Opa und die Katze auf dem Dach

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Was früher – also zu den Spielzeiten meiner Kinder – noch Frisbee, Carrera-Bahn und He-Man waren, sollen heute – zumindest, wenn es nach dem Spielzeug-Hersteller geht – Aerobie, Air Hogs und Bakugan sein. Obwohl ich bislang davon ausgegangen war, zumindest so einigermaßen auf der Höhe der Zeit zu sein, hatte ich bislang von diesen Namen noch nichts gehört. Und auch bis zu meinen beiden Enkeln, acht und neun Jahre alt, war, wie eine Blitzumfrage jetzt ergab, dieses Freizeit-Equipment noch nicht durchgedrungen. Dabei soll der Wurfring Aerobie Pro bereits 406 Meter weit geworfen worden sein, was ich, mangels Versuch, noch nicht bestätigen kann. Der Air Hogs Zero Gravity Laser Racer aber fährt tatsächlich an Wand und Decke. Und, wenn ich das richtig verstanden habe, kann man mit den Bakugan spielend nichts Geringeres als unsere Welt retten – wenn man denn genügend Charaktere sammelt. Es bleibt also viel zu tun, habe ich mir auf dem Heimeg gedacht. Als ich aber bei meinem Auto ankam, harrte erst einmal ein anderes Problem seiner Lösung. Denn eine Katze hatte es sich auf dem in diesen Tagen gut temperierten Cabrio-Dach bequem gemacht, ohne sich von mir auch nur im Geringsten stören zu lassen. Erst als ich das ganze Spielzeug auf der Motorhaube platziert hatte, um die Hände frei zu bekommen, wurde das Tier neugierig und bequemte sich herab, um die diversen Verpackungen etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Was soll ich sagen? Die Katze war offensichtlich schwer beeindruckt. Denn es bedurfte noch einer gehörigen Portion Überredungskunst, sie oder ihn dazu zu bewegen, den Weg freizumachen. So bleibt nur noch abzuwarten, wie unsere beiden Jungs reagieren, wenn sie sich mit den Sachen beschäftigen. Vielleicht kommen sie ja auf ein ähnliches Ergebnis wie die Katze auf dem heißen (Blech-)Dach und urteilen: Tierisch gut. Dittsche würde jetzt vielsagend zum Besten geben: Man weiß es nicht.

Schwer beeindruckt von den diversen Spielsachen zeigte sich diese Katze auf Opas Auto.

FaceApp: Uns gibt’s schon in alt

Es gibt aktuell ein Smartphone-Programm, das besonders beliebt ist. FaceApp heißt die Anwendung, mit der man u.a. sehen kann, wie man im Alter aussieht. Offensichtlich interessiert das gerade vor allem jüngere Menschen, die ihre Konterfeis mit Falten millionenfach in den sozialen Netzwerken posten. Nun scheint die Sache einen Haken zu haben. Jedenfalls gibt es mittlerweile weltweit Sicherheitsbedenken wegen des Umgangs mit den persönlichen Daten. Entwickelt hat das Programm die russische Firma Wireless Lab, die in St. Petersburg ansässig ist. Diese Firma nun lässt sich von den Nutzern uneingeschränkten und unwiderruflichen Zugriff auf die persönlichen Fotos und Daten gewähren, die automatisch an einen Server geschickt werden. Was damit später einmal geschieht, steht in den Sternen. Zumindest ist nicht ausgeschlossen, dass die Bilder künftig öffentlich und privat ohne die Zustimmung der Nutzer gebraucht würden. Was soll ich sagen? Oma und ich brauchen das Programm nicht, sondern nur einen Spiegel, um zu sehen, wie wir in alt aussehen.

Opa und Oma gibt’s schon in alt – auch ohne FaceApp.

