Das schönste Andenken

Ein Oldtimer, also 30 Jahre alt, ist er noch lange nicht. Auch Youngtimer darf er sich noch nicht nennen, denn die beginnen erst ab einem Alter von 20 Jahren. Aber 15 Jahre wird er bald, genauer gesagt im September nächsten Jahres. Eine markante Marke indes hat er gerade überschritten, nämlich die der 100.000 Kilometer auf dem Tacho. Wie auch immer: Unser Saab Cabrio 9-3 ist absolut in Schuss und kann sich nach wie vor sehen lassen. Alles an dem Wagen wirkt immer noch hochmodern und ist solide verbaut, auch wenn der schwedische Hersteller im Jahr 2012 Insolvenz anmelden musste. Und der Turbo-Motor ist nicht klein zu kriegen. Insgesamt gibt es hier und da mal ein Wehwehchen, von denen aber mittlerweile fast alle auskuriert sind. Was soll ich sagen? Ich habe richtig Spaß an unserem Schätzchen, das inzwischen auch wieder eine Garage gefunden hat. Das Dach und der Rest freuen sich, so dass auch künftig nichts die Freude an Spritztouren trüben sollte. Wie formulierte es eine große deutsche Boulevard-Zeitung vor ein paar Jahren: “Ein später 9-3 ist das schönste Andenken.”

Frohe Ostern

Ungeachtet dessen, dass es bereits das zweite Ostern ist, das während Corona stattfindet, wünsche ich allen Lesern ein frohes Osterfest. Was soll ich sagen? Hoffen wir, dass der Hase nächste Jahr keine Maske mehr tragen muss.

Auch ich würde blind wählen

Es ist tatsächlich passiert. Wider Erwarten sind Oma und ich bereits mit AstraZeneca geimpft, während Ärzte, Lehrer und andere Berufsgruppen, die an vorderster Corona-Front stehen, zunächst einmal in die Röhre schauen müssen. Unser Impfglück verdanken wir der umstrittenen Entscheidung der Ständigen Impfkommission und der Gesundheitsministerkonferenz, den Impfstoff nicht mehr an unter 60-Jährige zu verimpfen. Daraufhin hat es Berlin Menschen zwischen 60 und 69 Jahren – also wie Oma und mir – ermöglicht, sich auch ohne Impfeinladung bereits ab Karfreitag mit AstraZeneca impfen zu lassen. Einen Termin konnte man telefonisch und ohne Buchungscode ab Gründonnerstag um 7.00 Uhr vereinbaren. Das allerdings war eine Herausforderung. 28 Mal habe ich versucht, bei der Hotline durchzudringen. 27 Mal bin ich dabei nach jeweils zwei Minuten damit vertröstet worden, dass alle Plätze durch das gestiegene Interesse belegt seien, und aus der Leitung geflogen. Beim 28. Mal dann wurde mir eine Wartezeit von 23 Minuten angekündigt, die ich auch geduldig abgewartet habe. Mehr noch: Nach 36 Minuten schließlich teilte mir die monotone Computerstimme im Endergebnis mit, dass es mit einem Impftermin wegen des großen Andrangs doch nichts mehr werden würde. Doch bevor ich – Gott sei Dank – wütend und enttäuscht auf mein Handy schlagen und die Verbindung abbrechen konnte, vernahm ich eine freundliche weibliche Stimme, die mich nach Nennung ihres Namens mit säuselnder Stimme fragte: “Was kann ich für Sie tun?” Zunächst ging ich davon aus, dass meine Nerven derart ramponiert sein mussten, dass ich da eine akustische Fata Morgana wahrnehmen würde. Doch die junge Dame ließ nicht locker und holte mich in die Wirklichkeit zurück. Und eh ich mich versah, hatte ich für Oma und mich einen Termin gemacht, der bereits am Karfreitag um 10.30 Uhr stattfand. Nun sind wir also geimpft und der Normalität zumindest ein kleines Schrittchen näher gekommen. Was soll ich sagen? Als Berliner ist man ja diesbezüglich nicht sonderlich verwöhnt. Dass etwas mal funktioniert und die Menschen zuvorkommend sind, ist ja eher selten. Umso erstaunlicher war die gute Organisation vor Ort und die Freundlichkeit der vielen, auch ehrenamtlichen Helfer. Bemerkenswert war zudem, dass sich Ärzte bei den Geimpften bedankten, dass sie sich mit AstraZeneca haben impfen lassen und damit einen Beitrag zur Pandemiebekämpfung geleistet hätten. Ich hoffe nur, dass trotz des unseligen Hin und Hers um den Impfstoff viele Menschen von dem Angebot Gebrauch machen und sich impfen lassen – auch mit AstraZeneca. Denn wie hat eine Ärztin und Professorin u.a. auf dem Gebiet der Arzneimittelsicherheit in einem Interview auf die Frage geantwortet, mit welchem Impfstoff sie sich denn impfen lassen würde, wenn sie es sich aussuchen könnte: “Sie können mir die vier zugelassenen Impfstoffe hinlegen, ich ziehe einen Impfstoff blind heraus und lasse mich damit impfen.” Gut so! Da kann sich so mancher Politiker vor allem in der Regierung eine Scheibe von abschneiden.

