#WithRefugees: Hoffentlich hilft’s

Der Berg ruft ist ein deutscher Bergsteigerfilm aus den 30er Jahren, der die Ereignisse um die dramatischen Erstbesteigung des Matterhornes zuspitzt und in dem der legendäre Luis Trenker die Hauptrolle spielt. Später wurde der Filmtitel zu einem geflügelten Wort für die Freunde der Berge. Mittlerweile heißt es jedoch, der Berg ruft nicht mehr, sondern er kommt. Denn, die Temperaturen in den Alpen sind im letzten Jahrhundert doppelt so stark gestiegen wie im weltweiten Durchschnitt, so dass die Gletscher schmelzen und Felsstürze an der Tagesordnung sind. Ungeachtet aller Warnungen hat der Mensch Raubbau an der Natur betrieben, die sich jetzt rächst. Wie ein Déjà-vu wirkt da gerade das weltweite Flüchtlinsgproblem, das heute durch den Weltflüchtlingstag ins allgemeine Bewusstsein gerückt werden soll. Immerhin wird schon seit Jahren auf die Problematik hingewiesen, werden die Fluchtursachen wie Krieg, Hunger und Terror angeprangert. Doch getan hat sich nicht viel, um nicht zu sagen nichts. Man kann es auch anders formulieren: Die Flüchtlinge haben gerufen, vergeblich, jetzt kommen sie – wie der Berg, dessen Rufe ungehört verhallt sind. Was soll ich sagen? Opa beteiligt sich gerne an der Bloggerparade, die anlässlich des Weltflüchtlingstages quer über den Globus unter dem Hashtag #WithRefugees stattfindet. Vielleicht trägt es ja dazu bei, dass die Hilferufe doch noch gehört werden, die des Berges wie die der Flüchtlinge.

Ein Rettungsboot der italienischen Küstenwache nimmt auf dem offenen Meer Flüchtlinge an Bord. Auf der Mittelmeerroute sind nach Schätzungen seit dem Jahr 2000 über 30.000 Menschen ertrunken.                                                                    Foto: UNHCR/A. D‘Amato

Deutschland nur auf Platz zehn

Heute ist Internationaler Kindertag – und doch gibt es wahrlich keinen Grund zu feiern. Schließlich werden weltweit mehr als 700 Millionen Kinder – und damit ein Viertel aller Jungen und Mädchen – ihrer Kindheit beraubt. Warum das so ist, hat Save the Children aufgeschrieben und zum heutigen Kindertag veröffentlicht. Der Bericht Geraubte Kindheit untersucht dabei die Lebensbedingungen von Kindern in 172 Ländern anhand von acht Indikatoren. Schön ist das nicht zu lesen, um nicht zu sagen: Es ist tieftraurig. Was soll ich sagen? Vor dem Hintergrund dieser Lebenswirklichkeit mutet der Zwist um das Datum des Kindertages schon fast zynisch an. Dabei kann es gar nicht genug Kindertage geben, um auf die Missstände aufmerksam zu machen. Opa jedenfalls wird dies am 20. September (Weltkindertag) tun und am 20. November (Internationaler Tag der Kinderrechte) und an allen anderen Tagen, an denen er dies für nötig hält. Denn, und auch das ist nicht gerade erbaulich, Deutschland liegt beim Ranking nur auf Platz zehn. Da ist also auch noch genügend Luft nach oben.

                                                Sanjana, gerade einmal fünf Jahre alt, muss im Müll                                                        eines Slums am Standrand von New Dehli nach                                                recycelbarem Material suchen. Sieht so Kindheit aus?                                                         © CJ Clarke / Save the Children

Donald Trump ein Dieb?

Sie sind Fan von House of Cards? Das ist diese Polit-Serie auf dem Streamingdienst Netflix, die so manchen schon süchtig gemacht hat. Auch Oma und Opa sind Francis Underwood und seiner Frau Claire verfallen. Jedenfalls lechzen wir schon nach der 5. Staffel, die am 30. bzw. 31. Mai dieses Jahres auf Sky Premiere feiert. Aber kommen wir zum eigentlichen Thema – und das ist ja fast genauso dramatisch: Donald Trump. Der US-Präsident, der seit seiner Amtseinführung im Januar wie ein Tornado den Politikbetrieb in Washington durchwirbelt und sich nun über den Erdball auf den Weg nach Europa macht, ist nicht der Favorit von Opa – und von Oma auch nicht. Jetzt hat er, wenn er denn überhaupt welche hatte, die letzten Sympathien restlos verspielt. Den spätestens seitdem Robin Wright, die Claire Underwood spielt und bei der einen oder anderen Folge als Produzentin bzw. Regisseurin fungiert, der Welt ihr Leid geklagt und darauf hingewiesen hat, dass die Macher der Serie große Probleme haben. Denn die Realität hat sie eingeholt. „Trump hat all unsere Ideen für die sechste Staffel gestohlen“, sagte die Schauspielerin in einem Gespräch mit dem Magazin Variety. Was soll ich sagen? Wenn schon Francis Underwood als skrupelloser Halunke daherkommt, dem jedes Mittel recht ist, um die Macht in Washington an sich zu reißen und zu verteidigen, was bitte muss dann Donald Trump sein, der offensichtlich in nur ein paar Monaten schafft, wofür die Macher von „House of Cards“ gut vier Jahre gebraucht haben. Da fällt mir nur noch der Werbeslogan einer großen deutschen Boulevard-Zeitung ein: Nichts ist härter als die Wahrheit.

