Unser jüngster Enkel ist arm dran. Passend zum Wochenende hat sich Fieber eingestellt. Ursache des Übels sind neue Zähne, die sich langsam durch das Zahnfleisch bohren. Das ist unangenehm, tut manchmal auch noch richtig weh und verursacht eben Fieber. Da heißt es, erst einmal Ruhe geben und nicht so viel herumtollen. Wobei das ja leichter gesagt ist als getan. Wenigstens verleitet das Wetter nicht dazu, ausgiebig draußen zu sein. Trotzdem: Armer kleiner Kerl. Gott sei Dank gibt es da noch das kleine Herzchen, das Oma aus ihrer Heimat mitgebracht hat und das von Nonnen aus einem Kloster in der Nähe ihres Heimatortes stammt. Kein Mensch weiß ganz genau, was da so alles eingenäht ist. Auf jeden Fall verhindert es, dass die Kinder beim Zahnen Schmerzen haben. Sie denken jetzt sicher, der Alte spinnt. Als ich das erste Mal davon gehört habe, habe ich ähnlich gedacht. Aber es hilft. Unsere Tochter hat es, als sie von Oma an das Wundermittel erinnert wurde, gleich wieder herausgekramt und dem Kleinen angeheftet. Was soll ich sagen? Es geht ihm schon viel besser.
Archiv des Monats: Juni 2013
Nicht alles schlecht
Unsere beiden Enkel sind ja ziemlich technikaffin. Jedenfalls können sie mit den iPhones und iPads ihrer Eltern schon problemlos umgehen. Wer die beiden Geschichten “Wie iPad-Puzzle!” und Schon toll unsere Enkel gelesen hat, ist ja bestens im Bilde. So mancher Leser wird sich dabei allerdings gefragt haben, was passiert, wenn die Jungs dann irgendwann einmal auch bis zum Internet vordringen. Die Sorge, die da mitschwingt, ist durchaus berechtigt, zumal viele Eltern selber nicht genau wissen, wie sie mit dem Medium umgehen sollen. Bei meinen Streifzügen durchs Netz und der Suche nach nützlichen Familienthemen bin ich jetzt auf eine Seite gestoßen, die für Kinder und Erwachsene gleichermaßen geeignet ist und Eltern die Möglichkeit bietet, gemeinsam mit ihren Kinder erste Gehversuche durch die große weite Welt des Internets zu unternehmen. klick-tipps.net heißt die Seite, die ich guten Gewissens empfehlen kann. Was soll ich sagen? Es ist nicht alles schlecht, was im Netz steht. Man muss die guten Sachen eben nur finden.
Das Recht auf Zukunft
Eigentlich feiert man seinen Geburtstag mit einem fröhlichen, manchmal auch feucht-fröhlichem Fest – zumal, wenn es sich um einen runden Geburtstag handelt. Anders UNICEF Deutschland. Das deutsche Komitee für UNICEF, wie das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen hierzulande offiziell heißt, hat gestern anlässlich seines 60jährigen Bestehens statt zu einer Sause zu einer Pressekonferenz geladen. Und dabei gab es wenig Grund zum Feiern. Denn weltweit bleibt ein großer Teil der Kinder und Jugendlichen in den Entwicklungs- und Schwellenländern immer noch ohne ausreichende Bildung, so das Ergebnis des in Berlin vorgestellten UNICEF-Reports 2013 „Das Recht auf Zukunft“. Demnach gehen in den Entwicklungs- und Schwellenländern immer noch über 132 Millionen Mädchen und Jungen im Schulalter weder in eine Grund- noch in eine weiterführende Schule. Ihre Lernmöglichkeiten seien häufig zusätzlich durch Unterernährung in den ersten Lebensjahren beeinträchtigt. Und schon jetzt machten junge Menschen fast 40 Prozent der weltweit rund 200 Millionen Arbeitslosen aus. Was soll ich sagen? Ich kann dem Vorsitzenden von UNICEF Deutschland, Jürgen Heraeus, nur recht geben, der festgestellt hat: “Das Wissen und die Wege sind heute vorhanden, damit alle Kinder gesund aufwachsen und ihre Fähigkeiten entfalten können. Doch bis heute profitieren gerade die ärmsten Kinder zu wenig von sozialen und technologischen Fortschritten. Man kann in nahezu jedem noch so entlegenen Ort der Welt mit dem Handy telefonieren – trotzdem fehlen dort elementare Dinge wie sauberes Wasser, ausreichende Nahrung oder gute Schulen. Die Kluft darf nicht weiter wachsen.“
