Supercalifragilisticexpialigetisch

Supercalifragilisticexpialigetisch! Das sagt Ihnen nichts? Dann sind Sie eindeutig nach 1980 geboren. Denn dabei handelt es sich um die deutsche Übersetzung des englischen Kunstwortes supercalifragilisticexpialidocious (Aussprache: /ˌsuːpɚˌkælɪˌfrædʒəlˌɪstɪkˌɛkspiːˌælɪˈdoʊʃəs/) aus dem gleichnamigen Lied im Filmmusical Mary Poppins. In den 1960er- und 1970er-Jahren war das zungenbrecherisch Wort bei der Jugend so in, dass es vielfach in die Jugendsprache aufgenommen wurde. Vor allem wurde es dann verwendet, wenn man keine Ahnung oder keine Meinung zu einem Thema hatte, aber dennoch – gefragt oder ungefragt – etwas zum Besten geben wollte. Was soll ich sagen? Seinerzeit haben sich die Jungs und Mädels wenigsten noch Mühe gegeben, intelligent zu erscheinen. Mittlerweile hört sich das leider ganz anders an: „Ey Alter, was geht ab?!“

Lachen ist menschlich

Die gegenwärtige Pandemie ist eine Herausforderung, für uns alle, für die einen mehr, für die anderen weniger. Und jeder geht anders mit dem Virus um. Aber alle werden mit ihm leben müssen. Covid-19 wird uns noch eine Weile begleiten. Da ist es besonders wichtig, dass wir – ungeachtet aller Vorsicht, die wir walten lassen (müssen) – unseren Mut und unseren Frohsinn nicht verlieren. Das heißt, wir dürfen das Lachen nicht verlernen. Bei unserem letzten Familientreffen, dass wegen Corona als virtuelles Meeting stattgefunden hat, hat eines unserer Familienmitglieder seine Gedanken zu der aktuellen Situation vorgetragen, die es in Gedichtform zu Papier gebracht hatte. Dieses Gedicht ist insofern besonders beeindruckend, als die Worte Virus, Corona, Covid-19 oder Pandemie überhaupt nicht vorkommen. Nur das Wort Maske am Ende lässt keinen Zweifel daran aufkommen, worum es geht:

Lachen ist menschlich

Lass‘ uns gemeinsam über die Waldlichtung gehen …
hast Du irgendwann die Bäume lachen gesehen?
Wir hatten uns auf den Weg ins Gebirge gemacht …
Was meinst Du? Hat einer der Berge je schon gelacht?

Der Falke, das Rebhuhn, der Biber, die Schnecke im Garten;
suchtest Du ihr Lachen, müsstest Du ein Leben lang warten!

Der Mensch dagegen kann lachen, wenn er zu leben beginnt.
Ohne zu sprechen, lächelt er bereits als ganz kleines Kind.
Gott hat den Menschen einstmals das Lachen verliehen –
als Ausgleich für den Verstand – es sei ihm verziehen.

Siehst Du die Bauern von den Äckern nach Hause kehren
mit großen und rauhen Händen – zerschnitten von Ähren?
Ihre Finger können sie fast nicht mehr schließen …
würden sie nicht trotzdem Dein Lachen genießen?

Oder die, welche abends müde die Büros verlassen,
um dann Autoabgase einzuatmen in den Straßen,
ihre Rücken krumm an den Rechnern machen …
freuen die sich nicht auch über Dein Lachen?

Arbeiter, die gesenkten Kopfes durch’s Fabriktor kommen,
ihre Nägel verschrammt, die Sinne vom Lärm noch benommen;
in den Schnittwunden der Finger glänzt schwarzes Fett …
Macht nicht Dein Lachen einen Teil der Mühsal wett?

Menschen, die ihre Münder hinter Masken tragen,
sich nur noch ab und zu nach draußen wagen,
nicht feiern, tanzen, singen, besucht sein sollen,
die Masken müssten fallen, weil sie lachen wollen …

Kranke, die in Hospitälern an Maschinen liegen
auf den Bäuchen, um noch etwas Luft zu kriegen.
Die Tag für Tag um’s Überleben kämpfen …
Könnte Dein Lächeln deren Ängste dämpfen?

