Halbe Portion

Kinder können ja ganz schöne Dreckspatzen sein. Nun macht es ja auch ausgesprochen Spaß, sich vollzusauen und mit allem Möglichen einzuschmieren. Genauso toll ist es aber, das Ganze wieder abzuwaschen. Jedenfalls lieben es unsere Enkel, stundenlang und mit wachsender Begeisterung im Badezimmer mit Wasser herumzuspielen. Und so sind sie auch nicht abgeneigt, wenn das Kommando ihrer Mütter ertönt: “Ab in die Wanne.” Bei einem der letzten derartigen Waschgänge unseres ältesten Enkels telefonierte Oma mit ihrer Tochter. Die gab zwischendurch ein paar Fernhinweise: “Vor allem den Kopf und den Popo waschen!” Die Rückfrage ließ nicht lange auf sich warten: “Soll ich den ganzen Menschen baden?” Da waren Mama und Oma erst einmal sprachlos. Was soll ich sagen? Den halben macht ja auch keinen Sinn, selbst wenn der nur eine halbe Portion ist.

“Ich muss mal”

Menschliche Bedürfnisse kommen manchmal schneller daher, als einem lieb ist. Das geht Kindern nicht anders als Erwachsenen. Bloß haben es die Kleinen zuweilen etwas schwerer, mit derartigen Notlagen fertig zu werden. Als unser ältester Enkel neulich mit seinen Eltern im Auto unterwegs war, pressierte es ihm plötzlich sehr. “Ich muss mal”, tat er seinen Eltern kund. Da man aber bekanntlich nicht so einfach auf der Straße anhalten kann, um seine Notdurft zu verrichten, fragte der Papa: “Kannst du es noch aufhalten?” Da unser Kleiner mittlerweile schon ein ganz Großer ist, verkündete er selbstsicher: “Ich glaube schon.” Irgendwie wollte sein Vater aber wohl sicher gehen und fragte noch einmal genauer nach: “Musst du denn Pipi oder Aa?” Was soll ich sagen? Wer dumm fragt, bekommt eine entsprechende Antwort. Die unseres Enkel lautete: “Ich weiß doch nicht, was da rauskommt.”

Herzlichen Glückwunsch 2.0

Die Duplizität der Ereignisse ist ein bekanntes Phänomen. Insofern ist es nicht verwunderlich, wenn sich auch auf Opas Blog diese Duplizität niederschlägt. So haben wir gestern der DKMS Deutsche Knochmarkspenderdatei zum Geburtstag gratuliert. Heute tun wir das bei der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, der Opa schon seit langem freundschaftlich verbunden ist: Herzlichen Glückwunsch, sozusagen 2.0, und weiterhin viel Glück bei der Arbeit. Diese finanzieren die Seenotretter seit ihrer Gründung am 29. Mai 1865 ausschließlich über Spenden und freiwillige Zuwendungen, mit nur einer Ausnahme. Dazu heißt es auf der Website der Gesellschaft: “Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Währungsreform wäre das Rettungswerk nicht in der Lage gewesen, die Aufgaben ganz ohne staatliche Hilfe bewältigen zu können. In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts erhielt die Gesellschaft einmalig – in überschaubarem Maße – Gelder aus Steuermitteln. Als sich die Finanzlage der DGzRS dann 1957 wieder konsolidiert hatte, verzichtete das Rettungswerk freiwillig auf weitere Zuschüsse.” Was soll ich sagen? Das ist ziemlich einzigartig. Umso mehr haben die Seenotretter einen kostenlosen Werbebanner verdient, den Opas Blog der Gesellschaft zum Geburtstag gerne zur Verfügung stellt.

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Herzlichen Glückwunsch

Die DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei
 feiert heute Geburtstag. Dazu gratuliert Opa ganz herzlich. Immerhin hat es die DKMS in den letzten 22 Jahren geschafft, dass sich fast 4 Millionen Menschen in ihrer Kartei haben registrieren lassen. Und über 36.000 Mal ist es gelungen, einem Blutkrebspatienten mit einer Knochenmarkspende wieder Hoffnung zu machen. Das ist zwar ein tolles Ergebnis. Aber angesichts einer Wahrscheinlichkeit zwischen 1:20.000 und 1 zu mehreren Millionen, einen „genetischen Zwilling“ zu finden, bleibt keine Zeit, sich auf diesen Lorbeeren auszuruhen. Insofern hat die DKMS gut daran getan, sich zu ihrem Jahrestag sozusagen als Selbstgeschenk ein überarbeitetes Outfit mit neuem Logo und Erscheinungsbild zu gönnen. Was soll ich sagen? Auch Opa hat ein Geschenk in petto: Ein kostenloses Werbebanner. Das neue Logo kann ab sofort auf Opas Blog für die DKMS werben, ohne dass die Gesellschaft etwas dafür zahlen muss. Also, noch einmal herzlichen Glückwunsch, liebe DKMS, und weiterhin viel Erfolg bei der Suche nach Stammzellspendern.

