Hallo Wien

Halloween ist einmal mehr nicht an Oma und mir vorbeigegangen. Auch in diesem Jahr haben uns unsere Enkel mit ihrem Schlachtruf “Süßes oder Saures” aufgesucht. Und je älter die Buben werden, desto gruseliger werden die Kostüme. Ganz in Schwarz kamen die Beiden daher und hätten so manchem schlichten Gemüt vielleicht Angst eingeflößt. Aber nicht bei uns, zumal wir von einer Samhainophobie Gott sei Dank noch weit entfernt sind. Was soll ich sagen? Einige Leser werden sich jetzt fragen: Was ist das denn bitte schön? Samhainophobie? Ich gestehe, ich musste auch erst einmal nachschlagen: Es ist die krankhafte Angst vor Halloween. Na gut, jetzt hat die auch einen Namen. Und tun kann man dagegen auch etwas: Einfach ruhig bleiben sowie gezielt und achtsam ein- und ausatmen. Dann ist ja wieder alles gut. Hallo Wien, wie Oma und ich gerne sagen.

Das schönste Andenken

Ein Oldtimer, also 30 Jahre alt, ist er noch lange nicht. Auch Youngtimer darf er sich noch nicht nennen, denn die beginnen erst ab einem Alter von 20 Jahren. Aber 15 Jahre wird er bald, genauer gesagt im September nächsten Jahres. Eine markante Marke indes hat er gerade überschritten, nämlich die der 100.000 Kilometer auf dem Tacho. Wie auch immer: Unser Saab Cabrio 9-3 ist absolut in Schuss und kann sich nach wie vor sehen lassen. Alles an dem Wagen wirkt immer noch hochmodern und ist solide verbaut, auch wenn der schwedische Hersteller im Jahr 2012 Insolvenz anmelden musste. Und der Turbo-Motor ist nicht klein zu kriegen. Insgesamt gibt es hier und da mal ein Wehwehchen, von denen aber mittlerweile fast alle auskuriert sind. Was soll ich sagen? Ich habe richtig Spaß an unserem Schätzchen, das inzwischen auch wieder eine Garage gefunden hat. Das Dach und der Rest freuen sich, so dass auch künftig nichts die Freude an Spritztouren trüben sollte. Wie formulierte es eine große deutsche Boulevard-Zeitung vor ein paar Jahren: “Ein später 9-3 ist das schönste Andenken.”

Das Damengambit

Ich kenne eigentlich niemanden, dem es die Miniserie Das Damengambit nicht angetan hätte. Und das weltweit. Die Veröffentlichung fand am 23. Oktober 2020 statt. Und binnen eines Monats wurde die Serie von 62 Millionen Abonnenten gesehen, wodurch sie zur bis zu diesem Zeitpunkt erfolgreichsten Miniserie auf Netflix wurde. Die Geschichte ist schnell erzählt: In den 1950er Jahren wächst die Protagonistin Elizabeth „Beth“ Harmon in einem Waisenhaus in Kentucky auf. Dort entdeckt sie unter gütiger Mithilfe von Hausmeister William Shaibel ihr Talent zum Schachspiel und möchte in diesem männerdominierten Sport bestehen und Weltmeisterin werden. Dabei steht bei Beth die im Heim erworbene Medikamenten- und später auch Alkoholabhängigkeit im Mittelpunkt – negativ wie positiv. Am Ende ist sie natürlich erfolgreich und schlägt ihren sowjetischen Widersacher Vasily Borgov. Dass im Lauf der Geschichte beim Zuschauer auch die Leidenschaft zu Schach aufflammt, versteht sich. Ich selbst habe das Schachspiel von meinem Großvater wieder hervorgekramt und sogar ein neues, größeres Schachbrett gekauft, so dass Oma und ich jetzt hin und wieder eine Partie spielen. Was soll ich sagen? Eine alte Schachweisheit lehrt: Wer den Bauern nicht ehrt, ist die Dame nicht wert. Oder wie wusste schon Albert Einstein: Schach ist das Spiel, das die Verrückten gesund hält.

Die Schachfiguren meines Großvaters: Schön bunt und im Kosakenstil.

Spucki oder Sputnik?

