Kanntapper, kanntapper …

Sie kennen das Wort „kanntapper“ nicht? Na gut, dann kennen Sie auch das Märchen vom dicken fetten Pfannkuchen nicht. Sollten Sie aber. Denn es ist ein Märchen, das bei Kindern ausgesprochen gut ankommt. Unsere Enkel jedenfalls lieben die Geschichte von dem Pfannkuchen, der seinen Köchen in den Wald entflieht und dort verschiedene Tiere trifft, die ihn fressen wollen. Jedem neuen Tier erzählt er, wem er bereits entwischt ist, und läuft dann „kanntapper, kanntapper in den Wald hinein“. Als der Pfannkuchen am Ende auf drei arme und hungrige Waisenkinder trifft, lässt er sich von ihnen essen. Was soll ich sagen? Wer bei seinen Kindern oder Enkelkindern punkten will, sollte sich “kanntapper, kanntapper” auf den Weg machen und sich das Märchen besorgen.

IMG_3287 KopieFrüh übt sich …: Pfannkuchen sehen bei unseren Enkeln auch in natura hoch im Kurs.

Schützenhilfe für Tegel

Wir befinden uns im Jahre 2016 n.Chr. Die ganze Politik – also die Bundesregierung, der Berliner Senat und die brandenburgische Landesregierung – will den Berliner Flughafen Tegel schließen. Die ganze Politik? Nein, ein von unbeugsamen Politikern mit getragenes Aktionsbündnis hört nicht auf, den Totengräbern Tegels Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die politischen Legionäre, die in Berlin und Potsdam TXL den Gar ausmachen wollen … Berlin braucht Tegel heißt das Aktionsbündnis, hinter dem der Verein pro Tegel und die FDP Berlin stehen und das Tegel als Verkehrsflughafen dauerhaft erhalten will. Derzeit läuft ein Volksbegehren, bei dem bereits mehr als die Hälfte der benötigten 20.000 Stimmen zusammengekommen sind und das, wie es aussieht, in einem Volksentscheid zur Offenhaltung Tegels mündet. Während sich in der Politik ansonsten bislang weit und breit (noch) niemand traut, sich auch mal öffentlich für den Erhalt Tegels stark zu machen, haben nun zwei Schwestern – ob gewollt oder ungewollt – dem Anliegen tatkräftige Schützenhilfe geleistet. In ihrem gerade erscheinen Buch „Letzter Aufruf Tegel!“ (eine ausführliche Besprechung gibt es hier) erklären Julia und Evelyn Csabai, die seit 20 Jahren im Nebenjob am Flughafen Tegel arbeiten, TXL zum „tollsten Flughafen der Welt“ und geben für ihn eine Liebeserklärung sondergleichen ab. Was soll ich sagen? Die Eingangsanalogie zu den unbeugsamen Galliern ist nicht ohne Bedacht gewählt. Jeder weiß, wie die Geschichten von Asterix und Obelix ausgehen. Stellt sich nur noch die Frage, wer beim Schlussbankett gefesselt am Baum hängt. Innerhalb des Berliner Senats jedenfalls ist der Regierende Bürgermeister für die Musik zuständig …

Letzter Aufruf Tegel Das Buch ist eine Liebeserklärung sondergleichen.

