebürtigem Kemptener reichlichen wie guten Lesestoff gespickt mit durchaus interessanten Details, die selbst ich so nicht kannte. So zum Beispiel, dass es 30.000 Kühe sind, die im Sommer auf Alpen weiden. Oder dass der Juni mit 19 Regentagen der regenreichste Monat ist. Überhaupt ist das ganze Buch mit viel (Heimat-)Liebe geschrieben, besonders dem Magazin-Teil merkt man an, dass die Autorin in der Gegend verwurzelt ist. Während der Reiseführer das ganze Allgäu abdeckt, sei mir verziehen, dass ich mich mehr auf das südliche Oberallgäu konzentriere, das neben Kempten meine zweite Heimat ist. „“Berge und Natur pur“ heißt es da in der Überschrift zu Recht, wobei sich mein Augenmerk vor allem auf Fischen und die Hörnerdörfer sowie Oberstdorf richtet. Die Beschreibungen „Allgäu-Idylle inmitten stolzer Berge, die den Dörfern den Namen gaben“ und „Quirliger Urlaubsort mit großem Freizeitangebot in reizvoller Umgebung“ sprechen für sich und sind keinesfalls übertrieben. Und alles, was man wissen muss, findet man auch noch. Was soll ich sagen? 14,99 Euro sind da wirklich nicht zu viel, wenngleich ich eine kleine kritische Anmerkung machen muss. Als leidenschaftlichem (Allgäuer) Hobbykoch ist mir fast die Schöpfkelle aus der Hand gefallen, als ich gelesen habe, dass man, um Kässpatzen selbst zu machen, neben den Zutaten und einem Kochlöffel nur einen Spatzenhobel benötigt – einen Spatzenhobel??? Das geht gar nicht. Bei mir kommen die Spatzen vom Brett und sind auch richtige Spatzen. Aber gut, wir reden hier ja auch von einem Reiseführer und nicht von einem Kochbuch. Insofern sei dem ADAC und der Autorin noch einmal verziehen, will sagen: It schimpft isch globat gnua! (Für Nicht-Allgäuer: Nicht geschimpft ist gelobt genug.)

Einfach das Alter genießen?

Oma und ich haben uns richtig gefreut: Endlich wieder Fußball! Heute Abend stand beim ZDF der Audi Cup auf dem Programm. Als das erste Vorrundenspiel zwischen Real Madrid und Tottenham Hotspur gerade vorbei war, kam der obligatorische Werbeblock, in dem sich Aldi eine Sequenz gesichert hatte. Und da fiel uns fast der Unterkiefer auf die Tischplatte: Da wurden doch eine Gehstock, eine Greifhilfe und ein Rollator sowie irgendein technischer Schnickschnack angepriesen mit dem Slogan: Einfach das Alter genießen. Was soll ich sagen? Mir fällt da nur ein: Aldi, geht’s noch? Als wenn wir so ein Klump bräuchten, um unser Alter zu genießen. Oma und ich haben da ein paar andere Ideen. Ich will jetzt nicht ins Detail gehen. Aber unsere Vorstellung von Genießen sieht anders aus. Und die, die oben erwähnte Utensilien wirklich brauchen, werden sich bei diesem Slogan doch wohl eher peinlich berührt fühlen. Denn von Genießen kann ja dann wohl nicht mehr so richtig die Rede sein. Als Kommunikationsmensch fragte ich mich bloß: Welche Werbeagentur war das denn?

Hamburger at its best

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Dass Stanley Tyrone Greene Spaß an der Freud hat, sieht man ihm an. Der 64-Jährige, der aus Florida stammt, lebt seit 40 Jahren in Berlin. 15 Jahre lang war er als US-Soldat in Dahlem stationiert, danach probierte er eine Reihe von Dingen aus, was 2010 zu dem Entschluss führte: Ich mache meine eigene Grillsauce, was angesichts dessen, dass er Sohn eines Kochs ist, vermutlich nicht die schlechteste Idee war. Jedenfalls folgte 2017 die Eröffnung seines House of Mmi, sozusagen die Homebase seiner Mmi-Grillsauce, die natürlich auf seinen Hamburgern und, was er sonst noch so alles in seinem Grill am U-Bahnhof Freie Universität/Thielplatz zu bieten hat, nicht fehlen darf. Was soll ich sagen? Als Oma und ich jetzt dort unseren ersten Cheeseburger und die French Fries gegessen haben, kam uns nur eines in den Sinn: Leute, vergesst McDonald’s oder Burger King. Wer einen richtigen Hamburger und richtig leckere Pommes Frites essen will – und das Glück hat, in Berlin zu sein -, sollte sich in den Südwesten der Stadt aufmachen. Unser letzter Besuch bei Greene war das sicher nicht: Hamburger at its best.

