Kleine Kinder haben es schwer. Ist schon das Leben an sich ziemlich kompliziert, sind es die Familienverhältnisse erst recht. Dabei dachten Oma und Opa eigentlich, dass das bei uns alles stinknormal sei. Doch weit gefehlt. Als jüngst unser ganz Kleiner mit seiner Mutter bei uns war und diese ihre Mutter wiederum mit “Mama” ansprach, protestierte er ziemlich energisch und meinte: “Nein, Oma.” Beide schauten ihn ganz verdutzt an und sagten: “Dooooch!” “Neiiiin, Oma!”, blieb er dabei, als wolle ihm jemand seine Großmutter abspenstig machen. Da versuchte seine Mutter ihm ganz vorsichtig zu erklären, dass seine Oma nunmal auch ihre Mama und sie deren Tochter sei. Irgendwann hatte er das dann verstanden. Als unsere Tochter aber noch versuchte, ihm nahezubringen, dass Opa auch ihr Papa und sie dessen Tochter sei, war das des Gutes zu viel. “Neiiiin, Opa!”, wehrte er sich, indem er wohl mehr aus Verlegenheit ganz laut zu lachen begann. Was soll ich sagen? Wenn sich schon der Alleinanspruch auf Oma so plötzlich in Luft auflöst, dann muss doch wenigstens eine Konstante bleiben. Und die heißt Opa, basta!
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Opa ist Strohwitwer
Nachdem Oma ja Richtung Holland entschwunden ist, ist Opa Strohwitwer. Über die Herkunft dieses Begriffes gibt es verschiedene Theorien. Wen’s interessiert, kann das bei Wikipedia nachlesen. Ich für meinen Teil halte es da mit Goethes Faust und klage frei nach Marthe: Gott verzeih’ s meiner lieben Frau, Sie hat an mir nicht wohl getan! Geht da stracks in die Welt hinein, Und läßt mich auf dem Stroh allein. So hätte es eigentlich ein ruhiges verlängertes Wochenende werden können. Aber irgendwie ist daraus nichts geworden. Den Donnerstagabend und die halbe Nacht habe ich mehr oder weniger vor meinem iPad verbracht und die Odyssee von Oma verfolgt. Am Freitag war ich zunächst im Büro ungemein produktiv, habe zwischendurch noch Tochter und Enkel bekocht und am Nachmittag einen Freund im Krankenhaus besucht, um dann bis spät in die Nacht hinein das halbe Büro umzuräumen. Der Samstag stand dann erst im Zeichen der Entsorgung der Möbel, die nun nicht mehr benötigt werden. Dann ging es in den Garten: Rasen mähen, Hecke schneiden, Rasen- und Heckenschnitt beseitigen, Terrasse fegen, aufräumen. Nach dem Einkaufen – der Kühlschrank wies bereits bedrohliche Lücken auf – mussten der Rasen gesprengt und die Blumen gegossen werden. Gekocht und gegessen habe ich schließlich auch noch und bin dann irgendwann todmüde ins Bett gefallen. Was soll ich sagen? Gott sei Dank kommt Oma heute wieder nach Hause.