Keine Vorbilder mehr

Senioren sind offensichtlich auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Jedenfalls lässt eine Meldung aufhorchen, wonach Betrug, Beleidigung und andere Straftaten zunehmend auf das Konto von über 60-Jährigen gehen. Der Anteil der Tatverdächtigen im Seniorenalter ist zwischen 2009 und 2012 um 11,4 Prozent gestiegen, während sich die Altersgruppe im gleichen Zeitraum nur um 5,7 Prozent vergrößerte. Die Statistik bezieht sich zwar auf Brandenburg, dürfte aber in anderen Landesteilen Deutschlands auch nicht viel anders aussehen. Was soll ich sagen? Das kriminelle Verhalten meiner Altersgenossen vermag ich nicht zu beurteilen und zu erklären. Was aber auch ich in letzter Zeit festgestellt habe, ist, dass viele Alte in der Öffentlichkeit ziemlich rücksichtslos geworden sind. Wenn ich nur daran denke, was Oma und ich alleine im Supermarkt so alles erleben, wundert mich so langsam gar nichts mehr. Der Altersstarrsinn treibt da die seltsamsten Blüten. Als Vorbilder gehen diese Senioren jedenfalls nicht mehr durch.  Ich hoffe nur – vor allem für mein Umfeld -, dass sich derartige Anwandlungen bei mir nicht einstellen.

Tage der Ungewissheit

Meiner ältesten Tochter steht eine harte Woche bevor. Ihr Sohn wird nämlich verreisen. Ohne sie, und ohne den Vater. Auch nicht mit Opa und Oma. Nein, mit dem Kindergarten. Als sie von den Plänen der Kita erfuhr, war sie ja ganz happy. Eine Woche ohne Sohn, sturmfreie Bude sozusagen. Vermutlich wurden Erinnerungen an alte Zeiten wach. Doch mittlerweile ändert sich die Gemütslage meiner Tochter. Denn nun werden weitere Einzelheiten bekannt, wobei das Schlimmste wohl ist: Keine Telefonate, wenn überhaupt nur in dringenden Notfällen. Keine Informationen also, ob es dem Kleinen gut geht. Und das eine Woche lang. So langsam schwant ihr, dass das quälende Tage der Ungewissheit werden. Immer wieder unbeantwortete Fragen wie: Schläft er? Isst er genug? Hat er sich verletzt? Denkt er an mich? Und so weiter und so weiter. Als sie einer Bekannten von den bevorstehenden Reiseaktivitäten ihres Sohnes erzählte, meinte diese nur kurz und trocken: “Du wirst mit der freien Zeit nichts anzufangen wissen.” Sie selbst sagt bereits: “Ich vermisse ihn jetzt schon.” Was soll ich sagen? Ich weiß nicht so recht, wer unter dem Abnabelungsprozess mehr leidet: Meine Tochter oder mein Enkel?

“demonstrire gegen die lösunk”

Dieses Mal muss es ein längeres Stück als sonst sein. Aber versprochen: Es lohnt sich. Also, da habe ich einen Text wiedergefunden, der Mitte der 80er Jahre in Schulkreisen zirkulierte und der die Schulentwicklung der letzten Jahrzehnte anhand einer mathematischen Aufgabenstellung beschreibt. Übertrieben vielleicht, aber doch recht trefflich – und er passt gut zu meinen Texten “Slawanzugkurzbeinig” und “forzicht frisch gelegt”:

Volksschule 1950:

Ein Bauer verkauft einen Sack Kartoffeln für 20 Mark. Die Erzeugerkosten betragen vier Fünftel des Erlöses. Wie hoch ist der Gewinn?

Realschule 1960:

Ein Bauer verkauft einen Sack Kartoffeln für 20 Mark. Die Erzeugerkosten betragen 16 Mark. Berechne den Gewinn.

Gymnasium 1970:

Ein Bauer verkauft eine Menge Kartoffeln (K) für eine Menge Geld (G). G hat die Mächtigkeit 20. Für die Element g aus G gilt: g ist 1 Mark.

In Strichmengen müßtest du für die Menge G zwanzig Strichlein (////////////////////) machen, für jedes Element g eines. Die Menge der Erzeugerkosten (E) ist um vier Strichlein (////) weniger mächtig als die Menge G. Zeichne das Bild der Menge E als Teilmenge der Menge G und gib die Lösungsmenge (L) an für die Frage: Wie mächtig ist die Gewinnmenge?

Waldorfschule 1978:

Ein Sack Kartoffeln kostet 20 DM. Ein Käufer bezahlt für einen Sack biodynamischer Kartoffeln 30 DM.

Gestalte die Seite mit harmonischen, dreigegliederten, fünfeckigen Formen, die den Text behutsam umschleiern. Benutze dazu lila „Stockmar-Wachsfarbe“.

Wer lebt länger?

Integrierte Gesamtschule 1982:

Ein Bauer verkauft einen Sack Kartoffeln für 20 DM. Die Erzeugerkosten betragen 16 DM. Der Gewinn beträgt 4 DM.

