Man hat es oder hat es nicht

Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich: Die SPD, namentlich ihr Generalsekretär Lars Klingbeil, hat jetzt ein “Grundeinkommensjahr” gefordert. In einem Interview mit ZEIT ONLINE beschreibt der SPD-Politiker das so: “Ein Grundeinkommensjahr würde Arbeitnehmern Zeit zurückgeben für Dinge, die sie neben der Arbeit nicht schaffen. Mit jedem Jahr, das man arbeitet, spart man einen Monat Grundeinkommen an. So könnte man nach sechs Jahren Arbeit ein halbes Jahr aussetzen und nach zwölf Jahren Arbeit ein ganzes. Bei dem Modell, das ich vorschlage, würden die Beschäftigten in dieser Zeit jeden Monat 1.000 Euro netto bekommen. Darauf müssten keine Steuern bezahlt werden und die Krankenversicherungsbeiträge würde der Staat übernehmen.” Was soll ich sagen? Das klingt doch ziemlich nach: “Wir versaufen unser Oma ihr klein Häuschen.” Aber vielleicht hat Klingbeil ja an seine Vorsitzende Andrea Nahles gedacht, die – seinerzeit selbst noch Generalsekretärin – im Bundestag das Pippi-Langstrumpf-Lied anstimmte: “Ich mach’ mir die Welt, Widdewidde wie sie mir gefällt.” Dabei merkt doch sogar ein Blinder mit dem Krückstock, worum es hier in Wirklichkeit geht: Nicht um die Zukunft der Menschen, sondern nur um die der SPD, die an einem existenzbedrohenden Wählerschwund leidet und bei Wahlen nur noch feststellen kann: Sicher über 5 Prozent! Doch so dumm ist der deutsche Michel nun auch nicht und denkt vermutlich an Johann Wolfgang von Goethes “Torquato Tasso”, auf den die Redewendung zurückgeht: “Man merkt die Absicht und ist verstimmt.” Und so wird am Ende wohl Theodor Fontane recht behalten, der die Vergeblichkeit des Wollens so eindrucksvoll formuliert hat: “Nur als Furioso nichts erstreben | Und fechten bis der Säbel bricht, | Es muß sich Dir von selber geben – | Man hat es oder hat es nicht.“

Neues Denken für eine neue Zeit

Im Grunde bin ich ein positiver und optimistischer Mensch. Gewiss: Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt sind Gemütszustände, die mir nicht völlig fremd sind. Aber unterkriegen lasse ich mich am Ende dann doch nicht und, so beschreiben es Freunde, erfinde mich zur Not immer wieder neu. Das ist bis heute gut gegangen und wird es wohl auch, so Gott will, bis an mein Lebensende, so dass ich mir um meine Frau und mich keine größeren Sorgen mehr mache und inständig hoffe, dass wir noch lange gesund und fit bleiben.

Wenn ich allerdings mit Blick auf meine Kinder und Enkelkinder in die Zukunft schaue, wird meine Zuversicht doch ein wenig erschüttert – und dass, obwohl junge Menschen nirgendwo auf der Welt bessere Zukunftschancen haben als hier in Deutschland. Denn es gibt Indikatoren, die darauf hinweisen, dass doch nicht alles Gold ist, was da glänzt.

Da ist beispielsweise der Bericht der Weltbank, der jedes Jahr weltweit mit Spannung erwartet wird und recht unspektakulär „Doing Business“ heißt. Analysiert wird, wie einfach es ist, in den einzelnen Ländern Unternehmen zu gründen und zu führen, also Geschäfte zu machen. Und genau in diesem Bericht befindet sich die Bundesrepublik auf der schiefen Ebene. So rutschte sie im Vergleich zum Vorjahr um vier Plätze nach unten auf den 24. Platz. Ein Jahr zuvor waren es bereits drei Plätze, die unser Land eingebüßt hatte.

