Großeltern-Großkampftag

So etwas nennt man Großeltern-Großkampftag: Aus dem Kindergarten kam Oma gleich mit beiden Enkeln heim, die offensichtlich bis zum Anschlag mit Energie aufgeladen waren. Vom Büro aus hörte ich, wie sie versuchte, die beiden Buben, so gut es ging, in Schach zu halten: Groß-Reinemachen, Toben, Raufen, Fußball – mit entsprechender Begleitmusik. Gottlob war das Wetter so, dass alle Aktionen draußen stattfinden konnten. Als sich ohrenscheinlich einer der beiden wehgetan hatte, eilte ich Oma zur Hilfe. Als ich am Ort des Geschehens ankam, war schon wieder alles vorbei und gut. Die Jungs wässerten und schrubbten unsere Terrasse, dass dem kleinen Viechzeug wie Spinnen, Käfern und all dem, was es sonst noch so alles gibt, hören und sehen verging. Als Oma dann den Wasserhahn endgültig zugedreht hatte, dauerte es nicht lange, bis die Cousins Toben und Raufen auf das Programm gesetzt hatten. Sie waren die Polizisten, Oma und Opa die Räuber. Als dann dieses Kapitel beendet war, ging es mit Fußball und einer Mischung aus Football und Rugby weiter. Auch dabei verzeichnete unser Seismograph Energieeruptionen größeren Ausmaßes, die ihren vorläufigen Höhepunkt darin fanden, dass der Ball ziemlich gezielt über die Hecke befördert wurde – und das gleich in Serie. Als ich dann bei einer der Rückholaktionen von Oma zu den beiden Rabauken meinte: „Jetzt kommt mal runter“, staunte ich nicht schlecht, als sich beide ins Gras fallen ließen und einfach liegen blieben. Was soll ich sagen? Kinder nehmen eben alles wörtlich. Gut, dass Oma noch ein Schulspiel in Reserve hatte und gleich das Thema „doppelter Wortsinn“ durchnehmen konnte.

PutzenGroß-Reinemachen (oben) mit anschließendem Toben und Runterkommen (unten).Toben1   Toben 2Toben 3   Toben4

Von wegen zu schwach!

Unsere beiden Enkel sind schon Prachtburschen und eben richtige Jungs. Dass unser Ältester hart im Nehmen ist, habe ich ja schon berichtet (“Ich will die Kälte fühlen”). Aber auch unser Jüngster ist nicht von schlechten Eltern und steht seinem Cousin in nichts nach. Jedenfalls wollte ich Oma erst gar nicht glauben, dass der kleine Mann ganz versessen auf unsere Lieblingspastillen ist. Denn die sind wirklich scharf. Als wir ihn aber jetzt vom Kindergarten abholten und er mich im Auto fragte, ob er denn eins von seinen Lieblingsbonbons haben könnte, war ich platt. Er hat es weggelutscht, als wäre das gar nichts, und wollte gleich noch ein zweites. Dabei heißt es in der Werbung: Sind sie zu stark, bist du zu schwach. Was soll ich sagen? Von wegen zu schwach, unser Jüngster!

PS: Ich weiß, es gibt auch starke Mädchen.

Enkel müsste man sein

Um erst einmal alle zu beruhigen: Bislang ist bei uns noch kein Team der Special Forces eingeritten und hat alle Computer wegen der Enthüllungen zur NSA unschädlich gemacht. Ansonsten könnte Opa ja auch seinen Blog nicht mehr betreiben. Heute soll es aber wieder um die Enkel gehen. Die sind nämlich, so unterschiedlich sie auch sein mögen, sich dann doch wieder ziemlich ähnlich. Jedenfalls hat Oma festgestellt, dass bestimmte Redensarten offensichtlich angeboren sein müssen. Jedenfalls in unserer Familie. “Wollen wir …”, gehört gerade zum Standardrepertoire unseres jüngsten Enkels und erinnert stark an das, was unser ältester in diesem Alter immer zum Besten gegeben hat. Was soll ich sagen? Manchmal beneide ich meine Enkel. Wenn ich mal zu Oma sage “Wollen wir …”, kommt das nicht immer so gut an, wie es das bei unseren Enkeln tut. Selbst wenn es nur heißt: “Wollen wir jetzt ein Eis essen?” Enkel müsste man eben sein.

Was für ein Vertrauen!

