Ziemlich schräg (3)

Berlin ist ja berühmt wie berüchtigt dafür, ziemlich schräg zu sein. Aber, man glaubt es kaum, auch andernorts gibt es Dinge zwischen Himmel und Erde, bei denen man entweder fassungslos den Kopf schütteln oder sich nur noch scheckiglachen kann. Ein Beispiel habe ich aus dem Urlaub mitgebracht. In Rothenburg ob der Tauber haben wir in einem Süßwarengeschäft ein Schild im Schaufenster entdeckt, das doch zu denken gibt. Jedenfalls wird darum gebeten: Bitte nicht am Personal lecken! Was soll ich sagen? Ich weiß ja nicht, was Menschen in Rothenburg ob der Tauber so in der Regel alles machen. Aber auf die Idee, das Personal anzuknabbern, muss man auch erst einmal kommen.

Ziemlich schräg (2)

Berlin ist ja berühmt wie berüchtigt dafür, ziemlich schräg zu sein. Es ist fast unmöglich, sich durch die Stadt zu bewegen, ohne etwas zu sehen, bei dem man entweder fassungslos den Kopf schütteln oder sich nur noch scheckiglachen muss. Auch für heute habe ich ein schönes Beispiel gefunden. Dabei ist dieses Phänomen in den USA schon  länger bekannt. Etwa seit den 90er-Jahren hängen dort Schuhe in Bäumen, weil sich die Menschen, die sie dort hingeworfen haben, Glück erhoffen. Jedenfalls wollen einige, die sich mit diesem Brauch beschäftigen, herausgefunden haben, dass man mit dem Wegwerfen der Schuhe auch gleich seine Sorgen von sich gibt. Was soll ich sagen? Damit würde dieser Brauch wie die Faust aufs Auge zu Berlin passen. Sorgen sind hier absolut out. Oder wie haben es die Berliner Verkehrsbetriebe zusammengefasst: Is mir egal. Dit is Berlin!

Ziemlich schräg (1)

Ich weiß, ich habe meinen Blog in den letzten Wochen arg vernachlässigt. Aber immer, wenn ich dann mal wieder in die Tasten greifen wollte, war irgendetwas anderes – vermeintlich Wichtigeres. Wie heißt es so schön: Erstens kommt es, zweitens anders und drittens als man denkt. Aber ich gelobe Besserung! Dafür habe ich mir auch etwas Besonderes ausgedacht. Berlin ist ja berühmt wie berüchtigt dafür, ziemlich schräg zu sein. Es ist fast unmöglich, sich durch die Stadt zu bewegen, ohne etwas zu sehen, bei dem man entweder fassungslos den Kopf schütteln oder sich nur noch scheckiglachen muss. Und heute fange ich damit an. Was soll ich sagen? Dit is Berlin!

Paradies oder Hölle

Der Tagesspiegel in Berlin ist – getreu seinem Leitspruch „Rerum cognoscere causas“ – den Dingen mal wieder auf den Grund gegangen. In der heutigen Ausgabe (7. März 2022) geht es dabei um ein „Leben auf der Sonnenseite“, das sich laut dem Blatt viele Bundesbürger für ihren Ruhestand im Paradies wünschen. Da trifft es sich ja gut, dass man in einigen Ländern, so der Autor, „mit der deutschen Rente … größere Sprünge“ als zu Hause machen kann. Ein „Geheimtipp am Rande Europas“ dafür ist, man höre und staune, Georgien, das nach Ansicht nicht weniger Sicherheitsexperten durchaus auch als Appetithappen auf der Speisekarte des machthungrigen Wladimir Wladimirowitsch Putin steht. Während für den Tagesspiegel die Kaukasusrepublik „mit ihrer Küche, wahlweise subtropischem Schwarzmeerklima oder Bergluft, sehr günstigen Mieten, Steuerfreiheit für Einkünfte wie Renten aus dem Ausland und einfach zu erhaltendem Visum“ lockt, haben die Bilder aus der Ukraine bei den georgischen Rentnerinnen und Rentnern Angst und Schrecken ausgelöst. Was soll ich sagen? Autor und vor allem die Redaktion haben wirklich das Feingefühl einer Kettensäge bewiesen, indem sie ein Rentnerparadies anpreisen, das keine 650 Kilometer vom gerade tobenden russischen Angriffskrieg – Entschuldigung Herr Putin: von der akuten militärischen Sonderaktion – entfernt ist. Da kann das Paradies schneller zur Hölle werden, als allen lieb ist.

PS: Der Artikel ist übrigens am 17. Januar 2022 bereits online erschienen. Damals mag der Geheimtipp vielleicht ja noch Sinn gemacht haben. Wenn ich ihn dann aber am 12. Tag des Krieges in der Printausgabe veröffentliche, dann sollte man den Text vor dem Druck noch einmal lesen und prüfen, ob er noch in die Zeit passt. Qualitätsjournalismus stelle ich mir irgendwie anders vor.

