“Opa ‘mal”

Kinder haben eine Vorstellungskraft, die wir Erwachsenen im Laufe unseres Reifeprozesses wahrscheinlich schon relativ früh verloren haben. Die Phantasie der Kleinen ist dabei so verblüffend wie einfach, so dass wir zuweilen Schwierigkeiten haben, ihr zu folgen. Als unsere Enkel jüngst wieder einmal bei uns waren, haben diese sich in unserer offenen Küche hinter einer Anrichte versteckt. Opa wurde daraufhin von Oma aufgefordert, nunmehr die Beiden zu suchen. Ich faselte etwas von Schlafzimmer, in dem ich zunächst einmal nachschauen wollte, und schlich mich langsam und leise an die zwei Buben heran, die mich aus ihrer Position nicht sehen konnten. Mit lautem Löwengebrüll sprang ich dann um die Ecke, was wiederum zu lautem und begeistertem Kindergebrüll führte. “Opa ‘mal”, juchzte der ganz Kleine vor Freude, was im Klartext bedeutete, ich solle das Spektakel doch bitte wiederholen. Das tat ich natürlich – und zwar vollkommen identisch. Was wiederum zu der Bitte führte: “Opa ‘mal.” Was soll ich sagen? Das Ganze wiederholte sich unzählige Male, mit immer wachsender Begeisterung bei den Kindern. Und die konnten sich jedes Mal aufs Neue vorstellen, dass ich zunächst ins Schlafzimmer gehen würde, und sich dann zu Tode erschrecken. Da kann man richtig neidisch werden.

“Wenn du deinen Teller aufisst”

Die Kommunikation zwischen Erwachsenen und Kindern ist manchmal doch recht schwierig. Besonders für die Kleinen ist es nicht immer ganz einfach, zu wissen, was die Großen nun eigentlich wollen. Da soll man dies tun und das andere lassen, wie etwas sagen oder dann doch wieder den Mund halten, sich bemerkbar machen oder still sein, teilen oder auf seine Sachen aufpassen. Mal lachen die Erwachsenen, wenn man beim Essen schmatzt, rülpst oder sonstige Laute von sich gibt, ein anderes Mal gibt es bei gleicher Gelegenheit ein riesiges Donnerwetter. Was man auch tut, im Zweifelsfall ist es verkehrt. So oder so ähnlich müssen Kinder denken. Jedenfalls kann ich mich noch gut an die eine oder andere Begebenheit erinnern, bei der mir in jungen Jahren vergleichbare Gedanken durch den Kopf gegangen sind. Als meine Enkel jüngst wieder bei uns waren, ist mir ein weiteres Beispiel aufgefallen, bei dem die Kinder denken müssen: Die spinnen, die Erwachsenen. Da versuchte doch Oma, einen unserer Enkel dadurch zum Essen zu ermuntern, indem sie ihm in Aussicht stellte: “Wenn du deinen Teller aufisst, gibt’s nachher noch ein Eis.” Was soll ich sagen? Das Eis hätte der kleine Mann ganz sicher auch gebraucht, mindestens um seine Kiefer zu kühlen, nachdem diese das gute alte Porzellan unter ziemlich schmerzhaften Begleitumständen zerkleinert hätten.

Der erste Cabrio-Ausflug

Das Wetter ist jetzt endlich soweit, dass Besitzer von Cabrios ihre Fahrzeuge wieder guten Gewissens auf die Straße lassen können. Das hat auch unser ältester Enkel mitbekommen, der sofort die ihm eigentlich schon im vergangenen Jahr versprochene Cabrio-Premiere bei Oma und Opa einforderte. Da half keine noch so attraktive Ablenkung, selbst der Hinweis auf die nunmehr erforderlichen Umrüstarbeiten beeindruckte ihn in keinster Weise. Also machte sich Opa daran, dass Kinderstühlchen aus dem einen Auto aus- und in das andere einzumontieren. Dann war es soweit: Der Kleine nahm in seinem Stühlchen Platz, wurde dort vorschriftsmäßig angeschnallt, zog die Mütze über den Kopf und los ging die Fahrt. Der Wind weckte nicht nur bei unserem Enkel das Gefühl von Freiheit und Abenteuer. Auch Oma und Opa sowie unsere Tochter genossen die Fahrt. Als nach einiger Zeit der Ausflug beendet und Tochter und Sohn wieder zu Hause abgeliefert worden waren, standen die beiden noch am Straßenrand, um die Großeltern zu verabschieden. Da plötzlich schaute der kleine Mann völlig entgeistert auf die Frontpartie des Cabrios und fragte seine Mutter: “Wieso sieht das Auto aus wie unseres?” Der Hinweis darauf, dass ihr Kombi von derselben Marke und aus derselben Modellreihe seien, konnte unseren Enkel nicht befriedigen. Was soll ich sagen? Woher soll der kleine Mann auch wissen, was eine Marke und eine Modellreihe sind. Das Leben ist manchmal ganz schön schwierig.