Unser ältester Enkel ist jetzt zehn Jahre alt geworden. Beim Kindergeburtstag waren wir nicht dabei. Der fand im Spionagemuseum in Berlin statt, in dem er sich mit einigen Freunden verabredet hatte. Dafür waren wir heute zum Frühstück eingeladen, bei dem unser Enkel seine Großmutter wie gewohnt in Beschlag nahm. Bei einem der Spiele musste Oma dann umschreiben, was Astronomie bedeutet. „Wissenschaft der Sterne“, sagte sie. Unsere Tochter brachte dabei noch den Begriff Satellit ins Spiel und fragte ihrerseits, wie denn der Name des ersten Satelliten lautet. „Spucki“, sagte ich wiederum, was meine Tochter zu der Bemerkung veranlasste: „Da hast Du Dich ja dem Berliner Bildungsniveau angepasst“, und anschließend in einen beachtlichen Lachkrampf stürzte. Was soll ich sagen? Für die, die den Witz nicht verstehen, eine kurze Erklärung: „Spucki“ ist der Name eines Freibades, das unsere Kinder und Enkelkinder regelmäßig im Sommer besuchen. Also, ich finde, so weit weg ist das von Sputnik nun auch wieder nicht …

Lichterfelder West-Wand

Die meisten Menschen werden denken: Berlin und Berge haben nichts miteinander zu tun. Doch weit gefehlt. Es gibt beispielsweise den Kreuzberg und den Teufelsberg. Auf letzterem hat sogar einmal ein FIS-Skirennen stattgefunden. Es ging um Weltcup-Punkte im Parallel-Slalom. Am 28. Dezember 1986 waren zahlreiche Stars, darunter DSV-Ass Markus Wasmeier aus Deutschland, Slalom-Seriensieger Ingemar Stenmark aus Schweden und Slalom-Weltcupsieger Bojan Krizaj aus Jugoslawien, am Start und – hatten das Nachsehen. Gewinner war am Ende auf der 82 Höhenmeter messenden Piste der österreichische Abfahrts-Olympiasieger von 1980, Leonhard Stock, der nach langer Verletzungspause wieder fit war und im Finale siegte. Allerdings blieb das der einzige alpine Höhepunkt an der Spree, obwohl es in Berlin einen Skiverband und eine Sektion des Deutschen Alpenvereins gibt. Beide Institutionen werden allerdings jetzt aufhorchen, nachdem sich im Südwesten der Stadt alpin Gewaltiges getan hat. In der Baseler Straße konnte sich der Hauch von Eiszeit, der dereinst drei Steine vom Himmel fallen ließ, zu einem Bergmassiv mausern, das bei Bergsteigern als Lichterfelder West-Wand berüchtigt werden dürfte. Der erste hat den Berg bereits bezwungen und ein Gipfelkreuz aufgestellt, das immer mehr Gleichgesinnte nach sich zieht. Was soll ich sagen? Bei uns im Südwesten der Stadt ist die Welt noch in Ordnung und Luis Trenker lebt. Denn wer genau hinhört: Der Berg ruft!

Nachtrag zum Muttertag

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Dass man zum Muttertag in den Augen einiger Zeitgenossen vieles falsch machen kann, darüber habe ich gestern geschrieben. Heute will ich ein ganz anderes Beispiel hinterher schieben, bei dem einem allerdings das Herz aufgeht. Konkret war es die Deutsche Bahn, die eine tolle Überraschung parat hatte und mit ihrem kleinen ICE viele Mütter glücklich gemacht hat. Was soll ich sagen? In Berlin hieße das: Da kannste nicht meckern. Ob das in Tübingen ebenso gesehen wird, bleibt abzuwarten. Ich jedenfalls bin gespannt, ob sich Boris Palmer dieses Mal wiederfindet – ich zumindest habe niemanden gesehen, der so blau war wie er.

Danke Mama, dass …

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Es ist schon fast ein Ritual: Jedes Jahr zum Muttertag gibt es heftigste Diskussionen um die Rolle der Frau in der Familie. Entweder wird die Auseinandersetzung grundsätzlich geführt oder ein Unternehmen, dass sich zu diesem Tag etwas Besonderes hat einfallen lassen, wird öffentlich auseinander genommen. Nachdem es im letzten Jahr Lidl getroffen hatte, ist in diesem Jahr Edeka dran. Die Einzelhandelskette hat ein Video drehen lassen, das die Gemüter erhitzt. “Danke Mama, dass du nicht Papa bist”, heißt der Streifen, der die Männer ziemlich alt aussehen lässt. Was soll ich sagen? Es ist ja bekannt, dass die Deutschen wenig bis gar keinen Humor haben. Da lob ich mir doch die Briten, die mit ihrem schwarzen Humor beispielsweise eine Komikergruppe wie Monty Python hervorgebracht haben. Also, ich jedenfalls kann über das Edeka-Filmchen lachen – ganz nach dem Motto: Wer nicht über sich selbst lachen kann, der nimmt das Leben nicht ernst genug. Aber sehen Sie selbst.

