Zum Haare raufen

Diese Woche war wirklich zum Haare raufen: Erst düpiert US-Präsident Donald Trump seine Kollegen vom G7-Gipfel über Twitter, um sich dann mit einem der schlimmsten Diktatoren unserer Zeit zu inszenieren, der aktuell rund 200.000 seiner Landsleute in Straflagern verrotten lässt, von den jährlich über 100 vollzogenen Hinrichtungen ganz zu schweigen. Nach einem Tag relativer politischer Ruhe beginnt in Russland die Fußballweltmeisterschaft, die dem Despoten Wladimir Putin als formidable Weltbühne zur Selbstdarstellung dient, ohne dass sich darüber irgendjemand ernsthaft aufregt. Währenddessen wirkt das völlig überflüssige Treffen der beiden deutschen Kicker Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nach, der das Quartett infernale komplettiert. Ist die Welt international schon ziemlich aus den Fugen, mühen sich auch noch auf nationaler Ebene CDU und CSU in Berlin, die ziemlich mühsam zustande gekommene Koalition in Schutt und Asche zu legen. Und auf Landesebene stellt die rot-rot-grüne Regierungsmehrheit ein mehr als merkwürdiges Demokratieverständnis zur Schau, indem sie nach wie vor den Flughafen Tegel versenken will, gegen den erklärten Willen einer Mehrheit der Berliner. Zu allem Unglück sterben dann auch noch zwei Kinder innerhalb von 24 Stunden auf den Straßen der Hauptstadt. Was soll ich sagen? Ich weiß so langsam nicht mehr, wie ich das alles meinen Enkelkindern erklären soll. Zum Ertragen ist es jedenfalls nicht.

Twitter & Co.: Bin dann mal weg

Die Liste der Mahner und Warner wird länger und länger. War es Ende letzten Jahres der Erfinder der Musik-Tauschbörse Napster und frühere Präsident von Facebook, Sean Parker, der vor den Folgen der Nutzung Sozialer Medien warnte, ist es heute der US-amerikanische Netzpionier Jaron Lanier, der zum Auftakt der Cebit empfahl, Plattformen wie Facebook, Twitter und Co. zu verlassen. Auch Opa, bislang auf Facebook, Twitter und Instagram sowie XING und LinkedIn vertreten, hat aus den Erfahrungen der letzten Wochen und Monate die Konsequenz gezogen und sich von allen Plattformen abgemeldet: Ich bin dann mal weg! Das ist mir wahrlich nicht leicht gefallen. Aber die Datenschutz-Grundverordnung, die seit 25. Mai 2018 gilt, und das jüngste Urteil des Europäischen Gerichtshofes, wonach nicht nur Facebook, sondern auch die Seitenbetreiber einer Fanpage verantwortlich sind für die Einhaltung des Datenschutzes, haben mich mehr oder weniger zu diesem Schritt gezwungen. Denn mittlerweile ist es fast unmöglich, allen rechtlichen Vorgaben gerecht zu werden und die Vorschriften korrekt umzusetzen. Dabei sollten eigentlich die Großen an die Kette gelegt werden, getroffen hat es zunächst aber erst einmal die Kleinen, die scharenweise das Handtuch werfen und sich in die digitale Steinzeit verabschieden. Damit ich an dieser Stelle nicht falsch verstanden werde. Auch ich bin für den Datenschutz – sehr sogar. Aber wenn wir die Latte so hoch legen, wie es Brüssel getan hat, dann ist das weltfremd und schadet nur der Konkurrenzfähigkeit Europas. Was soll ich sagen? Das war einmal mehr ein klassischer Fall von gut gedacht, aber schlecht gemacht. Die Datenschützer in Brüssel haben mit ihrer Aktion das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Vor allem Kleine und Mittlere Unternehmen haben nun das Nachsehen und müssen die Suppe auslöffeln, die ihnen da eingebrockt wurde. Ob es noch gelingt, das eigentliche Ziel, nämlich Facebook und Co. in ihrer Datensammelwut zu zähmen, ist mehr als zweifelhaft. Auf der Strecke bleibt die Digitalisierung, die für die Weiterentwicklung unserer Wirtschaft so wichtig wäre. Mehr als dumm gelaufen, kann man da nur sagen.