“forzicht frisch gelegt”

Jede Woche werden in Deutschlands Schulen rund 1.000.000 Unterrichtsstunden nicht stundenplangemäß gehalten. Das hat der Deutsche Philologenverband 2011 errechnet und weiter angemahnt, dass auf jede ersatzlos ausfallende Stunde mindestens eine weitere kommt, die nicht nach Stundenplan gehalten wird. Unterrichtsausfall scheint also hierzulande ein Massenphänomen zu sein. Am schlimmsten ist laut Philologenverband die Lage an Berufsschulen, an denen rund zehn Prozent des Unterrichts ausfällt. Es folgen die Gymnasien mit rund acht Prozent, an Grundschulen sind es rund vier Prozent. Zum Glück dauert es ja noch eine Weile, bis unsere Enkel eingeschult werden, aber bedenklich stimmt das alles schon. Vor allem Kinder mit Migrationshintergrund, die vielleicht auch noch in Brennpunktgebieten deutscher Großstädte wohnen und dort zudem durch die oftmals festgestellte Bildungsferne ihres Elternhauses benachteiligt sind, sind von diesem Missstand betroffen. Was soll ich sagen? Wie schlimm das alles ist, zeigt das unten abgebildete Bild, auf dem der sicher wohl gemeinte, aber doch sehr nachdenklich stimmende Hinweis eines Fliesenlegers zu lesen ist: “forzicht frisch gelegt”.

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Don Armani Karl-Heinz

Was können Eltern ihren Kindern doch antun. Auch bei der Auswahl von Vornamen mag man manchmal gar nicht glauben, was Mama und Papa so alles in den Sinn kommt. “Die Eltern wählen alles Mögliche», kann es selbst der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Standesbeamten, Jürgen Rast, nicht fassen. Sexmus Ronny, Don Armani Karl-Heinz und Camino Santiago Freigeist ließ beispielsweise das Standesamt Hamburg-Nord durchgehen, Desperado dagegen nicht. Pepper, Madison, Brooklyn, Pumuckl, Tarzan, Winnetou oder Schneewittchen sind landesweit wiederum kein Problem, selbst Sunil und Lenor erstrahlen mittlerweile salonfähig. Manchmal ist die Linie für die Namenseintragung aber auch schwierig nachzuvollziehen: Kirsche beispielsweise steht auf dem Index, Apple und Peaches gehen schon. Köln ist tabu, Colonia nicht. Porsche muss auf der Straße bleiben, Mercedes darf zum Vornamen avancieren. Brandy geht, Whisky nicht. Experten warnen eindringlich vor exotischen Vornamen, weil die Kinder ständig gehänselt würden. Was soll ich sagen? Eigentlich fällt mir dazu nichts ein. Gott sei Dank nur, dass Waldmeister, Joghurt, Crazy Horse und Borussia derzeit absolut chancenlos sind.

Prachtstück alter Technik

Unser Trauerfall, der schon unter der Überschrift “Der Kreis des Lebens” Thema war, beschäftigt uns zwangsläufig immer noch. Vor allem die Auflösung der Wohnung von Uri braucht seine Zeit. Dabei hätte meine Mutter ihre wahre Freude gehabt, wie viele von ihren Sachen auch bei ihren Enkeln untergekommen sind und Verwendung finden. Es gibt aber natürlich auch Dinge, bei denen erübrigt sich jede Diskussion, ob man sie auf den Weg alles Irdischen gibt. Dazu gehörte ganz sicher der Fernseher meiner Mutter, der zwar nicht ganz so alt war wie sie, aber für derartige Geräte doch schon sehr betagt. Jedenfalls besaß er noch eine Bildröhre und wog – gefühlt – mehrere Tonnen. Für alle diejenigen, die nicht mehr wissen, was eine Bildröhre ist, hier der Link zu Wikipedia. Um es an dieser Stelle aber kurz zu machen: Wir haben dieses Prachtstück alter Technik in einem der örtlichen Recyclinghöfe ordnungsgemäß entsorgt. Das hätten wir nach Ansicht unseres ältesten Enkels aber nicht tun sollen. “Den hätte ich gerne für mein Zimmer gehabt”, erklärte er seiner Mutter, die ihn offensichtlich ziemlich überrascht anschaute. “Opa hat mich überhaupt nicht gefragt”, legte er noch kurz und trocken nach. Was soll ich sagen? Er wäre so oder so enttäuscht worden. Unsere Töchter haben vor dem 18. Lebensjahr auch keinen Fernseher auf ihr Zimmer bekommen.

