Vor allem zwei Dinge faszinieren mich bei kleinen Kindern am meisten. Da ist zum einen deren feste Überzeugung, dass sich die Welt um sie herum dreht. Und da ist zum anderen deren Fähigkeit, innerhalb kürzester Zeit Unmengen an Wissen in sich aufzunehmen und Neues zu lernen. Ich habe viel darüber nachgedacht, warum das so ist. Im ersten Fall ist die Antwort relativ einfach gewesen: Weil es so ist. Da die Kleinen immer im Mittelpunkt stehen, dreht sich die Welt tatsächlich um sie. Was die zweite Sache betrifft, war die Erklärung schon schwieriger. Aber die Antwort fiel mir wie Schuppen von den Augen, als ich jüngst den folgenden Satz von William Shakespeare aus der Komödie “Was ihr wollt” gelesen habe: Wenn man nicht weiß, wohin man will, so kommt man am weitesten. Kinder lernen nicht mit einem bestimmten Ziel, sondern weil sie einfach neugierig sind. Was soll ich sagen? Beides beneidenswert, Kind müsste man wieder sein.
Sehnsucht nach dem Besseren
Ein Ergebnis des Zensus 2011 lautet: “Neben den 18,2 Millionen Ehen gab es am Zensusstichtag in Deutschland knapp 34.000 eingetragene (gleichgeschlechtliche) Lebenspartnerschaften, davon waren rund 40 % Lebenspartnerschaften von Frauen. Insgesamt lebten 5.700 Kinder in Familien, deren Eltern eine eingetragene Lebenspartnerschaft führten, die meisten davon (86 %) in Lebenspartnerschaften von Frauen.” Soweit die Statistik. In der Süddeutschen Zeitung liest sich das dann im Vorspann des diesbezüglichen Berichtes so: “Alleinerziehende, Patchwork- oder Kleeblattfamilien: Das Vater-Mutter-Kind-Modell ist längst nur noch eine Familienform unter vielen. 5.600 Kinder lebten 2011 in Regenbogenfamilien mit homosexuellen Eltern. Fast alle von ihnen bei lesbischen Paaren.” Was soll ich sagen? Das kann man natürlich so schreiben, in der Süddeutschen allemal, wäre aber, mal abgesehen davon, dass schon die Zahl gleich am Anfang falsch ist und die 18,2 Millionen Ehen in dem Bericht überhaupt nicht vorkommen, auf Opas Redaktionstisch seinerzeit nicht durchgegangen. Damit an dieser Stelle kein falscher Eindruck entsteht. Opa hält es mit dem Alten Fritz, der den Satz geprägt hat: “… hier mus ein jeder nach Seiner Faßon Selich werden.” Mehr noch aber als der Alte Fitz war für Opa, was die Familie betrifft, die viel zu früh verstorbene Tissy Bruns, eine der angesehensten Journalistinnen unserer Zeit, das Maß aller Dinge. Sie hat einmal geschrieben: “… das Leben mit Kindern ist kaum vorstellbar, ohne sich selbst und die Nachkommen einzuordnen in einen Kontext, der weiter und größer ist als das einzelne Individuum. Kinder sind die Sehnsucht nach dem Besseren, das möglich ist. Nicht nur für Eltern und Großeltern. Wo der Ehrgeiz der Gesellschaft schwach wird, wenn sie nicht mehr alle Kinder als ‘ihre’ Kinder wahrnimmt, verliert sie ihre Zukunft.” Auf den Punkt gebracht: Das Kindeswohl steht über allem. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
“Hund nicht Beine hat”
