“Oma, bitte hilf’ mir”

Unser zweijähriger Enkel liebt Eier. Und das in fast jeder Art der Zubereitung. Favorit Nummer eins ist aber ganz eindeutig das Drei-Minuten-Frühstücksei. Das kann er auch schon ganz alleine essen, ohne jede Hilfe. Voraussetzung ist allerdings, dass das Ei auch drei Minuten gekocht hat. Wenn aber, was ja schon mal vorkommen kann, aus den drei Minuten vier oder fünf geworden sind, ist das mit dem selbständigen Essens so eine Sache. Da kann es durchaus unüberwindbare Schwierigkeiten geben, an das Gelbe vom Ei heranzukommen. Bei einer seiner jüngsten Visiten war es denn auch so, dass Oma die Eier ein wenig zu lange im Topf gelassen hatte und sie doch recht hart geworden waren. Für sie war das nicht so schlimm, sie mag sie sowieso lieber etwas zu hart als zu weich. Der Kleine aber hatte seine liebe Not. Irgendwie wollte das Ei nicht auf den Löffel. Voller Verzweiflung wanderte sein Blick rund um den Tisch, ob nicht vielleicht einer der Erwachsenen etwas von seiner Notlage mitbekommen hatte. Aber nein. Alle waren in Gespräche vertieft. Da nahm er Oma ins Visier und setzte einen Blick auf, der, ohne auch nur ein Wort zu sagen, über den Tisch flehte: “Oma, bitte hilf’ mir.” Was soll ich sagen? Omas müssen eine telepathische Antenne haben. Die Unsere jedenfalls reagierte sofort.

 

Rollenspiel “Vater und Mutter”

Bestimmen spielt bei Kindern offensichtlich eine ganz große Rolle, egal in welchem Alter. Darauf hatte ich schon unter “Solange du deine Füße …” hingewiesen und dazu eine Begebenheit aus dem Leben meiner ältesten Tochter und ihres Sohnes erzählt. Sie selbst war in jungen Jahren übrigens auch ganz erpicht darauf, zu bestimmen. Beim Rollenspiel “Vater und Mutter” mit ihrem besten Freund machte sich das dann so bemerkbar: Ihr Freund wollte ihr in der Küche helfen, ganz nach dem Vorbild seines Vaters, der schon damals gerne kochte. Das wiederum fand unsere Tochter gar nicht gut. Sie wollte vielmehr, ganz nach dem Vorbild ihres Vaters, dass der Junge sich hinsetzt und Zeitung liest. Was soll ich sagen? Das war damals halt so bei uns. Und alle waren glücklich dabei. Aber die Zeiten haben sich geändert. Heute helfe ich selbstverständlich im Haushalt. Die Küche ist mittlerweile sogar mehr meine Domäne als die von Oma. In Opas Kochbuch gibt’s dazu ein paar Kostproben. Oma genießt es.

Ein echtes Luxus-Kind

Unser jüngster Enkel ist, wie seine Tante es formuliert, ein echtes Luxus-Kind. In der letzten Zeit hat er ein ums andere Mal bei Oma und Opa übernachtet, was immer völlig problemlos war. Unsere Jüngste lieferte ihn ab, wurde ohne jede Träne verabschiedet und war, spätestens wenn Oma mit ihm im Spielzimmer verschwand, zwar nicht vergessen, aber doch aus (den Augen, aus) dem Sinn. Abendbrot, waschen und Zähne putzen, ins Bett gehen, nicht eine Szene hat es gegeben. Auch das Einschlafen passierte zumeist in Rekordgeschwindigkeit. Aber all das ist es nicht, was dieses Luxus-Kind ausmacht. Das ergibt sich erst dann, wenn der Kleine eingeschlafen ist. Oma und Opa können dann etwas fernsehen oder vielleicht über das eine oder andere in Ruhe reden, gar noch ein Gläschen Wein trinken und schließlich ganz geruhsam schlafen gehen. Das tolle dabei ist, wir können bis zum nächsten Morgen durchschlafen. In aller Regel bis sieben Uhr. Als Zugabe gibt’s noch eine Stunde kuscheln und schmusen oben drauf. Was soll ich sagen? Wenn das kein Luxus ist.

