Wieder nach Hause, nach Berlin

Es gibt Geschichten, die sind so unglaublich, dass man zuweilen denkt: Das gibt’s doch gar nicht! Wer hat sich das nur ausgedacht? Meistens sind das dann aber Geschichten, die tatsächlich und genau so passiert sind. Genau so verhält es sich mit der Berliner Friedensuhr, die am 9. November 1989 entstanden ist. An diesem Tag präsentierte der Juwelier Jens Lorenz eine von ihm entworfene Uhr, die mit ihrem Uhrwerk aus einem westfälischen Benediktiner-Kloster fast drei Meter hoch und 2,5 Tonnen schwer ist. Die Uhr trägt die Inschrift „Zeit sprengt alle Mauern“ und sollte damit ursprünglich ein Zeichen der Hoffnung auf die endliche Überwindung der Teilung der Welt in “Ost” und “West” sein. Mitten in die Präsentation der Uhr platzte die Nachricht vom Fall der Berliner Mauer und machte sie damit zur Zeitzeugin ihres eigenen Anliegens. Seitdem haben Persönlichkeiten wie Helmut Kohl, Michail Gorbatschow und Ronald Reagan, George Bush sen. oder Papst Johannes Paul II. und Mutter Teresa für ihre Verdienste eine Replik der Uhr erhalten. Seit 2003 wird die Uhr als Friedenspreis vom Berliner Komitee für UNESCO-Arbeit als Friedenspreis verliehen. Im 25. Jahr ihres Bestehens ist die Berliner Friedensuhr nun an Ulrike Poppe und die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen verliehen worden. „Die heutige brandenburgische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur steht wie kaum ein anderes Mitglied der Friedens- und Bürgerrechtsbewegung der ehemaligen DDR dafür, wie man gewaltfrei Mauern niederreißt“, heißt es in der Begründung des Kuratoriums. Dabei habe sie sich auch durch schlimmste Repressalien nicht von ihrem friedlichen Weg abbringen lassen. „Die Gedenkstätte Hohenschönhausen, die zu DDR-Zeiten die zentrale Untersuchungshaftanstalt der DDR war und in der Ulrike Poppe selbst inhaftiert wurde, überwindet durch ihre tägliche Arbeit gleichsam die früheren Gefängnismauern, hinter denen die Menschenrechte mit Füßen getreten wurden, und reißt sie nachträglich nieder und rehabilitiert die Opfer“, so das Kuratorium weiter. Was soll ich sagen? Es war eine gute Entscheidung, nach der Internationalität der vergangenen Jahre in diesem Jubiläumsjahr mit der gemeinschaftlichen Preisvergabe sozusagen wieder nach Hause, nach Berlin zu kommen. Schon die alten Chinesen wussten: Willst du die Welt verändern, gehe dreimal durch dein eigenes Haus.

Berliner FriedensuhrDas Original: Die Berliner Friedensuhr, die in der Stunde ihrer “Geburt” am 9. November 1989 mit dem Fall der Berliner Mauer Zeitzeugin ihres eigenen Anliegens wurde.

Sonnenkönig oder Schmalhans?