Nachhaltige Spuren

Bei unserem jüngsten Besuch in Münster hatte Opa ein richtiges Aha-Erlebnis. Als unsere Freunde uns einer ihrer Bekannten vorstellte, sagte diese zu mir: „Sie kenne ich doch!“ Ich guckte etwas verdutzt, zumal ich die gute Frau gedanklich überhaupt nicht unterbringen konnte. Beim Versuch, eine Antwort auf diese offene Frage zu finden, kam relativ schnell zur Sprache, dass ich in der westfälischen Universitätsstadt einmal bei der örtlichen Zeitung, den Westfälischen Nachrichten, gearbeitet hatte, während sie Europaabgeordnete gewesen war. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ich verantwortete nämlich dort damals eine einmal wöchentlich erscheinende Europa-Seite, was in der Bundesrepublik zu diesem Zeitpunkt einmalig war. Vor allem aber muss das bei Gabriele Peus-Bispinck, wie die ehemalige Abgeordenete heißt, so viel Eindruck gemacht haben, dass sie sich so gut an mich erinnern konnte. Was soll ich sagen? So etwas tut richtig gut. Jedenfalls scheint eine Zeitung von gestern nicht nur zum Fischeeinwickeln zu taugen, sondern hinterlässt zuweilen auch nachhaltige Spuren.

Erdogan wie Pippi Langstrumpf

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan kommt einem so langsam vor wie Pippi Langstrumpf. Deren Lied geht ja bekanntlich so:

Ich mach‘ mir die Welt – widdewidde wie sie mir gefällt …
Hey – Pippi Langstrumpf hollahi-hollaho-holla-hopsasa
Hey – Pippi Langstrumpf – die macht, was ihr gefällt.

Jedenfalls macht sich Erdogan im Moment die Welt, wie sie ihm gefällt, und macht, was ihm gefällt. Dabei hat er offensichtlich jedes Maß verloren. Selbst Oma, die ansonsten eher besonnen und ruhig ist, ist derzeit außer sich, nachdem der türkische Staatspräsident ihre Landsleute als „Faschisten und Nazis“ beschimpft und den Niederlanden Staatsterrorismus vorgeworfen hat. Derartige Äußerungen sind alleine schon deswegen bemerkenswert, als die Türkei gegenwärtig alles andere ist als eine lupenreine Demokratie mit rechststaatlicher Sicherheit und garantierter Meinungs- und Pressefreiheit. Vielmehr führt sich Erdogan wie ein Despot auf, der nach dem Motto agiert: Wer nicht für mich ist, ist gegen mich. Und diejenigen entsorgt er gnadenlos. Die Liste der Journalisten, die er ins Gefängnis gesteckt hat, wird immer länger und hat die 100er Grenze längst überschritten. Wie viele Menschen sonst noch in irgendwelchen Verliesen ohne die Möglichkeit eines Rechtsschutzes verkommen, kann nur befürchtet werden. Und mit dem Referendum, für das die türkische Regierung so verzweifelt Wahlkampf macht, will Erdogan noch mehr Macht an sich reißen. Vor diesem Hintergrund kann man dem Publizisten Hendryk M. Broder, der endlich „klare Kante“ fordert, nur zustimmen. Denn: „Da entsteht eine brutale Diktatur – und wir sollen deeskalieren“, warnt er davor, dass eine Appeasement-Politik gegen totalitäre Herrscher noch nie etwas genutzt hat. Was soll ich sagen? Es ist anerkennens- und lobenswert, dass jetzt das kleine Saarland alle Wahlkampfauftritte von ausländischen Politikern verboten hat. Es wäre aber sicherlich an der Zeit, dass Angela Merkel im Bundeskanzleramt in Berlin endlich mit der Faust auf den Tisch haut und dem Herrn in Ankara unmissverständlich zu verstehen gibt: Jetzt reicht’s!

Ist die Frau der bessere Mann?

