Sieben Jahre länger

Oma hatte mir vor geraumer Zeit einmal erzählt, dass positiv gestimmte Senioren nicht so schnell krank würden. Darauf hätten die Politiker Jens Spahn (CDU) und Daniel Bahr (FDP) hingewiesen. Das wollte ich jetzt genauer wissen und recherchierte. Doch leider kam ich selbst bei Google nicht weiter. Irgendwie schien die Nachricht im Internet abhanden gekommen zu sein. Doch dann stieß ich auf eine Untersuchung, die allerdings schon aus dem Jahr 2009 stammt. Forscher der Universität Yale hatten in einer Langzeitstudie 660 Menschen ab 50 Jahren untersucht und dabei festgestellt, dass eine positive Einstellung zum Alter das Leben verlängert. Personen, die sich trotz ihres fortgeschrittenen Alters glücklich, gebraucht und vital fühlten, würden im Schnitt sieben Jahre länger leben, als diejenigen, die im Alter nur Nachteile sehen. Was soll ich sagen? Dann wird es, so Gott will, Oma und Opa so um die sieben Jahre länger geben, und Opas Blog auch.

Da war Opa einmal sprachlos

Neulich habe ich etwas gesehen, da war ich wirklich sprachlos. Und das will bei Opa schon etwas heißen. Ich kam gerade aus dem Supermarkt, als ein Auto auf einer immerhin ziemlich befahrenen Hauptstraße wendete, und das nicht einmal besonders geschickt, sondern ausgesprochen umständlich. Das Ganze geschah so gegen 18.00 Uhr – also im ohnehin immer stressiger werdenden Berufsverkehr. Das an sich war ja schon ein starkes Stück. Aber was ich dann sah, setzte dem Ganzen die Krone auf. Auf seinem Schoß saß ein kleines Kind, sicher nicht älter als ein Jahr. Ich traute meinen Augen nicht, aber es war wahr. Ich war so konsterniert, dass ich mir nicht einmal das Kennzeichen gemerkt habe. Denn anzeigen hätte man den Mann eigentlich schon müssen. Wobei, geholfen hätte es vermutlich auch nichts. Denn, zumindest nach Ansicht des ADAC, sind das größte Risiko für Kinder im Auto die Eltern, weil sie den Nachwuchs falsch angurten – oder gar nicht. Was soll ich sagen? Ein einfaches Beispiel: Wenn man mit Tempo 50 einen Auffahrunfall hat, wird ein nicht angeschnalltes Kind mit dem bis zu 25-Fachen des eigenen Körpergewichts nach vorne geschleudert. Das entspricht einem Sturz aus dem vierten Stock. Und dann werden Kinder nicht richtig oder gar nicht angeschnallt? Unglaublich!

“Oma, bitte hilf’ mir”

Unser zweijähriger Enkel liebt Eier. Und das in fast jeder Art der Zubereitung. Favorit Nummer eins ist aber ganz eindeutig das Drei-Minuten-Frühstücksei. Das kann er auch schon ganz alleine essen, ohne jede Hilfe. Voraussetzung ist allerdings, dass das Ei auch drei Minuten gekocht hat. Wenn aber, was ja schon mal vorkommen kann, aus den drei Minuten vier oder fünf geworden sind, ist das mit dem selbständigen Essens so eine Sache. Da kann es durchaus unüberwindbare Schwierigkeiten geben, an das Gelbe vom Ei heranzukommen. Bei einer seiner jüngsten Visiten war es denn auch so, dass Oma die Eier ein wenig zu lange im Topf gelassen hatte und sie doch recht hart geworden waren. Für sie war das nicht so schlimm, sie mag sie sowieso lieber etwas zu hart als zu weich. Der Kleine aber hatte seine liebe Not. Irgendwie wollte das Ei nicht auf den Löffel. Voller Verzweiflung wanderte sein Blick rund um den Tisch, ob nicht vielleicht einer der Erwachsenen etwas von seiner Notlage mitbekommen hatte. Aber nein. Alle waren in Gespräche vertieft. Da nahm er Oma ins Visier und setzte einen Blick auf, der, ohne auch nur ein Wort zu sagen, über den Tisch flehte: “Oma, bitte hilf’ mir.” Was soll ich sagen? Omas müssen eine telepathische Antenne haben. Die Unsere jedenfalls reagierte sofort.