Berlins noch Regierender Bürgermeister hatte schon immer einen ganz besonderen Humor. Zuweilen dürfte Klaus Wowereit aber wohl der Einzige gewesen sein, der so richtig über seine Witze hat lachen können. Zu dieser Kategorie gehört vermutlich auch der Spruch, den er jetzt im Bundesrat sozusagen als Abschiedsgeschenk zum Besten gab: „Vielen Dank an meine Sponsoren, Herrn Seehofer, Herrn Bouffier und Herrn Kretschmann.“ Denn dass die Ministerpräsidenten der Geberländer, die dem klammen Berlin finanziell unter die Arme greifen müssen, das wirklich lustig fanden, darf bezweifelt werden. Allerdings könnte es sein, dass Wowereit das Lachen im Halse stecken bleibt. Denn es mehren sich die Stimmen, die die Essen, die Wowereit für aktuelle und ehemalige Kabinettsmitglieder sowie Journalisten auf Kosten des Steuerzahlers gegeben hat, nicht mehr zeitgemäß finden. Denn während sich Wowereit mit seinen Gästen von einem Starkoch verwöhnen ließ, fehlt es in Berlin wegen Geldmangel in Kitas und Schulen am Nötigsten, verrotten die Straßen, bleiben notwendige Zukunftsinvestitionen aus und wird an allen Ecken und Ende gespart, dass es mittlerweile mehr als quietscht. Da verwundert es zumindest ein wenig, dass der Senatssprecher auf Anfrage von Opas Blog zunächst nicht wissen will, was der ganze Spaß gekostet hat, weil „die Rechnung noch nicht da“ sei. Später dann schätzt er die Kosten pro Person auf 50 bis 100 Euro, schließlich habe ja der Regierende Bürgermeister eingeladen, was im übrigen ein ganz normaler protokollarischer Vorgang sei. Vermutlich wegen dieser Begründung ordnet der Sprecher die Kosten erst einmal dem Protokolletat zu, um sich später zu korrigieren: „Das wird aus dem persönlichen Repräsentationsfonds des Regierenden bezahlt.“ Der beläuft sich, wenn Opa den Jahreshaushalt richtig gelesen hat, für das Jahr 2014 auf 5.000 Euro, was wiederum die Frage aufwirft, ob das Geld dafür überhaupt reicht, wenn insgesamt rund 75 Personen auf den Einladungslisten standen. Da das Essen ja wohl eher als Abschiedsgeste, also mehr oder weniger als Geschenk gedacht war und weniger als Maßnahme zur Pflege der Arbeitsatmosphäre – Wowereit wird ab 11. Dezember ja nicht mehr im Amt sein – können die Gäste ihrerseits nur hoffen, dass das Finanzamt die Einladung steuerlich als für sie unschädliches Geschäftsessen einordnet und nicht als geldwerten Vorteil, den sie zu versteuern hätten. Dies ist bei Geschenken ab 35 Euro nämlich der Fall. Was soll ich sagen? Sonnenkönig war Anfang des 18. Jahrhunderts. Heute und vor allem in Berlin sollte – trotz aller Sterneköche – eher Schmalhans Küchenmeister sein.

Beruhigt und besorgt zugleich

Opa ist beruhigt und besorgt zugleich: Nachdem Oma und Opa kaum noch Vögel in ihrem Garten in Lichterfelde zu Gesicht bekommen und eine Bekannte von Oma etwas von einer witterungsbedingt ausgebliebenen zweiten Brut erzählt, wollte Opa das genauer wissen und hat beim Wildtiertelefon in Berlin nachgefragt, das vom Berliner NABU betrieben wird. Und Katrin Koch, die sich dort meldet, hat erst einmal vorsichtig Entwarnung gegeben: “In dieser Jahreszeit ziehen sich die Vögel gerne still und leise in deckungsreichere Gebiete zurück, vor allem dorthin, wo es immergrüne Pflanzen gibt.” Doch dann zählt die Naturschützerin einige Faktoren auf, die dann doch Anlass zur Sorge geben. Zunächst einmal spricht sie von einem “dramatischen Bestandsrückgang” und “hohen Verlustraten” bei einigen Vogelarten. Als einen Grund nennt sie neben Waschbären vor allem freilaufende Katzen, die ein “enormer Störfaktor” und für “verheerende Auswirkungen” verantwortlich seien. Aber auch die Menschen, nicht zuletzt die Bezirke, setzten den Vögeln schwer zu. “Wie sollen Vögel Nahrung finden, wenn überall das Laub weggeblasen wird und ein breit angelegter Kahlschlag in den Park- und Grünanlagen der Stadt stattfindet?”, kritisiert sie die Parkpflege in den Bezirken. Aber auch die Bürger bekommen ihr Fett weg: “Erst räumen sie den Garten auf und greifen dann zur Futtertüte.” Grundsätzlich sei ja nichts gegen eine Winterfütterung einzuwenden, wenn aber, dann mit Sinn und Verstand. Noch wichtiger als die Zufütterung sei allerdings, ganzjährig den natürlichen Lebensraum sowie die Nahrungs- und Brutgebiete der Vögel zu erhalten und zu schützen. Das gelte für Anlagen gleichermaßen wie für private Gärten. Was man alles beachten sollte, kann man hier nachlesen. Was soll ich sagen? Wieder einmal zeigt sich, dass das Gegenteil von gut gemeint schlecht gemacht ist. Wer also seinen Garten noch nicht winterfest gemacht hat, sollte Fünfe gerade sein lassen und in der einen oder anderen Ecke ruhig noch etwas Natur-Kruscht rumliegen lassen. Und die Bezirke könnten sich so sicherlich noch den einen oder anderen Euro sparen, in dem nicht alles mit diesen unsäglich Laubbläsern “bereinigen” lassen. Im österreichischen Graz übrigens sind diese Geräte seit 1. Oktober verboten.

