Zum Verzweifeln

Eigentlich wollte ich zum Thema Corona ja nichts mehr zum Besten geben. Aber das, was ich in den letzten Tagen und Wochen so wahrgenommen habe, hat mich dann doch umgestimmt. Damit keine Missverständnisse entstehen, will ich gleich vorwegschicken: Auch mich nervt dieses Virus gewaltig. Selbst ohne infiziert zu sein, macht einen das Ding krank. Das rechtfertigt allerdings nicht, was sich einige aktuell leisten und dabei völlig verantwortungslos u.a. mit der Gesundheit anderer Menschen spielen. Dabei sind es vor allem zwei Gruppen, die besonders herausstechen: Junge, die feiern, als wenn es kein morgen gäbe, und Alte, denen offensichtlich egal ist, woran sie sterben. Da wird kein Abstand gehalten, keine Maske getragen und all das getan, was man in einer Pandemie tunlichst unterlassen sollte. Wenn es nur diese Jungen und diese Alten betreffen würde, könnte man sagen: Sei’s drum. Aber leider gefährden sie nicht nur sich, sondern auch andere, die entweder krank werden und/oder unter den Folgen der Infektionsschutzmaßnahmen leiden. Was soll ich sagen? Manchmal verzweifele ich an Gott und der Welt. Dabei könnte es so einfach sein, wenn die Menschen ihren Verstand einsetzen würden. Aber offenbar scheint das bei einigen zu viel verlangt zu sein.

Literarischer Seitensprung

Opa ist heute fremdgegangen. Aber keine Angst: Oma war mit dem Seitensprung einverstanden. Denn es handelt sich sozusagen um einen literarischen Seitensprung, der auf dem Blog Ohfamoos gelandet ist. Dort habe ich mal meine gegenwärtigen Gedanken zur aktuellen Corona-Pandemie zusammengefasst und beschrieben, wie bzw. von wem wir lernen können, mit dem Virus zu leben. Mehr will ich hier nicht verraten. Wen es interessiert, muss sich schon auf den digitalen Weg machen und hinterherspringen. Was soll ich sagen? Ich weiß jetzt gar nicht, wieso mir bei diesem Sidestep Heinz Erhardt, Gott hab’ ihn selig, in den Sinn kommt. Aber seine Reimkunst hatte schon was: Das Reh springt hoch, das Reh springt weit, warum auch nicht, es hat ja Zeit.

Abakus statt Breitband

Es ist ein Trauerspiel! Die Digitalisierung der Schulen in Berlin hat noch nicht einmal begonnen, obwohl die rot-rot-grünen Koalitionäre in ihrer Vereinbarung 2016 vollmundig ankündigten, die Schulen „mit schnellen und leistungsfähigen Breitbandanschlüssen, W-Lan für alle und einer zeitgemäßen Hard- und Software-Ausstattung“ zu versorgen. Passiert ist seitdem, wie so oft in Berlin, NICHTS. Der Auftrag für den Anschluss der 700 allgemeinbildenden Schulen an das leistungsfähige Breitbandnetz ist noch nicht einmal vergeben. Stattdessen wird, was das übliche Vorgehen an der Spree ist, Schwarzer Peter gespielt. Und das heißt es: Schuld sind immer die anderen. Was soll ich sagen? Wenn das alles nicht so traurig wäre, müsste man über diese Unfähigkeit eigentlich lachen. Aber es geht hier um die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder, denen damit vor allem jetzt in Coronazeiten ein strukturiertes digitales Bildungsangebot fehlt. Dass es auch anders geht, hat Hamburg bewiesen. Dort wurde das Digitalisierungsprojekt für den Anschluss an das Breitbandnetz bereits 2013 nach nur fünf Jahren abgeschlossen. Während in Hamburg damit die digitale Zukunft schon begonnen hat, begnügt sich Berlin noch mit dem Abakus, wobei ich allerdings so meine Zweifel habe, ob den in der Verwaltung überhaupt jemand bedienen könnte. Manchmal wähnt man sich hier wie in der Steinzeit.

Rechnen wie anno dazumal: Der Abakus ist eines der ältesten bekannten Rechenhilfsmittel.

Coronarischer Imperativ

Eigentlich sollte es keiner Erläuterung bedürfen, warum die Goldene Regel so wichtig und richtig ist. Doch gerade in diesen Tagen erscheint es notwendiger denn je, an sie zu erinnern und auf ihre Einhaltung zu drängen: „Was du nicht willst, dass man dir tu’, das füg auch keinem andern zu.“ Denn der Polizist Derek Chauvin, der sein Knie acht Minuten und 46 Sekunden lang auf den Hals von George Floyd gepresst und damit den Tod des 46-Jährigen verschuldet hat, würde ganz gewiss nicht wollen, dass ihm Gleiches widerfährt. Auch der 27-jährige Münsteraner, seine 45-jährige Mutter sowie die fünf weiteren Männer aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Brandenburg und Hessen, die derzeit wegen des Verdachts des schweren Kindesmissbrauchs in Untersuchungshaft sitzen, würden sicherlich nicht wollen, dass man ihnen derart Gewalt antut. Und all diejenigen, die Tag für Tag andere Menschen diskriminieren, ausgrenzen, mobben oder sonst irgendwie in ihrer Würde verletzen, wären nicht sonderlich angetan, wenn sie sich plötzlich in der Opferrolle wiederfänden. Dabei kommt es nicht einmal auf Vorsatz an. Schon Gedankenlosigkeit kann ausreichen, so manches Leben zur Hölle zu machen. Ähnlich verhält es sich auch in der Corona-Pandemie. Wenn jeder darauf bedacht wäre, niemand anderen zu gefährden, hätte das Virus keine Chance. Doch während die überwiegende Mehrheit der Bürger in unserem Land die Hygiene- und Verhaltensregeln bzw. – empfehlungen beachtet,

Verhalte Dich so, dass es keine Einschränkungen mehr geben muss.

gibt es immer und überall Ignoranten, alte wie junge, die sich über alles und jeden hinwegsetzen. Die sich daraus ergebenen Konsequenzen haben dann aber wiederum alle zu tragen. Damit an dieser Stelle kein Missverständnis entsteht: Auch ich bin der Meinung, dass die Beschränkung unserer Freiheitsrechte eine bis dato in der Bundesrepublik nicht dagewesene und kaum ertragbare Dimension erreicht hat(te) und so schnell wie nur eben möglich wieder rückgängig gemacht werden muss. Aber so paradox es auch klingen mag, die größtmögliche Freiheit für alle ergibt sich aus der freiwilligen Selbstbeschränkung jedes Einzelnen. In Anlehnung an Immanuel Kant, der mit seinem Kategorischen Imperativ versucht hat, den individuellen Blickwinkel der Goldenen Regel zu verallgemeinern und eine hypothetische Objektivität zu schaffen, könnte in dieser Pandemie vielleicht ein coronarischer Imperativ helfen. Aus „Handle nach derjenigen Maxime, durch die Du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ würde dann „Verhalte Dich so, dass es keine Einschränkungen mehr geben muss.“ Was soll ich sagen? Das Leben könnte so einfach sein – mit oder ohne Corona. Wie auch immer, wenn ich an die letzten Wochen und Monate denke, muss ich sagen: Hut ab vor unseren Kindern. Die haben den Lockdown mit Homeschooling und Homeoffice ohne Murren und Klagen gehandelt und das, obwohl Oma und Opa als Kinderbetreuung aus den bekannten Gründen ausgefallen sind. Da könnten sich manche, denen es in weiten Teilen wesentlich besser ging, noch eine Scheibe von abschneiden. Wir jedenfalls sind stolz auf unsere beiden Töchter und die Schwiegersöhne, die das alles mit ihren Buben bravourös gemeistert haben.

Klopapier: Das Symbol der Krise

Es sind schon merkwürdige Zeiten. Das Corona-Virus jedenfalls führt bei einigen Mitmenschen zu sonderbarem Verhalten. So war am Anfang der Krise der Run auf Toilettenpapier so groß, dass einige Zeitgenossen wahrscheinlich noch in Jahrzehnten Rollen aus dem Jahre 2020 aufbrauchen werden müssen. Die Folge waren leere Regale, in denen sich aber heute die Rollen schon wieder stapeln. Grund dafür ist, dass der Umsatz von Toilettenpapier dramatisch eingebrochen ist. Was soll ich sagen? Gott sei Dank ist die Hamsterei endlich vorbei. Was bleibt, ist das Symbol der Krise: Klopapier.

So sahen zeitweise die Klopapier-Regale aus.

Ein Stückchen neue Normalität

Es ist eine seltsame Zeit. Jetzt, da wir einer Bedrohung ausgesetzt sind, die wir immer noch nicht ganz abschätzen, ja nicht einmal sehen können, ist uns ausgerechnet das verwehrt, was wir mit am meisten brauchen: Die Berührung von Menschen, die wir lieben. Das fängt mit den eigenen Kindern und Enkelkindern an, das geht weiter mit Geschwistern und deren Partnern, und das endet bei unseren eigenen Eltern, so sie denn noch leben. In unserem Alter, also dem von Oma und mir, ist das zugegebener Maßen nicht mehr so oft der Fall. Unsere beiden Väter sind schon seit Jahrzehnten tot. Meine Mutter haben wir 2013 zu Grabe getragen. Und dieser Tage mussten wir das auch mit der Mutter von Oma tun, die erst im März 93 Jahre alt geworden ist. Seinerzeit war es ausgesprochen bitter, dass wir nicht zu Ihrem Geburtstag in die Niederlande fahren konnten. Und schon damals befürchtete Oma, dass sie Ihre Mutter nicht mehr lebend sehen würde. Das hat sich nun schmerzhaft bewahrheitet. Die Beisetzung war, meine Schwiegermutter hätte gesagt, heel mooi, was auf Deutsch soviel heißt wie sehr schön – den Umständen entsprechend, muss man hinzufügen. Denn wie soll man eine Trauerfeier finden, die in einem Leben stattfindet, in dem jeder 1,5 Meter Abstand von seinem Nächsten hält, und die dabei auch noch auf 30 Personen begrenzt ist. Wie gesagt, meine Schwiegermutter wäre ganz sicher zufrieden gewesen, auch wenn ihre Urenkel und deren Väter nicht dabei waren. Aber es war schon besonders schmerzhaft, den einen oder anderen nicht in den Arm nehmen zu können, um gemeinsam zu trauern und sich gegenseitig zu trösten. Was soll ich sagen? Deutlicher hätte nicht sein können, dass die Zeit vor Corona endgültig vorbei ist und wir schnellstmöglich eine neue Normalität brauchen. Die alte Realität wird da nicht der Maßstab sein können, sondern es geht um eine maßvolle Abwägung zwischen Risiko und Notwendigkeit. Einen ersten Versuch haben Oma und ich heute mit unserer ältesten Tochter und ihrer Familie unternommen: Wir haben einen gemeinsamen Spaziergang gemacht und anschließend jeder ein Eis gegessen – alles mit gebührendem Abstand, versteht sich. Auch das war noch anders als anders, aber wenigsten ein Stückchen neue Normalität, auch wenn sie noch gewöhnungsbedürftig ist.

Gemeinsamer Spaziergang mit gebührendem Abstand.

Noch eine lange Zeit

Corona zerrt an den Nerven. Je länger die Situation so ist, wie sie ist, empfinden wir – und wohl auch andere – den Status quo als immer belastender, wohl wissend, dass uns das Virus noch eine lange Zeit beschäftigen wird. Bevor es keinen Impfstoff gibt, der weltweit flächendeckend zum Einsatz kommen kann, kann und wird sich nicht viel ändern. Umso unverständlicher finde ich, dass Menschen in Gesprächen zuweilen so tun, als sei der ganze Spuk im August oder September vorbei. Da frage ich (mich) manchmal, ob die denn überhaupt noch Zeitung lesen oder Nachrichten schauen. Denn was den Impfstoff betrifft, gehen Fachleute ja mittlerweile eher von 2023 als von 2022 aus. Und dann sind da noch die Warnungen der Weltgesundheitsbehörde WHO, die darauf hinweist, dass es noch keine Beweise dafür gebe, dass Covid-19-Patienten vor einer Zweitinfektion geschützt sind. Eine rosige Zukunft sieht anders aus. Vor diesem Hintergrund sehen wir auch die Diskussionen über mögliche Lockerungen der Einschränkungen mit Sorge. Ja, es ist wahr: In der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland sind Grund- und Freiheitsrechte noch nie in einem solchen Maße beschnitten worden. Und doch war das nötig, um zu verhindern, dass unser Gesundheitssystem kollabiert und wir hierzulande Zustände wie in Bergamo oder New York sehen. Und ja, wir sind bislang sehr gut durch diese Krise gekommen, was den einen oder anderen dazu veranlassen mag, die gravierenden Einschnitte in unser Leben für übertrieben zu halten. Aber, wie wussten schon Virologen zu Beginn des Jahres: Das Schwierige daran, Maßnahmen in einer Pandemie zu vermitteln, sei, dass sie, zum richtigen Zeitpunkt durchgeführt, immer übertrieben wirken. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Dabei bin ich mir wohl bewusst, dass die Verantwortlichen, die, das sei nur am Rande bemerkt, wahrlich nicht zu beneiden sind, vor einem Dilemma stehen. Man kann die Menschen eines Landes nicht über einen längeren Zeitraum einsperren. Da gehen schon Wochen an die Grenze des Erträglichen, von Monaten oder Jahren ganz zu schweigen. Das hat vermutlich auch Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble im Sinn gehabt, als er in einem Tagesspiegel-Interview sagte: „Man tastet sich da ran. Lieber vorsichtig – denn der Weg zurück würde fürchterlich. Aber wenn ich höre, alles andere habe vor dem Schutz von Leben zurückzutreten, dann muss ich sagen: Das ist in dieser Absolutheit nicht richtig. Grundrechte beschränken sich gegenseitig. Wenn es überhaupt einen absoluten Wert in unserem Grundgesetz gibt, dann ist das die Würde des Menschen. Die ist unantastbar. Aber sie schließt nicht aus, dass wir sterben müssen.“ Das ist sicherlich richtig. Allerdings war und ist für mich das Grundrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit sozusagen die Grundvoraussetzung dafür, dass die Würde des Menschen unantastbar ist und bleibt. Insofern tue ich mich nach wie vor noch schwer, gesundheitliche und wirtschaftliche Interessen gegeneinander abzuwägen. Was soll ich sagen? Ich weiß, ich bin da eher noch ein bisschen oldschool. Aber auch ich komme zuweilen ins Grübeln. Jedenfalls bin ich – obwohl ansonsten immer entscheidungsfreudig – froh, bei diesen Fragen nicht entscheiden zu müssen. Andere müssen es, wie zum Beispiel Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der sich mit einem bemerkenswerten Satz einen Platz in den Corona-Annalen gesichert hat: „Wir werden in ein paar Monaten wahrscheinlich viel einander verzeihen müssen.“

Heute mal wortfaul

Heute bin ich mal wortfaul, nachdem ich ja zuletzt doch etwas länger geschrieben habe. Was soll ich sagen? Ein Bild sagt manchmal ohnehin mehr als 1.000 Worte.

Lachen ist gesund

Die klinische Psychologin Doris Bach weiß: „Wenn die Situation bedrohlich ist, dann schafft der Humor eine Distanz zur Realität. Damit kommt man zumindest kurz in eine andere Stimmung. Humor ist eine Bewältigungsstrategie.“ Durch Lachen werde Anspannung reduziert, Glückshormone würden produziert. „Es kommt mehr Sauerstoff in das Gehirn“, sagt die Frau, die es wissen muss. Um so wichtiger ist es, Augen und Ohren offen zu halten, um die Dinge aufzunehmen, die einem vor allem der ganz normale Alltag bietet. Oma und ich tun das zur Zeit besonders intensiv und sind fündig geworden. Bei einem unserer (fast) täglichen Rundgänge um den Block fanden wir eine – vermutlich von einem Kind gestaltete – Straßenmalerei, die im Sinne von genügend Sauerstoffzufuhr fürs Hirn ergiebig war: “BEIBEN SIE GESUND”. Auch die Berliner Abendschau ist immer wieder ein Quell der Freude. So hat heute Abend Opas Lieblingsmoderatorin Sarah Zerdick bei uns für richtig viel Sauerstoff in unseren Gehirnen gesorgt. Mit Blick auf die Entwicklung der Infiziertenzahlen teilte sie den – vielleicht staunenden – Zuschauern mit:” Die Zahlen vermehren sich.” Was soll ich sagen? Oma und ich würden gerne wissen, wie die das machen, und gegebenenfalls auch zuschauen. Man lernt ja nie aus … Wie war das? Lachen ist gesund!