Was soll’s, könnte man sagen, das ist ja nur eine Momentaufnahme. Aber, die Tendenz zeigt eben nach unten, was Investoren nicht unbedingt nach Deutschland locken dürfte. Dabei scheint es gar nicht so schwer zu sein, gute Rahmenbedingungen für Zukunftsinvestitionen zu schaffen. Jedenfalls zeigen uns Länder wie Georgien und Mazedonien, wie es geht, und sind in der Rangliste bereits weit nach oben in die Top Ten entrückt.

Und so kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass, während der Wind der Veränderung bläst, hierzulande – im Sinne des chinesischen Sprichwortes – mehr Mauern als Windmühlen gebaut werden. Dabei erwarten die Menschen zu Recht Antworten auf die drängendsten Fragen unser Zeit: Wie bewältigen wir die weltweiten Migrationsbewegungen, ohne unsere Grundwerte über Bord zu werfen? Wie gestalten wir die Globalisierung und halten dabei gleichzeitig unsere Gesellschaft zusammen? Wie gehen wir mit dem Klimawandel um und kommen zu einem interessensgerechten Ausgleich zwischen Ökologie und Ökonomie? Und nicht zuletzt: Wie holen wir in der Digitalisierung auf und verhindern, dass unser Land den Anschluss an die weltweite Entwicklung komplett verliert?

Bundesregierung und Landesregierungen haben da bislang ebenso versagt wie die Parteien und alle anderen gesellschaftsrelevanten Gruppen. Noch fehlt ein überzeugender Masterplan für die Gesellschaft 4.0, in der wir alle, vor allem aber unsere Kinder und Enkelkinder eine sichere und lebenswerte Zukunft haben. Doch die Zeit drängt. Populisten jedweder Couleur versuchen derzeit, den Menschen weiszumachen, sie hätten des Rätsels Lösung und machen doch nichts anderes, als die Gesellschaft zu spalten.

Das gilt national wie international. Egal wohin man schaut, es ist immer das Gleiche: Ob Trump, Putin, Erdogan, Duda, Orban oder Kurz, sie alle spielen die nationale Karte und bedienen mit ihrem Nationalismus nur niedere Instinkte. Gleiches gilt natürlich auch für Alice Weidel und Alexander Gauland mit ihrer vermeintlichen Alternative für Deutschland, die eher eine Unmöglichkeit für Deutschland ist. Schließlich weiß heute ein jedes Kind, dass die wirklichen Probleme nur noch länderübergreifend gelöst werden können.

In Europa bedeutet das, dass die Europäische Union mit allen Mitteln gestärkt werden muss, damit sie auf Augenhöhe mit den Vereinigten Staaten von Amerika, mit Russland und mit China, mit Brasilien und mit Indien reden kann. Ein kleinstaatliches Europa stünde völlig auf dem verlorenen Posten.

Was also ist zu tun? Wie sieht der Plan aus? Welche Grundsatzentscheidungen sind zu treffen?

Wenn wir als Deutsche Europa stärken wollen, müssen wir erst einmal unsere Hausaufgaben machen. Dabei sollte ein Grundsatz befolgt werden, der für jede schwäbische Hausfrau eine Selbstverständlichkeit ist: Wir können nicht mehr ausgeben, als wir einnehmen. Wirtschaftspolitisch gesehen bedeutet das, dass die soziale Marktwirtschaft Ludwig Erhards nicht nur auf das Soziale reduziert werden darf, wie das gerade SPD-Bundesfinanzmister Olaf Scholz vor dem Hintergrund sprudelnder Steuerquellen mit seinen Rentenplänen tut.

Angebracht wäre da vielmehr, dass er einmal in seinem Hause ins Archiv steigt und ein Papier aus dem Jahre 1982 ausgräbt, das unter dem Namen „Lambsdorff-Papier“ seinerzeit für Furore sorgte. Dabei sind die vier Kernpunkte es durchaus wert, auch heute noch Beachtung zu finden. Denn Konsolidierung des Haushalts, Schaffung von Anreizen zu arbeitsplatzfördernden Investitionen, Eindämmung der explodierenden Sozialstaatskosten und Deregulierung im Inneren und nach außen gehen in der Tat in die richtige Richtung.