Lichterfelder West-Wand

Die meisten Menschen werden denken: Berlin und Berge haben nichts miteinander zu tun. Doch weit gefehlt. Es gibt beispielsweise den Kreuzberg und den Teufelsberg. Auf letzterem hat sogar einmal ein FIS-Skirennen stattgefunden. Es ging um Weltcup-Punkte im Parallel-Slalom. Am 28. Dezember 1986 waren zahlreiche Stars, darunter DSV-Ass Markus Wasmeier aus Deutschland, Slalom-Seriensieger Ingemar Stenmark aus Schweden und Slalom-Weltcupsieger Bojan Krizaj aus Jugoslawien, am Start und – hatten das Nachsehen. Gewinner war am Ende auf der 82 Höhenmeter messenden Piste der österreichische Abfahrts-Olympiasieger von 1980, Leonhard Stock, der nach langer Verletzungspause wieder fit war und im Finale siegte. Allerdings blieb das der einzige alpine Höhepunkt an der Spree, obwohl es in Berlin einen Skiverband und eine Sektion des Deutschen Alpenvereins gibt. Beide Institutionen werden allerdings jetzt aufhorchen, nachdem sich im Südwesten der Stadt alpin Gewaltiges getan hat. In der Baseler Straße konnte sich der Hauch von Eiszeit, der dereinst drei Steine vom Himmel fallen ließ, zu einem Bergmassiv mausern, das bei Bergsteigern als Lichterfelder West-Wand berüchtigt werden dürfte. Der erste hat den Berg bereits bezwungen und ein Gipfelkreuz aufgestellt, das immer mehr Gleichgesinnte nach sich zieht. Was soll ich sagen? Bei uns im Südwesten der Stadt ist die Welt noch in Ordnung und Luis Trenker lebt. Denn wer genau hinhört: Der Berg ruft!

Pflichtlektüre für Entscheider

Wer tagtäglich Zeitung liest und die Nachrichtensendungen der Fernsehanstalten verfolgt, kommt unweigerlich zu dem Ergebnis: Die Welt ist aus den Fugen. Doch ist sie das wirklich? Oder ändert sie sich nur in einem Maße und einer Geschwindigkeit, die unsere Wahrnehmungsfähigkeit übersteigen und uns die Dinge nicht mehr richtig ein- und zuordnen lassen? Wer das neue Buch von Peter Frankopan „Die neuen Seidenstraßen“ gelesen hat, dem fällt es wie Schuppen von den Augen: Letzteres ist der Fall. Mehr noch: „Der Aufstieg dieser neuen Welt vollzieht sich vor unseren Augen, angetrieben von Machtverschiebungen, die so grundlegend sind, dass man sich kaum vorstellen kann, wie sie verlangsamt, zurückgehalten oder gar gestoppt werden können – es sei denn, durch kriegerische Konflikte, Epidemien oder Klimawandel, alles Kräfte, die in der Vergangenheit eine wichtige Rolle gespielt haben, wenn es darum ging, die Weltgeschichte zu prägen, ihr eine neue Richtung zu geben und Gegenwart wie Zukunft zu gestalten“, schreibt Frankopan, wobei er an anderer Stelle präzisiert: „Das ist keine Welt, die ganz neu geboren wird; es ist eine alte Welt, die wiedergeborene wird.“

Damit wären wir am Anfang des Buches, an dem es heißt: „Die Welt der Vergangenheit wurde durch das Geschehen entlang der Seidenstraßen geprägt. Das wird auch in Zukunft wieder so sein.“ In diesem Zusammenhang besteht für den Autor „kaum ein Zweifel daran, dass es in vielen, wenn nicht gar in den meisten Fällen China ist, das bei der Neugestaltung dieses Teils der Welt, der in der Weltgeschichte eine so bedeutende Rolle gespielt hat, als Katalysator fungiert. Es ist zwar nicht leicht, den genauen Betrag zu ermitteln, der bislang investiert oder für Investitionen bereitgestellt wurde, doch wurden auf jeden Fall etliche entscheidend wichtige Großprojekte auf den Weg gebracht.“

An erster Stelle nennt Frankopan die „Belt and Road“-Initiative, ein gewaltiges Infrastruktur-Projekt des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping. Die Dimension beschreibt er wie folgt: „Seit der Verkündung dieses Projektes im Jahr 2013 wurden fast eine Billion US-Dollar für Infrastrukturinvestitionen zugesagt, hauptsächlich in Form von Krediten für rund eintausend damit verbundene Einzelmaßnahmen. Manche glauben, dass die Summe, die in Chinas Nachbarstaaten und darüber hinaus in jene Länder fließen, die an den Land- und Seewegen des Seidenstraßen-Projektes liegen, sich letztlich auf ein Vielfaches dieser Investitionssumme belaufen werden. Ziel ist es, ein Netzwerk aus Eisenbahnstrecken, Autobahnen, Tiefseehäfen und Flughäfen zu schaffen, das immer stabilere und schnellere Handelsverbindungen ermöglicht.“ Das System der alten Seidenstraßen – einschließlich seiner Erfolge – diene dabei als „Matrix für Chinas langfristige Zukunftsperspektive.“