Des anderen Opas iPad

Gehören Sie zu den Menschen, die millionenfach diesen Film auf Youtube oder sonst wo angeklickt haben? Wenn nicht, muss erst einmal die Beschreibung reichen. Also: Tochter und Vater stehen in der Küche. Sie schneidet im Vordergrund Kartoffeln in einen Topf. Er hackt im Hintergrund offenbar Kräuter. Dabei entwickelt sich folgender Dialog. “Sag mal Papa, ich hab’ dich noch gar nicht gefragt: Wie kommst du eigentlich mit dem neuen iPad zurecht, das wir Dir zum Geburtstag geschenkt haben?” – “Gut.” – “Und mit den ganzen Apps kommst Du klar?” – “Was denn für Apps? Geh’ mal ein Stück zur Seite.” Als der Vater an den Topf will, macht die Tochter bereitwillig Platz. Der Vater, der aufgrund seines Alters ganz sicher Opa ist, hält sein Schneidebrett über den Topf und streicht unter den entsetzten Blicken seiner Tochter die Kräuter in den Topf, klopft mehrfach mit dem Messer auf das Brett, geht zur Spüle, hält das Teil von beiden Seiten unter Wasser und stellt es in die Spülmaschine. Spätestens an dieser Stelle ist auch dem letzten Betrachter klar geworden, dass das gerade kein Schneidebrett, sondern ein iPad war. Den mittlerweile völlig entgeisterten Blick seiner Tochter quittiert er im wahrsten Sinne des Wortes harm- und arglos mit der Frage: “Was ist?” Was soll ich sagen? Der Sketch von Martina Hill als Knallerfrau ist klasse. Aber so doof sind wir Opas dann doch nicht.

Ein Tag offline

Es war schrecklich. Heute konnte ich bis zum Abend nicht auf meinen Blog zugreifen. Da wird einem erst einmal wieder bewusst, wie abhängig wir mittlerweile von der Technik (geworden) sind. Diejenigen, die mit mir über Facebook oder Twitter verbunden sind, habe ich ja kontinuierlich informieren können. Die anderen aber werden sich sicher gefragt haben: Warum gibt es heute von Opa nichts Neues. Nun bin ich wieder online. Was soll ich sagen? Ein Tag offline ist schlimmer als ein Tag Krankenhaus. Dort bin ich nämlich – was Computer und Kommunikation betrifft – immer ziemlich schnell arbeitsfähig und mit der Welt verbunden.

PS: Den ursprünglich geplanten Beitrag gibt es natürlich trotzdem.

Solange du deine Füße …

Jeder kann sich vermutlich an diesen blöden Spruch seiner Eltern erinnern, den man eigentlich nie hören wollte: “Solange du deine Füße unter meinen Tisch stellst …” Weil meine Töchter diesen Spruch auch nicht hören konnten, vermeiden sie ihn heute, verwenden ihn dann allerdings doch, wenn auch leicht abgewandelt: “Das ist unsere Wohnung, da dürfen wir bestimmen”, heißt das dann und bedeutet letztlich nichts anderes. Aber bitte. Bestimmen spielt bei Kindern offensichtlich eine ganz große Rolle, egal in welchem Alter. In dieser wohl in jeder Generation stattfindenden Auseinandersetzung haben jetzt meine älteste Tochter und ihr Mann eine herbe Niederlage einstecken müssen. Auf eben den oben zitierten, abgewandelten Satz konterte ihr Filius ganz trocken: “Ich habe das ganze Haus gekauft.” Die ziemlich verdutzten Eltern wollten nun wissen: “Ja, wo denn?” Sie werden es jetzt nicht glauben, aber die Antwort lautete: “Bei Rei(s)chelt.” Was soll ich sagen? Das passt zu der Berliner Supermarktkette, wie die Faust aufs Auge. Lautet doch der aktueller Slogan des Lebensmittelhändlers: Reichelt – ein Stück Berlin! Ein starkes, möchte man da hinzufügen.

Opas Blog auf Platz 20

Es ist unglaublich, aber wahr: Opas Blog hat es in nur zwei Monaten geschafft, über 15.000 Besuche und über 45.000 Seitenzugriffe zu erzielen und sowie beim SeitTest-Website-Ranking auf Platz 20 der TOP-100 der besten deutschen Blogs und auf Platz 60 der TOP-100 der besten Webseiten über alle Themen zu kommen. SeitTest analysiert und bewertet Webseiten, wie ein Mensch es tun würde: Inhalt, Qualität und Usability zählen mehr als Backlinks und Keyword Densitiy. Bei diesem Test erhielt Opas Blog die Note “sehr gut”. Das ist eine sehr schöne Anerkennung für die viele Arbeit, die in diesem Blog steckt. Was soll ich sagen? Gleichzeitig ist es aber auch Ansporn dafür, so wie bisher weiterzumachen. Denn es ist schon eine große Herausforderung, jeden Tag einen Beitrag zu Posten und dabei ein hohes Niveau zu halten. Also versprochen, Opa bleibt dran.

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