PS: Bevor ich’s vergesse, allen Müttern alles Gute zum Muttertag!

Farbenmeer auf dem Kopf

Irgendwie ist in diesem Jahr Halloween an unserem jüngsten Enkel ziemlich spurlos vorbei gegangen, obwohl wir eine Woche zuvor mit ihm noch in der österreichischen Hauptstadt waren und er sozusagen persönlich sagen konnte: “Hallo Wien!” Aber Spaß beiseite, am 31. Oktober war er noch mit seinem Vater unterwegs und zwar dort, wo Halloween nicht unbedingt ganz oben auf der Prioritätenliste steht. Und unser Enkel wäre nicht unser Enkel, wenn er Verpasstes nicht irgendwie noch nachholen würde. So überredete er denn auch seine Mutter, ihm ein paar geeignete Farben zu besorgen, mit denen sein Haarschopf in ein Farbenmeer verwandelt werden konnte. Was soll ich sagen? Der Kleine war wenigstens so clever, auswaschbare Farbe zu verwenden. Oder war es seine Mutter? Denn die hatte in jungen Jahren auch mal die Idee gehabt, ihre Haare farblich anders zu gestalten – und zwar in Blau, was bei ihrer blonden Mähne allerdings ziemlich grün daherkam und auch noch auswachsen musste. Opa war begeistert …

Ziemlich bunt: Der Haarschopf unseres jüngsten Enkels – Gott sei dank auswaschbar.

Love is in the air

Liebe ist … mehr als ein Wort, heißt eine der Liebe ist … Sprüche. Daran muss wohl derjenige oder diejenige gedacht haben, der einen Briefkasten am Wittenbergplatz in Berlin sozusagen umgewidmet hat. Denn normalerweise transportiert ja die Deutsche Post ziemlich alles, was so zu Papier gebracht werden kann. Und da wissen wir ja: Papier ist geduldig. Rechnungen, Mahnungen, Vorladungen, Bußgeldbescheide, etc. – die Liste von den Briefen, auf die man gerne verzichten kann, ließe sich beliebig fortsetzen. Auch Unverschämtheiten wird es genug geben, obwohl ja Hass-Mails und entsprechende Kommentare neuerdings eher eine Unsitte in der elektronischen Kommunikation geworden sind. Wie auch immer: Die Anregung, nur noch Liebesbriefe aufzugeben, hat was. Was soll ich sagen? Insofern ist es gut, dass eine Freundin von Oma das Ganze fotografiert und an eine Zeitung geschickt hat. Die fand die Idee offensichtlich auch gut und hat das Bild veröffentlicht. Wenn das nun über einen Pressespiegel vielleicht auch noch auf dem Tisch des Post-Vorstandsvorsitzenden Frank Appel landet, könnte der sich ja ein ganz neues Geschäftsmodell ausdenken – ganz nach dem Motto: Love is in the air. Schließlich wird ein nicht unbeachtlicher Teil der täglich 60 Millionen Briefe über das Nachtluftpostnetz transportiert.

Entdeckt und fotografiert von Peggy Schilke, die sich sicher freut, dass sie auf Opas Blog richtig geschrieben wird.                                                                     Foto: Peggy Schilke

Delikatesse unter den Büchern

Es gibt Bücher, die kann man als Hausmannskost bezeichnen. Das muss nicht schlecht sein. Ist solide und schmeckt trotzdem. Und dann gibt es echte Delikatessen unter den Büchern, die im wahrsten Sinne des Wortes trunken machen. Dazu zählen ganz sicher Dalís Weine von Gala. Was soll ich sagen? Wer sich berauschen will, kann kein geeigneteres Buch finden. Aber ein Glas Wein sollte man schon dazu trinken.

Bildgewaltig: Die Weine von Gala, Dalís neu aufgelegte exzentrische Weinbibel.