Es gibt bei der Entwicklung von Kindern Schritte, die sind gewaltig. Bei unserem ältesten Enkel hat es jetzt so einen Meilenstein gegeben. Unsere Tochter rief uns an und berichtete, dass ihr Mann und sie für den Kleinen das erste (richtige) Fahrrad gekauft hätten – ohne Stützräder. Da unser Enkel mit seinem Laufrad beste Erfahrungen gemacht hatte, bestieg er laut unserer Tochter ohne Zögern das neue Fortbewegungsmittel und düste los. Das konnte natürlich nicht sofort zu einhundert Prozent gutgehen. Die eine oder andere Bruchlandung soll es gegeben haben. Aber Dank eines Helmes und dicker Kleidung hielten sich die Blessuren offensichtlich in Grenzen, so dass unser kleiner Mann nach einigen Versuchen nunmehr zu den ganz Großen gehört. Was soll ich sagen? Da wären Oma und ich auch gerne dabei gewesen. So bleibt uns vorerst nur die Erinnerung an unsere Töchter, als diese das erste Mal ganz alleine mit ihren Fahrrädern gefahren sind. Aber ganz so lange wird es wohl nicht dauern, bis unser Großer uns sein neues Können demonstriert.
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Ka-cke, Ka-cke – Schei-ße
Unsere Enkelkinder sind bereits recht gut erzogen. Zumindest wissen sie vom Grundsatz her schon, was sich gehört und was nicht. Das heißt allerdings nicht, dass man vor Peinlichkeiten der besonderen Art gänzlich verschont bliebe. Doch davon wird ein anderes Mal noch die Rede sein. Hier soll es jetzt um den immer wiederkehrenden Versuch unserer beiden Enkel gehen, ihre Grenzen auszutesten. Das funktioniert natürlich immer dann besonders gut, wenn die “Nicht”-Wörter ausgepackt werden. Unser jüngster Enkel macht sich regelmäßig einen riesigen Spaß daraus, singend durch die Gegend zu hüpfen, was sich in etwa so anhört:”Ka-cke, Ka-cke.” Wenn dann Mama, Papa, Oma oder Opa sagen: “Nicht!”, fokussiert der kleine Mann seine blitzenden Augen, lächelt verschmitzt und strahlt übers ganze Gesicht. Dann öffnet sich der kleine Mund und es kommt das, was man am wenigsten hören möchte: “Schei-ße.” Was soll ich sagen? Besser lässt sich die Tagesform der Erziehungsberechtigten wirklich nicht testen.
“Wenn du deinen Teller aufisst”
Die Kommunikation zwischen Erwachsenen und Kindern ist manchmal doch recht schwierig. Besonders für die Kleinen ist es nicht immer ganz einfach, zu wissen, was die Großen nun eigentlich wollen. Da soll man dies tun und das andere lassen, wie etwas sagen oder dann doch wieder den Mund halten, sich bemerkbar machen oder still sein, teilen oder auf seine Sachen aufpassen. Mal lachen die Erwachsenen, wenn man beim Essen schmatzt, rülpst oder sonstige Laute von sich gibt, ein anderes Mal gibt es bei gleicher Gelegenheit ein riesiges Donnerwetter. Was man auch tut, im Zweifelsfall ist es verkehrt. So oder so ähnlich müssen Kinder denken. Jedenfalls kann ich mich noch gut an die eine oder andere Begebenheit erinnern, bei der mir in jungen Jahren vergleichbare Gedanken durch den Kopf gegangen sind. Als meine Enkel jüngst wieder bei uns waren, ist mir ein weiteres Beispiel aufgefallen, bei dem die Kinder denken müssen: Die spinnen, die Erwachsenen. Da versuchte doch Oma, einen unserer Enkel dadurch zum Essen zu ermuntern, indem sie ihm in Aussicht stellte: “Wenn du deinen Teller aufisst, gibt’s nachher noch ein Eis.” Was soll ich sagen? Das Eis hätte der kleine Mann ganz sicher auch gebraucht, mindestens um seine Kiefer zu kühlen, nachdem diese das gute alte Porzellan unter ziemlich schmerzhaften Begleitumständen zerkleinert hätten.
