Nachdem Oma ja Richtung Holland entschwunden ist, ist Opa Strohwitwer. Über die Herkunft dieses Begriffes gibt es verschiedene Theorien. Wen’s interessiert, kann das bei Wikipedia nachlesen. Ich für meinen Teil halte es da mit Goethes Faust und klage frei nach Marthe: Gott verzeih’ s meiner lieben Frau, Sie hat an mir nicht wohl getan! Geht da stracks in die Welt hinein, Und läßt mich auf dem Stroh allein. So hätte es eigentlich ein ruhiges verlängertes Wochenende werden können. Aber irgendwie ist daraus nichts geworden. Den Donnerstagabend und die halbe Nacht habe ich mehr oder weniger vor meinem iPad verbracht und die Odyssee von Oma verfolgt. Am Freitag war ich zunächst im Büro ungemein produktiv, habe zwischendurch noch Tochter und Enkel bekocht und am Nachmittag einen Freund im Krankenhaus besucht, um dann bis spät in die Nacht hinein das halbe Büro umzuräumen. Der Samstag stand dann erst im Zeichen der Entsorgung der Möbel, die nun nicht mehr benötigt werden. Dann ging es in den Garten: Rasen mähen, Hecke schneiden, Rasen- und Heckenschnitt beseitigen, Terrasse fegen, aufräumen. Nach dem Einkaufen – der Kühlschrank wies bereits bedrohliche Lücken auf – mussten der Rasen gesprengt und die Blumen gegossen werden. Gekocht und gegessen habe ich schließlich auch noch und bin dann irgendwann todmüde ins Bett gefallen. Was soll ich sagen? Gott sei Dank kommt Oma heute wieder nach Hause.
Omas Odyssee
Opa muss es heute einmal Homer gleichtun und von einer Odyssee berichten – deshalb ist der Text auch etwas länger als üblich. Während der griechische Dichter die Abenteuer des Königs Odysseus von Ithaka und seiner Gefährten auf der Heimfahrt aus dem Trojanischen Krieg schilderte, geht es hier um die abenteuerliche Irrfahrt von Oma, die diese hinter sich hat – gemeinsam mit zahlreichen Leidensgenossen, und doch ziemlich allein gelassen. Also: Oma hat sich auf den Weg gemacht, ihre Mama zu besuchen. Da das mit dem Auto ziemlich weit ist, hat sie beschlossen, ein Flugzeug zu nehmen. Sie buchte bei Transavia, geplante Abflugzeit in Berlin: Donnerstag, 21.40 Uhr, geplante Ankunftszeit in Eindhoven: Donnerstag, 23.00 Uhr. Dass ausgerechnet an diesem Tag ein schweres Unwetter den Abflug verzögerte, ist Transavia nicht anzukreiden. Aber was danach folgte, ist eine Frechheit sondergleichen. Wie üblich wurden die Fluggäste in die Maschine verfrachtet, obwohl sich die Sperrung des Flughafens Tegel bereits seit geraumer Zeit abzeichnet hatte. In der gut gewärmten Kabine des Fliegers ließ man sie dann während des Unwetters schön sitzen – und schwitzen. Als es dann endlich kurz vor Mitternacht losging, hat den Passagieren vorsichtshalber niemand gesagt, dass der Zielort nicht mehr Eindhoven ist, weil der dortige Flughafen nämlich – wie jeden Tag üblich – bereits um 23.45 Uhr geschlossen hat. Vielmehr ging es jetzt nach Amsterdam, dessen Flughafen Schiphol immerhin 127 Kilometer vom Eindhoven Airport entfernt liegt. Doch davon erfuhren die Reisenden erst in der Luft und mehr oder weniger kurz vor der Landung. Opa schwante schon etwas früher, dass da etwas faul sein musste, da er den ganzen Flug über flightradar24 verfolgt und sich schon gewundert hatte, dass die Maschine keine Anstalten machte, nach Süden Richtung Eindhoven abzudrehen. Doch zurück in die Maschine. Dort erzählte man den Passagieren etwas von, nein nicht Tulpen, sondern Bussen in Amsterdam, die sie dann nach Eindhoven bringen würden. Als besonderer Service wurde sogar noch verkauft, dass man wählen könne zwischen Eindhoven Flughafen und Eindhoven Bahnhof. Man solle sich nur an die netten Damen von KLM wenden, die würden einem dann schon weiterhelfen. So weit, so gut. Doch als die Fluggäste ausgestiegen und mühsam an ihr Gepäck gekommen waren, wussten die KLM-Damen von nichts, schon gar nicht von irgendwelchen Bussen. Und von der Fluggesellschaft Transavia war auch keiner mehr zu sehen. Irgendwie und irgendwann, nach endlosen Debatten und Kilometern tauchten dann doch irgendwelche Busse auf, die tatsächlich nach Eindhoven fuhren. Dass man den leidgeprüften Menschen etwas zu trinken angeboten hätte, darauf ist, wen wundert’s, auch niemand gekommen. So war das einzige, was den Reisenden blieb: Holland bei Nacht. Soll ja auch ganz schön sein. Am Freitag um 3.10 Uhr ist der Bus schließlich am Flughafen Eindhoven vorgefahren, am Bahnhof entsprechend später. Was soll ich sagen? Da hätte Oma auch das Auto nehmen können, dann wäre sie sicherlich früher bei ihrer Mama gewesen.