Doch, die Sache ist ernst

Der Plot des Buches Mauersegler an sich ist recht einfach: Fünf Männer gründen eine Alten-WG und beschließen: Jeder von ihnen soll selbstbestimmt sterben können – und die anderen helfen ihm dabei. Dazu tüftelt der Computercrack des Quintetts eigens ein „Todesengelprogramm“ aus, über das das Ganze abgewickelt werden soll. Die Themen Älterwerden und Sterbehilfe indes sind da schon schwieriger. Zunächst gelingt es Chrstoph Poschenrieder sehr anschaulich, eine Kulisse aufzubauen, die nicht zuletzt dank einer kirgisischen Krankenpflegerin zuweilen an eine Karikatur erinnert. Auch die fünf Protagonisten machen da keine Ausnahme: Wilhelm, der Jurist, Heinrich, der Lebensmitteltechnologe, Ernst, der Programmierer, Siegfried, der Theaterregisseur und Carl, der Journalist und Philosphiedozent. Aber da war noch jemand, der Sechste im Bunde, der nun aber nicht mehr bei ihnen ist. „Wenn der kleine Martin nicht tot im Weiher vor der Stadtmauer gefunden worden wäre, wir hätten unsere Alten-WG nie gegründet“, sagt Carl, der die Geschichte in der Ich-Form erzählt. Und als es dann heißt: „Wir trinken jedes Jahr am 2. Dezember auf Martin“, konnte man schon ahnen, dass da noch ein dickes Ende kommt. Und das kommt. Denn Martin hat, wie Carl als Letzter berichtet, „eine Rechnung mit mir offen.“ Doch auch hier, wie schon bei den vorangegangenen vier Todesfällen, fehlt irgendwie eine angemessene moralische Reflexion. Gewiss, es ist ein Roman, und ein über weite Strecken auch ausgesprochen unterhaltsamer. Aber Sterben und Tod verdienen mehr, auch in einer Komödie. „Wir hatten immer gedacht, wir würden mit dem Sterben und dem Tod vernünftig umgehen. Nicht nur vernünftig, sondern lässig-nonchalant, so wie wir unser Leben geführt hatten“, sagt Carl eingangs, um dann festzustellen: „Nein, so ernst ist die Sache auch wieder nicht.“ Was soll ich sagen? Da irrt Chronist Carl ebenso wie Autor Poschenrieder, der ihn geschaffen hat. Doch, die Sache ist ernst. Und ein bisschen mehr Tragik hätte dem Buch ganz sicher keinen Abbruch getan. Dass Tragikomödie durchaus witzig geht, weiß man spätestens seit „Das Beste kommt zum Schluss“ – auch wenn der Vergleich ein wenig hinkt, da es sich dabei um einen Film handelt. Aber entscheidend sind ohnehin nicht die Bilder, sondern die zwei großen Themenkomplexe Sterben und Tod, um die es in beiden Geschichten geht.

poschenrieder_mauersegler                                                                      Christoph Poschenrieder: Mauersegler                                                                   Diogenes Verlag, September 2015, 224 Seiten, 20,00 Euro, ISBN 978-3-257-06934-1

Bitterer Nachgeschmack

Es ist ein gutes Jahr her, dass der Berliner Rechtsmediziner Michael Tsokos und seine Kollegin Saskia Guddat mit ihrem Buch Deutschland misshandelt seine Kinder versucht haben, das Land und seine Menschen wachzurütteln. Gestern nun wurde eine Neuauflage in Form einer Erweiterten Taschenbuchausgabe vorgestellt. Dabei enthält das Vorwort unter der Überschrift „Was unser Buch bewirkt hat (und was noch nicht)“ eine Passage, die einen – unabhängig vom eigentlichen Thema – schon ein wenig nach Luft schnappen lässt. „Zweimal waren wir auch bei Günther Jauch eingeladen, wurden jedoch jeweils im letzten Moment wieder ausgeladen, da sich die Redaktion für ein anderes, offensichtlich viel wichtigeres Thema entschieden hatte. Inwiefern die Schweizer Schwarzgeldkonten einer Alice Schwarzer brisanter sein sollen als das von uns angeprangerte tödliche Versagen des deutschen Kinderschutzes und inwiefern die Edathy-Affäre keine Überschneidungspunkte mit unserer Thematik aufweist, will sich uns allerdings bis heute nicht erschließen. Aus unserer Sicht lässt dies in Sachen Günther Jauch einen schalen Nachgeschmack zurück.“ Was soll ich sagen? Der schale Nachgeschmack wird noch bitterer, wenn man sich einmal näher anschaut, welche Themen für die Sendungen relevant sind. Gibt man beispielsweise den Suchbegriff Euro auf Günther Jauchs Seite ein, bekommt man satte 119 Treffer angezeigt. Geld bringt immerhin noch 54 Treffer, Steuern 25, Banken 21, Löhne 14, Hoeneß 13, Reiche 6 und Soli 5. Money makes the world go round. Und nach dem Motto Sex seils: Die Prostitution bringt es auf 7 Treffer, Kinderpornografie und Sex immerhin jeweils noch auf 4. Und Kinderschutz? Jetzt dürfen sie raten: Sage und schreibe 2 Treffer, beide datiert vom 26. Februar 2012. Der Weckruf von Tsokos und Guddat ist bei der Günther Jauch-Redaktion offensichtlich völlig ungehört verhallt, was um so ärgerlicher ist, als wir alle deren Tiefschlaf bezahlen – müssen.