 

Rollenspiel “Vater und Mutter”

Bestimmen spielt bei Kindern offensichtlich eine ganz große Rolle, egal in welchem Alter. Darauf hatte ich schon unter “Solange du deine Füße …” hingewiesen und dazu eine Begebenheit aus dem Leben meiner ältesten Tochter und ihres Sohnes erzählt. Sie selbst war in jungen Jahren übrigens auch ganz erpicht darauf, zu bestimmen. Beim Rollenspiel “Vater und Mutter” mit ihrem besten Freund machte sich das dann so bemerkbar: Ihr Freund wollte ihr in der Küche helfen, ganz nach dem Vorbild seines Vaters, der schon damals gerne kochte. Das wiederum fand unsere Tochter gar nicht gut. Sie wollte vielmehr, ganz nach dem Vorbild ihres Vaters, dass der Junge sich hinsetzt und Zeitung liest. Was soll ich sagen? Das war damals halt so bei uns. Und alle waren glücklich dabei. Aber die Zeiten haben sich geändert. Heute helfe ich selbstverständlich im Haushalt. Die Küche ist mittlerweile sogar mehr meine Domäne als die von Oma. In Opas Kochbuch gibt’s dazu ein paar Kostproben. Oma genießt es.

Opa ante Portas?

Opas Zeilen in diesem Blog erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Das macht sich auf der einen Seite durch konstant steigende Zugriffszahlen bemerkbar. Auf der anderen Seite erhalte ich immer neue Anregungen meiner Leser, wie ich meine Texte weiter verwerten soll. Ein Vorschlag beispielsweise lautete: Lesungen halten. Da musste ich – zumindest innerlich – herzhaft lachen. Denn wenn ich an Lesungen nur denke, fällt mir sofort eine der wohl bekanntesten Lesungen der Filmgeschichte ein: “Melusine! Kraweel, Kraweel! Taubtrüber Ginst am Musenhain! Trübtauber Hain am Musenginst! Kraweel, Kraweel!” Da vergießt Oma vor Lachen auch heute noch immer wieder viele Tränen. Dabei reicht es schon, wenn sie nur hört, wie sensationell Loriot die Rolle des Lothar Frohwein ausfüllt. Was soll ich sagen? Bei mir würde die ganze Sache bereits an der fehlenden Lederjacke scheitern, die in besagter Szene von “Pappa ante Portas” so wunderbar knarzt. Das lispelnde “s” würde ich ja vielleicht noch hinkriegen. Was denn Schluckauf betrifft, … ach lassen wir das.

Lang lebe d(ies)er König

Die Niederlande haben einen neuen König. Selbst für eingefleischte Demokraten und überzeugte Republikaner hatte die Amtseinführung von Willem-Alexander etwas Bewegendes. Da ging im Hause Oranje würdevoll ein Generationswechsel vonstatten, der vielen Familien als Vorbild dienen könnte. Die in alle Welt übertragenen Fernsehbilder haben eine sichtbar erleichterte Oma, eine auf ihren Mann merklich stolze Ehefrau sowie einen auf das Wohl seiner Kinder bedachten Vater und an seine Mutter respektvoll denkenden Sohn gezeigt. Um es noch präziser zu sagen: Beatrix, die nach 33 Jahren Regentschaft die Bürde ihres Amtes abgelegt hatte, kümmerte sich liebevoll um ihre Enkeltöchter. Máxima, immerhin jetzt Königin im Oranje-Reich, strahlte den Stolz einer liebenden Ehefrau aus. Und Willem-Alexander, der nunmehr die Nummer 1 seines Landes ist, hatte schon vorher kundgetan, seine Kinder, insbesondere seine älteste Tochter Kronprinzessin Amalia, soweit überhaupt machbar, vor der neugierigen (Medien-)Öffent-lichkeit zu schützen und ihnen eine normale Jugend zu ermöglichen. Dass er zudem noch in diesem wohl wichtigsten Moment seines Lebens auch die Verdienste von Beatrix sowohl als Königin als auch als Mutter in seiner Antrittsrede anerkennend ansprach, war bemerkenswert und bescherte ihr noch einmal eine große Bühne. Auch bei uns in der Familie war dieses Ereignis Thema. “Warum geht die alte (Königin)”, wollte unser Ältester im Vorfeld wissen. Was soll ich sagen? Weil sie offenbar ein besseres Gespür für den richtigen Moment hat(te) als ihre Kollegin in London. So heißt es eben zunächst einmal nur bei unseren Nachbarn: Lang lebe d(ies)er König.

