Überflüssig wie ein Kropf

Heute ist in Berlin Feiertag: Frauentag. Was ich davon halte, habe ich hier ja schon geschrieben. Nun soll Oma zu Wort kommen: Sie hält vom Frauen-Feiertag ebensowenig wie ich und ihn so überflüssig wie einen Kropf. Recht hat sie. Bei uns zu Hause ist ohnehin das ganze Jahr Frauentag. Schon unsere Enkel wissen: Oma ist die Allerbeste. Auch unsere Kinder sind sich sicher. Mama ist die Beste. Und nicht zuletzt ich kann mit Gewissheit sagen: Ohne unsere Gute geht gar nichts. Was soll ich sagen? Wenn ein Zitat auf Oma zutrifft, dann ist es das Zitat von Katharine Hepburn: Frauen von heute warten nicht auf das Wunderbare – sie inszinieren ihre Wunder selbst.

Wasser predigen, Wein saufen

Heute morgen habe ich schlucken müssen. „Verkehrssenatorin: Berliner sollten ihr Auto abschaffen“, lautete die Überschrift auf der Titelseite unserer Zeitung. Wörtlich hatte die seit 2016 amtierende Senatorin gesagt: „Wir möchten, dass die Menschen ihr Auto abschaffen.“ Stattdessen sollten Pkw-Fahrer künftig mit öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Fahrrad oder in gemeinsam genutzten Fahrzeugen von Sharing-Anbietern ihre Alltagswege zurücklegen. „Je weniger Autos auf der Straße, desto mehr Platz für jene, die wirklich auf das Auto angewiesen sind“, so Regine Günther, die zwar parteilos ist, aber für die Grünen im Senat sitzt. Warum ich so schlucken musste? Na ja, Oma und ich wollten uns gerade auf den Weg zur Humboldthain-Grundschule in Berlin-Wedding aufmachen, um dort im Rahmen von KINDER | KOCHEN einer sechsten Klasse einen Kochkurs zu geben. Die notwendigen Utensilien wie zum Beispiel die Lebensmittel für rund 25 Personen, ein paar Töpfe und ein Beamer waren in drei nicht gerade leichten Kisten sowie zwei mittelgroßen Tragetaschen verstaut. Natürlich haben wir den rund 20 Kilometer langen Weg mit dem Auto zurückgelegt, was nicht möglich gewesen wäre, wenn wir kein Auto mehr gehabt hätten. Unabhängig davon, ob wir derart bepackt überhaupt mit den Öffentlichen hätten fahren können, wir wären ja noch nicht einmal zur nächsten Haltestelle gekommen. Nun ist es sicherlich richtig, dass man nicht jeden Weg mit Auto machen muss. Nur hat man, wenn man das Auto einmal abgeschafft hat, noch nicht einmal mehr die Entscheidungsmöglichkeit. Unsere gemeinnützige Tätigkeit jedenfalls müssten wir einstellen. Denn jedes Mal neben den Kosten für Lebensmittel und sonstigem Kleinkram auch noch die nicht gerade günstigen Taxigebühren hinzublättern, würde uns schon etwas schwerfallen, und unseren anderen Kochpaten vermutlich ebenso. Jedenfalls gibt es bei uns keine Car-Sharing-Angebote und Lastenfahrräder, wenn die denn überhaupt gereicht hätten, haben wir auch nicht. Was soll ich sagen? Auch meine beiden Töchter wären vermutlich ziemlich überfordert bei ihren Bemühungen, Beruf und Familie inklusive Kindertransporte unter einen Hut zu bringen. Aber man lässt sich ja gerne eines Besseren belehren. Insofern hätte ich da einen Vorschlag: Nachdem die Senatorin einen Dienstwagen hat, könnte sie ja mit gutem Beispiel vorangehen und zeigen, wie leicht sie alle ihre Termine mit Fahrrad oder ÖPNV in dieser Stadt hinbekommt. Und auch die anderen beiden grünen Senatoren könnten das tun. Aber soweit reicht die Liebe zur Umwelt vermutlich dann doch nicht. Es ist halt immer leicht, Wasser zu predigen und Wein zu saufen. Denn mal Prost …

KINDER | KOCHEN, wie heute in der Humboldthain-Grundschule, würde es ohne Auto künftig nicht mehr geben.

