Jahresrückblick 2013

2013 war für uns, Oma und Opa, ein Jahr, wie sollte es auch anders sein, mit Höhen und Tiefen. Die Tiefen manifestierten sich vor allem in den Todesfällen im Familien- und Freundeskreis, die immer Leid auslösen, besonders wenn sie viel zu früh eintreten. Wenn jemanden das Schicksal wie im Fall meiner Mutter jenseits der 90 ereilt, schmerzt dies, ist aber der Lauf der Dinge. Wenn jemanden aber der Tod vor Erreichen des Rentenalters trifft, dann ist das mehr als bitter, besonders für den Betroffenen selbst. Und so wollen wir an dieser Stelle allen Verstorbenen gedenken und sie weiter in unseren Herzen tragen. Was unsere Gesundheit betrifft, so hat sich die ganze Familie recht wacker geschlagen, von ein paar Wehwehchen und den üblichen Kinderkrankheiten einmal abgesehen. Aber wie heißt es doch: Wem ab 40 morgens nichts mehr weh tut, der ist … lassen wir das und wenden uns den freudigen Dingen zu, von denen ich nur die absoluten Höhepunkte erwähnen will: Da gab’s unser Familientreffen in München, da waren die Besuche der Zauberflöte in der Komischen Oper und der Generalprobe für das Silvesterkonzert der Berliner Philharmoniker mit Lang Lang. Kein Wunder, dass Oma und Opa kaum aufgefallen ist, dass sie überhaupt keinen Urlaub gemacht haben. Das Überraschendste in diesem Jahr aber sind definitiv der Start von Opas Blog am 12. Februar und dessen weitere Entwicklung. Die Besucher- und Zugriffszahlen waren sensationell und summieren sich inzwischen auf über 270.000 Besucher und rund 750.000 Seitenaufrufe, für die ich mich als der bloggende Opa bei meinen treuen Lesern ganz herzlich bedanke. Das Interesse der Medien war entsprechend. Und auch die Bloggerszene zeigte sich beeindruckt, vor der ich beim WP Camp 2013 Berlin immerhin einen Vortrag halten durfte. Und das Sahnehäubchen obendrauf war schließlich eine Nominierung von Opas Blog für einen Internetpreis. So zurückblickend sind wir, Oma und Opa, wieder dankbar und zufrieden und mit uns und der Welt im Reinen. Bevor nun das Jahr zu Ende geht, wollen wir aber vor allem unseren Kindern und Enkeln danken, auf die wir unendlich stolz sind und die wir innigst lieben. Was soll ich sagen? Toll, wenn es einem so gut geht.

„Ich kann nichts mehr essen“

Unser ältester Enkel ist mit seinen Eltern wieder gut zu Hause angekommen. Ein fünftägiger Ausflug hatte die Familie in das Heimatland von Oma verschlagen, in dem sie die Urgroßmutter des Kleinen und deren dort lebende Kinder und Enkelkinder besucht haben. Der Kurzferien-Aufenthalt hat unserem Enkel so gut gefallen, dass wir als Zwischenmeldung von ihm zu hören bekamen: „Ich will hier zehn Jahre wohnen bleiben.“ Verständlich, weiß ich doch aus Erfahrung, dass man verwöhnt wird bis zum Gehtnichtmehr. Wobei das mit dem Gehtnichtmehr zuweilen wörtlich zu verstehen ist, was denn auch unser Enkel am eigenen Leibe erfahren musste. Die Rundumsorglosversorgung beinhaltet nämlich auch die permanente Versorgung mit Essen – morgens, mittags, abends und natürlich zwischendurch. Immer lecker, aber irgendwann kommt zwangsläufig der Punkt, an dem nichts mehr geht, rein gar nichts mehr. Und so kamen dem Kleinen, als es am letzten Abend hieß: „Aan tafel alsjeblief“, buchstäblich die Tränen mit der Bemerkung: „Ich kann nichts mehr essen.“ Was soll ich sagen? Alles Übungssache, und das mit dem Einteilen lernt er auch irgendwann.

CIMG1937 KopieWahrzeichen aus Omas Heimatland: Een echte molen.