Wer durch sein Lachen den Sterbenden noch zum Lachen bringt,
dass er im Moment vergisst, wie er mit dem Tode ringt …
hat solch ein Glück, da ihm Gottes Gnade widerfährt –
wehe dem, der diesem Menschen das Lachen verwehrt!

Was soll ich sagen? Das sind eindrucksvolle Zeilen, die einmal mehr unterstreichen, wie wichtig das Lachen ist. Wer Opas Blog schon länger verfolgt, weiß ja ohnehin: Lachen ist gesund und Lächeln das Kleingeld des Glücks.

Plastiktüten: Altmodisch

„Plastiktüten, die sind ja altmodisch“, verkündete dieser Tage unser jüngster Enkel. Recht hat er. Dennoch: Vieler Orten erfreut sich die Plastiktüte, die erstmals im Jahre 1961 vom Kaufhaus Horten in Neuss ausgegeben wurde, noch großer Beliebtheit. Zwar gibt es bereits einige Länder wie z.B. Frankreich oder Italien, in denen Plastiktüten verboten sind. In Deutschland gibt es bislang keine gesetzliche Regelung, lediglich eine Selbstverpflichtung, wonach Plastiktüten seit Juli 2016 nicht mehr kostenlos, sondern nur noch gegen Gebühr abgegeben werden sollen. Seitdem ist der Verbrauch von Plastiktüten pro Kopf und Jahr deutlich zurückgegangen und liegt mittlerweile unter 25. Dabei wird eine Plastiktüte im Durchschnitt 25 Minuten lang benutzt. Gelangt sie in die Umwelt, dauert es dann aber je nach Kunststoffsorte und Ort Schätzungen zufolge hunderte bis tausende Jahre, in arktischen Gewässern und der Tiefsee wahrscheinlich noch länger, bis sie vollständig zersetzt ist. Zwischen Kalifornien und Hawaii beispielsweise hat sich ein etwa drei Tonnen schwerer Müllstrudel gebildet. Diese schwimmende Müllhalde, die sich in einem riesigen Wirbel auf dem Ozean dreht, ist so groß wie Mitteleuropa. Was soll ich sagen? Die Alternative zur Plastiktüte ist übrigens nicht die Papiertüte, die zwar leichter zu entsorgen ist, deren Herstellung aber die Umwelt mehr belastet als die der Plastiktüte. Deshalb benutzen Oma und ich schon lange Stofftaschen bzw. den guten alten, für einige vielleicht sogar altmodischen Einkaufskorb.

Alternative zur Plastiktüte: Der gute alte Einkaufskorb.

Zum Verzweifeln

Eigentlich wollte ich zum Thema Corona ja nichts mehr zum Besten geben. Aber das, was ich in den letzten Tagen und Wochen so wahrgenommen habe, hat mich dann doch umgestimmt. Damit keine Missverständnisse entstehen, will ich gleich vorwegschicken: Auch mich nervt dieses Virus gewaltig. Selbst ohne infiziert zu sein, macht einen das Ding krank. Das rechtfertigt allerdings nicht, was sich einige aktuell leisten und dabei völlig verantwortungslos u.a. mit der Gesundheit anderer Menschen spielen. Dabei sind es vor allem zwei Gruppen, die besonders herausstechen: Junge, die feiern, als wenn es kein morgen gäbe, und Alte, denen offensichtlich egal ist, woran sie sterben. Da wird kein Abstand gehalten, keine Maske getragen und all das getan, was man in einer Pandemie tunlichst unterlassen sollte. Wenn es nur diese Jungen und diese Alten betreffen würde, könnte man sagen: Sei’s drum. Aber leider gefährden sie nicht nur sich, sondern auch andere, die entweder krank werden und/oder unter den Folgen der Infektionsschutzmaßnahmen leiden. Was soll ich sagen? Manchmal verzweifele ich an Gott und der Welt. Dabei könnte es so einfach sein, wenn die Menschen ihren Verstand einsetzen würden. Aber offenbar scheint das bei einigen zu viel verlangt zu sein.

