Nicht jeder Abgrund mit Geländer

In Berlin wird gerade mal wieder landespolitisch was geboten: Während sich der Regierende Bürgermeister Michael Müller von der SPD, dessen Partei – wen wundert’s – bundesweit gerade noch auf 14 Prozentpunkte bei Meinungsumfragen kommt, mit seinen grünen und roten Koalitionspartnern Enteignungsfantasien hingibt, sollen es bei einer Umfrage 54,8 Prozent der Befragten für richtig gehalten haben, „dass es Bestrebungen gibt, Großvermieter (über 3.000 Wohnungen) in Berlin gegen Entschädigung zu enteignen.” Nur 34,3 Prozent hätten das abgelehnt, 19,9 Prozent seien unentschieden gewesen.

Nachdem die Oppositionsparteien CDU, FDP und AfD sich klar gegen solche staatlichen Eingriffe ausgesprochen hatten, hat sich am Wochenende auch der Präsident des renommierten Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller, Markus Voigt, zu Wort gemeldet und in einem viel beachteten Gastbeitrag in der Berliner Morgenpost eindeutig Stellung bezogen. Seine unmissverständliche Warnung: “Wer mit dem Begriff ‘Enteignung’ kokettiert oder ihn gar positiv belegt, sägt an dem Ast, auf dem wir alle sitzen.” Die in Rede stehende Verstaatlichung großer, privater Wohnungsbaugesellschaften hält er nicht nur gesellschaftlich, verfassungsrechtlich und auch historisch in höchstem Maße für fragwürdig, sondern auch für politisch falsch. Denn: “Sie bringt uns nämlich keinen Schritt voran in dem Bemühen, den hiesigen Wohnungsmarkt wieder ins Lot zu bringen. Das Gegenteil wäre der Fall, die Situation würde sich weiter verschärfen, der Druck auf die Preise weiter zunehmen. Allein das leichtfertige Gerede von Enteignung ist ein fatales Signal an jeden potenziellen Investor. Wer investiert schon in Wohnraum, wo Enteignung droht?”

Was passiere, wenn Enteignung und Verstaatlichung tatsächlich im Trend lägen, habe man in der Vergangenheit nicht nur in südamerikanischen Gefilden studieren können. Bis vor knapp 30 Jahren sei die östliche Hälfte der Stadt marode, baufällig, grau gewesen. Er persönlich habe weder Bedarf an venezolanischen Experimenten vor der eigenen Haustür, noch an einer Rückkehr zur DDR-Tristesse. “Nicht zuletzt deshalb”, schreibt Voigt weiter, “bin ich sehr verwundert, wie sich die politischen Spitzen dieses Landes in dieser Debatte verhalten – das gilt in besonderem Maße für die Regierungskoalition. Ich vermisse die Stimme, die laut und vernehmlich ‘Stopp’ ruft. Wo ist das leidenschaftliche Bekenntnis des Senats zum Privateigentum als einem Grundpfeiler unseres Erfolgs seit 1949, wo ist die unmissverständliche Absage an jede leichtfertige Verstaatlichungsplauderei?”

Aber vielleicht habe der Wahnsinn auch in diesem Fall Methode, vermutet der VBKI-Präsident. “Tatsächlich wäre die diskutierte Verstaatlichung von Wohnungsbeständen nur das nächste Glied in einer langen Kette von staatlichen Eingriffen in den Berliner Wohnungsmarkt, die unter der wohlklingenden Überschrift ‘Mieterschutz’ allenfalls oberflächliche Symptome bekämpfen. In Wirklichkeit handelt es sich um Scheinlösungen, die das Gegenteil von dem bewirken, was sie versprechen. Wir erleben es ja täglich: Trotz Mietpreisbremse, trotz Milieuschutzmaßnahmen und trotz gern gezogener kommunaler Vorkaufsoptionen steigen die Wohnpreise weiter auf breiter Front.”

Am deutlichsten wird Voigt am Ende seines Gastbeitrages: “Nach Herzenslust wird reguliert, mit Wonne umverteilt, mit Inbrunst in den Markt hineinregiert. Bislang haben wir diesen vielfach ins Leere laufenden und oft kontraproduktiven Trend zum Interventionismus hingenommen. Jetzt aber ist ein Punkt erreicht, der eine deutliche Position verlangt.