Opa und die Katze auf dem Dach

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Was früher – also zu den Spielzeiten meiner Kinder – noch Frisbee, Carrera-Bahn und He-Man waren, sollen heute – zumindest, wenn es nach dem Spielzeug-Hersteller geht – Aerobie, Air Hogs und Bakugan sein. Obwohl ich bislang davon ausgegangen war, zumindest so einigermaßen auf der Höhe der Zeit zu sein, hatte ich bislang von diesen Namen noch nichts gehört. Und auch bis zu meinen beiden Enkeln, acht und neun Jahre alt, war, wie eine Blitzumfrage jetzt ergab, dieses Freizeit-Equipment noch nicht durchgedrungen. Dabei soll der Wurfring Aerobie Pro bereits 406 Meter weit geworfen worden sein, was ich, mangels Versuch, noch nicht bestätigen kann. Der Air Hogs Zero Gravity Laser Racer aber fährt tatsächlich an Wand und Decke. Und, wenn ich das richtig verstanden habe, kann man mit den Bakugan spielend nichts Geringeres als unsere Welt retten – wenn man denn genügend Charaktere sammelt. Es bleibt also viel zu tun, habe ich mir auf dem Heimeg gedacht. Als ich aber bei meinem Auto ankam, harrte erst einmal ein anderes Problem seiner Lösung. Denn eine Katze hatte es sich auf dem in diesen Tagen gut temperierten Cabrio-Dach bequem gemacht, ohne sich von mir auch nur im Geringsten stören zu lassen. Erst als ich das ganze Spielzeug auf der Motorhaube platziert hatte, um die Hände frei zu bekommen, wurde das Tier neugierig und bequemte sich herab, um die diversen Verpackungen etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Was soll ich sagen? Die Katze war offensichtlich schwer beeindruckt. Denn es bedurfte noch einer gehörigen Portion Überredungskunst, sie oder ihn dazu zu bewegen, den Weg freizumachen. So bleibt nur noch abzuwarten, wie unsere beiden Jungs reagieren, wenn sie sich mit den Sachen beschäftigen. Vielleicht kommen sie ja auf ein ähnliches Ergebnis wie die Katze auf dem heißen (Blech-)Dach und urteilen: Tierisch gut. Dittsche würde jetzt vielsagend zum Besten geben: Man weiß es nicht.

Schwer beeindruckt von den diversen Spielsachen zeigte sich diese Katze auf Opas Auto.

FaceApp: Uns gibt’s schon in alt

Es gibt aktuell ein Smartphone-Programm, das besonders beliebt ist. FaceApp heißt die Anwendung, mit der man u.a. sehen kann, wie man im Alter aussieht. Offensichtlich interessiert das gerade vor allem jüngere Menschen, die ihre Konterfeis mit Falten millionenfach in den sozialen Netzwerken posten. Nun scheint die Sache einen Haken zu haben. Jedenfalls gibt es mittlerweile weltweit Sicherheitsbedenken wegen des Umgangs mit den persönlichen Daten. Entwickelt hat das Programm die russische Firma Wireless Lab, die in St. Petersburg ansässig ist. Diese Firma nun lässt sich von den Nutzern uneingeschränkten und unwiderruflichen Zugriff auf die persönlichen Fotos und Daten gewähren, die automatisch an einen Server geschickt werden. Was damit später einmal geschieht, steht in den Sternen. Zumindest ist nicht ausgeschlossen, dass die Bilder künftig öffentlich und privat ohne die Zustimmung der Nutzer gebraucht würden. Was soll ich sagen? Oma und ich brauchen das Programm nicht, sondern nur einen Spiegel, um zu sehen, wie wir in alt aussehen.