Jesus. Eine Weltgeschichte (IV)

Es ist vollbracht! Dabei haben sich die 1.004 Seiten des Buches Jesus. Eine Weltgeschichte. wie von selbst gelesen und sind im Fluge vergangenen. Und das, obwohl der Bogen, den Markus Spieker gespannt hat, gewaltig ist: Von der Steinzeit bis in diese Tage. Der wichtigste Teil des Buches ist wohl der dritte, der mit der Auferstehung des Gekreuzigten beginnt und dort endet, was der Autor wie folgt beschreibt: “Die Glaubensgemeinschaft, die sich auf ihn gründet, ist die Größte der Welt und die einzige Weltreligion, die diesem Namen voll gerecht wird: Ihre Anhängerschaft verteilt sich auf alle geografischen und sozialen Milieus. Die Kirche des 21. Jahrhunderts ist wieder das, was sie schon in den ersten Jahrhunderten war: ein globales Phänomen.” Dabei sei das Christentum die Religion, “die es eigentlich gar nicht geben dürfte. Nach der Kreuzigung war nicht nur Jesus klinisch tot, sondern auch die von ihm ins Leben gerufene Bewegung. Doch der Totgesagte lebte wieder. Und die von ihm gestartete Bewegung wurde erst jetzt so richtig lanciert. Jesus kam wieder, um zu bleiben. Am Anfang der neuen Zeit steht die Auferstehung.” In den über 400 Seiten, die dazwischen liegen, hat Spieker die Entstehungsgeschichte des Christentum akribisch aufgearbeitet und bis in letzte Winkel ausgeleuchtet, mit allen Höhen und Tiefen. Hier näher darauf einzugehen, würde angesichts der Vielzahl an Details jeden Rahmen sprengen. Man muss es einfach selber lesen. Besonders bemerkenswert ist u.a., dass Spieker, der in einem evangelischen Pfarrhaus aufwuchs, sich – anders als manch Anderer – so lobend über die letzten drei Päpste äußert und mit Blick auf deren Berücksichtigung der Mahnungen von Bernhard von Clairvaux vor zu viel Ehrgeiz schrieb: “Dies gilt nicht zuletzt für die drei Männer, die in letzter Zeit der katholischen Kirche vorstanden: Johannes Paul II., Benedikt XVI., den Autor der bahnbrechenden ‘Jesus von Nazareth’-Biografie, und Franziskus.” Was soll ich sagen? Nachdem auf das Alpha und das Omega, den Anfang und das Ende bereits hingewiesen wurde, soll an dieser Stelle nicht Jesus das letzte Wort haben, sondern das letzte Wort sein: “Das Beste am Himmel sind nicht irgendwelche paradiesischen Genüsse. Am Ende der Geschichte …
… wartet eine Person.
Willkommen zuhause.
Bei Jesus.”

PS: Ein Dank an dieser Stelle an Birgit Kelle, die mich bei Facebook auf dieses Buch aufmerksam gemacht hat.

Markus Spieker, Jesus. Eine Weltgeschichte.
Fontis-Verlag, Basel, 11. September 2020, 1.004 Seite, 30,00 Euro, ISBN 978-3-03848-1881

Jesus. Eine Weltgeschichte (III)

