Frau am Steuer

Es gibt Schätze, die schlummern lange im Verborgenen. Neulich, beim Aufräumen, entdeckte Oma alte Schulhefte und Aufsätze, die sie im zarten Alter von 14 Jahren zu Papier gebracht hat. Ein Thema dabei: Die Frau am Steuer – im Niederländischen heißt es übrigens hinterm Steuer. Wie auch immer: Der Text von Oma aus dem September 1968 ist ein wahres Zeitdokument, das ich meinen Lesern und der Welt – natürlich ins Deutsche übersetzt – nicht vorenthalten will. Und los geht’s:

Heutzutage muss man sich nicht mehr wundern, dass man in den vorbeirauschenden Autos ebenso viele Frauen wie Männer am Steuer sieht. Hierzu hat u.a. die Emanzipation der Frau beigetragen. Oft schafft sich eine Frau auch ein Wägelchen an, um, wenn ihr Mann mit seinem eigenen Wagen zur Arbeit gefahren ist, in der großen Stadt einzukaufen oder die Kinder zur Schule zu bringen. Wenn der Nachbar ein Auto hat, möchte man auch eins haben. Der Wohlstand dieser Zeit „fordert“ das ein. Weil man heute alles auf Kredit kaufen kann, ist die Anschaffung eines Autos auch für Leute mit kleinerem Einkommen möglich.

Wenn man einen Mann hinterm Steuer sieht, sieht man einen Brocken Selbstvertrauen. Er sitzt nämlich mit dem linken Arm aus dem offenen Fenster gelehnt und lenkt angeberisch mit zwei Fingern der anderen Hand. Die Frau dagegen hat „Verantwortungsgefühl“: Sie lenkt ihren Wagen gut – das Lenkrad von ihren transpirierenden Händen umklammert. Sie fährt langsam und vorsichtig, so dass ein Autofahrer hinter ihr auch schon mal sagen könnte: „Sicher eine Frau am Steuer“.

Im Verkehr kann eine Frau zuweilen auch schon mal lästig sein. Zum Beispiel: Die Frau und der Herr haben beide einen Führerschein. Der Göttergatte fährt gerade und zu seinem großen Ärger fährt die Dame auch noch mit. Bereits nach wenigen Kilometern kann er die Kommentare seiner Frau zu allem, was er tut, nicht mehr ertragen. Er hält an und sagt den berüchtigten Satz: „Fährst Du oder fahre ich?“ Er kriecht zähneknirschend und innerlich kochend auf die Rückbank. Somit ist seine Frau gezwungen, seinen Platz am Steuer einzunehmen. Weil ihr Tag jetzt verdorben ist, macht sie eine Kehrtwende. Und nach viel zu eng genommenen Kurven und zu festem Bremsen kommen sie – via Gartenzaun – in der Garage zum Stehen.

Dennoch werde ich, wenn ich achtzehn bin, auch meinen Führerschein machen und versuchen, den Männern zu zeigen, dass wir Frauen auch etwas vom „Fach des Chauffeurs“ verstehen.

Was soll ich (von Oma) sagen? Sie parkt ein wie ein Mann. Und das stimmt wirklich!

Omas erstes Auto: Ein Ami 8 von Citroën.

Weniger ist mehr

Welches Kind spielt nicht gerne, auch auf dem Spielplatz. Dabei sind die Ansprüche der Kleinen meistens gar nicht so groß. Aber eine gewisse Mindestausstattung sollte ein Spielplatz schon haben. Sonst wirkt er eher komisch, was wiederum manchen Kindern gefallen könnte. Aber die Geschmäcker sind Gott sei Dank unterschiedlich? Was soll ich sagen? Der hier abgebildete Spielplatz erscheint besonders gelungen – ganz nach dem Motto: Weniger ist mehr.

Weniger ist mehr.

Lügen haben kurze Beine

Heute haben Oma und ich an einer tollen Konferenz teilgenommen. Es war die 3. ohfamoose Unkonferenz, die sich mit dem Thema Unser neues Miteinander auseinandergesetzt hat und erstmals digital durchgeführt wurde. Ich selbst habe einen Impuls zum Thema Wahrheit und Lügen gehalten, den ich Opas Blog-Lesern nicht vorenthalten will:

Wahrheit und Lüge sind untrennbar miteinander verbunden. Ich will das an einem Beispiel verdeutlichen:

Ihr habt sicher schon einmal vom Lügner-Paradoxon gehört. Der Klassiker lautet: Dieser Satz ist falsch.

