“Opa, pup mal!”

Unser jüngster Enkel ist mittlerweile soweit, dass man sich mit ihm schon richtig gut unterhalten kann. Das gilt sowohl für Deutsch als auch für die Sprache, die Oma immer mit ihm spricht (Siehe “Nein, so spricht nur Oma”.) Einen kleinen Haken hat die Sache allerdings noch. Der kleine Mann mit seinen gut zwei Jahren hat zuweilen gewisse Probleme mit den Buchstaben “k” und “ck”. Wenn man das weiß, ist das nicht weiter schlimm. Dann versteht man ihn trotzdem. Die erste Zeit jedoch schauten sich Oma und Opa manchmal Schulter zuckend an und verstanden nur Bahnhof. Oder schämten sich auch in Grund und Boden, wenn die Konversation in aller Öffentlichkeit und so laut geführt wurde, dass sie jeder verstehen konnte. Wie würden Sie sich wohl fühlen, wenn Ihr Enkel Sie vor lauter Begeisterung laut und deutlich auffordern würde: “Opa, pup’ mal!” Was soll ich sagen? Bei “Pa-pe, Pa-pe – …” hat er natürlich keine Probleme.

Ka-cke, Ka-cke – Schei-ße

Unsere Enkelkinder sind bereits recht gut erzogen. Zumindest wissen sie vom Grundsatz her schon, was sich gehört und was nicht. Das heißt allerdings nicht, dass man vor Peinlichkeiten der besonderen Art gänzlich verschont bliebe. Doch davon wird ein anderes Mal noch die Rede sein. Hier soll es jetzt um den immer wiederkehrenden Versuch unserer beiden Enkel gehen, ihre Grenzen auszutesten. Das funktioniert natürlich immer dann besonders gut, wenn die “Nicht”-Wörter ausgepackt werden. Unser jüngster Enkel macht sich regelmäßig einen riesigen Spaß daraus, singend durch die Gegend zu hüpfen, was sich in etwa so anhört:”Ka-cke, Ka-cke.” Wenn dann Mama, Papa, Oma oder Opa sagen: “Nicht!”, fokussiert der kleine Mann seine blitzenden Augen, lächelt verschmitzt und strahlt übers ganze Gesicht. Dann öffnet sich der kleine Mund und es kommt das, was man am wenigsten hören möchte: “Schei-ße.” Was soll ich sagen? Besser lässt sich die Tagesform der Erziehungsberechtigten wirklich nicht testen.

 

Der erste Cabrio-Ausflug

Das Wetter ist jetzt endlich soweit, dass Besitzer von Cabrios ihre Fahrzeuge wieder guten Gewissens auf die Straße lassen können. Das hat auch unser ältester Enkel mitbekommen, der sofort die ihm eigentlich schon im vergangenen Jahr versprochene Cabrio-Premiere bei Oma und Opa einforderte. Da half keine noch so attraktive Ablenkung, selbst der Hinweis auf die nunmehr erforderlichen Umrüstarbeiten beeindruckte ihn in keinster Weise. Also machte sich Opa daran, dass Kinderstühlchen aus dem einen Auto aus- und in das andere einzumontieren. Dann war es soweit: Der Kleine nahm in seinem Stühlchen Platz, wurde dort vorschriftsmäßig angeschnallt, zog die Mütze über den Kopf und los ging die Fahrt. Der Wind weckte nicht nur bei unserem Enkel das Gefühl von Freiheit und Abenteuer. Auch Oma und Opa sowie unsere Tochter genossen die Fahrt. Als nach einiger Zeit der Ausflug beendet und Tochter und Sohn wieder zu Hause abgeliefert worden waren, standen die beiden noch am Straßenrand, um die Großeltern zu verabschieden. Da plötzlich schaute der kleine Mann völlig entgeistert auf die Frontpartie des Cabrios und fragte seine Mutter: “Wieso sieht das Auto aus wie unseres?” Der Hinweis darauf, dass ihr Kombi von derselben Marke und aus derselben Modellreihe seien, konnte unseren Enkel nicht befriedigen. Was soll ich sagen? Woher soll der kleine Mann auch wissen, was eine Marke und eine Modellreihe sind. Das Leben ist manchmal ganz schön schwierig.