Wenn dabei auch noch erreicht wird, dass es der Wirtschaft und den Arbeitnehmern gleichermaßen gut geht, letzteren bezahlbare Wohnungen zur Verfügung stehen und für deren Kinder eine zukunftsgerechte Bildung angeboten wird, dann lässt sich ganz sicher auch der notwendige Ausgleich zwischen Umwelt und Wirtschaft ideologiefrei herstellen. Und wenn es uns darüber hinaus auch noch gelingt, den Fluchtursachen in den diversen Ländern wirksam zu begegnen, bleiben hierzulande genügend Ressourcen, um der Digitalisierung nicht nur hinterherzulaufen, sondern sie voranzutreiben. Und vielleicht hat ja dann der eine oder andere auch noch Zeit und Lust, sich den Themen Künstliche Intelligenz und Mobilität zu widmen.

Es geht aber um noch mehr. Wir müssen endlich auch die Widersprüche auflösen, die uns so zu lähmen scheinen: Wie kann im Zeitalter von Terrorismus und Bandenkriminalität die Sicherheit der Menschen  garantiert werden, ohne deren Freiheit unverhältnismäßig einzuschränken? Wie kann notwendiges wirtschaftliches Wachstum gefördert werden, ohne unverantwortlichen Raubbau an der Natur zu betreiben? Was kann der Einzelnen für die Gemeinschaft tun und was die Gemeinschaft für den Einzelnen? Wie viel Eigensinn kann Gemeinsinn aushalten? Wie kann nationale Identität im Rahmen internationaler Kooperation weiter bestehen?

Man muss es vielleicht nicht ganz so dramatisch beschreiben wie Albert Einstein, wonach eine neue Art von Denken notwendig ist, wenn die Menschheit weiterleben will. Aber neu zu denken, ist sicherlich nicht das schlechteste Mittel, um an die verschiedenen Themen heranzugehen – ganz in dem Sinne: Neues Denken für eine neue Zeit!

“Opa spricht” – leider nicht

Opa ist einer von 28.000 Menschen, die sich in diesem Jahr für “Deutschland spricht” angemeldet haben, um am kommenden Sonntag mit einem politisch Andersdenkenden zu diskutieren. Der, der für ein Gespräch mit mir ausgesucht worden war, nennt sich Harald, ist 27 Jahre alt und scheint mit mir in folgenden Fragen uneinig: Haben die #Metoo-Debatte und die Diskussion um sexuelle Belästigung etwas Positives bewirkt? Sollte Fleisch stärker besteuert werden, um den Konsum zu reduzieren? Sollten deutsche Innenstädte autofrei werden? Angesichts dessen hatte ich mich schon auf die Diskussion gefreut. Das allerdings war wohl ein wenig voreilig. Denn der junge Mann, so wurde mir jetzt mitgeteilt, hat das Treffen leider nicht bestätigt. Was soll ich sagen? Schade! Das Gespräch wäre sicherlich spannend geworden. Aber vielleicht hat meinen potentiellen Gesprächspartner ja mein Alter abgeschreckt und er sich gedacht: 65 Jahre – und kein bisschen weise. Ein klarer Fall von denkste, sag ich jetzt mal.

Wahnsinn mit Methode

Berlin hat eine neue Touristenattraktion, genauer gesagt der Bezirk Steglitz-Zehlendorf. In der Leo-Baeck-Straße in Zehlendorf gibt es seit neuestem nämlich eine, ja wie soll man sagen, Straßenmalerei, die neugierig macht. Während auf der einen Straßenseite die Linien kerzengerade verlaufen, formen sie auf der anderen Seite ein gezacktes Muster, das eine versteckte Botschaft an Außerirdische sein muss. Dabei dürften die Zeichen vom Himmel, vom All aus gesehen eindeutig sein: Nichts wie wieder weg! Die ganze Welt ist ein Irrenhaus. Und die Zentrale sitzt in Berlin. Doch mal im Ernst: Das, was sich das bezirkliche Straßenbauamt da geleistet hat, geht auf keine Kuhhaut und schon gar nicht auf einen Radweg. Während die Radler im Zickzack fahren müssen, bleibt den Fußgängern nichts anderes übrig, als es diesen im Zickzack gleich zu tun. Platz dafür ist nicht viel da. Aber was soll’s. So etwas passiert halt mal, wenn der Senat ein Leitbild vorgibt, das da lautet: Die Stadt soll sich sozial, modern und nachhaltig entwickeln. Was soll ich sagen? Da fallen mir gleich zwei Zitate ein, wobei ich mit dem englischen Dichter und Dramatiker William Shakespeare beginnen will: “Ist dies schon Wahnsinn, so hat es doch Methode.” Und dann noch Franz Kern, deutscher Feintechniker und Uhrenhersteller: “Wahnsinn ist die vollkommene Form der Kreativität, mit der die anderen nichts anzufangen wissen.”

