Westfälische Aufmerksamkeit

Die erste Weihnachtspost ist eingetroffen. Unser früherer Babysitter hat uns geschrieben und ein kleines Geschenk beigelegt: Ein Päckchen Pumpernickel, in Anspielung auf unser jüngstes Debakel im KaDeWe. Denn, das muss man wissen, ihr Mann arbeitet in führender Funktion in einem Delikatessengeschäft, das weit über die Grenzen Münsters hinaus bekannt ist und den Vergleich selbst mit der Feinschmeckeretage besagten Nobelkaufhauses in Berlin nicht scheuen braucht. Wir sagen auf diesem Wege schon mal danke und werden das Brot alsbald testen. Wenn es schmeckt, wovon Oma und Opa ausgehen, könnte es einen Dauerauftrag für die Butterhandlung Holstein, wie sie sich nennt, geben. Was soll ich sagen? Von der westfälischen Aufmerksamkeit in Münster können die hier in Berlin noch was lernen.

pumpernickel

Das ist Fairplay!

Eine Negativ-Schlagzeile jagt die andere: Fußballer soll Steuern hinterzogen haben, Wettbetrug im Fußball, Timo Werner kommt nach seiner Schwalbe straffrei davon – und und und. Der Sport, insbesondere der Fußball, droht unter die Räder zu kommen. Und doch gibt es immer wieder Lichtblicke. Einen davon hat es am vergangenen Samstag in der Fußball-Landesliga beim Spiel von Germania Schöneiche in Kolkwitz gegeben. Da hat der Spielertrainer von Germania, Paul Mitscherlich, absichtlich einen zu Unrecht gegebenen  Elfmeter verschossen, indem er ihn einfach zum Torwart zurückgespielt hat. Und das bei einem Spielstand von 0:1 – aus Sicht von Germania. Dabei hätten die Mannen von Mitscherlich den einen Punkt gut gebrauchen können, ist seine Mannschaft doch nur drei Punkte vom Tabellenkeller entfernt. „Wissen Sie, ich bin nicht nur Kapitän und mit 33 Jahren einer der Erfahrensten, sondern gleichzeitig auch der Trainer. In diesem Moment ging es nicht nur um Punkte, sondern darum, Vorbild zu sein. Und was für ein Vorbild wäre ich, wenn ich als Trainer auch noch aktiv beim Betrügen mithelfe?“, begründete Mitscherlich im Tagesspiegel seine Handlung, die nicht bei allen seiner Mitspieler gut ankam. Aber die meisten hatte er wohl auf seiner Seite, was immerhin Anlass zur Hoffnung gibt. Was soll ich sagen? Das ist Fairplay! Insofern will ich noch einmal den 33-Jährigen zitieren, der zu Werners Schwalbe beim Spiel Leipzig gegen Schalke erklärte: „Was bitte ist daran clever? Ist clever jetzt ein Synonym für Betrügen? Sich einen Tag später hinzustellen und zu sagen: ‚Es war eine Schwalbe‘, das ist nicht schwer. Schwer ist es, auf dem Platz zuzugeben, dass es eine Schwalbe war. Die Kultur der Fairness hat im Sport allgemein sehr gelitten und wenn die Profis, also die Aushängeschilder ihrer Sportarten, auch noch so tun, als wäre Betrug nur eine andere Bezeichnung für Cleverness, dann haben wir ein Problem.“ Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Inspiration von Tim Raue

