Auf geliehene Sachen passt man im Allgemeinen ja besonders auf. Das haben uns unsere Eltern beigebracht und wir unseren Kindern, die das wiederum mit ihren Kindern tun. Insofern ist es bei uns in der Familie den Einzelnen immer mehr als peinlich, wenn sie etwas Ausgeliehenes kaputt machen. Jüngstes Beispiel: Einer unserer Töchter, die in diesem Jahr vom Pech über Gebühr verfolgt wird, ist ihr Handy geklaut worden. Da ich gerade ein neues iPhone bekommen hatte, lag das alte ungenutzt in der Schublade und kam für meine Tochter als Ersatz gerade recht. Doch wie gesagt, unserer Tochter klebt das Pech an den Stiefeln. Und so kam es, wie es kommen musste. Ihr Kleiner ließ das gute Stück fallen, natürlich nicht auf Teppich-, sondern auf Steinboden. Da stellte sich ihr zwangsläufig die Frage: Wie sag ich’s meinem Vater? Als Strategie hatte sie sich für die Igelvariante entschieden, ganz, ganz vorsichtig, dabei allerdings die Rechnung ohne den Wirt bzw. Ihren Sohn gemacht. Der begrüßte mich bei meinem letzten Besuch, sozusagen ohne Vorspiel, mit einem engelsgleichen Unschuldsgesicht und den Worten: “Opa. Handy ‘putt.” Meiner Tochter trieb’s die Schamröte ins Gesicht, mein Schwiegersohn blieb hinter einem Türrahmen in Deckung. Was soll ich sagen? Nach einer solchen Charmeoffensive kann man ja nicht böse sein. Ehrlich währt eben doch am längsten.
Nicht runzelig und grauhaarig
Dieser Tage habe ich gelesen, dass Oma und Opa ausgedient haben und nicht mehr die Hauptberater ihrer Enkel sein sollen, sondern zu 90 Prozent Google, Wikipedia und YouTube. Dies sei das Ergebnis einer Studie von “Dr. …” – den Namen lassen wir hier jetzt einmal weg, da es sich um den Hersteller von Reinigungsmitteln handelt. Das ist an sich ja nicht schlecht, wirft aber zumindest Fragen nach der Kompetenz bei diesem Sachthema auf. Gewiss haben die bereits erwähnten Medien bei der Jugend einen größeren Stellenwert als früher, weil es sie früher eben nicht gab. Aber: “Großeltern engagieren sich als Betreuer und Spielkameraden ihrer Enkel, als Kulturvermittler und Ratgeber. Das Verhältnis zwischen den Generationen ist besser denn je”, berichtet die Zeit zum Teil unter Berufung auf eine Studie des Deutschen Jugendinstitutes zur “Kinderbetreuung in der Familie” und titelt “Großeltern: So nah wie nie zuvor”. Noch einmal: Nichts gegen “Dr. …”, aber irgendwie vertraue ich da der Zeit und dem Institut doch etwas mehr. Und der Artikel ist lesenswert. Vor allem ein Satz hat es mir angetan: “Das alte Stereotyp von Oma und Opa als runzeligen, grauhaarigen Alten, die im Lehnstuhl sitzen, wurde abgelöst von jugendlich-aktiven Großeltern.” Was soll ich sagen? Schreib’ ich doch die ganze Zeit: “Opa muss wohl auf Tumblr verzichten” oder “Das 21. Jahrhundert lässt grüßen”.
Danke!
Das hätte ich nicht geglaubt. Nach nur 31 Tagen hat Opas Blog die 3.000er Marke bei den Besuchen und die 10.000er Marke bei den Seitenaufrufen übersprungen. Dass die durchschnittliche Verweildauer bei 1:10 Minuten und der Wert der Seiten pro Besuch bei 4.44 liegen, ist das Sahnehäubchen obendrauf. Was soll ich sagen? Opa verneigt sich voller Demut bei seinen Lesern und sagt schlicht: Danke!