Auch der zweite Teil von Jesus. Eine Weltgeschichte. hält, was Intro und erster Teil bereits versprochen haben: Dieses Buch ist nicht nur eine unterhaltsame wie lehrreiche Lektüre, die begeistert wie begeisternd das in der Tat nur kurze, drei Jahre dauernde Wirken von Jesus beschreibt. Es umgibt vielmehr „die faszinierendste Figur der Welt“ mit einem, zugegebenermaßen sehr dicken Rahmen und bettet sie ein in die Zeitumstände und schließlich in die Weltgeschichte. Dabei lässt sich der Autor Markus Spieker nicht davon irritieren, dass Jesus „immer wieder für Verwirrung“ sorgt. „Damals wie heute.“ Denn für ihn ist klar: „Ein Gott, der sich ausrechnen lässt, ist keiner.“ Dabei bleibt Spieker seiner literarischen Linie treu und bei einer Sprache, die jeder versteht: „Pünktlich zur Morgenstunde kräht der Hahn. Und Petrus, der stolze Gockel und selbstbewusste Hahnenkämpfer, schrumpft zum Hühnchen. Wie oft hat er sich in eine Gorilla-Pose geworfen, hat im Brustton der Überzeugung die kühnsten Versprechungen gemacht. Jetzt hat er seinen geliebten Meister dreimal verraten.“ Blumiger und lebhafter kann man diese Geschichte nicht erzählen, auch wenn nach Ansicht von Spieker Jesus „die Anerkennung als größter Erzähler aller Zeiten“ gebührt und „die Jesus-Kurzgeschichten ein Opus magnum für sich“ sind. Ein gutes Beispiel für die Leichtigkeit, mit der Spieker selbst komplexeste Sachverhalte erklärt, ist auch die Beschreibung der Agape-Ökonomie, wonach Geben lukrativer ist als Nehmen. Da beantwortet sich die Frage, nach welchen Gesetzmäßigkeiten das Reich Gottes funktioniert, fast von ganz alleine. Was soll ich sagen? Wenn ich es in einem Satz zusammenfassen müsste: Nicht nur diejenigen, die auf der Suche nach Jesus sind, werden in diesem Buche fündig.

PS: Das Buch ist heute erschienen.

Markus Spieker, Jesus. Eine Weltgeschichte.
Fontis-Verlag, Basel, 11. September 2020, 1.004 Seite, 30,00 Euro, ISBN 978-3-03848-1881

Jesus. Eine Weltgeschichte (II)

Der erste Teil von Jesus. Eine Weltgeschichte beginnt behutsam, um dann gleich den ersten Kracher zu zünden: „Wir tasten uns langsam an Jesus heran. Und gehen dafür weit zurück“, schreibt Markus Spieker. „Ganz weit zurück.“ Und jetzt kommt es. Man fühlt sich plötzlich in die Welt von George Lucas hineinkatapultiert: „Vor langer, langer Zeit in einer weit entfernten Galaxie“, beginnt die Rückschau, die nicht zufällig die Assoziation zu Star Wars weckt. Vielmehr will Spieker, das wird auch in seiner lebendigen und jungen Sprache deutlich, nicht nur eine begrenzte Elite von Theologen ansprechen, sondern „die spannendste Persönlichkeit aller Zeit“, wie er Jesus schon in seinem Intro beschrieben hatte, einem breiten Publikum nahe bringen und ans Herz legen. Dabei ist die leicht veränderte Wortwahl sicherlich bewusst gewählt. So heißt es nicht wie im Vorspann der Lucas-Filme „vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis“, sondern eben „vor langer, langer Zeit in einer weit entfernten Galaxie“. Das kann man getrost als ersten kleinen Hinweis auf die göttliche Ewigkeit interpretieren, zumal bei dem Ereignis, um das es da geht, Leben spendender Sternenstaub entsteht, „der danach durchs Universum regnet.“ Ich will das jetzt mal so stehen lassen. Denn beim Lesen dieses monumentalen Werkes merkt man immer wieder, wie begeistert der Autor vom Glauben an Jesus ist. Und so begeistert er auch seine Leser, mit denen er nun im Schweinsgalopp durch die Jahrhunderte fegt. Kaum einer oder etwas wird ausgelassen: Gilgamesh, Agamemnon, Echnaton, Buddha, Konfuzius, Zarathustra, Thales, Diagoras,  Alexander, Gyges, Sokrates, Platon, Aristoteles, Cicero, Hesekiel, Mose, Josua, David, Jona und Rut, die Pax Romana, Brot und Spiele – es ließe sich noch vieles aufzählen, was einen an die eigene Schulzeit erinnert, in der der eine oder andere im Griechisch- oder Lateinunterricht mit eben diesen Protagonisten oder Erscheinungen konfrontiert wurde. Während es dabei in letzter Konsequenz eher um Schulnoten ging, geht es Spieker um die „Suche nach dem verborgenen Gott“, den „Meisterplan“, die „Welt am Nullpunkt“ und insbesondere darum: „Das Licht geht auf“. Wer nun glaubt, sich bei der Lektüre in einem trockenen Priesterseminar wiederzufinden, irrt. Nein, es findet sich vieles, bei dem man denkt: Wow. Das hat einer im 2. Jahrhundert vor Christus zu Papier gebracht, obwohl es doch so nach heute klingt wie z.B. das welthistorische Gesetz des Schriftstellers Polybios. Der „erkannte“, schreibt Spieker, „dass Demokratien mit der Zeit zur Pöbel-Herrschaft degenerieren und Aristokratien in Tyrannei ausarten, dass irgendwann Anarchie, Umsturz und Neuanfang folgen, bevor der unselige Kreislauf von vorne beginnt.“ Irgendwie kommt einem das bekannt vor, auch aus jüngerer Zeit. Allerdings findet sich auch, zumindest für mich, Unbekanntes: „Vieles spricht dafür, dass die Ankündigung der Geburt Jesu und seine Geburt in die Jahre sechs und fünf vor Christi Geburt fallen“, beschreibt Spieker ein Paradoxon, für das der römische Mönch Dionysius Exitus verantwortlich zeichnet. Was soll ich sagen? Das klingt zunächst wirklich so absurd, dass man es wirklich selber lesen muss, was ja ab dem 11. September möglich ist, wenn das Buch erscheint. Bis dahin lese ich schon einmal weiter, wobei ich jetzt schon gestehen muss: So viel Spaß hat mir schon lange kein Sachbuch mehr bereitet. Dazu tragen vor allem diese Sätze bei, bei denen man das Gefühl hat, sie gehören in Stein gemeißelt: “Alles kann nur der, der auch auf alles verzichten kann.”