Ein kleines Mädchen aus einem böhmischen Dorf malte UNICEF als Dankeschön ein Bild – die erste Grußkarte war geboren. | Foto: UNICEF
Legendäre Streiche
Unsere beiden Enkel sind, Gott sei Dank muss man sagen, noch nicht in dem Alter, in dem sie Streiche aushecken. Denn wenn sie auch nur annähernd nach der Art schlagen, wie man altmodisch sagt, dann steht ihren Eltern und uns, Oma und Opa, noch einiges bevor. Denn in der Familie vor allem von Opa haben Streiche schon fast einen legendären Ruf und es in Süddeutschland unter dem Stichwort “Hohmann-Streiche” sogar in den Bayerischen Rundfunk geschafft. Opa selbst nahm sich in seiner Jugend dagegen fast harmlos aus. “Guten Tag Frau Blitz, hier ist Herr Donner, wollen wir ein Gewitter starten”, zählte zu seinen ganz braven Telefonstreichen. Auch der Anruf beim Metzger mit der Frage “Haben Sie Eisbeine?” und der abschließenden Empfehlung auf die meist freudige Bejahung “Dann ziehen sie sich warme Socken an” war eher semantischer denn wirklich bösartiger Natur. Dagegen haben seine Vorfahren schon mal richtig zugelangt – auch und gerade bei den Telefonstreichen. Da wurden “1.000 Rollen Klosettpapier der Marke Horrido bestellt” und einer Fürstin ins Haus geschickt. “Eine stattliche Auswahl an Perserteppichen, vom Smyrna bis zum Bukara”, wie es in der Überlieferung heißt, hat, welch Wunder, den Weg zu einem armen Münchner Edelmann gefunden und diesen ziemlich unerwartet in größte Verlegenheit gebracht. Auch der Auftrag an einen Metzger, vier Pfund des besten Wurstaufschnitts an eine Familie zu liefern, weil die eine große Einladung zu bestreiten habe, war nicht von schlechten Eltern. Was soll ich sagen? Da darf man ja auf unsere Enkel gespannt sein.
Die Konstante Opa
Kleine Kinder haben es schwer. Ist schon das Leben an sich ziemlich kompliziert, sind es die Familienverhältnisse erst recht. Dabei dachten Oma und Opa eigentlich, dass das bei uns alles stinknormal sei. Doch weit gefehlt. Als jüngst unser ganz Kleiner mit seiner Mutter bei uns war und diese ihre Mutter wiederum mit “Mama” ansprach, protestierte er ziemlich energisch und meinte: “Nein, Oma.” Beide schauten ihn ganz verdutzt an und sagten: “Dooooch!” “Neiiiin, Oma!”, blieb er dabei, als wolle ihm jemand seine Großmutter abspenstig machen. Da versuchte seine Mutter ihm ganz vorsichtig zu erklären, dass seine Oma nunmal auch ihre Mama und sie deren Tochter sei. Irgendwann hatte er das dann verstanden. Als unsere Tochter aber noch versuchte, ihm nahezubringen, dass Opa auch ihr Papa und sie dessen Tochter sei, war das des Gutes zu viel. “Neiiiin, Opa!”, wehrte er sich, indem er wohl mehr aus Verlegenheit ganz laut zu lachen begann. Was soll ich sagen? Wenn sich schon der Alleinanspruch auf Oma so plötzlich in Luft auflöst, dann muss doch wenigstens eine Konstante bleiben. Und die heißt Opa, basta!