Streetart in Zeiten von Corona.

Was uns noch bevorsteht

Irgendwie bin ich irritiert. Es ist gerade mal eine Woche her, dass wegen des Coronavirus unser soziales Leben so ziemlich auf null herunter gefahren wurde. Aber während das die Infiziertenzahlen noch nicht sonderlich beeindruckt hat, wird schon wieder munter darüber diskutiert, wann wir die Einschränkungen denn wieder beenden können – meist noch mit dem Hinweis, dass das unsere Wirtschaft nicht so lange aushält. Insofern war es gut, dass Kanzleramtschef Helge Braun unmissverständlich angekündigt hat, dass die Maßnahmen mindestens bis zum 20. April aufrecht erhalten bleiben. Und das ist auch gut so, um mit den Worten des ehemaligen Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Klaus Wowereit, zu sprechen, dessen Ehemann jetzt an dem Coronavirus verstorben ist und dem mein und hoffentlich unser aller Mitgefühl gilt. Denn obwohl es bis zum 20. April ja noch eine Weile hin ist, lässt ein Blick in die Zukunft nichts Gutes ahnen. Also, wir hatten am 28. März um 24.00 Uhr in Deutschland 54.268 Infizierte. Aktuell liegt die Verdoppelungszeit bei vier bis fünf Tagen. Zielmarke ist laut Kanzlerin eine Verdoppelungszeit von zehn Tagen. Aber selbst wenn wir diese Zeitspanne zu Grunde legen, sind die Aussichten nicht wirklich gut. Ich habe mir einmal die Mühe gemacht, das für einen Zeitraum von nur 100 Tagen auszurechnen. Danach sieht das so aus: 7. April – 108.536, 17. April – 217.072, 27. April – 434.144, 7. Mai – 868.288, 17. Mai – 1.736.576, 27. Mai – 3.473.152, 6. Juni – 6.946.304, 16. Juni – 13.892.608, 26. Juni – 27.785.216 und 6. Juli – 55.570.432. Die letzte Zahl entspricht ziemlich genau der Infiziertenzahl, die erreicht werden muss, um die sogenannte Herdenimmunität zu erreichen – aber das nur am Rande.

Eine viel spannendere Frage ist: Welche Überlegungen der Bundesregierung verbergen sich hinter der 10-Tage-Strategie? Denn in einer Risikoanalyse „Pandemie durch Virus Modi-SARS aus dem Jahre 2012 unter fachlicher Federführung des Robert Koch-Instituts und Mitwirkung weiterer Bundesbehörden wie dem Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk, der Bundesnetzagentur, dem Paul-Ehrlich-Institut und dem Streitkräfteunterstützungskommando der Bundeswehr kam die Bundesregierung zu dem Ergebnis: “Über den Zeitraum der ersten Welle (Tag 1 bis 411) erkranken insgesamt 29 Millionen, im Verlauf der zweiten Welle (Tag 412 bis 692) insgesamt 23 Millionen und während der dritten Welle (Tag 693 bis 1052) insgesamt 26 Millionen Menschen in Deutschland. Für den gesamten zugrunde gelegten Zeitraum von drei Jahren ist mit mindestens 7,5 Millionen Toten als direkte Folge der Infektion zu rechnen. Zusätzlich erhöht sich die Sterblichkeit sowohl von an Modi-SARS Erkrankten als auch anders Erkrankter sowie von Pflegebedürftigen, da sie aufgrund der Überlastung des medizinischen und des Pflegebereiches keine adäquate medizinische Versorgung bzw. Pflege mehr erhalten können.”