LaubbläserStoßen nicht nur auf Begeisterung: Laubbläser, die mit hoher Luftgeschwindigkeit und großem Getöse Laub, aber auch Insekten, Larven und andere Kleintiere wegblasen und somit den Vögeln ihre Nahrung nehmen.                                                      Foto: Bosch

Eine lange Liste

Fast eine Million Euro mehr kosten Turnhalle und Mensa der Goethe-Oberschule in Berlin-Lichterfelde. „Dafür gibt es eine Vielzahl von Gründen“, hatte der Baustadtrat von Steglitz-Zehlendorf, Michael Karnetzki (SPD), Opas Blog mitgeteilt, ohne nähere Einzelheiten zu nennen. Doch das wollte Opa genauer wissen und hat nachgefragt. Die Antwort hat eine Woche auf sich warten lassen und führt nun folgende Ursachen auf:

„Die wesentlichste war schlicht der Umstand, dass die Ausschreibungen der Bauleistungen bei verschiedenen Gewerken höhere Ergebnisse erbrachten, als von den Architekten bei der Kostenberechnung angesetzt. Auf die Frage, zu welchen Kosten die Baufirmen ihre Angebote abgeben, haben wir leider als Bezirk keinen Einfluss. Das ist natürlich von der allgemeinen Baukostenentwicklung und der Baukonjunktur abhängig. Darüber hinaus gab es folgende größere Sachverhalte, die zu Kostenerhöhungen geführt haben:

– Zusätzliche Kosten für Entsorgung von Bodenaushub mit vorherigem Separieren des Aushubs durch zusätzlich von der Deponie geforderte Altlastenbeprobung. Dies hat auch zur Bauzeitverlängerung und dies wiederum zu höheren Kosten bei einzelnen Baufirmen gesorgt.

– Beim Stahlbau der Dachkonstruktion gab es nachträgliche Auflagen des Prüfstatikers. Die Hauptträger mussten zusätzlich mit ausgesteiften Platten ausgesteift werden.

– Metallbau Fassade: Bei den Wänden im Obergeschoss, die oben an das Trapezblech anschließen, mussten nachträglich für deren Anschluss deckenunterseitige Bleche vorgesehen werden. Im Erdgeschoss in den Umkleiden und im Mensabereich wurden nachträglich Innenfensterbänke entlang der Fensterbänder notwendig.

– Die Submission der Schlosserarbeiten musste aus Formgründen aufgehoben werden. Ein Angebot musste wegen eines nicht zulässigen Nebenangebots ausgeschlossen werden. Das einzige verbleibende Angebot wurde als Prognose angenommen, liegt aber deutlich über der Kostenberechnung.

