Nachtrag zum Muttertag

Dass man zum Muttertag in den Augen einiger Zeitgenossen vieles falsch machen kann, darüber habe ich gestern geschrieben. Heute will ich ein ganz anderes Beispiel hinterher schieben, bei dem einem allerdings das Herz aufgeht. Konkret war es die Deutsche Bahn, die eine tolle Überraschung parat hatte und mit ihrem kleinen ICE viele Mütter glücklich gemacht hat. Was soll ich sagen? In Berlin hieße das: Da kannste nicht meckern. Ob das in Tübingen ebenso gesehen wird, bleibt abzuwarten. Ich jedenfalls bin gespannt, ob sich Boris Palmer dieses Mal wiederfindet – ich zumindest habe niemanden gesehen, der so blau war wie er.

Danke Mama, dass …

Es ist schon fast ein Ritual: Jedes Jahr zum Muttertag gibt es heftigste Diskussionen um die Rolle der Frau in der Familie. Entweder wird die Auseinandersetzung grundsätzlich geführt oder ein Unternehmen, dass sich zu diesem Tag etwas Besonderes hat einfallen lassen, wird öffentlich auseinander genommen. Nachdem es im letzten Jahr Lidl getroffen hatte, ist in diesem Jahr Edeka dran. Die Einzelhandelskette hat ein Video drehen lassen, das die Gemüter erhitzt. “Danke Mama, dass du nicht Papa bist”, heißt der Streifen, der die Männer ziemlich alt aussehen lässt. Was soll ich sagen? Es ist ja bekannt, dass die Deutschen wenig bis gar keinen Humor haben. Da lob ich mir doch die Briten, die mit ihrem schwarzen Humor beispielsweise eine Komikergruppe wie Monty Python hervorgebracht haben. Also, ich jedenfalls kann über das Edeka-Filmchen lachen – ganz nach dem Motto: Wer nicht über sich selbst lachen kann, der nimmt das Leben nicht ernst genug. Aber sehen Sie selbst.

PS: Bevor ich’s vergesse, allen Müttern alles Gute zum Muttertag!

Günter Bannas – Machtverschiebung

Wenn der Schauspieler David Niven als der Inbegriff eines britischen Gentlemen’s galt, dann war Günter Bannas das Vorbild für einen politischen Journalisten alter Schule. „Wir verabschieden eine Institution“, hatte Berthold Kohler, der für die Politik zuständige Herausgeber der F.A.Z., bei der Verabschiedung im März vergangenen Jahres gesagt, bei der alles, was damals im Politikbetrieb Rang und Namen hatte, zugegen war. Seitdem ist einige Zeit ins Land gegangen, in der Bannas das getan hat, was er am besten konnte und augenscheinlich immer noch kann: Seine Beobachtungen zu Papier zu bringen. Auf 336 Seiten breitet er die Bundespolitik vor den Lesern aus, beschreibt und analysiert den Wechsel vom Rhein an die Spree, vergleicht die „Bonner Käseglocke“ mit der „Berliner Blase“, nimmt Parteien wie Protagonisten unter die Lupe, zeichnet Entwicklungen nach und endet im Heute und Jetzt, in dem AKK sozusagen beim Kanzleramt ante portas steht. Das alles geschieht mit einer Leichtigkeit, Selbstverständlichkeit und Sicherheit, die einen an einen alten DSF-Werbespruch denken lässt: “Mitten drin statt nur dabei.” Und über jeder Zeile dieses Buches steht gleichsam als ungeschriebenes Gesetz eine Aussage des verstorbenen Fernsehjournalisten Hanns Joachim Friedrichs: „Distanz halten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten.“ Um zu verdeutlichen, mit welcher Akribie der gebürtige Kasselaner zu Werke geht, ein Zitat: „Wer Kanzler werden will, muss es mit Haut und Haaren wollen. Sie oder er darf nicht nur so tun, als wolle er in das wichtigste politische Amt aufsteigen, das in der Bundesrepublik Deutschland zu vergeben ist. Irgendwann würde er entlarvt. Er hat zu gewärtigen, dass Freunde zu Feinden werden. Üble Nachreden darf er nicht fürchten. Persönliche Einschränkungen hat er zu ertragen und auch die permanente Beobachtung durch die Medien. Diese sind mal wohlwollend, mal ehrfürchtig, mal aber auch distanzlos, übergriffig, ins Persönliche gehend. Die Launen der Medien sind, wie die Stimmungen im Volk, nicht zu kalkulieren. Was gestern noch gut und richtig war, kann morgen schlecht und falsch sein. Was heute modern wirkt, erscheint morgen vielleicht gestrig. Fotos, die einst schön und sympathisch wirkten, können alsbald als arrogant aufgenommen werden. Wer Kanzler werden will, muss das alles ertragen. Er darf sich nicht einmal beschweren.“ Was soll ich sagen? Beschweren wird sich auch kein Leser, wenn er „Machtverschiebung“ gelesen hat. Vielmehr wird er zufrieden feststellen, dass sich sein Blick auf die Dinge, die politischen vielleicht verschoben hat und dabei aber sicher schärfer geworden ist. Mehr kann man von einem politischen Sachbuch nun wirklich nicht erwarten.

