Opa verzichtet auf Tumblr

Irgendwie habe ich jetzt ein schlechtes Gewissen. Meine armen Kinder und Enkel. “Coole Marken können ihren Nimbus ganz schnell verlieren. Diese bittere Erfahrung musste auch Apple machen. ‘Forbes’ berichtet, Jugendliche fänden die Produkte mit dem Apfel nicht mehr cool. Grund dafür sei in erster Linie, dass alle Erwachsenen Apple-Produkte benutzten – und was die eigenen Eltern benutzen, das könne nicht cool sein. Der Höhenflug des  US-Unternehmens neige sich unweigerlich dem Ende zu. Jetzt ist Facebook an der Reihe – aus ähnlichen Gründen”, berichtet der Tagesspiegel in Berlin in seiner heutigen Ausgabe unter der Überschrift “Facebook ist out – Tumblr ist in”. Wenn ich das gewusst hätte. Nun sitze ich hier und überlege, wie ich schnellstmöglich all meine Apple-Geräte entsorgen kann. Auf Einträge bei Tumblr werde ich selbstverständlich verzichten. Meine Accounts bei XING, LinkedIn, Twitter, Facebook und sonst wo werde ich unverzüglich, so das denn überhaupt möglich ist, löschen. Und diesen Blog werde ich natürlich auch einstellen. Was soll ich sagen? Nein, das mache ich doch nicht. Meine Enkel finden mich, glaube ich, ganz schön cool. Und meine Kinder? Die haben sich bislang jedenfalls auch nicht groß beschwert.

Das 21. Jahrhundert lässt grüßen

Einen Liebesbrief an Oma und Opa schreiben, gehört nach Ansicht einer der vielen Familienzeitschriften zu den “10 Dingen, die Sie unbedingt mit Ihrem Kind gemacht haben sollten.” Danach braucht man dazu: Briefpapier, Buntstifte, Briefumschlag, ein Foto des Kindes mit seinen Großeltern und Klebstoff. “Warum sind Oma und Opa eigentlich so toll?”, soll man jetzt das Kind fragen, ihm fielen bestimmt ganz viele Dinge ein – vom Süßigkeiten-Dauerabo bis zu endlosen Spielstunden. Dass das Mädchen in der nebenstehenden Illustration so aussieht, als wenn es dem Vater, während es an die Oma denkt, die Zunge rausstreckt, hat in der Redaktion wohl niemand gesehen und soll hier auch weiter keine Rolle spielen. Denn auf das Briefpapier könne das Kind nun malen, was ihm an den Großeltern am besten gefalle. Noch das Foto aufkleben und alles in einen frankierten Briefumschlag stecken, lautet die weitere Empfehlung, bevor es abschließend heißt: “Und ab geht die Post: Schnell zum Briefkasten und den Liebesbrief abschicken.” Was soll ich sagen? Ich weiß ja nicht, wer die genaue Zielgruppe dieser Zeitschrift ist. Aber unsere Enkel, die zwar auch für Oma und Opa gerne malen und basteln, kommunizieren mit uns in aller Regel, wenn wir nicht gerade über das Festnetz telefonieren, über FaceTime oder Skype. Das 21. Jahrhundert lässt grüßen.

“Schon euren Urlaub festgelegt?”