IMG_0040Ist zwar noch nicht fertig, kostet aber fast eine Million Euro mehr: Die Turnhalle (mit Mensa) der Goethe-Oberschule in Berlin-Lichterfelde.

– Abweichend von der Entwurfsplanung werden nun alle Mauerwerkwände verputzt und gestrichen.

– Wegen Bauzeitverlängerung musste wegen der Bauzeit eine Winterbauheizung vorgehalten werden.

– Die Elektrotrasse musste wegen brandschutztechnischer Anforderungen des TÜV Rheinland umverlegt werden. Dadurch erhöhten sich die Kosten durch andere Kabellängen und Befestigungen. Es waren auch zusätzliche Brandmelder notwendig.

– Nachträglich wurde bei den Fernmelde- und Informationsanlagen der AMOK-Alarm vorgesehen.

– Bei den Außenanlagen waren Umplanungen notwendig, weil der Vermesser nicht alle vorhandenen Bäume aufgenommen hatte, diese Bäume teilweise aber auch nicht gefällt werden dürfen. Außerdem wurden andere Oberflächen gefordert als in der BPU (Anm. von Opa: Bauplanungsunterlage) enthalten.

– Wegen der Baukostenerhöhungen musste auch die Berechnung der Baunebenkosten (z.B. Architektenhonorare) angepasst werden, da diese von den anrechenbaren Kosten der Maßnahme direkt abhängig sind.“

Was soll ich sagen? Das ist zwar eine lange Liste, aber Mehrkosten in einer Größenordnung von über 20 Prozent zeugen nicht gerade von einer sach- und fachgerechten Planung. Ich bleibe dabei: Wenn ein Privathaushalt so agieren würde, wäre er schnell pleite.

Zwarte Piet und Messerwerfer

In den Niederlanden hat – vorerst noch – der gesunde Menschenverstand gesiegt und Sinterklaas, die holländische Version vom Nikolaus, darf auch weiterhin mit seinen schwarzen Helfern die Kinder beglücken. Letztes Jahr hatten doch allen Ernstes verschiedene Bürger und Organisationen die Stadt Amsterdam verklagt, weil diese den Sinterklaas-Umzug – einschließlich Zwarte Piet – erlaubt hatte. Jetzt hat das höchste Verwaltungsgericht entschieden, ein Bürgermeister habe kein Recht, dies wegen möglicher Diskriminierung zu verbieten. Die Diskussion ist damit allerdings noch nicht beendet. Dem Urteil zufolge können die Kläger zivil- oder strafrechtlich gegen die Organisatoren von Nikolausumzügen vorgehen, was angesichts der heftigen Proteste vom letzten Jahr durchaus zu erwarten ist. Dabei wird das Sinterklaas-Fest in den Niederlanden, das aus dem 14. Jahrhundert stammt, seit rund hundert Jahren mit “Zwarte Piet” begangen. Aber nicht nur in den Niederlanden treibt das Bemühen um politische Korrektheit seltsame Blüten, auch in Deutschland fasst man sich zuweilen an den Kopf und fragt sich wie der schwarze Schauspieler und Kabarettist Marius Jung, der sich selbst als „Neger” bezeichnet: Habt ihr sie noch alle? Ein Beispiel gefällig? In dem Kinderbuchklassiker „Die kleine Hexe” von Otfried Preußler ersetzte der Thienemann-Verlag die beiden „Negerlein” auf der verschneiten Dorfstraße durch – und jetzt halte man sich fest – „Messerwerfer”.  Was soll ich sagen? Okay, mittlerweile weiß man nicht mehr, was gerade politisch korrekt ist. Neger geht nicht mehr, Farbiger wohl auch nicht, Schwarzer könnte noch oder schon wieder gehen, beim Afroamerikaner weiß man es nicht so genau und Maximalpigmentierter ist dann vielleicht doch übertrieben. Aber Messerwerfer? Das klingt nach Realsatire. Die Angst vor Diskriminierungen geht jedoch noch weiter. Aus Martins-Umzügen werden hierzulande Lichterfeste und aus Weihnachtsmärkten Wintermärkte. Streng genommen könnte man sich an der Advents-Zeit ebenso stoßen wie an Ostern, Pfingsten oder Weihnachten. Aber was feiern wir dann eigentlich noch? An Ostern den Geburtstag des Schokoladenhasen und an Weihnachten das Herbergenfest für Obdachlose? Aber das darf man ja auch nicht mehr sagen, diese Menschen heißen jetzt Wohnungssuchende. Wo soll das noch hinführen?

