Mädchen und Jungs sind anders

Als Vater von zwei Töchtern und Großvater von zwei Enkelsöhnen glaube ich, nein, bin ich mir sicher, dass ich qua (Aufgaben-)Stellung eine gewisse Kompetenz besitze und beurteilen kann, ob es einen Unterschied zwischen Mädchen und Jungen gibt und wenn ja, wie dieser aussieht. Dies nur mal so vorweg. Warum ich dieses Thema aufgreife, liegt an Hatice Akyün, einer neuen Kolumnistin des Tagesspiegel. Darin hat sie sich heute zu Wort gemeldet und an die Erwachsenen appelliert, “unseren Töchtern und Söhnen keine geschlechterspezifischen Rollen beizubringen”. Gleichzeitig gestand sie, als Mutter mit allen Mitteln zu versuchen, die tradierten Rollenbilder in der Erziehung aufzubrechen. Ich weiß ja nicht, wie die 12-jährige Tochter der Journalistin so drauf ist, aber ich habe noch gut in Erinnerung, wie meine Töchter sich – und übrigens auch deren Freundinnen – gegeben haben. Mit einem Augenaufschlag, den eben nur Mädchen drauf haben, wurde aber jeder in die Knie gezwungen, der sich ihren Wünschen in den Weg gestellt hat. Charme war da die alte und neue Stärke – von wegen “Stark ist das neue hübsch”. Unsere Enkelsöhne konnten zwar auch ziemlich überzeugend sein, allerdings mit einem Charme, der eben etwas robuster, um nicht zu sagen rustikaler, ausgestaltet war. Was soll ich sagen? Mädchen und Jungs sind anders, und das hat etwas mit ihrem Geschlecht zu tun. Das zu ignorieren, halte ich für den größten Fehler unserer Zeit – unabhängig von der Erkenntnis, dass das starke Geschlecht mitnichten die Männer, sondern schon immer die Frauen sind. Jedenfalls würde jeder, der Oma oder unsere beiden Töchter kennt, nichts anders behaupten. Und wenn Akyün zum Schluss schreibt, dass es auch in Ordnung sei, wenn Mädchen das rosa Kleid tragen wollen, dann kann ich nur fragen: Kennt jemand ein Mädchen, dass irgendetwas anderes tragen würde, als das, was sie unbedingt will? Sehen Sie, so ist die Welt, auch wenn manche Frauen das nicht wahrhaben wollen.

Auf die nächsten sechs Jahre

Sechs Jahre gibt es Opas Blog jetzt schon. Und es wird kein bisschen langweilig. Sowohl die kleine (Familien-)Welt als auch die große (Außen-)Welt bieten ständig genug Stoff, über den es sich lohnt, sich so seine Gedanken zu machen – Gedanken eines Großvaters eben. Während die kleine Welt eher mehr Dinge zum Lachen hervorbringt, generiert die große allzu oft Geschichten, die eher zum Weinen sind. Insofern will ich heute denn zum Geburtstag lieber in die Fundgrube der Familie greifen, genauer gesagt, in die der Enkelkinder. Frage an einen meiner Enkel: Was macht sieben mal sieben? Antwort: Feinen Sand. Nachfrage: Und sechs mal sechs? Antwort: Sechs Kinder. Was soll ich sagen? Rechnen lernen mit Opas Blog. In diesem Sinne: Auf die nächsten sechs Jahre.

Sonne im Herzen, Frühling in der Wohnung: Alles gute zum Geburtstag.