Wenn auch schwach, er schlägt

Er schlägt, wenn auch noch schwach, aber immerhin: Er schlägt. Die Rede ist vom Pulse of Europe, deren Initiatoren am heutigen Sonntag zum zweiten Mal in diesem Jahr in Berlin auf den Gendarmenmarkt gerufen haben. Mehrere Hundert Menschen sind dem Aufruf gefolgt und haben für Europa demonstriert, darunter auch Oma und ich, so, wie wir das schon 2017 getan haben. Unter den Europa-Demonstranten hat Oma übrigens noch eine kleine Gruppe ausfindig gemacht, die neben Europa noch ein ganz besonderes Anliegen hat: Omas gegen rechts. Auch dieses Anliegen unterstützen Oma und ich als grundliberale Menschen natürlich, würden dann aber, wenn es schon gegen etwas geht, auch gegen links sein wollen – wobei rechts und links für uns rerchtsextrem und linksextrem bedeutet. Was soll ich sagen? Wenn man sich die Demonstranten so angesehen hat, musste man leider feststellen, dass das Durchschnittsalter doch recht hoch war. Insofern ist es höchste Zeit, dass sich Europa auch bei den Jüngeren in Erinnerung bringt und ihnen klar macht, dass der Frieden und die Freiheit, die wir seit 1945 genießen, keine Selbstverständlichkeit sind. Wie brüchig auch die Europäische Union ist, zeigen die Entwicklungen in Großbritannien auf der einen Seite sowie Polen und Ungarn auf der anderen Seite. Wenn unsere Kinder und Enkel in Zukunft weiter sicher und in Wohlstand leben wollen, müssen auch sie etwas dafür tun. Jedenfalls sollte bis zum 26. Mai, wenn die Europawahlen in Deutschland stattfinden, die Begeisterung für Europa etwas ausgeprägter sein. Ansonsten könnte es am Morgen danach ein böses Erwachen geben.

Der Pulse of Europe schlägt wieder auf den Stufen des Schauspielhauses in Berlin.

Lasst die Kinder nur machen

Das ging runter wie Öl. „Du bist ein cooler Typ“, schrieb einer der Jungs, die in den letzten beiden Tagen in den Genuss eines Kochkurses von KINDER | KOCHEN an einer Berliner Schule in Spandau gekommen waren. Ein anderer meinte, wenn ich sein Vater wäre, würde er niemals ausziehen und vermutlich einen dicken Bauch wegen des guten Essen bekommen. Mehr Dank kann man eigentlich nicht bekommen, und das auch noch bei einem Essen, das u.a. mit Ratatouille doch einen relativ hohen Gemüseanteil aufweist. Was soll ich sagen? Es geschehen also doch noch Zeichen und Wunder. Man muss die Kinder nur machen lassen. Wenn sie selber kochen, schmeckt ihnen im Grunde alles.

Trotz hohen Gemüseanteils bei Kindern sehr beliebt: Ratatouille bei KINDER | KOCHEN.

Mädchen und Jungs sind anders

Als Vater von zwei Töchtern und Großvater von zwei Enkelsöhnen glaube ich, nein, bin ich mir sicher, dass ich qua (Aufgaben-)Stellung eine gewisse Kompetenz besitze und beurteilen kann, ob es einen Unterschied zwischen Mädchen und Jungen gibt und wenn ja, wie dieser aussieht. Dies nur mal so vorweg. Warum ich dieses Thema aufgreife, liegt an Hatice Akyün, einer neuen Kolumnistin des Tagesspiegel. Darin hat sie sich heute zu Wort gemeldet und an die Erwachsenen appelliert, “unseren Töchtern und Söhnen keine geschlechterspezifischen Rollen beizubringen”. Gleichzeitig gestand sie, als Mutter mit allen Mitteln zu versuchen, die tradierten Rollenbilder in der Erziehung aufzubrechen. Ich weiß ja nicht, wie die 12-jährige Tochter der Journalistin so drauf ist, aber ich habe noch gut in Erinnerung, wie meine Töchter sich – und übrigens auch deren Freundinnen – gegeben haben. Mit einem Augenaufschlag, den eben nur Mädchen drauf haben, wurde aber jeder in die Knie gezwungen, der sich ihren Wünschen in den Weg gestellt hat. Charme war da die alte und neue Stärke – von wegen “Stark ist das neue hübsch”. Unsere Enkelsöhne konnten zwar auch ziemlich überzeugend sein, allerdings mit einem Charme, der eben etwas robuster, um nicht zu sagen rustikaler, ausgestaltet war. Was soll ich sagen? Mädchen und Jungs sind anders, und das hat etwas mit ihrem Geschlecht zu tun. Das zu ignorieren, halte ich für den größten Fehler unserer Zeit – unabhängig von der Erkenntnis, dass das starke Geschlecht mitnichten die Männer, sondern schon immer die Frauen sind. Jedenfalls würde jeder, der Oma oder unsere beiden Töchter kennt, nichts anders behaupten. Und wenn Akyün zum Schluss schreibt, dass es auch in Ordnung sei, wenn Mädchen das rosa Kleid tragen wollen, dann kann ich nur fragen: Kennt jemand ein Mädchen, dass irgendetwas anderes tragen würde, als das, was sie unbedingt will? Sehen Sie, so ist die Welt, auch wenn manche Frauen das nicht wahrhaben wollen.