     Botschaften für Außerirdische? Die neuen Straßenmalereien in Steglitz-Zehlendorf stoßen jedenfalls schon mal auf ein reges Interesse von Filmschaffenden und Fotografen.     

Für ein vereintes Europa

Es war und ist ein starkes Signal. Und der Tag hätte nicht besser gewählt worden sein. Am Freitag erschien im Berliner Tagesspiegel ein offener Brief der Nachfahren der Frauen und Männer des deutschen Widerstands gegen den Nationalsozialismus, der an diesem Tag vor 74 Jahren seinen Höhepunkt in dem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler fand. 400 Personen haben diesen Brief unterschrieben, in dem die tiefe Sorge um Frieden und Freiheit zum Ausdruck kommt und die mit “Botschaft für ein vereintes Europa” überschrieben ist. Die Botschaft lautet:

“Heute vor 74 Jahren scheiterte der Umsturzversuch der Männer und Frauen des 20. Juli. Wo stünde Europa heute, wenn der Tag einen anderen Verlauf genommen hätte? Wenn das Attentat Stauffenbergs geglückt, Hitler getötet worden, Deutschlands Diktatur bereits 1944 beendet worden wäre.

Vom Kreisauer Kreis und vielen nach dem 20. Juli zum Tode verurteilten Widerstandskämpfern wissen wir, dass es den Verschwörern wichtig war, ein geeintes Europa der Völker zu errichten, in dem der Mensch und nicht die Nation im Vordergrund steht, in dem das Gemeinsame höher gewichtet wird als das Trennende. Sie waren mit ihrer Vorstellung nicht allein. Auch andere Widerstandsgruppen wie die Weiße Rose träumten von einem vereinten Europa. Denn nur in einem geeinten Europa kann es Frieden geben.

  Die Botschaft im Tagesspiegel.

Der europäische Staatenverbund steht heute vor einer Zerreißprobe. Die Grundsätze von Humanität, Solidarität und Gerechtigkeit, die in der Aufklärung und durch die Erfahrungen zweier Weltkriege erarbeitet wurden, scheinen immer weniger wert zu sein. Statt gemeinsam an den Herausforderungen der Zukunft zu arbeiten, ziehen sich immer mehr Bürgerinnen und Bürger zurück, während Populisten mehr und mehr Zulauf erhalten, Politiker verbal aufrüsten und auf Abschottung setzen.

Das ist nicht das Vermächtnis, das die Männer und Frauen des 20. Juli, aus der Arbeiterbewegung, der Roten Kapelle und weiterer Widerstandskreise im Sinn hatten. Mit ihrem Widerstand haben sie ein Zeichen gesetzt, das heute noch genauso gilt wie damals: Es erfordert Mut und Zivilcourage, um Recht, Freiheit und Demokratie zu verteidigen. Aber auch Menschlichkeit und Zusammenhalt. In den vergangenen Jahrzehnten ist Europa zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen, die auf Rechtsstaatlichkeit, freiheitliches Denken und Handeln, Toleranz, Respekt und die Achtung der Menschenwürde baut. Diese Errungenschaft sollten wir nicht sorglos aufs Spiel setzen.

