Berliner haben’s nicht leicht

Berlin hat’s nicht leicht, oder genauer gesagt: Die Berliner haben’s nicht leicht. „Tote kommen nicht unter die Erde, Geburtsurkunden dauern Monate, jeder Behördengang ist eine Qual: Wer Sehnsucht nach einer linken Sammlungsbewegung hat, sollte sich den Alltag im rot-rot-grün regierten Berlin anschauen“, beginnt eine Kolumne von Jan Fleischhauer auf SPIEGEL ONLINE und ist überschrieben mit: Das Venezuela Deutschlands. Es dauerte nicht lange, da legte Die Welt nach und beschrieb die Missstände so: „Heraus kommt am Ende eine Hauptstadt, die nicht nur zu doof ist, einen Flughafen zu planen oder auch nur einen Radweg zu markieren. Es ist so, als würde Borat Berlin regieren. Hier ist Gentrifizierung, so spotten feine Hamburger, wenn der Nachbar anfängt, mit Messer und Gabel zu essen.“ Verantwortlich für das Elend ist, da sind sich so ziemlich all einig: Der Regierende Bürgermeister Michael Müller und seine Senatoren, über die in besagtem Welt-Artikel wie folgt geschrieben wird: „Der Regierende Bürgermeister wird selbst in seiner eigenen Partei ignoriert, bis auf Innensenator Andreas Geisel haben die meisten Genossen die Namen ihrer Senatoren vergessen. Die Chefin der Grünen, die erzvernünftige Ramona Pop, wird von ihrer linken Basis aggressiv übergangen. Und in der Linkspartei wird im Osten verdrängt, dass die DDR untergegangen ist und so was Ähnliches wie Marktwirtschaft existiert.“ Da kann es auch nicht verwundern, dass bei der jüngsten Umfrage der Regierende wieder auf einem der letzte Plätze landet, was die Zufriedenheitsrate betrifft. Was soll ich sagen? Da lasse ich doch gerne die 1932 geborene Sozialarbeiterin Anneliese Bödecker, die für ihren Einsatz in Berlin 1999 den Verdienstorden des Landes erhielt, zu Wort kommen: „Die Berliner sind unfreundlich und rücksichtslos, ruppig und rechthaberisch, Berlin ist abstoßend, laut, dreckig und grau, Baustellen und verstopfte Straßen, wo man geht und steht – aber mir tun alle Menschen leid, die nicht hier leben können!“ Offenbar war das schon immer so: “Berlin. Es lebt dort ein so verwegener Menschenschlag beisammen, daß man mit der Delikatesse nicht weit reicht, sondern daß man Haare auf den Zähnen haben und mitunter etwas grob sein muß, um sich über Wasser zu halten.” So jedenfalls Johann Wolfgang von Goethe, und das schon am 4. Dezember 1823. Na denn, wenn alles so bleiben soll, wie es ist, muss sich ‘ne Menge ändern.

Berlin – mit Licht und Schatten …

Love is in the air

Liebe ist … mehr als ein Wort, heißt eine der Liebe ist … Sprüche. Daran muss wohl derjenige oder diejenige gedacht haben, der einen Briefkasten am Wittenbergplatz in Berlin sozusagen umgewidmet hat. Denn normalerweise transportiert ja die Deutsche Post ziemlich alles, was so zu Papier gebracht werden kann. Und da wissen wir ja: Papier ist geduldig. Rechnungen, Mahnungen, Vorladungen, Bußgeldbescheide, etc. – die Liste von den Briefen, auf die man gerne verzichten kann, ließe sich beliebig fortsetzen. Auch Unverschämtheiten wird es genug geben, obwohl ja Hass-Mails und entsprechende Kommentare neuerdings eher eine Unsitte in der elektronischen Kommunikation geworden sind. Wie auch immer: Die Anregung, nur noch Liebesbriefe aufzugeben, hat was. Was soll ich sagen? Insofern ist es gut, dass eine Freundin von Oma das Ganze fotografiert und an eine Zeitung geschickt hat. Die fand die Idee offensichtlich auch gut und hat das Bild veröffentlicht. Wenn das nun über einen Pressespiegel vielleicht auch noch auf dem Tisch des Post-Vorstandsvorsitzenden Frank Appel landet, könnte der sich ja ein ganz neues Geschäftsmodell ausdenken – ganz nach dem Motto: Love is in the air. Schließlich wird ein nicht unbeachtlicher Teil der täglich 60 Millionen Briefe über das Nachtluftpostnetz transportiert.

