Es ist nur noch zum Fremdschämen. Da richtet der ukrainische Präsident im Deutschen Bundestag einen verzweifelten Hilferuf an die deutschen Parlamentarier, mitzuhelfen, den bestialischen Angriffskrieg Putins zu stoppen, und die haben danach nichts Besseres zu tun, als zur Tagesordnung überzugehen und über die Impfpflicht zu diskutieren – von den zwischenzeitlich verlesenen Geburtstagswünschen ganz abgesehen. Da fleht der ukrainische Botschafter quer über alle Medien und sonstigen Kommunikationskanäle verzweifelt um Beistand für sein vom Tod bedrohtes Volk und ein in seiner Bedeutungslosigkeit kaum zu übertreffender SPD-Staatssekretär im Bundesbauministerium namens Sören Bartol schreibt in einem Tweet, er „finde diesen ‚Botschafter‘ mittlerweile unerträglich“ und versieht das Ganze noch mit dem Hashtag „respektlosigkeit“. Da werden etwas über 1.000 Kilometer von Berlin entfernt ein ganzes Volk und ein ganzes Land in Schutt und Asche gelegt und in die Steinzeit zurückgebombt und Teile der Deutschen Politik tun sich immer noch schwer, genau hinzuschauen, die Dinge beim Namen zu nennen und einzusehen, dass ein Entgegenkommen Putin nur ermuntert, noch skrupelloser seinen imperialistischen Kriegszug fortzusetzen. Was soll ich sagen? Ich frage mich in diesen Tagen des Öfteren, wer in Deutschland überhaupt noch den Mumm aufbringen könnte und würde, sein Land so bravourös und tapfer zu verteidigen, wie die Ukrainer das gerade tun. Denn viele sitzen hierzulande gut gewärmt und gesättigt zuhause und verfolgen fast in Echtzeit mit einem gewissen Nervenkitzel das Grauen auf dem Sofa. Dabei wird dort die Freiheit – übrigens auch unsere – nicht verteidigt. Ich hoffe nicht, dass es erst das böse Erwachen ist, was vielen die Augen öffnet. Es ist für uns Deutsche an der Zeit, die Komfortzone zu verlassen und endlich die Verantwortung zu übernehmen, die die Welt von uns zu Recht schon seit Längerem einfordert. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat es Deutschland insbesondere dem Westen zu verdanken gehabt, wieder zu einem geachteten wie wohlhabenden Mitglied der Weltengemeinschaft zu werden. Jetzt können und sollten wir uns dafür revanchieren. Einen besseren Zeitpunkt könnte es dafür nicht geben. Zeigen wir, dass wir den Ernst der Lage erkannt haben und bereit sind, das Notwendige zu tun. Das sind wir der Welt, aber auch unseren Kindern und Kindeskindern schuldig.
Archiv des Autors: Opa
Paradies oder Hölle
Der Tagesspiegel in Berlin ist – getreu seinem Leitspruch „Rerum cognoscere causas“ – den Dingen mal wieder auf den Grund gegangen. In der heutigen Ausgabe (7. März 2022) geht es dabei um ein „Leben auf der Sonnenseite“, das sich laut dem Blatt viele Bundesbürger für ihren Ruhestand im Paradies wünschen. Da trifft es sich ja gut, dass man in einigen Ländern, so der Autor, „mit der deutschen Rente … größere Sprünge“ als zu Hause machen kann. Ein „Geheimtipp am Rande Europas“ dafür ist, man höre und staune, Georgien, das nach Ansicht nicht weniger Sicherheitsexperten durchaus auch als Appetithappen auf der Speisekarte des machthungrigen Wladimir Wladimirowitsch Putin steht. Während für den Tagesspiegel die Kaukasusrepublik „mit ihrer Küche, wahlweise subtropischem Schwarzmeerklima oder Bergluft, sehr günstigen Mieten, Steuerfreiheit für Einkünfte wie Renten aus dem Ausland und einfach zu erhaltendem Visum“ lockt, haben die Bilder aus der Ukraine bei den georgischen Rentnerinnen und Rentnern Angst und Schrecken ausgelöst. Was soll ich sagen? Autor und vor allem die Redaktion haben wirklich das Feingefühl einer Kettensäge bewiesen, indem sie ein Rentnerparadies anpreisen, das keine 650 Kilometer vom gerade tobenden russischen Angriffskrieg – Entschuldigung Herr Putin: von der akuten militärischen Sonderaktion – entfernt ist. Da kann das Paradies schneller zur Hölle werden, als allen lieb ist.