Wir möchten an diesem Tag an den Mut und die visionäre Kraft unserer Eltern, (Ur-) Großeltern, Onkel und Tanten erinnern und hoffen, dass nationale Alleingänge nicht das geeinte, starke, friedliche Europa gefährden, das sie für sich, uns und unsere Kinder erhofft hatten.”

Was soll ich sagen? Es ist zu wünschen, dass dieser Brief als Weckruf wahrgenommen wird und sich viele Menschen wieder bewusst werden, dass ein demokratisches Leben in Frieden und Freiheit kein Geschenk des Himmels, sondern das Ergebnis eines täglichen Ringes für unsere freiheitliche Grundordnung. Christina Rahtgens, Mit-Initiatorin des Briefes, hat in einem Interview auf den Punkt gebracht, worum es im Kern geht: “Die Stimme erheben, Haltung zeigen, anständig bleiben.” Wer das und den Brief nicht unterschreiben kann, gefährdet in unverantwortlicher Weise die Zukunft all unserer Kinder und Enkel. Der Unterschriften von Oma und Opa jedenfalls können sich die Initiatoren sicher sein.

“Das kann nicht gut gehen!”

“Wer ist der bekannteste Mensch der Welt?”, wollte dieser Tage unser ältester Enkel wissen. “Michael Jackson”, meinte seine Mutter. Doch der sagte ihm nichts, was vermutlich etwas mit seinem Alter zu tun hat. Also versuchte sie es noch einmal und meinte: “Donald Trump.” Von dem hatte er schon mal gehört, wollte nun aber wissen, warum der denn der bekannteste Mensch ist. “Nun”, antwortete seine Mutter, “er ist der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, einem der größten und mächtigsten Ländern der Welt, und …” Weiter kam sie jedoch nicht, da unserem Enkel alle Gesichtszüge entgleisten und er voller Panik meinte: “Das kann nicht gut gehen!” Was soll ich sagen? Wenn unser Enkel wüsste, wie recht er hat. Es ist und bleibt dabei: Kindermund tut Wahrheit kund.

Official portrait of President Donald J. Trump, Friday, October 6, 2017. (Official White House photo by Shealah Craighead)

Löst bei unserem Enkel Panik aus: US- Präsident Donald Trump.

36,3 Mio. Kinder auf der Flucht

Heute ist Weltflüchtlingstag. Aus diesem Anlass hat die UNO-Flüchtlingshilfe zu einer Blogparade unter dem #WithRefugees eingeladen. Opa nimmt die Einladung wie letztes Jahr wieder gerne an und  will damit dazu beitragen, “dass wir gemeinsam eine deutliche Antwort gegen Hass und Vorurteile geben”, wie Peter Ruhenstroth-Bauer, Geschäftsführer der UNO-Flüchtlingshilfe, es formuliert hat.

Denn es ist leider wahr: In Deutschland wird populistische Stimmung gegen Flüchtlinge gemacht. Da geht es nicht um die Selbstverständlichkeit, dass sich alle an Recht und Gesetz zu halten haben. Das gilt für Deutsche wie für Ausländer, das gilt für Politiker wie für Flüchtlinge. Es geht darum, dass den Flüchtlingen droht, aufgrund der offensichtlichen Unfähigkeit des Staatsapparates im Räderwerk der Politik zerrieben zu werden. Und das haben sie nicht verdient – die schwarzen Schafe selbstredend ausgenommen.

Dies gilt um so mehr, wenn man sich die aktuelle Lage anschaut. Die Zahl der Menschen, die vor Krieg, Konflikten und Verfolgung fliehen, war noch nie so hoch wie heute. Ende 2017 waren 68,5 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Das entspricht der Einwohnerzahl Frankreichs. Im Detail sieht das so aus:

  • Im Schnitt wird alle zwei Sekunden jemand auf der Welt zur Flucht gezwungen.
  • Zwei Drittel der Flüchtlinge kommen aus nur fünf Ländern: Syrien, Afghanistan, Südsudan, Myanmar und Somalia.
  • 53 Prozent der Flüchtlinge weltweit sind Kinder.
  • Weltweit ist jeder 110. Mensch auf der Flucht.
  • 85 Prozent der Flüchtlinge leben in Entwicklungsländern.