Prachtstück alter Technik
Unser Trauerfall, der schon unter der Überschrift “Der Kreis des Lebens” Thema war, beschäftigt uns zwangsläufig immer noch. Vor allem die Auflösung der Wohnung von Uri braucht seine Zeit. Dabei hätte meine Mutter ihre wahre Freude gehabt, wie viele von ihren Sachen auch bei ihren Enkeln untergekommen sind und Verwendung finden. Es gibt aber natürlich auch Dinge, bei denen erübrigt sich jede Diskussion, ob man sie auf den Weg alles Irdischen gibt. Dazu gehörte ganz sicher der Fernseher meiner Mutter, der zwar nicht ganz so alt war wie sie, aber für derartige Geräte doch schon sehr betagt. Jedenfalls besaß er noch eine Bildröhre und wog – gefühlt – mehrere Tonnen. Für alle diejenigen, die nicht mehr wissen, was eine Bildröhre ist, hier der Link zu Wikipedia. Um es an dieser Stelle aber kurz zu machen: Wir haben dieses Prachtstück alter Technik in einem der örtlichen Recyclinghöfe ordnungsgemäß entsorgt. Das hätten wir nach Ansicht unseres ältesten Enkels aber nicht tun sollen. “Den hätte ich gerne für mein Zimmer gehabt”, erklärte er seiner Mutter, die ihn offensichtlich ziemlich überrascht anschaute. “Opa hat mich überhaupt nicht gefragt”, legte er noch kurz und trocken nach. Was soll ich sagen? Er wäre so oder so enttäuscht worden. Unsere Töchter haben vor dem 18. Lebensjahr auch keinen Fernseher auf ihr Zimmer bekommen.
Solange du deine Füße …
Jeder kann sich vermutlich an diesen blöden Spruch seiner Eltern erinnern, den man eigentlich nie hören wollte: “Solange du deine Füße unter meinen Tisch stellst …” Weil meine Töchter diesen Spruch auch nicht hören konnten, vermeiden sie ihn heute, verwenden ihn dann allerdings doch, wenn auch leicht abgewandelt: “Das ist unsere Wohnung, da dürfen wir bestimmen”, heißt das dann und bedeutet letztlich nichts anderes. Aber bitte. Bestimmen spielt bei Kindern offensichtlich eine ganz große Rolle, egal in welchem Alter. In dieser wohl in jeder Generation stattfindenden Auseinandersetzung haben jetzt meine älteste Tochter und ihr Mann eine herbe Niederlage einstecken müssen. Auf eben den oben zitierten, abgewandelten Satz konterte ihr Filius ganz trocken: “Ich habe das ganze Haus gekauft.” Die ziemlich verdutzten Eltern wollten nun wissen: “Ja, wo denn?” Sie werden es jetzt nicht glauben, aber die Antwort lautete: “Bei Rei(s)chelt.” Was soll ich sagen? Das passt zu der Berliner Supermarktkette, wie die Faust aufs Auge. Lautet doch der aktueller Slogan des Lebensmittelhändlers: Reichelt – ein Stück Berlin! Ein starkes, möchte man da hinzufügen.
Der Kreis des Lebens
Leider hatten wir einen Trauerfall in der Familie. Uri, also meine Mutter, meiner Kinder Omi und eben meiner Enkel Uri, ist im Alter von 92 Jahren verstorben. Das ist der Lauf der Dinge, der Kreis des Lebens. Während wir Erwachsenen trauern, haben Kinder eine ganz eigene, pragmatische Sicht auf die Dinge. “Stirbt Opa auch?”, wollte unser ältester Enkel von seiner Mutter vor dem Hintergrund der traurigen Ereignisse wissen. “Na ja”, erwiderte sie etwas unsicher, “wenn er alt ist.” Da dachte der kleine Mann einen Moment nach und schlussfolgerte messerscharf: “Dann stirbt Opa bald.” “Wieso das denn?”, wollte seine Mutter nun wiederum wissen. “Opa sagt doch immer, er ist alt. Und du sagst auch immer: Steh’ auf Alter”, legte er seine Gedankenwelt dar, die, nur nebenbei bemerkt, wieder einmal nachdrücklich unterstreicht, wie vorsichtig man mit – wenn auch nur ironisch gemeinten – Aussagen in Gegenwart von Kindern sein muss. Als meine Tochter nun versuchte, den konsequenten Gedankengang ihres Sohnes ein wenig zu durchbrechen, und ergänzte, dass Uri ja ganz schwer krank gewesen sei, begann der Dreikäsehoch ganz fürchterlich zu husten. “Ich sterbe auch bald”, lautete der begleitende Kommentar, dem seine Mutter mit dem energischen Hinweis auf “alt und krank” zu begegnen versuchte. Was soll ich sagen? Irgendwie muss sich meine Tochter an das erinnert haben, was Oma ihren Kindern immer zugesichert hat: “Mama stirbt nicht.” Auf jeden Fall war der Kleine erst einmal zufrieden, als die für ihn erlösenden Worte im Raum standen: “Mama und Papa sterben nicht.”
Lasst die Kinder ruhig naschen
Kinder lieben Süßigkeiten – überall auf der Welt. Und natürlich sind auch unsere beiden Enkel hinter Naschsachen her. Unsere Jüngste versucht dabei das Verlangen ihres Sohnes vor allem nach Schokolade dadurch ein wenig einzuschränken, indem sie ihn immer wieder fragt: “Was passiert, wenn man zu viel Schokolade ist?” Der Kleine grinst dann und sagt (mit Unterstützung seiner Mutter): “(Dann wird man) dick und dumm.” Als sich dieses Spielchen letztens bei uns zutrug, prustete unsere Älteste heraus: “Das stimmt doch gar nicht!” Woraufhin ihre Schwester und ihr Kleiner ganz schön bedröppelt aus der Wäsche schauten. Dabei war der Einwand durchaus berechtigt. Wissenschaftler haben nämlich herausgefunden, dass Heißhunger auf Schleckereien biologisch bedingt ist. “Wir wissen, dass die Vorliebe für Süßes mit dem körperlichen Wachstum einhergeht”, sagen die Forscher der “University of Washington”, die eine entsprechende Untersuchung durchgeführt haben. Jetzt wollen sie den Wachstumsfaktor identifizieren, der dem Gehirn signalisiert, die Vorlieben anzupassen. Was soll ich sagen? Lasst die Kinder ruhig naschen.