PS: Der Artikel ist übrigens am 17. Januar 2022 bereits online erschienen. Damals mag der Geheimtipp vielleicht ja noch Sinn gemacht haben. Wenn ich ihn dann aber am 12. Tag des Krieges in der Printausgabe veröffentliche, dann sollte man den Text vor dem Druck noch einmal lesen und prüfen, ob er noch in die Zeit passt. Qualitätsjournalismus stelle ich mir irgendwie anders vor.

In einer anderen Welt
Wir sind heute in einer anderen Welt aufgewacht. Mit diesen Worten hat Bundesaußenministerin Annalena Baerbock ihre Erklärung zum Angriff Russlands auf die Ukraine begonnen. Und in der Tat bedeutet der 24. Februar 2022 eine Zeitenwende in der Geschichte Europas, das gerade die größte Invasion seit dem Zweiten Weltkrieg erlebt. Dabei hätte man es wissen können – und müssen. Die frühere Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer brachte das historische Versagen des Westens auf Twitter auf den Punkt: „Wir haben nach Georgien, Krim und Donbass nichts vorbereitet (…), was Putin wirklich abgeschreckt hätte.“ Schlimmer noch: Die Untätigkeit und die Halbherzigkeit Amerikas und Europas dürften den Despoten in Moskau eher noch animiert haben, seine Idee einer neuen Weltordnung mit Brachialgewalt voranzutreiben. Dass Putins Machthunger nach der wohl nicht mehr zu verhindernden Einverleibung der Ukraine gestillt sein könnte, ist eher unwahrscheinlich und unter der Rubrik Wunschdenken abzulegen. In diesem Zusammenhang sind es sicher nicht nur die baltischen Staaten, mit denen der Kreml-Chef liebäugelt, auch die südosteuropäischen Länder Rumänien und Bulgarien dürften für ihn von Interesse sein. Und dann ist da noch die russische Exklave Kaliningrad, zu der das Mutterland Russland vermutlich gerne einen direkten Zugang hätte, wodurch auch Polen involviert sein könnte. Was soll ich sagen? Wenn ich an meine Kinder und Enkelkinder denke, dann bin ich nicht nur traurig, sondern wütend. Auch wenn viele Vergleiche hinken, vielleicht auch dieser: Aber das Geschehen erinnert doch erschreckend an den 1. September 1939, als Deutschland Polen überfallen hat und damit die untauglichen Versuche der Alliierten, Hitler zu besänftigen, gescheitert sind. Auch damals waren es die Angegriffenen, die von der Propaganda der Nazis als die Schuldigen dargestellt wurden. So wiederholt sich dann doch die Geschichte und es sieht leider nicht danach aus, dass sich am weiteren Lauf der Dinge etwas entscheidend ändern würde. Ja, die Welt ist nicht mehr die, in der wir gestern eingeschlafen sind.