PS: Wussten Sie, dass sich aus dem Namen der Frau des Arminius, Thusnelda, “ganz nebenbei der umgangssprachliche Begriff ‘Tussi’ ableitet”?

Markus Spieker, Jesus. Eine Weltgeschichte.
Fontis-Verlag, Basel, 11. September 2020, 1.004 Seite, 30,00 Euro, ISBN 978-3-03848-1881

Jesus. Eine Weltgeschichte.

Einmal ist immer das erste Mal. Und so will ich heute einen Versuch wagen und etwas tun, das ich so noch nicht getan habe und von dem ich noch nie gehört habe, dass es jemand so getan hat. Ich werde ein Buch besprechen und das nicht, nachdem ich es gelesen habe, sondern während ich es lese. Dabei ist die Rezension dieses Buches an sich schon Herausforderung genug: Jesus. Eine Weltgeschichte. heißt das Werk von Markus Spieker, der auf 1.004 Seiten versucht hat, “alle relevanten Informationen über Jesus, seine Vorgeschichte und sein Weiterleben, zu sammeln, sie durch die Brille des Glaubens zu betrachten, sie nach bestem Wissen zu gewichten und ihnen eine schlüssige Erzählstruktur zu geben.” Dabei macht der promovierte Historiker, Journalist und Autor aus seiner Befangenheit keinen Heel. Vielmehr betont er noch, dass es bei der Beschäftigung mit Jesus “nun mal keinen neutralen Boden” geben könne. “Bei anderen übrigens auch nicht”, fügt er hinzu: “Unser Standpunkt bestimmt die Perspektive.” Man weiß also, woran man ist. Auf die Idee gekommen, die Buchbesprechung parallel zum Lesen vorzunehmen, bin ich durch die von Spieker beschriebene Gliederung, die wie folgt aussieht: “Im ersten Teil geht es um die universelle Vorgeschichte bis zur Geburt Jesu. … Der zweite Teil hat das öffentliche Wirken von Jesus zum Inhalt. … Im dritten Teil berichte ich von der Auferstehung und vom Aufgehen der himmlischen Saat, von der zweitausendjährigen Geschichte der Jesus-Bewegung, den ‘Greatest Hits’ der Christenheit, aber auch vom äußeren Widerstand und den inneren Konflikten.” Was soll ich sagen? Der Beginn des Buches ist schon sehr verheißungsvoll. Das Intro ist mit Alpha überschrieben und liest sich locker flockig dahin, ohne banal und beliebig zu wirken – der Journalist Spieker lässt grüßen. Er selbst verrortet sich “in der Tradition geistlicher Erneuerungsbewegungen, wie es sie seit der Spätantike in den unterschiedlichsten konfessionellen Kontexten gab, die aber dasselbe Ziel verfolgten: zurück zur ersten Liebe, zurück zu Jesus.” Sieben Jahre hat der Sohn eines evangelischen Pfarrers an dieser Jesus-Biografie gearbeitet und war dabei erstaunt, wie er schreibt, “wie viele mir bis dato völlig unbekannte Informationen ich gefunden habe.” Wir dürfen also gespannt sein. Mit dieser Rezension geht es hier weiter, wenn ich den ersten Teil, der mit “Schöpfer” betitelt ist, gelesen habe. Ich will jetzt noch nicht zu viel verraten und preisgeben. Nur eines: Der Schluss wird göttlich, heißt das Outro doch Omega. Jedenfalls schließt sich der Kreis – ganz im Duktus der Offenbarung des Johannes: „Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.“