Lesen im Dunkeln

Unser jüngster Enkel kann schon lesen, obwohl er noch keine drei Jahre alt ist. Jedenfalls tut er so, und das auch noch ziemlich überzeugend. So wartete er in unserem seinem Spielzimmer jüngst mit einem Blatt Papier in der Hand und einer bemerkenswerten Brille auf der Nase auf und las seiner Mutter und Großmutter vor. Dass er extra das Licht ausgeschaltet hat, weil er dann mit seiner Brille besser lesen konnte, sei nur am Rande erwähnt. Und so las er denn: „Hier steht, man muss immer dieses Spiel spielen.“ (Anmerkung von Opa: Es geht um das Spiel „Vogelnest“, mit dem schon unsere Kinder so gerne gespielt haben.) Oder: „Hier steht, man muss immer hier baden.“ (Anm. von Opa: Er badet für sein Leben gerne bei uns.) Oder: „Hier steht, man muss immer hier schlafen.“ (Anm. von Opa: Er schläft halt ausgesprochen gerne bei uns.) Was soll ich sagen? Praktisch, so eine Lesebrille im Dunkeln. Wäre sicher auch was für Oma und Opa …

IMG_0957Wohl dem, der eine so tolle Lesebrille hat.

Gerüchteküche-Küchengerüchte

Laut Duden ist die Gerüchteküche ein imaginärer Ort, an dem viele Gerüchte entstehen. Ist dieser Ort allerdings eine Küche, dann sind es eben Küchengerüchte. Die können auch spannend oder lustig oder beides sein. Jedenfalls wird sich Opa künftig jeden Samstag mit ihnen beschäftigen. Heute geht es um die Küchengerüchte zum Thema Silvesteressen.

Für den Ablauf von Silvester ist, auch wenn wir das vielleicht nicht wahrhaben wollen, zu einem Großteil der Aberglaube verantwortlich. Dabei gilt das nicht nur für das Feuerwerk, mit dem schon die alten Germanen die bösen Geister verjagen wollten. Auch unser Jahresend-Speiseplan ist geprägt durch Überlieferungen, die einer wissenschaftlichen Prüfung keinesfalls standhalten. So steht beispielsweise Schweinefleisch ganz oben auf der Wunschliste, weil diese Borstentiere als Glücksbringer angesehen werden. Das Gegenteil gilt dagegen für alles Geflügel, das, wenn man es verzehrt, nur bewirkt, dass das Glück wegfliegt. Beliebter ist da schon wieder Linsensuppe, die, ist man den Teller leer, ausreichend Kleingeld im neuen Jahr garantieren soll. Gleiches gilt übrigens auch für die Schuppen eines Karpfens, vorausgesetzt, man bewahrt sie das ganze Jahr über in seiner Geldbörse auf. Insofern will ich noch ein wenig auf den Karpfen eingehen, für den es eine wahre Flut an Rezepten gibt. Gedämpft, geschmort, gebacken, gebraten, polnisch, rheinisch, auf Kräutern, mit Sardellen oder einfach nur “blau”. Was soll ich sagen? Da sollte doch für jeden etwas dabei sein. Hauptsache, das Glück bleibt allen meinen Lesern hold.

Nach Opas Geschmack

Das war ein Weihnachten nach Opas Geschmack: Heiligabend die ganze Familie beisammen, kein Stress, kein Ärger, kein Krach. Leckeres Essen, lachende Gesichter und glänzende Kinderaugen, die am nächsten Tag noch mehr strahlten, als dann die Bescherung bei uns stattfand. Und auch wieder leckeres Essen – das Menü hatte ich ja schon detailliert beschrieben – und lachende Gesichter. Ein weiterer Höhepunkt war am zweiten Weihnachtstag das Hochamt, das Oma und Opa besucht haben. Orchester und Chor der Gemeinde hatten dazu die Waisenhaus-Messe von Mozart einstudiert, ein echter Hochgenuss. Und nicht zuletzt ein kurzes Treffen mit unseren französischen Verwandten, die es am 23. Dezember doch nicht zu uns geschafft hatten. Nur Oma war in diesem Jahr ziemlich gefordert. An Heiligabend spielten unsere Enkel mit ihr die Weihnachtsgeschichte nach, allerdings inklusive Dornenkrone und Kreuzigung. Was soll ich sagen? Wir müssen das mit der Lebensgeschichte von Jesus bei den Jungs unbedingt noch mal vertiefen.

Entrecote                                                           Perfekt nach 2 3/4 Stunden bei 100 Grad im Ofen.