Opa und Oma gibt’s schon in alt – auch ohne FaceApp.

Lichterfelder West-Wand

Die meisten Menschen werden denken: Berlin und Berge haben nichts miteinander zu tun. Doch weit gefehlt. Es gibt beispielsweise den Kreuzberg und den Teufelsberg. Auf letzterem hat sogar einmal ein FIS-Skirennen stattgefunden. Es ging um Weltcup-Punkte im Parallel-Slalom. Am 28. Dezember 1986 waren zahlreiche Stars, darunter DSV-Ass Markus Wasmeier aus Deutschland, Slalom-Seriensieger Ingemar Stenmark aus Schweden und Slalom-Weltcupsieger Bojan Krizaj aus Jugoslawien, am Start und – hatten das Nachsehen. Gewinner war am Ende auf der 82 Höhenmeter messenden Piste der österreichische Abfahrts-Olympiasieger von 1980, Leonhard Stock, der nach langer Verletzungspause wieder fit war und im Finale siegte. Allerdings blieb das der einzige alpine Höhepunkt an der Spree, obwohl es in Berlin einen Skiverband und eine Sektion des Deutschen Alpenvereins gibt. Beide Institutionen werden allerdings jetzt aufhorchen, nachdem sich im Südwesten der Stadt alpin Gewaltiges getan hat. In der Baseler Straße konnte sich der Hauch von Eiszeit, der dereinst drei Steine vom Himmel fallen ließ, zu einem Bergmassiv mausern, das bei Bergsteigern als Lichterfelder West-Wand berüchtigt werden dürfte. Der erste hat den Berg bereits bezwungen und ein Gipfelkreuz aufgestellt, das immer mehr Gleichgesinnte nach sich zieht. Was soll ich sagen? Bei uns im Südwesten der Stadt ist die Welt noch in Ordnung und Luis Trenker lebt. Denn wer genau hinhört: Der Berg ruft!

Pflichtlektüre für Entscheider

Wer tagtäglich Zeitung liest und die Nachrichtensendungen der Fernsehanstalten verfolgt, kommt unweigerlich zu dem Ergebnis: Die Welt ist aus den Fugen. Doch ist sie das wirklich? Oder ändert sie sich nur in einem Maße und einer Geschwindigkeit, die unsere Wahrnehmungsfähigkeit übersteigen und uns die Dinge nicht mehr richtig ein- und zuordnen lassen? Wer das neue Buch von Peter Frankopan „Die neuen Seidenstraßen“ gelesen hat, dem fällt es wie Schuppen von den Augen: Letzteres ist der Fall. Mehr noch: „Der Aufstieg dieser neuen Welt vollzieht sich vor unseren Augen, angetrieben von Machtverschiebungen, die so grundlegend sind, dass man sich kaum vorstellen kann, wie sie verlangsamt, zurückgehalten oder gar gestoppt werden können – es sei denn, durch kriegerische Konflikte, Epidemien oder Klimawandel, alles Kräfte, die in der Vergangenheit eine wichtige Rolle gespielt haben, wenn es darum ging, die Weltgeschichte zu prägen, ihr eine neue Richtung zu geben und Gegenwart wie Zukunft zu gestalten“, schreibt Frankopan, wobei er an anderer Stelle präzisiert: „Das ist keine Welt, die ganz neu geboren wird; es ist eine alte Welt, die wiedergeborene wird.“

Damit wären wir am Anfang des Buches, an dem es heißt: „Die Welt der Vergangenheit wurde durch das Geschehen entlang der Seidenstraßen geprägt. Das wird auch in Zukunft wieder so sein.“ In diesem Zusammenhang besteht für den Autor „kaum ein Zweifel daran, dass es in vielen, wenn nicht gar in den meisten Fällen China ist, das bei der Neugestaltung dieses Teils der Welt, der in der Weltgeschichte eine so bedeutende Rolle gespielt hat, als Katalysator fungiert. Es ist zwar nicht leicht, den genauen Betrag zu ermitteln, der bislang investiert oder für Investitionen bereitgestellt wurde, doch wurden auf jeden Fall etliche entscheidend wichtige Großprojekte auf den Weg gebracht.“

