“Na, geht doch”

Es war auch an der Zeit. Nach diesem scheinbar endlosen Regen, diesen fast winterlichen Temperaturen zeigte sich endlich wieder die Sonne. Wobei es anfangs noch so aussah, als wenn der Wetterbericht wieder daneben liegen würde. Aber Gott sei Dank war es nur ein kurzer Regenguss, bevor sich die Wolken endgültig verzogen und ein strahlend blauer Himmel die perfekte Kulisse für das zweite Angrillen bei unserer jüngsten Tochter bildete. Entsprechend gut gelaunt und ausgelassen waren die Erwachsenen. Vor allem die jungen Männer ließen sich von unseren Enkeln animieren, mit Wasserpistolen aufeinander loszugehen. Einige sahen nach kürzester Zeit so aus, als wenn sie unter der Dusche gestanden hätten. Für unsere Enkel war das toll. Sie mischten bei der Wasserschlacht kräftig mit, wobei Kollateralschäden, wie nasse Unbeteiligte, nicht ausbleiben konnten. Irgendwann hatte dann unser jüngster Enkel seinen Vater ins Visier genommen. Doch leider hatte seine Wasserpistole Ladehemmung. Irgendwie wollte das Wasser nicht aus der Pistole heraus. Er drückte und drückte und drückte. Aber es kam nichts. Dann endlich, als er noch einen letzten Versuch gestartet hatte, bekam sein Vater ein volle Ladung Wasser ab. Was aber noch mehr saß, war der starke Spruch, den der kleine Mann zum Besten gab: “Na, geht doch!” Was soll ich sagen? Wie schön, dass sein Mundwerk keine Ladehemmungen hat.

So einfach kann die Welt sein

Für Kinder funktioniert die Welt ganz einfach. Ein Paradebeispiel: Unser ältester Enkel wünscht sich sehnlichst einen Hund. Was Opa übrigens gut nachvollziehen kann, aber das nur am Rande. Seine Eltern, beide berufstätig, versuchen ihm das nun auszureden. Was ich ja irgendwie auch wieder verstehen kann. Aber sie gehen die Sache verkehrt an, sie kommen mit logischen Argumenten daher. Also, erstens sei der arme Hund ja den ganzen Tag alleine, zweitens könne man ihn so schlecht bei Urlaubsreisen mit dem Flugzeug mitnehmen, drittens müsse der Hund ja auch mal raus und sein Geschäft machen, und so weiter und so weiter. Die Antworten, mit denen diese Argumente vom Tisch gewischt wurden, ließen nicht lange auf sich warten: Gegen die Einsamkeit könnten Radio und Fernsehen helfen, vielleicht mit speziellen Hundeprogrammen, im Urlaub stünden sicherlich Oma und Opa zur Verfügung, um den Vierbeiner zu versorgen, und was das Geschäft betreffe: Na überhaupt kein Problem. Der Hund habe doch sicher einen Penis, den könne er ja aus dem Fenster halten und … Den Rest kann sicher jeder selbst ausmalen. Was soll ich sagen? So einfach kann die Welt sein.

“Wenn ich alle sage, …”

Kinder spielen gerne. So auch unsere Enkelkinder. Und am liebsten haben sie es, wenn alle mitspielen: Mama, Papa, Oma, Opa und wer sonst noch gerade greifbar ist. So war es auch, als unser ältester Enkel uns letztens mit seinen Eltern besuchte. An diesem Tag, welch Wunder in diesem verregneten Frühling, schien sogar die Sonne. Und auch die Temperaturen waren dazu angetan, sich ausnahmsweise mal im Freien aufzuhalten. Wettrennen und Fangen steht draußen bei dem großen Kleinen besonders hoch im Kurs. Als die Erwachsenen, die ein paar Runden in diesen Disziplinen mitgespielt hatten, sich gerade wieder gesetzt hatten, befand unser Enkel, dass es jetzt an der Zeit sei, die ganze Familie auf Trab zu bringen. Als ich dann, immerhin schon etwas in die Jahre gekommen, nicht sofort von meinem Stuhl hochkam, verlieh er seiner Spielaufforderung deutlichen Nachdruck: “Wenn ich alle sage, dann meine ich auch alle.” Was soll ich sagen? Irgendwoher muss er es ja haben. Selbstbewusst und doch bescheiden.