Es geht doch

Es geht doch – und die Schüler der Goethe-Oberschule in Berlin-Lichterfelde dürfen hoffen: Nach dem Ende der Winterferien sollen der Innenausbau der Turnhalle und die Fertigstellung der Mensa abgeschlossen sein – allerdings einhergehend mit einer rund 20prozentigen Steigerung der Baukosten. Dies teilte nunmehr der dafür zuständige Baustadtrat Michael Karnetzki (SPD) mit, nachdem diesbezügliche Fragen von Opas Blog über zwei Wochen unbeantwortet geblieben waren. „Danach gibt es noch einige Arbeiten im Außenbereich bis zu den Osterferien, die der Nutzung von Halle und Mensa aber nicht im Wege stehen“, heißt es in der Antwort weiter. Gleichzeitig bestätigte Karnetzki, „dass es im Frühjahr/ Sommer vorübergehende Stockungen im Bauablauf gegeben hat.“ Verantwortlich dafür seien Mehrkosten gewesen, die der vom Bezirksamt beauftragte Architekt aufgerufen habe. Demnach erhöhen sich die Gesamtkosten „um etwas mehr als 950.000 Euro“ von 4,8 auf 5,8 Millionen Euro. „Dafür gibt es eine Vielzahl von Gründen“, teilte der Stadtrat mit, ohne nähere Einzelheiten zu nennen. Befürchtungen, wonach in diesem Zusammenhang bereits gebilligte Senatsgelder des Schul- und Sportanlagensanierungsprogramms verfallen, wies Karnetzki zurück. Es handele sich um eine investive Maßnahme, deren Mittel nicht zum Jahresende verfielen. Der Mittelabruf werde über den gesamten Bauzeitraum entsprechend des tatsächlichen Baufortschritts gewährleistet. Dies setze voraus, dass die Gesamtfinanzierung abgesichert sei. Ein inzwischen erfolgter Bezirksamtsbeschluss tue dies. Was soll ich sagen? Irgendwie ist es nicht nachzuvollziehen, warum Baumaßnahmen der öffentlichen Hand gefühlt eigentlich immer Mehrkosten nach sich ziehen. Privathaushalte wären längst pleite, wenn sie so agieren würden. Aber die handeln ja auch auf eigene Rechnung und die öffentliche Hand nur auf Kosten des Steuerzahlers. Geld von anderen lässt sich eben viel  leichter ausgeben.

PS: Die Bestätigung der Baufertigstellung von Halle und Mensa durch das steuernde Ingenieurbüro hat Opa übrigens nur einen Telefonanruf gekostet und einen Zeitaufwand von fünf Minuten. Warum das im Bezirksamt über zwei Wochen dauert, wissen nur die Götter.