Es handelt sich dabei um die einfachste Form des Lügner-Paradoxons, das dann entsteht, wenn ein Satz seine eigene Unwahrheit behauptet. Seine Selbstbezüglichkeit dreht der Logik eine Schlinge, in der sie sich heillos verheddert. Ein unauflöslicher Widerspruch tut sich auf: Wenn der Satz zutrifft, ist er das, was er aussagt: falsch. Ist er falsch, muss er richtig sein. Und so weiter. 

Nachdem damit alle Klarheiten bzw. Wahrheiten beseitigt sind, will ich mich jetzt intensiver mit dem Lügen beschäftigen.

Denn: Wir alle lügen. Mehrmals am Tag.

Der Psychologe Gerald Jellison von der Universität von South Carolina hat herausgefunden, dass der Mensch durchschnittlich alle acht Minuten belogen wird. Während einer zehnminütigen Konversation belügen sich danach 60 Prozent aller Gesprächspartner bis zu drei Mal. Das bedeutet: Täglich sind wir mit einer kaum vorstellbaren Menge an Unwahrheiten, Übertreibungen und anderen Formen von Lügen konfrontiert und lügen unsererseits nicht selten genauso häufig.

Doch warum tun wir das?

Beiläufige Flunkereien sind laut Jellison den Urhebern im Augenblick der Konversation meist gar nicht bewusst, machen aber fast ein Drittel aller Lügen aus. Der Rest sagt vor allem aus vier Kernmotiven heraus die Unwahrheit:
– 41 Prozent lügen, um sich Ärger zu ersparen („Dein Essen schmeckt super!“).
– 14 Prozent schummeln, um sich das Leben bequemer zu machen („Morgen? Oh, da kann ich nicht!“).
– 8,5 Prozent manipulieren, um geliebt zu werden („Ich denke nur an dich!“).
– 6 Prozent schwindeln aus Faulheit („Klar, habe ich daran gedacht!“).

Die schönste Beschreibung, die ich in diesem Zusammenhang gelesen bzw. gehört habe, lautet: Die soziale Lüge ist das Schmierfett unserer Gesellschaft und macht unser Leben erst lebenswert.

Das gilt natürlich nur, wenn man es nicht übertreibt.

Meister der Übertreibung in diesem Zusammenhang ist … genau: Donald Trump.

Nach Berechnungen der Zeitung »Washington Post« brauchte Trump lediglich 601 Tage im Amt, um in der Öffentlichkeit 5000 „unwahre oder irreführende“ Aussagen zu machen. Seinen persönlichen Rekord erzielte der scheidende US-Präsident dabei am 7. September 2018 – mit 125 Unwahrheiten an einem einzigen Tag.

Auch wenn der Alte Fritz Trump nicht kannte, ist er zu der Erkenntnis gelangt:
Seit ich die Menschen kenne, liebe ich die Hunde. Und so wollte Friedrich, der am 17. August 1786 im Schloss Sanssouci in Potsdam in seinem Sessel starb, neben seinen Hunden beerdigt werden. Da hat er allerdings nicht gewusst, dass auch Hunde sozusagen schwindeln können.

Das jedenfalls legt eine britische Studie im Fachblatt „Scientific Reports“ nahe. Danach können Hunde ihre Mimik – darunter den sprichwörtlichen Dackelblick – gezielt zu Kommunikationszwecken einsetzen. Die Biologin Juliane Kaminski von der Universität Portsmouth und ihr Team hatten 2017 Experimente mit insgesamt 24 Familienhunden verschiedener Rassen gemacht.

In einer früheren Studie hatte Kaminski bereits belegt, dass Hunde erkennen, wie aufmerksam Menschen gerade sind. So stibitzten sie in einem Versuch öfter Futter, wenn der Mensch sich wegdrehte oder die Augen schloss.

Auch hier ist also die soziale Lüge das Schmierfett der Hund-Mensch-Beziehung, wobei wir wieder beim Menschen wären, bei dessen Sprache es die Lüge bis in die Sprichworte gebracht hat.