“Hund nicht Beine hat”

Unsere Enkel sind nicht auf den Kopf gefallen. Selbst dem Kleinen mit seinen gerade einmal zwei Jahren kann man kein X für ein U vormachen. Dieser Tage, als er wieder einmal bei Oma und Opa war, fand er in der großen Spielzeugkiste Snoopy. Snoopy ist ein Holz-Hund, der auf Rädern fährt und fürchterlichen Krach macht. Als er sich das Teil genauer ansah, stellte er ziemlich schnell und zutreffend fest: “Hund nicht Beine hat.” Da mochte und konnte ihm Oma auch nicht widersprechen. Was unser jüngster Familienspross natürlich (noch) nicht weiß, ist, dass der Krach eben nur mit diesen Rädern erzeugt werden kann. Und das ist wohl auch der Sinn der ganzen Angelegenheit. Was soll ich sagen? Snoopy gehörte eigentlich einmal unseren ältesten Tochter. Als sie so klein war wie unser jüngster Enkel, habe ich sie am Wochenende immer mit auf den Tennisplatz zu den Medenspielen, das sind die Saisonspiele im Tennis in Deutschland, genommen. Dort durfte sie dann nach Herzenslust mit Snoopy hin und her laufen – natürlich nur auf der Seite, auf der Opas Gegner spielten. Die sind fast verrückt geworden und waren am Ende ziemlich fertig. Das ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Den Fair Play Preis, wenn es ihn denn damals gegeben hätte, hätte ich damit allerdings nicht gewonnen. Hoffentlich erzählt meinen Enkeln niemand von dieser unrühmlichen Geschichte.

Halbe Portion

Kinder können ja ganz schöne Dreckspatzen sein. Nun macht es ja auch ausgesprochen Spaß, sich vollzusauen und mit allem Möglichen einzuschmieren. Genauso toll ist es aber, das Ganze wieder abzuwaschen. Jedenfalls lieben es unsere Enkel, stundenlang und mit wachsender Begeisterung im Badezimmer mit Wasser herumzuspielen. Und so sind sie auch nicht abgeneigt, wenn das Kommando ihrer Mütter ertönt: “Ab in die Wanne.” Bei einem der letzten derartigen Waschgänge unseres ältesten Enkels telefonierte Oma mit ihrer Tochter. Die gab zwischendurch ein paar Fernhinweise: “Vor allem den Kopf und den Popo waschen!” Die Rückfrage ließ nicht lange auf sich warten: “Soll ich den ganzen Menschen baden?” Da waren Mama und Oma erst einmal sprachlos. Was soll ich sagen? Den halben macht ja auch keinen Sinn, selbst wenn der nur eine halbe Portion ist.

“Ich muss mal”

Menschliche Bedürfnisse kommen manchmal schneller daher, als einem lieb ist. Das geht Kindern nicht anders als Erwachsenen. Bloß haben es die Kleinen zuweilen etwas schwerer, mit derartigen Notlagen fertig zu werden. Als unser ältester Enkel neulich mit seinen Eltern im Auto unterwegs war, pressierte es ihm plötzlich sehr. “Ich muss mal”, tat er seinen Eltern kund. Da man aber bekanntlich nicht so einfach auf der Straße anhalten kann, um seine Notdurft zu verrichten, fragte der Papa: “Kannst du es noch aufhalten?” Da unser Kleiner mittlerweile schon ein ganz Großer ist, verkündete er selbstsicher: “Ich glaube schon.” Irgendwie wollte sein Vater aber wohl sicher gehen und fragte noch einmal genauer nach: “Musst du denn Pipi oder Aa?” Was soll ich sagen? Wer dumm fragt, bekommt eine entsprechende Antwort. Die unseres Enkel lautete: “Ich weiß doch nicht, was da rauskommt.”

