Großeltern werden …

Als sich seinerzeit bei unseren Kindern der Nachwuchs einstellte, beäugte ein befreundetes Ehepaar unser Großelternglück mit einiger Skepsis und durchaus gemischten Gefühlen. “Wir werden wohl keine Großeltern mehr”, lautete die düstere Prognose, die sich auf das Alter der Beiden und vor allem das ihrer Kinder gründete. In meinem unerschütterlichen Optimismus versuchte ich zu trösten und gab so kluge Sätze von mir wie: “Das wird schon.” Und tat auch noch so, als könne ich das irgendwie beeinflussen. Aber bekanntlich kann der Glaube ja Berge versetzen. Eines Tages klingelte das Telefon und wir erhielten die frohe Botschaft: “Wir werden Großeltern. Zwei Mal. Es sind Zwillinge.” So können wir uns mit unseren Freunden mittlerweile auf Augenhöhe über unsere großelterlichen Erfahrungen austauschen, fast jedenfalls. Denn während wir das Glück haben, dass unser gesamter Nachwuchs am Ort ist, leben die Kinder unserer Freunde und damit auch die Enkel am anderen Ende der Republik. Was soll ich sagen? Großeltern werden ist nicht schwer, Großeltern sein … – Blödsinn – Großeltern sein eigentlich auch nicht.

“Seien Sie gut zu den Kindern.”

Irgendwie bin ich schwach geworden. Eigentlich hatte ich mir geschworen, bei meinem Fernsehkonsum zur Gänze auf Talk-Shows zu verzichten. Doch am Sonntag konnte ich der Versuchung nicht widerstehen. Kitas standen bei Günther Jauch auf dem Programm. Da dachte ich mit Blick auf die Probleme meiner berufstätigen Töchter mit ihren Buben: Vielleicht erfährst du ja was Neues. Leider Fehlanzeige. Dass es zu wenig Kitaplätze gibt, hatte sich auch schon bis zu mir herumgesprochen. Zudem hatte ich nicht den Eindruck, dass den Protagonisten bewusst gewesen wäre, um welch hohes Gut es bei ihrer Diskussion überhaupt geht, nämlich um die Zukunft unserer Kinder und damit um unser aller Zukunft. Was soll ich sagen? Das Beste an der Sendung war definitiv der Einspieler am Ende. Da wurde der gerade verstorbene Kinderbuchautor Ottfried Preußler gezeigt, als er sagte: “Seien Sie gut zu den Kindern. Wir haben nichts Besseres.” Dem war und ist nichts hinzuzufügen.

Sandwich-Generation

Was will man mehr? Die eigenen Kinder am Ort. Die Enkel in Ruf- und Reichweite. Da sind zu Recht etliche neidisch, die dieses Glück nicht haben. Doch, wie so vieles im Leben hat auch diese Situation zwei Seiten. Wenn nämlich die Eltern oder ein Elternteil von Oma und Opa noch leben, dann kann es – neben dem vielleicht auch noch vorhandenen Beruf – zuweilen ganz schön eng werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn einer von beiden oder gar beide ein Pflegefall sind. Da fühlt man sich hin und her gerissen. Jeder in der Familie – von den Enkeln bis zu Uroma und Uropa – soll zu seinem Recht kommen. Was natürlich – jedenfalls dauerhaft – nicht funktioniert. Irgendetwas bzw. irgendeiner kommt immer zu kurz. Im Zweifel ist man das dann selbst. Die Wissenschaft hat dafür sogar einen Begriff kreiert, der sich nicht ganz so schlimm anhört: Sandwich-Generation. Das klingt nach leckerem Snack, ist aber manchmal ganz schön schwer verdaulich. Was soll ich sagen? In jedem Fall handelt es sich um kein Rosinenbrötchen, denn sonst könnte man ja Rosinen picken.

Sind Omas die besseren Opas?