Unsere Enkel sind nicht auf den Kopf gefallen. Selbst dem Kleinen mit seinen gerade einmal zwei Jahren kann man kein X für ein U vormachen. Dieser Tage, als er wieder einmal bei Oma und Opa war, fand er in der großen Spielzeugkiste Snoopy. Snoopy ist ein Holz-Hund, der auf Rädern fährt und fürchterlichen Krach macht. Als er sich das Teil genauer ansah, stellte er ziemlich schnell und zutreffend fest: “Hund nicht Beine hat.” Da mochte und konnte ihm Oma auch nicht widersprechen. Was unser jüngster Familienspross natürlich (noch) nicht weiß, ist, dass der Krach eben nur mit diesen Rädern erzeugt werden kann. Und das ist wohl auch der Sinn der ganzen Angelegenheit. Was soll ich sagen? Snoopy gehörte eigentlich einmal unseren ältesten Tochter. Als sie so klein war wie unser jüngster Enkel, habe ich sie am Wochenende immer mit auf den Tennisplatz zu den Medenspielen, das sind die Saisonspiele im Tennis in Deutschland, genommen. Dort durfte sie dann nach Herzenslust mit Snoopy hin und her laufen – natürlich nur auf der Seite, auf der Opas Gegner spielten. Die sind fast verrückt geworden und waren am Ende ziemlich fertig. Das ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Den Fair Play Preis, wenn es ihn denn damals gegeben hätte, hätte ich damit allerdings nicht gewonnen. Hoffentlich erzählt meinen Enkeln niemand von dieser unrühmlichen Geschichte.
Halbe Portion
Kinder können ja ganz schöne Dreckspatzen sein. Nun macht es ja auch ausgesprochen Spaß, sich vollzusauen und mit allem Möglichen einzuschmieren. Genauso toll ist es aber, das Ganze wieder abzuwaschen. Jedenfalls lieben es unsere Enkel, stundenlang und mit wachsender Begeisterung im Badezimmer mit Wasser herumzuspielen. Und so sind sie auch nicht abgeneigt, wenn das Kommando ihrer Mütter ertönt: “Ab in die Wanne.” Bei einem der letzten derartigen Waschgänge unseres ältesten Enkels telefonierte Oma mit ihrer Tochter. Die gab zwischendurch ein paar Fernhinweise: “Vor allem den Kopf und den Popo waschen!” Die Rückfrage ließ nicht lange auf sich warten: “Soll ich den ganzen Menschen baden?” Da waren Mama und Oma erst einmal sprachlos. Was soll ich sagen? Den halben macht ja auch keinen Sinn, selbst wenn der nur eine halbe Portion ist.
“Ich muss mal”
Menschliche Bedürfnisse kommen manchmal schneller daher, als einem lieb ist. Das geht Kindern nicht anders als Erwachsenen. Bloß haben es die Kleinen zuweilen etwas schwerer, mit derartigen Notlagen fertig zu werden. Als unser ältester Enkel neulich mit seinen Eltern im Auto unterwegs war, pressierte es ihm plötzlich sehr. “Ich muss mal”, tat er seinen Eltern kund. Da man aber bekanntlich nicht so einfach auf der Straße anhalten kann, um seine Notdurft zu verrichten, fragte der Papa: “Kannst du es noch aufhalten?” Da unser Kleiner mittlerweile schon ein ganz Großer ist, verkündete er selbstsicher: “Ich glaube schon.” Irgendwie wollte sein Vater aber wohl sicher gehen und fragte noch einmal genauer nach: “Musst du denn Pipi oder Aa?” Was soll ich sagen? Wer dumm fragt, bekommt eine entsprechende Antwort. Die unseres Enkel lautete: “Ich weiß doch nicht, was da rauskommt.”