Glücklicher Opa an Karfreitag in Berlin nach der ersten Corona-Impfung mit AstraZeneca.

Das Virus matt setzen

Opas Schachspiel hat es heute sogar in den Tagesspiegel Checkpoint geschafft. In der Rubrik “Das Pandemie-Ding” heißt es über dem unten abgebildeten Foto: “Zeiten ändern sich und Corona ändert die Zeiten. In den kommenden Wochen wollen wir an dieser Stelle Gegenstände zeigen, die während der Pandemie an Bedeutung gewonnen haben. Heute: Detlef Untermann und das Schachbrett.” Und dann wird meine Begründung zitiert: “So versuchen meine Frau und ich jeden Abend, das Virus matt zu setzen.” Was soll ich sagen? Dem Checkpoint-Team hat das offensichtlich gefallen. Wenn Sie etwas haben, was Ihr Pandemie-Ding ist, dann aber schnell an den Checkpoint schicken. Denn der freut sich über Fotos (möglichst im Querformat) inklusive einer kurzen Begründung an checkpoint@tagesspiegel.de. Denn mal los!

Der holländische Griff

Berlin ist für Rad Fahrende ein gefährliches Pflaster. In diesem Jahr sind bis heute bereits 18 Menschen im Straßenverkehr getötet worden, die mit einem Drahtesel unterwegs waren. Das ist eine Steigerung gegenüber dem gesamten Vorjahr um sage und schreibe 157 Prozent.

Insofern kann es nicht verwundern, dass Verkehrsexperten wie der Berliner DEKRA Niederlassungsleiter Mario Schwarz von einem Krieg auf Berlins Straßen spricht. Und das war schon 2017, was ja nichts anders bedeutet, dass sich am grundsätzlichen Problem bislang nichts geändert hat. Und das ist zu einem beachtlichen Teil die Rücksichtslosigkeit der Verkehrsteilnehmer, womit alle gemeint sind: Autofahrer, Motorrad- und Mofafahrer, Fahrradfahrer sowie Fußgänger. Es gibt Szenen auf den Straßen der Hauptstadt, da stockt einem der Atem.

Angesichts dessen ist jede Initiative zu begrüßen, die für eine verantwortungsbewusstes und sorgsames Miteinander im Berliner Straßenverkehr wirbt – und nicht nur dort, sondern in ganz Deutschland. Jüngstes Beispiel ist die Kampagne des Deutschen Verkehrssicherheitsrates, die unter der Überschrift “AUFPASSEN BEIM AUSSTEIGEN: HERANNAHENDE SEHEN! KOPF DREHEN, RAD FAHRENDE SEHEN!” für den holländischen Griff wirbt und von DEKRA wie dem Fahrlehrer-Verband in Berlin unterstützt wird. Dabei haben Schwarz und der Verbandsvorsitzende Peter Glowalla recht: “Hier kann mit geringem Aufwand ein signifikantes Mehr an Sicherheit erreicht werden.” Denn das Ganze funktioniert so:

Machen Sie den Schulterblick, um sicherzustellen, dass Sie keine Verkehrsteilnehmenden beim Aussteigen behindern oder gefährden. Pkw Fahrende sollten zusätzlich die Seiten- und Rückspiegel nutzen. 

Öffnen Sie die Tür über Kreuz – zunächst nur einen Spalt weit. Das bedeutet: Wenn Sie auf der linken Seite sitzen, öffnen Sie die Tür mit der rechten Hand – und andersherum („holländischer Griff“). So drehen Sie Ihren Oberkörper und blicken über Ihre Schulter. Wenn Sie sicher sind, dass Sie niemanden gefährden, können Sie die Tür öffnen. 