Was soll ich sagen? Ich bin sehr froh, dass meinen Kindern und Enkelkindern ein solches Schicksal erspart geblieben ist und sie am richtigen Ort auf dieser Welt geboren wurden. Die, die auf der Flucht sind, haben sich ihr Schicksal nicht ausgesucht. Insofern sollten wir sie nicht aus den Augen verlieren und dazu beitragen, dass die letzte Hoffnung sie nicht auch noch trügt.

Eine Möglichkeit zu helfen, gibt es: Die Petition des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen unterzeichen. Die richtet sich an die Regierungen der Welt und läuft so lange, bis ein globaler Flüchtlingspakt (Global Compact) unterschrieben wird. Mit einer Unterschrift kann man ein Zeichen für eine bessere Zukunft von Flüchtlingen setzen und für ein solidarisches internationales Vorgehen plädieren. Opa hat es schon getan. Worauf warten Sie also? Hier geht’s zur Petition.

Die deutsche Identität

Der Deutsche Nationalpreis 2018 ist heute in Berlin im Französischen Dom an den deutschen Philosophen und Literaturwissenschaftler Rüdiger Safranski verliehen worden. Eine gute Wahl, kann man nur sagen. Denn der 73-Jährige hat es wie kein anderer deutscher Autor in seinen Werken verstanden, deutsche Geistesgrößen der Vergangenheit einem breiten Publikum nahe zu bringen. Ob Goethe, Schiller, Schopenhauer, Nietzsche oder Heidegger, um nur einige zu nennen, hat er beschrieben und erklärt, was sie zur deutschen Identität beigetragen haben. Insofern war es nur folgerichtig, dass die Deutsche Nationalstiftung sich seiner annahm und sein Lebenswerk auszeichnete. “Die Idee der deutschen Nation und die Bestimmung unserer nationalen Identität in einem geeinten Europa dürfen wir weder extremen politischen Kräften noch den Gegnern der europäischen Integration überlassen”, hat der Gründer der Nationalstiftung die Existenznotwendigkeit der Stiftung begründet. Und das war kein Geringerer als Helmut Schmidt, der völlig unverdächtig war und ist, auch nur ansatzweise nationalistisch gewesen zu sein. Was soll ich sagen? Ich denke, die Stiftung und ihre Arbeit sind heute wichtiger denn je. In einer Zeit, in der vieles unerklärbar und nicht mehr alles zusammenzupassen scheint, sollten wir wenigstens wissen, wer wir sind, woher wir kommen, was wir wollen und wohin wohin wollen. Gelingt uns das nicht, werden wir nicht in der Lage sein, die Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen. Nur ein gesundes Selbstbewusstsein kann uns davor bewahren, den falschen Weg der Abschottung und der sich daraus zwangsläufig entwickelnden Isolation zu beschreiten. Noch ist Deutschland weltoffen und tolerant. So soll es auch bleiben. Unsere Kinder und Enkel werden es uns danken.

PS: Opa hat übrigens schon einmal ein Buch von Safranski besprochen. “ZEIT – Was sie mit uns macht und was wir aus ihr machen”, heißt es. Wer sie lesen will findet sie hier. Und wer noch mehr zu dem Thema wissen will, wird hier fündig.

Der Philosoph Rüdiger Safranski (M.) hat den Deutschen Nationalpreis 2018 erhalten.