Aufgabe: Unterstreiche das Wort Kartoffeln und diskutiere mit deinem Nachbarn darüber!

Weiterreformierte Schule 1988:

Ein kapitalistisch-privilegierter bauer bereichert sich one rechtfertigung an einen sak kartoffeln um 4 marck. untersuche den tekst auf inhaltlische gramatische ortogravische und zeichensätsungsfeler. korigire die aufgabengestaltunk und demonstrire gegen die lösunk!

Was soll ich sagen? Was ich schon damals gesagt habe: Um Gottes willen. Wie wohl die Aufgabenstellung 2020 aussieht?

Auch das noch: “Offizieller Sex”

Morgens die Zeitung zu lesen, kann einem wirklich den ganzen Tag, man muss es so drastisch sagen, versauen. Und das war wieder so ein Tag. Als Erstes las ich einen Bericht, nach dem Eltern in Berlin – der Vater 50 Jahre, die Mutter 37 Jahre alt – ihr eineinhalb Jahre altes Mädchen mit vollurinierten Windeln und ohne Trinken alleine im Auto im Parkhaus gelassen haben, um im Fitness-Center zu trainieren – und das am späten Abend bis nach 23 Uhr. Dass sie den Einsatz der Polizei, die das “bitterlich” weinende Kind befreit hatte, indem sie eine Scheibe des Wagens einschlagen haben, “unverhältnismäßig” fanden und “sich erbost über die beschädigte Scheibe und den Tatvorwurf der Körperverletzung” zeigten, kommentiere ich wegen der zu erwartenden juristischen Folgen besser nicht. Als Nächstes stieß ich auf eine Meldung, wonach ein betrunkener Großvater im neuseeländischen Auckland seinen siebenjährigen Enkel ans Steuer gelassen hat, um heile nach Hause zu kommen. Auch hier verkneife ich mir jeden Kommentar. Weniger dramatisch, aber irgendwie unglaublich war das, was zum Schluss kam, da ich die Zeitung danach aus Verzweiflung weggelegt habe: Das türkische Familienministerium hat für Ehepaare des Landes jetzt eine Sex-Anleitung herausgegeben, um, so könnte man meinen, den Kinderwünschen von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, der mindestens drei Kinder pro Familie bei seinen Landsleuten sehen will, mehr Nachdruck zu verleihen. Was soll ich sagen? Zeitung zu lesen, macht wirklich keinen Spaß mehr – und dieser “offizielle Sex”, wie die türkische Zeitung „Hürriyet“ ihn nennt, vermutlich noch viel weniger.

“Slawanzugkurzbeinig”

Erwachsene neigen zu der Meinung, früher sei alles besser gewesen. Selbst unsere Kinder denken schon in diese Richtung. Ob das allerdings so stimmt, lasse ich an dieser Stelle erst einmal offen und berichte über das, was Oma und mir dieser Tage in die Hände gefallen ist. Da fanden wir doch einen Brief einer unserer Töchter, als diese im Alter von acht Jahren war, also in die zweite Klasse ging. “Liebe Omi!”, heißt es da. “Wann kommt das Packet an. Wo drinnen ist ein Slawanzugkurzbeinig. Wenn du mir andwortest dann schreibe mir einen Brief zurück. Und danke nocheinmal für den anderen Brief. Deine …” Aus Gründen des Postgeheimnisses bleibt der Verfasser anonym. Die Frage, die sich aber stellt, ist die, ob die Schule früher wirklich besser war als heute. Was soll ich sagen? Mich beruhigt nur, dass das Kind, das den zitierten Brief einmal geschrieben hat, heute ein abgeschlossenes Hochschulstudium vorweisen kann, in einem mehr als respektablen Beruf ihre Frau steht und ein ganz hervorragendes Deutsch schreibt.

Opa und das Mittelalter

Bei uns in der Familie ist niemand auf den Mund gefallen. Ein gutes Beispiel dafür lieferte der jüngste Besuch unserer Ältesten, die mit Mann und Maus, sprich Sohnemann, an Pfingsten zum Essen bei uns war. Für den Hauptgang war dieses Mal Oma zuständig. Es gab Spargel satt, Schinken, Ei und wirklich leckere Kartoffeln. Als wir mit der Hauptspeise fertig waren, kam natürlich sofort die Frage unseres Enkels: “Was gibt es denn zum Nachtisch?” Als ich meine Nachtisch-Hamburger in Aussicht stellte, war er ganz aus dem Häuschen und wollte gleich in die Küche, um zu helfen. Als ich daraufhin sagte: “Warte noch, bis Oma abgeräumt hat”, schaute mich meine Tochter völlig ungläubig an und fragte: “In welcher Zeit lebst du denn? In unserer Welt räumen alle ab.” Oma ergänzte nur kurz und trocken: “Im Mittelalter”, was wiederum zu der Erläuterung meiner Tochter führte: “Als Opa noch klein war.” Was soll ich sagen? Da hatte ich mein Fett weg. Und was Passendes fiel mir auch nicht ein. Dabei räume ich sonst immer, na sagen wir meistens, mit ab.