An erster Stelle nennt Frankopan die „Belt and Road“-Initiative, ein gewaltiges Infrastruktur-Projekt des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping. Die Dimension beschreibt er wie folgt: „Seit der Verkündung dieses Projektes im Jahr 2013 wurden fast eine Billion US-Dollar für Infrastrukturinvestitionen zugesagt, hauptsächlich in Form von Krediten für rund eintausend damit verbundene Einzelmaßnahmen. Manche glauben, dass die Summe, die in Chinas Nachbarstaaten und darüber hinaus in jene Länder fließen, die an den Land- und Seewegen des Seidenstraßen-Projektes liegen, sich letztlich auf ein Vielfaches dieser Investitionssumme belaufen werden. Ziel ist es, ein Netzwerk aus Eisenbahnstrecken, Autobahnen, Tiefseehäfen und Flughäfen zu schaffen, das immer stabilere und schnellere Handelsverbindungen ermöglicht.“ Das System der alten Seidenstraßen – einschließlich seiner Erfolge – diene dabei als „Matrix für Chinas langfristige Zukunftsperspektive.“

Die Dimension des Ganzen ist mehr als beeindruckend: „Inzwischen sind mehr als 80 Länder Teil der Initiative. Dazu gehören die zentralasiatischen Republiken, die Länder Süd- und Südostasiens, des Nahen und Mittleren Ostens, der Türkei und Osteuropas – aber auch Staaten in Afrika und in der Karibik. Mit insgesamt 4,4 Milliarden Menschen leben entlang der neuen Seidenstraßen zwischen China und dem östlichen Mittelmeerraum mehr als 63 Prozent der gesamten Weltbevölkerung, mit einem kollektiven Bruttoinlandsprodukt von 21 Billionen US-Dollar – oder 29 Prozent des globalen BIP.“

Da reibt man sich verwundert bis verängstigt die Augen, wenn man lesen muss: „Ob der Westen fähig ist, sich auf die Zukunft vorzubereiten, erscheint gegenwärtig fraglich. In Europa konzentrieren sich Energie, Ressourcen und das Augenmerk von Politikern, politischen Entscheidungsträgern und Bürokraten fast ausschließlich auf eine einzige Frage: Europa selbst. Es ist mehr als ironisch, dass diese ausgedehnte Periode introvertierter Selbstbeschäftigung in eine Zeit fällt, da überall sonst auf der Welt neue Bündnisse geschmiedet werden – ein klassischer Fall von Selbstvergessenheit: Rom brennt, und statt zu löschen, besingt man den Untergang. In den USA sieht es nicht viel besser aus.“ Demgegenüber: „China, Russland, die Türkei und der Iran sind bei alldem darauf eingestellt, dass sich die Welt verändert. Mit Verblüffung stellt man fest, wie viele Staaten in ganz Asien dies ebenfalls nicht nur verstanden haben, sondern aktiv versuchen herauszufinden, wie sie sich am besten auf die Zukunft vorbereiten können. Fast alle haben Pläne entwickelt, in denen ihre kurz- und mittelfristigen Chancen und Herausforderungen verzeichnet sind, sowie Analysen, wie man damit umgehen sollte.“

„Ein typisches Beispiel für die Art und Weise, wie das Herzstück der Welt vernetzt wird, ist“, so der Globalhistoriker, „eine Konferenz, die im November 2017 in Samarkand stattfand. Dort trafen sich hohe Beamte aus den zentralasiatischen Republiken sowie aus Afghanistan, Russland, China, der Türkei, dem Iran, Indien und Pakistan, um Möglichkeiten der Kooperation im Umgang mit Terrorismus, religiösem Extremismus, dem transnational organisierten Verbrechen und dem Drogenhandel zu erörtern. Thema der Konferenz: ‚Zentralasien: Eine Vergangenheit und eine gemeinsame Zukunft – Zusammenarbeit für eine nachhaltige Entwicklung und wechselseitigen Wohlstand‘.“

Was soll ich sagen?