Fordern Sie auch alle weiteren Fahrzeuginsassen zu diesem Verhalten auf und unterstützen Sie insbesondere Kinder beim sicheren und sorgsamen Aussteigen.

Was soll ich sagen?

Der Griff ist sicher nicht das Allheilmittel, aber kann doch ohne großen Aufwand erheblich zu mehr Sicherheit beitragen. Mehr noch, er schärft auch das Bewusstsein für mehr Rücksichtnahme, die so dringend erforderlich ist. Daran ändert auch nichts, dass Omas Geschwister und Freunde in den Niederlanden bislang noch nie etwas von dem holländischen Griff gehört haben. Jetzt kennen auch sie ihn.

Das Logo der Kampagne des Deutschen Verkehrssicherheitsrates.

Online-Meeting: Gesünder essen!

Das Corona-Virus SARS-CoV-2 hat den Aktivitäten von KINDER | KOCHEN im Frühjahr dieses Jahres ein jähes Ende bereitet. Abgesehen von zwei Kochkursen, die im Januar noch in der Humboldthain-Grundschule in Berlin abgehalten werden konnten, ist der Kochpatenbetrieb bis dato völlig zum Erliegen gekommen. Und die Aussichten auf die kommenden Wochen und Monate lassen wenig Gutes ahnen. An normale und gefahrlose Kochkurse jedenfalls ist nicht zu denken. Dennoch will der Verein das Jahr 2020 nicht ohne ein Lebenszeichen von KINDER | KOCHEN vorübergehen lassen. Dies umso mehr, als wir wieder vor einem neuen Lockdown stehen. Dabei werden die Folgen des ersten gerade erst sichtbar. Darunter fällt auch die Erkenntnis, dass sich vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie Lebensstil und Ernährung der Menschen zum Teil stark verändert haben. Eine Studie des Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin hat dazu Besorgnis erregende Ergebnisse zu Tage gefördert. Diese will der Verein gerne in einer virtuellen Veranstaltung über GoToMeeting vorstellen. Dazu konnte die selbstständige Diplom-Oecotrophologin Manuela Marin, die auch Kochpatin bei KINDER | KOCHEN ist, gewonnen werden. Sie wird unter der Überschrift “Gesünder essen!“ die Ergebnisse zusammenfassen und anschließend mit den Teilnehmern darüber diskutieren, welche möglichen Konsequenzen daraus gezogen werden können. Die weiteren Einzelheiten der Veranstaltung entnehmen Sie bitte der unten stehenden Einladung. Sollten Sie am 5. November in der Zeit von 19.00 bis 20.30 Uhr Zeit und Interesse haben, melden Sie sich bitte unter kontakt@kinder-kochen.org an. Sie erhalten dann die Zugangsdaten.

Ostern in Zeiten von Corona

Ostern in Zeiten von Corona ist und war anders. Die Kirchen waren menschenleer. Selbst der Petersdom war verwaist. Nur der Papst zog einsam seine Kreise. Hier in Berlin hatte die evangelische Johannes-Kirchengemeinde eine wirklich innovative Idee. Während die Gotteshäuser alle leer waren, läuteten zwischen 11.30 Uhr und 12.30 Uhr die Glocken aller evangelischen Kirchen in Lichterfelde. Wer dann seinen Blick zum Himmel richtete, sah in der Tat einen himmlischen Gruß mit der Osterbotschaft: Frohe Ostern – Friede sei mit Euch. Auch ansonsten war dieses Osterfest alles andere als normal. Zwar kamen unsere Kinder mit unseren Enkelkindern vorbei. Aber wie seit geraumer Zeit war einmal mehr Abstand die neue Nähe und wir konnten unsere Kinder und Enkelkinder nicht in den Arm nehmen, sondern mussten mit ihnen aus gebührender Entfernung reden. Was soll ich sagen? Damit uns in diesen Tagen die gute Laune nicht verloren geht, haben Oma und ich folgenden Ostergruß versendet: “Ein frohes Osterfest wünschen Elly und Detlef. Und für diejenigen, die sich fragen, was der Osterhase in diesem Jahr angesichts der Corona-Krise macht, noch ein, vor allem für die Kinder, wichtiger Hinweis: Er ist natürlich weiter im Einsatz und unterliegt, weil er eben systemrelevant ist, selbstredend nicht den aktuell geltenden Ausgangsbeschränkungen. Die Münchner Polizei hat das so auf den Punkt gebracht: “Der Osterhase ist schlau und verbindet das Verstecken von Ostereiern mit der Bewegung an der frischen Luft. Diese ist weiterhin erlaubt. Zudem achtet er natürlich auf den Mindestabstand von 1,5 Metern  und wäscht sich vorher und im Anschluss seine Pfoten.” Föderalismus hin, Föderalismus her: Was in der bayerischen Landeshauptstadt gilt, gilt auch in der deutschen Bundeshauptstadt.” Dies gilt auch für alle Leser, die sich diese Zeilen zu Gemüte führen. In diesem Sinne: Geben Sie weiter auf sich und andere acht und bleiben Sie gesund.