Vom Handwerk beseelt
Sie erinnern sich? Unser ältester Enkel hat den Berufswunsch Polizist – und das auch noch auf dem Flughafen Berlin Brandenburg “Willy Brandt”, kurz BER. Nun muss es neuerdings “hatte” heißen. Denn seit Handwerker in dem Haus unserer Tochter ein- und ausgehen, ist der kleine Mann ganz beseelt davon, in diesem Beruf sein Glück zu versuchen. Das zuweilen schlechte Image dieses Berufszweiges schreckt ihn dabei ganz offensichtlich nicht ab. Vermutlich hat er noch keine schlechten Erfahrungen gemacht wie andere leidgeprüfte Zeitgenossen. Aber vielleicht hat er ja gehört: Handwerk hat goldenen Boden. Was soll ich sagen? Wahrscheinlicher jedoch ist, dass sich nun auch bis zu ihm herumgesprochen hat, dass sich das mit dem Flughafen BER noch etwas hinziehen und er gegebenenfalls vergeblich darauf warten könnte, dass dort Flugzeuge starten und landen.
Ungläubiger Opa
Es gibt doch ungläubige Menschen. Da hat tatsächlich einer der anderen Opas unserer Enkel geglaubt, die Geschichten auf Opas Blog seien erfunden. So kam er vor kurzem mit der Frage zu meiner Tochter: “Das hat er doch nicht gesagt, oder?” Als diese ihm daraufhin versicherte, dass besagter Ausspruch wirklich von seinem Enkel stamme, war er fassungslos und wollte das immer noch nicht glauben. Was soll ich sagen? Hand aufs Herz: Alles ist wahr. Das Leben schreibt nun mal die schönsten Geschichten.
PS: Der andere Opa heißt nicht Thomas, auch wenn er so ungläubig ist. Nennen wir ihn einfach ungläubigen Opa.
Opa ist Strohwitwer
Nachdem Oma ja Richtung Holland entschwunden ist, ist Opa Strohwitwer. Über die Herkunft dieses Begriffes gibt es verschiedene Theorien. Wen’s interessiert, kann das bei Wikipedia nachlesen. Ich für meinen Teil halte es da mit Goethes Faust und klage frei nach Marthe: Gott verzeih’ s meiner lieben Frau, Sie hat an mir nicht wohl getan! Geht da stracks in die Welt hinein, Und läßt mich auf dem Stroh allein. So hätte es eigentlich ein ruhiges verlängertes Wochenende werden können. Aber irgendwie ist daraus nichts geworden. Den Donnerstagabend und die halbe Nacht habe ich mehr oder weniger vor meinem iPad verbracht und die Odyssee von Oma verfolgt. Am Freitag war ich zunächst im Büro ungemein produktiv, habe zwischendurch noch Tochter und Enkel bekocht und am Nachmittag einen Freund im Krankenhaus besucht, um dann bis spät in die Nacht hinein das halbe Büro umzuräumen. Der Samstag stand dann erst im Zeichen der Entsorgung der Möbel, die nun nicht mehr benötigt werden. Dann ging es in den Garten: Rasen mähen, Hecke schneiden, Rasen- und Heckenschnitt beseitigen, Terrasse fegen, aufräumen. Nach dem Einkaufen – der Kühlschrank wies bereits bedrohliche Lücken auf – mussten der Rasen gesprengt und die Blumen gegossen werden. Gekocht und gegessen habe ich schließlich auch noch und bin dann irgendwann todmüde ins Bett gefallen. Was soll ich sagen? Gott sei Dank kommt Oma heute wieder nach Hause.