PS: Auf Transavia wird Oma sicherlich noch einmal zurückkommen.
“Die RechtSchreip-Katerstrofe”
Der aktuelle “SPIEGEL” spricht Opa aus der Seele, was zugegebener Maßen nicht immer der Fall ist. “Die RechtSchreip-Katerstrofe” lautet die plakative Überschrift der Titelseite, die derzeit die Menschen von Flensburg bis Garmisch-Partenkirchen von den Kiosken aus anlacht. Doch zum Lachen gibt es leider gar nichts. Vielmehr wird da eine bittere Wahrheit verkündet: Viel zu viele Kinder sind unfähig, sich auch nur einigermaßen nach den Regeln des Dudens schriftlich auszudrücken. Dabei können die Jungen und Mädchen am wenigsten dafür. Vielmehr haben vermeintliche Pädagogen nichts unversucht gelassen und mit sogenannten Reformen die Schüler traktiert. Politiker taten mit ihren ideologischen Grabenkämpfen ein Übriges und beglückten die Schulen ebenfalls mit Reformen, die nach dem nächsten Wahlgang natürlich wieder reformiert werden mussten. Was soll ich sagen? In Anlehnung an den Spruch auf einem bildungskritischen T-Shirt: Die kinda prauchen keine Leerer und politika mär, die sin nähmlich Selba shon shlau!
Männergespräche
An einem der jüngsten Sommertage, nicht zu warm und nicht zu kalt, war ich mit meinem ältesten Enkel im Park unterwegs. Nachdem wir den Spielplatz unsicher gemacht, den Brunnen gründlich untersucht und der Konzertkapelle gelauscht hatten, haben wir uns an einem kleinen Teich niedergelassen, den Enten zugeschaut und so getan, als ob wir angelten. Irgendeiner dieser unvermeidlichen Familienpaparazzi hat uns natürlich dauernd ins Visier genommen. Aber davon haben wir uns nicht weiter beeindrucken lassen. Wir haben über dies geredet und über das und über Gott und die Welt. Was soll ich sagen? Männergespräche eben, die gehen ohnehin niemanden etwas an.
Der König von Amerika
Barack Obama hält heute seine große Rede am Brandenburger Tor in Berlin. Bei seinem letzten Besuch durfte er nur an der Siegessäule reden. Aber sei’s drum. Die Sicherheitskräfte haben dieses Mal vermutlich noch intensiver als beim letzten Mal alles unter die Lupe genommen, was nicht niet- und nagelfest war. Auch unser ältester Enkel hat sich ein Bild von der Sicherheitslage verschafft. Jedenfalls war er noch am Wochenende mit seiner Mutter und seiner schwangeren Patentante am Brandenburger Tor und hat die Kontrolleure kontrolliert, die die Ecken, Schächte und Gullydeckel auf eventuelle Schwachstellen untersucht haben. Doch irgendwie hat ihn die hektische Betriebsamkeit dann doch irritiert. Jedenfalls fragte er plötzlich: “Was machen die hier eigentlich?” Pflichtschuldig antworte seine Mutter: “Die machen alles für Obama sicher.” Die nächste Frage unseres Enkels war denn zwangsläufig: “Wer bitte ist Obama.” Seine Mutter: “Der Präsident von Amerika.” Unser Enkel: “Also der König von der Amerika.” Was soll ich sagen? Kann man so sehen – allerdings mit feststehendem Verfallsdatum.
Hochzeit, was war das nochmal?
Kinder wissen ja eigentlich schon alles, vergessen bloß hin und wieder mal was. (Geht Opas übrigens auch nicht anders.) Und so wollte unser ältester Enkel neulich, als die Erwachsenen über heiraten, Hochzeit und Ehe redeten, von seiner Mutter wissen: “Hochzeit, was war das nochmal?” Unsere Tochter dachte kurz nach und ließ hiernach hören: “Na ja, wenn ein Mann und eine Frau sich ganz toll lieb haben und beschließen, den Rest ihres Lebens miteinander zu verbringen, dann sagen sie: Okay, dann können wir auch heiraten und Hochzeit feiern.” Ihr Kleiner dachte ebenfalls kurz nach und gab dann zum Besten: “Ach ja, und dann kommen die Babys.” Was soll ich sagen? Kann so sein, muss es aber nicht und ist leider ziemlich oft ganz anders, wenn man beide Antworten zusammen nimmt. Aber unser junger Freund ist ja Gott sei Dank, was diese Thematik betrifft, noch ziemlich unbefangen. Und ganz sicher hat er noch nie davon gehört, dass Zyniker die Ehe gemeinhin als den Versuch definieren, gemeinsam Probleme zu lösen, die man alleine nicht gehabt hätte.