Die Geschichte ist verrückt und rührend zugleich. Vor etwa 15 Jahren marschiert da ein Mann namens Peter Edwards in Wales in ein Wettbüro und setzt 50 Pfund darauf, dass sein Enkel, der zu diesem Zeitpunkt nicht einmal zwei Jahre alt ist, irgendwann einmal im Trikot der walisischen Fußball-Nationalmannschaft auflaufen wird. Als jetzt am letzten Spieltag der WM-Qualifikation Wales in Belgien spielt, wechselt Nationaltrainer Chris Coleman in der 87. Minute einen jungen Mann ein, der Harry Wilson heißt, mit seinen 16 Jahren als jüngster Debütant in die Geschichte der walisischen Nationalmannschaft eingeht und, Sie ahnen es schon, der Enkel von Peter Edwards ist. Damit kann sich dieser nun, nachdem er damals eine Quote von 2500:1 erhalten hat,  über 125.000 Pfund, das sind immerhin rund 150.000 Euro, freuen. Warum er seinerzeit auf seinen Enkel gesetzt hat, erklärt der stolze Opa so: “Er jagte immer dem Ball hinterher, auf Händen und Füßen, bevor er überhaupt laufen konnte”, wird er vom “Guardian” zitiert. Was soll ich sagen? So ein Vertrauen kann auch nur ein Opa in seinen Enkel haben.

Nichts für unsere Enkel

Opa ist immer auf der Suche nach spannenden Ausflugsorten, zu denen er seine Enkel jetzt oder in absehbarer Zukunft „entführen“ kann. Auch Oma schaut, was es so alles an Orten gibt, die für unsere beiden Süßen geeignet erscheinen. Dabei sind wir auf einen Freizeitpark gestoßen, der allerdings weniger unsere Enkel als vielmehr Autoren oder Filmemacher von Gruselgeschichten ansprechen dürfte – um nicht gleich von Horrorbüchern oder -filmen zu reden: Der Spreepark Plänterwald in Berlin. Recherchiert man dazu im Internet, stößt man sehr schnell auf Begrifflichkeiten wie „Dornröschenschlaf“, „Geisterstadt“, „verlorener Ort“ oder „Objekt zum Gruseln“. Der Berliner „Tagesspiegel“ beschreibt das u.a. so: „Die grüne Fahrrinne der Wildwasserbahn ist von Rost zerfressen. Im schmuddeligen Wasser des Sees darunter dümpelt eine Bierflasche. … Nach der Pleite 2001 ist das Lachen der Besucher gespenstischer Stille gewichen, die Anlage zerfällt.“ Während nach wie vor ein Investor gesucht wird, sind die „Geschichten aus dem Plänterwald“ der Renner. Und nicht erst, seitdem die Neuköllner Oper 2006 die gleichnamige musikalische Standortuntersuchung vorgenommen hat. Schon vorher beinhalteten die Geschehnisse alle Zutaten, die man für nervenzerfetzende Thriller benötigt: Ein schon einmal gescheiterter Schausteller übernimmt nach der Wende de facto die Regie im Plänterwald, macht aus dem VEB Kulturpark einen Freizeitpark, geht in die Insolvenz, setzt sich fluchtartig mit sechs seiner Attraktionen nach Peru ab, floppt dort erneut und versucht seine Rückkehr nach Deutschland mit einem veritablen Kokain-Transport zu finanzieren. Auch das geht in die Hose. Und so muss das Areal nach wie vor als Kulisse für Fernseh-, Film- oder Theaterproduktionen herhalten, denn auch die jüngste Zwangsversteigerung platzte auf abenteuerliche Weise. Ansonsten: Ein Wanken zwischen Armageddon und Apokalypse. Was soll ich sagen? Also, für unsere Enkel ist der Spreepark Plänterwald derzeit ganz sicher nichts. Aber für eine Teilnahme an der „Blogparade: Unheimliche Orte und düstere Legenden aus ganz Deutschland gesucht!“ ist er genau das Richtige.

Plänterwald Zerfällt in gespenstischer Stille: Der Spreepark Plänterwald in Berlin.

Halbe Portion

Kinder können ja ganz schöne Dreckspatzen sein. Nun macht es ja auch ausgesprochen Spaß, sich vollzusauen und mit allem Möglichen einzuschmieren. Genauso toll ist es aber, das Ganze wieder abzuwaschen. Jedenfalls lieben es unsere Enkel, stundenlang und mit wachsender Begeisterung im Badezimmer mit Wasser herumzuspielen. Und so sind sie auch nicht abgeneigt, wenn das Kommando ihrer Mütter ertönt: “Ab in die Wanne.” Bei einem der letzten derartigen Waschgänge unseres ältesten Enkels telefonierte Oma mit ihrer Tochter. Die gab zwischendurch ein paar Fernhinweise: “Vor allem den Kopf und den Popo waschen!” Die Rückfrage ließ nicht lange auf sich warten: “Soll ich den ganzen Menschen baden?” Da waren Mama und Oma erst einmal sprachlos. Was soll ich sagen? Den halben macht ja auch keinen Sinn, selbst wenn der nur eine halbe Portion ist.