Omas Odyssee
Opa muss es heute einmal Homer gleichtun und von einer Odyssee berichten – deshalb ist der Text auch etwas länger als üblich. Während der griechische Dichter die Abenteuer des Königs Odysseus von Ithaka und seiner Gefährten auf der Heimfahrt aus dem Trojanischen Krieg schilderte, geht es hier um die abenteuerliche Irrfahrt von Oma, die diese hinter sich hat – gemeinsam mit zahlreichen Leidensgenossen, und doch ziemlich allein gelassen. Also: Oma hat sich auf den Weg gemacht, ihre Mama zu besuchen. Da das mit dem Auto ziemlich weit ist, hat sie beschlossen, ein Flugzeug zu nehmen. Sie buchte bei Transavia, geplante Abflugzeit in Berlin: Donnerstag, 21.40 Uhr, geplante Ankunftszeit in Eindhoven: Donnerstag, 23.00 Uhr. Dass ausgerechnet an diesem Tag ein schweres Unwetter den Abflug verzögerte, ist Transavia nicht anzukreiden. Aber was danach folgte, ist eine Frechheit sondergleichen. Wie üblich wurden die Fluggäste in die Maschine verfrachtet, obwohl sich die Sperrung des Flughafens Tegel bereits seit geraumer Zeit abzeichnet hatte. In der gut gewärmten Kabine des Fliegers ließ man sie dann während des Unwetters schön sitzen – und schwitzen. Als es dann endlich kurz vor Mitternacht losging, hat den Passagieren vorsichtshalber niemand gesagt, dass der Zielort nicht mehr Eindhoven ist, weil der dortige Flughafen nämlich – wie jeden Tag üblich – bereits um 23.45 Uhr geschlossen hat. Vielmehr ging es jetzt nach Amsterdam, dessen Flughafen Schiphol immerhin 127 Kilometer vom Eindhoven Airport entfernt liegt. Doch davon erfuhren die Reisenden erst in der Luft und mehr oder weniger kurz vor der Landung. Opa schwante schon etwas früher, dass da etwas faul sein musste, da er den ganzen Flug über flightradar24 verfolgt und sich schon gewundert hatte, dass die Maschine keine Anstalten machte, nach Süden Richtung Eindhoven abzudrehen. Doch zurück in die Maschine. Dort erzählte man den Passagieren etwas von, nein nicht Tulpen, sondern Bussen in Amsterdam, die sie dann nach Eindhoven bringen würden. Als besonderer Service wurde sogar noch verkauft, dass man wählen könne zwischen Eindhoven Flughafen und Eindhoven Bahnhof. Man solle sich nur an die netten Damen von KLM wenden, die würden einem dann schon weiterhelfen. So weit, so gut. Doch als die Fluggäste ausgestiegen und mühsam an ihr Gepäck gekommen waren, wussten die KLM-Damen von nichts, schon gar nicht von irgendwelchen Bussen. Und von der Fluggesellschaft Transavia war auch keiner mehr zu sehen. Irgendwie und irgendwann, nach endlosen Debatten und Kilometern tauchten dann doch irgendwelche Busse auf, die tatsächlich nach Eindhoven fuhren. Dass man den leidgeprüften Menschen etwas zu trinken angeboten hätte, darauf ist, wen wundert’s, auch niemand gekommen. So war das einzige, was den Reisenden blieb: Holland bei Nacht. Soll ja auch ganz schön sein. Am Freitag um 3.10 Uhr ist der Bus schließlich am Flughafen Eindhoven vorgefahren, am Bahnhof entsprechend später. Was soll ich sagen? Da hätte Oma auch das Auto nehmen können, dann wäre sie sicherlich früher bei ihrer Mama gewesen.
PS: Auf Transavia wird Oma sicherlich noch einmal zurückkommen.
Opa und das Mittelalter
Bei uns in der Familie ist niemand auf den Mund gefallen. Ein gutes Beispiel dafür lieferte der jüngste Besuch unserer Ältesten, die mit Mann und Maus, sprich Sohnemann, an Pfingsten zum Essen bei uns war. Für den Hauptgang war dieses Mal Oma zuständig. Es gab Spargel satt, Schinken, Ei und wirklich leckere Kartoffeln. Als wir mit der Hauptspeise fertig waren, kam natürlich sofort die Frage unseres Enkels: “Was gibt es denn zum Nachtisch?” Als ich meine Nachtisch-Hamburger in Aussicht stellte, war er ganz aus dem Häuschen und wollte gleich in die Küche, um zu helfen. Als ich daraufhin sagte: “Warte noch, bis Oma abgeräumt hat”, schaute mich meine Tochter völlig ungläubig an und fragte: “In welcher Zeit lebst du denn? In unserer Welt räumen alle ab.” Oma ergänzte nur kurz und trocken: “Im Mittelalter”, was wiederum zu der Erläuterung meiner Tochter führte: “Als Opa noch klein war.” Was soll ich sagen? Da hatte ich mein Fett weg. Und was Passendes fiel mir auch nicht ein. Dabei räume ich sonst immer, na sagen wir meistens, mit ab.