Windpocken, nicht ansteckend
Unser ältester Enkel war jetzt bei einer großen Veranstaltung, die sich um den Tag der Technik 2013 drehte und bei der über 90 andere Kinder waren. Der bekannte TV-Moderator Stefan Gödde hatte sich ebenfalls die Ehre gegeben und der Veranstaltung mit seinem unnachahmlichen Charme eine ganz besondere Note verliehen. Es gab natürlich viel Technisches, das in der Tat begeisterte. Was die Teilnehmer aber im wahrsten Sinne des Wortes noch mehr bewegte, waren die dort auftretenden “Windpocken”. Die sind nach eigener Aussage “zwar brandgefährlich, aber nicht ansteckend”. “Windpocken” ist nämlich die deutsche Übersetzung für “Catapora”, wie die Trommelgruppe tatsächlich heißt und was im Portugiesischen eben für Windpocken steht. In der Tupí-Sprache der Ureinwohner Brasiliens bedeutet es aber auch soviel wie “Springendes Feuer”. Kein Wunder also, dass es auf der Website der Band heißt: “Wenn ihr also ein Kribbeln in euren Füssen verspürt und eure Glieder anfangen, rhythmisch zu zucken, dann seid vielleicht auch ihr entbrannt.” Was soll ich sagen? Die Inkubationszeit bei der Veranstaltung ließ sich in Sekunden messen. Den brasilianischen Rhythmen konnte sich keiner entziehen, auch nicht unser Enkel, der jetzt unbedingt Trommler werden will. Dann kann er ja gleich bei “Catapora” anfangen. Da hätte sogar Opa Spaß dran. Allerdings hat der bei weitem nicht so viel Rhythmusgefühl wie sein kleiner Großer.
„Wie iPad-Puzzle!“
Unsere beiden Kleinen sind, wie die meisten Kinder der Smartphone-Eltern-Generation, ziemlich pfiffig im Umgang mit iPhone & Co. Neulich, als Oma ihren Aufpass-Nachmittag mit unserem Jüngsten hatte, kramte sie ein Puzzle aus dem Schrank. Nicht so eins wie früher, aus Holz oder Pappe. Nein, eins bestehend aus einer Blechbüchse mit Landschaften und magnetischen Puzzleteilen, aus denen Trecker, Boote, Bagger und Lastwagen zusammengeschoben werden können. Ganz konzentriert und mit wachsender Begeisterung verarbeitete er in kürzester Zeit alle Teile. Als alles fertig war, sagte er: „Wie iPad-Puzzle!“ Was soll ich sagen? Viele meinen ja, früher sei alles besser gewesen, eben aus Holz oder Pappe. Das Moderne allerdings ist unaufhaltsam.
Läuse-Alarm
Zu allen Zeiten gab es in Kindergärten und Schulen Läuse. Sie kommen eben immer mal wieder und überall vor. So hieß es denn auch jüngst in dem Kindergarten unseres Großen: Läuse-Alarm. Bis dato wurde auf seinem Schopf noch kein Tierchen gesichtet, aber es wird jeden Tag fleißig nachgeschaut. Und das nicht nur bei ihm, sondern bei der ganzen Familie. Das ist auch bitter nötig. Denn Läuse fühlen sich besonders auf gewaschenen Köpfen ausgesprochen wohl und haben insofern nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Sollte also tatsächlich einmal eine Laus übergesprungen sein, ist man diese nach wiederholtem Waschen mit einem speziellen Shampoo und Kämmen mit einem Nissenkamm bereits nach einer Woche wieder los. Anzeichen für Läuse sind: Kratzen am Kopf, schwarze Tierchen und/oder weiße Nissen im Haar sowie rote Stellen auf der Kopfhaut – vermutlich die Nationalfarben der Läuse. Was soll ich sagen? Jetzt weiß ich, warum manche Kinder Haare waschen hassen.
Hart im Nehmen
Unser Jüngster hat sich dieser Tag so hingelegt, dass alleine das Anschauen der dadurch verursachten Beule auf seiner Stirn schon wehtat. Ein riesiges Ding, und dazu noch in allen Farben, die so ein Bluterguss mit sich bringt. Ganz stolz berichtete er Oma vom Besuch im Krankenhaus, der nach dieser Bruchlandung wohl auch angebracht war. Die Ärztin habe hier und da gedrückt, und hier noch mal und da. Auch der große Bauch (vorne, Anmerkung von Opa) sei untersucht worden, und der kleine auf dem Rücken ebenfalls. Was soll ich sagen? Auf welche Körperteile und -regionen Ärzte so kommen, wenn sie kontrollieren wollen, ob noch alles in Ordnung ist. Aber wie auch immer: Ein ganz tapferer Bursche ist dieser kleine Mann, richtig hart im Nehmen.
