Männergespräche

An einem der jüngsten Sommertage, nicht zu warm und nicht zu kalt, war ich mit meinem ältesten Enkel im Park unterwegs. Nachdem wir den Spielplatz unsicher gemacht, den Brunnen gründlich untersucht und der Konzertkapelle gelauscht hatten, haben wir uns an einem kleinen Teich niedergelassen, den Enten zugeschaut und so getan, als ob wir angelten. Irgendeiner dieser unvermeidlichen Familienpaparazzi hat uns natürlich dauernd ins Visier genommen. Aber davon haben wir uns nicht weiter beeindrucken lassen. Wir haben über dies geredet und über das und über Gott und die Welt. Was soll ich sagen? Männergespräche eben, die gehen ohnehin niemanden etwas an.

Männergespräche

Der König von Amerika

Barack Obama hält heute seine große Rede am Brandenburger Tor in Berlin. Bei seinem letzten Besuch durfte er nur an der Siegessäule reden. Aber sei’s drum. Die Sicherheitskräfte haben dieses Mal vermutlich noch intensiver als beim letzten Mal alles unter die Lupe genommen, was nicht niet- und nagelfest war. Auch unser ältester Enkel hat sich ein Bild von der Sicherheitslage verschafft. Jedenfalls war er noch am Wochenende mit seiner Mutter und seiner schwangeren Patentante am Brandenburger Tor und hat die Kontrolleure kontrolliert, die die Ecken, Schächte und Gullydeckel auf eventuelle Schwachstellen untersucht haben. Doch irgendwie hat ihn die hektische Betriebsamkeit dann doch irritiert. Jedenfalls fragte er plötzlich: “Was machen die hier eigentlich?” Pflichtschuldig antworte seine Mutter: “Die machen alles für Obama sicher.” Die nächste Frage unseres Enkels war denn zwangsläufig: “Wer bitte ist Obama.” Seine Mutter: “Der Präsident von Amerika.” Unser Enkel: “Also der König von der Amerika.” Was soll ich sagen? Kann man so sehen – allerdings mit feststehendem Verfallsdatum.

Hochzeit, was war das nochmal?

Kinder wissen ja eigentlich schon alles, vergessen bloß hin und wieder mal was. (Geht Opas übrigens auch nicht anders.) Und so wollte unser ältester Enkel neulich, als die Erwachsenen über heiraten, Hochzeit und Ehe redeten, von seiner Mutter wissen: “Hochzeit, was war das nochmal?” Unsere Tochter dachte kurz nach und ließ hiernach hören: “Na ja, wenn ein Mann und eine Frau sich ganz toll lieb haben und beschließen, den Rest ihres Lebens miteinander zu verbringen, dann sagen sie: Okay, dann können wir auch heiraten und Hochzeit feiern.” Ihr Kleiner dachte ebenfalls kurz nach und gab dann zum Besten: “Ach ja, und dann kommen die Babys.” Was soll ich sagen? Kann so sein, muss es aber nicht und ist leider ziemlich oft ganz anders, wenn man beide Antworten zusammen nimmt. Aber unser junger Freund ist ja Gott sei Dank, was diese Thematik betrifft, noch ziemlich unbefangen. Und ganz sicher hat er noch nie davon gehört, dass Zyniker die Ehe gemeinhin als den Versuch definieren, gemeinsam Probleme zu lösen, die man alleine nicht gehabt hätte.

Windpocken, nicht ansteckend

Unser ältester Enkel war jetzt bei einer großen Veranstaltung, die sich um den Tag der Technik 2013  drehte und bei der über 90 andere Kinder waren. Der bekannte TV-Moderator Stefan Gödde hatte sich ebenfalls die Ehre gegeben und der Veranstaltung mit seinem unnachahmlichen Charme eine ganz besondere Note verliehen. Es gab natürlich viel Technisches, das in der Tat begeisterte. Was die Teilnehmer aber im wahrsten Sinne des Wortes noch mehr bewegte, waren die dort auftretenden “Windpocken”. Die sind nach eigener Aussage “zwar brandgefährlich, aber nicht ansteckend”. “Windpocken” ist nämlich die deutsche Übersetzung für “Catapora”, wie die Trommelgruppe tatsächlich heißt und was im Portugiesischen eben für Windpocken steht. In der Tupí-Sprache der Ureinwohner Brasiliens bedeutet es aber auch soviel wie “Springendes Feuer”. Kein Wunder also, dass es auf der Website der Band heißt: “Wenn ihr also ein Kribbeln in euren Füssen verspürt und eure Glieder anfangen, rhythmisch zu zucken, dann seid vielleicht auch ihr entbrannt.” Was soll ich sagen? Die Inkubationszeit bei der Veranstaltung ließ sich in Sekunden messen. Den brasilianischen Rhythmen konnte sich keiner entziehen, auch nicht unser Enkel, der jetzt unbedingt Trommler werden will. Dann kann er ja gleich bei “Catapora” anfangen. Da hätte sogar Opa Spaß dran. Allerdings hat der bei weitem nicht so viel Rhythmusgefühl wie sein kleiner Großer.