Günter Bannas, Machtverschiebung – Propyläen Verlag, Berlin, 2019, 366 Seiten, 24,00 Euro, ISBN 978-3549100042

Griff zu Hammer und Sichel?

Mit dem Nachwuchs hat man manchmal so seine Probleme. Als Vater zweier Töchter und Großvater zweier Enkelsöhne kann ich ein Lied davon singen – und habe insofern ein gewisses Grundverständnis für die irritierten Reaktion der SPD auf die Äußerungen ihres Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert, der BMW kollektivieren und Immobilienbesitz beschränken will. Aber mit der Gelassenheit eines fast 67-Jährigen kann ich nur sagen: Das legt sich wieder. “Wer mit 20 Jahren nicht Sozialist ist, der hat kein Herz, wer es mit 40 Jahren noch ist, hat kein Hirn”, wusste schon der britische Politiker Winston Churchill. Es besteht also noch Hoffnung für den 29-jährigen Politik-Youngster, der allerdings nun schon zum wiederholten Male sozusagen allein zu Haus ist. Aber vielleicht ist das ja das grundsätzliche Problem, dass dieser Kevin zu oft allein zu Haus war und ihm ein geeignetes Korrektiv fehlt. Auf jeden Fall fällt bei ihm ein unbändiger Drang nach Aufmerksamkeit auf, der in der SPD-Zentrale schon zu der ernsthaften Befürchtung geführt hat: “Den Kühnert in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.” Erste Spekulationen über ein entsprechendes Doping machten jedenfalls auch schon die Runde. So fragte der Sprecher des Seeheimer Kreises in der SPD, Johannes Kahrs, in diesem Zusammenhang: “Was hat der geraucht? Legal kann es nicht gewesen sein.” Was soll ich sagen? Es könnte natürlich auch ganz anders gewesen sein. Vielleicht ist der bisherige Hoffnungsträger der SPD ja der Definition von “geistigem Horizont” begegnet, die da lautet: “Der Abstand zwischen Hirn und Brett.” Und um diesen zu vergrößern, hat er zu Hammer und Sichel gegriffen, wobei ihm wohl nicht der kapitalistische Himmel, sondern gegebenenfalls der sozialistische Hammer auf den Kopf gefallen ist. Man weiß es nicht.

Sei er auch noch so blau

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hat mal wieder für Schlagzeilen gesorgt. Stein seines Anstoßes war die Bildgestaltung der Deutschen Bahn auf ihrer Webseite, die dort u.a. mit Nico Rosberg, Nazan Eckes oder Nelson Müller wirbt. „Ich finde es nicht nachvollziehbar, nach welchen Kriterien die Deutsche Bahn die Personen auf dieser Eingangsseite ausgewählt hat“, schrieb Palmer am Dienstag (23. April) auf Facebook. „Welche Gesellschaft soll das abbilden?“ Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten und waren entsprechend. “Tief bestürzt” war noch die harmlose Variante. Doch der Grünen-Politiker legte nochmals nach. In „SWR Aktuell“ bekräftigte er einen Tag später seine Kritik an der Kampagne. „Menschen wie ich, also alte, weiße Männer, tauchen auf dieser Bildauswahl nicht auf“, sagte er. „Das finde ich erst mal erklärungsbedürftig.“ Offen und bunt heiße nicht, dass Personen, die aussähen wie er, auf einmal keinen Platz mehr zugewiesen bekommen. Was soll ich sagen? Offensichtlich leidet Palmer an Minderwertigkeitskomplexen und fühlt sich nicht (mehr) gebührend wahrgenommen – ganz nach dem Motto: Kein Schwein ruft mich an bzw. niemand bildet mich ab. Da kann Opas Blog helfen. Auf der Webseite der Universitätsstadt Tübingen habe ich ein Pressefoto gefunden, das den Oberbürgermeisters in einer Art und Weise darstellt, bei der ich zwar nachvollziehen kann, dass das Bild niemand verwenden will. Aber dennoch: Auf Opas Blog bekommen auch solche alten, weißen Männer wie er ihren Platz zugewiesen. Sei er auch noch so blau. Hier wird nämlich – wie bei der Deutsche Bahn – die ganze Gesellschaft abgebildet, und nicht nur die, die wer auch immer haben will.