Weltall am Waldrand

„Um mich glimmernde Sternchen: Glühwürmchen spielen Weltall am Waldrand“, lauten die letzten Zeilen aus dem Juniabend des 2003 verstorbenen Dichters Josef Guggenmos. Und in der Tat muten die Tierchen an wie von einem anderen Stern. Nur: Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal die leuchtenden Käfer gesehen habe. Das hat sich jetzt geändert. Als Oma und ich in der letzten Woche bei einer guten Freundin im Chiemgau zu Gast waren und abends auf der Terrasse saßen, flog so ein Glühwürmchen direkt auf uns zu. Wir Drei waren sprachlos und haben uns wie die Kinder gefreut. Denn allesamt waren wir uns einig, dass es Jahrzehnte her war, dass wir ein Glühwürmchen gesehen haben. Für diejenigen, bei denen das auch so lange her ist, habe ich ein Filmchen entdeckt, bei der die Maus vom WDR die Tiere vorstellt. Was soll ich sagen? Es gibt doch nichts Schöneres als die Natur. Wir sollten sie mehr schützen.

Glühwürmchen: Nach Ansicht von Josef Guggenmos spielen sie Weltall am Waldrand.

Amt, aber glücklich

„Amt, aber glücklich“ heißt eine Rubrik im Tagesspiegel Checkpoint, in dem Chefredakteur Lorenz Maroldt und seine Kollegen anlassbezogen immer wieder Fälle aufgreifen, die nicht in das vermeintliche Berliner Ämterchaos passen. Opa hat heute eine, nein, gleich zwei diesbezügliche neue Geschichten beizutragen. Also, zunächst geht es um ein Thema, das die Gemüter der Anwohner der Baseler Straße auf beiden Seiten der Finckensteinallee in den letzten zwei Wochen ziemlich erhitze. Seit dem 14. Mai nämlich war das Stück der Baseler Straße zwischen Altdorfer Straße und Finckensteinallee Einbahnstraße, auf der weder links noch rechts geparkt werden durfte. Das bedeute, dass die Parkplatzsuche in den Abendstunden zur Geduldsprobe wurde, was wiederum zur Folge hatte, dass die Reaktionen der Anwohner beim Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf immer unfreundlicher wurden. Auch Opa hat sich an das Amt gewandt und nachgefragt, ob die absoluten Halteverbote auf beiden Seiten der Straße denn wirklich sein müssten. Und, man mag es kaum glauben: Bereits einen Tag später klingelte Opas Telefon und ein Mitarbeiter des Tiefbauamtes war am anderen Ende der Leitung. Er erklärte mir verständlich und nachvollziehbar, wie es überhaupt zu der Regelung gekommen war und warum es so lange gedauert hat, bis die Maßnahme – eben nur durch eine Anordnung der oberen Verkehrsbehörde – wieder rückgängig gemacht werden konnte. Jedenfalls verkündete er mir stolz: „Die Schilder werden gerade abgebaut.“ Und dann lobte er mich auch noch, weil ich offensichtlich der einzige Anwohner war, dessen Kommunikation im Ton dem üblichen mitteleuropäischen Standard entsprochen hatte. Das alles erzählte ich natürlich meiner ältesten Tochter, als die mich kurze Zeit später anrief. Als ich mit meiner Schilderung fertig war, fügte sie Geschichte zwei hinzu: Sie hatte, so berichtete sie, kurzfristig einen Online-Termin für eine Ausweisverlängerung gemacht, bzw. machen können, muss man wohl angesichts anderer Wahrnehmungen sagen. Dieser Termin wurde dann nicht nur pünktlich eingehalten, sondern alles lief auch noch freundlich und ausgesprochen service-, sprich bürgerorientiert ab, so dass meine Tochter ebenfalls nur voll des Lobes war. Was soll ich sagen? Irgendwie habe ich den Verdacht, dass die Ämter doch besser sind als ihr Ruf. Oder es ist noch viel einfacher: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es wieder hinaus.

War über zwei Wochen parkfreie Zone: Die Baseler Straße zwischen Altdorfer Straße und Finckensteinallee:. Jetzt darf dort wieder geparkt werden.

Ich hasse es!

„Bei 1&1 zählt nur 1: Sie! 1 Anruf … und Sie sprechen mit einem Experten“, heißt es vollmundig auf der Webseite des Providers. Für 1&1 Hosting-Verträge wird versprochen: „Das 1&1 Service-Team ist rund um die Uhr gerne für Sie da. Vor und nach dem Kauf! Unser Ziel ist, Ihre Fragen sofort zu beantworten. Sollte ein Thema einmal etwas komplizierter sein, rufen wir Sie nach der weitergehenden Klärung umgehend zurück. Mehr Informationen dazu lesen Sie auf unserer Webseite. War diese Information für Sie hilfreich?“ Es mag ja Menschen geben, die da aus Versehen mal auf „Ja“ gedrückt haben. Wenn Sie allerdings die Erfahrungen gemacht haben, die Opa heute machte, dann muss die Antwort lauten: Nein! Nachdem ich im Laufe des Tages bereits mehrere Male versucht hatte, einen Experten ans Telefon zu bekommen und jedes Mal so nach 30 bis 40 Minuten vergeblichen Wartens aufgegeben habe, da ich die Dudelmusik nicht mehr hören konnte, wollte ich es zuletzt wissen. Aber irgendwie ist mein Geduldsfaden doch zu kurz. Nach über einer Stunde habe ich wieder genervt  aufgelegt. Was soll ich sagen? Dass der Service bei 1&1 – zumindest was Opa betrifft – noch nie besonders gut war und bis auf ganz wenige Ausnahmen ziemlich viel Luft nach oben hat, wissen aufmerksame Leser. Da, was man so hört, es bei anderen aber auch nicht (viel) besser sein soll, spare ich mir einen Provider-Wechsel. Irgendwie hasse ich es, so ausgeliefert zu sein. Ich hasse es!

Irgendwie kein Anschluss (an einen Experten) unter dieser Nummer.

Lernendes System

Opa muss heute mal politisch werden. Grund dafür ist der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Frank Zimmermann, bzw., um es genauer zu formulieren, was er gesagt hat. In der Abendschau des rbb gab er am Dienstabend Moderatorin Eva-Maria Lemke bereitwillig ein Interview zu der Besetzung und Räumung des Hauses in Neukölln am Wochenende und den unterschiedlichen Sichtweisen darüber innerhalb von Rot-Rot-Grün. Währenddessen prägte er einen Satz, der das Zeug dazu hat, in die Hall of Fame großer Worte einzuziehen: „Die Berliner Politik ist ein lernendes System“, konstatierte er und hinterließ wohl nicht nur Opa als ungläubigen Zuschauer. Lernendes System!?! Darum also ist die Berliner Politik so, wie sie ist, weil sie noch lernt in vor sich hin gammelnden Schulen, in denen es ohnehin zu wenig Lehrer und zu viele Unterrichtsausfälle gibt. Da kann es in der Tat nicht verwundern, dass die Stadt mittlerweile eine Infrastruktur hat, die man in weiten Teilen nur nach als marode bezeichnen kann, von fehlendem Wohnraum und zu hohen Mieten ganz zu Schweigen. Der Verkehr steht an vielen Stellen im Stadtgebiet vor dem Infarkt. Die Bürgerämter sind überfordert und mehr mit sich selbst als den Bürgern beschäftigt. Die Liste der Missstände aufgrund politischer Versäumnisse ließe sich beliebig fortsetzen. Allerdings darf der krönende Abschluss nicht fehlen: Während die Eröffnung des Pleiten-, Pech- und Pannen-Flughafens BER immer unwahrscheinlicher wird, ignoriert der Senat unter der Regie von Michael Müller den Willen von einer Million Berliner und hält starrsinnig an der Schließung von Tegel fest. Was soll ich sagen? Wenn meine Enkel mich in zehn oder fünfzehn Jahren, so ich noch lebe, einmal fragen sollten, was damals denn los da war und so gründlich schief gelaufen ist in der Stadt, dann werde ich ihnen sagen: Die Berliner Politik war ein lernendes System, nur leider haben die die ganze Zeit geschwänzt – ganz nach dem Motto der Berliner Verkehrsbetriebe: Is mir egal. Hätte Politik Noten bekommen, hätte es heißen müssen: Setzen, sechs! Nur leider müssen meine Enkel die Suppe auslöffeln, die “das lernende System” ihnen eingebrockt hat.

Fußball gerät zum Ärgernis

Eigentlich handelt es sich ja um eine der schönsten Nebensachen der Welt. Doch mittlerweile gerät der Fußball – und leider nicht nur er – zu einem Ärgernis sondergleichen. Fairplay wird immer seltener – auch und gerade außerhalb des Platzes. Dabei ist von den Machenschaften innerhalb der UEFA und FIFA nicht einmal die Rede. Ich denke vielmehr an die bevorstehende Fußballweltmeisterschaft, die ihre Unschuld bereits verloren hat, bevor sie überhaupt losgegangen ist. Denn wie bitte soll ich meinen Enkelkindern erklären, dass – bis auf Gott vielleicht – alle Welt einem Menschen die Aufwartung macht, der alles, wofür auch der Fußball, der deutsche allemal, stehen sollte, mit Füßen tritt. Abschaffung der Pressefreiheit und Gleichschaltung der Medien, Tschetschenienkrieg, Annexion der Krim, Abschuss eines zivilen Verkehrsflugzeuges, Einsatz von Giftgas hier und da, Unterstützung des syrischen Diktators Baschar Hafiz al-Assa – das Sündenregister von Wladimir Putin ließe sich beliebig verlängern. König Fußball und die Verantwortlichen scheint das alles nicht zu stören, auch nicht, dass dem deutschen Journalisten Hajo Seppelt als “unerwünschter Person” das Visum für ungültig erklärt wurde und er nun nicht von der WM berichten kann. Am Ende des Tages bzw. der Weltmeisterschaft wird der russische Präsident freudestrahlend feststellen können: Ich kann machen, was ich will – letztlich kommen sie doch wieder alle angekrochen. Doch damit nicht genug: Just einen Tag, bevor Bundestrainer Joachim Löw sein vorläufiges WM-Aufgebot bekannt gab, empfahlen sich noch schnell zwei Spieler, indem sie einem anderen Autokraten unsägliche Wahlkampfhilfe leisteten. Mesut Özil und Ilkay Gündogan ließen sich mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan werbewirksam ablichten und überreichten ihm auch noch Trikot-Geschenke. Gündogan schoss sogar noch ein doppeltes Eigentor und signierte sein Trikot mit dem Satz “Für meinen Präsidenten, hochachtungsvoll”. Der heißt zwar Frank-Walter Steinmeier und amtiert in Berlin und nicht in Ankara, weil Gündogan wie Özil in Gelsenkirchen geboren wurde, im Ruhrpott kicken gelernt hat und in der deutschen Nationalmannschaft spielt. Aber egal. Und dass Özil dort, jedenfalls beim Abspielen der deutschen Nationalhymne, den Mund nicht aufkriegt, sei nur noch am Rande erwähnt. Integration sieht eigentlich anders aus. Was soll ich sagen? Ich kann gut verstehen, dass Oma froh ist, dass ihre Elftal – Fachleute wissen, dass es sich dabei um die niederländische Fußball-Nationalmannschaft handelt – in Russland nicht mitspielt. Ihr König braucht also überhaupt nicht darüber nachzudenken, ob er sich gen Osten aufmacht. Unsere Repräsentanten jedoch sollten sich gut überlegen, ob sie dem Beispiel der zwei ziemlich dämlichen Fußballspieler nacheifern und dem anderen Autokraten auf den Leim gehen sollen. Es ist schon schlimm genug, dass innerhalb des Deutschen Fußballbundes keiner den Mut aufgebracht und die beiden Herren für die Russlandreise gestrichen hat. Jetzt sollten wenigsten unsere Politiker so viel Charakter an den Tag legen und ihrerseits auf eine Reise nach Russland verzichten.

Diesmal: Vatertag vor Muttertag

Wer sich heute verwundert die Augen reibt, weil Vatertag ist und die Mütter noch ein paar Tage auf ihre Blumen warten müssen, kann beruhigt sein: Alles im grünen Bereich. Denn hin und wieder kann es tatsächlich vorkommen, dass der Vatertag vor dem Muttertag liegt. Das hängt damit zusammen, dass der Vatertag mit einem christlichen Feiertag verknüpft ist und der Muttertag einen festen Termin hat. Letzterer ist immer der zweite Sonntag im Mai. Vatertag fällt dagegen konstant auf Christi Himmelfahrt, die stets 39. Tage nach Ostersonntag gefeiert wird. Da der Termin von Ostern jedoch vom Mond abhängt, ist das früheste Datum der 21. März, sofern der Sonntag einen Vollmond aufweist. Der späteste Termin ist der 20. April. Damit kann Vatertag frühestens am 30. April, spätestens am 3. Juni stattfinden. Damit liegt der Vatertag auch schon mal vor dem Muttertag, wie das zuletzt 2008 der Fall war. Insofern sind also heute die Väter dran. Was soll ich sagen? Hoffentlich sind die vernünftig und trinken nicht so viel. Stattdessen könnten sie sich ja mit ihrem Nachwuchs beschäftigen. Und der dankt es ihnen. Unser jüngster Enkel beispielsweise hat für seinen Vater ein Auto gebastelt, über das sich auch Opa freuen würde. Alles ist aus natürlichem Material – bis auf das Lenkrad, was ihn ein wenig ärgert, der Sache aber keinen Abbruch tut. Es ist und bleibt ein wahres Kunstwerk.

Gebastelt für Vatertag: Ein wahres Kunstwerk.

Der frühe Vogel fängt den Wurm

Opa war heute ein wenig spät dran. Die Sonne hatte bereits von einer Stunde angefangen, mit ihren Strahlen die Erde zu erwärmen. Immerhin waren die Temperaturen in der Nacht auf unter zehn Grad gesunken. Es war also auf die Minute genau 6.23 Uhr, als mich sozusagen die senile Bettflucht übermannte und ich aufgestanden bin. Oma hatte mir das bereits am Abend zuvor vorausgesagt – vermutlich aus langjähriger Erfahrung. Denn in der Tat ist es so, dass ich an Wochenenden, an denen ich eigentlich endlos im Bett bleiben könnte, meistens mit den Hühnern aufstehe, während ich unter der Woche, wenn mein Schreibtisch nach mir ruft, kaum aus dem Bett komme. Ich habe mittlerweile aufgegeben, mich dagegen zu wehren. Wenn ich einmal wach bin, ist nichts mehr mit Schlafen. Dann stehe ich besser auf und bin produktiv. Es gibt doch nichts Schöneres, als diese morgendliche Ruhe, die vom Zwitschern der Vögel klangvoll begleitet wird. Auch die Luft hat (noch) etwas Klares, von dem fantastisch blauen Himmel ganz zu schweigen. Was soll ich sagen? Es gibt Schlimmeres, als in aller Herrgottsfrühe aufzuwachen und nicht mehr einschlafen zu können, zumal der Volksmund weiß: Der frühe Vogel fängt den Wurm und Morgenstund hat Gold im Mund. In diesem Sinne: Ein schönes Wochenende noch und bleiben Sie gesund.

Was für eine Stimmung: Morgendliche Ruhe, klare Luft und strahlend blauer Himmel!

… aber schön wärs schon

Opa ist, ich gestehe es, ein ganz klein wenig Royalist und das, obwohl wir hier in Deutschland bekanntermaßen ja in einer parlamentarischen Demokratie leben. Und das ist auch gut so. Wer nun aber meint, das sei ein kaum aufzulösender Widerspruch, der irrt. Gestern beispielsweise, das Datum wies den 27. April aus, hatte Willem-Alexander Geburtstag. Willem-Alexander ist der König der Niederlande und damit auch Omas Regent. Da war es auch für Opa selbstverständlich, den Tag gebührend zu begehen und am Abend auf das Wohl des Königs das eine oder andere “Pilsje” zu trinken. Für die Niederländer ist dies völlig normal. Und dennoch zweifelt niemand ernsthaft an der demokratischen Grundausrichtung unseres westlichen Nachbarlandes, das eine konstitutionelle Monarchie ist, in der laut Verfassung der König das Staatsoberhaupt ist. Ganz im Gegenteil. Im Demokratieindex des Jahres 2016 belegen die Niederlande Platz 10 von 167 Ländern, womit sie als eine „vollständige Demokratie“ gelten. Die niederländische Gesellschaft gilt weltweit sogar als eine der liberalsten und freiesten. Fast so wie die bayerische, in der die Liberalitas Bavariae als oberster Leitsatz gilt. Laut Boarischem Wikipedia bedeutet der: „Des is lateinisch und moant drei Sochan: De Freiheit vo Bayern, de bayerische Freigebigkeit und ois dritts de freiheitliche Gsinnung vo de Bayern. Liberalitas Bavariae stäht vua oim fia Wejdoffnheit, Toleranz und Großherzigkeit, fian Ausdruck Lem und lem lossn.” Bayern selbst ist laut Verfassung eine demokratische Republik, also ein von keinem Monarchen regierter freier Staat. Und dennoch gibt es auch dort eine heimliche Liebe zu einem König, liebevoll Kini genannt. Wenn man nach der Notwendigkeit für einen solchen Monarchen fragt, erhält man in der Regel folgende Antwort (gleich übersetzt): Brauchen tun wir ihn nicht, aber schön wärs schon. Was soll ich sagen? In diesem Sinne: Lang lebe der König.

Ein tolles Königspaar: Willem-Alexander und seine Frau Máxima, die bei den Niederländern ausgesprochen beliebt sind.                                         Fotos: Rijksvoorlichtingsdienst/RVD