Dinge zwischen Himmel und Erde

Bei der morgendlichen Zeitungslektüre habe ich einen Artikel* der von mir sehr geschätzten Welt-Kollegin Kathrin Spoerr gelesen, in dem diese freimütig bekennt, wie und warum sie sich so auf Weihnachten freut. Gleichzeitig bekennt sie aber auch, „dass ich weder an Gott glaube noch seinen Namen heilige noch von der Schöpfung des Himmels, der Erde oder sonst was zu überzeugen bin. Wahr ist, dass ich an nichts glaube außer an das, was sichtbar oder erklärbar ist.“ Das ist schade. Nun muss man wissen, dass die Kollegin aus einer protestantischen Bauernfamilie in Mecklenburg-Vorpommern stammt, bei der es vielleicht die DDR war, die es geschafft hat, die „Tradition der Frömmigkeit“, wie sie es einmal formulierte, aus der Familie zu treiben. Wie auch immer, Kathrin Spoerr hat ihren Frieden mit der Kirche und der Religion gefunden, die sie „auf eine sehr eigene, sehr weltliche Weise als meine Religion empfinde.“ Als bekennender Katholik kann ich damit gut leben. Schließlich sind ja auch mir Zweifel und manchmal selbst Wut auf die Kirche nicht fremd, lebe ich meine höchst eigene Religiosität. Nur eine Sache lässt mich nicht ruhen, die ich – gegen ein bisschen Widerstand von Oma – an dieser Stelle denn doch zum Besten geben muss. Ich könnte das jetzt wortreich ausschmücken, will aber doch lieber gleich zum Punkt kommen: Oma kann, wie ihre Mutter immer noch, Brandschmerzen weg…, man könnte sagen, wegbeten. Das verwunderte mich, als ich davon das erste Mal erfuhr, schon sehr. Doch mittlerweile, nach über 40 Jahren Ehe, in der Oma oder ihre Mutter doch so oft und so erfolgreich Menschen von ihren Schmerzen befreit und üblen Narben bewahrt haben, habe ich es aufgegeben, darüber nachzudenken, auch wenn ich nach wie vor nicht den blassesten Schimmer habe, wie und was da vor sich geht. Aber es funktioniert und selbst dann, wenn die Betroffenen selbst davon überhaupt nichts wissen. Und kosten tut es auch nichts. Nun wäre meine Frage an Kathrin Spoerr: Was machen Sie, wenn sich eines iIhrer Kinder oder sie selbst oder ein guter Bekannter verbrennt? Rufen Sie bei uns an und bitten meine Frau, aktiv zu werden, oder lassen Sie es sein, weil hier etwas ist, was nicht sichtbar und erklärbar ist? Was soll ich sagen? Das ist jetzt wahrlich ein Dilemma, das man vielleicht mit dem geflügelten Wort auflösen kann: Wer heilt, hat recht. Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die kann man nicht sehen und nicht erklären. Und doch sind sie da. Das ist in etwa.so wie mit dem Weihnachtsmann bzw. dem Christkind. Aber das ist wieder eine andere Geschichte, die es hier auf Opas Blog wie jedes Jahr an Heiligabend gibt.

*Schade, dass der Artikel nicht frei im Netz verfügbar ist.

Die Funktionen des Sports

Altwerden ist nichts für Feiglinge. Das weiß man spätestens, seitdem diese Erkenntnis einmal von dem 2014 verstorbenen Joachim Fuchsberger schlagzeilenwirksam zum Besten gegeben wurde. Und in der Tat, das Leben ist hart. Das beklagen sogar schon Mitvierziger, wie der ZEIT-Journalist Tillmann Prüfer, der im jüngsten ZEITmagazin MANN davon ein Lied singt. Jedenfalls hatte sich Prüfer an einem Tag, wie er es selbst formuliert, „überschätzt und war einfach so 20 Kilometer gelaufen.“ Am nächsten Tag war sein Knie dick. Der Arzt sagte, er hätte eine Schleimbeutelentzündung, was den Journalisten fix und fertig gemacht hat. Denn seine „Sportverletzung“, die bei anderen so etwas ist, „wie es eine Kriegsverletzung einmal war“, „ein Handicap, das einen in der sozialen Achtung steigen lässt“, ja seine Sportverletzung hatte „einen so ekligen Namen, dass man niemandem davon erzählen mag.“ Das ist in der Tat tragisch, vor allem weil Prüfer den Verdacht hat, dass Sport für alternde Männer – neben der sozialen – noch eine andere Funktion hat: „Wir können den natürlichen Verfall unseres Körpers kaschieren, indem wir ihn als eine nicht endende Folge von Sportverletzungen tarnen.“ Das ist sicher ein interessanter Ansatz, der allerdings nicht ohne ein gewisses Risiko ist. Denn „Sport ist Mord“, hat es Winston Churchill auf zumindest seinen Punkt gebracht. Was soll ich sagen? Ich halte es da mehr mit Udo Jürgens, für den mit sechsundsechzig Jahren noch lange nicht Schluss war. Zwar spielte in dem gleichnamigen Song Sport auch keine Rolle, aber immerhin ging der Protagonist mit Oma in einer Diskothek rocken. Meine bessere Hälfte und ich haben es diesbezüglich besser, wir brauchen keine auswärtige Bespaßung. Wir haben unsere Enkelsöhne, die uns auf Trab halten, was ganz sicher die beste aller Alternativen ist.

BOB: Besser Ohne – Bundesweit

Auch andere haben gute Ideen. Als Oma und Opa letztens in Holland waren, hingen in den Straßen Plakate, die auf eine Kampagne aufmerksam machten, die bereits seit Jahren erfolgreich in unserem Nachbarland läuft – und nicht nur dort. 1995 in Belgien gestartet hat sich BOB auf den Weg gemacht und ist mittlerweile neben den Niederlanden auch in Großbritannien, Frankreich, Polen und Luxemburg unterwegs. BOB ist der Name derjenigen Person einer Gruppe, die abends oder bei einer Feier nach Absprache keinen Alkohol trinkt und sich und ihre Mitfahrer sicher nach Hause bringt. Auch in Deutschland hat BOB versucht Fuß zu fassen, ist jedoch über lokale bzw. regionale Akzeptanz nicht hinausgekommen. Was schade ist, da es nachweislich einen Zusammenhang zwischen BOB und dem Rückgang der Unfallzahlen gibt, insbesondere der Unfälle mit schweren Folgen. Evaluationen sollen zudem ergeben haben, dass in Belgien auch die folgenlosen Trunkenheitsfahrten stark rückläufig sind. Was soll ich sagen? Vielleicht findet sich ja jemand, der sich der Sache bundesweit annimmt. Denn jeder Unfall, jeder Verletzte und jeder Verkehrstote weniger ist es wert – ganz nach dem Motto: Besser Ohne – Bundesweit. Ein schönes Wochenende noch und bleiben Sie (nüchtern und) gesund …

BOB ist der Name derjenigen Person einer Gruppe, die abends oder bei einer Feier nach Absprache keinen Alkohol trinkt und sich und ihre Mitfahrer sicher nach Hause bringt.

Geschichte unseres Versagens

Unvorstellbar: 2016 starben weltweit 5,6 Millionen Kinder unter fünf Jahren aus weitgehend vermeidbaren Gründen – das entspricht rund 15.000 Kindern am Tag, 640 Kindern pro Stunde, zehn Kindern pro Minute oder einem Kind alle sechs Sekunden.
Das jedenfalls ist Ergebnis des Reports „Levels & Trends in Child Mortality Report 2017“, den UNICEF im Auftrag der Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen zur Schätzung der Kindersterblichkeit (UN Inter-agency Group for Child Mortality Estimation, UN IGME) erstellt hat. „Hinter den nüchternen Zahlen verbirgt sich unendliches Leid von Kindern und unendlicher Schmerz von Eltern“, kommentiert Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland den Bericht, der jedem normal tickenden Menschen die Schamröte ins Gesicht treiben müsste. Was soll ich sagen? Da mich das wieder einmal ziemlich sprachlos macht, will ich den von mir geschätzten Herausgeber des Handelsblattes, Gabor Steingart, zu Wort kommen lassen, der heute in seinem Morning Briefing geschrieben hat: “Auch das zählt zu den Fluchtursachen, über die zu reden wäre: Die medizinische Versorgung in weiten Teilen der Welt ist katastrophal. Der Tod lauert in Pakistan, Nigeria, Äthiopien, im Kongo und Teilen von Indien keineswegs im Dunkeln, sondern steht in aufreizender Deutlichkeit direkt neben der Wiege der Neugeborenen. Diese Kinder brauchen keinen neuen Nationalismus in Europa und auch keinen Rechtsruck der CDU. Sie brauchen Medikamente, Krankenhäuser und danach Schulen und Lehrer. Ihre Eltern, die der kalten Präzision der UN-Todesstatistik durch Flucht zu entkommen versuchen, handeln aus Notwehr. Wenn die Hochleistungsmedizin des Westens nicht zu ihnen kommt, kommen sie zu ihr. So gesehen erzählt das Mittelmeer die Geschichte ihres Überlebenswillens und unseres Versagens.” Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Ab in die Kleiderkammer

Die Deutschen sind zu dick, sogar dicker als der EU-Durchschnitt. Nach einer EU-Statistik lag der Anteil adipöser Erwachsener zwischen Flensburg und Garmisch-Patenkirchen bei 16,9 Prozent gegenüber 15,9 Prozent europaweit. Auch Opa hat zu dieser Statistik beigetragen. Allerdings habe ich mittlerweile über 20 Kilogramm abgenommen und fühle mich pudelwohl. Das wiederum blieb auch anderweitig nicht ohne Folgen. Der Anteil an Kleidungsstücken, die jetzt überhaupt nicht mehr passten, war beachtlich gestiegen, so dass ich erst einmal kräftig ausgemistet habe. Doch das, was da in den Kleidersäcken gelandet ist – zum Teil Sachen, die ich vielleicht zwei Mal angehabt habe -, wandert nicht in den Müll, sondern in der Kleiderkammer der Franziskaner-Suppenküche in Berlin-Pankow. Dorthin fahren Oma und ich jetzt und geben die ausrangierten Stücke ab. Was soll ich sagen? Wer ebenfalls seinen Kleiderschrank ausmistet, sollte die Sachen nicht wegschmeißen. In der Nähe gibt es sicher eine Kleiderkammer, die sich freuen würde. Man muss nur ein bisschen recherchieren. Ein schönes Wochenende noch und bleiben Sie gesund …

Brontosaurus Eier!?!?

Wenn das unser jüngster Enkel wüsste: Opa hat Brontosaurus Eier gekauft! Brontosaurus Eier!?!? Wieso, werden Sie sich sicher fragen, hat Opa Eier von einem Dinosaurier – dem derzeitigen Lieblingsgeschöpf unseres Enkels – gekauft, der bereits seit ungefähr 150 Millionen Jahren ausgestorben ist. Weil diese Eier, so denn die Antwort, bei einem Discounter im Regal lagen. Nun handelt es sich, um bei der Wahrheit zu bleiben, bei diesen Eiern um eine Frucht, die aus einer Kreuzung aus Pflaume und Aprikose besteht. Pluot heißt sie offiziell, wurde im späten 20. Jahrhundert von Floyd Zaiger entwickelt und ist ein eingetragenes Warenzeichen (brontosaurus egg®). Die Frucht zeichnet sich dadurch aus, dass sie besonders süß ist sowie eine glatte Oberfläche und einen kleinen Kern hat. Darüber hinaus ist sie reich an Kohlenhydraten, Ballaststoffen und den Vitaminen A, B und C sowie an Kalzium, Magnesium, Kalium und Eisen. Was soll ich sagen? Auf den Punkt gebracht: Einfach nur lecker und gesund.

Sehen nicht nur toll aus, sondern schmecken auch noch fantastisch: Pluots oder auch Brontosaurus Eier genannt, die eine Kreuzung aus Pflaume und Aprikose sind.

“Ausreden können tödlich sein!”

Der Darmkrebsmonat März ist zwar schon wieder lange vorbei. Doch das Thema Darmkrebsvorsorge sollte eigentlich jeden Monat aktuell sein und auf der Tagesordnung stehen. Denn nach wie vor sterben in Deutschland jährlich rund 26.000 Menschen an dieser Krankheit, der man wie kaum einer Krebsart so leicht vorbeugen kann. Durch Früherkennung, da sind sich die Experten einig, könnten nahezu alle Darmkrebsfälle verhindert oder geheilt werden. “Ausreden können tödlich sein!”, lautete denn auch das Motto der diesjährigen Kampagne der Felix Burda Stiftung, dessen Namensgeber 2001 mit gerade einmal 33 Jahren an Darmkrebs verstorben ist. Damit einem dieses Schicksal erspart bleibt, sollte man spätestens ab dem 50. Lebensjahr das Thema Darmkrebsvorsorge auf dem Schirm haben. Gibt es eine familiäre Vorbelastung, ist es ratsam, 10 Jahre vor dem Erkrankungsalter des Angehörigen aktiv zu werden. Was soll ich sagen? Opa ist heute wieder einmal mit gutem Vorbild vorausgegangen und hat eine Darmspiegelung machen lassen. Es hat nicht nur nicht weh getan, sondern auch noch ungemein beruhigt. Denn ich brauche mich erst wieder in fünf Jahre zu melden. In Berlin sagt man in solch einer Situation: Da kannste nicht meckern!

Alles im grünen Bereich

Opa ist nach seinem Krankenhausaufenthalt wieder daheim und weiß jetzt, dass seine künstliche Herzklappe nach wie vor einwandfrei funktioniert, seine Herzkranzgefäße völlig in Ordnung sind, auch seine übrigen Blutbahnen keinen Anlass zur Sorge geben und altersgerecht durchlaufen werden. Insofern also alles im grünen Bereich. Was mir nach dem Krankenhausaufenthalt jedoch richtig Kopfzerbrechen bereitet, sind die Zustände im Krankenhaus selbst. Da ist in all den Jahren, die ich immer wieder mal Gast dort war, nichts besser, sondern nur noch schlimmer geworden. Das Pflegepersonal, das sich wirklich alle Mühe gibt, pfeift wegen Unterbesetzung auf dem letzten Loch. Auch die Ärzte, die ebenfalls hoch motiviert ihren täglichen Dienst versehen, können nicht gegen die zum Teil himmelschreienden Rahmenbedingungen anarbeiten. Während die Ärzte ihre Patienten in deren Betten selbst zu Untersuchungen schieben (müssen), kann die Apotheke ein benötigtes Medikament nicht einmal  innerhalb von zwei Werktagen beschaffen. Von Kommunikationsdefiziten im abteilungsübergreifenden Ablauf will ich gar nicht reden. Was soll ich sagen? Wer heute ins Krankenhaus kommt, sollte ein aufgeklärter und mündiger Patient sein. Hilflose Personen sind dem Ganzen ziemlich hoffnungslos ausgeliefert und können nur beten, unbeschadet wieder entlassen zu werden. Dass es nach wie vor kein kostenloses WLAN-Netz für Patienten gibt, ist angesichts der anderen Probleme schon fast nebensächlich.

Blick aus Opas Krankenzimmer: Der Rettungshubschrauber Christoph 31 startet gerade.

Sorgenfresser Gewehr bei Fuß

Es ist mal wieder soweit: Opa liegt im Krankenhaus. Am Sonntag spielte mein Magen derart verrückt, dass Oma und ich es angesichts meiner Vorgeschichte in Sachen Herz doch besser fanden, der Sache auf den Grund zu gehen und die Kardiologen vom Charité Campus Benjamin Franklin mal ran zu lassen. Die untersuchen jetzt, was meinen Magen – und auch meinen Blutdruck – so auf 180 gebracht hat. Gefunden haben sie aber noch nichts. Da sind meine Enkel schon wesentlich weiter. Während unser Ältester mich in seine Nachtgedanken fest mit eingeschlossen hat, hat unser Jüngster sofort in seine Sorgenkiste gegriffen und mir einen seiner Sorgenfresser zukommen lassen. Der steht nun bei mit im Krankenhaus Gewehr bei Fuß und vertilgt alle Sorgen, die sich bei mir breit machen könnten. Was soll ich sagen? Ach, die Welt kann mit Kinderaugen so einfach sein.

Steht für Opa Gewehr bei Fuß: Der Sorgenfresser von unserem jüngsten Enkel.

Anders als bei Yoko und John

Da sind wir wieder. Oma und Opa waren die letzten Tage sozusagen auf Tauchstation, besser gesagt in der Krankenstation. Irgendetwas hat uns regelrecht dahingerafft. Und so sind wir ein paar Tage im Bett geblieben. Aber anders als beim legendären “Bed-in” von Yoko Ono und John Lennon, die ab 24. März 1969 in einem Amsterdamer Hotelzimmer statt Flitterwochen ziemlich sittsam und dennoch publikumswirksam für den Weltfrieden gekuschelt haben, haben wir beiden kranken Mäuse uns einfach nur unter die Bettdecke verkrochen und tapfer vor uns geröchelt. Jetzt bekommen wir wieder Luft und können uns einigermaßen schmerzfrei bewegen. Was soll ich sagen? Gut, dass bei uns keine Presse dabei war. Denn bei uns hätte es wirklich nicht so entspannt ausgesehen wie bei Yoko und John.