Dieser Tage gewährte ein älterer Herr, der auch Großvater war, einer illustren Herrenrunde einen amüsanten Einblick in sein Privatleben: Eines Abends habe das Telefon geklingelt und eine seiner verheirateten Töchter sei am Telefon gewesen. “Habt ihr schon euren Urlaub festgelegt?”, habe sie gefragt. Das “Wieso” sei dahingehend beantwortet worden, dass das junge Paar gerne den Kombi der Großeltern für die eigene Urlaubsreise in den fernen Süden Europas habe ausleihen wollen. Der eigene Wagen sei nämlich zu klein, zu unbequem, zudem stehe eine Inspektion an und es könne durchaus sein, dass der Motor, der ohnehin so komische Geräusche mache, bei dieser Gelegenheit ausgetauscht werden müsse. Und es wäre toll, wenn Opa das in der Zwischenzeit erledigen könne. Wie denn das Paar diesen doch sicher anstrengenden Urlaub mit den Kindern zu bewerkstelligen gedenke, habe er dann wissen wollen. “Überhaupt nicht”, sei die fassungs- wie verständnislose Antwort gewesen, vielmehr wolle man die Kinder bei den Großeltern lassen. “Ja und wann wollt ihr die Enkel bringen?”, habe die doch wohl berechtigte, weil nicht unbedeutende Frage gelautet. “Heute Abend”, sei die irgendwie sehr selbstverständlich klingende Antwort gewesen. Nun, um es kurz zu machen: Dem Anliegen, obwohl doch etwas kurzfristig, konnte und wollte sich der Großvater mit seiner Frau nicht widersetzen. Und als Oma und Opa dann, so berichtete der Großvater unter dem schallenden Gelächter der Runde weiter, sich an die dringend notwendigen Vorbereitungen gemacht hätten, habe erneut das Telefon geklingelt und die andere verheiratete Tochter mit Kindern sei in der Leitung gewesen: “Habt ihr schon euren Urlaub festgelegt?” Was soll ich sagen? Eine schöne Geschichte oder wie im wirklichen Leben – wohl dem, der nerven- und leistungsstarke Großeltern hat.

Warzen: Das Geheimnis

Warzen sind eine weit verbreitete Plage, vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Unsere Enkel sind bislang von diesen lästigen Gebilden verschont geblieben. Noch, muss man wohl hinzufügen. Denn die Medizin kennt mittlerweile mehr als 100 verschiedene Subtypen an Human Papilloma Viren, die für die Warzen verantwortlich und eben hoch ansteckend sind. Die Inkubationszeit beträgt vier Wochen bis acht Monate. Jeder, der in seinem Leben schon einmal eine Warze gehabt hat, weiß, wie lästig und belastend derartige Hautveränderungen sein können. Die Behandlungsmethoden, die die Ärzte so alle in Petto haben, sind so vielfältig wie die verschiedenen Warzentypen, die es gibt. Flachwarzen, Stachelwarzen, Dornwarzen, Feigwarzen und noch einige mehr werden aufgezählt. Die Wirksamkeit der verschiedenen Heilmethoden kann dabei durchaus umstritten sein. Jedenfalls scheinen die Ärzte nicht immer genau zu wissen, ob ihre Methode für eine Heilung tatsächlich ursächlich war. Was soll ich sagen? Ich traue mich kaum, es hier niederzuschreiben. Aber, bis auf einen, war jeder meiner Versuche, Warzen zu beseitigen, erfolgreich. Ich bin kein Arzt, nur ein einfacher Opa. Aber, wer wirklich Not hat, dem verrate ich gerne mein Geheimnis – ohne Gewähr selbstverständlich.

