Nimm’ den Finger aus der Nase

Manche Eltern verstehe ich nicht, und manche Großeltern bzw. Onkel und Tanten auch nicht. Mir blutet jedes Mal das Herz, wenn ich Begrüßungs- oder Abschiedsszenen sehe, in denen kleine Kinder gezwungen werden, artig Händchen oder – noch viel schlimmer – Küsschen zu geben. Der Widerwillen, der den Kleinen zuweilen ins Gesicht geschrieben steht, tut mir fast schon körperlich weh. Da frage ich mich dann immer wieder und meine eigentlich die Erwachsenen: Habt Ihr eigentlich vergessen, wie sich das anfühlt – die schwitzige Hand des Onkels, der Geruch von ranziger Hautcreme der Tante oder die Duftnote von abgestandenem Parfüm der Oma? Einfach schrecklich. Dass wir Erwachsenen uns bestimmten Konventionen unterordnen (müssen), ist in einer zivilisierten Gesellschaft notwendig, um das Zusammenleben einigermaßen erträglich zu gestalten. Aber diesen unschuldigen Wesen schon derartige Qualen aufzubürden, ist nicht in Ordnung. Was soll ich sagen? Am liebsten würde ich in solchen Situationen quer durchs Lokal oder über die Straße rufen: Kleiner, nimm’ den Finger aus der Nase und gib’ dem Onkel Händchen.

Ein Gedanke zu „Nimm’ den Finger aus der Nase

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