Herzlichen Glückwunsch 2.0
Die Duplizität der Ereignisse ist ein bekanntes Phänomen. Insofern ist es nicht verwunderlich, wenn sich auch auf Opas Blog diese Duplizität niederschlägt. So haben wir gestern der DKMS Deutsche Knochmarkspenderdatei zum Geburtstag gratuliert. Heute tun wir das bei der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, der Opa schon seit langem freundschaftlich verbunden ist: Herzlichen Glückwunsch, sozusagen 2.0, und weiterhin viel Glück bei der Arbeit. Diese finanzieren die Seenotretter seit ihrer Gründung am 29. Mai 1865 ausschließlich über Spenden und freiwillige Zuwendungen, mit nur einer Ausnahme. Dazu heißt es auf der Website der Gesellschaft: “Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Währungsreform wäre das Rettungswerk nicht in der Lage gewesen, die Aufgaben ganz ohne staatliche Hilfe bewältigen zu können. In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts erhielt die Gesellschaft einmalig – in überschaubarem Maße – Gelder aus Steuermitteln. Als sich die Finanzlage der DGzRS dann 1957 wieder konsolidiert hatte, verzichtete das Rettungswerk freiwillig auf weitere Zuschüsse.” Was soll ich sagen? Das ist ziemlich einzigartig. Umso mehr haben die Seenotretter einen kostenlosen Werbebanner verdient, den Opas Blog der Gesellschaft zum Geburtstag gerne zur Verfügung stellt.
Herzlichen Glückwunsch
Die DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei feiert heute Geburtstag. Dazu gratuliert Opa ganz herzlich. Immerhin hat es die DKMS in den letzten 22 Jahren geschafft, dass sich fast 4 Millionen Menschen in ihrer Kartei haben registrieren lassen. Und über 36.000 Mal ist es gelungen, einem Blutkrebspatienten mit einer Knochenmarkspende wieder Hoffnung zu machen. Das ist zwar ein tolles Ergebnis. Aber angesichts einer Wahrscheinlichkeit zwischen 1:20.000 und 1 zu mehreren Millionen, einen „genetischen Zwilling“ zu finden, bleibt keine Zeit, sich auf diesen Lorbeeren auszuruhen. Insofern hat die DKMS gut daran getan, sich zu ihrem Jahrestag sozusagen als Selbstgeschenk ein überarbeitetes Outfit mit neuem Logo und Erscheinungsbild zu gönnen. Was soll ich sagen? Auch Opa hat ein Geschenk in petto: Ein kostenloses Werbebanner. Das neue Logo kann ab sofort auf Opas Blog für die DKMS werben, ohne dass die Gesellschaft etwas dafür zahlen muss. Also, noch einmal herzlichen Glückwunsch, liebe DKMS, und weiterhin viel Erfolg bei der Suche nach Stammzellspendern.
Keine Vorbilder mehr
Senioren sind offensichtlich auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Jedenfalls lässt eine Meldung aufhorchen, wonach Betrug, Beleidigung und andere Straftaten zunehmend auf das Konto von über 60-Jährigen gehen. Der Anteil der Tatverdächtigen im Seniorenalter ist zwischen 2009 und 2012 um 11,4 Prozent gestiegen, während sich die Altersgruppe im gleichen Zeitraum nur um 5,7 Prozent vergrößerte. Die Statistik bezieht sich zwar auf Brandenburg, dürfte aber in anderen Landesteilen Deutschlands auch nicht viel anders aussehen. Was soll ich sagen? Das kriminelle Verhalten meiner Altersgenossen vermag ich nicht zu beurteilen und zu erklären. Was aber auch ich in letzter Zeit festgestellt habe, ist, dass viele Alte in der Öffentlichkeit ziemlich rücksichtslos geworden sind. Wenn ich nur daran denke, was Oma und ich alleine im Supermarkt so alles erleben, wundert mich so langsam gar nichts mehr. Der Altersstarrsinn treibt da die seltsamsten Blüten. Als Vorbilder gehen diese Senioren jedenfalls nicht mehr durch. Ich hoffe nur – vor allem für mein Umfeld -, dass sich derartige Anwandlungen bei mir nicht einstellen.