Revolution frisst eigene Kinder

Harald Martenstein hat sich heute im „Tagesspiegel“ mit der Forderung der Juristin Susann Bräcklein auseinandergesetzt, Mädchen sollten endlich in Knabenchören mitsingen dürfen. Das hat er in der ihm eigenen Art getan, so dass man genau weiß, was er davon hält: Nichts! Für einen Vater zweier Töchter und Großvater zweier Enkelsöhne ein spannendes Thema, zu dem ich eine feste Meinung habe: Auch ich halte die Forderung für ziemlich daneben, möchte aber noch ein paar andere Argumente ins Feld führen, da die Dame Verfassungsrechtlerin ist. Nun ist es ja nicht so, dass Mädchen grundsätzlich nicht in Chören singen dürfen. Möglichkeiten gäbe es sicher genug, nur eben nicht in Knabenchören. Da ergeht es den Mädchen wie Männern, die nicht Mitglied werden dürfen in Organisationen wie Zonta, Inner Wheel oder einer anderen Frauenorganisation. Selbst im Deutschen Juristinnenbund haben es Männer schwer, Fuß zu fassen. Mitglied jedenfalls können sie nicht werden, wobei ich zugeben muss: Es sähe schon komisch aus, wenn ein Mann dort plötzlich Präsidentin wäre. Allerdings gibt es seit Mai 2017 da ein kleines Problem. Damals nämlich hat der Bundesfinanzhof laut der Juristin Bräcklein entschieden, dass traditionell männlichen Vereinen steuerliche Vergünstigungen versagt sind, wenn sie Frauen grundsätzlich ausschließen. Im Sinne von Antidiskriminierung und Gleichstellung gilt das hoffentlich auch andersherum. Dann allerdings gehörte die Gemeinnützigkeit des Deutschen Juristinnenbundes oder sonst einer gemeinnützigen Frauenorganisation ziemlich schnell der Vergangenheit an, was sicher nicht im Sinne der Erfinderin läge. Was soll ich sagen? Bei der französischen Revolution war es ähnlich, die hat irgendwann auch ihre eigenen Kinder gefressen.

Kochen nach Bildern

Darauf muss man erst einmal kommen: Ein Kochbuch, das darauf verzichtet, Zutaten und Zubereitung zu beschreiben, sondern die Rezepte in Bildern aufarbeitet. Figlmüllers „Wiener Küche – Kochen nach Bildern“ tut das in beeindruckender Weise. Das Buch war mir seinerzeit beim Besuch des Familienbetriebs aufgefallen und hat alle Erwartungen übertroffen. Besser kann man dieses Konzept vermutlich nicht umsetzten. Da ist kein einziges Rezept, bei dem sich die Anleitung nicht sofort erschließt. Das liegt nicht zuletzt

an der Stringenz auch in der Fotografie von Stefan H. Mörtl, die die Zutaten und Kochschritte entsprechend in Szene setzt. Selbst ausgesprochene Kochmuffel dürften sich hier angesprochen fühlen und sofort loslegen wollen. Was soll ich sagen? Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, heißt es. Seltener hat eine Aussage so zugetroffen wie bei diesem Kochbuch. Insofern habe ich lange überlegt, ob ich die nachfolgende Anregung überhaupt geben sollte. Aber das Bessere ist halt der Feind des Guten: Vielleicht schafft es das Team um die Figlmüllers ja, auch noch das zweiseitige Glossar in die Bildsprache zu übersetzen. Die 6. Auflage schreit förmlich danach. Und dann ist dieses Kochbuch wirklich perfekt.

Hans jun. und Thomas Figlmüller, Wiener Küche – Koch nach Bildern echomedia, Wien, 2017, 5. Auflage, 232 Seiten, 24,90 Euro, ISBN 978-3-902900-03-6

Liebeserklärung an Oma und Opa

Der Wiedererkennungswert ist ziemlich hoch. Jedenfalls beschreibt und illustriert Katharina Grossmann-Hensel in „OMAOPA find ich gut“ das Miteinander von Großeltern und Enkel genau so, wie es in den meisten Fällen wohl ist. Der Satz „Aber eins muss ich schon sagen, meine Oma ist sehr gelenkig“ hätte auch von einem unserer Enkel stammen können. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass die Autorin Oma und mich beschrieben hat. Was soll ich sagen? Im Grunde ist dieses Bilderbuch eine einzige Liebeserklärung an die Großelterngeneration, die wiederum ihre Enkel liebt. Dabei kommt es als Wimmelbuch der besonderen Art daher, das sicherlich auch schon für kleinere Kinder unter vier Jahren geeignet ist. Und Langeweile dürfte bei ihnen nicht aufkommen. Denn bis sie alle Dinge, die auf den Seiten zwei und drei abgebildet sind, auf den dann folgenden Seiten gefunden haben, sind sie gut beschäftigt. Das Buch ist, wenn man so will, wie ein Besuch bei Omaopa: Der ist niemals langweilig!