 

Der Kreis des Lebens

Leider hatten wir einen Trauerfall in der Familie. Uri, also meine Mutter, meiner Kinder Omi und eben meiner Enkel Uri, ist im Alter von 92 Jahren verstorben. Das ist der Lauf der Dinge, der Kreis des Lebens. Während wir Erwachsenen trauern, haben Kinder eine ganz eigene, pragmatische Sicht auf die Dinge. “Stirbt Opa auch?”, wollte unser ältester Enkel von seiner Mutter vor dem Hintergrund der traurigen Ereignisse wissen. “Na ja”, erwiderte sie etwas unsicher, “wenn er alt ist.” Da dachte der kleine Mann einen Moment nach und schlussfolgerte messerscharf: “Dann stirbt Opa bald.” “Wieso das denn?”, wollte seine Mutter nun wiederum wissen. “Opa sagt doch immer, er ist alt. Und du sagst auch immer: Steh’ auf Alter”, legte er seine Gedankenwelt dar, die, nur nebenbei bemerkt, wieder einmal nachdrücklich unterstreicht, wie vorsichtig man mit – wenn auch nur ironisch gemeinten – Aussagen in Gegenwart von Kindern sein muss. Als meine Tochter nun versuchte, den konsequenten Gedankengang ihres Sohnes ein wenig zu durchbrechen, und ergänzte, dass Uri ja ganz schwer krank gewesen sei, begann der Dreikäsehoch ganz fürchterlich zu husten. “Ich sterbe auch bald”, lautete der begleitende Kommentar, dem seine Mutter mit dem energischen Hinweis auf “alt und krank” zu begegnen versuchte. Was soll ich sagen? Irgendwie muss sich meine Tochter an das erinnert haben, was Oma ihren Kindern immer zugesichert hat: “Mama stirbt nicht.” Auf jeden Fall war der Kleine erst einmal zufrieden, als die für ihn erlösenden Worte im Raum standen: “Mama und Papa sterben nicht.”

Generationenvielfalt at its best

Meine Töchter werden mir irgendwann einmal dankbar sein. All die kleinen und großen Geschichten, die ich hier in Bezug auf ihre Kinder bzw. meine Enkel aufschreibe und kommentiere, werden später wie ein Tagebuch wirken. In einigen Jahren werden die Beiden vieles vergessen haben, was ihre Kinder gesagt oder getan haben. Der Alltag frisst eben die Gegenwart auf. Und so werden die Inhalte dieses Blogs mehr noch sein als ein Tagebuch: Ein Kaleidoskop mit den Höhepunkte und prägnantesten Erlebnissen – eingebettet in die Zeit, in der sie sich ereignet haben. Und Oma hat noch ein weiteres Schmankerl beizusteuern. Sie hat in jungen Jahren, den einen oder andern Klops unserer Kinder festgehalten und aufgeschrieben. Diese Aufzeichnungen hat sie nun wiedergefunden, so dass wir sie künftig in diesem Blog mit einarbeiten können. Was soll ich sagen? Das ist Generationenvielfalt at its best.

“Ich hab’ Bauchaua”

Unsere Enkelkinder sind, wie sollte es anders sein, des Öfteren auch zum Essen bei uns – alleine und ohne Eltern. Das funktioniert eigentlich immer recht gut, zumal unsere Enkel so ziemlich alles mögen. Der Kleine hat dabei seine ganz eigenen Strategien, wenn einmal etwas auf den Tisch kommt, was ihm nicht so mundet. Die Frage “Schmeckt’s?” beantwortete er bis vor geraumer Zeit noch mit einem überzeugenden “Ja”, die Zusatzfrage “Noch etwas?” mit einem ebenso klaren “Nein”. Irgendwie muss ihm aufgefallen sein, dass hiernach der jeweilige Küchenverantwortliche nicht unbedingt den glücklichsten Eindruck gemacht hat. Seit Neuestem umschifft er diese Klippe ganz gekonnt, indem er sich an den Bauch fasst und mit leidender Miene erklärt: “Ich hab’ Bauchaua.” Da das offensichtlich immer ganz gut funktioniert hat, behilft er sich mit dieser Aussage nunmehr auch dann, wenn ihm irgendetwas grundsätzlich nicht gefällt. Was soll ich sagen? Ganz schön ausgebufft, der Kleine, und wesentlich diplomatischer als Opa dazu.

Wie sich die Bilder gleichen

Dieser Tage war ich mit meinem ältesten Enkel auf der Suche nach dem Frühling. Immerhin steht der Kalender bereits auf April. Aber allerorten liegt noch Schnee. Nicht viel, aber immerhin. Eine Bauernregel besagt, dass, wenn alter Schnee so lange liegen bleibt, er auf neuen wartet. Das wollen wir allerdings nicht hoffen. Es ist so schon frustrierend genug. Um nun aber zurück auf unsere Frühlingssuche zu kommen und es kurz zu machen: Wir haben ihn nicht gefunden. Da wir irgendwann in der Nähe des Kindergartens waren, in den der Kleine geht, wollte er ihn mir natürlich ganz stolz präsentieren. Doch leider war er geschlossen, so dass nur ein Rundgang durch den Garten und die Besichtigung eines neuen Spielgeräts übrig blieb. Die Trauer bei uns hielt sich jedoch in Grenzen, zumal der Oma ein Schnappschuss der ganz besonderen Art gelungen ist. Was soll ich sagen? Wie sich die Bilder gleichen. Wer sich an meinen Beitrag “… doch lieber ins Allgäu” erinnert, weiß, was ich meine. Wer nicht, muss auf der Seite vorbeischauen. Ist doch frappierend, oder?