Auf die nächsten sechs Jahre

Sechs Jahre gibt es Opas Blog jetzt schon. Und es wird kein bisschen langweilig. Sowohl die kleine (Familien-)Welt als auch die große (Außen-)Welt bieten ständig genug Stoff, über den es sich lohnt, sich so seine Gedanken zu machen – Gedanken eines Großvaters eben. Während die kleine Welt eher mehr Dinge zum Lachen hervorbringt, generiert die große allzu oft Geschichten, die eher zum Weinen sind. Insofern will ich heute denn zum Geburtstag lieber in die Fundgrube der Familie greifen, genauer gesagt, in die der Enkelkinder. Frage an einen meiner Enkel: Was macht sieben mal sieben? Antwort: Feinen Sand. Nachfrage: Und sechs mal sechs? Antwort: Sechs Kinder. Was soll ich sagen? Rechnen lernen mit Opas Blog. In diesem Sinne: Auf die nächsten sechs Jahre.

Sonne im Herzen, Frühling in der Wohnung: Alles gute zum Geburtstag.

Revolution frisst eigene Kinder

Harald Martenstein hat sich heute im „Tagesspiegel“ mit der Forderung der Juristin Susann Bräcklein auseinandergesetzt, Mädchen sollten endlich in Knabenchören mitsingen dürfen. Das hat er in der ihm eigenen Art getan, so dass man genau weiß, was er davon hält: Nichts! Für einen Vater zweier Töchter und Großvater zweier Enkelsöhne ein spannendes Thema, zu dem ich eine feste Meinung habe: Auch ich halte die Forderung für ziemlich daneben, möchte aber noch ein paar andere Argumente ins Feld führen, da die Dame Verfassungsrechtlerin ist. Nun ist es ja nicht so, dass Mädchen grundsätzlich nicht in Chören singen dürfen. Möglichkeiten gäbe es sicher genug, nur eben nicht in Knabenchören. Da ergeht es den Mädchen wie Männern, die nicht Mitglied werden dürfen in Organisationen wie Zonta, Inner Wheel oder einer anderen Frauenorganisation. Selbst im Deutschen Juristinnenbund haben es Männer schwer, Fuß zu fassen. Mitglied jedenfalls können sie nicht werden, wobei ich zugeben muss: Es sähe schon komisch aus, wenn ein Mann dort plötzlich Präsidentin wäre. Allerdings gibt es seit Mai 2017 da ein kleines Problem. Damals nämlich hat der Bundesfinanzhof laut der Juristin Bräcklein entschieden, dass traditionell männlichen Vereinen steuerliche Vergünstigungen versagt sind, wenn sie Frauen grundsätzlich ausschließen. Im Sinne von Antidiskriminierung und Gleichstellung gilt das hoffentlich auch andersherum. Dann allerdings gehörte die Gemeinnützigkeit des Deutschen Juristinnenbundes oder sonst einer gemeinnützigen Frauenorganisation ziemlich schnell der Vergangenheit an, was sicher nicht im Sinne der Erfinderin läge. Was soll ich sagen? Bei der französischen Revolution war es ähnlich, die hat irgendwann auch ihre eigenen Kinder gefressen.