Eines der geläufigsten lautet: Lügen habe kurze Beine, was ausdrücken soll, dass man mit Lügen nicht weit kommt. Ein anderes, auch sehr schönes Sprichwort heißt: Die Lüge bedarf gelehrter, die Wahrheit einfältiger Leute, was nichts anderes heißt, dass Lügenkonstrukte irgendwann so komplex geworden sind, dass man schon sehr intelligent sein muss, um am Ende noch den Durchblick und die Kontrolle zu haben.

Ein kleiner Witz macht das sehr gut deutlich:

Ein Mann war über Nacht nicht zu Hause. Am Morgen erzählt er seiner Frau, dass er bei einem Kumpel übernachtet hätte. Seine Frau rief daraufhin zehn seiner besten Freunde an. Abends stellt sie ihren Gatten zur Rede. „Ich habe zehn deiner Freunde angerufen. Fünf haben mir bestätigt, dass du bei ihnen geschlafen hast. Und drei behaupten, dass du immer noch bei ihnen wärst.“ Man könnte sagen, sie hat seine Lüge sozusagen ad absurdum geführt und ihn im wahrsten Sinne des Wortes Lügen gestraft.

Wie eng Lüge und Wahrheit zusammenhängen und miteinander verbunden sind, macht ein Text deutlich, den der englische Philosoph Francis Bacon verfasst hat. Denn es ist sicher kein Zufall, dass in seinem Essay „Of Truth“ das Wort „Wahrheit“ mit zwölf Mal nur einmal mehr vorkommt als das Wort „Lüge“, das elf Mal zu lesen ist.

Schließen will ich mit einem Gedicht von Heinrich Heine.

Gott gab uns nur einen Mund,
Weil zwei Mäuler ungesund.
Mit dem einen Maule schon
Schwätzt zu viel der Erdensohn.
Wenn er doppeltmäulig wär’,
Fräß’ und lög’ er auch noch mehr.
Hat er jetzt das Maul voll Brei,
Muß er schweigen unterdessen,
Hätt’ er aber Mäuler zwei,
Löge er sogar beim Fressen.

Was soll ich sagen? Wir haben lebhaft diskutiert. Und auch hier ist die Diskussion jetzt eröffnet.

Heute doch mal ein(e) Gastautor(in)

Eigentlich schreibt auf Opas Blog nur Opa. Gastautoren kommen nicht zum Zuge. Doch heute soll es eine Ausnahme geben, nachdem so herzliche Zeilen von Elke Tonscheidt eingetroffen sind, die ich gerne veröffentliche:

Opa hat Geburtstag. Sicher hat er viel zu tun, denn die Gratulantenschar dürfte groß sein. Dieser Typ (ich darf ihn sicher so nennen) ist einfach ein besonderer. Wir haben ihn auf ohfamoos, dem Blog für #volldasguteleben, ja schon beschrieben, aber es lohnt sich, es noch mal zu schreiben: Seine Art, auch mit uns zu arbeiten, ist echt gut. Zurückhaltend, wenn es sein muss, aber zupackend, wenn er gefragt ist. Eine coole Mischung. Und immer spüren wir, dass eine starke Frau hinter seinem Rücken steht: Oma. Deshalb gratulieren wir den beiden heute auch zu ihrer Partnerschaft und wünschen einen fröhlichen, sonnigen Tag.

Was soll ich sagen? Bei so viel Lorbeeren sind Oma und Opa ganz schön rot geworden.

Online-Meeting: Gesünder essen!