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Nachtrag: Mit diesem Beitrag nehme ich an der Eltern-Kind-Blogparade: April 2013 teil.

Aluminiumhochzeit

Oma und Opa hatten Hochzeitstag und sind jetzt 37 Jahre verheiratet. Auf einer dieser Webseiten, die die Hochzeitstage beschreiben, heißt es: “Alte Liebe rostet nicht! Genauso wenig rostet Aluminium, weshalb am 37. Hochzeitstag die Aluminiumhochzeit gefeiert wird. In seiner Form wird Aluminium nach 35 Jahren nicht mehr so aussehen wie im Neuzustand. Viele Dellen, Beulen und Kratzer konnten seiner Beschaffenheit aber nichts anhaben. In der Ehe ist es wie beim Aluminium, sie hat durch schlechte Zeiten ebenfalls Beulen und Kratzer bekommen, die ihr allerdings in der Beschaffenheit nichts anhaben konnten.” Wir werden oft gefragt: “Wie habt Ihr das geschafft?” Was soll ich sagen? Nun ja, um auf die Dellen, Beulen und Kratzer zurückzukommen, man muss halt zusehen, dass sie nicht zu tief werden. Und hin und wieder sollte man sich auch daran machen, die eine oder andere Delle auszubeulen und den einen oder anderen Kratzer blank zu polieren. Es lohnt sich. Ich jedenfalls würde Oma wieder heiraten.

Oma hat “Mütter-Knie”

Oma hat ein Problem: “Ich habe Hornhaut auf den Knien”, klagte sie mir ihr Leid. Als ich offensichtlich ziemlich dumm nachgefragt habe, woher das denn wohl käme, meinte sie nur lakonisch: “Du krabbelst ja auch nicht mit unseren Enkeln auf dem Boden herum.” Das saß, obwohl ich mich durchaus auch mal in die Niederungen unserer Bodenbeläge begebe. Aber ich wollte nicht so sein und begann im Netz, mich sachkundig zu machen. Und siehe da: Oma ist offenbar nicht alleine. “Meine Knie sehen aus wie Schmirgelpapier”, gibt da eine Frau auf dem Blog “Eins kann jeder …” zum Besten. Allerdings ist sie keine Großmutter, sondern Mutter von mehreren Kindern. Deshalb heißen derart geschundene Knie vermutlich auch “Mütter-Knie”, wie eine andere Leidensgenossin zu berichten weiß. Ein Patentrezept gegen Hornhaut auf den Knien indes hat keine der Damen parat, aber den Hinweis: “Nun, es wird besser, wenn sie aus dem Krabbelalter rauskommen …” Was soll ich sagen? Arme Oma. Da wird sie noch ein wenig durchhalten müssen …

Und es vererbt sich doch …

Unser jüngster Enkel, nicht einmal zwei Jahre alt, entwickelt sich langsam aber sicher zu einer großen Leseratte. Wenn Oma auf den Kleinen aufpasst, tigert er regelmäßig los und holt sich ein Buch. Aber nicht nur das, er bringt auch seiner Oma ein “Bu’h” mit, um mit ihr gemeinsam zu lesen. Dann wird sich nebeneinandergesetzt und geschmökert. Bei der Auswahl seiner Lektüre ist er durchaus kritisch und anspruchsvoll. Da werden nicht mehr diese kindischen Bilderbücher hervorgeholt, über dieses Stadium ist er längst hinaus. Nein, je mehr Text und Zahlen, desto besser. Bei Oma ist er allerdings etwas zurückhaltender. Die bekommt nur leichte Kost. Bloß nicht so viel Text. Aber ein Bild sagt ja ohnehin mehr als tausend Worte. Was soll ich sagen? Der kleine Mann ist ganz schön weitsichtig. Da er offensichtlich die Unart seines Großvaters geerbt hat, bei gemeinsamer Buch- oder Zeitungslektüre dem oder der Anderen immer wieder etwas vorzulesen, kommt – in diesem Falle – sie ohnehin nicht dazu, selbst etwas zu lesen. Ja, ja, wie sich die Bilder gleichen.