Meinungsfreiheit
Zum Fall Martenstein haben sich eigentlich schon genug und vermutlich auch berufenere Journalisten-Kollegen geäußert und ihr Unverständnis über das Vorgehen des Tagesspiegels und seiner Chefredaktion zum Ausdruck gebracht. Eigentlich. Aber das, was da passiert ist, ist Ausdruck einer Entwicklung, die noch einmal böse enden kann. Und deshalb werde auch ich noch meinen Senf zu der Causa hinzugeben, ganz egal, ob der allen schmeckt oder nicht. Worum geht bzw. ging es. Harald Martenstein hat am 6. Februar in seiner Kolumne im Tagesspiegel Folgendes geschrieben: „Wer den Hitlervergleich bemüht, der natürlich nie stimmt, möchte sein Gegenüber als das absolut Böse darstellen, als Nichtmenschen. Der Vergleich will Hitler gerade nicht verharmlosen, er macht ihn zu einer Art Atombombe, die einen politischen Gegner moralisch vernichten soll. Der Judenstern dagegen soll seine modernen Träger zum absolut Guten machen, zum totalen Opfer. Er ist immer eine Anmaßung, auch eine Verharmlosung, er ist für die Überlebenden schwer auszuhalten. Aber eines ist er sicher nicht: antisemitisch. Die Träger identifizieren sich ja mit den verfolgten Juden. Jetzt werden auf Corona-Demos häufig Judensterne mit der Aufschrift ‚ungeimpft’ getragen. Von denen, die das ‚antisemitisch‘ nennen, würden wahrscheinlich viele, ohne mit der Wimper zu zucken, Trump mit Hitler und die AfD mit den Nazis vergleichen. Der Widerspruch in ihrem Verhalten fällt ihnen nicht auf.“ Das wurde, glaubt man dem Tagesspiegel, „sowohl innerhalb der Redaktion als auch von Leserinnen und Lesern stark kritisiert.“ Das wiederum hat den Tagesspiegel nach eigener Aussage nach vielen Gesprächen zu dem Schluss kommen lassen, „dass wir diese Kolumne so nicht hätten veröffentlichen sollen; wir haben diesen einen Beitrag deshalb online zurückgezogen.“ Dass Martenstein daraufhin entschieden hat, nicht mehr für den Tagesspiegel zu schreiben, ist nicht nur verständlich, sondern war auch konsequent und folgerichtig. Was den ganzen Vorgang so brisant macht, ist noch nicht einmal, dass ein Blatt, das sich für das Leitmedium der Hauptstadt hält, offensichtlich nicht in der Lage ist, tagesaktuell zu entscheiden, was journalistisch vertretbar ist und veröffentlicht werden kann. Auch, dass ein verdienter Journalist nach 34 Jahren Zusammenarbeit und unzähligen Texten wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen wird, – wenn auch schweren Herzens – geschenkt. Was aber eben gar nicht geht, ist, dass ein gestandener Autor mundtot gemacht wird, weil er nicht im moralisierenden Mainstream mitschwimmt. Meinungsvielfalt und Meinungsfreiheit sind die Grundpfeiler unserer Demokratie mit garantierter Pressefreiheit. Wer an diesem Fundament sägt, spielt mit der Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder. Was soll ich sagen? Demokratie ist die Voraussetzung für unseren Rechtsstaat. Vor diesem Hintergrund klingt es schon mehr als sonderbar, wenn der Tagesspiegel als Begründung für seine Löschung schreibt: „Wir verteidigen die Meinungsfreiheit, sind uns aber deren Grenzen bewusst. Dabei gilt: Nicht alles, was rechtlich betrachtet gesagt werden darf, ist dem Ton des Tagesspiegels angemessen.“ Beliebiger geht es nicht. Damit ist der Willkür Tür und Tor geöffnet. Um es mit den Worten des von mir gerne gelesenen römischen Dichters Ovid zu formulieren: Wehret den Anfängen. Noch ist es nicht zu spät.
Fliegende Kühe und Wolpertinger
Der 18. Februar hat es in sich: Ehrentag der Daumen, internationaler Iss-Eis-zum-Frühstück-Tag, Tag des Weintrinkens, Tag der Batterie, internationaler Tag der Entdeckung Plutos und, jetzt halten Sie sich fest, Tag der fliegenden Milchkuh. Also, Oma und ich haben uns spontan für letzteren Tag entschieden, zumal wir bei unseren bisherigen Aufenthalten im Allgäu keine fliegenden Kühe gesehen haben. Dafür aber jede Menge Wolpertinger, die tief verborgen in den Wäldern Bayerns und in den Alpen leben. Die Jagd nach ihnen ist recht schwierig, weil sich die scheuen Wesen nur bei Vollmond zeigen. Manche Viecher kann man nur fangen, wenn man ihnen Salz auf den Schwanz streut. Nach Angaben im Münchner Jagd- und Fischereimuseum ernähren sie sich ausschließlich von „preußischen Weichschädeln“. Was soll ich sagen? Do legst di nieda!


