“Mensch da vorne du”

Wenn Oma unseren jüngsten Enkel von der Kita abholt, erfährt sie auch viel über dessen Eltern. Dabei ist es nicht so, dass sie den Kleinen ausfragen würde. Ganz im Gegenteil. Aber er erzählt und erzählt und kommentiert dies und kommentiert das. Vor allem im Auto ist der Bursche gar nicht zu bremsen. Apropos bremsen: Als Oma bei einer dieser Abholaktionen einmal ziemlich heftig in die Eisen steigen musste, kommentierte unser Enkel dies mit den Worten: “Mensch da vorne du!” Was soll ich sagen? Man braucht jetzt nicht mehr allzu viel Fantasie, um darauf zu kommen, mit welchen Worten unsere Tochter oder unser Schwiegersohn derartige Verkehrssituationen quittieren. Wie die Eltern, so der Sohn …

Taschenrechner mit Rädern

Unser jüngster Enkel ist mit seinen nicht einmal zweieinhalb Jahren sprachlich schon so weit, dass Oma und Opa manchmal Bauklötze staunen. Neulich war wieder so ein Moment. Da sah er auf Opas Schreibtisch einen Taschenrechner, der in der Form an einen Rennwagen erinnert. “Der hat ja Räder”, konstatierte der kleine Mann irgendwie überrascht und fragte ganz brav, ob er das Teil zum Spielen mitnehmen könne. Die Antwort bei seinem Augenaufschlag war klar. Also zogen Oma und der Kleine wieder von dannen, das Taschenrechner-Auto im Schlepptau. Beim weiteren Spielen muss er besagtes Teil irgendwie aus den Augen verloren haben und fragte Oma Hilfe suchend: “Wo ist denn … ich weiß das Wort nicht.” Als Oma nachfragte: “Meinst du den Taschenrechner?”, strahlte er und juchzte: “Ja, Taschenrechner.” Was soll ich sagen? Das Wort ist jetzt fest in seinem Wortschatz verankert wie: außerdem, eigentlich, normalerweise, ausnahmsweise, danke, bitte, iPad, iPhone, Tankstelle, Hubschrauber und Unterführung. Das Dosinenbötchen lassen wir einfach mal weg.

“Reg’ dich nicht auf”

Eltern kennen ihre Kinder meist aus dem Effeff, vor allem wenn sie noch klein sind. Umgekehrt gilt das allerdings ebenso. Die Kleinen wissen ganz genau, wie sie ihre Eltern auf die Palme bringen können. Eine ganz besondere Kostprobe dieses Phänomens hat jetzt unser ältester Enkel abgegeben. Da fragte er doch seine Mutter, ob sie nicht mit ihm in seinem Zimmer spielen wolle. Als sie dies bejahte, fügte er schnell noch hinzu: “Aber reg’ dich nicht auf, es ist nicht aufgeräumt.” Was soll ich sagen? Er kennt seine Mutter eben gut und wusste, was ihn erwartet … Jetzt hat sie nur gelacht.

“Oma, Diezie im Mund?”

Oma und unser jüngster Enkel haben einen neuen Sport kreiert: Tannenzapfen kicken, während die beiden spazieren gehen. Das Spiel ist ziemlich einfach. Oma und der kleine Mann treten abwechselnd vor den Pseudoball. Dabei kommt es nicht einmal darauf an, wer am weitesten schießt. Und Punkte gibt es schon gleich gar nicht. Alles, was zählt, ist der Spaß an der Freud’. Irgendwie hat dann Oma aber den kapitalen Fehler begangen, den Kleinen bei der Ehre zu packen und ihm weiszumachen, dass man ohne Diezie, gemeint ist sein Schnuller, viel weiter kicken kann. Also nahm er das Ding aus dem Mund, trat vor den Tannenzapfen und siehe da: Der Zapfen flog und flog, jedenfalls viel weiter als sonst. Als Oma dann dran war und das Tretobjekt gerade mal ein paar Zentimeter weit befördern konnte, schaute unser Dreikäsehoch nach oben, grinste diebisch und gluckste: “Oma, Diezie im Mund?” Was soll ich sagen? So kann’s gehen.

Ganz schön auf Zack

Oma und Opa saßen bei dem schönen Wetter wieder einmal im Garten und genossen die Sonne. Da Urlaubszeit ist, war auch nicht viel los auf den Straßen. Eine himmlische Ruhe herrschte, bis plötzlich ein Vater mit seinen Kindern mit viel Getöse an unserem Grundstück vorbeiradelte. Nicht, dass uns das gestört hätte. Aber irgendwie schien es diesem Papa nicht zu gefallen, wie sich eines seiner Kinder fortbewegte. “Nun mach mal”, dröhnte seine Kritik durch die Straße, “Du hast ja gar kein Tempo.” Der Kleine mag ja vielleicht nicht so auf Zack gewesen sein, wie sich sein Vater das in Bezug auf das Radeln vorgestellt hat. Aber was die Schlagfertigkeit angeht, kann er von seinem Filius vermutlich noch etwas lernen.” Denn der konterte nur lapidar: “Ich habe doch ein Tempo, mein Tempo!” Was soll ich sagen? Ganz schön auf Zack.

