Was können Eltern ihren Kindern doch antun. Auch bei der Auswahl von Vornamen mag man manchmal gar nicht glauben, was Mama und Papa so alles in den Sinn kommt. “Die Eltern wählen alles Mögliche», kann es selbst der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Standesbeamten, Jürgen Rast, nicht fassen. Sexmus Ronny, Don Armani Karl-Heinz und Camino Santiago Freigeist ließ beispielsweise das Standesamt Hamburg-Nord durchgehen, Desperado dagegen nicht. Pepper, Madison, Brooklyn, Pumuckl, Tarzan, Winnetou oder Schneewittchen sind landesweit wiederum kein Problem, selbst Sunil und Lenor erstrahlen mittlerweile salonfähig. Manchmal ist die Linie für die Namenseintragung aber auch schwierig nachzuvollziehen: Kirsche beispielsweise steht auf dem Index, Apple und Peaches gehen schon. Köln ist tabu, Colonia nicht. Porsche muss auf der Straße bleiben, Mercedes darf zum Vornamen avancieren. Brandy geht, Whisky nicht. Experten warnen eindringlich vor exotischen Vornamen, weil die Kinder ständig gehänselt würden. Was soll ich sagen? Eigentlich fällt mir dazu nichts ein. Gott sei Dank nur, dass Waldmeister, Joghurt, Crazy Horse und Borussia derzeit absolut chancenlos sind.
Archiv des Monats: April 2013
Prachtstück alter Technik
Unser Trauerfall, der schon unter der Überschrift “Der Kreis des Lebens” Thema war, beschäftigt uns zwangsläufig immer noch. Vor allem die Auflösung der Wohnung von Uri braucht seine Zeit. Dabei hätte meine Mutter ihre wahre Freude gehabt, wie viele von ihren Sachen auch bei ihren Enkeln untergekommen sind und Verwendung finden. Es gibt aber natürlich auch Dinge, bei denen erübrigt sich jede Diskussion, ob man sie auf den Weg alles Irdischen gibt. Dazu gehörte ganz sicher der Fernseher meiner Mutter, der zwar nicht ganz so alt war wie sie, aber für derartige Geräte doch schon sehr betagt. Jedenfalls besaß er noch eine Bildröhre und wog – gefühlt – mehrere Tonnen. Für alle diejenigen, die nicht mehr wissen, was eine Bildröhre ist, hier der Link zu Wikipedia. Um es an dieser Stelle aber kurz zu machen: Wir haben dieses Prachtstück alter Technik in einem der örtlichen Recyclinghöfe ordnungsgemäß entsorgt. Das hätten wir nach Ansicht unseres ältesten Enkels aber nicht tun sollen. “Den hätte ich gerne für mein Zimmer gehabt”, erklärte er seiner Mutter, die ihn offensichtlich ziemlich überrascht anschaute. “Opa hat mich überhaupt nicht gefragt”, legte er noch kurz und trocken nach. Was soll ich sagen? Er wäre so oder so enttäuscht worden. Unsere Töchter haben vor dem 18. Lebensjahr auch keinen Fernseher auf ihr Zimmer bekommen.
Des anderen Opas iPad
Gehören Sie zu den Menschen, die millionenfach diesen Film auf Youtube oder sonst wo angeklickt haben? Wenn nicht, muss erst einmal die Beschreibung reichen. Also: Tochter und Vater stehen in der Küche. Sie schneidet im Vordergrund Kartoffeln in einen Topf. Er hackt im Hintergrund offenbar Kräuter. Dabei entwickelt sich folgender Dialog. “Sag mal Papa, ich hab’ dich noch gar nicht gefragt: Wie kommst du eigentlich mit dem neuen iPad zurecht, das wir Dir zum Geburtstag geschenkt haben?” – “Gut.” – “Und mit den ganzen Apps kommst Du klar?” – “Was denn für Apps? Geh’ mal ein Stück zur Seite.” Als der Vater an den Topf will, macht die Tochter bereitwillig Platz. Der Vater, der aufgrund seines Alters ganz sicher Opa ist, hält sein Schneidebrett über den Topf und streicht unter den entsetzten Blicken seiner Tochter die Kräuter in den Topf, klopft mehrfach mit dem Messer auf das Brett, geht zur Spüle, hält das Teil von beiden Seiten unter Wasser und stellt es in die Spülmaschine. Spätestens an dieser Stelle ist auch dem letzten Betrachter klar geworden, dass das gerade kein Schneidebrett, sondern ein iPad war. Den mittlerweile völlig entgeisterten Blick seiner Tochter quittiert er im wahrsten Sinne des Wortes harm- und arglos mit der Frage: “Was ist?” Was soll ich sagen? Der Sketch von Martina Hill als Knallerfrau ist klasse. Aber so doof sind wir Opas dann doch nicht.