Erziehungs-Déjà-vu
Sisyphos hatte es vergleichsweise einfach. Wenn ich mir meine beiden Kinder anschaue und sehe, wie sie versuchen, ihre Kleinen zu erziehen, dann tun sie mir manchmal schon leid. Vor allem beim Essen erscheinen die Erziehungsversuche zuweilen wie “The NeverEnding Story”. Da wechseln sich in konstanter Regelmäßigkeit Ermahnungen der Art “Hand auf den Tisch”, “Gerade sitzen”, “Serviette auf den Schoß”, “Mit geschlossenem Mund essen”, “Nicht schlürfen” oder “Nicht das Messer ablecken” ab und wiederholen sich in immer neuen Reihenfolgen. Aber irgendwie habe ich dabei immer das Gefühl, ein Déjà-vu zu haben. Wenn ich dann das Lächeln von Oma sehe, weiß ich wieder, an was sich mein Unterbewusstsein erinnert. Als unsere beiden Töchter klein waren, war es auch nicht anders. Was soll ich sagen? Heute können die Beiden formvollendet essen.
“Also, ich habe gehört …”
Unser ältester Enkel fühlt sich langsam erwachsen. Jedenfalls gibt er sich seit geraumer Zeit entsprechend. Denn wenn wir so in der Familie zusammensitzen und uns unterhalten, dann verspürt er offenbar den unwiderstehlichen Drang, sich an der Konversation zu beteiligen. Zu Beginn hat er einfach drauflosgebrabbelt und dazwischengeredet. Das wiederum fand seine Mutter gar nicht gut und hat ihm erklärt, dass es so etwas wie Spielregeln auch bei Gesprächen gibt. Das hat er schnell begriffen und geht nunmehr ausgesprochen charmant, aber doch bestimmt mit der Frage dazwischen: “Darf ich jetzt auch was sagen?” Das zieht in den meisten Fällen. Wenn er dann – für ihn offenbar ziemlich überraschend – das Wort erhält, heißt es nach einer kurzen Schrecksekunde: “Also, ich habe gehört …” Dann fällt ihm aber zuweilen doch nichts Spannendes ein und er verzichtet auf seinen anvisierten Beitrag. Was soll ich sagen? Das sollten manche Erwachsene hin und wieder auch mal tun.
Geburtstag des Osterhasen?
Nein, Ostern ist nicht der Geburtstag des Osterhasen. Auch wenn bei den obligatorischen Umfragen zu den verschiedenen christlichen Festen und Feiertagen in konstanter Regelmäßigkeit die abenteuerlichsten Antworten herauskommen, werden diese Aussagen durch permanente Wiederholung nicht richtig. In dieser Woche verhält es sich vielmehr so: Die “Kar”-Woche leitet sich ab von dem Wort “Kara”, das im Althochdeutschen Klage, Kummer oder Trauer bedeutet. Die Woche beginnt mit dem “Palmsonntag”, dem Tag, an dem Jesus begeistert und mit Palmen in Jerusalem empfangen wurde. Am Donnerstag, dem “Gründonnerstag” gedenken die Christen des letzten Abendmahls, das Jesus und seine Jünger hielten. Am “Karfreitag” wird der Kreuzigung gedacht, der “Karsamstag” ist der eigentliche Trauertag, bevor Ostern, am “Ostersonntag” und “Ostermontag”, die Auferstehung Christi im Mittelpunkt der Feierlichkeiten steht. Das ist in aller gebotenen Kürze das, worum es in der Karwoche und an Ostern geht. Nachlesen bzw. nachhören kann man das alles und vieles mehr im Hausbuch bzw. auf der Erlebnis-CD des Bonifatiuswerkes mit dem Titel “Wir entdecken das Ostergeheimnis”. An der CD haben so Prominente wie Nina Ruge, Jutta Speidel und Christine Urspruch sowie Michael Mendl und Matthias Habich mitgewirkt und damit diese speziell für Kinder produzierten Werke über die Medien populär gemacht. Was soll ich sagen? Ausgesprochen lobenswert und: Schnell noch bestellen, zumal mir das Bonifatiuswerk versprochen hat, Bestellungen, die heute bis 14.00 Uhr eingehen, am selben Tag zu bearbeiten und auf die Post zu geben, so dass, so – in diesem Fall – die Post will, die Sendungen noch vor Ostern ankommen sollten.