Opa unterstützt Sarah Wiener
Die aus dem Fernsehen bekannte Köchin Sarah Wiener setzt sich mit ihrer gleichnamigen Stiftung für “gesunde Kinder und was Vernünftiges zu essen” ein. Und das ist auch gut so. Fast noch besser ist, dass sie jetzt im Apothekermagazin “Senioren Ratgeber” verbal nachgelegt hat. Mit Würstchen oder Pizza an jeder Ecke “verschlammten” die jungen Leute ihre Geschmacksnerven, formuliert sie und appelliert: “Ich kann jede Großmutter – und die wenigen Großväter, die es können – nur inständig bitten, dem Kind, dem Enkel, dem Nachbarskind Kochen beizubringen”, sagt sie. “Wenn man nicht weiß, wie natürliche Hühnersuppe schmeckt, und wenn man nicht erlebt hat, wie sinnlich das Kochen ist, wird man auch keine Sehnsucht danach verspüren.” Was soll ich sagen? Recht hat sie. Opa wird Sarah Wiener in Sachen Kinderernährung auf jeden Fall unterstützen. Und Oma natürlich auch.
Im Dauer-Wimmel-Einsatz
Unsere beiden Enkelkinder sind große Fans von Wimmelbüchern. Das sind Bücher, in denen es, und das ist jetzt kein Kalauer, nur so von Menschen, Tieren und Sachen wimmelt. Für die ganz Kleinen gibt es spezielle Ausgaben, in denen sich dann auf jeder Seite ein und derselbe Gegenstand, ein kleiner blauer Bagger oder ein kleiner roter Helm, wiederfindet, den es zu entdecken gilt. Für unsere Kurzen ist das kein Problem. Wenn sie das Teil einmal ausgemacht haben, zeigen sie schneller darauf, als Opa blättern kann. Dennoch können sie nicht genug davon bekommen. Oma und Opa sind sozusagen immer im Dauer-Wimmel-Einsatz. Aber auch alleine greifen sie zu ihren Wimmelbüchern. Neulich haben sich beide sogar in einen Sessel gezwängt und gemeinsam ein Wimmelbuch gelesen. Da sage noch einer, lesen macht einsam. Nach meiner Beobachtung war das ein klassisches Gemeinschaftserlebnis. Was soll ich sagen? Derartige Gemeinschaftserlebnisse können auch Erwachsene haben. Für die gibt es nämlich auch Wimmelbilder. Eines der bekanntesten Wimmelgemälde, “Die niederländischen Sprichwörter”, stammt von Pieter Bruegel dem Älteren, einem niederländischen Maler. Um das 1559 entstandene Werk, auf dem über 100 niederländische Sinnsprüche und Redewendungen bildlich dargestellt sind, zu sehen, muss man noch nicht einmal in unser Nachbarland reisen. Ein Kurzbesuch in der deutschen Hauptstadt reicht. Das Bild hängt nämlich in der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin.
Nachtrag zum Muttertag
Der eine oder andere wird sich vielleicht fragen, warum Opa heute nichts zum Muttertag weiß. Wüßte ich schon. Aber Oma sagt immer: “Der Muttertag ist für mich nicht so wichtig. Ich habe das ganze Jahr über Muttertag.” Was soll ich sagen? In diesem Jahr hat mich das irgendwie dazu verleitet, den Muttertag auf diesem Blog außen vor zu lassen. Im nächsten Jahr – versprochen – wird dazu etwas zu lesen sein.
PS: Unabhängig davon: Bitte den Großelterntag nicht vergessen!
Let’s talk about s…
Let’s talk about s… Nein, nicht was Sie wieder denken. Let’s talk about snow. Ja, Sie hören richtig. Mitten im Frühling und kurz vor dem Sommer wollen wir über Schnee reden. Was heißt wollen, wir müssen. Denn mein ältester Enkel hat doch – und ausgerechnet an dem Tag, als die Temperaturen bereits merklich über 20 Grad gestiegen waren – tatsächlich Schneefall registriert. “Oma, es schneit”, kam er ganz aufgeregt daher und zog seine Großmutter in die Richtung, in der der mutmaßliche Schneesturm tobte. Und tatsächlich, alles war weiß: Die Straße, der Zaun, die Autos, alles war weiß. Allerdings entpuppte sich die weiße Pracht bei näherem Hinsehen nicht als Schnee, sondern als Blätteransammlung eines in voller Blüte stehenden Zierapfels auf einem der gegenüberliegenden Grundstücke. Ein wahrhaftig tolles Bild, das einen Schnappschuss verdient hätte. Doch leider war Opa mit seiner Kamera nicht zur Stelle. Was soll ich sagen? Ich werde Oma bei der nächst besten Gelegenheit wieder so eine kleine Pocketkamera schenken. Die letzte hatte leider ein gemeinsames Fotoshooting mit einem unserer Enkel nicht überlebt.