Der Internationale Frauentag hat viele Namen. Laut Wikipedia wird er auch Weltfrauentag, Frauenkampftag, Internationaler Frauenkampftag oder Frauentag genannt, der am heutigen 8. März weltweit begangen wird. Gewiss ist noch nicht alles Gold, was in Sachen Gleichstellung glänzt. Aber, so schreibt es Birgitt Kelle auf welt.de, „im Vergleich zu vielen anderen Regionen der Erde leben wir in Europa im feministischen Auenland. Wir haben Gender-Beauftragte, ein Gleichstellungsgesetz, Nein heißt bei uns Nein, wir können unsere Männer verlassen, ohne dafür von unseren Brüdern umgebracht zu werden. Und wenn einer „süße Maus“ zu uns sagt, können wir ihn wegen böswilligem Sexismus öffentlich anprangern. Es ist ein Jammern auf hohem Niveau.“ Derweil, so bemerkt sie weiter, ist die moderne weibliche Welt „immer nur dann in Ordnung, solange Frau an ihrer Optimierung zum besseren Mann arbeitet.“ Oma, so habe ich den Eindruck, hat diesen Anspruch, wenn sie ihn denn überhaupt hatte, längst aufgegeben. Bei uns im Haushalt liegen ihr die Männer – angefangen bei Opa bis hin zu den Enkeln – ohnehin zu Füßen und lesen ihr jeden Wunsch von den Augen ab, zumindest fast jeden. Was soll ich sagen? Obwohl ich ohne Wenn und Aber für die Gleichstellung von Frau und Mann bin, finde ich es doch schade, dass einige Hardcore-Feministinnen daran arbeiten, dass sich die Frauen abschaffen. Oma findet das übrigens auch.

Symbol der Weiblichkeit: High Heels, die es in Großbritannien sogar bis ins Parlament, in dem vehement über einen Dresscode für Frauen diskutiert wird, geschafft haben.

Die Europa-Bewegung wächst

Es ist traurig, aber wahr. Da verdoppelt sich bei den allsonntäglichen Zusammenkünften der Initiative Pulse of Europe jedes Mal die Teilnehmerzahl. In der Berichterstattung indes spielt die Bürgerbewegung, die auf der Straße ein sicht- wie hörbares Zeichen für Europa setzen will, kaum eine Rolle. In Berlin auf dem Gendarmenmarkt waren es am gestrigen Sonntag bei der vierten Veranstaltung dieser Art immerhin über 3.000 Berlinerinnen und Berliner, die sich dort versammelt haben. Und es gab sogar eine ganz entscheidende Neuerung. Die Bühne, von der aus für Europa geworben wird, ist von der Seite ins Zentrum auf die Stufen des Konzerthauses gerückt, Intendant Sebastian Normann sei Dank. Aber nicht nur in der deutschen Hauptstadt gehen die Menschen für Europa auf die Straße. In ganz Deutschland wächst die Zahl der Städte, in denen sich die Europabefürworter zu Wort melden, mehr noch: In ganz Europa. Was soll ich sagen? Wem die Zukunft unseres Landes und unseres Kontinents am Herzen liegt, sollte sich der Bewegung anschließen. Nicht dass wir irgendwann einmal von unseren Kindern oder Enkeln gefragt werden: Warum habt ihr nichts getan?

Der Pulse of Europe schlägt seit vier Wochen auch auf dem Gendarmenmarkt in Berlin.

Trump eint die ganze Welt

Es gibt eine neue Bewegung – nicht nur in Europa, sondern in der ganzen Welt. Ihr Name: Who wants to be socond. Auf der Webseite everysecondcounts.eu sammelt die Redaktion des NEO MAGAZINS Royale von Jan Böhmermann Videos von Late-Night-Shows aus aller Herren Länder ein, die sich nach dem niederländischen Vorbild um den zweiten Platz nach America first bewerben. In den Videos wird möglichst primitiv und anbiedernd US-Präsident Donald Trump das eigene Heimatland schmackhaft gemacht. Und auf dem gemeinsamen Twitter-Account @ItsGreatEU schreiben die Late-Night-Teams abwechselnd und machen sich mehr oder weniger über den Herrn im Weißen Haus lustig. Was soll ich sagen? Noch nie hat es ein Staatschef in so kurzer Zeit geschafft, die ganze Welt zu einen. Also, wenn einer den Nobelpreis verdient hat, dann … It’s unbelievable. It must be fake. It is fake. It’s fake news.

„Grab them by the pony“

Das Video ist der absolute Hammer. Der niederländische Komiker Arjen Lubach hat mit seinem Videoclip, in dem sich die Niederlande dem neuen US-Präsidenten anbiedern, einen absoluten Webhit gelandet, der (Stand jetzt) 3,5 Millionen Mal angeschaut wurde. Und der Satz „Grab them by the pony“ ist zum geflügelten Wort geworden – wegen seiner Anspielung auf die im Wahlkampf bekannt gewordene verbale Entgleisung Donald Trumps Frauen gegenüber. Was soll ich sagen? Sehen Sie selbst: