Manic Monday

Es sind schon verrückte Zeiten. Da ist an einem Tag wie heute sozusagen die Top-Nachricht der Woche, dass die Friseure wieder geöffnet haben. Für die Friseure freue ich mich natürlich – und für mich auch, hatte ich doch gleich um 13.00 Uhr am Wiedereröffnungstag einen Termin. Wobei anzumerken bliebe, dass es auch Zeitgenossen gab, die es nicht abwarten konnten und um 9.00 Uhr oder bereits um 8.30 Uhr oder sogar noch früher auf dem Stuhl der Friseurin oder des Friseurs ihres Vertrauens Platz genommen hatten. Wie dem auch sei, dieser haarige Tag wird vielen in nachhaltiger Erinnerung bleiben und sie werden noch ihren Kindern und Enkeln davon erzählen. Was soll ich sagen? Wie auch immer: Der Friseurzunft gilt unser aller Dank, dass sie so lange während des Corona-Lockdowns ausgehalten hat und nun wieder wie gehabt für uns Normalsterbliche da ist. Zu ihrer Ehre will ich auf eine Seite verlinken, die vielleicht nicht mehr ganz so aktuell, aber es dennoch wert ist: Manic Monday – Der ganz normale Friseur-Salon-Wahnsinn. Da sind Klasse-Sprüche zu finden, von denen mir zwei am besten gefallen haben: Friseure machen die Welt stetig ein bisschen schöner: einen Haarschnitt nach dem anderen! oder Friseur-Mantra: “Selbst wenn das Leben nicht perfekt ist, können es Deine Haare aber sein!”

Endlich wieder Haare geschnitten: Opas Friseurin nach getaner Arbeit.

Die Grippe und die Menschen

“Die Geschichte ist eine ewige Wiederholung.” Das wusste schon rund 400 Jahre vor Christus der griechische Historiker Thukydides, auch wenn das bis heute immer wieder gerne bestritten wird. Ein signifikantes Beispiel aus jüngerer Zeit belegt ein Gedicht, was mir jetzt in die Hände gefallen ist, aber bereits vor über 100 Jahren veröffentlicht wurde. Erschienen ist es 1920 in der schweizerischen Satire-Zeitschrift “Nebelspalter” und beschreibt die Zeit der Spanischen Grippe von 1918 bis 1920, als wenn es ein Blick in die Zukunft der Jahre 2020 und 2021 mit dem Corona-Virus wäre:

“Die Grippe und die Menschen”

Als Würger zieht im Land herum
Mit Trommel und mit Hippe,
Mit schauerlichem Bum, bum, bumm,
Tief schwarz verhüllt die Grippe.

Sie kehrt in jedem Hause ein
Und schneidet volle Garben –
Viel rosenrote Jungfräulein
Und kecke Burschen starben.

Es schrie das Volk in seiner Not
Laut auf zu den Behörden:
“Was wartet ihr? Schützt uns vorm Tod –
Was soll aus uns noch werden?

Ihr habt die Macht und auch die Pflicht –
Nun zeiget eure Grütze –
Wir raten euch: Jetzt drückt euch nicht.
Zu was seid ihr sonst nütze!

‘s ist ein Skandal, wie man es treibt.
Wo bleiben die Verbote?
Man singt und tanzt, juheit und kneipt.
Gibt’s nicht genug schon Tote?”

Die Landesväter rieten her
Und hin in ihrem Hirne.
Wie dieser Not zu wehren wär’,
Mit sorgenvoller Stirne:

Und sieh’, die Mühe ward belohnt.
Ihr Denken ward gesegnet:
Bald hat es, schwer und ungewohnt,
Verbote nur so geregnet.

Die Grippe duckt sich tief und scheu
Und wollte sacht verschwinden –
Da johlte schon das Volks aufs Neu’
Aus hunderttausend Münden:

“Regierung, he! Bist du verrückt –
Was soll dies alles heißen?
Was soll der Krimskrams, der uns drückt,
Ihr Weisesten der Weisen?

Sind wir den bloß zum Steuern da,
Was nehmt ihr jede Freude?
Und just zu Fastnachtszeiten – ha!”
So gröhlt und tobt die Meute.

“Die Kirche mögt verbieten ihr,
Das Singen und das Beten –
Betreffs des andern lassen wir
Jedoch nicht nah uns treten!

Das war es nicht, was wir gewollt.
Gebt frei das Tanzen, Saufen.
Sonst kommt das Volk – hört, wie es grollt,
Stadtwärts in hellen Haufen!”

Die Grippe, die am letzten Loch
Schon pfiff, sie blinzelt leise
Und spricht: “Na endlich – also doch!”
Und lacht auf häm’sche Weise.

“Ja, ja – sie bleibt doch immer gleich
Die alte Menschensippe!”
Sie reckt empor sich hoch und bleich
Und schärft aufs neu die Hippe.

Was soll ich sagen? Und sie wiederholt sich doch, die Geschichte. Die Beschreibung passt damals wie heute. Wer das Gedicht geschrieben hat, ist leider nicht bekannt, lediglich die Initialen A.I. sind überliefert.

Diese Karikatur von Fritz Boscovits (1871 – 1965), der den “Nebelspalter” mit begründet hatte, erschien zu dem Gedicht “Die Grippe und die Menschen”.

Sie wissen nicht, was sie tun

Unser jüngster Enkel, der in diesem Jahr zum Teenager avanciert, hat jüngst Post von der Bundesregierung bekommen. “… die Corona-Pandemie schränkt unser aller Alltag ein”, heißt es da. Und weiter geht es: “Ganz besonders gilt das für diejenigen, für die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf besteht. Deshalb hat die Bundesregierung beschlossen, Ihnen einmalig 15 Schutzmasken mit hoher Schutzwirkung gegen eine geringe Eigenbeteiligung zur Verfügung zu stellen.” Und in der Tat: Beigefügt waren zwei Berechtigungsscheine für jeweils sechs Schutzmasken. Unser kleiner Mann hat sich natürlich gefreut, aber auch gefragt, inwiefern er denn “ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf” haben sollte. Soviel wie er und auch ich wissen, ist er pumperlgesund und topfit. Aber seine Krankenkasse, die von der Bundesregierung gebeten worden war, das Schreiben an ihn zu senden, “um Sie über das Nähere schnell und zuverlässig zu informieren”, wird schon einen Grund haben, warum sie ihn ausgewählt hat, während der eine oder andere alters- bzw. krankheitsbedingte Risikopatient noch auf seine Masken wartet. Was soll ich sagen? Nicht nur angesichts des Hinweises, dass “die AHA-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske) weiterhin besonders wichtig” bleiben, war dieser Brief ein ganz besonderes Aha-Erlebnis. Denn ein solches ist laut Wikipedia ein vom deutschen Psychologen Karl Bühler geprägter Begriff aus der Psychologie, der das schlagartige Erkennen eines gesuchten, jedoch zuvor unbekannten Sinnzusammenhanges bezeichnet. Und der kann ja wohl nur sein: Sie wissen nicht, was sie tun.

Wie ein Beipackzettel

Es ist unerheblich, wer es tatsächlich gesagt hat. Aber als Bayer finde ich die Vorstellung, dass es Karl Valentin war, durchaus charmant. Das Bonmot, um das es hier geht, lautet: Prognosen sind äußerst schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen. Diese leidvolle Erfahrung haben 2020 vor allem all diejenigen machen müssen, die in die Corona-Glaskugel geblickt haben. Oft war sicher auch der Wunsch der Vater des Gedankens. Aber am Ende dieses schrecklichen Jahres ist nur eines sicher: Dieses Virus ist unberechenbar. Und so müssen wir uns wohl oder übel noch auf eine lange Wegstrecke einstellen, die weiter von Einschränkungen geprägt sein wird. An sich bin ich ja ein positiver Mensch. Aber die Zahlen, die das Robert-Koch-Institut (RKI) täglich veröffentlicht, sind alles andere als ermutigend. Nur zu Erinnerung: Anfang November, als die 7-Tage-Inzidenz noch bei 114,6 lag, ging es in den “Lockdown light”. Um den Menschen diese Maßnahme schmackhaft zu machen, wurde zunächst ein Weihnachtsfest in Aussicht gestellt, das an die alte Normalität heranreichen sollte, zumindest fast. Das daraus dann doch nichts werden konnte, war schnell klar. Am 16. Dezember, als wir in den immer noch andauernden Lockdown gingen, lag die 7-Tage-Inzidenz bundesweit bereits bei 180. Und an Heiligabend war sie gar bei 196. Dabei war das Ziel, besagte Zahl auf 50 oder darunter zu senken. Davon sind wir auch heute mit 149 noch meilenweit entfernt, wobei erschwerend hinzukommt, dass, wie das RKI zu bedenken gibt, über die Feiertage nicht so viel getestet wurde und nicht alle Ämter ihre Daten auch übermittelt hätten. Will heißen, das dicke Ende kommt erst im neuen Jahr, wenn auch Silvester hinter uns liegt. Dabei wollte uns Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Weihnachtsansprache doch so optimistisch stimmen und sprach angesichts des nahenden Impfstoffes davon, dass das Licht am Ende des Tunnels heller werde. Mein erster Gedanke dabei war: Wenn dass mal nicht die Scheinwerfer des heranrauschenden D-Zuges sind. Denn mit den Impfungen ist das so eine Sache. Sicher scheint bislang nur, dass bis Ende März sechs bis sieben Millionen Menschen in Deutschland geimpft werden können. Darüber hinaus geht Bundesgesundheitsminister Jens Spahn davon aus, bis zum Sommer allen Bürgern in Deutschland ein “Impfangebot” machen zu können. Doch es gibt einen kleinen Haken, der an einen Beipackzettel erinnert. Denn die Rechnung geht nur auf, wenn weitere Präparate eine Zulassung erhalten. Was soll ich sagen? Gewiss, die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich denke aber, es ist nur fair, die Menschen nicht nur immer in falscher Sicherheit zu wiegen, sondern reinen Wein einzuschenken. Denn wenn die enttäuschten Hoffnungen ein erträgliches Maß überschreiten, dann wäre das mehr als kontraproduktiv. Die Menschen werden sich dann vermutlich an überhaupt keine Regeln mehr halten, was langfristig auf einen Totalschaden hinausläuft. Den kann nun wirklich keiner wollen.

Lachen ist menschlich

Die gegenwärtige Pandemie ist eine Herausforderung, für uns alle, für die einen mehr, für die anderen weniger. Und jeder geht anders mit dem Virus um. Aber alle werden mit ihm leben müssen. Covid-19 wird uns noch eine Weile begleiten. Da ist es besonders wichtig, dass wir – ungeachtet aller Vorsicht, die wir walten lassen (müssen) – unseren Mut und unseren Frohsinn nicht verlieren. Das heißt, wir dürfen das Lachen nicht verlernen. Bei unserem letzten Familientreffen, dass wegen Corona als virtuelles Meeting stattgefunden hat, hat eines unserer Familienmitglieder seine Gedanken zu der aktuellen Situation vorgetragen, die es in Gedichtform zu Papier gebracht hatte. Dieses Gedicht ist insofern besonders beeindruckend, als die Worte Virus, Corona, Covid-19 oder Pandemie überhaupt nicht vorkommen. Nur das Wort Maske am Ende lässt keinen Zweifel daran aufkommen, worum es geht:

Lachen ist menschlich

Lass‘ uns gemeinsam über die Waldlichtung gehen …
hast Du irgendwann die Bäume lachen gesehen?
Wir hatten uns auf den Weg ins Gebirge gemacht …
Was meinst Du? Hat einer der Berge je schon gelacht?

Der Falke, das Rebhuhn, der Biber, die Schnecke im Garten;
suchtest Du ihr Lachen, müsstest Du ein Leben lang warten!

Der Mensch dagegen kann lachen, wenn er zu leben beginnt.
Ohne zu sprechen, lächelt er bereits als ganz kleines Kind.
Gott hat den Menschen einstmals das Lachen verliehen –
als Ausgleich für den Verstand – es sei ihm verziehen.

Siehst Du die Bauern von den Äckern nach Hause kehren
mit großen und rauhen Händen – zerschnitten von Ähren?
Ihre Finger können sie fast nicht mehr schließen …
würden sie nicht trotzdem Dein Lachen genießen?

Oder die, welche abends müde die Büros verlassen,
um dann Autoabgase einzuatmen in den Straßen,
ihre Rücken krumm an den Rechnern machen …
freuen die sich nicht auch über Dein Lachen?

Arbeiter, die gesenkten Kopfes durch’s Fabriktor kommen,
ihre Nägel verschrammt, die Sinne vom Lärm noch benommen;
in den Schnittwunden der Finger glänzt schwarzes Fett …
Macht nicht Dein Lachen einen Teil der Mühsal wett?

Menschen, die ihre Münder hinter Masken tragen,
sich nur noch ab und zu nach draußen wagen,
nicht feiern, tanzen, singen, besucht sein sollen,
die Masken müssten fallen, weil sie lachen wollen …

Kranke, die in Hospitälern an Maschinen liegen
auf den Bäuchen, um noch etwas Luft zu kriegen.
Die Tag für Tag um’s Überleben kämpfen …
Könnte Dein Lächeln deren Ängste dämpfen?

Wer durch sein Lachen den Sterbenden noch zum Lachen bringt,
dass er im Moment vergisst, wie er mit dem Tode ringt …
hat solch ein Glück, da ihm Gottes Gnade widerfährt –
wehe dem, der diesem Menschen das Lachen verwehrt!

Was soll ich sagen? Das sind eindrucksvolle Zeilen, die einmal mehr unterstreichen, wie wichtig das Lachen ist. Wer Opas Blog schon länger verfolgt, weiß ja ohnehin: Lachen ist gesund und Lächeln das Kleingeld des Glücks.

Zum Verzweifeln

Eigentlich wollte ich zum Thema Corona ja nichts mehr zum Besten geben. Aber das, was ich in den letzten Tagen und Wochen so wahrgenommen habe, hat mich dann doch umgestimmt. Damit keine Missverständnisse entstehen, will ich gleich vorwegschicken: Auch mich nervt dieses Virus gewaltig. Selbst ohne infiziert zu sein, macht einen das Ding krank. Das rechtfertigt allerdings nicht, was sich einige aktuell leisten und dabei völlig verantwortungslos u.a. mit der Gesundheit anderer Menschen spielen. Dabei sind es vor allem zwei Gruppen, die besonders herausstechen: Junge, die feiern, als wenn es kein morgen gäbe, und Alte, denen offensichtlich egal ist, woran sie sterben. Da wird kein Abstand gehalten, keine Maske getragen und all das getan, was man in einer Pandemie tunlichst unterlassen sollte. Wenn es nur diese Jungen und diese Alten betreffen würde, könnte man sagen: Sei’s drum. Aber leider gefährden sie nicht nur sich, sondern auch andere, die entweder krank werden und/oder unter den Folgen der Infektionsschutzmaßnahmen leiden. Was soll ich sagen? Manchmal verzweifele ich an Gott und der Welt. Dabei könnte es so einfach sein, wenn die Menschen ihren Verstand einsetzen würden. Aber offenbar scheint das bei einigen zu viel verlangt zu sein.

Literarischer Seitensprung

Opa ist heute fremdgegangen. Aber keine Angst: Oma war mit dem Seitensprung einverstanden. Denn es handelt sich sozusagen um einen literarischen Seitensprung, der auf dem Blog Ohfamoos gelandet ist. Dort habe ich mal meine gegenwärtigen Gedanken zur aktuellen Corona-Pandemie zusammengefasst und beschrieben, wie bzw. von wem wir lernen können, mit dem Virus zu leben. Mehr will ich hier nicht verraten. Wen es interessiert, muss sich schon auf den digitalen Weg machen und hinterherspringen. Was soll ich sagen? Ich weiß jetzt gar nicht, wieso mir bei diesem Sidestep Heinz Erhardt, Gott hab’ ihn selig, in den Sinn kommt. Aber seine Reimkunst hatte schon was: Das Reh springt hoch, das Reh springt weit, warum auch nicht, es hat ja Zeit.

Abakus statt Breitband

Es ist ein Trauerspiel! Die Digitalisierung der Schulen in Berlin hat noch nicht einmal begonnen, obwohl die rot-rot-grünen Koalitionäre in ihrer Vereinbarung 2016 vollmundig ankündigten, die Schulen „mit schnellen und leistungsfähigen Breitbandanschlüssen, W-Lan für alle und einer zeitgemäßen Hard- und Software-Ausstattung“ zu versorgen. Passiert ist seitdem, wie so oft in Berlin, NICHTS. Der Auftrag für den Anschluss der 700 allgemeinbildenden Schulen an das leistungsfähige Breitbandnetz ist noch nicht einmal vergeben. Stattdessen wird, was das übliche Vorgehen an der Spree ist, Schwarzer Peter gespielt. Und das heißt es: Schuld sind immer die anderen. Was soll ich sagen? Wenn das alles nicht so traurig wäre, müsste man über diese Unfähigkeit eigentlich lachen. Aber es geht hier um die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder, denen damit vor allem jetzt in Coronazeiten ein strukturiertes digitales Bildungsangebot fehlt. Dass es auch anders geht, hat Hamburg bewiesen. Dort wurde das Digitalisierungsprojekt für den Anschluss an das Breitbandnetz bereits 2013 nach nur fünf Jahren abgeschlossen. Während in Hamburg damit die digitale Zukunft schon begonnen hat, begnügt sich Berlin noch mit dem Abakus, wobei ich allerdings so meine Zweifel habe, ob den in der Verwaltung überhaupt jemand bedienen könnte. Manchmal wähnt man sich hier wie in der Steinzeit.

Rechnen wie anno dazumal: Der Abakus ist eines der ältesten bekannten Rechenhilfsmittel.