Trotzphase: Eine gute Nachricht
Kinder in der Trotzphase – das kennen alle Eltern. “Im Grunde ist der Beginn der Trotzphase eine gute Nachricht”, zitiert der Spiegel die Kinderpsychologin Ulrike Petermann von der Universität Bremen. “Denn das Kind hat dann einen wichtigen Entwicklungsschritt gemacht.” Ob das die Mütter und Väter auch so sehen, wenn der Nachwuchs gerade wieder einmal einen Wutanfall bekommt und herumtobt? Dabei soll das ganz normal sein. Heute wisse man, dass neun von zehn Kindern zwischen anderthalb und drei Jahren lautstark trotzen, schreibt die Psychologin und freie Journalistin Jana Hauschild in besagten Spiegelartikel. Ein Ausraster pro Tag sei in der Hochphase nicht ungewöhnlich. Da brauchen die Eltern starke Nerven und auch ungewöhnliche Ideen. Über die Idee einer meiner Töchter hatte ich mich schon vor geraumer Zeit unter der Überschrift “Wenn’s aber hilft …” ausgelassen. Andere Eltern, so berichtet die Expertin weiter, rieten, die Kinder all ihren Ärger in einen leeren Mülleimer schreien zu lassen und anschließend gemeinsam mit ihnen die Wut zu entsorgen. Auch eine Möglichkeit. Aber selbst derartige Unterfangen ändern nichts an der Tatsache, dass das emotionale Verhältnis zwischen Eltern und Kind in diesen Stress-Situationen zumindest vorübergehend leicht gestört ist. Was soll ich sagen? Am besten ist, an solchen Tagen das zu tun, was Oma und Opa am liebsten tun: Den Kleinen nachts beim Schlafen zuschauen. Da sind sie nur lieb und süß.
“Ich möchte kein Müllmann sein”
Bertolt Brecht soll einmal gesagt haben: “Lesen macht dumm und gewalttätig.” Dem widerspricht ganz klar die Wissenschaft, die sagt: “Lesen bildet.” Vor allem das Gehirn. Wie dem auch sei, eine meiner Töchter wollte sich jüngst in ihrem Bücherschrank bedienen, in dem sich auch noch das eine oder andere Kinderbuch aus längst vergangenen Tagen befindet. Und sie dachte sich auch nichts Böses, als sie zu einem Buch des allseits beliebten Autors Janosch griff, um es ihrem Sohn vorzulesen. Währenddessen kamen ihr allerdings Zweifel, ob der Inhalt noch der heute geltenden political correctness entspricht. Denn was da stand, las sich so: “Hallo, Herr Müllmann! – Was? – Sie verstehen mich nicht? Sie sind wohl ein Italiener? – Nein? Dann sind Sie aber ein Türke. – Sehen Sie, ich habe das sofort erraten. Ich wollte Sie nur etwas fragen, Herr Türke. Warum haben die Abfalltonnen Räder? – Ah, ich weiß schon, damit Sie sie nicht tragen müssen. Und warum sind Sie denn ein Türke – Ist das wahr, dass sie hier arbeiten, damit sie uns beim Arbeiten helfen? – Manche Leute sagen, Müll stinkt. Das finde ich auch. Ich möchte kein Müllmann sein. Ich möchte lieber Autoschlosser werden oder Angler oder Apotheker. Und wer soll dann den Müll wegfahren? Da bin ich aber sehr froh, Herr Türke, dass Sie hierherkommen und arbeiten und den Müll wegfahren, sonst würde es überall stinken. Auf Wiedersehen, Herr Türke, und danke!” Was soll ich sagen? Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Oder anders ausgedrückt: Vor dem Vorlesen vor lesen.
“Sexiest Opa (still) Alive”?