Katharina Grossmann-Hensel, OMAOPA find ich gut Annette Betz in der Ueberreuter Verlag, Berlin, 2019, 32 Seiten, 14,95 Euro, ISBN: 978-3-219-11787-5

Tempi passati!? Wohl eher nicht

Unser jüngster Enkel ist tief in die Vergangenheit eingetaucht, die bis weit in die Zeit vor seiner Existenz reicht. Jedenfalls war er ganz erstaunt, was man alles mit so einer alten Schreibmaschine noch machen kann, die er bei uns in irgendeiner Ecke entdeckt hatte: Eine Olivetti Lettern 22, ein Modell längst vergangener Tage. Doch die analoge Welt scheint auch die Digital Natives noch zu faszinieren. Auf jeden Fall müssen wir jetzt unbedingt erst einmal ein neues Farbband besorgen. Weiß der liebe Herrgott, wo es so etwas noch gibt. Wie auch immer: Selbst bei Oma und Opa kamen ziemlich nostalgische Gefühle auf, war es doch ein ähnliches Exemplar, auf der Oma 1979 Opas Examenshausarbeit getippt hat. Soviel ich mich erinnere, war das sogar schon eine elektrische. Was soll ich sagen? Tempi passati!? Wohl eher nicht. Seit den Enthüllungen über neugierige Geheimdienste erlebt die erstmals in einem Henry Mill 1714 erteilten Patent beschriebene Maschine eine unerwartete Renaissance. Weltweit steigt die Nachfrage nach den Geräten, die eben ziemlich abhörsicher sind. Das freut den laut FAZ letzten großen Hersteller von Schreibmaschinen in der Welt, die Tokioter Nakajima All Co. Ltd. Und unseren Enkeln können wir erklären, dass wir mit dem alten Klapperkasten ganz schön modern sind und voll im Trend liegen. Von wegen Tempi passati!

Von wegen Mutter Teresa

Die Steuereinnahme des Bundes sprudeln wie lange nicht mehr und sollen auf sage und schreibe 940,7 Milliarden Euro im Jahr 2023 anwachsen. “Wegen Reichtum geschlossen” müsste am Tor des Bundesfinanzministeriums stehen, eigentlich. Doch der dort residierende Minister denkt überhaupt nicht daran, sondern outet sich als lupenreines Mitglied vom Stamme Nimm. Obwohl die Große Koalition angekündigt hatte, auf Steuererhöhungen zu verzichten, kann sich Olaf Scholz nunmehr eine Anhebung des Spitzensteuersatzes von 42 auf 45 Prozent vorstellen. Na denn, da werden sich die klassischen Wähler seiner Partei aber freuen. Denn bei einem Jahreseinkommen von knapp 55.000 Euro, dem Gehalt eines Facharbeiters, wäre ein Junggeselle schon mit dabei. Und der wird weiter geschröpft. An der Tankstelle kassiert Vater Staat gleich nochmal mehr als die Hälfte des Benzinpreises und überall sonst noch 19 Prozent, Mineralölsteuer und Mehrwertsteuer lassen grüßen. Während sich der gute Mann zunächst vielleicht als Gutverdiener gefühlt hat, ist er nach dieser Rosskur nur noch ein armer Schlucker. Die SPD, die sich gerne als Mutter Teresa des kleinen Mannes darstellt, entlarvt sich selber als Raubritter übelster Sorte. Was soll ich sagen? Die Wähler werden es der SPD danken. In den Ländern kommt die Partei nicht mehr über 30 Prozent und nähert sich in Bayern mit sechs Prozent sogar bedrohlich der Fünf-Prozent-Marke. Und im Bund bewegt sie sich gegenwärtig um die 15 Prozent. Mit Volkspartei hat das nichts mehr zu tun. Vielmehr droht der SPD in Deutschland das gleiche Schicksal , das ihre Genossen in den europäischen Nachbarländern erleiden. Die machen fast flächendeckend den Harpe Kerkeling: Wir sind dann mal weg.

