Die dritte internationale UNICEF-Vergleichsstudie zur Lage der Kinder in Industrieländern liegt druckfrisch auf dem Tisch. Insgesamt belegt Deutschland Platz 6 der Industrienationen, wenn es darum geht, eine gute Lebensumwelt für die junge Generation zu schaffen. Alles bestens, könnte man meinen, wenn man zudem noch berücksichtigt, dass sich Deutschland im Vergleich zur letzten Studie sogar noch leicht verbessert hat. Doch das dicke Ende lässt nicht lange auf sich warten. Man ist noch gar nicht dazu gekommen, sich richtig zu freuen, springt einen in der Zusammenfassung schon der Satz an: “Im Kontrast zu positiven Entwicklungen auf Feldern wie Bildung und Risikoverhalten steht allerdings die subjektive Sicht der Jugendlichen in Deutschland auf ihre Lebenssituation.” Und dann kommt es: “Bei der Selbsteinschätzung der Lebenszufriedenheit von Mädchen und Jungen fällt Deutschland auf Platz 22 von insgesamt 29 untersuchten Ländern. Diese Kluft hat sich in den vergangenen Jahren verbreitert und ist jetzt größer als in jedem anderen Industrieland.” Was soll ich sagen? Das ist bitter. Offensichtlich gelingt es der Mehrheit der Erwachsenen nicht mehr, ihren Kindern und Enkelkindern eine positive und zuversichtliche Lebenssicht zu vermitteln. Vor diesem Hintergrund sollten wir alle ernsthaft über den Satz nachdenken, den der Autor der Studie, Peter Adamson, an den Schluss seiner Arbeit gestellt hat: “Es wird immer etwas geben, das dringlicher erscheint als der Schutz des kindlichen Wohlbefindens. Aber es wird nie etwas Wichtigeres geben.”
Archiv des Monats: April 2013
Lasst die Kinder ruhig naschen
Kinder lieben Süßigkeiten – überall auf der Welt. Und natürlich sind auch unsere beiden Enkel hinter Naschsachen her. Unsere Jüngste versucht dabei das Verlangen ihres Sohnes vor allem nach Schokolade dadurch ein wenig einzuschränken, indem sie ihn immer wieder fragt: “Was passiert, wenn man zu viel Schokolade ist?” Der Kleine grinst dann und sagt (mit Unterstützung seiner Mutter): “(Dann wird man) dick und dumm.” Als sich dieses Spielchen letztens bei uns zutrug, prustete unsere Älteste heraus: “Das stimmt doch gar nicht!” Woraufhin ihre Schwester und ihr Kleiner ganz schön bedröppelt aus der Wäsche schauten. Dabei war der Einwand durchaus berechtigt. Wissenschaftler haben nämlich herausgefunden, dass Heißhunger auf Schleckereien biologisch bedingt ist. “Wir wissen, dass die Vorliebe für Süßes mit dem körperlichen Wachstum einhergeht”, sagen die Forscher der “University of Washington”, die eine entsprechende Untersuchung durchgeführt haben. Jetzt wollen sie den Wachstumsfaktor identifizieren, der dem Gehirn signalisiert, die Vorlieben anzupassen. Was soll ich sagen? Lasst die Kinder ruhig naschen.
Lassen Sie was von sich hören!
Heute ist “Tag der Geschwister”. Claudia A. Evart feierte 1996 gerade ihren 40. Geburtstag, als ihr die Idee zu diesem eigentlich schönen Gedenktag kam. Allerdings ist der Hintergrund ausgesprochen traurig. 1972 verlor die gebürtige New Yorkerin ihre ältere Schwester Lesette im Alter von 19 Jahren bei einem fürchterlichen Autounfall in Estland, bei dem neben 13 weiteren Menschen auch noch ihr Vater ums Leben kam. Und das Unheil nahm kein Ende. 1987 starb ihr ebenfalls älterer Bruder Alan bei einem tragischen Haushaltsunfall im Alter von 36 Jahren. “Mein weiß gar nicht, was man hat, bis man es verliert”, bringt Evart ihre Gefühle auf den Punkt. Als Datum für den “Siblings Day”, der mittlerweile weltweit begangenen wird, hat sie den 10. April, den Geburtstag ihrer verstorbenen Schwester gewählt. Die Menschen sollten, so hofft sie, ihren Geschwistern eine Karte schreiben, mit ihnen essen gehen oder einfach nur Zeit miteinander verbringen, wie es an Mutter- oder Vatertag mit den Eltern auch getan wird. Was soll ich sagen? Besser noch, man tut es das ganze Jahr. Und, lassen Sie auch heute was von sich hören.
“Ich hab’ Bauchaua”
Unsere Enkelkinder sind, wie sollte es anders sein, des Öfteren auch zum Essen bei uns – alleine und ohne Eltern. Das funktioniert eigentlich immer recht gut, zumal unsere Enkel so ziemlich alles mögen. Der Kleine hat dabei seine ganz eigenen Strategien, wenn einmal etwas auf den Tisch kommt, was ihm nicht so mundet. Die Frage “Schmeckt’s?” beantwortete er bis vor geraumer Zeit noch mit einem überzeugenden “Ja”, die Zusatzfrage “Noch etwas?” mit einem ebenso klaren “Nein”. Irgendwie muss ihm aufgefallen sein, dass hiernach der jeweilige Küchenverantwortliche nicht unbedingt den glücklichsten Eindruck gemacht hat. Seit Neuestem umschifft er diese Klippe ganz gekonnt, indem er sich an den Bauch fasst und mit leidender Miene erklärt: “Ich hab’ Bauchaua.” Da das offensichtlich immer ganz gut funktioniert hat, behilft er sich mit dieser Aussage nunmehr auch dann, wenn ihm irgendetwas grundsätzlich nicht gefällt. Was soll ich sagen? Ganz schön ausgebufft, der Kleine, und wesentlich diplomatischer als Opa dazu.
Wie sich die Bilder gleichen
Dieser Tage war ich mit meinem ältesten Enkel auf der Suche nach dem Frühling. Immerhin steht der Kalender bereits auf April. Aber allerorten liegt noch Schnee. Nicht viel, aber immerhin. Eine Bauernregel besagt, dass, wenn alter Schnee so lange liegen bleibt, er auf neuen wartet. Das wollen wir allerdings nicht hoffen. Es ist so schon frustrierend genug. Um nun aber zurück auf unsere Frühlingssuche zu kommen und es kurz zu machen: Wir haben ihn nicht gefunden. Da wir irgendwann in der Nähe des Kindergartens waren, in den der Kleine geht, wollte er ihn mir natürlich ganz stolz präsentieren. Doch leider war er geschlossen, so dass nur ein Rundgang durch den Garten und die Besichtigung eines neuen Spielgeräts übrig blieb. Die Trauer bei uns hielt sich jedoch in Grenzen, zumal der Oma ein Schnappschuss der ganz besonderen Art gelungen ist. Was soll ich sagen? Wie sich die Bilder gleichen. Wer sich an meinen Beitrag “… doch lieber ins Allgäu” erinnert, weiß, was ich meine. Wer nicht, muss auf der Seite vorbeischauen. Ist doch frappierend, oder?
Nachtrag: Mit diesem Beitrag nehme ich an der Eltern-Kind-Blogparade: April 2013 teil.
Erziehungs-Déjà-vu
Sisyphos hatte es vergleichsweise einfach. Wenn ich mir meine beiden Kinder anschaue und sehe, wie sie versuchen, ihre Kleinen zu erziehen, dann tun sie mir manchmal schon leid. Vor allem beim Essen erscheinen die Erziehungsversuche zuweilen wie “The NeverEnding Story”. Da wechseln sich in konstanter Regelmäßigkeit Ermahnungen der Art “Hand auf den Tisch”, “Gerade sitzen”, “Serviette auf den Schoß”, “Mit geschlossenem Mund essen”, “Nicht schlürfen” oder “Nicht das Messer ablecken” ab und wiederholen sich in immer neuen Reihenfolgen. Aber irgendwie habe ich dabei immer das Gefühl, ein Déjà-vu zu haben. Wenn ich dann das Lächeln von Oma sehe, weiß ich wieder, an was sich mein Unterbewusstsein erinnert. Als unsere beiden Töchter klein waren, war es auch nicht anders. Was soll ich sagen? Heute können die Beiden formvollendet essen.
Danke 2.0
Es ist nicht so, dass meine Enkel mir keinen Stoff mehr für meinen Blog liefern würden. Aber heute Nacht hat Opas Blog nach nur 52 Tagen locker die Marke von 10.000 Besuchern übersprungen. Dafür sage ich meinen treuen Lesern nur: Danke 2.0. Aber statt die Sektkorken knallen zu lassen, will ich mich dann doch lieber mit diesem Blog an der Blogparade beteiligen, die Martin von 1001erfolgsgeheimnisse.com ins Leben gerufen hat. Die Frage, die es zu beantworten gilt, lautet: Bringt Bloggen überhaupt noch was? Was soll ich sagen? Das kommt darauf an. Je nachdem, was man mit seinem Blog will und was man sich vorgenommen hat, wird die Antwort unterschiedlich ausfallen. Da ich mit meinem Blog noch in den Kinderschuhen stecke, möchte ich mich mit guten Ratschlägen zurückhalten. Aber das sollte jeder neue Blogger mitbringen: Spaß an der Freud und ein Thema, das ihn wirklich interessiert. Da halte ich es mit Maria Bachmann und ihrer Lebensweisheit: “… dann klappt’s auch mit dem Nachbarn.”