Bild: Gudrun de Maddalena

In memoriam Heidi Hetzer

Irgendwie fühlt es sich unwirklich an: Heidi Hetzer ist tot. Dabei war die 81-Jährige bis zuletzt ein Energiebündel sondergleichen. Erst im April dieses Jahres war sie von der ersten Etappe einer Afrikareise zurückgekehrt und hatte schon Pläne für die Fortsetzung gemacht. Daraus wird nun nichts mehr. Dafür bleibt die Weltreisende und Rallyefahrerin allen, die sie kannten, unsterblich in Erinnerung. Ich selber hatte das Glück, sie einmal für ein Porträt zu treffen und mit ihr länger zu sprechen. Es war schon beeindruckend, wie die Berlinerin Menschen für sich einnehmen und begeistern konnte. Was soll ich sagen? Wenn Sie das Porträt lesen, werden sie es verstehen: In memoriam Heidi Hetzer.

Mit Vollgas durchs Leben: Heidi Hetzer und ihr 90 Jahre alter Hispano Suiza mit 135 PS im Juni 2012.

Ein frohes Osterfest

Selten gibt es an Ostern so ein Wetter. Selbst am Karfreitag, den ich aus meiner Kindheit noch als ziemlich düsteren Tag mit Blitz und Donner in Erinnerung habe, gab es heuer Sonne satt. Bei Oma und mir hat das Frühlings-, um nicht zu sagen Sommergefühle geweckt, die bis in die Küche reichen und auch sichtbar sind. Unser Rosmarin, das im Topf bestens überwintert hat, blüht wie verrückt. Und auf dem Teller unseres Loop de Mer, den wir uns am Karfreitag gegönnt haben, blühte es – der Wildkräuter mit Essblumen sei Dank. Was soll ich sagen? Oma und ich genießen unser Leben auf der Terrasse und fühlen uns wie früher in Spanien, wo es in Barcelona beispielsweise gerade einmal 18 Grad ist – ganz nach dem Motto: Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah. Nochmals: Ein frohes und sonniges Osterfest, egal wo Sie gerade sind.

Noch nie so ruhig

So ruhig hatten wir es noch nie. Über 40 Jahre lang haben wir um diese Zeit herum den Osterhasen gespielt. Doch heuer ist alles anders. Alle unsere Kinder und Enkelkinder sind über Ostern ausgeflogen. Selbst der haarige Vierbeiner, auf den wir hin und wieder aufpassen, hat sich verkrümelt. Nicht einmal irgendwelche Blumen, die wir gießen müssten, gibt es. Da können Oma und ich uns mal voll und ganz auf uns konzentrieren – abgesehen einmal davon, dass der Garten anfängt, sich bemerkbar zu machen, und beispielsweise der Rasen unüberhörbar ruft: Mäh’ mich! Aber auch mein Schreibtisch schreit nach Aufmerksamkeit, die er auf die diversen Haufen lenkt, die es abzuarbeiten gilt. Was soll ich sagen? Irgendwie finde ich es seltsam, dass es Menschen gibt, die sich langweilen. Ich glaube, Oma und ich könnten noch so alt, aber das würde uns nie passieren. Schade eigentlich. Denn Langeweile ist, so heißt es, das schönste Geschenk, das wir uns selbst machen können. Denn erst wenn die Alltagsgedanken verschwinden, kann unser Gehirn in den Kreativ-Modus schalten. Aber wie schaffen wir es, in der sozialen Medienwelt von Twitter, Facebook, Instagram, WhatsApp und Netflix zur Ruhe zu kommen? Da gibt es nur ein Antwort: Aus- und Abschalten – die Geräte und den Kopf. In diesem Sinne allen Lesern ein frohes, geruhsames und kreatives Osterwochenende.