Schauspielerisches Talent

Klaas und Joko haben am Tag vor Weihnachten zusammen mit ihrem Gast Thomas D. und Oma Erika vorgemacht, wie man richtig Weihnachtsgeschenke auspackt und, auch wenn man nicht so begeistert ist, sich nichts anmerken lässt. Dieser Teil von CIRCUS HALLIGALLI (zirka nach zweieinhalb Minuten) war wirklich Spitze. Schade nur, dass die Sendung erst nach 22 Uhr ausgestrahlt wurde. Da hat unser jüngster Enkel längst schon geschlafen. Trotzdem, so wusste seine Mutter zu berichten, hat er die Sprüche und Gesten des Duos und seiner Gäste bei der Bescherung an Heiligabend bei den Geschenken, die nicht ganz oben auf seinem Wunschzettel gestanden haben, voll drauf gehabt. “Oooh, cool”, ließ er beispielsweise beim Auspacken wissen und wandte sich sogleich dem nächsten Geschenk zu, natürlich von der Bemerkung begleitet: “Nee, ne.” Was soll ich sagen? Schauspielerisches Talent hat der kleine Mann, das steht außer Frage.

Sorgen um den Nikolaus

Unser ältester Enkel glaubt ganz fest an den Weihnachtsmann, den es ja bekanntlich auch gibt. Und er macht sich Sorgen. Sorgen um den Nikolaus, der ja zuweilen bei bösen Kindern die Rute einsetzen muss(te). Selbst wenn da Knecht Ruprecht das ausführende Organ ist bzw. war, muss sich der heilige Mann dies doch zuschreiben lassen. Und diesbezüglich fragt sich nun unser Enkel, ob der Nikolaus an Heiligabend vom Weihnachtsmann überhaupt bedacht worden ist, nachdem er ja auch Kinder geschlagen haben kann. Was soll ich sagen? Tja, das ist in der Tat ein ganz schönes Dilemma.

Es gibt einen Weihnachtsmann

Die Fragen “Gibt es das Christkind? oder “Gibt es einen Weihnachtsmann?” sind vermutlich so alt wie das Christkind bzw. der Weihnachtsmann selber. Eine der wohl bewegendsten und anrührendsten Antworten hat im Jahre 1897 Francis P. Church in der New York Sun gegeben, der im Auftrag seines Chefredakteurs folgende Leserzuschrift beantwortete: “Lieber Redakteur: Ich bin 8 Jahre alt. Einige meiner kleinen Freunde sagen, dass es keinen Weihnachtsmann gibt. Papa sagt: ‚Was in der Sun steht, stimmt.‘ Bitte sagen Sie mir die Wahrheit: Gibt es einen Weihnachtsmann? Virginia O’Hanlon. 115 West Ninety-fifth Street.”

“Virginia”, beginnt der Text von Church, der bis zur Einstellung der “Sun” 1950 alle Jahre zur Weihnachtszeit auf der Titelseite der Zeitung abgedruckt wurde und nunmehr jedes Jahr an Heilig Abend auf Opas Blog erscheint, “deine kleinen Freunde haben unrecht. Sie sind beeinflusst von der Skepsis eines skeptischen Alters. Sie glauben an nichts, das sie nicht sehen. Sie glauben, dass nichts sein kann, was ihr kleiner Verstand nicht fassen kann. Der Verstand, Virginia, sei er nun von Erwachsenen oder Kindern, ist immer klein. In unserem großen Universum ist der Mensch vom Intellekt her ein bloßes Insekt, eine Ameise, verglichen mit der grenzenlosen Welt über ihm, gemessen an der Intelligenz, die zum Begreifen der Gesamtheit von Wahrheit und Wissen fähig ist.

Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann. Er existiert so zweifellos wie Liebe und Großzügigkeit und Zuneigung bestehen, und du weißt, dass sie reichlich vorhanden sind und deinem Leben seine höchste Schönheit und Freude geben. O weh! Wie öde wäre die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe. Sie wäre so öde, als wenn es dort keine Virginias gäbe. Es gäbe dann keinen kindlichen Glauben, keine Poesie, keine Romantik, die diese Existenz erträglich machen. Wir hätten keine Freude außer durch die Sinne und den Anblick. Das ewige Licht, mit dem die Kindheit die Welt erfüllt, wäre ausgelöscht. Nicht an den Weihnachtsmann glauben! Du könntest ebenso gut nicht an Elfen glauben! Du könntest deinen Papa veranlassen, Menschen anzustellen, die am Weihnachtsabend auf alle Kamine aufpassen, um den Weihnachtsmann zu fangen; aber selbst wenn sie den Weihnachtsmann nicht herunterkommen sähen, was würde das beweisen? Niemand sieht den Weihnachtsmann, aber das ist kein Zeichen dafür, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt. Die wirklichsten Dinge in der Welt sind jene, die weder Kinder noch Erwachsene sehen können. Sahst du jemals Elfen auf dem Rasen tanzen? Selbstverständlich nicht, aber das ist kein Beweis dafür, dass sie nicht dort sind. Niemand kann die ungesehenen und unsichtbaren Wunder der Welt begreifen oder sie sich vorstellen.