Ein wenig kleinlicher Geist

So, jetzt wird es aber Zeit, dass ich mich wieder einmal zu Wort melde. Wade, Wahlkampf und Wahlen haben mich so beschäftigt, dass ich noch nicht einmal mehr dazu gekommen bin, hier auf dem Blog eines der Themen aufzugreifen, die sozusagen auf der Straße liegen und mir tagtäglich ins Auge springen. Eines davon ist ein Bericht auf t-online.de, der überschrieben war: „Das darf in die Garage – und das nicht.“ Typisch deutsch, habe ich mir gedacht und bin bei der Lektüre bestätigt worden. Gleich der erste Absatz macht das deutlich: „Im Grunde ist es recht einfach: In der Garage darf das Auto abgestellt werden – und sonst nichts. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie die Garage angemietet haben oder besitzen. Streng genommen muss das geparkte Auto sogar fahrtüchtig und angemeldet sein. Beispielsweise einen abgemeldeten Oldtimer einzulagern, ist in der Regel nicht gestattet.“ Wer schon einmal eine Garage in Holland, Frankreich oder Polen von innen gesehen hat, kommt vermutlich aus dem Lachen nicht mehr heraus. Gar nicht mehr zum Lachen sind allerdings die Bußgelder, die offenbar gang und gäbe sind: „Wird gegen eine der Nutzungsregeln von Kfz-Garagen verstoßen, können Kommunen dem Garagennutzer oder -besitzer ein Bußgeld aufbrummen. 500 Euro gelten als eine durchaus gängige Strafsumme.“ Und das tatsächlich kontrolliert wird, scheint gar nicht so selten vorzukommen. Was soll ich sagen? Uns Deutschen, für die ja bekanntlich Ordnung das halbe Leben ist, muss es verdammt gut gehen, wenn wir keine anderen Sorgen haben. Und es kommt einem Ernst Ludwig Kirchner in den Sinn, dem der der Satz zugeschrieben wird: „Es gehört ein wenig kleinlicher Geist dazu, immer Ordnung zu halten.“

Monolith von Lichterfelde-West

Auf der ganzen Welt tauchen plötzlich Stelen auf. Die erste wurde in Utah entdeckt, inmitten einer roten Felsenlandschaft. Das Objekt war aus rostfreiem Stahl und erinnerte an den Monolithen aus Stanley Kubrick Film „2001: Odyssee im Weltraum“. Doch so plötzlich er da war, so plötzlich war er auch wieder weg. Seitdem tauchen an den unterschiedlichsten Stellen diese Stelen auf, von Rumänien bis Großbritannien, von Hamburg bis Neuschwanstein, vom Acker bis zum Gebirge. Und nun auch in Berlin, inmitten eines Wohngebietes im Schweizer Viertel in Lichterfelde-West. Für die Monolithenjäger hier der genaue Standort: Breitengrad 52,427639, Längengrad 13,299827. Wie lange die Stele, die erstmals aus Beton ist, dort noch besichtigt werden kann, vermag niemand sicher vorherzusehen. Was soll ich sagen? Wie wusste schon Meister Yoda: „Schwer zu sehen, in ständiger Bewegung die Zukunft ist.“ Aber schon jetzt ist klar: Lichterfelde-West wird damit in die Geschichte der Monolithen eingehen.

Der Monolith von Lichterfelde-West.

Küchenmaschine in der Apotheke

Man lernt ja bekanntlich nie aus. Einmal mehr habe ich das erfahren, als ich heute mit Oma in unserer Apotheke war. Als wir da so auf unsere Medikamente und sonstigen Mittelchen warteten, ließ ich gemächlich meinen Blick durch den Raum schweifen und traute meinen Augen nicht. Habe ich da etwa gerade eine Küchenmaschine gesehen, und zwar so eine, die wir uns vor ein paar Jahren selbst angeschafft hatten? Schließlich erwartet man das ja nicht unbedingt in einer Apotheke, in der zwar auch angerührt, aber ja nicht gebacken bzw. gekocht wird – es sei denn, man ist der Meinung, dass das irgendwie noch eine Ableitung der alten Hexenküche ist. Dennoch: Da stand sie, die KitchenAid, zwar nicht so schön rot wie unsere. Aber sie rührte vor sich hin, ganz nach dem Motto: Gut Ding will Weile haben. Was soll ich sagen? Wenn man Google mit den Begriffen Apotheke und Küchenmaschine bemüht, ist das Ergebnis eher dürftig. Also, entweder wir haben die Nadel im Heuhaufen gefunden oder die anderen Apotheken lassen sich nicht so in die Küche gucken.