Die Dimension des Ganzen ist mehr als beeindruckend: „Inzwischen sind mehr als 80 Länder Teil der Initiative. Dazu gehören die zentralasiatischen Republiken, die Länder Süd- und Südostasiens, des Nahen und Mittleren Ostens, der Türkei und Osteuropas – aber auch Staaten in Afrika und in der Karibik. Mit insgesamt 4,4 Milliarden Menschen leben entlang der neuen Seidenstraßen zwischen China und dem östlichen Mittelmeerraum mehr als 63 Prozent der gesamten Weltbevölkerung, mit einem kollektiven Bruttoinlandsprodukt von 21 Billionen US-Dollar – oder 29 Prozent des globalen BIP.“

Da reibt man sich verwundert bis verängstigt die Augen, wenn man lesen muss: „Ob der Westen fähig ist, sich auf die Zukunft vorzubereiten, erscheint gegenwärtig fraglich. In Europa konzentrieren sich Energie, Ressourcen und das Augenmerk von Politikern, politischen Entscheidungsträgern und Bürokraten fast ausschließlich auf eine einzige Frage: Europa selbst. Es ist mehr als ironisch, dass diese ausgedehnte Periode introvertierter Selbstbeschäftigung in eine Zeit fällt, da überall sonst auf der Welt neue Bündnisse geschmiedet werden – ein klassischer Fall von Selbstvergessenheit: Rom brennt, und statt zu löschen, besingt man den Untergang. In den USA sieht es nicht viel besser aus.“ Demgegenüber: „China, Russland, die Türkei und der Iran sind bei alldem darauf eingestellt, dass sich die Welt verändert. Mit Verblüffung stellt man fest, wie viele Staaten in ganz Asien dies ebenfalls nicht nur verstanden haben, sondern aktiv versuchen herauszufinden, wie sie sich am besten auf die Zukunft vorbereiten können. Fast alle haben Pläne entwickelt, in denen ihre kurz- und mittelfristigen Chancen und Herausforderungen verzeichnet sind, sowie Analysen, wie man damit umgehen sollte.“

„Ein typisches Beispiel für die Art und Weise, wie das Herzstück der Welt vernetzt wird, ist“, so der Globalhistoriker, „eine Konferenz, die im November 2017 in Samarkand stattfand. Dort trafen sich hohe Beamte aus den zentralasiatischen Republiken sowie aus Afghanistan, Russland, China, der Türkei, dem Iran, Indien und Pakistan, um Möglichkeiten der Kooperation im Umgang mit Terrorismus, religiösem Extremismus, dem transnational organisierten Verbrechen und dem Drogenhandel zu erörtern. Thema der Konferenz: ‚Zentralasien: Eine Vergangenheit und eine gemeinsame Zukunft – Zusammenarbeit für eine nachhaltige Entwicklung und wechselseitigen Wohlstand‘.“

Was soll ich sagen?

Eine derart detaillierte und umfassende Analyse muss man lange suchen, wobei Frankopan weder die vielen kleinen Puzzleteile noch das Gesamtbild aus den Augen verliert. Was Autor wie Leser gleichermaßen verblüfft, „sind die unterschiedlichen Reaktionen auf den Wandel im Osten und im Westen: im einen Teil der Welt Hoffnung und Optimismus hinsichtlich dessen, was die Welt von morgen bringen wird, im anderen eine Angst, die so akut ist, dass die Länder sich im Inneren mehr und mehr spalten.“ Viel Zeit bleibt dem Westen, insbesondere Europa nicht. Entweder können wir morgen sagen: Gestern noch standen wir am Abgrund, heute sind wir einen großen Schritt vorwärts gekommen. Oder wir folgen der Erkenntnis: Wenn alles so bleiben soll, wie es ist, muss sich eine Menge ändern. Was in jedem Fall geschehen muss, ist, dass das Buch „Die neuen Seidenstraßen“ Pflichtlektüre für alle politischen und wirtschaftlichen Entscheider wird.