Kochen nach Bildern

Darauf muss man erst einmal kommen: Ein Kochbuch, das darauf verzichtet, Zutaten und Zubereitung zu beschreiben, sondern die Rezepte in Bildern aufarbeitet. Figlmüllers „Wiener Küche – Kochen nach Bildern“ tut das in beeindruckender Weise. Das Buch war mir seinerzeit beim Besuch des Familienbetriebs aufgefallen und hat alle Erwartungen übertroffen. Besser kann man dieses Konzept vermutlich nicht umsetzten. Da ist kein einziges Rezept, bei dem sich die Anleitung nicht sofort erschließt. Das liegt nicht zuletzt

an der Stringenz auch in der Fotografie von Stefan H. Mörtl, die die Zutaten und Kochschritte entsprechend in Szene setzt. Selbst ausgesprochene Kochmuffel dürften sich hier angesprochen fühlen und sofort loslegen wollen. Was soll ich sagen? Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, heißt es. Seltener hat eine Aussage so zugetroffen wie bei diesem Kochbuch. Insofern habe ich lange überlegt, ob ich die nachfolgende Anregung überhaupt geben sollte. Aber das Bessere ist halt der Feind des Guten: Vielleicht schafft es das Team um die Figlmüllers ja, auch noch das zweiseitige Glossar in die Bildsprache zu übersetzen. Die 6. Auflage schreit förmlich danach. Und dann ist dieses Kochbuch wirklich perfekt.

Hans jun. und Thomas Figlmüller, Wiener Küche – Koch nach Bildern echomedia, Wien, 2017, 5. Auflage, 232 Seiten, 24,90 Euro, ISBN 978-3-902900-03-6

Liebeserklärung an Oma und Opa

Der Wiedererkennungswert ist ziemlich hoch. Jedenfalls beschreibt und illustriert Katharina Grossmann-Hensel in „OMAOPA find ich gut“ das Miteinander von Großeltern und Enkel genau so, wie es in den meisten Fällen wohl ist. Der Satz „Aber eins muss ich schon sagen, meine Oma ist sehr gelenkig“ hätte auch von einem unserer Enkel stammen können. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass die Autorin Oma und mich beschrieben hat. Was soll ich sagen? Im Grunde ist dieses Bilderbuch eine einzige Liebeserklärung an die Großelterngeneration, die wiederum ihre Enkel liebt. Dabei kommt es als Wimmelbuch der besonderen Art daher, das sicherlich auch schon für kleinere Kinder unter vier Jahren geeignet ist. Und Langeweile dürfte bei ihnen nicht aufkommen. Denn bis sie alle Dinge, die auf den Seiten zwei und drei abgebildet sind, auf den dann folgenden Seiten gefunden haben, sind sie gut beschäftigt. Das Buch ist, wenn man so will, wie ein Besuch bei Omaopa: Der ist niemals langweilig!

Katharina Grossmann-Hensel, OMAOPA find ich gut Annette Betz in der Ueberreuter Verlag, Berlin, 2019, 32 Seiten, 14,95 Euro, ISBN: 978-3-219-11787-5

Tempi passati!? Wohl eher nicht

Unser jüngster Enkel ist tief in die Vergangenheit eingetaucht, die bis weit in die Zeit vor seiner Existenz reicht. Jedenfalls war er ganz erstaunt, was man alles mit so einer alten Schreibmaschine noch machen kann, die er bei uns in irgendeiner Ecke entdeckt hatte: Eine Olivetti Lettern 22, ein Modell längst vergangener Tage. Doch die analoge Welt scheint auch die Digital Natives noch zu faszinieren. Auf jeden Fall müssen wir jetzt unbedingt erst einmal ein neues Farbband besorgen. Weiß der liebe Herrgott, wo es so etwas noch gibt. Wie auch immer: Selbst bei Oma und Opa kamen ziemlich nostalgische Gefühle auf, war es doch ein ähnliches Exemplar, auf der Oma 1979 Opas Examenshausarbeit getippt hat. Soviel ich mich erinnere, war das sogar schon eine elektrische. Was soll ich sagen? Tempi passati!? Wohl eher nicht. Seit den Enthüllungen über neugierige Geheimdienste erlebt die erstmals in einem Henry Mill 1714 erteilten Patent beschriebene Maschine eine unerwartete Renaissance. Weltweit steigt die Nachfrage nach den Geräten, die eben ziemlich abhörsicher sind. Das freut den laut FAZ letzten großen Hersteller von Schreibmaschinen in der Welt, die Tokioter Nakajima All Co. Ltd. Und unseren Enkeln können wir erklären, dass wir mit dem alten Klapperkasten ganz schön modern sind und voll im Trend liegen. Von wegen Tempi passati!