Abstand heißt die neue Nähe im Umgang mit unseren Enkelkindern – auch an Ostern.

Virtueller Kaminabend

Man lobt sich ja nur ungerne selber. Deshalb habe ich mich lange gescheut, von einer Idee zu berichten, die ich in diesen Tagen gehabt und umgesetzt habe. Aber das Ergebnis war, nicht nur aus meiner Sicht, so bemerkenswert, dass ich mich nun doch durchgerungen habe, es hier vorzustellen. Vielleicht greift es ja der eine oder andere Leser auf und bringt ein wenig Freude in seine Umgebung. Also: Vor der Corona-Krise habe ich drei bis vier Mal im Jahr Freunde eingeladen und bekocht. Das Ganze lief unter der Überschrift Kaminabend ab, obwohl dieser in den meisten Fällen gar nicht brannte. Wie auch immer, das Corona-Virus machte diese Art der Einladung unmöglich. Aber kampflos wollte ich mich nicht geschlagen geben und nicht akzeptieren, dass dieses Virus unser Leben nun gänzlich bestimmt. Deshalb habe ich mir (aus)gedacht, einfach einen mentalen Kaminabend abzuhalten, der allerdings nicht ohne die wesentliche Zutat vonstatten gehen soll: Nämlich mein Essen! Und so habe ich meine Freunde zu einem virtuellen Kaminabend eingeladen, an dem sie zu Hause bleiben konnten bzw. mussten, ich aber das zentrale Element unserer Kaminabende sozusagen frei Haus geliefert habe: Nämlich ein gutes Essen! Das Essen habe ich an dem Abend in der Zeit zwischen 18.30 und 19.00 Uhr ausgeliefert – natürlich unter Einhaltung der Abstandsregel. Es gab ein asiatisches Drei-Gang-Menu: Garnale à la T.R., asiatischer Schweinebauch und Macha Creme brûlée. Für den Freund, der leider eine knappe Stunde entfernt am anderen Ende der Stadt wohnt, haben wir eine andere Lösung gefunden. Da kein Botendienstleister wirklich garantieren konnte, dass das Essen nicht doch einmal auf dem Kopf landet, habe ich organisiert, dass er von einem asiatischen Lokal, das sich bei ihm direkt gegenüber befindet, versorgt wird. Auch für den einzigen Vegetarier habe ich statt des Schweinebauchs eine Tofu-Lösung kreiert. Nach dem Essen haben wir uns dann um 20.20 Uhr zu einer gemeinsamen Telefonkonferenz zusammengeschaltet und über eine Stunde miteinander gesprochen. Was soll ich sagen? Ich lasse jetzt einmal meine Gäste sprechen: „Euch noch einmal vielen, vielen Dank für den wunderschönen Abend. Auch wenn wir nicht zusammen waren, es war – Dank Eurer Initiative – ein Abend, über den wir alle (hoffentlich!) noch in 10 Jahren erzählen werden. Kulinarisch sensationell! Dazu vermutlich bei allen ein guter Wein. Anschließend eine interessante Konversation. Eigentlich so, wie es bei Euch immer ist. Doch diesmal war es anders! Vielleicht waren wir sogar näher beieinander als sonst! DANKE!!!“ – “Die starken Eindrücke vom letzten Freitag haben sich bei uns jetzt erst richtig gesetzt. Der gemeinsame Genuss des köstlichen Mahls – wenn auch an verschiedenen Orten – und die anschließende Telefonkonferenz haben bei uns ein unerwartet starkes Gemeinschaftsgefühl hervorgerufen. Für uns war es auch deshalb ein besonderes Erlebnis, weil wir uns aus diesem Anlass zum ersten Mal seit Beginn des ‘Hausarrests’ schön gemacht haben. Ihr habt uns mit Eurer Fantasie, Eurer Freundschaft und Euren Kochkünsten dafür einen tollen Anlass geliefert. Nochmals vielen herzlichen Dank!”