Peter Frankopan, Die neuen Seidenstraßen
Rowohlt, Berlin,2019, 352 Seiten, 22,00 Euro, IBAN 978-3737100014

Nachhaltiges Schlürfen

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Wie viele Einweg-Strohhalme werden jeden Tag auf der Welt wohl weggeschmissen? Man glaubt es kaum: Es sind rund 3 Milliarden, was dem Gewicht von etwa 500 Orcas entspricht. Als „gewaltigen ökologischen Fußabdruck“ bezeichnet das Unternehmen HALM aus Berlin diesen Umstand und ist das Problem auch gleich angegangen: Und zwar mit wiederverwendbaren Trinkhalmen aus extrem stabilem Glas. Dass es die Halme in verschiedenen Formen und Größen gibt, versteht sich von selbst. Auch gravierte Exemplare zu ganz speziellen Anlässen kann man bestellen. Das Angebot jedenfalls ist gewaltig. Was soll ich sagen? Das ist endlich mal ein Umweltschutz-Ansatz, der nicht nur an Symptomen herumdocktert, sondern das Problem dort angeht, wo es entsteht. Statt wieder Plastik zu produzieren und es hinterher mühsam einzusammeln, wird als Alternative wiederverwertbares Glas genommen. Wie groß das Plastikproblem auf der Welt ist, zeigt der unten eingebettete Film. Wenn man ihn gesehen hat, weiß man die Idee von HALM erst richtig zu schätzen. In diesem Sinne: Viel Spaß beim nachhaltigen Schlürfen.

Auf den Spuren meines Opas

Alles wiederholt sich nur im Leben,
Ewig jung ist nur die Phantasie;
Was sich nie und nirgends hat begeben,
Das allein veraltet nie!

So lauten die vier letzten Zeilen von Friedrich Schillers Gedicht “An die Freunde”. Ich will dem großen deutschen Dichter und Denker ja nicht widersprechen, aber nach meiner unmaßgeblichen Meinung kann man darüber durchaus streiten. Denn veraltet ist Bergwandern noch lange nicht, ganz im Gegenteil: Es ist angesagt wie schon lange nicht mehr. Jedenfalls sind unsere beiden Enkel wacker mit uns durchs Allgäu gestiefelt, so, wie es mein Großvater schon mit mir gemacht hat. Allerdings waren angesichts der Tatsache, dass sie heute schon ein paar Jährchen älter sind, als ich es seinerzeit war, unsere Touren etwas weiter und umfangreicher gewesen. Entsprechend ausgerüstet sind wir am Fuße des Rubihorns gewandert, vom Söllereck hinab gestiegen, am Gipfelkreuz des Nebelhorns gewesen, haben am Heuberg Brotzeit gemacht und den Gipfel des Fellhorns erklommen. Für eine Woche ein sportliches Programm, das nachmittags mit einem Besuch des Fischinger Freibades belohnt wurde. Und die Sonne strahlte mit uns um die Wette. Was soll ich sagen? Als Allgäuer soag I: Mei isch des schea wenn’s schea isch!

Als ich noch Kind war

Dieser Tage habe ich ein Erlebnis gehabt, dass mich einmal mehr zu einer der interessantesten Fragen des Menschseins gebracht hat. Ich ging hinter einer Gruppe von drei Mädchen, die etwa im Alter von zwölf Jahren waren und sich lebhaft unterhielten. Ich weiß nicht worum es ging, konnte aber ein Paar Wortfetzen aufschnappen, bei denen mir unwillkürlich ein Lächeln über das Gesicht huschte und die da lauteten: “… als ich noch Kind war …” Gewiss, der Gedanke an sich ist nicht neu. Der 2016 verstorbene Schauspieler Hilmar Thate beispielsweise verfasste 2006 ein Buch mit gleichnamigem Titel, lediglich ergänzt durch das vorangestellte Wort “neulich”. Auch ein Kinderbuch mit diesem Titel gibt es, das 2018 erschien und in dem eine Oma einen Blick zurück wirft. Sogar der vielfach ausgezeichnete österreichische Schriftsteller Peter Handke hat sich mit dem Thema beschäftigt, als das Kind Kind war. Nun handelt es sich bei den Autoren allesamt um etwas betagtere Menschen und nicht um zwölfjährige Mädels, deren Erfahrungshorizont naturgemäß begrenzt ist. Dennoch stellt sich die Frage, warum Menschen lieber nach hinten blicken als nach vorne. Vielleicht liegt es ja daran, dass, wie schon Karl Valentin wusste, heute die gute alte Zeit von morgen ist. Hinzu kommt, dass Prognosen eben schwierig sind, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen – wer auch immer dies nun wieder gesagt hat. Da hilft selbst der Blick zurück nicht, denn die Urheberschaft wechselt von dem gerade zitierten Valentin über Mark Twain, Winston Churchill und Kurt Tucholsky. Was soll ich sagen? „Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten”, hat der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl einmal gesagt und damit sicher nicht unrecht. Aber erstens kommt es, zweitens anders und drittens als man denkt, lautet eine Volksweisheit, die nur noch übertroffen wird von der Erkenntnis: Morgen ist heute schon gestern. Insofern wird es dabei bleiben, dass der schönste Gedanke eben der ist, als ich noch Kind war. Belassen wir es einfach dabei.