“Pickel Langstrumpf”

Es gibt wohl niemanden, der das freche neunjährige Mädchen mit den Sommersprossen, dessen rotes Haar zu zwei abstehenden Zöpfen geflochten ist, nicht kennt. Und es gibt wohl kein Kind, das nicht so sein will wie Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf, kurz Pippi Langstrumpf genannt. Denn die von der schwedischen Autorin Astrid Lindgren geschaffene Göre vereint in sich alles, was ein Kinderherz begehrt: Sie lebt alleine in ihrer Villa Kunterbunt, kann tun und lassen, was sie will, besitzt ein eigenes Pferd und ist das stärkste Mädchen, das es überhaupt gibt. Aber nicht nur Kinder nehmen sich Pippi Langstrumpf gerne zum Vorbild, auch der Frauenbewegung hat sie es aufgrund ihres unkonventionellen Verhaltens angetan. Und ungeachtet aller Versuche der Schönheitsindustrie leidet sie auch nicht unter ihren vielen Sommersprossen, sondern hat sie sogar gern. Einer Verkäuferin knallt sie in diesem Zusammenhang mal eben den Satz hin: „Wenn Sie vielleicht irgendwelches Zeug hereinbekommen sollten, von dem man noch mehr Sommersprossen kriegt, dann können Sie mir sieben bis acht Dosen zuschicken.” Was soll ich sagen? Eine starke Persönlichkeit, die offensichtlich durch nichts zu erschüttern ist. Es sei denn vielleicht durch unseren ältesten Enkel, der Pippis Sommersprossen fälschlicherweise als Akne identifiziert hat und sie wohl aus diesem Grund “Pickel Langstrumpf” nennt.

Das Phänomen Milchhaut

Auf Milch, wenn sie zu stark erhitzt wird, bildet sich die von Kindern wie Erwachsenen so verhasste Milchhaut. Der Grund liegt in der Zusammensetzung der Milch: Neben Wasser finden sich Fett, Milchzucker und Eiweißstoffe. Bei zirka 75 Grad nun beginnt sich die Struktur der Eiweißstoffe zu verändern. Die Eiweißmoleküle, die bis dahin wie zu einem Wollknäuel aufgerollt sind, fangen an, sich zu entwirren und verkleben anschließend miteinander zu einem feinen und dünnen Netz, eben zu besagter Milchhaut. Und da diese gallertartige Masse leichter ist als Wasser, schwimmt sie immer oben und vergrault selbst die größten Milchliebhaber. Als ich jüngst mit einem meiner Enkel auf dem Spielplatz war, stillte dort eine Mutter ihren Säugling, was wiederum auf reges Interesse einiger Kinder stieß. Einer der Jungs wollte es dann in Sachen Muttermilch ganz genau wissen und fragte: “Hat die Milch auch so ‘ne ekelige Haut?” Die Mutter war ganz schön verdaddert und konnte dem Dreikäsehoch irgendwie keine befriedigende Antwort geben. Was soll(te) ich sagen? Ich hab’ mich da rausgehalten – zumal das Phänomen Milchhaut beim Cappuccino dafür sorgt, dass der Milchschaum nicht so schnell in sich zusammenfällt. Wenn ich ihm das auch noch erklärt hätte, hätte der Kleine vielleicht noch gefragt: “Kommt da auch Cappuccino raus?”