Ein Großelterntag muss her
Es gibt Gedenktage für alles und jeden. Dass es einen Tag des deutschen Apfels (11. Januar) und einen Tag der gesunden Ernährung (7. März) gibt, ist sicherlich sinnvoll. Auch der Tag des deutschen Butterbrotes (letzter Freitag im September) mag ja noch angehen. Bedenklich mutet aber schon der Internationale Weltkiffertag (20. April) an. Zumindest nicht aufregen muss man sich über den Pi-Tag (14. März), den die Freunde der Zahl Pi ins Leben gerufen haben. Und sicher hat auch niemand etwas gegen den Weltdufttag (27. Juni), denn wer mag es schon, wenn es stinkt. Mittlerweile selbstverständlich sind ganz sicher Muttertag (2. Sontag im Mai) und Vatertag (Christihimmelfahrt). Völlig unverständlich aber ist, dass es nach wie vor keinen Großelterntag gibt. Zwar wird in der christlichen Welt am Annentag (26. Juli) der Mutter der Gottesmutter Maria, also der Großmutter Jesu, gedacht. Und irgendwie hat man dann neben Anna auch noch Joachim, ihren Mann, in das Gedenken miteinbezogen, so dass der 26. Juli als Gedenktag der Großeltern Jesu in der Welt war. Darauf haben sich dann das Institut für neue soziale Antworten (INSA) und in dessen Gefolge der Verband kinderreicher Familien Deutschlands (KFRD) gestürzt und diesen Tag als Großelterntag ausgerufen bzw. gefordert. Der Erfolg war ebenso ernüchternd wie der der Kasseler Lebensabendbewegung, die am ersten Mittwoch im April den Tag der älteren Generation proklamierte. Was soll ich sagen? Mit Hilfe der Freunde von Opas Blog muss jetzt ein Großelterntag her – und zwar länderübergreifend für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Dafür bietet sich jeweils der Sonntag an, der am nächsten am 26. Juli liegt. 2013 wäre das der 28. Juli. Wer diese Forderung unterstützen will, schickt einfach eine E-Mail mit “Großelterntag: Ja” im Betreff an grosselterntag@opas-blog.de. Es wäre doch gelacht, wenn wir wir das bis zum 28. Juli nicht hinbekämen.
PS: Die E-Mail-Adresse mit dem Anliegen an möglichst viele Freunde weiterleiten. Kommentare und “Gefällt mir”-Bekenntnisse sind natürlich auch willkommen. Und das Ganze läuft selbstverständlich zusätzlich als Blogparade. Alle, die die Forderung nach einem Großelterntag unterstützen möchten, sind herzlich eingeladen, auf ihrem Blog bis zum 27. Juli einen entsprechenden Beitrag zu verfassen und ihn hierher zu verlinken. Über den weiteren Gang der Dinge werde ich regelmäßig berichten.
Sieben Jahre länger
Oma hatte mir vor geraumer Zeit einmal erzählt, dass positiv gestimmte Senioren nicht so schnell krank würden. Darauf hätten die Politiker Jens Spahn (CDU) und Daniel Bahr (FDP) hingewiesen. Das wollte ich jetzt genauer wissen und recherchierte. Doch leider kam ich selbst bei Google nicht weiter. Irgendwie schien die Nachricht im Internet abhanden gekommen zu sein. Doch dann stieß ich auf eine Untersuchung, die allerdings schon aus dem Jahr 2009 stammt. Forscher der Universität Yale hatten in einer Langzeitstudie 660 Menschen ab 50 Jahren untersucht und dabei festgestellt, dass eine positive Einstellung zum Alter das Leben verlängert. Personen, die sich trotz ihres fortgeschrittenen Alters glücklich, gebraucht und vital fühlten, würden im Schnitt sieben Jahre länger leben, als diejenigen, die im Alter nur Nachteile sehen. Was soll ich sagen? Dann wird es, so Gott will, Oma und Opa so um die sieben Jahre länger geben, und Opas Blog auch.