Wenn die Realität Satire überholt
Heute ist der Safer Internet Day. In mehreren Ländern Europas sollen Menschen aller Altersgruppen dazu bewegt werden, dem Thema Sicherheit im Internet mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Auf Initiative der Europäischen Kommission soll durch das 1999 gestartete Safer Internet Programm die Medienkompetenz bei Kindern, Eltern und Lehrern gefördert und sie für Gefahren im Netz sensibilisieren werden. Das ist gut und richtig so. Was leider nicht so gut ist, ist der Umstand, dass Deutschland in Sachen Digitalisierung im weltweiten Vergleich, um es noch ein wenig freundlich zu formulieren, unter ferner liefen rangiert. Sicherlich hat die Pandemie in einigen Bereichen zu einem spürbaren Digitalisierungsschub geführt. Aber in weiten Teilen blieb und bleibt das Land weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Vor allem bei Behörden und Schulen ist der Status quo erschreckend. Was soll ich sagen? Wenn das alles nicht so traurig wäre, könnte man ja herzhaft lachen, vor allem wenn man sich die Geschichte vor Augen führt, die extra3 ausgegraben hat:
Wenn am Ende ein Pferd schneller als das Internet ist, kommt einem unwillkürlich der deutsche Journalist und Satiriker Wolfgang J. Reus in den Sinn, der es einmal so auf den Punkt gebracht hat: “Die Realität übertrifft die Satire”, seufzte der Satiriker, “dabei sagte mir gestern ein Realist, die Satire wäre noch nie real gewesen…”
Fassungs- und ratlos
Das am Donnerstag vorgestellte neue Gutachten sexuellen Missbrauchs im Erzbistum München und Freising hat ein Beben biblischen Ausmaßes ausgelöst, das gerade die katholische Kirche erreicht und in ihren Grundfesten erschüttert. Denn im Fokus massiver Kritik steht derzeit kein geringerer als Papst emeritus Benedikt XVI.. Dabei wiegt schon schwer genug, was ihm die Anwaltskanzlei Westphal Spilker Wastl während seiner Amtszeit als Erzbischof an Versäumnissen zur Last legt. Noch schwerer wiegt allerdings, dass er bei seiner aktuellen Stellungnahme ganz offensichtlich auch noch gelogen hat. Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck rief den emeritierten Papst im ZDF bereits zu einer Reaktion auf: “Wir sehen heute deutlich, dass Verantwortung übernommen werden muss”, sagte er. Dazu gehöre, “dass sich auch der Vatikan, dass sich auch Papst Benedikt dazu verhält”. Doch auch damit wäre die ganze Sache sicherlich noch nicht erledigt. Denn was noch skandalöser als die Missbrauchsfälle und der Umgang mit ihnen durch kirchliche Verantwortungsträger ist, ist der Umstand, dass es bei den 42 Fällen von Fehlverhalten, die mittlerweile bei der Staatsanwaltschaft liegen, ausschließlich um lebende Verantwortungsträger geht, die noch in Amt und Würden sind. Bei den in Rede stehenden möglichen Straftatbeständen geht es um Beihilfe zum sexuellen Missbrauch, Beteiligung an Körperverletzungsdelikten und Strafvereitelung – also wahrlich keine Kavaliersdelikte. Umso ernüchternder ist es, dass nach Ansicht der gutachtenden Anwälte rechtsstaatlich ganz überwiegend nichts mehr möglich ist, weil zu viel Zeit ins Land gegangen ist. Dass es in all den Jahren in der Kirche intern nicht einmal den “einen Gerechten” gab, der seine Stimme erhoben und gesagt hätte, “so geht das nicht”, setzt dem Ganze die Krone auf und macht diese “Bilanz des Schreckens, wie es einer der Anwälte formulierte, nur noch schlimmer. Was soll ich sagen? Oma und ich als Katholiken sind ziemlich fassungs- und ratlos und wissen nicht so recht, was wir tun sollen. Auf der einen Seite ist unfassbar, dass, wie die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) ernüchtert feststelle, “auch im Jahr 2022 die bittere Realität heißt: Das System von Vertuschung, Vergessen und schneller Vergebung gegenüber den Tätern ist nicht aufgebrochen worden.” Auf der anderen Seite will gut überlegt und abgewogen sein, nach fast 70 Jahren Zugehörigkeit einfach auszutreten. Denn wer nicht mehr dabei ist, kann auch nichts mehr bewirken und verändern. Diese Qual der Wahl fühlt sich gerade ein bisschen so an, wie sich zwischen Pest und Cholera entscheiden zu müssen.