Beten für Notre Dame

Oma und ich sind traurig: Notre Dame hat gebrannt. Auch wenn es so scheint, als dass der Super Gau nicht eingetreten ist, so haben die Bilder doch eine tiefe Erschütterung in jedem hinterlassen, der diese Kirche als eines der Wahrzeichen unserer abendländischen Kultur ansieht. Notre Dame – unsere Frau, unsere Mutter Gottes, verletzt und geschunden. Eigentlich ist so etwas, wie das, was da gestern in Paris geschehen ist, undenkbar. Und doch ist es passiert. Unglaublich! Dabei haben Kirchen, ja ganze Städte schon gebrannt: Rom im Jahre 64 unter Kaiser Nero – mit nicht bekannten Toten, Magdeburg im Jahr 1631 im Dreißigjährigen Krieg – mit insgesamt 20.000 Toten, New York im Jahr 1776 – mit 500 Toten, Wien im Jahr 1881 – mit vermutlich bis zu 500 Toten, Tokio und Yokohama im Jahre 1923 – mit über 100.000 Toten oder Dhaka im Jahre 2012 – mit weit über 100 Toten. Die Katastrophen aufgrund von Terrorangriffen nicht mitgerechnet. Woher dann die Betroffenheit, obwohl doch so gut wie niemand zu Schaden gekommen ist – von den bewundernswerten Feuerwehrleuten einmal abgesehen. Das Gebäude, die Kirche an sich? Gewiss, Notre Dame ist ein Wahrzeichen, für Frankreich allemal, aber auch für die Welt. Aber da ist noch etwas Anderes: Wir Menschen in diesen Tagen haben uns daran gewöhnt, dass alles seinen Gang geht und das in geordneten Bahnen. Wir glauben: Uns kann nichts passieren. Doch weit gefehlt. Das Leben ist voller, auch unangenehmer Überraschungen. Was soll ich sagen? Ein, wenn nicht der wesentliche Grund an der großen Betroffenheit über die Brandkatastrophe von Paris ist vermutlich unsere Technikgläubigkeit. Wir fühlen uns aufgrund der vielen technischen Sicherungssysteme mittlerweile so sicher, dass wir alles, was uns schaden könnte, für nicht real halten. Dass dem nicht so ist, hat uns Notre Dame einmal mehr gezeigt. Dass heilige Reliquien, und das nur nebenbei, das Inferno überlebt haben, ist noch eine andere Geschichte, auf die ich demnächst an dieser Stelle eingehen werde. Bis dahin: Wir beten für Notre Dame – an wen auch immer.

Das Thema Schule

Eine der Lieblingskolumnistinnen von Oma und mir hat wieder zugeschlagen. Birgitt Kelle hat in der Welt mal ihre Meinung zum Thema Schule zum Besten gegeben und damit uns beiden aus dem Herzen gesprochen. Ich will dazu nichts weiter sagen, sondern meinen Lesern empfehlen, den Text selbst zu lesen. Einfach großartig. Wer kein Welt-Abo besitzt, den kann ich nur auf einen Text verweisen, den ich vor knapp sechs Jahren schon mal wiedergeben habe:

Volksschule 1950:

Ein Bauer verkauft einen Sack Kartoffeln für 20 Mark. Die Erzeugerkosten betragen vier Fünftel des Erlöses. Wie hoch ist der Gewinn?

Realschule 1960:

Ein Bauer verkauft einen Sack Kartoffeln für 20 Mark. Die Erzeugerkosten betragen 16 Mark. Berechne den Gewinn.

Gymnasium 1970:

Ein Bauer verkauft eine Menge Kartoffeln (K) für eine Menge Geld (G). G hat die Mächtigkeit 20. Für die Element g aus G gilt: g ist 1 Mark.

In Strichmengen müßtest du für die Menge G zwanzig Strichlein (////////////////////) machen, für jedes Element g eines. Die Menge der Erzeugerkosten (E) ist um vier Strichlein (////) weniger mächtig als die Menge G. Zeichne das Bild der Menge E als Teilmenge der Menge G und gib die Lösungsmenge (L) an für die Frage: Wie mächtig ist die Gewinnmenge?

Waldorfschule 1978:

Ein Sack Kartoffeln kostet 20 DM. Ein Käufer bezahlt für einen Sack biodynamischer Kartoffeln 30 DM.

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Wer lebt länger?

Integrierte Gesamtschule 1982:

Ein Bauer verkauft einen Sack Kartoffeln für 20 DM. Die Erzeugerkosten betragen 16 DM. Der Gewinn beträgt 4 DM.

Aufgabe: Unterstreiche das Wort Kartoffeln und diskutiere mit deinem Nachbarn darüber!

Weiterreformierte Schule 1988:

Ein kapitalistisch-privilegierter bauer bereichert sich one rechtfertigung an einen sak kartoffeln um 4 marck. untersuche den tekst auf inhaltlische gramatische ortogravische und zeichensätsungsfeler. korigire die aufgabengestaltunk und demonstrire gegen die lösunk!

Was soll ich sagen? Wir zählen gerade das Jahr 2019. Wer eine Idee hat, wie die Aufgabenstellung heute aussieht, kann sie mir gerne mitteilen. Ich bin gespannt.