Bezirk lässt Gelder verfallen

Johann Wolfgang von Goethe dürfte sich im Grabe umdrehen. Denn das, was sich gegenwärtig an der nach ihm benannten Oberschule in Berlin-Lichterfelde abspielt, ist unglaublich. Dabei kann die Schule selbst gar nichts dafür, dass sich in der Elternschaft mittlerweile eine ganze Menge Wut aufgestaut hat. Grund für den Unmut ist der Umstand, dass das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf – um es ganz vorsichtig zu formulieren – tatenlos zusieht, wie dringend benötigte und sogar schon gebilligte Senatsgelder des Schul- und Sportanlagensanierungsprogramms einfach verfallen und auf Nimmerwiedersehen verloren sind. Dabei geht es um die Fertigstellung der Turnhalle, mit deren Bau im März 2012 begonnen worden war und deren Innenausbau ebenso wie der Bau der Mensa nun erst einmal auf Eis gelegt sind. Und auch die dringend notwendige Sanierung des nach einem Brand nicht mehr nutzbaren Chemieraumes wurde verschoben. Insgesamt beziffert die Vorsitzende des Bezirkselternausschusses, Birgit Unteutsch, den Sanierungsstau im Bezirk auf 180 Millionen Euro. Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (SPD) spricht sogar von 400 Millionen Euro. Dass angesichts dessen dem Bezirksamt und in personam dem für Immobilien zuständigen Baustadtrat Michael Karnetzki (SPD) ganz offensichtlich nichts Probates einfällt, um zu verhindern, dass das Geld am Ende des Jahres endgültig weg ist, ist ein Skandal. Summa summarum ist die Rede von einer Million Euro! Schon letztes Jahr gingen dem Bezirk 320.000 Euro verloren. Insofern kann man ja fast verstehen, dass Karnetzki und die für Schule zuständige Bezirksstadträtin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) seit geschlagenen zwei Wochen toter Käfer spielen und sechs diesbezügliche Fragen von Opas Blog einfach ignorieren. Aber der 25 Jahrestag des Mauerfalls sollte die beiden Stadträte daran erinnern, dass solch eine selbstherrliche Politik der Ignoranz nicht aufgeht. Was soll ich sagen? Nicht nur im Interesse meiner Enkel, deren Einschulung in den nächsten Jahren ansteht, hoffe ich, dass das Bezirksamt endlich mal die Kurve kriegt. Sätze allerdings, wie der, den Karnetzki jüngst im Tagesspiegel zu Besten gab und der da lautet „Wir können mit unseren Personalkapazitäten einfach nicht zu jeder Zeit überall sein“, lassen nichts Gutes ahnen.

IMG_0041Wird noch eine ganze Weile eine Baustelle bleiben: Die Turnhalle der Goethe-Oberschule in Berlin-Lichterfelde. Und der Bezirk Steglitz-Zehlendorf lässt Senatsgelder verfallen.

Männer haben es schwer

Da ich bekanntermaßen mit zwei Enkelsöhnen gesegnet bin, mache ich mir so meine Gedanken, wie sich die Rolle des Mannes in unserer Gesellschaft in den letzten Jahren und Jahrzehnten geändert hat. Und es hat sich was geändert, zunächst einmal vor allem bei den Frauen. Ein anderer Großvater bringt das so auf den Punkt: „Früher hat man Frauen kennengelernt, die konnten kochen wie ihre Mütter, heute hingegen trifft man Frauen, die saufen wie ihre Väter.” Diesen und noch einige andere Gedanken mehr habe ich für die Huffington Post zusammengetragen und aufgeschrieben, die diesen Text am Weltmännertag der Jahre 2000 bis 2004, am 3. November, unter der Überschrift „Warum es Männer manchmal richtig schwer haben“ veröffentlicht hat. Wer also mag, kann sich den Beitrag ja mal ansehen. Was soll ich sagen? Das Thema ist ohnehin noch bis zum 19. November hoch aktuell, dann ist nämlich Internationaler Männertag. Toll, was es so alles gibt …