Das Corona-Virus SARS-CoV-2 hat den Aktivitäten von KINDER | KOCHEN im Frühjahr dieses Jahres ein jähes Ende bereitet. Abgesehen von zwei Kochkursen, die im Januar noch in der Humboldthain-Grundschule in Berlin abgehalten werden konnten, ist der Kochpatenbetrieb bis dato völlig zum Erliegen gekommen. Und die Aussichten auf die kommenden Wochen und Monate lassen wenig Gutes ahnen. An normale und gefahrlose Kochkurse jedenfalls ist nicht zu denken. Dennoch will der Verein das Jahr 2020 nicht ohne ein Lebenszeichen von KINDER | KOCHEN vorübergehen lassen. Dies umso mehr, als wir wieder vor einem neuen Lockdown stehen. Dabei werden die Folgen des ersten gerade erst sichtbar. Darunter fällt auch die Erkenntnis, dass sich vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie Lebensstil und Ernährung der Menschen zum Teil stark verändert haben. Eine Studie des Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin hat dazu Besorgnis erregende Ergebnisse zu Tage gefördert. Diese will der Verein gerne in einer virtuellen Veranstaltung über GoToMeeting vorstellen. Dazu konnte die selbstständige Diplom-Oecotrophologin Manuela Marin, die auch Kochpatin bei KINDER | KOCHEN ist, gewonnen werden. Sie wird unter der Überschrift “Gesünder essen!“ die Ergebnisse zusammenfassen und anschließend mit den Teilnehmern darüber diskutieren, welche möglichen Konsequenzen daraus gezogen werden können. Die weiteren Einzelheiten der Veranstaltung entnehmen Sie bitte der unten stehenden Einladung. Sollten Sie am 5. November in der Zeit von 19.00 bis 20.30 Uhr Zeit und Interesse haben, melden Sie sich bitte unter kontakt@kinder-kochen.org an. Sie erhalten dann die Zugangsdaten.

Supercalifragilisticexpialigetisch

Supercalifragilisticexpialigetisch! Das sagt Ihnen nichts? Dann sind Sie eindeutig nach 1980 geboren. Denn dabei handelt es sich um die deutsche Übersetzung des englischen Kunstwortes supercalifragilisticexpialidocious (Aussprache: /ˌsuːpɚˌkælɪˌfrædʒəlˌɪstɪkˌɛkspiːˌælɪˈdoʊʃəs/) aus dem gleichnamigen Lied im Filmmusical Mary Poppins. In den 1960er- und 1970er-Jahren war das zungenbrecherisch Wort bei der Jugend so in, dass es vielfach in die Jugendsprache aufgenommen wurde. Vor allem wurde es dann verwendet, wenn man keine Ahnung oder keine Meinung zu einem Thema hatte, aber dennoch – gefragt oder ungefragt – etwas zum Besten geben wollte. Was soll ich sagen? Seinerzeit haben sich die Jungs und Mädels wenigsten noch Mühe gegeben, intelligent zu erscheinen. Mittlerweile hört sich das leider ganz anders an: „Ey Alter, was geht ab?!“

Lachen ist menschlich

Die gegenwärtige Pandemie ist eine Herausforderung, für uns alle, für die einen mehr, für die anderen weniger. Und jeder geht anders mit dem Virus um. Aber alle werden mit ihm leben müssen. Covid-19 wird uns noch eine Weile begleiten. Da ist es besonders wichtig, dass wir – ungeachtet aller Vorsicht, die wir walten lassen (müssen) – unseren Mut und unseren Frohsinn nicht verlieren. Das heißt, wir dürfen das Lachen nicht verlernen. Bei unserem letzten Familientreffen, dass wegen Corona als virtuelles Meeting stattgefunden hat, hat eines unserer Familienmitglieder seine Gedanken zu der aktuellen Situation vorgetragen, die es in Gedichtform zu Papier gebracht hatte. Dieses Gedicht ist insofern besonders beeindruckend, als die Worte Virus, Corona, Covid-19 oder Pandemie überhaupt nicht vorkommen. Nur das Wort Maske am Ende lässt keinen Zweifel daran aufkommen, worum es geht:

Lachen ist menschlich

Lass‘ uns gemeinsam über die Waldlichtung gehen …
hast Du irgendwann die Bäume lachen gesehen?
Wir hatten uns auf den Weg ins Gebirge gemacht …
Was meinst Du? Hat einer der Berge je schon gelacht?

Der Falke, das Rebhuhn, der Biber, die Schnecke im Garten;
suchtest Du ihr Lachen, müsstest Du ein Leben lang warten!

Der Mensch dagegen kann lachen, wenn er zu leben beginnt.
Ohne zu sprechen, lächelt er bereits als ganz kleines Kind.
Gott hat den Menschen einstmals das Lachen verliehen –
als Ausgleich für den Verstand – es sei ihm verziehen.