Ein Tag offline
Es war schrecklich. Heute konnte ich bis zum Abend nicht auf meinen Blog zugreifen. Da wird einem erst einmal wieder bewusst, wie abhängig wir mittlerweile von der Technik (geworden) sind. Diejenigen, die mit mir über Facebook oder Twitter verbunden sind, habe ich ja kontinuierlich informieren können. Die anderen aber werden sich sicher gefragt haben: Warum gibt es heute von Opa nichts Neues. Nun bin ich wieder online. Was soll ich sagen? Ein Tag offline ist schlimmer als ein Tag Krankenhaus. Dort bin ich nämlich – was Computer und Kommunikation betrifft – immer ziemlich schnell arbeitsfähig und mit der Welt verbunden.
PS: Den ursprünglich geplanten Beitrag gibt es natürlich trotzdem.
Solange du deine Füße …
Jeder kann sich vermutlich an diesen blöden Spruch seiner Eltern erinnern, den man eigentlich nie hören wollte: “Solange du deine Füße unter meinen Tisch stellst …” Weil meine Töchter diesen Spruch auch nicht hören konnten, vermeiden sie ihn heute, verwenden ihn dann allerdings doch, wenn auch leicht abgewandelt: “Das ist unsere Wohnung, da dürfen wir bestimmen”, heißt das dann und bedeutet letztlich nichts anderes. Aber bitte. Bestimmen spielt bei Kindern offensichtlich eine ganz große Rolle, egal in welchem Alter. In dieser wohl in jeder Generation stattfindenden Auseinandersetzung haben jetzt meine älteste Tochter und ihr Mann eine herbe Niederlage einstecken müssen. Auf eben den oben zitierten, abgewandelten Satz konterte ihr Filius ganz trocken: “Ich habe das ganze Haus gekauft.” Die ziemlich verdutzten Eltern wollten nun wissen: “Ja, wo denn?” Sie werden es jetzt nicht glauben, aber die Antwort lautete: “Bei Rei(s)chelt.” Was soll ich sagen? Das passt zu der Berliner Supermarktkette, wie die Faust aufs Auge. Lautet doch der aktueller Slogan des Lebensmittelhändlers: Reichelt – ein Stück Berlin! Ein starkes, möchte man da hinzufügen.
Opas Blog auf Platz 20
Es ist unglaublich, aber wahr: Opas Blog hat es in nur zwei Monaten geschafft, über 15.000 Besuche und über 45.000 Seitenzugriffe zu erzielen und sowie beim SeitTest-Website-Ranking auf Platz 20 der TOP-100 der besten deutschen Blogs und auf Platz 60 der TOP-100 der besten Webseiten über alle Themen zu kommen. SeitTest analysiert und bewertet Webseiten, wie ein Mensch es tun würde: Inhalt, Qualität und Usability zählen mehr als Backlinks und Keyword Densitiy. Bei diesem Test erhielt Opas Blog die Note “sehr gut”. Das ist eine sehr schöne Anerkennung für die viele Arbeit, die in diesem Blog steckt. Was soll ich sagen? Gleichzeitig ist es aber auch Ansporn dafür, so wie bisher weiterzumachen. Denn es ist schon eine große Herausforderung, jeden Tag einen Beitrag zu Posten und dabei ein hohes Niveau zu halten. Also versprochen, Opa bleibt dran.
Der Kreis des Lebens
Leider hatten wir einen Trauerfall in der Familie. Uri, also meine Mutter, meiner Kinder Omi und eben meiner Enkel Uri, ist im Alter von 92 Jahren verstorben. Das ist der Lauf der Dinge, der Kreis des Lebens. Während wir Erwachsenen trauern, haben Kinder eine ganz eigene, pragmatische Sicht auf die Dinge. “Stirbt Opa auch?”, wollte unser ältester Enkel von seiner Mutter vor dem Hintergrund der traurigen Ereignisse wissen. “Na ja”, erwiderte sie etwas unsicher, “wenn er alt ist.” Da dachte der kleine Mann einen Moment nach und schlussfolgerte messerscharf: “Dann stirbt Opa bald.” “Wieso das denn?”, wollte seine Mutter nun wiederum wissen. “Opa sagt doch immer, er ist alt. Und du sagst auch immer: Steh’ auf Alter”, legte er seine Gedankenwelt dar, die, nur nebenbei bemerkt, wieder einmal nachdrücklich unterstreicht, wie vorsichtig man mit – wenn auch nur ironisch gemeinten – Aussagen in Gegenwart von Kindern sein muss. Als meine Tochter nun versuchte, den konsequenten Gedankengang ihres Sohnes ein wenig zu durchbrechen, und ergänzte, dass Uri ja ganz schwer krank gewesen sei, begann der Dreikäsehoch ganz fürchterlich zu husten. “Ich sterbe auch bald”, lautete der begleitende Kommentar, dem seine Mutter mit dem energischen Hinweis auf “alt und krank” zu begegnen versuchte. Was soll ich sagen? Irgendwie muss sich meine Tochter an das erinnert haben, was Oma ihren Kindern immer zugesichert hat: “Mama stirbt nicht.” Auf jeden Fall war der Kleine erst einmal zufrieden, als die für ihn erlösenden Worte im Raum standen: “Mama und Papa sterben nicht.”