Das kennt jeder: Es gibt Tage, an denen geht es einem wirklich nicht gut. Man ist irgendwie schlecht gelaunt. Das Wetter tut sein Übriges. Und man weiß gar nicht, was man eigentlich will. Jeder noch so gut gemeinte Hinweis oder jeder noch so intelligente Ablenkungsversuch wird eher als Angriff denn als Entlastung gewertet. Selbst die wirklich unverfängliche Begrüßung “Guten Morgen” oder “Guten Tag” kommt einer handfesten Beleidigung gleich. Da geht es Kindern nicht anders als Erwachsenen. Wobei bei Kindern – je nach Alter – auch noch andere Faktoren wie beispielsweise Hormone eine fatale Rolle spielen können. Die Pubertät lässt schön grüßen. Aber selbst die Kleinsten der Kleinen sind von derartigen Gemütsphänomenen betroffen. Unseren ältesten Enkel traf es dieser Tage ganz besonders. Dann, mitten in der hitzigen Auseinandersetzung mit seiner Mutter platzte er mit dem Wunsch heraus, unverzüglich seine Großmutter anrufen zu wollen – mit der simplen Begründung: “Die versteht mich wenigstens!” Was soll ich sagen? Ich weiß es nicht. Oder sind Omas vielleicht die besseren Opas?

… zum “modernen Opa”

Eine Studie der gemeinnützigen Väter gGmbH – ich wusste gar nicht, dass es diese Gesellschaft überhaupt gibt – hat es jetzt an den Tag gebracht: Die modernen Väter von heute haben sich vom “einsamen Leitwolf” und alleinigen Ernährer zum (Mit-)Erzieher und zur Vertrauensperson ihrer Kinder entwickelt. Laut Studie wünschen sich 91,5 Prozent der befragten Männer auch unter der Woche mehr Zeit mit der Familie. Die Hälfte der Befragten kann sich sogar vorstellen, finanzielle Einbußen hinzunehmen, um mehr Zeit für ihre Kinder zu haben. 56 Prozent würden hierfür ihre Karriereambitionen zumindest eine Zeitlang zurückstellen. Oft steht allerdings, so die Studie weiter, der Umsetzung eine fehlende “Vaterfreundlichkeit” im Betrieb im Wege. Und eine weitere Schwierigkeit: Noch fehlen die konkreten Vorbilder für das neue Rollenverständnis. Was soll ich sagen? Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit haben sich die Großväter vom “einsamen Brummbär” zum “modernen Opa” gemausert. Vorbilder gibt es da genug.

Schon toll unsere iEnkel

Es ist immer wieder erstaunlich, was Kinder alles können. Noch erstaunlicher ist aber, wie schnell sie lernen. Unser erster Enkel konnte kaum stehen, da wusste er bereits, wie man ein iPhone entriegelt. Und wenn sein kleiner Finger den Pfeil einmal nicht nach rechts schieben konnte, wurde ein in der Nähe befindlicher Erwachsenenfinger bemüht. Ebenso war es mit dem iPad. Obwohl ihm niemand gesagt hatte, wie es funktioniert, hatte er den Dreh sofort raus. Danach dauerte es nicht mehr lange, bis auch die MacBooks und iMacs vor ihm nicht mehr sicher waren. Dabei schaffte er es immer, Shortcuts zu entdecken, von deren Existenz ich nicht einmal etwas geahnt hatte. Nun wiederholt sich das ganze mit Enkel Nummer 2. Der kleine Mann legt bei der Entdeckung der iWelt mehr oder weniger das gleiche Tempo an den Tag wie sein Cousin. Was soll ich sagen? Schon toll unsere iEnkel.

Fußspuren im Pudding

Woran erkennt man, dass ein Elefant im Kühlschrank war? Na klar, an den Fußspuren im Pudding. In Anlehnung an diesen Kalauer nun die Frage: Woran erkennt man, dass in einem Haushalt Großeltern wohnen? Das ist fast so einfach zu beantworten, wie die erste Frage. Also, wenn Sie ein Paar kennen, das – biologisch gesehen – mit der Reproduktion bereits abgeschlossen haben muss, dann gibt es einige Utensilien und Spuren, die kaum einen Zweifel lassen: Hier wohnen Oma und Opa. Das fängt mit Kinderstühlchen oder Reisebettchen an, geht weiter über Töpfchen oder WC-Aufsatz für Kinder und endet bei in der ganzen Wohnung verteiltem Spielzeug. Nun soll es Großeltern geben, die all diese Gegenstände immer sorgsam aufräumen und verstauen, so dass sie mehr oder weniger unsichtbar sind. Dennoch gibt es auch dann untrügliche Zeichen. Schauen Sie sich mal Scheiben, Wände oder Möbel bis zu einer Höhe von ungefähr einem Meter an, dann sehen Sie es sofort. Wenn Sie Abdrücke von kleinen Nasen, Mündern oder Patschfingern entdecken, dann ist das der sichere Beweis. Vorsicht ist allerdings geboten, wenn Sie einen Mann in opafähigem Alter sehen, in dessen Auto sich ein Kindersitz befindet. Was soll ich sagen? Manche Männer fangen wieder von vorne an.