Siehst Du die Bauern von den Äckern nach Hause kehren
mit großen und rauhen Händen – zerschnitten von Ähren?
Ihre Finger können sie fast nicht mehr schließen …
würden sie nicht trotzdem Dein Lachen genießen?

Oder die, welche abends müde die Büros verlassen,
um dann Autoabgase einzuatmen in den Straßen,
ihre Rücken krumm an den Rechnern machen …
freuen die sich nicht auch über Dein Lachen?

Arbeiter, die gesenkten Kopfes durch’s Fabriktor kommen,
ihre Nägel verschrammt, die Sinne vom Lärm noch benommen;
in den Schnittwunden der Finger glänzt schwarzes Fett …
Macht nicht Dein Lachen einen Teil der Mühsal wett?

Menschen, die ihre Münder hinter Masken tragen,
sich nur noch ab und zu nach draußen wagen,
nicht feiern, tanzen, singen, besucht sein sollen,
die Masken müssten fallen, weil sie lachen wollen …

Kranke, die in Hospitälern an Maschinen liegen
auf den Bäuchen, um noch etwas Luft zu kriegen.
Die Tag für Tag um’s Überleben kämpfen …
Könnte Dein Lächeln deren Ängste dämpfen?

Wer durch sein Lachen den Sterbenden noch zum Lachen bringt,
dass er im Moment vergisst, wie er mit dem Tode ringt …
hat solch ein Glück, da ihm Gottes Gnade widerfährt –
wehe dem, der diesem Menschen das Lachen verwehrt!

Was soll ich sagen? Das sind eindrucksvolle Zeilen, die einmal mehr unterstreichen, wie wichtig das Lachen ist. Wer Opas Blog schon länger verfolgt, weiß ja ohnehin: Lachen ist gesund und Lächeln das Kleingeld des Glücks.

Plastiktüten: Altmodisch

„Plastiktüten, die sind ja altmodisch“, verkündete dieser Tage unser jüngster Enkel. Recht hat er. Dennoch: Vieler Orten erfreut sich die Plastiktüte, die erstmals im Jahre 1961 vom Kaufhaus Horten in Neuss ausgegeben wurde, noch großer Beliebtheit. Zwar gibt es bereits einige Länder wie z.B. Frankreich oder Italien, in denen Plastiktüten verboten sind. In Deutschland gibt es bislang keine gesetzliche Regelung, lediglich eine Selbstverpflichtung, wonach Plastiktüten seit Juli 2016 nicht mehr kostenlos, sondern nur noch gegen Gebühr abgegeben werden sollen. Seitdem ist der Verbrauch von Plastiktüten pro Kopf und Jahr deutlich zurückgegangen und liegt mittlerweile unter 25. Dabei wird eine Plastiktüte im Durchschnitt 25 Minuten lang benutzt. Gelangt sie in die Umwelt, dauert es dann aber je nach Kunststoffsorte und Ort Schätzungen zufolge hunderte bis tausende Jahre, in arktischen Gewässern und der Tiefsee wahrscheinlich noch länger, bis sie vollständig zersetzt ist. Zwischen Kalifornien und Hawaii beispielsweise hat sich ein etwa drei Tonnen schwerer Müllstrudel gebildet. Diese schwimmende Müllhalde, die sich in einem riesigen Wirbel auf dem Ozean dreht, ist so groß wie Mitteleuropa. Was soll ich sagen? Die Alternative zur Plastiktüte ist übrigens nicht die Papiertüte, die zwar leichter zu entsorgen ist, deren Herstellung aber die Umwelt mehr belastet als die der Plastiktüte. Deshalb benutzen Oma und ich schon lange Stofftaschen bzw. den guten alten, für einige vielleicht sogar altmodischen Einkaufskorb.

Alternative zur Plastiktüte: Der gute alte Einkaufskorb.