Generationenvielfalt at its best
Meine Töchter werden mir irgendwann einmal dankbar sein. All die kleinen und großen Geschichten, die ich hier in Bezug auf ihre Kinder bzw. meine Enkel aufschreibe und kommentiere, werden später wie ein Tagebuch wirken. In einigen Jahren werden die Beiden vieles vergessen haben, was ihre Kinder gesagt oder getan haben. Der Alltag frisst eben die Gegenwart auf. Und so werden die Inhalte dieses Blogs mehr noch sein als ein Tagebuch: Ein Kaleidoskop mit den Höhepunkte und prägnantesten Erlebnissen – eingebettet in die Zeit, in der sie sich ereignet haben. Und Oma hat noch ein weiteres Schmankerl beizusteuern. Sie hat in jungen Jahren, den einen oder andern Klops unserer Kinder festgehalten und aufgeschrieben. Diese Aufzeichnungen hat sie nun wiedergefunden, so dass wir sie künftig in diesem Blog mit einarbeiten können. Was soll ich sagen? Das ist Generationenvielfalt at its best.
Omas und Opas geben Milliarden
Großeltern unterstützen ihre Enkelkinder finanziell, übernehmen Aufsichtspflichten, begleiten deren Heranwachsen und sind gerne für sie da. In Zahlen ausgedrückt sieht dies so aus: Omas und Opas greifen ihren Enkelkindern jährlich mit 30 bis 35 Milliarden Euro unter die Arme. Die (Betreuungs-)Zeit, die sie mit ihren Enkeln verbringen, liegt bei geschätzten 2,7 Milliarden Stunden – vermutlich mit steigender Tendenz. Allerdings findet der Beitrag der Großeltern zur Generationensolidarität in öffentlichen Debatten bisher wenig Aufmerksamkeit und öffentliche Würdigung, sagt der Kreisseniorenrat Tübingen und will dies ändern. Um das Anliegen auf eine möglichst breite Basis zu stellen, bemüht sich der Kreisseniorenrat darum, Verbündete aus dem Kreis der Familienarbeit und Familienpolitik zu gewinnen. “Letztlich gilt es ganz allgemein, den Beitrag von Großeltern zur Generationensolidarität ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und überhaupt Seniorenarbeit auch als Teil von Familienarbeit und umfassender Generationenarbeit zu verstehen”, heißt es in einer Erklärung. Was soll ich sagen? Recht hat der Kreisseniorenrat und Opas Blog ganz eng an seiner Seite.
Es ist eine Schande
Eigentlich wollte ich mich einem ganz anderen Thema widmen. Aber die Bertelsmann Stiftung hat eine Studie veröffentlicht, deren Ergebnis zusammengefasst lautet: Die Gesellschaften der meisten OECD-Staaten leben ihren Wohlstand und Reichtum in erheblichem Maße auf Kosten ihrer Kinder und der nachfolgenden Generationen. Eigentlich ist das die Antwort auf die Frage nach dem Warum zum (deutschen) Ergebnis der jüngsten UNICEF-Studie zur Lage der Kinder in den Industrienationen, die ich unter dem Titel “Was gibt es Wichtigeres?” beschrieben habe und die feststellt: Den Kindern geht es zwar besser, aber sie sind unglücklich. Wenn ich mir überlege, dass laut Bertelsmann-Studie jeder meiner Enkel aktuell bereits mit einem Betrag von 192.000 Euro an der deutschen Staatsverschuldung beteiligt ist, wundere ich mich nicht über den von UNICEF festgestellten Pessimismus der Kinder und Jugendlichen in Deutschland. Die Bertelsmänner bringen es auf den Punkt: “Staatsschulden pro Kind sind ein wichtiger Indikator für die zukünftigen Belastungen der arbeitenden Generationen. Dabei besteht die Gefahr, dass die Belastungen durch weiter steigende Verschuldung und höhere Zinsen bei einer gleichzeitig schrumpfenden Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter noch zunehmen werden.” Was soll ich sagen? Es ist eine Schande. Unsere Kinder und Enkel werden uns zu Recht Vorwürfe machen.