Entdeckt und fotografiert von Peggy Schilke, die sich sicher freut, dass sie auf Opas Blog richtig geschrieben wird.                                                                     Foto: Peggy Schilke

Jugend musiziert: Macht weiter

Jugend musiziert – diesen Wettbewerb gibt es nun schon seit 1964 in Deutschland. Das sind über 50 Jahre, in denen dieses Format an Attraktivität aber auch gar nichts eingebüßt hat. Ganz im Gegenteil: Jedes Jahr sind Oma und Opa immer wieder restlos begeistert darüber, mit welcher Leidenschaft die Jungen und Mädchen ihre Talente auf ihren Musikinstrumenten präsentieren. Um so mehr freuen wir uns auch, dass wir nun schon seit Jahren den Wettbewerb in Berlin mit einem Sonderpreis unterstützen dürfen. War es in den ersten Jahren “nur” ein reiner Klavierpreis, wurde es in den letzten Jahren der butterfly communications | Preis der Jugend-Jury, der in diesem Jahr in der Kategorie “Klavier vierhändig” verliehen wurde. Eine Preisträgerin, Tabea Streicher, die mit ihrem Bruder Daniel angetreten war, hat mittlerweile fast ein Abonnement auf unseren Preis. Denn schon im vergangenen Jahr war sie in der Kategorie “Klavier” unter den Gewinnern. Was soll ich sagen? Ich würde gerne zwei Zitate miteinander verbinden, die von Richard Wagner und Victor Hugo stammen: Musik ist die Sprache der Leidenschaft, die ausdrückt, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist. Also Kinder, macht weiter, für Euch und für uns!

Auch 2018 hat es einen butterfly communications | Preis der Jugend-Jury gegeben. Preisübergabe am Sonntagabend im Konzertsaal der Universität der Künste durch Detlef Untermann hier an Tabea und Daniel Streicher.

Der Film im Film im Film …

Oma und Opa sind bekennende und begeisterte Tatort-Fans und haben auch am vergangenen Sonntag – wie eigentlich jede Woche – pünktlich um 20.15 Uhr vor dem Fernseher gesessen. Und dieses Mal hat es sich besonders gelohnt. Meta heißt die Folge, die passend zur derzeit stattfindenden Berlinale in Berlin auch aus der Hauptstadt kommt und ebenfalls während der Berlinale spielt. “Auf verstörende Art schildert ein Thriller auf der Berlinale den Mord an einer Prostituierten. Rubin und Karow sind sprachlos, denn was die Polizisten Rolf Poller und Felix Blume im Film Meta ermitteln, passt zu ihrem aktuellen Fall”, heißt es in der Beschreibung des Senders. Mehr noch: Der Film ist der Film im Film, der im Film der Film ist. Das haben Sie jetzt ganz sicher nicht verstanden. Macht nichts: Denn der Film ist nur ein Film, wobei man manchmal nicht weiß, in welchem Film man gerade ist – auf jeden Fall nicht im falschen. Was soll ich sagen? Mehr will ich an dieser Stelle nicht verraten. Nur so viel: Es ist zwar nur ein Film. Aber den sollte man unbedingt gesehen haben. Zeit bleibt noch ein wenig. Die Tatort-Folge kann bis zum 20. März in der Mediathek abgerufen werden.

Manchmal weiß man nicht mehr, in welchem Film man gerade ist, auf jeden Fall nicht im falschen.                                                                                         Foto: rbb/Reiner Bajo

Berlin – Bildung – Platz 1?