PS: Das Buch erscheint am 11. September 2020, kann aber schon bestellt werden.

Markus Spieker, Jesus. Eine Weltgeschichte.
Fontis-Verlag, Basel, 11. September 2020, 1.004 Seite, 30,00 Euro, ISBN 978-3-03848-1881

Literarischer Seitensprung

Opa ist heute fremdgegangen. Aber keine Angst: Oma war mit dem Seitensprung einverstanden. Denn es handelt sich sozusagen um einen literarischen Seitensprung, der auf dem Blog Ohfamoos gelandet ist. Dort habe ich mal meine gegenwärtigen Gedanken zur aktuellen Corona-Pandemie zusammengefasst und beschrieben, wie bzw. von wem wir lernen können, mit dem Virus zu leben. Mehr will ich hier nicht verraten. Wen es interessiert, muss sich schon auf den digitalen Weg machen und hinterherspringen. Was soll ich sagen? Ich weiß jetzt gar nicht, wieso mir bei diesem Sidestep Heinz Erhardt, Gott hab’ ihn selig, in den Sinn kommt. Aber seine Reimkunst hatte schon was: Das Reh springt hoch, das Reh springt weit, warum auch nicht, es hat ja Zeit.

Früh übt sich …

Der japanische Starkoch Nobu Matsuhisa hat einmal gesagt: „Ich koche sehr einfach und benutze eigentlich keine Maschinen. Ein Messer, ein Schneidebrett, eine Pfanne und ein Sieb gehören zu meiner Grundausstattung.“ Das ist bei mir ähnlich. Ein Utensil allerdings fehlt in der Aufzählung des Koches, ein wichtiges dazu: Ein Herd. Also, ich liebe meine Induktionsplatten, die ich für kein Geld der Welt hergeben würde. Dabei habe ich seinerzeit als kleiner Bub auch ganz klein angefangen, mit einem Puppen- bzw. Kinderherd und Esbitblöckchen in der Küche meiner Mutter. Da wurden dann Kartoffeln und Gemüse gekocht, Fleisch gebraten – eben eine komplettes Essen erstellt. Einen Miniherd der ganz besonderen Art habe ich jüngst bei einer Freundin entdeckt, die damit ihre ersten Kochversuche als Kind unternommen hat. Und dieser Herd wird sogar mit Strom betrieben und sieht – trotz seines Alters -, fast wie neu aus. Was soll ich sagen? Es bewahrheitet sich einmal mehr: Früh übt sich, was ein Meister werden will. Und offensichtlich sind solche „Kindersachen“ eine gute Grundlage, gute Köche hervorzubringen. Meine Freundin jedenfalls kann es mit den Großen der Zunft locker aufnehmen, denn sie kocht einfach göttlich.

Ein Miniherd der ganz besonderen Art