Wer die Enteignung mit Unschuldsmiene und im Plauderton – aus fehlgeleitetem politischem Opportunismus? – als realistische Option in die Debatte einschleust und salonfähig macht, spielt mit dem Feuer und vergreift sich an der Zukunft unserer Stadt. Das können wir, die wir in dieser Stadt leben, ihre Geschichte kennen und ihre Zukunft mitgestalten möchten, nicht zulassen.

Wer den Preisauftrieb auf dem Berliner Wohnungsmarkt nachhaltig bremsen will, muss Wohnraum schaffen. Bauen, bauen, bauen – so lautet die Devise. Weitsichtige Politik im Sinne der Bewohner dieser Stadt heißt, Investoren zu umarmen, statt sie zu verschrecken. Dazu sollte sich der Senat engagiert bekennen – und sich von jeglichem Herumexperimentieren mit toxischen Begrifflichkeiten klar und deutlich distanzieren. Enteignung ist tabu.”

Was soll ich sagen? Bei der rot-rot-grünen Koalition in Berlin kann ich mich immer öfter des Eindrucks nicht erwehren, dass sie nach dem Motto verfährt: Gestern standen wir vor dem Abgrund, heute sind wir einen großen Schritt weiter. Insofern sollte der Senat eine alte Bauernweisheit beachten, die da lautet: Es hat nicht jeder Abgrund ein Geländer. Denn sonst kann das noch ganz böse enden.

Glück im Doppelpack

Na, jetzt kann 2019 überhaupt nichts mehr schief gehen. Gleich zwei Schornsteinfeger rückten dieser Tage an, um Kamin und Abzug zu säubern und sich alles unter dem Gesichtspunkt Sicherheit genauer anzuschauen. Dass sie alles für gut befanden, sei nur am Rande erwähnt. Was soll ich sagen? Ein klassischer Fall von: Tritt ein, bring Glück herein – und das im Doppelpack.

Schornsteinfeger im Doppelpack: Da kann 2019 ja nichts mehr schiefgehen.

Gestreckter Erwerb: Dit is Berlin

In Berlin braut sich mal wieder was zusammen. Es geht um Wohnungen in der Karl-Marx-Allee, deren Verkauf durch die Predac an die Deutsche Wohnen insbesondere die rot-rot-grüne Landesregierung mit allen Mittel verhindern will. Dazu haben sich Senat, der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und der Mieterbeirat ein Modell ausgedacht, das unter dem Namen „gestreckter Erwerb“ läuft und erstmals in dieser Form überhaupt Anwendung findet. Dabei mussten die Mieter bis heute ihr Vorkaufsrecht ausüben und am Ende soll die landeseigene Gewobag Eigentümerin sein. Doch wie dieser Erwerb rechtlich genau ablaufen soll, scheint noch nicht ganz klar zu sein – nur so viel: Für die Mieter sollen keine Transaktionsrisiken bestehen. Das ist insofern erstaunlich, weil in den involvierten Senatsverwaltungen offensichtlich noch nicht einmal darüber Einigkeit herrscht, wie viele Rechtsgeschäfte hier eigentlich vorliegen. Während die Bauverwaltung ungeachtet des § 473 BGB (Unübertragbarkeit) von einem Rechtsgeschäft, nämlich dem Verkauf des Vorkaufsrechts, ausgeht, sieht die Finanzverwaltung zwei Rechtsgeschäfte, die jeweils grunderwerbssteuerpflichtig sind. Was soll ich sagen? Unabhängig einmal davon, ob es ordnungspolitisch wirklich in Ordnung ist, für eine ziemlich begrenzte Anzahl von Mietern zu Lasten der Steuer zahlenden Allgemeinheit derart in den Markt einzugreifen, stellen sich hier gleich mehrere Fragen: Was kostet das den Steuerzahler? Soll hier deutsches Recht ausgetrickst werden? Könnte gar EU-Recht tangiert sein? Der Senat wird da noch einige Antworten liefern müssen. Aber eines kann jetzt schon festgehalten werden: Statt solche Last-Minute-Aktionen mit unkalkulierbarem Risiko und ungewissem Ausgang in Szene zu setzen, sollten sich der Senat und insbesondere Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) darauf konzentrieren, endlich bezahlbare Wohnungen zu schaffen. Schließlich sind an der Spree die Baugenehmigungen 2018 nicht etwa gestiegen, sondern um 3,7 Prozent zurückgegangen. Dit is Berlin. Das mag jeder für sich bewerten.