Ein handfester Gender-Skandal

Es gibt ja eigentlich nichts, was es nicht gibt. Nehmen wir zum Beispiel Eltern. Die werden inzwischen eingeteilt in Bioladen-Eltern, Lifestyle-Eltern, Kraken-Eltern, Bildungs-Eltern, Überehrgeiz-Eltern, Peter-Pan-Eltern, Verdränger-Eltern, Angeber-Eltern, Baby-Eltern, Super-Eltern, Helikopter-Eltern und sogar Rest-68er. Sicherlich findet sich irgendwo noch eine Bezeichnung, von der man dann auch nicht so genau weiß, was sie bedeutet. Geht es hier eher um die Kollektivbeschreibung, wird es bei der Einzelbewertung zum Teil richtig heftig. Ladies first: Mommaddy, Chaos-Mutter, Yo-Mama, Twen-Mom, Profi-Mami, Multi-Handling-Mutter, Tiger-Mutter, Latte-Macchiato-Mutter, Bionade-Mutter, Pippi-Langstrumpf-Mutter, Hidden-Potential-Mom, Helikopter-Mom, Pragmatikerin, Glucke oder Best-Friend-Mama. Bei den Vätern wird es schon etwas dünner, dafür teils um so härter: Hard-core-Momblockers, Alpha-Dads, SAH-Dads (Stay-at-home), egalitäre Väter, fassadenhafte Väter, traditionell-distanzierte Väter, unsichere, gereizte Väter, randständige Väter oder partnerschaftliche Väter. Auch die Oma bekommt erst einmal ihr Fett weg: Feldwebel-Oma, Besserwisser-Oma, Ego-Oma, Öko-Oma, Fütter-Oma, Strick- und Stopf-Oma, Feuerwehr-Oma, aktive Oma, flotte Oma oder Muster-Oma. Und die Opas? Opa 2.0 gibt es, ist aber auch nur das Synonym für die neuen Familien-Communities. Ansonsten Fehlanzeige. Keine Opa-Typologie. Was soll ich sagen? Ein handfester Gender-Skandal ist das. Wo ist mein Gleichstellungsbeauftragter?

Und es vererbt sich doch …

Unser jüngster Enkel, nicht einmal zwei Jahre alt, entwickelt sich langsam aber sicher zu einer großen Leseratte. Wenn Oma auf den Kleinen aufpasst, tigert er regelmäßig los und holt sich ein Buch. Aber nicht nur das, er bringt auch seiner Oma ein “Bu’h” mit, um mit ihr gemeinsam zu lesen. Dann wird sich nebeneinandergesetzt und geschmökert. Bei der Auswahl seiner Lektüre ist er durchaus kritisch und anspruchsvoll. Da werden nicht mehr diese kindischen Bilderbücher hervorgeholt, über dieses Stadium ist er längst hinaus. Nein, je mehr Text und Zahlen, desto besser. Bei Oma ist er allerdings etwas zurückhaltender. Die bekommt nur leichte Kost. Bloß nicht so viel Text. Aber ein Bild sagt ja ohnehin mehr als tausend Worte. Was soll ich sagen? Der kleine Mann ist ganz schön weitsichtig. Da er offensichtlich die Unart seines Großvaters geerbt hat, bei gemeinsamer Buch- oder Zeitungslektüre dem oder der Anderen immer wieder etwas vorzulesen, kommt – in diesem Falle – sie ohnehin nicht dazu, selbst etwas zu lesen. Ja, ja, wie sich die Bilder gleichen.

“Wo ist denn der Kopf?”

Bestimmte Erkenntnisprozesse sind schon hart. Dieser Tage half einer unserer Enkel seiner Mutter in der Küche. Als für die geplante Hühnersuppe das gerupfte Federvieh in den Topf verfrachtet werden sollte, fragte der kleine Mann: “Was ist das, was du da in den Topf tust?” “Ein Hühnchen”, lautete die ehrliche Antwort. Irgendwie konnte er das aber nicht nachvollziehen. Und so ging seine Mutter weiter ins Detail und zeigte ihm Beine und Flügel. “Wo ist denn der Kopf?”, wollte er dann wissen, was mit einem kaum verständlichen Gemurmel beantwortet wurde, das sich so ähnlich anhörte wie: “Den hat jemand abgemacht.” Wie dem auch sei, das Tier landete schlussendlich im Topf, wurde gegart und zuletzt sach- und fachgerecht zerlegt. Als meine Tochter die Suppe auf den Tisch bringen wollte, schränkte der Kleine ein: “Ich bitte nur das Flüssige.” Was soll ich sagen? Wie gut, dass Schnitzel keine Beine und Flügel haben. Sonst würde er die vermutlich auch nicht mehr essen wollen – zumindest vorerst nicht.