Einfach nur “Gagaga”

Von ‘Gagaga’ zu Goethe: Wie Kinder sprechen lernen” lautet die Überschrift eines Beitrages auf FOCUS Online, der darüber berichtet, dass Wissenschaftler heute immer mehr Geheimnisse der menschlichen Sprache enträtseln. Wobei, und das soll die Arbeit der Wissenschaftler in keinster Weise abwerten, einige Erkenntnisse für Eltern und Großeltern nichts Neues sind. Dazu gehört sicherlich, dass auf Platz eins der Rangliste der häufigsten ersten Worte tatsächlich “Mama” und “Papa” rangieren. Auch die Empfehlung, dass man möglichst viel mit ihnen reden, ihnen vorlesen sollte, wenn man seine Kinder fördern will, hatten viele Eltern und Großeltern schon berücksichtigt, bevor sie überhaupt ausgesprochen wurde. Und dass Konsonantenkombinationen wie das “Bl” zuweilen Probleme bereiten, kommt wohl nicht nur bei Kleinkindern vor. Interessant sind aber sicher einige Zahlen, die genannt werden: So soll ein Erwachsener aus einem Wortschatz bis zu 16.000 Begriffen schöpfen und sogar bis zu 50.000 Wörter verstehen. Oder: Kinder entwickeln bis zu einem Alter von 24 Monaten einen Wortschatz von bis zu 50 Worten, dann kommt es zu einer Sprachexplosion auf bis zu 300 Worte. Als Vater von zwei Töchtern und Großvater von zwei Enkelsöhnen ärgert mich aber, dass in diesem Zusammenhang schon wieder Schubladen wie “Late Talker” (späte Sprechende) oder “Late Bloomer” (späte Erblüher) gebildet werden, in denen die Kinder landen, die nicht der von wem auch immer gebildeten Norm entsprechen. Was soll ich sagen? Als wenn das wirklich wichtig wäre, wann wer wie viele Wörter spricht. Oder kennen Sie einen Erwachsenen, der bei 50 Worten stehen geblieben ist. Einfach nur “Gagaga”.

Lang lebe d(ies)er König

Die Niederlande haben einen neuen König. Selbst für eingefleischte Demokraten und überzeugte Republikaner hatte die Amtseinführung von Willem-Alexander etwas Bewegendes. Da ging im Hause Oranje würdevoll ein Generationswechsel vonstatten, der vielen Familien als Vorbild dienen könnte. Die in alle Welt übertragenen Fernsehbilder haben eine sichtbar erleichterte Oma, eine auf ihren Mann merklich stolze Ehefrau sowie einen auf das Wohl seiner Kinder bedachten Vater und an seine Mutter respektvoll denkenden Sohn gezeigt. Um es noch präziser zu sagen: Beatrix, die nach 33 Jahren Regentschaft die Bürde ihres Amtes abgelegt hatte, kümmerte sich liebevoll um ihre Enkeltöchter. Máxima, immerhin jetzt Königin im Oranje-Reich, strahlte den Stolz einer liebenden Ehefrau aus. Und Willem-Alexander, der nunmehr die Nummer 1 seines Landes ist, hatte schon vorher kundgetan, seine Kinder, insbesondere seine älteste Tochter Kronprinzessin Amalia, soweit überhaupt machbar, vor der neugierigen (Medien-)Öffent-lichkeit zu schützen und ihnen eine normale Jugend zu ermöglichen. Dass er zudem noch in diesem wohl wichtigsten Moment seines Lebens auch die Verdienste von Beatrix sowohl als Königin als auch als Mutter in seiner Antrittsrede anerkennend ansprach, war bemerkenswert und bescherte ihr noch einmal eine große Bühne. Auch bei uns in der Familie war dieses Ereignis Thema. “Warum geht die alte (Königin)”, wollte unser Ältester im Vorfeld wissen. Was soll ich sagen? Weil sie offenbar ein besseres Gespür für den richtigen Moment hat(te) als ihre Kollegin in London. So heißt es eben zunächst einmal nur bei unseren Nachbarn: Lang lebe d(ies)er König.