Willkommen 2019

Willkommen 2019! Oma und Opa wünschen allen Lesern und Freunden von Opas Blog ein frohes, glückliches, erfolgreiches und vor allem gesundes neues Jahr. Was soll ich sagen? Denken Sie immer an Albert Einstein: “Wenn’s alte Jahr erfolgreich war, dann freue dich aufs neue. Und war es schlecht, ja dann erst recht.”

Willkommen 2019! Ein frohes neues Jahr.

Für uns ein gutes Jahr

Man soll den Tag ja nicht vor dem Abend loben. Aber wenn nicht noch etwas Schreckliches passiert, können Oma und Opa bereits heute feststellen: 2018 gehört zu den ausgesprochen guten Jahren, die wir erleben durften. Bis auf den alltäglichen Wahnsinn, der von Washington bis Berlin die Menschen verzweifeln lässt, haben wir nichts, worüber wir zu Recht klagen könnten. Nicht einmal das blamable Aus der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft ändert etwas an unserer Jahresbilanz, die wir Ende nächsten Jahres gerne wieder ziehen würden. So sind wir von Krankheiten ebenso verschont worden wie unsere Kinder und Enkel. Auch der Jahrhundertsommer, der auf der einen Seite zwar allen das Problem der Erderwärmung ziemlich drastisch vor Augen geführt hat, verhalf unserem Land aber auf der anderen Seite zu einem mediterranen Lebensgefühl, das ansonsten nur in Regionen von Südfrankreich, Italien, Spanien oder Portugal zu erleben ist. Auch mein Eintritt in die Rente hat zu keiner Änderung unseres Lebensalltages geführt. Wir stehen jeden Morgen auf, gehen ins Büro und arbeiten – warum auch nicht, haben Oma und Opa doch noch viele gute Ideen und viel vor. Insofern haben wir uns unseren Wien-Tripp mit unserem jüngsten Enkel redlich verdient. Eine gewichtige Rolle spielte 2018 natürlich auch wieder KINDER | KOCHEN, das auf der Bildungsmesse didacta in Hannover von der Bundesregierung offiziell geehrt und ausgezeichnet wurde, das im Roten Rathaus in Berlin auf dem Markt der Möglichkeiten und beim Berliner Hoffest mit jeweils einem starken Auftritt vertreten war und vom Regierenden Bürgermeister beehrt wurde. Und dass Opas Kommunikationsbüro für das Engagement für KINDER | KOCHEN beinahe den Berliner Unternehmenspreis erhalten hätte, war noch das Tüpfelchen auf dem i. Was soll ich sagen? Oma und Opa halten es mit dem 1882 verstorbenen deutschen Schriftsteller Berthold Auerbach, der es einmal so auf den Punkt gebracht hat: Wer nicht mit dem zufrieden ist, was er hat, wäre auch nicht zufrieden, wenn er hätte, was er nicht hat.

Und es gibt ihn doch …

Die Fragen “Gibt es das Christkind? oder “Gibt es einen Weihnachtsmann?” sind vermutlich so alt wie das Christkind bzw. der Weihnachtsmann selber. Eine der wohl bewegendsten und anrührendsten Antworten hat im Jahre 1897 Francis P. Church in der New York Sun gegeben, der im Auftrag seines Chefredakteurs folgende Leserzuschrift beantwortete: “Lieber Redakteur: Ich bin 8 Jahre alt. Einige meiner kleinen Freunde sagen, dass es keinen Weihnachtsmann gibt. Papa sagt: ‚Was in der Sun steht, stimmt.‘ Bitte sagen Sie mir die Wahrheit: Gibt es einen Weihnachtsmann? Virginia O’Hanlon. 115 West Ninety-fifth Street.”

“Virginia”, beginnt der Text von Church, der bis zur Einstellung der “Sun” 1950 alle Jahre zur Weihnachtszeit auf der Titelseite der Zeitung abgedruckt wurde und nunmehr jedes Jahr an Heilig Abend auf Opas Blog erscheint, “deine kleinen Freunde haben unrecht. Sie sind beeinflusst von der Skepsis eines skeptischen Alters. Sie glauben an nichts, das sie nicht sehen. Sie glauben, dass nichts sein kann, was ihr kleiner Verstand nicht fassen kann. Der Verstand, Virginia, sei er nun von Erwachsenen oder Kindern, ist immer klein. In unserem großen Universum ist der Mensch vom Intellekt her ein bloßes Insekt, eine Ameise, verglichen mit der grenzenlosen Welt über ihm, gemessen an der Intelligenz, die zum Begreifen der Gesamtheit von Wahrheit und Wissen fähig ist.

Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann. Er existiert so zweifellos wie Liebe und Großzügigkeit und Zuneigung bestehen, und du weißt, dass sie reichlich vorhanden sind und deinem Leben seine höchste Schönheit und Freude geben. O weh! Wie öde wäre die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe. Sie wäre so öde, als wenn es dort keine Virginias gäbe. Es gäbe dann keinen kindlichen Glauben, keine Poesie, keine Romantik, die diese Existenz erträglich machen. Wir hätten keine Freude außer durch die Sinne und den Anblick. Das ewige Licht, mit dem die Kindheit die Welt erfüllt, wäre ausgelöscht. Nicht an den Weihnachtsmann glauben! Du könntest ebenso gut nicht an Elfen glauben! Du könntest deinen Papa veranlassen, Menschen anzustellen, die am Weihnachtsabend auf alle Kamine aufpassen, um den Weihnachtsmann zu fangen; aber selbst wenn sie den Weihnachtsmann nicht herunterkommen sähen, was würde das beweisen? Niemand sieht den Weihnachtsmann, aber das ist kein Zeichen dafür, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt. Die wirklichsten Dinge in der Welt sind jene, die weder Kinder noch Erwachsene sehen können. Sahst du jemals Elfen auf dem Rasen tanzen? Selbstverständlich nicht, aber das ist kein Beweis dafür, dass sie nicht dort sind. Niemand kann die ungesehenen und unsichtbaren Wunder der Welt begreifen oder sie sich vorstellen.

Du kannst die Babyrassel auseinander reißen und nachsehen, was darin die Geräusche erzeugt; aber die unsichtbare Welt ist von einem Schleier bedeckt, den nicht der stärkste Mann, noch nicht einmal die gemeinsame Stärke aller stärksten Männer aller Zeiten, auseinander reißen könnte. Nur Glaube, Phantasie, Poesie, Liebe, Romantik können diesen Vorhang beiseite schieben und die übernatürliche Schönheit und den Glanz dahinter betrachten und beschreiben. Ist das alles wahr? Ach, Virginia, in der ganzen Welt ist nichts sonst wahrer und beständiger.

Kein Weihnachtsmann! Gott sei Dank lebt er, und er lebt auf ewig. Noch in tausend Jahren, Virginia, nein, noch in zehn mal zehntausend Jahren wird er fortfahren, das Herz der Kindheit glücklich zu machen.”

Was soll ich sagen?

Recht hat Church, und schöner kann man es auch nicht sagen. In diesem Sinne wünschen Oma und Opa allen Lesern frohe und gesegnete Weihnachten.

Besonders gut “in time”

Oma und Opa sind dieses Jahr irgendwie besonders gut “in time”. Bereits am Freitag hatten wir alles für die Fest- und Feiertage eingekauft, so dass wir erst nach Weihnachten wieder aus dem Haus müssten. Auch der Weihnachtsbaum steht bereits und ist geschmückt. Gerade macht Oma noch ein paar Saucen für Heiligabend. Wenn sie fertig ist, übernehme ich und bereite den Wildschweinrücken zu, den wir uns für den Heiligabend vor Heiligabend gegönnt haben. Was soll ich sagen? Während andere nach dem Motto von Karl Valentin verfahren und hoffen, “wenn die stille Zeit vorbei ist, dann wird es auch wieder ruhiger”, halten wir uns an den Gebrauchsphilosphen und Kommerz-Poeten Klaus Klages alias Peter Silie, der da meint: “Halb so schlimm ist fast schon doppelt so gut.”

Auch der Weihnachtsbaum steht schon und ist geschmückt.