Irgendwie fühle ich mich in guter Gesellschaft, wenn ich mir so die prominenten Großväter ansehe. Hierzulande prägen das Opa-Bild ja Männer wie Fußballlegende Uwe Seeler, die Schauspieler Karlheinz Böhm und Maximilian Schell, der Unternehmer Klaus Hipp oder der Komiker Karl Dall. Nicht zu vergessen ist auch Joachim Gauck, unser Bundespräsident. Alle sind sie im vergangenen Jahr von dem Magazin Reader’s Digest zum Großvater des Jahres gekürt worden. Aber auch das Ausland kann mit großen Namen aufwarten. Auf der Liste stehen Boxer Muhammad Ali, Fußballer Diego Armando Maradonna, die Rolling-Stones-Rock’n Roll-Opas Mick Jagger, Keith Richards, Charlie Watts und Ron Wood, Ex-Beatle Paul McCartney sowie die Schauspieler Pierce Brosnan, Jim Carrey, Robert de Niro und Tom Hanks. Nicht unerwähnt bleiben sollten auch Dustin Hoffmann, laut Süddeutsche.de “ein echter Vorzeige-Opa”, und Harrison Ford, den das amerikanische Grand-Magazin zum “heißesten Großvater Hollywoods” ernannte. Was soll ich sagen? Es gibt ja den “Sexiest Man Alive”. Opas Blog will jetzt wissen: Wer ist der “Sexiest Opa (still) Alive”?
Opa verzichtet auf Tumblr
Irgendwie habe ich jetzt ein schlechtes Gewissen. Meine armen Kinder und Enkel. “Coole Marken können ihren Nimbus ganz schnell verlieren. Diese bittere Erfahrung musste auch Apple machen. ‘Forbes’ berichtet, Jugendliche fänden die Produkte mit dem Apfel nicht mehr cool. Grund dafür sei in erster Linie, dass alle Erwachsenen Apple-Produkte benutzten – und was die eigenen Eltern benutzen, das könne nicht cool sein. Der Höhenflug des US-Unternehmens neige sich unweigerlich dem Ende zu. Jetzt ist Facebook an der Reihe – aus ähnlichen Gründen”, berichtet der Tagesspiegel in Berlin in seiner heutigen Ausgabe unter der Überschrift “Facebook ist out – Tumblr ist in”. Wenn ich das gewusst hätte. Nun sitze ich hier und überlege, wie ich schnellstmöglich all meine Apple-Geräte entsorgen kann. Auf Einträge bei Tumblr werde ich selbstverständlich verzichten. Meine Accounts bei XING, LinkedIn, Twitter, Facebook und sonst wo werde ich unverzüglich, so das denn überhaupt möglich ist, löschen. Und diesen Blog werde ich natürlich auch einstellen. Was soll ich sagen? Nein, das mache ich doch nicht. Meine Enkel finden mich, glaube ich, ganz schön cool. Und meine Kinder? Die haben sich bislang jedenfalls auch nicht groß beschwert.
Das 21. Jahrhundert lässt grüßen
Einen Liebesbrief an Oma und Opa schreiben, gehört nach Ansicht einer der vielen Familienzeitschriften zu den “10 Dingen, die Sie unbedingt mit Ihrem Kind gemacht haben sollten.” Danach braucht man dazu: Briefpapier, Buntstifte, Briefumschlag, ein Foto des Kindes mit seinen Großeltern und Klebstoff. “Warum sind Oma und Opa eigentlich so toll?”, soll man jetzt das Kind fragen, ihm fielen bestimmt ganz viele Dinge ein – vom Süßigkeiten-Dauerabo bis zu endlosen Spielstunden. Dass das Mädchen in der nebenstehenden Illustration so aussieht, als wenn es dem Vater, während es an die Oma denkt, die Zunge rausstreckt, hat in der Redaktion wohl niemand gesehen und soll hier auch weiter keine Rolle spielen. Denn auf das Briefpapier könne das Kind nun malen, was ihm an den Großeltern am besten gefalle. Noch das Foto aufkleben und alles in einen frankierten Briefumschlag stecken, lautet die weitere Empfehlung, bevor es abschließend heißt: “Und ab geht die Post: Schnell zum Briefkasten und den Liebesbrief abschicken.” Was soll ich sagen? Ich weiß ja nicht, wer die genaue Zielgruppe dieser Zeitschrift ist. Aber unsere Enkel, die zwar auch für Oma und Opa gerne malen und basteln, kommunizieren mit uns in aller Regel, wenn wir nicht gerade über das Festnetz telefonieren, über FaceTime oder Skype. Das 21. Jahrhundert lässt grüßen.