Omas Odyssee
Opa muss es heute einmal Homer gleichtun und von einer Odyssee berichten – deshalb ist der Text auch etwas länger als üblich. Während der griechische Dichter die Abenteuer des Königs Odysseus von Ithaka und seiner Gefährten auf der Heimfahrt aus dem Trojanischen Krieg schilderte, geht es hier um die abenteuerliche Irrfahrt von Oma, die diese hinter sich hat – gemeinsam mit zahlreichen Leidensgenossen, und doch ziemlich allein gelassen. Also: Oma hat sich auf den Weg gemacht, ihre Mama zu besuchen. Da das mit dem Auto ziemlich weit ist, hat sie beschlossen, ein Flugzeug zu nehmen. Sie buchte bei Transavia, geplante Abflugzeit in Berlin: Donnerstag, 21.40 Uhr, geplante Ankunftszeit in Eindhoven: Donnerstag, 23.00 Uhr. Dass ausgerechnet an diesem Tag ein schweres Unwetter den Abflug verzögerte, ist Transavia nicht anzukreiden. Aber was danach folgte, ist eine Frechheit sondergleichen. Wie üblich wurden die Fluggäste in die Maschine verfrachtet, obwohl sich die Sperrung des Flughafens Tegel bereits seit geraumer Zeit abzeichnet hatte. In der gut gewärmten Kabine des Fliegers ließ man sie dann während des Unwetters schön sitzen – und schwitzen. Als es dann endlich kurz vor Mitternacht losging, hat den Passagieren vorsichtshalber niemand gesagt, dass der Zielort nicht mehr Eindhoven ist, weil der dortige Flughafen nämlich – wie jeden Tag üblich – bereits um 23.45 Uhr geschlossen hat. Vielmehr ging es jetzt nach Amsterdam, dessen Flughafen Schiphol immerhin 127 Kilometer vom Eindhoven Airport entfernt liegt. Doch davon erfuhren die Reisenden erst in der Luft und mehr oder weniger kurz vor der Landung. Opa schwante schon etwas früher, dass da etwas faul sein musste, da er den ganzen Flug über flightradar24 verfolgt und sich schon gewundert hatte, dass die Maschine keine Anstalten machte, nach Süden Richtung Eindhoven abzudrehen. Doch zurück in die Maschine. Dort erzählte man den Passagieren etwas von, nein nicht Tulpen, sondern Bussen in Amsterdam, die sie dann nach Eindhoven bringen würden. Als besonderer Service wurde sogar noch verkauft, dass man wählen könne zwischen Eindhoven Flughafen und Eindhoven Bahnhof. Man solle sich nur an die netten Damen von KLM wenden, die würden einem dann schon weiterhelfen. So weit, so gut. Doch als die Fluggäste ausgestiegen und mühsam an ihr Gepäck gekommen waren, wussten die KLM-Damen von nichts, schon gar nicht von irgendwelchen Bussen. Und von der Fluggesellschaft Transavia war auch keiner mehr zu sehen. Irgendwie und irgendwann, nach endlosen Debatten und Kilometern tauchten dann doch irgendwelche Busse auf, die tatsächlich nach Eindhoven fuhren. Dass man den leidgeprüften Menschen etwas zu trinken angeboten hätte, darauf ist, wen wundert’s, auch niemand gekommen. So war das einzige, was den Reisenden blieb: Holland bei Nacht. Soll ja auch ganz schön sein. Am Freitag um 3.10 Uhr ist der Bus schließlich am Flughafen Eindhoven vorgefahren, am Bahnhof entsprechend später. Was soll ich sagen? Da hätte Oma auch das Auto nehmen können, dann wäre sie sicherlich früher bei ihrer Mama gewesen.
PS: Auf Transavia wird Oma sicherlich noch einmal zurückkommen.
“Die RechtSchreip-Katerstrofe”
Der aktuelle “SPIEGEL” spricht Opa aus der Seele, was zugegebener Maßen nicht immer der Fall ist. “Die RechtSchreip-Katerstrofe” lautet die plakative Überschrift der Titelseite, die derzeit die Menschen von Flensburg bis Garmisch-Partenkirchen von den Kiosken aus anlacht. Doch zum Lachen gibt es leider gar nichts. Vielmehr wird da eine bittere Wahrheit verkündet: Viel zu viele Kinder sind unfähig, sich auch nur einigermaßen nach den Regeln des Dudens schriftlich auszudrücken. Dabei können die Jungen und Mädchen am wenigsten dafür. Vielmehr haben vermeintliche Pädagogen nichts unversucht gelassen und mit sogenannten Reformen die Schüler traktiert. Politiker taten mit ihren ideologischen Grabenkämpfen ein Übriges und beglückten die Schulen ebenfalls mit Reformen, die nach dem nächsten Wahlgang natürlich wieder reformiert werden mussten. Was soll ich sagen? In Anlehnung an den Spruch auf einem bildungskritischen T-Shirt: Die kinda prauchen keine Leerer und politika mär, die sin nähmlich Selba shon shlau!