Dinge zwischen Himmel und Erde

Bei der morgendlichen Zeitungslektüre habe ich einen Artikel* der von mir sehr geschätzten Welt-Kollegin Kathrin Spoerr gelesen, in dem diese freimütig bekennt, wie und warum sie sich so auf Weihnachten freut. Gleichzeitig bekennt sie aber auch, „dass ich weder an Gott glaube noch seinen Namen heilige noch von der Schöpfung des Himmels, der Erde oder sonst was zu überzeugen bin. Wahr ist, dass ich an nichts glaube außer an das, was sichtbar oder erklärbar ist.“ Das ist schade. Nun muss man wissen, dass die Kollegin aus einer protestantischen Bauernfamilie in Mecklenburg-Vorpommern stammt, bei der es vielleicht die DDR war, die es geschafft hat, die „Tradition der Frömmigkeit“, wie sie es einmal formulierte, aus der Familie zu treiben. Wie auch immer, Kathrin Spoerr hat ihren Frieden mit der Kirche und der Religion gefunden, die sie „auf eine sehr eigene, sehr weltliche Weise als meine Religion empfinde.“ Als bekennender Katholik kann ich damit gut leben. Schließlich sind ja auch mir Zweifel und manchmal selbst Wut auf die Kirche nicht fremd, lebe ich meine höchst eigene Religiosität. Nur eine Sache lässt mich nicht ruhen, die ich – gegen ein bisschen Widerstand von Oma – an dieser Stelle denn doch zum Besten geben muss. Ich könnte das jetzt wortreich ausschmücken, will aber doch lieber gleich zum Punkt kommen: Oma kann, wie ihre Mutter immer noch, Brandschmerzen weg…, man könnte sagen, wegbeten. Das verwunderte mich, als ich davon das erste Mal erfuhr, schon sehr. Doch mittlerweile, nach über 40 Jahren Ehe, in der Oma oder ihre Mutter doch so oft und so erfolgreich Menschen von ihren Schmerzen befreit und üblen Narben bewahrt haben, habe ich es aufgegeben, darüber nachzudenken, auch wenn ich nach wie vor nicht den blassesten Schimmer habe, wie und was da vor sich geht. Aber es funktioniert und selbst dann, wenn die Betroffenen selbst davon überhaupt nichts wissen. Und kosten tut es auch nichts. Nun wäre meine Frage an Kathrin Spoerr: Was machen Sie, wenn sich eines iIhrer Kinder oder sie selbst oder ein guter Bekannter verbrennt? Rufen Sie bei uns an und bitten meine Frau, aktiv zu werden, oder lassen Sie es sein, weil hier etwas ist, was nicht sichtbar und erklärbar ist? Was soll ich sagen? Das ist jetzt wahrlich ein Dilemma, das man vielleicht mit dem geflügelten Wort auflösen kann: Wer heilt, hat recht. Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die kann man nicht sehen und nicht erklären. Und doch sind sie da. Das ist in etwa.so wie mit dem Weihnachtsmann bzw. dem Christkind. Aber das ist wieder eine andere Geschichte, die es hier auf Opas Blog wie jedes Jahr an Heiligabend gibt.

*Schade, dass der Artikel nicht frei im Netz verfügbar ist.

Die neue Ess-Klasse

Der Titel war vielversprechend: Die neue Ess-Klasse. Doch spätestens bei der Unterzeile hätte ich stutzig werden müssen: Energie für die besten Jahre – und das alles auch noch in Versalien. Sibylle Sturm, die Autorin, ist laut Autorenbeschreibung Jahrgang1961. Ich erwähne das nur deshalb, weil ich, Jahrgang 1952, Bücher nicht ausstehen kann, die „Erfolgsrezepte für die zweite Lebenshälfte“ anpreisen und das auch noch „für Best Ager in Bestform“ – und, wie gesagt, alles in Großbuchstaben. Im Fließtext dann geht es zwar klein, aber auf einmal los: „Hitzewallungen, Schlafstörungen und depressive Verstimmungen. Gleichzeitig lässt der Blick auf die Waage keine Freude aufkommen. Es geht aufwärts! Mit dem Gewicht – mit den Hormonen geht es abwärts. Spätestens jetzt ist es Zeit, umzudenken. Viel Bewegung ist angesagt, dazu eine gesunde Ernährung, deren Kalorienverbrauch den Lebensumständen angepasst ist, denn jetzt ist weniger mehr.“ Moment mal! Hatte es über die Autorin nicht geheißen, dass sie sich dem Thema „vor allem im Hinblick auf möglichst wenig Verbote und Verzicht“ stellt? Aber gut, dann ist jetzt weniger eben mehr, und wir lesen weiter: „Das heißt, viel Obst, Gemüse und Vollkorngetreide essen und wenig oder keine tierischen Produkte, denn Vegetarierinnen/Veganerinnen haben seltener bzw. weniger Beschwerden in den Wechseljahren.“ Diesbezüglich lässt der erste Tipp auch nicht lange auf sich warten: „Innere Hitze kann durch scharfe Gewürze (Pfeffer, Knoblauch, Chili) und Ingwer verstärkt werden. Lassen Sie diese scharfen Zutaten einfach mal weg oder minimieren Sie die Dosis und schauen Sie, ob das hilft.“ Wie dazu allerdings der „Fühl-dich-gut-Tee“ passt, der natürlich wieder in Versalien geschrieben ist und mit einem Teelöffel frisch geriebenem Ingwer angesetzt wird, der, so die Beschreibung, „richtig einheizt.“ Manche mögen’s eben heiß. Aber es gibt ja noch mehr im Angebot: Gute-Laune-Bällchen, schöne Haut durch Kollagen, Süßes ohne Reue, Popeye-Smoothies und Stimmungsmacher für Herz und Hirn. Was soll ich sagen? Zuweilen hätte man sich gewünscht, dass auch Sinn und Verstand ebenso mit im Spiel gewesen wären wie mal ein anständiges Stück Fleisch oder ein Fisch. Selbst die Deutsche Gesellschaft für Ernährung sagt: „Es gibt kein Lebensmittel, das per se ungesund ist oder das man nicht essen sollte.“ Gleichzeitig empfiehlt sie im Rahmen „einer vollwertigen Ernährung eine Mischkost und nicht generell eine vegetarische Lebensweise.“ Wie so oft im Leben kommt es eben auf die Menge an. Auch dann heißt es ganz sicher: „Darm gut, alles gut“. Oder vielleicht sogar: Ende gut, alles gut.