“Schon euren Urlaub festgelegt?”
Dieser Tage gewährte ein älterer Herr, der auch Großvater war, einer illustren Herrenrunde einen amüsanten Einblick in sein Privatleben: Eines Abends habe das Telefon geklingelt und eine seiner verheirateten Töchter sei am Telefon gewesen. “Habt ihr schon euren Urlaub festgelegt?”, habe sie gefragt. Das “Wieso” sei dahingehend beantwortet worden, dass das junge Paar gerne den Kombi der Großeltern für die eigene Urlaubsreise in den fernen Süden Europas habe ausleihen wollen. Der eigene Wagen sei nämlich zu klein, zu unbequem, zudem stehe eine Inspektion an und es könne durchaus sein, dass der Motor, der ohnehin so komische Geräusche mache, bei dieser Gelegenheit ausgetauscht werden müsse. Und es wäre toll, wenn Opa das in der Zwischenzeit erledigen könne. Wie denn das Paar diesen doch sicher anstrengenden Urlaub mit den Kindern zu bewerkstelligen gedenke, habe er dann wissen wollen. “Überhaupt nicht”, sei die fassungs- wie verständnislose Antwort gewesen, vielmehr wolle man die Kinder bei den Großeltern lassen. “Ja und wann wollt ihr die Enkel bringen?”, habe die doch wohl berechtigte, weil nicht unbedeutende Frage gelautet. “Heute Abend”, sei die irgendwie sehr selbstverständlich klingende Antwort gewesen. Nun, um es kurz zu machen: Dem Anliegen, obwohl doch etwas kurzfristig, konnte und wollte sich der Großvater mit seiner Frau nicht widersetzen. Und als Oma und Opa dann, so berichtete der Großvater unter dem schallenden Gelächter der Runde weiter, sich an die dringend notwendigen Vorbereitungen gemacht hätten, habe erneut das Telefon geklingelt und die andere verheiratete Tochter mit Kindern sei in der Leitung gewesen: “Habt ihr schon euren Urlaub festgelegt?” Was soll ich sagen? Eine schöne Geschichte oder wie im wirklichen Leben – wohl dem, der nerven- und leistungsstarke Großeltern hat.
Warzen: Das Geheimnis
Warzen sind eine weit verbreitete Plage, vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Unsere Enkel sind bislang von diesen lästigen Gebilden verschont geblieben. Noch, muss man wohl hinzufügen. Denn die Medizin kennt mittlerweile mehr als 100 verschiedene Subtypen an Human Papilloma Viren, die für die Warzen verantwortlich und eben hoch ansteckend sind. Die Inkubationszeit beträgt vier Wochen bis acht Monate. Jeder, der in seinem Leben schon einmal eine Warze gehabt hat, weiß, wie lästig und belastend derartige Hautveränderungen sein können. Die Behandlungsmethoden, die die Ärzte so alle in Petto haben, sind so vielfältig wie die verschiedenen Warzentypen, die es gibt. Flachwarzen, Stachelwarzen, Dornwarzen, Feigwarzen und noch einige mehr werden aufgezählt. Die Wirksamkeit der verschiedenen Heilmethoden kann dabei durchaus umstritten sein. Jedenfalls scheinen die Ärzte nicht immer genau zu wissen, ob ihre Methode für eine Heilung tatsächlich ursächlich war. Was soll ich sagen? Ich traue mich kaum, es hier niederzuschreiben. Aber, bis auf einen, war jeder meiner Versuche, Warzen zu beseitigen, erfolgreich. Ich bin kein Arzt, nur ein einfacher Opa. Aber, wer wirklich Not hat, dem verrate ich gerne mein Geheimnis – ohne Gewähr selbstverständlich.
