Erziehungs-Déjà-vu

Sisyphos hatte es vergleichsweise einfach. Wenn ich mir meine beiden Kinder anschaue und sehe, wie sie versuchen, ihre Kleinen zu erziehen, dann tun sie mir manchmal schon leid. Vor allem beim Essen erscheinen die Erziehungsversuche zuweilen wie “The NeverEnding Story”. Da wechseln sich in konstanter Regelmäßigkeit Ermahnungen der Art  “Hand auf den Tisch”, “Gerade sitzen”, “Serviette auf den Schoß”, “Mit geschlossenem Mund essen”, “Nicht schlürfen” oder “Nicht das Messer ablecken” ab und wiederholen sich in immer neuen Reihenfolgen. Aber irgendwie habe ich dabei immer das Gefühl, ein Déjà-vu zu haben. Wenn ich dann das Lächeln von Oma sehe, weiß ich wieder, an was sich mein Unterbewusstsein erinnert. Als unsere beiden Töchter klein waren, war es auch nicht anders. Was soll ich sagen? Heute können die Beiden formvollendet essen.

Danke 2.0

Es ist nicht so, dass meine Enkel mir keinen Stoff mehr für meinen Blog liefern würden. Aber heute Nacht hat Opas Blog nach nur 52 Tagen locker die Marke von 10.000 Besuchern übersprungen. Dafür sage ich meinen treuen Lesern nur: Danke 2.0. Aber statt die Sektkorken knallen zu lassen, will ich mich dann doch lieber mit diesem Blog an der Blogparade beteiligen, die Martin von 1001erfolgsgeheimnisse.com ins Leben gerufen hat. Die Frage, die es zu beantworten gilt, lautet: Bringt Bloggen überhaupt noch was? Was soll ich sagen? Das kommt darauf an. Je nachdem, was man mit seinem Blog will und was man sich vorgenommen hat, wird die Antwort unterschiedlich ausfallen. Da ich mit meinem Blog noch in den Kinderschuhen stecke, möchte ich mich mit guten Ratschlägen zurückhalten. Aber das sollte jeder neue Blogger mitbringen: Spaß an der Freud und ein Thema, das ihn wirklich interessiert. Da halte ich es mit Maria Bachmann und ihrer Lebensweisheit: “… dann klappt’s auch mit dem Nachbarn.”

PS: Was Facebook, Twitter, Google+ und Co betrifft, so glaube ich, dass sie eher helfen, als schaden.

Statistik2

Buchstabensalat

Also, mich ärgert es am meisten, wenn ich wieder einmal feststellen muss, dass sich ein Rechtschreibfehler in meine Texte geschlichen hat. Meistens sind es Buchstabendreher, die ich zu später oder früher Stunde übersehen habe. Ich korrigiere sie dann eigentlich immer sofort. Der Ärger aber bleibt. Dabei habe ich eigentlich gar keine Chance, solchen Buchstabensalat zu bemerken. Der englische Sprachwissenschaftler Graham Rawlinson berichtete einmal über einen Versuch, den er im Zusammenhang mit seiner Dissertation über “The significance of letter position in word recognition” (Die Bedeutung der Buchstaben-Position in der Worterkennung) unternommen hatte und bei dem den Probanden verfälschte Texte vorgesetzt worden waren: “Je besser jemand liest, desto weniger bemerkt er die Verfremdung. Manchmal haben Leute eine ganze Seite gelesen, auf der kein Wort außer den sehr kurzen richtig geschrieben war, und wenn wir sie fragten, ob ihnen etwas aufgefallen sei, sagten sie, da waren vielleicht zwei, drei Tippfehler.” Was soll ich sagen? Es ist halt so. Probieren Sie es einfach selber aus. Hier die ersten Sätze dieses Blogs noch einmal: Aslo, mcih äergrt es am mestien, wnen ich weeidr eamnil fesltteesln msus, dsas scih ein Richseetbeheflcrhr in mniee Ttexe gscleheichn hat. Meiensts snid es Beeceuhsbhtdranr, die ich zu stäper oedr feürhr Sdunte üebersehn hbae. Ich kgerriorie sie dnan eneiciltgh iemmr soorft. Der Ägrer aebr bielbt …