Solange du deine Füße …

Jeder kann sich vermutlich an diesen blöden Spruch seiner Eltern erinnern, den man eigentlich nie hören wollte: “Solange du deine Füße unter meinen Tisch stellst …” Weil meine Töchter diesen Spruch auch nicht hören konnten, vermeiden sie ihn heute, verwenden ihn dann allerdings doch, wenn auch leicht abgewandelt: “Das ist unsere Wohnung, da dürfen wir bestimmen”, heißt das dann und bedeutet letztlich nichts anderes. Aber bitte. Bestimmen spielt bei Kindern offensichtlich eine ganz große Rolle, egal in welchem Alter. In dieser wohl in jeder Generation stattfindenden Auseinandersetzung haben jetzt meine älteste Tochter und ihr Mann eine herbe Niederlage einstecken müssen. Auf eben den oben zitierten, abgewandelten Satz konterte ihr Filius ganz trocken: “Ich habe das ganze Haus gekauft.” Die ziemlich verdutzten Eltern wollten nun wissen: “Ja, wo denn?” Sie werden es jetzt nicht glauben, aber die Antwort lautete: “Bei Rei(s)chelt.” Was soll ich sagen? Das passt zu der Berliner Supermarktkette, wie die Faust aufs Auge. Lautet doch der aktueller Slogan des Lebensmittelhändlers: Reichelt – ein Stück Berlin! Ein starkes, möchte man da hinzufügen.

Der Kreis des Lebens

Leider hatten wir einen Trauerfall in der Familie. Uri, also meine Mutter, meiner Kinder Omi und eben meiner Enkel Uri, ist im Alter von 92 Jahren verstorben. Das ist der Lauf der Dinge, der Kreis des Lebens. Während wir Erwachsenen trauern, haben Kinder eine ganz eigene, pragmatische Sicht auf die Dinge. “Stirbt Opa auch?”, wollte unser ältester Enkel von seiner Mutter vor dem Hintergrund der traurigen Ereignisse wissen. “Na ja”, erwiderte sie etwas unsicher, “wenn er alt ist.” Da dachte der kleine Mann einen Moment nach und schlussfolgerte messerscharf: “Dann stirbt Opa bald.” “Wieso das denn?”, wollte seine Mutter nun wiederum wissen. “Opa sagt doch immer, er ist alt. Und du sagst auch immer: Steh’ auf Alter”, legte er seine Gedankenwelt dar, die, nur nebenbei bemerkt, wieder einmal nachdrücklich unterstreicht, wie vorsichtig man mit – wenn auch nur ironisch gemeinten – Aussagen in Gegenwart von Kindern sein muss. Als meine Tochter nun versuchte, den konsequenten Gedankengang ihres Sohnes ein wenig zu durchbrechen, und ergänzte, dass Uri ja ganz schwer krank gewesen sei, begann der Dreikäsehoch ganz fürchterlich zu husten. “Ich sterbe auch bald”, lautete der begleitende Kommentar, dem seine Mutter mit dem energischen Hinweis auf “alt und krank” zu begegnen versuchte. Was soll ich sagen? Irgendwie muss sich meine Tochter an das erinnert haben, was Oma ihren Kindern immer zugesichert hat: “Mama stirbt nicht.” Auf jeden Fall war der Kleine erst einmal zufrieden, als die für ihn erlösenden Worte im Raum standen: “Mama und Papa sterben nicht.”

Generationenvielfalt at its best

Meine Töchter werden mir irgendwann einmal dankbar sein. All die kleinen und großen Geschichten, die ich hier in Bezug auf ihre Kinder bzw. meine Enkel aufschreibe und kommentiere, werden später wie ein Tagebuch wirken. In einigen Jahren werden die Beiden vieles vergessen haben, was ihre Kinder gesagt oder getan haben. Der Alltag frisst eben die Gegenwart auf. Und so werden die Inhalte dieses Blogs mehr noch sein als ein Tagebuch: Ein Kaleidoskop mit den Höhepunkte und prägnantesten Erlebnissen – eingebettet in die Zeit, in der sie sich ereignet haben. Und Oma hat noch ein weiteres Schmankerl beizusteuern. Sie hat in jungen Jahren, den einen oder andern Klops unserer Kinder festgehalten und aufgeschrieben. Diese Aufzeichnungen hat sie nun wiedergefunden, so dass wir sie künftig in diesem Blog mit einarbeiten können. Was soll ich sagen? Das ist Generationenvielfalt at its best.

“Ich hab’ Bauchaua”

Unsere Enkelkinder sind, wie sollte es anders sein, des Öfteren auch zum Essen bei uns – alleine und ohne Eltern. Das funktioniert eigentlich immer recht gut, zumal unsere Enkel so ziemlich alles mögen. Der Kleine hat dabei seine ganz eigenen Strategien, wenn einmal etwas auf den Tisch kommt, was ihm nicht so mundet. Die Frage “Schmeckt’s?” beantwortete er bis vor geraumer Zeit noch mit einem überzeugenden “Ja”, die Zusatzfrage “Noch etwas?” mit einem ebenso klaren “Nein”. Irgendwie muss ihm aufgefallen sein, dass hiernach der jeweilige Küchenverantwortliche nicht unbedingt den glücklichsten Eindruck gemacht hat. Seit Neuestem umschifft er diese Klippe ganz gekonnt, indem er sich an den Bauch fasst und mit leidender Miene erklärt: “Ich hab’ Bauchaua.” Da das offensichtlich immer ganz gut funktioniert hat, behilft er sich mit dieser Aussage nunmehr auch dann, wenn ihm irgendetwas grundsätzlich nicht gefällt. Was soll ich sagen? Ganz schön ausgebufft, der Kleine, und wesentlich diplomatischer als Opa dazu.