Ein seltener Anblick: Eine KitchenAid in der Apotheken-Küche.

Einfach das Alter genießen?

Oma und ich haben uns richtig gefreut: Endlich wieder Fußball! Heute Abend stand beim ZDF der Audi Cup auf dem Programm. Als das erste Vorrundenspiel zwischen Real Madrid und Tottenham Hotspur gerade vorbei war, kam der obligatorische Werbeblock, in dem sich Aldi eine Sequenz gesichert hatte. Und da fiel uns fast der Unterkiefer auf die Tischplatte: Da wurden doch eine Gehstock, eine Greifhilfe und ein Rollator sowie irgendein technischer Schnickschnack angepriesen mit dem Slogan: Einfach das Alter genießen. Was soll ich sagen? Mir fällt da nur ein: Aldi, geht’s noch? Als wenn wir so ein Klump bräuchten, um unser Alter zu genießen. Oma und ich haben da ein paar andere Ideen. Ich will jetzt nicht ins Detail gehen. Aber unsere Vorstellung von Genießen sieht anders aus. Und die, die oben erwähnte Utensilien wirklich brauchen, werden sich bei diesem Slogan doch wohl eher peinlich berührt fühlen. Denn von Genießen kann ja dann wohl nicht mehr so richtig die Rede sein. Als Kommunikationsmensch fragte ich mich bloß: Welche Werbeagentur war das denn?

Lichterfelder West-Wand

Die meisten Menschen werden denken: Berlin und Berge haben nichts miteinander zu tun. Doch weit gefehlt. Es gibt beispielsweise den Kreuzberg und den Teufelsberg. Auf letzterem hat sogar einmal ein FIS-Skirennen stattgefunden. Es ging um Weltcup-Punkte im Parallel-Slalom. Am 28. Dezember 1986 waren zahlreiche Stars, darunter DSV-Ass Markus Wasmeier aus Deutschland, Slalom-Seriensieger Ingemar Stenmark aus Schweden und Slalom-Weltcupsieger Bojan Krizaj aus Jugoslawien, am Start und – hatten das Nachsehen. Gewinner war am Ende auf der 82 Höhenmeter messenden Piste der österreichische Abfahrts-Olympiasieger von 1980, Leonhard Stock, der nach langer Verletzungspause wieder fit war und im Finale siegte. Allerdings blieb das der einzige alpine Höhepunkt an der Spree, obwohl es in Berlin einen Skiverband und eine Sektion des Deutschen Alpenvereins gibt. Beide Institutionen werden allerdings jetzt aufhorchen, nachdem sich im Südwesten der Stadt alpin Gewaltiges getan hat. In der Baseler Straße konnte sich der Hauch von Eiszeit, der dereinst drei Steine vom Himmel fallen ließ, zu einem Bergmassiv mausern, das bei Bergsteigern als Lichterfelder West-Wand berüchtigt werden dürfte. Der erste hat den Berg bereits bezwungen und ein Gipfelkreuz aufgestellt, das immer mehr Gleichgesinnte nach sich zieht. Was soll ich sagen? Bei uns im Südwesten der Stadt ist die Welt noch in Ordnung und Luis Trenker lebt. Denn wer genau hinhört: Der Berg ruft!

Geh scheißen!

Die Berliner sind ja nicht gerade als die freundlichsten Zeitgenossen bekannt. Wer einmal in den öffentlichen Verkehrsmitteln in der deutschen Hauptstadt unterwegs war, kann ein Lied davon singen. Auch die Kassiererin im Supermarkt kann einem ganz schön zusetzen – alles eine Frage der Widerstandsfähigkeit. Dabei geht es auch in anderen Städten, um nicht zu sagen Hauptstädten, nicht gerade zimperlich zu. “Geh scheißen”, ist so eine Redensart, die selbst im etwas rüden Berlin nicht so gut ankäme. In Wien aber beispielsweise ist dieser fäkalsprachliche Imperativ, glaubt man der Webseite ze.tt, überlebensnotwendig. Nach deren Lesart kann man es als Synonym für „Nein“, „Sicher nicht“ oder „Geh weg“ verwenden. Was soll ich sagen? Ich als kampferprobter Wahl-Berliner weiß gar nicht, warum ich ausgerechnet auf diese Redewendung gekommen bin. Oder doch? Oma hat mir gerade ein Foto zukommen lassen, das fast für sich spricht. Unsere Straße jedenfalls hat seit Neuestem eine Attraktktion, die vermutlich nicht jedem gefallen wird. Es sei denn er muss gerade … Aber lassen wir das. Wir sind ja nicht in Wien, sondern in Berlin. Da allerdings kann so ein Provisorium Ewigkeitscharakter annehmen. Dit is eben Berlin …