Heute kam der Bescheid vom Finanzamt: KINDER | KOCHEN e.V. ist gemeinnützig. Das heißt, wir können auch Spendenbescheinigungen ausstellen, was das Einwerben von Geld, das der Verein dringend braucht, erheblich erleichtert. Damit ist der Prozess der Vereinsgründung jetzt endgültig abgeschlossen und wir können uns den inhaltlichen Dingen widmen. Dabei lassen wir uns auch von unserem Schirmherrn Tim Raue inspirieren, der letztes Jahr mit Deutschlands bekanntester Sommelière ein Kochbuch geschrieben hat, in dem er gemeinsam mit seinem Küchenchef Michael Jaeger „Gerichte aus Deutschland rezeptiert, die alle im Stil des La Soupe Populaire zubereitet werden.“ Deutscher Wein – Deutsche Küche heißt das Buch und ist ein Muss für alle Freunde der gehobenen Küche. Was soll ich sagen? Auf diesem Niveau kochen wir bei KINDER | KOCHEN (noch) nicht. Aber vielleicht ist unter den Schülern ja bereits der nächste Tim Raue.

PS: Wer mehr über das Buch „Deutscher Wein – Deutsche Küche“ erfahren will, zur Rezension geht’s hier.

bienenstich Tim Raues Bienenstich. Foto: Joerg Lehmann

Staatlicher Massenmord

Nikolaus hat heute Geburtstag. An sich ist das ja immer ein freudiges Ereignis. Aber heute dürfte der gute Mann, der in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts als Bischof von Myra in die Analen eingegangen ist, ganz gewiss ziemlich traurig sein. Denn keine 700 Kilometer Luftlinie von seinem Wirkungsort entfernt, nahezu auf dem selben Breitengrad, findet derzeit ein staatlich organisierter Massenmord statt, der einmal mehr die Abgründe menschlichen Seins sichtbar werden lässt und die Verlogenheit dieser Welt dokumentiert. Da werden seit Jahren eine Stadt und ihre Menschen in Schutt und Asche gelegt und vernichtet, ohne dass sich irgendwo auf diesem Globus auch nur nennenswerter Protest oder gar Widerstand regt. Dabei braucht es hierzulande nicht viel mehr als eine Trappe, deren Wohlbefinden möglicherweise gestört sein könnte, um eine Empörungswelle auszulösen, der nichts und niemand standzuhalten vermag. Doch in Aleppo können zwei Despoten ungestraft über Jahre Alte, Frauen und Kinder abschlachten (lassen). Es sind der russische Präsident Vladimir Putin und sein syrischer Vasall Baschar al-Assad, die damit die Grundfeste unserer Zivilisation erschüttern. Den Rest erledigt der Islamische Staat. Was soll ich sagen? Der griechischer Name des Nikolauses bedeutet Sieg des Volkes. In Aleppo hat es verloren.

„Wann wurde ich eingekindert?“

Unsere Enkel werden viel zu schnell groß. Unser ältester ist ja schon in der Schule, der jüngere wird im nächsten Jahr eingeschult. Als wir genau über dieses Thema sprachen, versuchte sich der kleine Mann zu erinnern, wann er denn in den Kindergarten gekommen ist und fragte Oma: „Wann wurde ich eigentlich eingekindert?“ Was soll ich sagen? Versuchen Sie da mal eine ernste Antwort zu geben – vor allem wenn der Fragesteller sich kaputt lacht.

Am angestammten Platz

Alle Jahre wieder: Die Krippe steht wieder an ihrem angestammten Platz und wartet auf die Enkel, die damit nach Herzenslust spielen dürfen. Was soll ich sagen? Eine schönen Adventssonntag noch und bleiben Sie gesund …

krippe2016Steht wieder am angestammten Platz: Die Krippe, die Opa für seine Enkel gebaut hat.