“Ich muss mal”

Menschliche Bedürfnisse kommen manchmal schneller daher, als einem lieb ist. Das geht Kindern nicht anders als Erwachsenen. Bloß haben es die Kleinen zuweilen etwas schwerer, mit derartigen Notlagen fertig zu werden. Als unser ältester Enkel neulich mit seinen Eltern im Auto unterwegs war, pressierte es ihm plötzlich sehr. “Ich muss mal”, tat er seinen Eltern kund. Da man aber bekanntlich nicht so einfach auf der Straße anhalten kann, um seine Notdurft zu verrichten, fragte der Papa: “Kannst du es noch aufhalten?” Da unser Kleiner mittlerweile schon ein ganz Großer ist, verkündete er selbstsicher: “Ich glaube schon.” Irgendwie wollte sein Vater aber wohl sicher gehen und fragte noch einmal genauer nach: “Musst du denn Pipi oder Aa?” Was soll ich sagen? Wer dumm fragt, bekommt eine entsprechende Antwort. Die unseres Enkel lautete: “Ich weiß doch nicht, was da rauskommt.”

Opa unterstützt Sarah Wiener

Die aus dem Fernsehen bekannte Köchin Sarah Wiener setzt sich mit ihrer gleichnamigen Stiftung für “gesunde Kinder und was Vernünftiges zu essen” ein. Und das ist auch gut so. Fast noch besser ist, dass sie jetzt im Apothekermagazin “Senioren Ratgeber” verbal nachgelegt hat. Mit Würstchen oder Pizza an jeder Ecke “verschlammten” die jungen Leute ihre Geschmacksnerven, formuliert sie und appelliert: “Ich kann jede Großmutter – und die wenigen Großväter, die es können – nur inständig bitten, dem Kind, dem Enkel, dem Nachbarskind Kochen beizubringen”, sagt sie. “Wenn man nicht weiß, wie natürliche Hühnersuppe schmeckt, und wenn man nicht erlebt hat, wie sinnlich das Kochen ist, wird man auch keine Sehnsucht danach verspüren.” Was soll ich sagen? Recht hat sie. Opa wird Sarah Wiener in Sachen Kinderernährung auf jeden Fall unterstützen. Und Oma natürlich auch.

Im Dauer-Wimmel-Einsatz

Unsere beiden Enkelkinder sind große Fans von Wimmelbüchern. Das sind Bücher, in denen es, und das ist jetzt kein Kalauer, nur so von Menschen, Tieren und Sachen wimmelt. Für die ganz Kleinen gibt es spezielle Ausgaben, in denen sich dann auf jeder Seite ein und derselbe Gegenstand, ein kleiner blauer Bagger oder ein kleiner roter Helm, wiederfindet, den es zu entdecken gilt. Für unsere Kurzen ist das kein Problem. Wenn sie das Teil einmal ausgemacht haben, zeigen sie schneller darauf, als Opa blättern kann. Dennoch können sie nicht genug davon bekommen. Oma und Opa sind sozusagen immer im Dauer-Wimmel-Einsatz. Aber auch alleine greifen sie zu ihren Wimmelbüchern. Neulich haben sich beide sogar in einen Sessel gezwängt und gemeinsam ein Wimmelbuch gelesen. Da sage noch einer, lesen macht einsam. Nach meiner Beobachtung war das ein klassisches Gemeinschaftserlebnis. Was soll ich sagen? Derartige Gemeinschaftserlebnisse können auch Erwachsene haben. Für die gibt es nämlich auch Wimmelbilder. Eines der bekanntesten Wimmelgemälde, “Die niederländischen Sprichwörter”, stammt von Pieter Bruegel dem Älteren, einem niederländischen Maler. Um das 1559 entstandene Werk, auf dem über 100 niederländische Sinnsprüche und Redewendungen bildlich dargestellt sind, zu sehen, muss man noch nicht einmal in unser Nachbarland reisen. Ein Kurzbesuch in der deutschen Hauptstadt reicht. Das Bild hängt nämlich in der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin.

Let’s talk about s…

Let’s talk about s… Nein, nicht was Sie wieder denken. Let’s talk about snow. Ja, Sie hören richtig. Mitten im Frühling und kurz vor dem Sommer wollen wir über Schnee reden. Was heißt wollen, wir müssen. Denn mein ältester Enkel hat doch – und ausgerechnet an dem Tag, als die Temperaturen bereits merklich über 20 Grad gestiegen waren – tatsächlich Schneefall registriert. “Oma, es schneit”, kam er ganz aufgeregt daher und zog seine Großmutter in die Richtung, in der der mutmaßliche Schneesturm tobte. Und tatsächlich, alles war weiß: Die Straße, der Zaun, die Autos, alles war weiß. Allerdings entpuppte sich die weiße Pracht bei näherem Hinsehen nicht als Schnee, sondern als Blätteransammlung eines in voller Blüte stehenden Zierapfels auf einem der gegenüberliegenden Grundstücke. Ein wahrhaftig tolles Bild, das einen Schnappschuss verdient hätte. Doch leider war Opa mit seiner Kamera nicht zur Stelle. Was soll ich sagen? Ich werde Oma bei der nächst besten Gelegenheit wieder so eine kleine Pocketkamera schenken. Die letzte hatte leider ein gemeinsames Fotoshooting mit einem unserer Enkel nicht überlebt.