Wenn’s aber hilft …

Kinder sollen, so wird kolportiert, bei ihren Eltern schon mal anders sein als bei ihren Großeltern. Das könnte stimmen. Jedenfalls habe ich noch nie gehört, dass sich Enkel bei Oma und Opa schreiend auf dem Boden wälzen. Zumindest nicht, wenn sie ohne Eltern dort sind. Wie der übrigens aussieht, so ein Wälz-Schrei-Anfall, kann man sehr gut bei YouTube studieren. Der politisch sicher nicht ganz korrekte Werbespot “Je veux les bonbons” zeigt ganz anschaulich, mit was man im Falle einer solchen Gefühls-Eruption plötzlich konfrontiert ist. Inwieweit die Empfehlung des Kondom-Herstellers allerdings hilfreich ist, sei einmal dahin gestellt. In solchen Momenten ist sie es eher nicht. Eine meiner Töchter hatte da eine bessere Idee: Zuhause und ohne Publikum wirft sich bei passender Gelegenheit die Mutter einmal, der Vater geht natürlich auch, auf den Boden und lässt ihrem Unmut lautstark freien Lauf. Der Nachwuchs ist, so die Hoffnung, geschockt, weiß nicht, wie er reagieren soll, und findet damit den ganzen Auftritt ziemlich peinlich. Was soll ich sagen? Dieser gespielte Wutanfall dürfte in der Tat ausgesprochen grenzwertig aussehen. Wenn’s aber hilft …

… schneller, als man denkt

Es klingelt an der Haustüre. Eine unserer Töchter kommt mit ihrem Sprössling vorbei. Die Freude ist natürlich groß. Vor allem, wenn der kleine Enkel mit ausgestreckten Armen auf seine Großeltern zuläuft. Bussi hier und Bussi da. Und Oma und Opa werden gleich zum Spielen – im wahrsten Sinne des Wortes – abgeschleppt. Das “Ich freue mich auch, euch zu sehen” unserer Tochter verhallt dann fast ungehört im Flur. Ach ja, da ist doch noch jemand. Tag denn auch. Alles in Ordnung? Das ist natürlich alles Fiktion – meistens wenigstens. Aber hin und wieder müssen Großeltern daran erinnert werden, dass die eigenen Kinder auch noch da sind. Bei uns klappt das eigentlich ganz gut. Im Dezember kommt in diesem Zusammenhang eine Sache besonders gut an. Der Adventskalender, den meine Frau jedes Jahr für unsere Kinder erstellt. Die Inhalte besorgt sie im Laufe des Jahres. Am Kalender gibt es dann für jeden Tag ein Päckchen, das es zu öffnen gilt. Unsere Beiden freuen sich immer wieder einen Kullerkeks. Was soll ich sagen? Am besten man fängt mit dem Besorgen der Geschenke gleich an – Weihnachten kommt schneller, als man denkt. Übrigens: Für den Adventskalender der Enkel sind deren Eltern zuständig.

Nimm’ den Finger aus der Nase

Manche Eltern verstehe ich nicht, und manche Großeltern bzw. Onkel und Tanten auch nicht. Mir blutet jedes Mal das Herz, wenn ich Begrüßungs- oder Abschiedsszenen sehe, in denen kleine Kinder gezwungen werden, artig Händchen oder – noch viel schlimmer – Küsschen zu geben. Der Widerwillen, der den Kleinen zuweilen ins Gesicht geschrieben steht, tut mir fast schon körperlich weh. Da frage ich mich dann immer wieder und meine eigentlich die Erwachsenen: Habt Ihr eigentlich vergessen, wie sich das anfühlt – die schwitzige Hand des Onkels, der Geruch von ranziger Hautcreme der Tante oder die Duftnote von abgestandenem Parfüm der Oma? Einfach schrecklich. Dass wir Erwachsenen uns bestimmten Konventionen unterordnen (müssen), ist in einer zivilisierten Gesellschaft notwendig, um das Zusammenleben einigermaßen erträglich zu gestalten. Aber diesen unschuldigen Wesen schon derartige Qualen aufzubürden, ist nicht in Ordnung. Was soll ich sagen? Am liebsten würde ich in solchen Situationen quer durchs Lokal oder über die Straße rufen: Kleiner, nimm’ den Finger aus der Nase und gib’ dem Onkel Händchen.