Jesus weinte

Es vergeht kaum noch ein Tag, an dem nicht eine Meldung oder ein Bericht über Kindesmisshandlungen, sexuellen Missbrauch oder Vernachlässigung die Öffentlichkeit schockiert. Der Aufschrei ist zwar laut, aber in den allermeisten Fällen ebenso schnell wieder verhallt, wie er gekommen ist. Wenn man sich die statistischen Zahlen ansieht, kann einem schlecht werden: Jährlich rund 300.000 Fälle von sexuellem Missbrauch, 1,42 Millionen misshandelte Kinder, Vernachlässigungen noch nicht einmal mitgezählt. Angesichts dessen fragt man sich, warum es nur in Berlin ein spezielles Kommissariat (Landeskriminalamt 125) für derartige Fälle gibt. Der Runde Tisch “Sexueller Missbrauch”, den die Bundesregierung eingerichtet hat, ist – und da braucht man nicht einmal besonders kritisch zu sein – das Papier nicht wert, auf dem die jeweiligen Sitzungen protokolliert wurden. Bleiben noch private Initiativen wie “Kinderschreie“, “gegen-Missbrauch” oder “Finger weg von unseren Kindern“, um nur einige wenige zu nennen. Aber all das wirkt vor dem Hintergrund der kaum zu glaubenden Lebenswirklichkeit wie der besagte Tropfen auf dem heißen Stein. Was soll ich sagen? Da fällt mir nur der kürzeste Satz aus Bibel ein: “Jesu weinte.” (Johannes 11,35)

 Finger weg  Grafik: Finger weg von unseren Kindern

“Opa, pup mal!”

Unser jüngster Enkel ist mittlerweile soweit, dass man sich mit ihm schon richtig gut unterhalten kann. Das gilt sowohl für Deutsch als auch für die Sprache, die Oma immer mit ihm spricht (Siehe “Nein, so spricht nur Oma”.) Einen kleinen Haken hat die Sache allerdings noch. Der kleine Mann mit seinen gut zwei Jahren hat zuweilen gewisse Probleme mit den Buchstaben “k” und “ck”. Wenn man das weiß, ist das nicht weiter schlimm. Dann versteht man ihn trotzdem. Die erste Zeit jedoch schauten sich Oma und Opa manchmal Schulter zuckend an und verstanden nur Bahnhof. Oder schämten sich auch in Grund und Boden, wenn die Konversation in aller Öffentlichkeit und so laut geführt wurde, dass sie jeder verstehen konnte. Wie würden Sie sich wohl fühlen, wenn Ihr Enkel Sie vor lauter Begeisterung laut und deutlich auffordern würde: “Opa, pup’ mal!” Was soll ich sagen? Bei “Pa-pe, Pa-pe – …” hat er natürlich keine Probleme.

Nunmehr ein ganz Großer

Es gibt bei der Entwicklung von Kindern Schritte, die sind gewaltig. Bei unserem ältesten Enkel hat es jetzt so einen Meilenstein gegeben. Unsere Tochter rief uns an und berichtete, dass ihr Mann und sie für den Kleinen das erste (richtige) Fahrrad gekauft hätten – ohne Stützräder. Da unser Enkel mit seinem Laufrad beste Erfahrungen gemacht hatte, bestieg er laut unserer Tochter ohne Zögern das neue Fortbewegungsmittel und düste los. Das konnte natürlich nicht sofort zu einhundert Prozent gutgehen. Die eine oder andere Bruchlandung soll es gegeben haben. Aber Dank eines Helmes und dicker Kleidung hielten sich die Blessuren offensichtlich in Grenzen, so dass unser kleiner Mann nach einigen Versuchen nunmehr zu den ganz Großen gehört. Was soll ich sagen? Da wären Oma und ich auch gerne dabei gewesen. So bleibt uns vorerst nur die Erinnerung an unsere Töchter, als diese das erste Mal ganz alleine mit ihren Fahrrädern gefahren sind. Aber ganz so lange wird es wohl nicht dauern, bis unser Großer uns sein neues Können demonstriert.

Ka-cke, Ka-cke – Schei-ße

Unsere Enkelkinder sind bereits recht gut erzogen. Zumindest wissen sie vom Grundsatz her schon, was sich gehört und was nicht. Das heißt allerdings nicht, dass man vor Peinlichkeiten der besonderen Art gänzlich verschont bliebe. Doch davon wird ein anderes Mal noch die Rede sein. Hier soll es jetzt um den immer wiederkehrenden Versuch unserer beiden Enkel gehen, ihre Grenzen auszutesten. Das funktioniert natürlich immer dann besonders gut, wenn die “Nicht”-Wörter ausgepackt werden. Unser jüngster Enkel macht sich regelmäßig einen riesigen Spaß daraus, singend durch die Gegend zu hüpfen, was sich in etwa so anhört:”Ka-cke, Ka-cke.” Wenn dann Mama, Papa, Oma oder Opa sagen: “Nicht!”, fokussiert der kleine Mann seine blitzenden Augen, lächelt verschmitzt und strahlt übers ganze Gesicht. Dann öffnet sich der kleine Mund und es kommt das, was man am wenigsten hören möchte: “Schei-ße.” Was soll ich sagen? Besser lässt sich die Tagesform der Erziehungsberechtigten wirklich nicht testen.