Eine derart detaillierte und umfassende Analyse muss man lange suchen, wobei Frankopan weder die vielen kleinen Puzzleteile noch das Gesamtbild aus den Augen verliert. Was Autor wie Leser gleichermaßen verblüfft, „sind die unterschiedlichen Reaktionen auf den Wandel im Osten und im Westen: im einen Teil der Welt Hoffnung und Optimismus hinsichtlich dessen, was die Welt von morgen bringen wird, im anderen eine Angst, die so akut ist, dass die Länder sich im Inneren mehr und mehr spalten.“ Viel Zeit bleibt dem Westen, insbesondere Europa nicht. Entweder können wir morgen sagen: Gestern noch standen wir am Abgrund, heute sind wir einen großen Schritt vorwärts gekommen. Oder wir folgen der Erkenntnis: Wenn alles so bleiben soll, wie es ist, muss sich eine Menge ändern. Was in jedem Fall geschehen muss, ist, dass das Buch „Die neuen Seidenstraßen“ Pflichtlektüre für alle politischen und wirtschaftlichen Entscheider wird.

Peter Frankopan, Die neuen Seidenstraßen
Rowohlt, Berlin,2019, 352 Seiten, 22,00 Euro, IBAN 978-3737100014

Nachhaltiges Schlürfen

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Wie viele Einweg-Strohhalme werden jeden Tag auf der Welt wohl weggeschmissen? Man glaubt es kaum: Es sind rund 3 Milliarden, was dem Gewicht von etwa 500 Orcas entspricht. Als „gewaltigen ökologischen Fußabdruck“ bezeichnet das Unternehmen HALM aus Berlin diesen Umstand und ist das Problem auch gleich angegangen: Und zwar mit wiederverwendbaren Trinkhalmen aus extrem stabilem Glas. Dass es die Halme in verschiedenen Formen und Größen gibt, versteht sich von selbst. Auch gravierte Exemplare zu ganz speziellen Anlässen kann man bestellen. Das Angebot jedenfalls ist gewaltig. Was soll ich sagen? Das ist endlich mal ein Umweltschutz-Ansatz, der nicht nur an Symptomen herumdocktert, sondern das Problem dort angeht, wo es entsteht. Statt wieder Plastik zu produzieren und es hinterher mühsam einzusammeln, wird als Alternative wiederverwertbares Glas genommen. Wie groß das Plastikproblem auf der Welt ist, zeigt der unten eingebettete Film. Wenn man ihn gesehen hat, weiß man die Idee von HALM erst richtig zu schätzen. In diesem Sinne: Viel Spaß beim nachhaltigen Schlürfen.

Auf den Spuren meines Opas

Alles wiederholt sich nur im Leben,
Ewig jung ist nur die Phantasie;
Was sich nie und nirgends hat begeben,
Das allein veraltet nie!

So lauten die vier letzten Zeilen von Friedrich Schillers Gedicht “An die Freunde”. Ich will dem großen deutschen Dichter und Denker ja nicht widersprechen, aber nach meiner unmaßgeblichen Meinung kann man darüber durchaus streiten. Denn veraltet ist Bergwandern noch lange nicht, ganz im Gegenteil: Es ist angesagt wie schon lange nicht mehr. Jedenfalls sind unsere beiden Enkel wacker mit uns durchs Allgäu gestiefelt, so, wie es mein Großvater schon mit mir gemacht hat. Allerdings waren angesichts der Tatsache, dass sie heute schon ein paar Jährchen älter sind, als ich es seinerzeit war, unsere Touren etwas weiter und umfangreicher gewesen. Entsprechend ausgerüstet sind wir am Fuße des Rubihorns gewandert, vom Söllereck hinab gestiegen, am Gipfelkreuz des Nebelhorns gewesen, haben am Heuberg Brotzeit gemacht und den Gipfel des Fellhorns erklommen. Für eine Woche ein sportliches Programm, das nachmittags mit einem Besuch des Fischinger Freibades belohnt wurde. Und die Sonne strahlte mit uns um die Wette. Was soll ich sagen? Als Allgäuer soag I: Mei isch des schea wenn’s schea isch!