Wenn die Arbeit zu mühselig ist

Es ist schon erstaunlich, was Kinder so alles mitbekommen. Irgendwie muss unser ältester Enkel gehört haben, dass die Bienen vom Aussterben bedroht sind. Jedenfalls überraschte er Oma, Opa und seine Mutter, als er die vielen Hummeln in irgendeinem Strauch in unserem Garten dahingehend kommentierte, dass die Bienen die Hummeln gefragt hätten, ob sie denn ihre Arbeit übernehmen würden, weil sie ja bald tot seien. Okay, haben wir uns da alle gedacht, dann wird das wohl so sein. Am Abend allerdings korrigierte er sich und meinte vor dem Schlafengehen zu seiner Mutter, er habe sich bei Oma und Opa denn doch vertan. “Wieso?”, wollte sie wissen. “Na ja”, sagte er, “die Hummeln haben gemerkt, wie mühselig die Arbeit ist, und haben sie den Bienen wieder zurückgegeben.” Was soll ich sagen? Wenn das immer so einfach wäre.

Nur im richtigen Leben

Während das Thema Friseur bei Opa, wie treue Leser wissen, ein besonders haariges ist, haben unsere Enkel damit überhaupt kein Problem. Sie gehen anstandslos zum Friseur oder lassen sich die Haare von Mama oder Papa schneiden. Unser ältester Enkel war jetzt gerade wieder zum Haarschneiden bei der Friseurin, der auch Opa seine Mähne schweren Herzens anvertraut. Sie hat das einmal mehr toll gemacht. Der Kleine sieht noch süßer aus, als er das ohnehin schon tut. Und das Ganze muss ihm auch noch Spaß gemacht haben. Denn kurz nach diesem Friseurbesuch wollte er unbedingt mit seiner Mutter Friseur spielen. Als er ihr dann symbolisch die Haare schnitt, begann er plötzlich genau die Konversation, die im echten Friseursalon genauso stattfindet: “Wohin geht’s denn in diesem Jahr in den Urlaub”, fragte er ebenso eloquent, wie dies unsere Friseurin auch immer tut. Was soll ich sagen? Diese Art von Sozialkompetenz, auch mal einen unverfänglichen Plausch zu halten, lernt man nicht von Erzählungen oder vor dem Fernseher, sondern eben nur im richtigen Leben.

Der König von Amerika

Barack Obama hält heute seine große Rede am Brandenburger Tor in Berlin. Bei seinem letzten Besuch durfte er nur an der Siegessäule reden. Aber sei’s drum. Die Sicherheitskräfte haben dieses Mal vermutlich noch intensiver als beim letzten Mal alles unter die Lupe genommen, was nicht niet- und nagelfest war. Auch unser ältester Enkel hat sich ein Bild von der Sicherheitslage verschafft. Jedenfalls war er noch am Wochenende mit seiner Mutter und seiner schwangeren Patentante am Brandenburger Tor und hat die Kontrolleure kontrolliert, die die Ecken, Schächte und Gullydeckel auf eventuelle Schwachstellen untersucht haben. Doch irgendwie hat ihn die hektische Betriebsamkeit dann doch irritiert. Jedenfalls fragte er plötzlich: “Was machen die hier eigentlich?” Pflichtschuldig antworte seine Mutter: “Die machen alles für Obama sicher.” Die nächste Frage unseres Enkels war denn zwangsläufig: “Wer bitte ist Obama.” Seine Mutter: “Der Präsident von Amerika.” Unser Enkel: “Also der König von der Amerika.” Was soll ich sagen? Kann man so sehen – allerdings mit feststehendem Verfallsdatum.

Eine ganz einfache Theorie

“Unter Geschlechtsdetermination werden jene Abläufe verstanden, die in der Embryogenese zur Festlegung des somatischen Geschlechts führen und schließlich eine sozial wirkende Einteilung von Individuen in männlich oder weiblich erlauben.” Mit diesem Satz, inklusive der Verlinkungen, beginnt bei Wikipedia der entsprechende Artikel. Es geht also, um es auf den Punkt zu bringen, darum, wie Männchen und Weibchen entstehen. Unser ältester Enkel beschäftigt sich gerade auch mit dem Thema, hat allerdings eine ganz andere Theorie als die Wissenschaft. Danach sind die Menschen, die sich noch im Bauch der Mutter befinden, alle Männer. Einigen falle schließlich irgendwann der Penis ab. Und die seien dann eben Frauen. Was soll ich sagen? Klingt plausibel und ist auch viel einfacher zu verstehen als diese ganzen Geschichten von X- und Y-Chromosomen und irgendeinem Gen namens SRY.

“Morgen Elefant sag’ ich”

Die sprachliche Entwicklung unseres Jüngsten macht immer größere Fortschritte. Die Zeiten von “Opa, pup mal” sind – Gott sei Dank – endgültig vorbei und mittlerweile durch die Phase “Opa, gucke mal” abgelöst worden. Bei Sätzen mit bis zu sechs Wörtern ist zuweilen schon eine richtige Konversation möglich, auch wenn die Reihenfolge der Wörter manchmal noch zu wünschen übrig lässt. Besonders bemerkenswert aber ist, dass der kleine Mann offensichtlich selber weiß, was falsch und was korrekt ist. So überraschte er seine Mutter neulich mit der Ankündigung: “Normalerweise Fante ich sage. Morgen Elefant sag’ ich.” Was soll ich sagen? Manche Erwachsenen machen aus einer Mücke einen Elefanten, unser Jüngster eben nur aus Fante.

PS: “Normalerweise” hat er wirklich gesagt.