Großelterntag in Bayern

Jetzt haben es die Bayern den anderen Bundesländern vorgemacht. Unter weiß-blauem Himmel findet heute der erste Großelterntag statt. Gut so, möchte man sagen. Denn ohne Großeltern ginge in vielen Familien gar nichts mehr. Insofern tut da ein bisschen Wertschätzung schon gut – auch wenn das vorerst nur in Bayern stattfindet. Was soll ich sagen? Ich habe übrigens schon 2013 einen Großelterntag gefordert. Ansonsten wird ja auch alles und jedem gedacht. Selbst einen internationalen Weltkiffertag gibt. Da ist ein Großelterntag doch nicht zu viel verlangt. Dem Deutschlandfunk Kultur war das Ganze sogar ein Radiobeitrag wert, wozu ich ins Studio eingeladen und dort interviewt wurde. Wen das interessiert, kann dies hier nachhören.

Mediterrane Küche

Irgendwie hatte ich ein ungutes Gefühl, als ich das Buch das erste Mal in die Hand nahm. Ich weiß nicht warum, aber schon der Titel „Mediterrane Küche für Dummies“ kam mir spanisch vor – was in diesem Kontext ja auch von Vorteil hätte sein können. Aber als Dummkopf lasse ich mich nicht gerne ansprechen. Um so mehr habe ich mich geärgert, als mir der erste Widerspruch bereits begegnete, noch bevor es überhaupt richtig losging. Auf der einen Seite gehen die Autoren bei ihren Lesern davon aus: „Sie beherrschen die Grundkenntnisse des Kochens. Anders ausgedrückt, kennen Sie sich mit dem Kochen und Kochutensilien aus und können ein Messer benutzen, ohne sich dabei in den Finger zu schneiden.“ Auf der anderen Seite wird erwartet: „Sie sind bereit, sich von Ihren bisherigen Essgewohnheiten zu verabschieden und sich auf Dauer neue anzueignen.“ Da drängt sich doch die Frage auf: Warum sollte jemand, der regelmäßig in der Küche steht und sich sein Essen frisch zubereitet, eigentlich seine Essgewohnheiten ändern? Denn genau das scheint die Mission der Buchschreiberinnen: „Seine Essgewohnheiten zu ändern ist alles andere als einfach. Und das gilt vor allem für Essgewohnheiten, denn die hier vorgestellten drehen sich alle um einen einzigen Trend – Entschleunigung.“ Om! Und warum es dann noch ein eigenes Kapitel Kochutensilien gibt, wenn der Leser sich doch schon damit auskennt, erschließt sich auch nicht wirklich. Nun will ich das Buch ja nicht in der Luft zerreißen. Immerhin bin auch ich ein erklärter Freund der mediterranen Küche, aber eben nicht nur der. Die 171 Rezepte jedenfalls sind es allesamt wert, in einem Kochbuch dargestellt zu werden. Besonders erfreulich dabei ist, dass die hier beschriebene mediterrane Küche nicht nur – wie so oft – als reine italienische Küche verstanden wird, sondern der Blick weiter auch nach Griechenland, Marokko und Spanien reicht. Zudem sind die Rezepte gut beschrieben und unkompliziert nachzukochen. Auch die Hinweise, Tipps und Anregungen, die sich zahlreich zwischen den einzelnen Rezepten finden, sind ausgesprochen hilfreich. Was soll ich sagen? Lässt man die Umerziehungs- und Gesundheitsrethorik weg, bleibt ein Kochbuch, das man sich durchaus in sein Kochbücherregal stellen kann. Der Geschmack des Südens lässt grüßen.

Merk Raffetto und Wendy Jo Peterson,
Mediterrane Küche für Dummies,
Wiley-VCH, Weinheim, 2019, 370 Seiten, 19,99 Euro, IBAN 978-3-527-71647-0