“Also, ich habe gehört …”

Unser ältester Enkel fühlt sich langsam erwachsen. Jedenfalls gibt er sich seit geraumer Zeit entsprechend. Denn wenn wir so in der Familie zusammensitzen und uns unterhalten, dann verspürt er offenbar den unwiderstehlichen Drang, sich an der Konversation zu beteiligen. Zu Beginn hat er einfach drauflosgebrabbelt und dazwischengeredet. Das wiederum fand seine Mutter gar nicht gut und hat ihm erklärt, dass es so etwas wie Spielregeln auch bei Gesprächen gibt. Das hat er schnell begriffen und geht nunmehr ausgesprochen charmant, aber doch bestimmt mit der Frage dazwischen: “Darf ich jetzt auch was sagen?” Das zieht in den meisten Fällen. Wenn er dann – für ihn offenbar ziemlich überraschend – das Wort erhält, heißt es nach einer kurzen Schrecksekunde: “Also, ich habe gehört …” Dann fällt ihm aber zuweilen doch nichts Spannendes ein und er verzichtet auf seinen anvisierten Beitrag. Was soll ich sagen? Das sollten manche Erwachsene hin und wieder auch mal tun.

“Aba kakki Oing Dokok”

Sie wissen nicht, was “Nella!”*, “Nane da?”* oder “Weihnamann …”* bedeuten? Dann sind Sie als Tagesmutter oder Tagesvater nicht geeignet. Mit diesen Wortkreationen kleiner Kinder auf Großplakaten hat das Bundesfamilienministerium jedenfalls versucht, Frauen und Männer für die Kinderbetreuung zu begeistern. In wieweit dies gelungen ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Inspirieren lassen hat sich das Ministerium oder die beauftragte Agentur bei den Entwürfen aber vielleicht vom Familienmagazin “Schlingel” der Leipziger Volkszeitung. Die Redaktion hatte ihre Leser aufgefordert, die besten Aussprüche des Nachwuchses einzusenden, und daraus ein Kindermund-Lexikon mit den lustigsten Wörtern der Marke Eigenbau auf der Webseite des Magazins veröffentlicht. Da sind in der Tat starke Wortschöpfungen dabei wie “Aba kakki” (Aber zackig), “Frau Söse” (Frisöse), “Oing Dokok” (Onkel Doktor) oder “Pingelpien” (Pinguin). Ich kann von unserem Nachwuchs aber auch noch den einen oder anderen Brüller beisteuern: “dei” (zwei), “eiben” (arbeiten), “hilti” (geht nicht), “Lachdawine” (Dachlawine) oder “Omabus” (Omnibus) … Was soll ich sagen? Es geht doch nichts über Kinder-Kauderwelsch. Was die Kleinen wohl aus diesem Wortpaar machen würden?

* “Du holst mich nicht ein. Ich bin schneller.”, “Zum Nachtisch nehme ich bitte Banane, ja?”, “Das muss der Weihnachtsmann sein …”

Ururgroßväter gibt es nicht mehr

Es gibt tatsächlich heute noch Kinder, die haben nicht nur Großeltern, sondern auch noch Urgroßeltern. In absehbarer Zeit wird es das vermutlich nicht mehr geben, wenn man das ständig steigende Alter derjenigen nimmt, die Kinder kriegen. Insofern werden auch die Wörter Urgroßmutter und Urgroßvater irgendwann aus dem Wortschatz der deutschsprachigen Menschen verschwunden sein. Das ist schade, aber wohl (nicht mehr) zu ändern. Noch schlimmer finde ich allerdings, dass es dann auch die für alle so wertvollen Begegnungen der verschiedenen Generationen nicht mehr gibt. Dabei fällt mir ein Besuch mit unserem jüngsten Enkel bei seiner Urgroßmutter ein, der ihn ziemlich durcheinander gebracht hat. Meine Mutter hat nämlich ein Ölbild von ihrem Vater, als der so ungefähr zehn Jahre alt war, an der Wand hängen. Als unser kleiner Mann das Bild sah, frohlockte er sogleich: Opa. Ururgroßväter gibt es nun wirklich nicht mehr. Aber was soll ich sagen? Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.