Feinsinnig und tiefgründig

Manchmal staunt man ja Bauklötze, wenn es um die eigenen Enkel geht. So ist es mir jedenfalls gegangen, als Oma mich auf ein Gedicht aufmerksam gemacht hat, dass unser Jüngster – sieben Jahre alt – mit einem ein Jahr jüngeren Freund verfasst hatte. Die Zeilen lesen sich so, wobei ich der besseren Lesbarkeit wegen die Rechtschreibfehler weggelassen habe, also: “Werf’ dein Leben nicht weg, sonst fällt es in den Dreck und dann ist es weg und es kommt nicht mehr raus, dann frisst es die Laus.” Da staunen Sie auch!?! Zwei Buben im Alter von sechs und sieben Jahren bringen solche Zeilen zu Papier, die es an feinsinniger wie tiefgründiger Philosophie nicht mangeln lassen. Was soll ich sagen? Ich in meinem Alter bin auf so etwas ganz sicher nicht gekommen. Dabei bin ich mir allerdings nicht sicher, worüber man sich mehr freuen soll. Denn solche Gedanken haben eigentlich in diesen kleinen Kinderköpfen noch nichts zu suchen. Aber die Zeiten ändern sich, nicht immer zum Besseren.

Einfach unglaublich

Berlin ist einfach unglaublich. Da gibt es Probleme über Probleme – unfertiger Flughafen, kaputte Straßen, kilometerlange Staus, nicht funktionierender ÖPNV, marode Schulen ohne Lehrer, fehlende Wohnungen und eine desolate Verwaltung, um nur die wichtigsten Felder zu nennen – und die rot-rot-grüne Koalition hat nichts Besseres zu tun, als mit ihrer Parlamentsmehrheit einen neuen Feiertag zu beschließen. Das ist künftig der 8. März. Der kostet dann so um die 160 Millionen Euro, die der Stadt als Wirtschaftsleistung verloren gehen. Die anderen Bundesländer werden sich das vermutlich merken und berücksichtigen, wenn es wieder um den Länderfinanzausgleich geht. Denn aus dem bezog die Hauptstadt allein 2018 schlappe 4,4 Milliarden Euro, was immerhin jeden siebten Euro im Landeshaushalt ausmacht. Dass die Aktion wirtschaftlich überhaupt nicht zu vertreten ist, ist die eine Seite der Medaille. Die andere ist, dass es sich bei dem Tag um den Weltfrauentag handelt, ein Relikt aus real sozialistischen Zeiten. Immerhin geht dieser Tag auf die Initiative von Clara Zetkin im Jahre 1910 zurück und wurde in der DDR ab 1947 offiziell begangen. Jetzt erhält er als Feiertag sozusagen die letzte Weihe, die ihm noch gefehlt hat. Was soll ich sagen? In Zeiten, in denen an der Spree unverhohlen über Enteignungen fantasiert wird, wundert einen nichts mehr. Irgendwie kommt einem Erich Honeckers Ausspruch vom 14. August 1989 in den Sinn: “Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.”

Besser geht nicht

Heute ist ein ganz besonderer Tag. Denn vor genau 45 Jahren haben Oma und Opa sich kennengelernt. Seitdem sind wir zusammen, was – um die Statistik zu vervollständigen – bedeutet, dass wir vor ein paar Tagen 44 Jahre verlobt waren und demnächst im März 43 Jahre verheiratet sind. Das ist fast ein halbes Jahrhundert und eine lange Zeit. Und doch kommt es mir so vor, als sei es erst gestern gewesen. Die Zeit ist (viel zu) schnell vergangenen. Was soll ich sagen? Natürlich hat auch bei uns nicht jeden Tag die Sonne geschienen, das wäre ziemlich unnatürlich. Aber ich kann voller Überzeugung sagen und tue das hiermit auch: Ich möchte keinen Tag missen. Und wenn ich mir dann noch unsere Kinder und Enkelkinder anschaue, kann ich nur feststellen: Besser geht nicht. Dafür bin ich unendlich dankbar. Und ich weiß, dass Oma das auch ist. Insofern freue ich mich auf die nächsten 45 Jahre, wenn denn Gott so will. Oma, ich liebe Dich!