Auf einer Insel der Glückseligen
So unangenehm dieser Tage das Leben angesichts von Corona auch ist, verglichen mit früheren Zeiten leben wir wie auf einer Insel der Glückseligen. Oder anders ausgedrückt: Von wegen war früher alles besser! Noch im frühen 19. Jahrhundert verstarben 50 Prozent aller Kinder, bevor sie überhaupt das Erwachsenenalter erreichten. Mit der Verbesserung von Hygienemaßnahmen und medizinischer Versorgung wurde es langsam besser. Der richtige Durchbruch allerdings gelang erst, als die Medizin das Impfen entdeckte. Dabei war die Pockenimpfung die erste erfolgreiche Immunisierung. Anfang des 20. Jahrhunderts lag die Kindersterblichkeit nur noch bei 16 Prozent. Heute sind es gerade einmal 0,38 Prozent, die das Erwachsenenalter nicht erreichen, wobei hier nicht mehr Infektionskrankheiten die Hauptursache sind. Vielmehr sterben vor allem extreme Frühchen, was nicht selten mit Alkohol- und Nikotin-Missbrauch in der Schwangerschaft zu tun hat. Was soll ich sagen? Die Wissenschaftsjournalistin Angelika Franz, die dankenswerterweise diese Fakten zusammengetragen hat, hat ein Ende für ihren Artikel gefunden, den ich an dieser Stelle gerne zitiere, um diesen Beitrag gleichermaßen zu beenden: „Wenn Sie also Kinder haben, dann sind diese jetzt, wo sie bereits geboren sind, relativ sicher vor dem Tod durch viele Infektionskrankheiten. Gehen Sie doch gleich einmal zu ihnen hin und nehmen Sie sie fest in den Arm.“ Besser hätte die Journalistin mir nicht aus der Seele sprechen können.

Nur gemeinsam
All meinen Lesern wünsche ich ein frohes, erfolgreiches und vor allem gesundes neues Jahr. Wobei wir schon beim Thema wären: Gesundheit. Das Corona-Virus hat uns nun schon seit zwei Jahren mehr oder weniger fest im Griff. Und jedes Mal, wenn uns Politiker oder Wissenschaftler gerade wieder einmal Hoffnungen gemacht haben, folgt die Hiobsbotschaft auf dem Fuße. So auch jetzt zum neuen Jahr: „Omikron könnte eine Art Game-Changer werden“, hieß es aus der SPD. Die Nachricht war noch nicht ganz verhallt, da taucht wie aus dem Nichts eine neue Mutante – was für ein Wort – in Frankreich auf, die insgesamt 46 Veränderungen an dem Teil des Virus aufweist, mit dem es an die menschlichen Zellen andockt und sie infiziert – und damit neun mehr als bei der sich derzeit bereits massiv ausbreitenden Omikron-Version des Virus. Na denn. Damit mich keiner falsch versteht. Ich will an dieser Stelle niemandem einen Vorwurf machen. Alle, die mit der Bekämpfung dieser Pandemie beschäftigt sind, tun ganz gewiss ihr Bestes. Aber es hat auch niemand die Wahrheit gepachtet. Insofern sollten alle etwas versöhnlicher miteinander umgehen, damit wir hinterher einander nicht so viel verzeihen müssen, um es in Anlehnung an die legendären Worte des inzwischen aus dem Amt geschiedenen Gesundheitsministers Jens Spahn zu formulieren. Was soll ich sagen? Diese Pandemie verursacht nicht nur eine Krankheit mit auch tödlichem Verlauf, sondern sie ist auch toxisch, will heißen: Die öffentliche Diskussion schwankt permanent zwischen Glück und Katastrophe. Das kann auf Dauer nicht gut gehen. Manche Friktionen gehen bereits tief in die Gesellschaft und spalten mittlerweile schon Familien. Dabei ist eines glasklar: Zu bewältigen ist diese Pandemie nur gemeinsam – und das gilt weltweit!