Tage der Ungewissheit
Meiner ältesten Tochter steht eine harte Woche bevor. Ihr Sohn wird nämlich verreisen. Ohne sie, und ohne den Vater. Auch nicht mit Opa und Oma. Nein, mit dem Kindergarten. Als sie von den Plänen der Kita erfuhr, war sie ja ganz happy. Eine Woche ohne Sohn, sturmfreie Bude sozusagen. Vermutlich wurden Erinnerungen an alte Zeiten wach. Doch mittlerweile ändert sich die Gemütslage meiner Tochter. Denn nun werden weitere Einzelheiten bekannt, wobei das Schlimmste wohl ist: Keine Telefonate, wenn überhaupt nur in dringenden Notfällen. Keine Informationen also, ob es dem Kleinen gut geht. Und das eine Woche lang. So langsam schwant ihr, dass das quälende Tage der Ungewissheit werden. Immer wieder unbeantwortete Fragen wie: Schläft er? Isst er genug? Hat er sich verletzt? Denkt er an mich? Und so weiter und so weiter. Als sie einer Bekannten von den bevorstehenden Reiseaktivitäten ihres Sohnes erzählte, meinte diese nur kurz und trocken: “Du wirst mit der freien Zeit nichts anzufangen wissen.” Sie selbst sagt bereits: “Ich vermisse ihn jetzt schon.” Was soll ich sagen? Ich weiß nicht so recht, wer unter dem Abnabelungsprozess mehr leidet: Meine Tochter oder mein Enkel?
“demonstrire gegen die lösunk”
Dieses Mal muss es ein längeres Stück als sonst sein. Aber versprochen: Es lohnt sich. Also, da habe ich einen Text wiedergefunden, der Mitte der 80er Jahre in Schulkreisen zirkulierte und der die Schulentwicklung der letzten Jahrzehnte anhand einer mathematischen Aufgabenstellung beschreibt. Übertrieben vielleicht, aber doch recht trefflich – und er passt gut zu meinen Texten “Slawanzugkurzbeinig” und “forzicht frisch gelegt”:
Volksschule 1950:
Ein Bauer verkauft einen Sack Kartoffeln für 20 Mark. Die Erzeugerkosten betragen vier Fünftel des Erlöses. Wie hoch ist der Gewinn?
Realschule 1960:
Ein Bauer verkauft einen Sack Kartoffeln für 20 Mark. Die Erzeugerkosten betragen 16 Mark. Berechne den Gewinn.
Gymnasium 1970:
Ein Bauer verkauft eine Menge Kartoffeln (K) für eine Menge Geld (G). G hat die Mächtigkeit 20. Für die Element g aus G gilt: g ist 1 Mark.
In Strichmengen müßtest du für die Menge G zwanzig Strichlein (////////////////////) machen, für jedes Element g eines. Die Menge der Erzeugerkosten (E) ist um vier Strichlein (////) weniger mächtig als die Menge G. Zeichne das Bild der Menge E als Teilmenge der Menge G und gib die Lösungsmenge (L) an für die Frage: Wie mächtig ist die Gewinnmenge?
Waldorfschule 1978:
Ein Sack Kartoffeln kostet 20 DM. Ein Käufer bezahlt für einen Sack biodynamischer Kartoffeln 30 DM.
Gestalte die Seite mit harmonischen, dreigegliederten, fünfeckigen Formen, die den Text behutsam umschleiern. Benutze dazu lila „Stockmar-Wachsfarbe“.
Wer lebt länger?
Integrierte Gesamtschule 1982:
Ein Bauer verkauft einen Sack Kartoffeln für 20 DM. Die Erzeugerkosten betragen 16 DM. Der Gewinn beträgt 4 DM.
Aufgabe: Unterstreiche das Wort Kartoffeln und diskutiere mit deinem Nachbarn darüber!
Weiterreformierte Schule 1988:
Ein kapitalistisch-privilegierter bauer bereichert sich one rechtfertigung an einen sak kartoffeln um 4 marck. untersuche den tekst auf inhaltlische gramatische ortogravische und zeichensätsungsfeler. korigire die aufgabengestaltunk und demonstrire gegen die lösunk!
Was soll ich sagen? Was ich schon damals gesagt habe: Um Gottes willen. Wie wohl die Aufgabenstellung 2020 aussieht?