PS: Was Facebook, Twitter, Google+ und Co betrifft, so glaube ich, dass sie eher helfen, als schaden.
Buchstabensalat
Also, mich ärgert es am meisten, wenn ich wieder einmal feststellen muss, dass sich ein Rechtschreibfehler in meine Texte geschlichen hat. Meistens sind es Buchstabendreher, die ich zu später oder früher Stunde übersehen habe. Ich korrigiere sie dann eigentlich immer sofort. Der Ärger aber bleibt. Dabei habe ich eigentlich gar keine Chance, solchen Buchstabensalat zu bemerken. Der englische Sprachwissenschaftler Graham Rawlinson berichtete einmal über einen Versuch, den er im Zusammenhang mit seiner Dissertation über “The significance of letter position in word recognition” (Die Bedeutung der Buchstaben-Position in der Worterkennung) unternommen hatte und bei dem den Probanden verfälschte Texte vorgesetzt worden waren: “Je besser jemand liest, desto weniger bemerkt er die Verfremdung. Manchmal haben Leute eine ganze Seite gelesen, auf der kein Wort außer den sehr kurzen richtig geschrieben war, und wenn wir sie fragten, ob ihnen etwas aufgefallen sei, sagten sie, da waren vielleicht zwei, drei Tippfehler.” Was soll ich sagen? Es ist halt so. Probieren Sie es einfach selber aus. Hier die ersten Sätze dieses Blogs noch einmal: Aslo, mcih äergrt es am mestien, wnen ich weeidr eamnil fesltteesln msus, dsas scih ein Richseetbeheflcrhr in mniee Ttexe gscleheichn hat. Meiensts snid es Beeceuhsbhtdranr, die ich zu stäper oedr feürhr Sdunte üebersehn hbae. Ich kgerriorie sie dnan eneiciltgh iemmr soorft. Der Ägrer aebr bielbt …
Hamburger mal anders
Als letztens die Familie zum Kaffeetrinken zu Besuch war, gab’s nicht nur Kaffee und Kuchen. Ich hatte mir noch etwas Besonderes ausgedacht und tief in meine Kochtrickkiste gegriffen. “Will jemand einen Hamburger?”, habe ich vor allem unsere Kleinen gefragt. Vollkommen überraschend schrien die Beiden sofort: “Jaaaaaaaaaa!!!!!!!” Also begab ich mich in die Küche und machte Hamburger. Das vollständige Rezept gibt’s in Opas Kochbuch, hier aber schon mal vorab die Zutaten: Blätterteig, Eis, Schokoladensoße, Sahne, Puderzucker und Minzeblätter. Aus dem Blätterteig wird das Hamburger-Brötchen gemacht, das Eis ist sozusagen die Fleischbeilage, Schokoladensoße und Sahne sind Ketchup und Mayonnaise, die Minzeblätter die Salatdekoration. Und der Puderzucker rundet die Sache ab. Als unser Ältester dann seinen Nachtisch-Hamburger vor sich hatte, wollte er gleich loslegen und das Teil eben wie einen Hamburger in die Hände nehmen. Wir konnten ihn gerade noch davon abhalten, eine Riesenschweinerei zu veranstalten. Was soll ich sagen? Hamburger ist eben nicht gleich Hamburger.
“Also, ich habe gehört …”
Unser ältester Enkel fühlt sich langsam erwachsen. Jedenfalls gibt er sich seit geraumer Zeit entsprechend. Denn wenn wir so in der Familie zusammensitzen und uns unterhalten, dann verspürt er offenbar den unwiderstehlichen Drang, sich an der Konversation zu beteiligen. Zu Beginn hat er einfach drauflosgebrabbelt und dazwischengeredet. Das wiederum fand seine Mutter gar nicht gut und hat ihm erklärt, dass es so etwas wie Spielregeln auch bei Gesprächen gibt. Das hat er schnell begriffen und geht nunmehr ausgesprochen charmant, aber doch bestimmt mit der Frage dazwischen: “Darf ich jetzt auch was sagen?” Das zieht in den meisten Fällen. Wenn er dann – für ihn offenbar ziemlich überraschend – das Wort erhält, heißt es nach einer kurzen Schrecksekunde: “Also, ich habe gehört …” Dann fällt ihm aber zuweilen doch nichts Spannendes ein und er verzichtet auf seinen anvisierten Beitrag. Was soll ich sagen? Das sollten manche Erwachsene hin und wieder auch mal tun.