Hamburger mal anders

Als letztens die Familie zum Kaffeetrinken zu Besuch war, gab’s nicht nur Kaffee und Kuchen. Ich hatte mir noch etwas Besonderes ausgedacht und tief in meine Kochtrickkiste gegriffen. “Will jemand einen Hamburger?”, habe ich vor allem unsere Kleinen gefragt. Vollkommen überraschend schrien die Beiden sofort: “Jaaaaaaaaaa!!!!!!!” Also begab ich mich in die Küche und machte Hamburger. Das vollständige Rezept gibt’s in Opas Kochbuch, hier aber schon mal vorab die Zutaten: Blätterteig, Eis, Schokoladensoße, Sahne, Puderzucker und Minzeblätter. Aus dem Blätterteig wird das Hamburger-Brötchen gemacht, das Eis ist sozusagen die Fleischbeilage, Schokoladensoße und  Sahne sind Ketchup und Mayonnaise, die Minzeblätter die Salatdekoration. Und der Puderzucker rundet die Sache ab. Als unser Ältester dann seinen Nachtisch-Hamburger vor sich hatte, wollte er gleich loslegen und das Teil eben wie einen Hamburger in die Hände nehmen. Wir konnten ihn gerade noch davon abhalten, eine Riesenschweinerei zu veranstalten. Was soll ich sagen? Hamburger ist eben nicht gleich Hamburger.

“Also, ich habe gehört …”

Unser ältester Enkel fühlt sich langsam erwachsen. Jedenfalls gibt er sich seit geraumer Zeit entsprechend. Denn wenn wir so in der Familie zusammensitzen und uns unterhalten, dann verspürt er offenbar den unwiderstehlichen Drang, sich an der Konversation zu beteiligen. Zu Beginn hat er einfach drauflosgebrabbelt und dazwischengeredet. Das wiederum fand seine Mutter gar nicht gut und hat ihm erklärt, dass es so etwas wie Spielregeln auch bei Gesprächen gibt. Das hat er schnell begriffen und geht nunmehr ausgesprochen charmant, aber doch bestimmt mit der Frage dazwischen: “Darf ich jetzt auch was sagen?” Das zieht in den meisten Fällen. Wenn er dann – für ihn offenbar ziemlich überraschend – das Wort erhält, heißt es nach einer kurzen Schrecksekunde: “Also, ich habe gehört …” Dann fällt ihm aber zuweilen doch nichts Spannendes ein und er verzichtet auf seinen anvisierten Beitrag. Was soll ich sagen? Das sollten manche Erwachsene hin und wieder auch mal tun.

… doch lieber ins Allgäu

Familien-Wellness mit Kindern liegt im Trend, melden verschiedene Medien und berichten darüber, dass es mittlerweile sogar spezielle Wellness-Anwendungen für Kinder gibt. Gesichtsmasken und Schoko-Massagen für Fünfjährige sollen der letzte Schrei auf dem (Hotel-)Markt sein. Gott sei Dank gibt es noch vernünftige Menschen, die halten davon “gar nichts” und bezeichnen solche Angebote als “furchtbar”, “fragwürdig” und nicht “kindgerecht”. Darüber hinaus warnen Experten davor, Kinder vor dem dritten Lebensjahr überhaupt mit in die Sauna zu nehmen. Die grundsätzliche Frage, die sich Eltern stellen sollten, sei, ob sie besser in einem Wellnesshotel mit Familienbereich oder einem Familienhotel mit Wellnessbereich aufgehoben sind. Was soll ich sagen? Ich glaube, ich nehme meine Enkel, wenn Sie denn einigermaßen gut zu Fuß sind, doch lieber zum Wandern mit ins Allgäu, in dem schon mein Großvater mit mir durch die wunderschöne Landschaft gezogen ist.

Alt-Opa im Ällgau

Nachtrag: Mit diesem Beitrag nehme ich an der Eltern-Kind-Blogparade: April 2013 teil.

De ovis paschalibus

Georg Franck von Frankenau möge mir verzeihen. Aber eine bessere Überschrift als ihm ist mir zum Thema Ostereier auch nicht eingefallen. Unter eben der Überschrift “De ovis paschalibus” hat der deutsche Mediziner und Botaniker 1682 (andere sagen 1678) erstmals im deutschsprachigen Raum den Osterhasen und die Eier, die er bringt, erwähnt. Und so soll er denn auch hier zitiert werden: “… im Elsaß und den angrenzenden Gegenden nennt man diese Eier Haseneier auf Grund der Fabel, mit der man Einfältigen im Geiste und Kindern weismacht, der Osterhase lege solche Eier und verstecke sie in den Gärten im Grase, damit sie von den Kindern zum Ergötzen der lächelnden Erwachsenen desto eifriger gesucht werden.” Der Osterhase stand aber auch schon bei den alten Griechen und Römern hoch im Kurs, als Symbol für neues Leben, als Sinnbild für Fruchtbarkeit. Es gibt noch eine ganze Reihe anderer Verbindungen zwischen Ei und Hase, die es lohnt einmal nachzulesen, aber hier zu weit führen. Erwähnt werden soll aber, dass es auch noch andere Tiere gab, die dem Osterhasen Konkurrenz gemacht haben, sich am Ende aber nicht durchsetzen konnten: Der Kuckuck (Schweiz), der Storch (Thüringen), der Hahn mit der Kiepe (Österreich, Oberbayern, Sachsen und Schleswig-Holstein) oder der Fuchs (Westfalen und Raum Hannover), sie alle färbten und versteckten einmal Eier. Was soll ich sagen? Der Hase sollte vielleicht auch noch zum Symbol für Durchsetzungsvermögen gekürt werden. Da gibt es bislang nämlich nichts Treffendes.