Alle Jahre wieder
Die Fragen “Gibt es das Christkind? oder “Gibt es einen Weihnachtsmann?” sind vermutlich so alt wie das Christkind bzw. der Weihnachtsmann selber. Eine der wohl bewegendsten und anrührendsten Antworten hat im Jahre 1897 Francis P. Church in der New York Sun gegeben, der im Auftrag seines Chefredakteurs folgende Leserzuschrift beantwortete: “Lieber Redakteur: Ich bin 8 Jahre alt. Einige meiner kleinen Freunde sagen, dass es keinen Weihnachtsmann gibt. Papa sagt: ‚Was in der Sun steht, stimmt.‘ Bitte sagen Sie mir die Wahrheit: Gibt es einen Weihnachtsmann? Virginia O’Hanlon. 115 West Ninety-fifth Street.”
“Virginia”, beginnt der Text von Church, der bis zur Einstellung der “Sun” 1950 alle Jahre zur Weihnachtszeit auf der Titelseite der Zeitung abgedruckt wurde und nunmehr jedes Jahr an Heilig Abend auf Opas Blog erscheint, “deine kleinen Freunde haben unrecht. Sie sind beeinflusst von der Skepsis eines skeptischen Alters. Sie glauben an nichts, das sie nicht sehen. Sie glauben, dass nichts sein kann, was ihr kleiner Verstand nicht fassen kann. Der Verstand, Virginia, sei er nun von Erwachsenen oder Kindern, ist immer klein. In unserem großen Universum ist der Mensch vom Intellekt her ein bloßes Insekt, eine Ameise, verglichen mit der grenzenlosen Welt über ihm, gemessen an der Intelligenz, die zum Begreifen der Gesamtheit von Wahrheit und Wissen fähig ist.
Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann. Er existiert so zweifellos wie Liebe und Großzügigkeit und Zuneigung bestehen, und du weißt, dass sie reichlich vorhanden sind und deinem Leben seine höchste Schönheit und Freude geben. O weh! Wie öde wäre die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe. Sie wäre so öde, als wenn es dort keine Virginias gäbe. Es gäbe dann keinen kindlichen Glauben, keine Poesie, keine Romantik, die diese Existenz erträglich machen. Wir hätten keine Freude außer durch die Sinne und den Anblick. Das ewige Licht, mit dem die Kindheit die Welt erfüllt, wäre ausgelöscht. Nicht an den Weihnachtsmann glauben! Du könntest ebenso gut nicht an Elfen glauben! Du könntest deinen Papa veranlassen, Menschen anzustellen, die am Weihnachtsabend auf alle Kamine aufpassen, um den Weihnachtsmann zu fangen; aber selbst wenn sie den Weihnachtsmann nicht herunterkommen sähen, was würde das beweisen? Niemand sieht den Weihnachtsmann, aber das ist kein Zeichen dafür, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt. Die wirklichsten Dinge in der Welt sind jene, die weder Kinder noch Erwachsene sehen können. Sahst du jemals Elfen auf dem Rasen tanzen? Selbstverständlich nicht, aber das ist kein Beweis dafür, dass sie nicht dort sind. Niemand kann die ungesehenen und unsichtbaren Wunder der Welt begreifen oder sie sich vorstellen.
Du kannst die Babyrassel auseinander reißen und nachsehen, was darin die Geräusche erzeugt; aber die unsichtbare Welt ist von einem Schleier bedeckt, den nicht der stärkste Mann, noch nicht einmal die gemeinsame Stärke aller stärksten Männer aller Zeiten, auseinander reißen könnte. Nur Glaube, Phantasie, Poesie, Liebe, Romantik können diesen Vorhang beiseite schieben und die übernatürliche Schönheit und den Glanz dahinter betrachten und beschreiben. Ist das alles wahr? Ach, Virginia, in der ganzen Welt ist nichts sonst wahrer und beständiger.
Kein Weihnachtsmann! Gott sei Dank lebt er, und er lebt auf ewig. Noch in tausend Jahren, Virginia, nein, noch in zehn mal zehntausend Jahren wird er fortfahren, das Herz der Kindheit glücklich zu machen.”
Was soll ich sagen?
Recht hat Church, und schöner kann man es auch nicht sagen. In diesem Sinne wünschen Oma und Opa allen Lesern frohe und gesegnete Weihnachten.