Es ist der blanke Wahnsinn: Es gibt Untersuchungen und Studien, die beschäftigen sich mit Dingen, auf die man eigentlich nicht kommen kann. Dass sich selbst Fruchtfliegen zuweilen dem Frustsaufen ergeben, gehört da ebenso dazu wie die Erkenntnis, dass Hamster depressiv werden, wenn sie bei Licht schlafen. Und dass Frauen, wenn sie High Heils tragen, schneller zum …, lassen wir das und kommen lieber zu der Studie, die heute das Makler-Unternehmen Homeday veröffentlicht hat. Untersucht worden war, welche Städte besonders familienfreundlich sind. Berlin entpuppt sich in der Tabelle, in der 23 deutsche Städte aufgelistet sind, einmal mehr als Mittelmaß und landet mit 7,32 Punkten auf Platz 10. Man könnte angesichts dessen ja zur Tagesordnung übergehen, wäre da nicht die Rubrik “Bildungssystem”, in der Berlin mit 10,0 Punkten einsam und alleine Platz 1 belegt. Berlin – Bildung – Platz 1? Da muss es sich um das “Schubladenproblem” handeln. Gerd Antes, der Direktor des Deutschen Cochrane Zentrums am Institut für Medizinische Biometrie und Medizinische Informatik, jedenfalls nennt so die gängige Praxis, bei Untersuchungen unliebsame Daten oder Ergebnisse, welche die gewünschte These nicht belegen, zu verschweigen. Und verschwiegen wurde hier wohl, dass Berlin beim bundesweiten Bildungstrend-Vergleichstest regelmäßig in der Schlussgruppe landet. Ursache dafür ist nicht nur, dass die bauliche Schulsubstanz derart sanierungsbedürftig ist, dass 1,64 Milliarden Euro sofort verbaut werden müssten. Der Senat selbst beziffert den Sanierungs- und Neubaubedarf bis 2026 auf 5,5 Milliarden Euro. Doch das ist im Bereich Schulen ja fast schon das geringste Problem. Fallen doch nach Schätzungen von Insidern 10 Prozent des Unterrichts in den Grundschulen aus. „Die Schulleiter werden von der Schulaufsicht unter Druck gesetzt, damit die offizielle Ausfall-Quote nicht über zwei Prozent steigt“, sagt Florian Bublys von der Lehrerinitiative „Bildet Berlin!“. An einer Grundschule in Kreuzberg hätten beispielsweise 41 Prozent aller Stunden vertreten werden müssen, weil viele Lehrer lange krank oder im Mutterschutz gewesen seien. Dennoch habe es die Schulleitung geschafft, so viele Vertretungslehrer einzusetzen, dass offiziell nur etwa zwei Prozent aller Stunden ausgefallen seien. Und es wird noch schlimmer: “Berlin gehen die Lehrer aus. Grund ist eine Pensionierungswelle bei steigenden Schülerzahlen. Als sich selbst mit Werbekampagnen in anderen Bundesländern und Österreich nicht genügend Lehrer anlocken ließen, entschloss sich der Senat zu einer unorthodoxen Rekrutierungsmethode. Der Schuldienst wurde für Akademiker mit egal welcher beruflichen Vorgeschichte geöffnet, sofern sie Fächer studiert haben, in denen Lehrpersonal fehlt”, fasst der Berliner Tagesspiegel die Misere in einem Bericht zusammen. Was soll ich sagen? Vermutlich haben die Verfasser der Homeday-Studie das Berliner Bildungssystem genossen und alle ihre Mathematik-Stunden sind ausgefallen. Anders jedenfalls ist das Ergebnis dieser Studie – jedenfalls im Bereich Bildungssystem – nicht zu erklären.

Buddy Bären wieder in Berlin

“Wir müssen uns besser kennenlernen, dann können wir uns besser verstehen, mehr vertrauen und besser zusammenleben.” Unter diesem Motto werben die United Buddy Bears auf ihrer Welttournee für ein friedliches Zusammenleben. Die rund 140 Buddy Bären repräsentieren ebenso viele von den Vereinten Nationen anerkannte Länder. Seit ihrer ersten Ausstellung 2002 in Berlin haben weltweit bereits über 40 Millionen Besucher die zwei Meter großen Bären bewundern können. Jetzt sind sie wieder in Berlin. In der anstehenden Weihnachtszeit möchten sie die Berliner und ihre Gäste aus aller Welt erfreuen. Die eintrittsfreie Ausstellung der künstlerisch gestalteten Bären wird vom 1. Dezember 2017 bis 7. Januar 2018 auf dem Walter-Benjamin-Platz, nahe des Kurfürstendamms zu sehen sein. Was soll ich sagen? Berlin zeigt sich mit dieser Ausstellung einmal mehr als weltoffene Hauptstadt für Toleranz, friedliches Miteinander und Völkerverständigung. Wer einen Koffer hier hat: Herkommen und hingehen.

Sind ab 1. Dezember 2017 für einen Monat wieder in Berlin: Die 140 United Buddy Bears.