Coronarischer Imperativ

Eigentlich sollte es keiner Erläuterung bedürfen, warum die Goldene Regel so wichtig und richtig ist. Doch gerade in diesen Tagen erscheint es notwendiger denn je, an sie zu erinnern und auf ihre Einhaltung zu drängen: „Was du nicht willst, dass man dir tu’, das füg auch keinem andern zu.“ Denn der Polizist Derek Chauvin, der sein Knie acht Minuten und 46 Sekunden lang auf den Hals von George Floyd gepresst und damit den Tod des 46-Jährigen verschuldet hat, würde ganz gewiss nicht wollen, dass ihm Gleiches widerfährt. Auch der 27-jährige Münsteraner, seine 45-jährige Mutter sowie die fünf weiteren Männer aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Brandenburg und Hessen, die derzeit wegen des Verdachts des schweren Kindesmissbrauchs in Untersuchungshaft sitzen, würden sicherlich nicht wollen, dass man ihnen derart Gewalt antut. Und all diejenigen, die Tag für Tag andere Menschen diskriminieren, ausgrenzen, mobben oder sonst irgendwie in ihrer Würde verletzen, wären nicht sonderlich angetan, wenn sie sich plötzlich in der Opferrolle wiederfänden. Dabei kommt es nicht einmal auf Vorsatz an. Schon Gedankenlosigkeit kann ausreichen, so manches Leben zur Hölle zu machen. Ähnlich verhält es sich auch in der Corona-Pandemie. Wenn jeder darauf bedacht wäre, niemand anderen zu gefährden, hätte das Virus keine Chance. Doch während die überwiegende Mehrheit der Bürger in unserem Land die Hygiene- und Verhaltensregeln bzw. – empfehlungen beachtet,

Verhalte Dich so, dass es keine Einschränkungen mehr geben muss.

gibt es immer und überall Ignoranten, alte wie junge, die sich über alles und jeden hinwegsetzen. Die sich daraus ergebenen Konsequenzen haben dann aber wiederum alle zu tragen. Damit an dieser Stelle kein Missverständnis entsteht: Auch ich bin der Meinung, dass die Beschränkung unserer Freiheitsrechte eine bis dato in der Bundesrepublik nicht dagewesene und kaum ertragbare Dimension erreicht hat(te) und so schnell wie nur eben möglich wieder rückgängig gemacht werden muss. Aber so paradox es auch klingen mag, die größtmögliche Freiheit für alle ergibt sich aus der freiwilligen Selbstbeschränkung jedes Einzelnen. In Anlehnung an Immanuel Kant, der mit seinem Kategorischen Imperativ versucht hat, den individuellen Blickwinkel der Goldenen Regel zu verallgemeinern und eine hypothetische Objektivität zu schaffen, könnte in dieser Pandemie vielleicht ein coronarischer Imperativ helfen. Aus „Handle nach derjenigen Maxime, durch die Du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ würde dann „Verhalte Dich so, dass es keine Einschränkungen mehr geben muss.“ Was soll ich sagen? Das Leben könnte so einfach sein – mit oder ohne Corona. Wie auch immer, wenn ich an die letzten Wochen und Monate denke, muss ich sagen: Hut ab vor unseren Kindern. Die haben den Lockdown mit Homeschooling und Homeoffice ohne Murren und Klagen gehandelt und das, obwohl Oma und Opa als Kinderbetreuung aus den bekannten Gründen ausgefallen sind. Da könnten sich manche, denen es in weiten Teilen wesentlich besser ging, noch eine Scheibe von abschneiden. Wir jedenfalls sind stolz auf unsere beiden Töchter und die Schwiegersöhne, die das alles mit ihren Buben bravourös gemeistert haben.

Klopapier: Das Symbol der Krise

Es sind schon merkwürdige Zeiten. Das Corona-Virus jedenfalls führt bei einigen Mitmenschen zu sonderbarem Verhalten. So war am Anfang der Krise der Run auf Toilettenpapier so groß, dass einige Zeitgenossen wahrscheinlich noch in Jahrzehnten Rollen aus dem Jahre 2020 aufbrauchen werden müssen. Die Folge waren leere Regale, in denen sich aber heute die Rollen schon wieder stapeln. Grund dafür ist, dass der Umsatz von Toilettenpapier dramatisch eingebrochen ist. Was soll ich sagen? Gott sei Dank ist die Hamsterei endlich vorbei. Was bleibt, ist das Symbol der Krise: Klopapier.

So sahen zeitweise die Klopapier-Regale aus.