“Aba kakki Oing Dokok”

Sie wissen nicht, was “Nella!”*, “Nane da?”* oder “Weihnamann …”* bedeuten? Dann sind Sie als Tagesmutter oder Tagesvater nicht geeignet. Mit diesen Wortkreationen kleiner Kinder auf Großplakaten hat das Bundesfamilienministerium jedenfalls versucht, Frauen und Männer für die Kinderbetreuung zu begeistern. In wieweit dies gelungen ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Inspirieren lassen hat sich das Ministerium oder die beauftragte Agentur bei den Entwürfen aber vielleicht vom Familienmagazin “Schlingel” der Leipziger Volkszeitung. Die Redaktion hatte ihre Leser aufgefordert, die besten Aussprüche des Nachwuchses einzusenden, und daraus ein Kindermund-Lexikon mit den lustigsten Wörtern der Marke Eigenbau auf der Webseite des Magazins veröffentlicht. Da sind in der Tat starke Wortschöpfungen dabei wie “Aba kakki” (Aber zackig), “Frau Söse” (Frisöse), “Oing Dokok” (Onkel Doktor) oder “Pingelpien” (Pinguin). Ich kann von unserem Nachwuchs aber auch noch den einen oder anderen Brüller beisteuern: “dei” (zwei), “eiben” (arbeiten), “hilti” (geht nicht), “Lachdawine” (Dachlawine) oder “Omabus” (Omnibus) … Was soll ich sagen? Es geht doch nichts über Kinder-Kauderwelsch. Was die Kleinen wohl aus diesem Wortpaar machen würden?

* “Du holst mich nicht ein. Ich bin schneller.”, “Zum Nachtisch nehme ich bitte Banane, ja?”, “Das muss der Weihnachtsmann sein …”

Gift of Grandparents

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Viele Fotos haben diese Metapher schon bestätigt. Aber jetzt bin ich auf eine Fotoserie aufmerksam geworden, die in ihrer Aussagekraft und Eindringlichkeit kaum zu überbieten ist. In 26 eindrucksvollen Bildern stellt der 1950 geborene US-amerikanische Fotograf und Fotojournalist Steve McCurrey dar, welchen Wert Großeltern für ihre Enkelkinder haben. Unter der Überschrift “Gift of Grandparents” zitiert der mehrfache “Photographer of the Year” den US-amerikanischen Schriftsteller Alex Haley mit den Sätzen “Nobody can do for little children what grandparents do.
Grandparents sort of sprinkle stardust over the lives of little children.” und macht die bedingungslose Liebe von Großeltern für ihre Enkelkinder sicht- und greifbar. Was soll ich sagen? Einfach McCurrey’s Blog anschauen.

Aluminiumhochzeit

Oma und Opa hatten Hochzeitstag und sind jetzt 37 Jahre verheiratet. Auf einer dieser Webseiten, die die Hochzeitstage beschreiben, heißt es: “Alte Liebe rostet nicht! Genauso wenig rostet Aluminium, weshalb am 37. Hochzeitstag die Aluminiumhochzeit gefeiert wird. In seiner Form wird Aluminium nach 35 Jahren nicht mehr so aussehen wie im Neuzustand. Viele Dellen, Beulen und Kratzer konnten seiner Beschaffenheit aber nichts anhaben. In der Ehe ist es wie beim Aluminium, sie hat durch schlechte Zeiten ebenfalls Beulen und Kratzer bekommen, die ihr allerdings in der Beschaffenheit nichts anhaben konnten.” Wir werden oft gefragt: “Wie habt Ihr das geschafft?” Was soll ich sagen? Nun ja, um auf die Dellen, Beulen und Kratzer zurückzukommen, man muss halt zusehen, dass sie nicht zu tief werden. Und hin und wieder sollte man sich auch daran machen, die eine oder andere Delle auszubeulen und den einen oder anderen Kratzer blank zu polieren. Es lohnt sich. Ich jedenfalls würde Oma wieder heiraten.