Omas Ofen und die Emanzipation

“Wie aus Omas Ofen” lautete die Überschrift in einer dieser kostenlosen Zeitschriften irgendeiner Supermarktkette – ja so etwas lesen wir auch schon -, da kam es ganz plötzlich über meine Frau: “In Bezug auf mich werden unsere Enkel das nicht sagen.” Ein grimmiger Blick in meine Richtung: “Opa kocht gut”, würden sie wohl eher loben, mutmaßte sie und schmollte vor sich hin. Diese Steilvorlage konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und stichelte: “Dann hättet ihr das mit der Emanzipation mal sein lassen müssen.” Das war dann doch zu viel. “Ich war nie eine Alice Schwarzer”, versuchte meine Frau die Situation noch zu retten. Doch sie hatte sich in eine ausweglose Situation manövriert. Zumal ich gerade ein “sensationelles” Chorizo-Risotto gemacht und serviert hatte. Was soll ich sagen? Besser wäre sicherlich gewesen, wenn ich jetzt den Mund gehalten hätte. Aber irgendwie konnte ich es mir nicht verkneifen: “Morgen darfst du wieder kochen.” Darauf kann ich jetzt lange warten.

Der Zauber der Zauberflöte wirkt

Meine Frau und ich sind – wie wohl die anderen Besucher auch – begeistert. Die Zauberflöte in der Komischen Oper in Berlin ist eine Sensation. Mozarts Oper kommt als Stummfilm daher. Doch die Kraft der faszinierenden Bilder tut der Musik keinen Abbruch. Zumal sich nicht die Musik dem Tempo des Films, sondern der Film dem Tempo der Musik anpasst. Ein technisches Meisterwerk, das offensichtlich nicht alle Kritiker verstanden haben. Da ist das Publikum schon etwas klüger. In nur drei Tagen waren die geplanten zehn Aufführungen ausverkauft. Drei weitere wurden in das Programm aufgenommen. Erfreulich ist, dass viele Kinder und Jugendliche im Parkett und auf den Rängen zu sehen sind. Nur schade, dass unsere Enkel noch etwas zu klein für diese Oper sind. Denn besser bzw. moderner kann man die Zauberflöte, die ja ohnehin als Einstiegsoper für den Nachwuchs gilt, für die junge Generation nicht inszenieren. Was soll ich sagen? Der Zauber der Zauberflöte wirkt. Das ist große Oper. Diese Zauberflöte – und hier will ich wirklich nicht spießig sein – hätte aber, wie alle anderen Opern übrigens auch, ein etwas besser, sprich festlicher gekleidetes Publik verdient. Und hier meine ich vor allem die Erwachsenen.

Hat Opa Wackersteine im Bauch?

Einer meiner Enkel ist fasziniert vom Märchen “Der Wolf und die sieben Geißlein”. Er kann gar nicht genug davon bekommen. Seine Mutter und Oma kommen aus dem Vorlesen gar nicht mehr heraus. Vor allem beschäftigt ihn dabei, dass der böse Wolf ja nun Wackersteine in seinem Bauch hat und wie die da hineingekommen sind. Als er sich dann daran erinnerte, dass Opa (ja auch) so eine große und lange Narbe auf Brustkorb und Bauch hat, kam zwangsläufig die Frage auf: “Hat Opa auch Wackersteine im Bauch?” Da konnte ich ihn beruhigen und ihm erklären, dass sich dort stattdessen “nur” eine künstliche Herzklappe befindet. Das hat er zwar nicht verstanden, fand es aber ganz lustig, dass das Ding tickt wie ein etwas zu laut geratener Wecker. Was soll ich sagen? Der Running Gag ließ nicht lange auf sich warten. Wenn die Enkel irgendwie abgelenkt werden müssen, bedienen sich mittlerweile alle der ziemlich gemeinen Aufforderung: “Geht mal hören, ob Opa noch richtig tickt …”