Weiter heißt es: “Das hier vorgestellte Szenario geht davon aus, dass schon früh im Verlauf antiepidemische Maßnahmen eingeleitet werden, die dazu führen, dass jeder Infizierte im Durchschnitt nicht drei, sondern 1,6 Personen infiziert. Die Gegenmaßnahmen werden nur für den Zeitraum von Tag 48 bis Tag 408 angenommen. Würde man davon ausgehen, dass keinerlei Gegenmaßnahmen eingesetzt werden und jeder Infizierte drei weitere Personen infiziert (bis der Impfstoff zur Verfügung steht), so hätte man mit einem noch drastischeren Verlauf zu rechnen. Zum einen wäre die absolute Anzahl der Betroffenen höher, zum anderen wäre der Verlauf auch wesentlich schneller. Während im vorgestellten Modell der Scheitelpunkt der ersten Welle nach rund 300 Tagen erreicht ist, wäre dies ohne antiepidemische Maßnahmen schon nach rund 170 Tagen der Fall. Dieser Zeitgewinn durch antiepidemische Maßnahmen kann sehr effizient genutzt werden, um z.B. persönliche Schutzausrüstung herzustellen, zu verteilen und über ihre korrekte Anwendung zu informieren. Die Anzahl Betroffener unterscheidet sich in beiden Szenarien gravierend. Wenn Schutzmaßnahmen eingeführt werden und greifen, sind auf den Höhepunkten der Wellen jeweils rund 6 Millionen (1. Welle), 3 Millionen (2. Welle) und 2,3 Millionen (3. Welle) erkrankt. Ohne Gegenmaßnahmen sind es rund 19 Millionen (1. Welle), rund 6,5 Millionen (2. Welle) und rund 3,3 Millionen (3. Welle). Die Zahlen für Hospitalisierte bzw. Patienten, die intensivmedizinisch behandelt werden müssen, verhalten sich ähnlich.”

Was soll ich sagen? Nichts liegt mir ferner, als an dieser Stelle irgendeine Verschwörungstheorie in die Welt zu setzen. Das habe ich seit meinem ersten Blogbeitrag am 12. Februar 2013 kein einziges Mal getan. Und ich habe auch lange, vielleicht zu lange gezögert, diesen Bericht auszuwerten und in Zusammenhang mit der aktuellen Pandemie zu bringen. Aber der Verdacht, der in mir immer stärker wird, ist der, dass vielleicht im Kanzleramt, im Finanz- oder Wirtschaftsministerium jemand durchgerechnet hat, dass wir uns weder das eine noch das andere Szenario leisten können und das Ganze so schnell wie möglich beenden sollten – ganz nach dem Motto: Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.

Jedenfalls macht mich eine Fußnote aus dem “Bericht zur Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz 2012” (Bundestagsdrucksache 17/12051 vom 3.1.2013) stutzig: “Bisher gibt es keine Richtlinien, wie mit einem Massenanfall von Infizierten bei einer Pandemie umgegangen werden kann. Diese Problematik erfordert komplexe medizinische, aber auch ethische Überlegungen und sollte möglichst nicht erst in einer besonderen Krisensituation betrachtet werden.” Die Fußnote bezieht sich auf den Absatz: “Die enorme Anzahl Infizierter, deren Erkrankung so schwerwiegend ist, dass sie hospitalisiert sein sollten bzw. im Krankenhaus intensivmedizinische Betreuung benötigen würden, übersteigt die vorhandenen Kapazitäten um ein Vielfaches (siehe Abschnitt KRITIS, Sektor Gesundheit, medizinische Versorgung). Dies erfordert umfassende Sichtung (Triage) und Entscheidungen, wer noch in eine Klinik aufgenommen werden und dort behandelt werden kann und bei wem dies nicht mehr möglich ist. Als Konsequenz werden viele der Personen, die nicht behandelt werden können, versterben.”

Auf welches Szenario sich das bezieht, ist eigentlich egal. Die Regierung weiß, was uns noch bevorsteht – und hat es von Anfang an gewusst. Vielleicht ist es an der Zeit, der Bevölkerung reinen Wein einzuschenken. Ich glaube, angesichts dieser existenziellen Bedrohung und dessen, was die Menschen schon geleistet haben und noch leisten werden müssen, haben sie es verdient.

Das erwartete Schadensausmaß der 2012 von der Bundesregierung angenommenen ” Pandemie durch Virus „Modi-SARS“ – entnommen der Bundestagsdrucksache 17/12051 vom 3.1.2013.