Zum Haare raufen

Diese Woche war wirklich zum Haare raufen: Erst düpiert US-Präsident Donald Trump seine Kollegen vom G7-Gipfel über Twitter, um sich dann mit einem der schlimmsten Diktatoren unserer Zeit zu inszenieren, der aktuell rund 200.000 seiner Landsleute in Straflagern verrotten lässt, von den jährlich über 100 vollzogenen Hinrichtungen ganz zu schweigen. Nach einem Tag relativer politischer Ruhe beginnt in Russland die Fußballweltmeisterschaft, die dem Despoten Wladimir Putin als formidable Weltbühne zur Selbstdarstellung dient, ohne dass sich darüber irgendjemand ernsthaft aufregt. Währenddessen wirkt das völlig überflüssige Treffen der beiden deutschen Kicker Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nach, der das Quartett infernale komplettiert. Ist die Welt international schon ziemlich aus den Fugen, mühen sich auch noch auf nationaler Ebene CDU und CSU in Berlin, die ziemlich mühsam zustande gekommene Koalition in Schutt und Asche zu legen. Und auf Landesebene stellt die rot-rot-grüne Regierungsmehrheit ein mehr als merkwürdiges Demokratieverständnis zur Schau, indem sie nach wie vor den Flughafen Tegel versenken will, gegen den erklärten Willen einer Mehrheit der Berliner. Zu allem Unglück sterben dann auch noch zwei Kinder innerhalb von 24 Stunden auf den Straßen der Hauptstadt. Was soll ich sagen? Ich weiß so langsam nicht mehr, wie ich das alles meinen Enkelkindern erklären soll. Zum Ertragen ist es jedenfalls nicht.

Amt, aber glücklich

„Amt, aber glücklich“ heißt eine Rubrik im Tagesspiegel Checkpoint, in dem Chefredakteur Lorenz Maroldt und seine Kollegen anlassbezogen immer wieder Fälle aufgreifen, die nicht in das vermeintliche Berliner Ämterchaos passen. Opa hat heute eine, nein, gleich zwei diesbezügliche neue Geschichten beizutragen. Also, zunächst geht es um ein Thema, das die Gemüter der Anwohner der Baseler Straße auf beiden Seiten der Finckensteinallee in den letzten zwei Wochen ziemlich erhitze. Seit dem 14. Mai nämlich war das Stück der Baseler Straße zwischen Altdorfer Straße und Finckensteinallee Einbahnstraße, auf der weder links noch rechts geparkt werden durfte. Das bedeute, dass die Parkplatzsuche in den Abendstunden zur Geduldsprobe wurde, was wiederum zur Folge hatte, dass die Reaktionen der Anwohner beim Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf immer unfreundlicher wurden. Auch Opa hat sich an das Amt gewandt und nachgefragt, ob die absoluten Halteverbote auf beiden Seiten der Straße denn wirklich sein müssten. Und, man mag es kaum glauben: Bereits einen Tag später klingelte Opas Telefon und ein Mitarbeiter des Tiefbauamtes war am anderen Ende der Leitung. Er erklärte mir verständlich und nachvollziehbar, wie es überhaupt zu der Regelung gekommen war und warum es so lange gedauert hat, bis die Maßnahme – eben nur durch eine Anordnung der oberen Verkehrsbehörde – wieder rückgängig gemacht werden konnte. Jedenfalls verkündete er mir stolz: „Die Schilder werden gerade abgebaut.“ Und dann lobte er mich auch noch, weil ich offensichtlich der einzige Anwohner war, dessen Kommunikation im Ton dem üblichen mitteleuropäischen Standard entsprochen hatte. Das alles erzählte ich natürlich meiner ältesten Tochter, als die mich kurze Zeit später anrief. Als ich mit meiner Schilderung fertig war, fügte sie Geschichte zwei hinzu: Sie hatte, so berichtete sie, kurzfristig einen Online-Termin für eine Ausweisverlängerung gemacht, bzw. machen können, muss man wohl angesichts anderer Wahrnehmungen sagen. Dieser Termin wurde dann nicht nur pünktlich eingehalten, sondern alles lief auch noch freundlich und ausgesprochen service-, sprich bürgerorientiert ab, so dass meine Tochter ebenfalls nur voll des Lobes war. Was soll ich sagen? Irgendwie habe ich den Verdacht, dass die Ämter doch besser sind als ihr Ruf. Oder es ist noch viel einfacher: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es wieder hinaus.

War über zwei Wochen parkfreie Zone: Die Baseler Straße zwischen Altdorfer Straße und Finckensteinallee:. Jetzt darf dort wieder geparkt werden.