Spaß hat gerade erst angefangen

Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht: Stellen Sie sich einmal vor, sie wollen gerade Pumpernickel einkaufen, weil Sie abends Muscheln zum Essen eingeplant haben, und befinden sich im KaDeWe in Berlin. Na klar: Sie denken sofort an die Feinschmecker-Etage im 6. Stock, die ja weltweit bekannt ist und selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel anlocken soll. Und dann suchen Sie und suchen und suchen und fragen und fragen, bis sie zu der ernüchternden Erkenntnis gelangen: Hier gibt es kein Pumpernickel, viel zu banal oder wie auch immer. So ist es jüngst Oma und Opa ergangenen, als sie in dem Berliner Kaufhaus waren. Vor lauter Frust haben wir uns dann eine KitchenAid Artisan gekauft, die wir schon immer haben wollten. Seitdem wird in Opas Küche geschlagen, geknetet und gemixt, was das Zeug hält. Jedenfalls ist der 1919 von Herbert Johnston erstmals auf den Markt gebrachte und seitdem zum einem Kultobjekt avancierte Standmixer bei uns nonstop im Einsatz. Und zur Feier des Frustkaufs hat uns die Herstellerfirma das von ihr im Jahre 2009 zum 90. Jubiläum herausgegebene Kochbuch überlassen, nach dem wir beispielsweise heute eine Safranbrioche gemacht haben. Auf Opas Merkzettel warten zudem noch die Erbsensuppe mit Majoran und Mascarpone, die französische Zweibelsuppe mit Kräuterkäse-Toasts, die rustikale Schweinefleischterrine mit Pilzen und frischen Kräutern, das mit dem eigenen Fleischwolf hergestellte Beef Tatar mit Pommes Frites sowie die italienischen Baisers mit rosa Pfeffer und der Syllabub mit Gin und Tonic. Und dann ist da ja noch Su Vössings Kochbibel, die dem Kochen mit der Küchenmaschine ein eigenes Buch gewidmet hat. Meine zwei Lieblingsrezepte daraus sind, wie Leser meiner Buch-Rezensionen wissen: Asia-Hirschbällchen mit Sesam und Zuckerschotensalat sowie Vitello tonnato mal anders. Was soll ich sagen? „Wir spielen oder – besser – experimentieren viel zu wenig damit“, bedauert Vössing mit Blick auf den Einsatz ihrer KitchenAid. Ich kann nur sagen: In Opas Küche hat der Spaß gerade erst angefangen.

img_4093Neu in Opas Küche: Die KitchenAid Artisan. Und der Spaß hat gerade erst angefangen …

Kinder stören nicht

Kindergeräusche erhitzen immer wieder die Gemüter. Dabei haben Gerichte wie das Oberverwaltungsgericht in Münster beispielsweise festgestellt: „Wer Kinderlärm als lästig empfindet, … hat selbst eine falsche Einstellung zu Kindern.“ Was soll ich sagen? Man kann es auch anders ausdrücken: Kinder stören nicht, Erwachsene sind gestört! Schönes Wortspiel.

Vorweihnachtliche Angriffe

Seniorenheime haben auf ältere Menschen irgendwie eine abschreckende Wirkung. Ein jetzt aufgetauchter Bericht aus dem Seniorenstift am Höcklager Industrieweg zeigt in der Tat erschütternde Bilder. Die stammen aus dem Jahre 1998, dem zweiten Adventssonntag. Das ist zwar schon einige Zeit her, aber es dürfte sich nicht viel geändert haben. Lediglich die Bewohner des Seniorenstifts sind mit Sicherheit älter und klappriger geworden. Insofern könnten die Erfahrungen von Opa aus seiner Zeit als Reserveoffizier vielleicht von Nutzen sein, um auch künftig dort die vorweihnachtlichen Angriffe abzuwehren. Was soll ich sagen? Das Leben kann wirklich grausam sein.

Sprich doch mal den Ball an …

Menschen nehmen viel zu viel wörtlich. Ich habe mal von einem Erwachsenen gehört, die, als der Trainer ihr auf dem Golfplatz auf der Drivingrange sagte: „Sprich doch mal den Ball richtig an“, dem Ball zurief: „Hallo Ball!“ Wie dem auch sei. Bei Kindern ist das nicht anders. Der eingebettete Film spricht Bände. Was soll ich sagen? Die schönsten Geschichten schreibt eindeutig das Leben.

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