Ehe kein Auslaufmodell

Könnte eine Partei, eine Person oder eine Idee eine Zustimmungsquote von 70 Prozent auf sich vereinigen, würden vermutlich die Sektkorken knallen und die Protagonisten vor Kraft kaum laufen können. Anders verhält es sich leider, wenn es um das Themenspektrum Ehe und Familie geht. Die Zahlen, von denen hier die Rede ist, hat jetzt das Statistische Bundesamt veröffentlicht: Danach waren im Jahr 2013 in Deutschland 70 % der insgesamt knapp 8,1 Millionen Familien mit mindestens einem minderjährigen Kind Ehepaare. Der Anteil der alleinerziehenden Mütter und Väter an allen Familien betrug 20 %. Die restlichen 10 % entfielen auf nichteheliche oder gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften. Soweit die Statistik. Für die einen ist sie der Beleg für einen Trend zur von der Ehe emanzipierten Familie und damit für einen Bedeutungsverlust der Ehe. Für die anderen bedeutet sie, dass die Ehe nach wie vor die wichtigste Familienform ist. Wie dem auch sei, weltweit stehen Ehe und Familie rechtlich unter Schutz. “Die Familie ist die natürliche Grundeinheit der Gesellschaft und hat Anspruch auf Schutz durch Gesellschaft und Staat”, heißt es in Artikel 16 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. In Artikel 23 des Internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte steht eingangs: “(1) Die Familie ist die natürliche Kernzelle der Gesellschaft und hat Anspruch auf Schutz durch Gesellschaft und Staat. (2) Das Recht von Mann und Frau, im heiratsfähigen Alter eine Ehe einzugehen und eine Familie zu gründen, wird anerkannt.” Wie die Charta der Grundrechte der Europäischen Union schützt auch das Grundgesetz in Deutschland Ehe und Familie: “Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung”, heißt es in Artikel 6. Die Wertschätzung von Ehe und Familie, die in den verschiedenen Normen zum Ausdruck kommt, kommt nicht von ungefähr. So sehen deren Autoren in der Familie das ideale Umfeld für das gedeihliche Aufwachsen von Kindern, ohne die keine Gesellschaft dauerhaft eine Zukunft hat. Und der Ehe kommt als Vorstufe zur Familie dabei mehr oder weniger die Funktion der Keimzelle des Gemeinwesens zu. Was soll ich sagen? Totgesagt leben bekanntlich länger. Und so wird es vermutlich noch eine ziemlich lange Zeit dauern, bis das Institut Ehe ausgedient hat – wenn es überhaupt so weit kommt. Opa glaubt eher, dass die Ehe kein Auslaufmodell ist.

Tiefe Identitätskrise

Opa steckt in einer tiefen Identitätskrise. Bei einem Zusammentreffen mit Schulkindern der Humboldthain-Grundschule in Berlin, in der ich lange Jahre als Lesepate tätig war und der ich jetzt Computer des VDI Berlin-Brandenburg für deren Schülerzeitung übergeben konnte, sagte eines der Kinder zu mir: “Sie sehen aus wie ein Politiker.” Das, was sicherlich als Kompliment gemeint war, gab mir denn doch zu denken. Immerhin rangieren Politiker in Deutschland seit Jahren beim Image-Check am unteren Ende der Rangliste, aktuell sogar noch hinter Versicherungsvertretern. In Österreich haben sie wenigstens noch die Lobbyisten hinter sich gelassen, was aber auch nicht viel tröstet, nachdem Prostituierte mit einem positiven Imagewert um 66 Prozentpunkte vor ihnen liegen. Was soll ich sagen? Ich denke, ich werde mein Image künftig an Feuerwehrmann Sam ausrichten. Denn Feuerwehrleute stehen ganz oben auf der Image-Skala, so wie Sam, der in der gleichnamigen Animationsserie in der kleinen Feuerwache des fiktiven walisischen Ortes Pontypandy stationiert ist und bei kleineren wie größeren Unfällen immer als Retter in der Not zur Hilfe eilt. Ich glaube, meine Enkel finden das auch toll.

IMG_3866Fürs neue Image gleich die passende Kleidung: Arbeitsanzüge der Berliner Feuerwehr.