Du kannst die Babyrassel auseinander reißen und nachsehen, was darin die Geräusche erzeugt; aber die unsichtbare Welt ist von einem Schleier bedeckt, den nicht der stärkste Mann, noch nicht einmal die gemeinsame Stärke aller stärksten Männer aller Zeiten, auseinander reißen könnte. Nur Glaube, Phantasie, Poesie, Liebe, Romantik können diesen Vorhang beiseite schieben und die übernatürliche Schönheit und den Glanz dahinter betrachten und beschreiben. Ist das alles wahr? Ach, Virginia, in der ganzen Welt ist nichts sonst wahrer und beständiger.

Kein Weihnachtsmann! Gott sei Dank lebt er, und er lebt auf ewig. Noch in tausend Jahren, Virginia, nein, noch in zehn mal zehntausend Jahren wird er fortfahren, das Herz der Kindheit glücklich zu machen.”

Was soll ich sagen?

Recht hat Church, und schöner kann man es auch nicht sagen. In diesem Sinne wünschen Oma und Opa allen Lesern frohe und gesegnete Weihnachten.

Heiligabend vor Heiligabend …

Der 23. Dezember ist bei Oma und Opa immer ein ganz besonderer Tag. Seit wir verheiratet sind – immerhin fast 40 Jahre -, wird an diesem Tag der Weihnachtsbaum aufgestellt und geschmückt. Tagsüber sind wir damit beschäftigt, die restlichen Lebensmitteleinkäufe zu tätigen, die Wohnung aufzuräumen und unsere vier Wände für Weihnachten vorzubereiten. Und was bis 24.00 Uhr nicht geschafft ist, bleibt halt unerledigt, weil der 24. Dezember den ganzen Tag lang Heiligabend ist. Insofern ist uns auch der Heiligabend vor Heiligabend heilig. Eigentlich. Denn erstmals haben wir in diesem Jahr unseren Baum bereits am Sonntag aufgestellt und geschmückt. Aber auch das war wieder schön und gemütlich. Der Grund für die Verschiebung war und ist, dass Teile unserer Familie aus Frankreich heute nach Berlin kommen. Und die wollen wir natürlich sehen und gebührend empfangen. Was soll ich sagen? So unfexibel, dass wir nicht auch noch einen Heiligabend vor Heiligabend vor Heiligabend einführen können, sind wir nun auch noch nicht.

IMG_0941                                                                           Steht bereits: Unser Weihnachtsbaum mit der Krippe von meinem Opa (rechts unten).

Advent, Advent …

“Advent, Advent,
ein Lichtlein brennt.
Erst eins, dann zwei,
dann drei, dann vier,
dann steht das Christkind vor der Tür”,                                                                             ist wohl der bekannteste Kinderreim für die Adventszeit. Nach Ingeborg Weber-Kellermann, einer bekannten Volkskundlerin, sind es die Verse, „die jedes Kindergartenkind als erstes lernt.“ Woher sie kommen und wann sie entstanden sind, ist unbekannt. Der Text wurde mündlich überliefert und taucht erst Mitte der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts in der Literatur auf. Beliebt vor allem bei älteren Kindern sind Parodien wie diese, bei der der Text um zwei Zeilen ergänzt wird:                                                      “Und wenn die fünfte Kerze brennt,
dann hast du Weihnachten verpennt!”                                                                            Was soll ich sagen? Also bitte am Mittwoch und Donnerstag wach werden und aufstehen. Ansonsten brennt am nächsten Sonntag tatsächlich die fünfte Kerze.

IMG_0387 - Arbeitskopie 2Es brennen alle Kerzen des Adventskranzes, es ist nicht mehr lange hin bis Weihnachten.