Jetzt, bevor du stirbst

The Bucket List (Das Beste kommt zum Schluss) ist eine anrührende Geschichte von zwei Männern, die beide an Krebs erkrankt sind und alsbald den Löffel abgegeben werden. Diese Redewendung stammt übrigens aus dem Mittelalter, als die Leute bettelarm waren und sich schon wohlhabend fühlten, wenn sie einen Löffel – vielleicht sogar aus Metall – besaßen. Und wenn man eben diesen Löffel abgab, war das gleichbedeutend mit sterben. Die Löffelliste ist also eine Liste mit Dingen, die man in seinem Leben noch tun will, bevor man den Löffel abgibt. Normalerweise erstellt man so eine Liste selbst. Doch jetzt habe ich von einer guten Freundin erfahren, dass das auch ganz anders sein kann. Ihre Kinder nämlich haben angemahnt, sie solle unverzüglich – im Originalton: Jetzt, bevor du stirbst – deren Lieblingsrezepte aufschreiben. Nun ist es nicht so, dass sie alsbald mit dem Tode rechnen müsste. Aber die Kinder wollen offensichtlich auf Nummer sicher gehen. Was soll ich sagen? Die deutsche Sprache kann schon hart sein – ebenso die Jugend. Aus meiner Sicht als Großvater kann ich da nur empfehlen: Eile mit Weile oder Immer langsam mit den jungen Pferden.

Geh scheißen!

Die Berliner sind ja nicht gerade als die freundlichsten Zeitgenossen bekannt. Wer einmal in den öffentlichen Verkehrsmitteln in der deutschen Hauptstadt unterwegs war, kann ein Lied davon singen. Auch die Kassiererin im Supermarkt kann einem ganz schön zusetzen – alles eine Frage der Widerstandsfähigkeit. Dabei geht es auch in anderen Städten, um nicht zu sagen Hauptstädten, nicht gerade zimperlich zu. “Geh scheißen”, ist so eine Redensart, die selbst im etwas rüden Berlin nicht so gut ankäme. In Wien aber beispielsweise ist dieser fäkalsprachliche Imperativ, glaubt man der Webseite ze.tt, überlebensnotwendig. Nach deren Lesart kann man es als Synonym für „Nein“, „Sicher nicht“ oder „Geh weg“ verwenden. Was soll ich sagen? Ich als kampferprobter Wahl-Berliner weiß gar nicht, warum ich ausgerechnet auf diese Redewendung gekommen bin. Oder doch? Oma hat mir gerade ein Foto zukommen lassen, das fast für sich spricht. Unsere Straße jedenfalls hat seit Neuestem eine Attraktktion, die vermutlich nicht jedem gefallen wird. Es sei denn er muss gerade … Aber lassen wir das. Wir sind ja nicht in Wien, sondern in Berlin. Da allerdings kann so ein Provisorium Ewigkeitscharakter annehmen. Dit is eben Berlin …

Nachtrag zum Muttertag

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Dass man zum Muttertag in den Augen einiger Zeitgenossen vieles falsch machen kann, darüber habe ich gestern geschrieben. Heute will ich ein ganz anderes Beispiel hinterher schieben, bei dem einem allerdings das Herz aufgeht. Konkret war es die Deutsche Bahn, die eine tolle Überraschung parat hatte und mit ihrem kleinen ICE viele Mütter glücklich gemacht hat. Was soll ich sagen? In Berlin hieße das: Da kannste nicht meckern. Ob das in Tübingen ebenso gesehen wird, bleibt abzuwarten. Ich jedenfalls bin gespannt, ob sich Boris Palmer dieses Mal wiederfindet – ich zumindest habe niemanden gesehen, der so blau war wie er.