Oma und Opa sind Glücksberliner

Man lernt ja nie aus. Wir hier in Berlin sind – glaubt man den örtlichen Medien – eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Nach Ansicht der Berliner Zeitung gibt es nämlich Sommerberliner und Winterberliner. Ich zitiere: “Sommerberliner sind glückliche Wesen. Sie sitzen bis tief in die Nacht mit Bier vor Spätis, trinken Cocktails auf Dachterrassen, knutschen am Spreeufer oder schippern nackig über den Müggelsee. Um sie müssen wir uns keine Sorgen machen.” Und dann sind da noch die Winterberliner, die “sind das genaue Gegenteil der Sommerberliner. Graue, traurige Menschen in Funktionsjacken, die durch zugige U-Bahnhöfe eilen, um sich beim Hausarzt eine Krankschreibung zu holen. Ihre Gemütsverfassung ist bedenklich. Der Winterberliner flirtet nicht, er lacht nicht, und er verlässt seine Wohnung abends nur, wenn nichts im Fernsehen kommt. Dann sitzt er in verrauchten Kneipen und lässt sich von seinem Gegenüber stundenlang erzählen, dass der ja wirklich vorhatte, diesen Winter woanders zu verbringen. Vielleicht in Thailand oder in Vietnam, da solle es ja auch schön sein. Nach einem Bierchen zu viel zieht sich der Winterberliner seine drei Kleidungsschichten an, setzt die Mütze auf (es sei denn, er ist ein junger Mensch, die setzen ihre Mütze ja gar nicht erst ab) und geht zurück in seine kalte Altbauwohnung, in der niemand auf ihn wartet. Sobald die Tage am kürzesten sind, besucht er dann noch einmal den Weihnachtsmarkt auf dem Alexanderplatz, der ihm den letzten Rest Lebensfreude raubt.” Soweit die Berliner Zeitung. Was soll ich sagen? Also, Oma und Opa sind eindeutig Sommerberliner, auch wenn wir nicht bis tief in die Nacht mit Bier vor Spätis sitzen, keine Cocktails auf Dachterrassen trinken, nicht am Spreeufer knutschen und auch nicht nackig über den Müggelsee schippern – wobei das ja mal … ach lassen wir das lieber. Aber wir erfreuen uns jeden Tag unseres Lebens, genießen unsere Kinder und Enkelkinder, laden gerne Gäste ein und sind glücklich und zufrieden mit dem, was wir haben. Und wir sind auch (Wahl-)Berliner. Vielleicht gibt es ja noch eine dritte Gruppe: Die Glücksberliner. Da gehören wir dann ganz sicher dazu.

So schön kann der Berliner Winter sein: Also, überhaupt kein Grund zur Depression.

Kurtort Bad Berlin

In Berlin sind Ferien. Da ist die deutsche Hauptstadt wieder einmal so ruhig, dass sie fast das Prädikat verdient hätte: Kurort Bad Berlin. Nur die Touristen rattern noch mit ihren Rollkoffern durch die Straßen, so wie das die Berliner jetzt andernorts tun. Was soll ich sagen? Jeder ist überall Tourist, nur nicht daheim. Ein schönes Wochenende noch und bleiben Sie gesund …

Da kannste nicht meckern!

Das war endlich mal wieder ein Wochenende, bei dem sagen konnte: Da kannste nicht meckern! Dass das das höchste Lob hier in Berlin ist, dürfte ja mittlerweile bekannt sein. Wer es bislang noch nicht wusste, weiß es dann eben jetzt. Was soll ich sagen? Ein schönes Wochenende noch und bleiben Sie gesund …

Wer an diesem Wochenende nicht offen gefahren ist, dem war nicht mehr zu helfen …

Alles ein bisschen größer

Oma und Opa konnten es sich am Wochenende so richtig gut gehen lassen. Nachdem unsere Kinder ihr Eltern-Verschickungs-Programm wieder aufgelegt und uns nach Paris verfrachtet hatten, lautete das Motto: Leben wie Gott in Frankreich. Angesichts der Kilometer, die wir durch die französische Hauptstadt gelaufen sind, haben wir uns das aber auch verdient. Und das Huguette, das wir gleich am ersten Abend entdeckt hatten, wurde dann gleich zu unserem Stammlokal, das uns abends mit seinen Meeresfrüchten lockte. Verglichen mit Berlin ist Paris, man muss es so sagen, riesig: Die Entfernungen sind enorm, die Straßen lang und breit sowie die Gebäude gigantisch. Der Arc de Triomphe ist – wenn man sich das Brandenburger Tor daneben vorstellt – gewaltig. Vom Eiffelturm will ich gar nicht reden. Alles ist ein bisschen größer und weiter. Auch die Entfernungen, die man innerhalb der Metro zu Fuß zurücklegen muss, sind beachtlich. Was soll ich sagen? Mit einem aber kann Berlin mithalten, nämlich mit den Kaffee-Preisen. Als ich im Café Georges V auf den Champs-Élysées angesichts eines Preises von 7,20 Euro pro Café Creme ein wenig Schnappatmung bekam, meinte Oma nur lapidar: Im Adlon ist’s teurer. Dort kostet der Kaffee 7,50 Euro – wäre doch auch gelacht gewesen.