„Wie iPad-Puzzle!“

Unsere beiden Kleinen sind, wie die meisten Kinder der Smartphone-Eltern-Generation, ziemlich pfiffig im Umgang mit iPhone & Co. Neulich, als Oma ihren Aufpass-Nachmittag mit unserem Jüngsten hatte, kramte sie ein Puzzle aus dem Schrank. Nicht so eins wie früher, aus Holz oder Pappe. Nein, eins bestehend aus einer Blechbüchse mit Landschaften und magnetischen Puzzleteilen, aus denen Trecker, Boote, Bagger und Lastwagen zusammengeschoben werden können. Ganz konzentriert und mit wachsender Begeisterung verarbeitete er in kürzester Zeit alle Teile. Als alles fertig war, sagte er: „Wie iPad-Puzzle!“ Was soll ich sagen? Viele meinen ja, früher sei alles besser gewesen, eben aus Holz oder Pappe. Das Moderne allerdings ist unaufhaltsam.

Läuse-Alarm

Zu allen Zeiten gab es in Kindergärten und Schulen Läuse. Sie kommen eben immer mal wieder und überall vor. So hieß es denn auch jüngst in dem Kindergarten unseres Großen: Läuse-Alarm. Bis dato wurde auf seinem Schopf noch kein Tierchen gesichtet, aber es wird jeden Tag fleißig nachgeschaut. Und das nicht nur bei ihm, sondern bei der ganzen Familie. Das ist auch bitter nötig. Denn Läuse fühlen sich besonders auf gewaschenen Köpfen ausgesprochen wohl und haben insofern nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Sollte also tatsächlich einmal eine Laus übergesprungen sein, ist man diese nach wiederholtem Waschen mit einem speziellen Shampoo und Kämmen mit einem Nissenkamm bereits nach einer Woche wieder los. Anzeichen für Läuse sind: Kratzen am Kopf, schwarze Tierchen und/oder weiße Nissen im Haar sowie rote Stellen auf der Kopfhaut – vermutlich die Nationalfarben der Läuse. Was soll ich sagen? Jetzt weiß ich, warum manche Kinder Haare waschen hassen.

Hart im Nehmen

Unser Jüngster hat sich dieser Tag so hingelegt, dass alleine das Anschauen der dadurch verursachten Beule auf seiner Stirn schon wehtat. Ein riesiges Ding, und dazu noch in allen Farben, die so ein Bluterguss mit sich bringt. Ganz stolz berichtete er Oma vom Besuch im Krankenhaus, der nach dieser Bruchlandung wohl auch angebracht war. Die Ärztin habe hier und da gedrückt, und hier noch mal und da. Auch der große Bauch (vorne, Anmerkung von Opa) sei untersucht worden, und der kleine auf dem Rücken ebenfalls. Was soll ich sagen? Auf welche Körperteile und -regionen Ärzte so kommen, wenn sie kontrollieren wollen, ob noch alles in Ordnung ist. Aber wie auch immer: Ein ganz tapferer Bursche ist dieser kleine Mann, richtig hart im Nehmen.

Glückliche Kinder

Wenn unser Jüngster zu uns kommt, lautet seine erste Frage: “Opa nicht Hause?” Das liegt daran, dass ich relativ selten direkt hinter der Wohnungstüre sitze. Also sieht er mich nicht, was ihn ein wenig irritiert, da Omas und Opas ja eigentlich immer allgegenwärtig sind. Er selbst kündigt sich allerdings immer recht lautstark an. Jedenfalls wird so oft geklingelt, dass selbst das letzte Silberfischchen in unserer Wohnung weiß: Der Jüngste kommt. Insofern bin auch ich informiert und passe dann immer den richtigen Moment ab, um mich mit einem lauten wie fröhlichen “Hallo” bemerkbar zu machen. Dann, und das weiß ich leider nur von Oma, strahlt der kleine Mann vor Freude übers ganze Gesicht und gluckst: “Opa, wir kommen.” Was soll ich sagen? Es gibt nichts Schöneres als glückliche Kinder.

Eine ganz einfache Theorie

“Unter Geschlechtsdetermination werden jene Abläufe verstanden, die in der Embryogenese zur Festlegung des somatischen Geschlechts führen und schließlich eine sozial wirkende Einteilung von Individuen in männlich oder weiblich erlauben.” Mit diesem Satz, inklusive der Verlinkungen, beginnt bei Wikipedia der entsprechende Artikel. Es geht also, um es auf den Punkt zu bringen, darum, wie Männchen und Weibchen entstehen. Unser ältester Enkel beschäftigt sich gerade auch mit dem Thema, hat allerdings eine ganz andere Theorie als die Wissenschaft. Danach sind die Menschen, die sich noch im Bauch der Mutter befinden, alle Männer. Einigen falle schließlich irgendwann der Penis ab. Und die seien dann eben Frauen. Was soll ich sagen? Klingt plausibel und ist auch viel einfacher zu verstehen als diese ganzen Geschichten von X- und Y-Chromosomen und irgendeinem Gen namens SRY.

“Morgen Elefant sag’ ich”

Die sprachliche Entwicklung unseres Jüngsten macht immer größere Fortschritte. Die Zeiten von “Opa, pup mal” sind – Gott sei Dank – endgültig vorbei und mittlerweile durch die Phase “Opa, gucke mal” abgelöst worden. Bei Sätzen mit bis zu sechs Wörtern ist zuweilen schon eine richtige Konversation möglich, auch wenn die Reihenfolge der Wörter manchmal noch zu wünschen übrig lässt. Besonders bemerkenswert aber ist, dass der kleine Mann offensichtlich selber weiß, was falsch und was korrekt ist. So überraschte er seine Mutter neulich mit der Ankündigung: “Normalerweise Fante ich sage. Morgen Elefant sag’ ich.” Was soll ich sagen? Manche Erwachsenen machen aus einer Mücke einen Elefanten, unser Jüngster eben nur aus Fante.

PS: “Normalerweise” hat er wirklich gesagt.