Zum Verzweifeln

Eigentlich wollte ich zum Thema Corona ja nichts mehr zum Besten geben. Aber das, was ich in den letzten Tagen und Wochen so wahrgenommen habe, hat mich dann doch umgestimmt. Damit keine Missverständnisse entstehen, will ich gleich vorwegschicken: Auch mich nervt dieses Virus gewaltig. Selbst ohne infiziert zu sein, macht einen das Ding krank. Das rechtfertigt allerdings nicht, was sich einige aktuell leisten und dabei völlig verantwortungslos u.a. mit der Gesundheit anderer Menschen spielen. Dabei sind es vor allem zwei Gruppen, die besonders herausstechen: Junge, die feiern, als wenn es kein morgen gäbe, und Alte, denen offensichtlich egal ist, woran sie sterben. Da wird kein Abstand gehalten, keine Maske getragen und all das getan, was man in einer Pandemie tunlichst unterlassen sollte. Wenn es nur diese Jungen und diese Alten betreffen würde, könnte man sagen: Sei’s drum. Aber leider gefährden sie nicht nur sich, sondern auch andere, die entweder krank werden und/oder unter den Folgen der Infektionsschutzmaßnahmen leiden. Was soll ich sagen? Manchmal verzweifele ich an Gott und der Welt. Dabei könnte es so einfach sein, wenn die Menschen ihren Verstand einsetzen würden. Aber offenbar scheint das bei einigen zu viel verlangt zu sein.

Jesus. Eine Weltgeschichte (IV)

Es ist vollbracht! Dabei haben sich die 1.004 Seiten des Buches Jesus. Eine Weltgeschichte. wie von selbst gelesen und sind im Fluge vergangenen. Und das, obwohl der Bogen, den Markus Spieker gespannt hat, gewaltig ist: Von der Steinzeit bis in diese Tage. Der wichtigste Teil des Buches ist wohl der dritte, der mit der Auferstehung des Gekreuzigten beginnt und dort endet, was der Autor wie folgt beschreibt: “Die Glaubensgemeinschaft, die sich auf ihn gründet, ist die Größte der Welt und die einzige Weltreligion, die diesem Namen voll gerecht wird: Ihre Anhängerschaft verteilt sich auf alle geografischen und sozialen Milieus. Die Kirche des 21. Jahrhunderts ist wieder das, was sie schon in den ersten Jahrhunderten war: ein globales Phänomen.” Dabei sei das Christentum die Religion, “die es eigentlich gar nicht geben dürfte. Nach der Kreuzigung war nicht nur Jesus klinisch tot, sondern auch die von ihm ins Leben gerufene Bewegung. Doch der Totgesagte lebte wieder. Und die von ihm gestartete Bewegung wurde erst jetzt so richtig lanciert. Jesus kam wieder, um zu bleiben. Am Anfang der neuen Zeit steht die Auferstehung.” In den über 400 Seiten, die dazwischen liegen, hat Spieker die Entstehungsgeschichte des Christentum akribisch aufgearbeitet und bis in letzte Winkel ausgeleuchtet, mit allen Höhen und Tiefen. Hier näher darauf einzugehen, würde angesichts der Vielzahl an Details jeden Rahmen sprengen. Man muss es einfach selber lesen. Besonders bemerkenswert ist u.a., dass Spieker, der in einem evangelischen Pfarrhaus aufwuchs, sich – anders als manch Anderer – so lobend über die letzten drei Päpste äußert und mit Blick auf deren Berücksichtigung der Mahnungen von Bernhard von Clairvaux vor zu viel Ehrgeiz schrieb: “Dies gilt nicht zuletzt für die drei Männer, die in letzter Zeit der katholischen Kirche vorstanden: Johannes Paul II., Benedikt XVI., den Autor der bahnbrechenden ‘Jesus von Nazareth’-Biografie, und Franziskus.” Was soll ich sagen? Nachdem auf das Alpha und das Omega, den Anfang und das Ende bereits hingewiesen wurde, soll an dieser Stelle nicht Jesus das letzte Wort haben, sondern das letzte Wort sein: “Das Beste am Himmel sind nicht irgendwelche paradiesischen Genüsse. Am Ende der Geschichte …
… wartet eine Person.
Willkommen zuhause.
Bei Jesus.”

PS: Ein Dank an dieser Stelle an Birgit Kelle, die mich bei Facebook auf dieses Buch aufmerksam gemacht hat.

Markus Spieker, Jesus. Eine Weltgeschichte.
Fontis-Verlag, Basel, 11. September 2020, 1.004 Seite, 30,00 Euro, ISBN 978-3-03848-1881