Sibylle Sturm, Die neue Eis-Klasse                                                                                   Ars Vivendi, Cadolzburg, 2018, 240 Seiten, 30,00 Euro, ISBN: 978-3-86913-903-6

Trick 17

„Trick 17“, so heißt es bei Wikipedia, „wird im Sprachgebrauch als Beschreibung eines Lösungsweges bei Problemen verwendet. Einerseits werden damit Lösungswege bezeichnet, die originell oder ungewöhnlich sind. Eine solche Lösung kann jedoch nur bei Erfolg Trick 17 genannt werden, da ein Trick 17 immer und sofort auf Anhieb funktionieren muss. Andererseits werden mit Trick 17 aber auch solche Lösungswege bezeichnet, die offensichtlich sind und auf der Hand liegen. Die ironische Wendung „Trick 17 mit Selbstüberlistung“ bezeichnet jedoch als spöttischer Kommentar einen (meist vermeintlich raffinierten) Lösungsansatz, der auf mehr oder minder komische Weise scheitert.“ Mit letzterer Definition haben die Bücher aus der Buchreihe „Trick 17“ der frechverlag GmbH, die mittlerweile auf elf Bücher angewachsen ist, nichts zum tun. In zwei davon habe ich mal reingeschaut und muss feststellen: Nicht schlecht, Herr Specht! Ob die 365 Alltagstipps oder die 22 Lifhacks und Rezepte in Sachen Küche haben mich echt beeindruckt. Zwei Beispiele, erstens: Als Ersatz für Geschenkpapier wird aus altem Zeitungspapier eine Tüte gebastelt, in die dann das Geschenk hineinkommt – was ich als alter Zeitungsmann natürlich sofort ausprobiert und für meinen jüngsten Enkel, der gerade da war, eine solche Tüte gemacht habe. Und zweitens: Für einen Hamburger mit Ei formt man einen Ring aus Hackfleisch, brät ihn von einer Seite an, wendet ihn, gibt in die Öffnung ein Ei und brät das Ganze solange, bis Hamburger und Ei gar sind. Als begeisterter Hobbykoch habe ich auch das sofort ausprobiert, mit Rinderhack und Wachtelei. Unser Jüngster war begeistert und hat mir für die Hamburger, von denen der zweite mit einem Champignon in der Mitte gefüllt war, neun von zehn Punkten gegeben. Was soll ich sagen? Die Punkte geben ich gerne an Trick 17 weiter.

Trick 17 – 365 geniale Alltagstipps                                                                        frechverlag GmbH, Stuttgart, 11. Auflage 2017, 400 Seiten, 17,00 Euro, ISBN: 978-3-7724-7514-6

Trick 17 – Küche                                                                                                  frechverlag GmbH, Stuttgart, 5. Auflage 2017, 320 Seiten, 17,00 Euro, ISBN: 978-3-7724-7468-2