Taschenbuch Tsokos                                  Deutschland misshandelt seine Kinder                                                                      Michael Tsokos & Saskia Guddat                                                                                    320 Seiten, 9,99 Euro                                                                                                  ISBN: 978-3-426-78637-6                                                                                          Knaur TB 2015

Auch was für unsere Enkel

Die re:publika 15 in Berlin, die gestern zu Ende gegangen ist, wäre sicher auch was für meine Enkel gewesen. Die Kinder-Spielecke hätte sie allerdings nicht besonders glücklich gemacht – obwohl die Lego-Bausätze schon etwas hatten. Aber da da nur kleine Kinder rumgeturnt sind, hätten die beiden Buben – der eine vier Jahre alt, der andere fünf -vermutlich gesagt: “Nur Babys!” Bei dem Souvenier-Shop allerdings wäre ihnen das Herz aufgegangen. Ich weiß zwar nicht, was Star Wars mit der #rp15 zu tun hat. Aber vor allem die Laser-Schwerter, die es dort gab, hätten es den beiden Buben sicher angetan. Überhaupt gab es dieses Jahr viele Angebote, die ich eher unter dem Stichwort “analog” einordnen würde. Da wurde Schach gespielt, gelesen, gemalt, gebastelt, mit Knete modelliert, gekickert und und und. Echte (und leckere) Hamburger gab es auch. Und besonders bemerkenswert: Auf einer der weltweit wichtigsten Events zu den Themen der digitalen Gesellschaft haben die über 6.000 Besucher – Ihr werdet es wahrscheinlich kaum glauben – auch miteinander geredet – analog, versteht sich. Was soll ich sagen? Irgendwie bin ich nach diesen drei Tagen doch beruhigt: Ungeachtet der digitalen Revolutionen, die sich da offensichtlich jagen, gibt es auch nach wie vor ein analoges Leben, auf das niemand verzichten will.

LaserschwerterDiese Laserschwerter hätten meine beiden Enkel sicherlich begeistert. Ansonsten ging es eher ziemlich analog zu auf der re:publika 15 in Berlin – wie diese Impressionen zeigen: Spielecke       BastelnKnete       KickerMalen

Die Guten ins Töpfchen …

Opa hat sich zwei Bücher, über die er gestolpert ist, für Rezensionen kommen lassen, um sie für die treuen Besucher von Opas Blog zu lesen und zu bewerten. Denn immerhin geht es ums Kochen bzw. Essen und um Gutscheine. „Schlemmerreise mit Gutscheinbuch.de Berlin“ heißt das eine, „Persönliches Geschenkbuch für Hobbyköche“ das andere. Beide kommen sie aus dem Hause Gutscheinbuch.de. Doch während das eine ein absoluter Volltreffer zu sein scheint, darf man das andere getrost vergessen. Die ausführlichen Kritiken finden sich hier. Was soll ich sagen? Wie heißt es doch bei Aschenputtel: Die Guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen.

berlin9-3d-gutscheinbuch-webklein   Persönliches GeschenkbuchkleinGelesen und bewertet: Zwei (Gutschein-)Bücher rund ums Thema Kochen bzw. Essen.

Das Phantom, der Opa

Für Presse, Funk und Fernsehen ist Opa ja schon seit geraumer Zeit sozusagen ein gefundenes Fressen, wie man auf der Seite Was andere sagen nachlesen kann. Aber dass er es jetzt auch noch in ein Buch geschafft hat, ist schon ein starkes Stück. „Vierzehn Menschen, die ihr Leben in der Rente wesentlich bereichert haben, stellen wir Ihnen in diesem Buch vor“, heißt es in der „Anleitung statt Einleitung“. Und weiter: „So unterschiedlich die Protagonisten der einzelnen Episoden dieses Buches auch sind, sie alle haben eines gemeinsam: Keinem von ihnen wurde auch nur ansatzweise etwas geschenkt, ganz im Gegenteil: Von schwerster Krankheit im Kindesalter über den frühen Verlust der Eltern, einer unerträglich strengen Erziehung bis zur Schwangerschaft im zarten Alter von fünfzehn ist hier so ziemlich alles vertreten, was das Schicksal an Überraschungen zu bieten hat. Vieles von dem, was die hier beschriebenen Personen heute unternehmen und was sie bewogen hat, im fortgeschrittenen Alter kräftig durchzustarten, ergibt sich aus ihren Werdegängen, die deshalb zum Teil recht ausführlich dargestellt sind. Dass alle Episoden in diesem Buch ein Happy End haben, ist gewiss tröstlich und ermunternd, und schon deshalb wird hier alles ausdrücklich zur Nachahmung empfohlen.“ Was soll ich sagen? Neugierig macht das schon. Insofern passt es gut, dass der Verlag ein paar Bücher für eine Verlosung zur Verfügung gestellt hat. Wer also seine Chance auf eines dieser Exemplare nutzen will, muss folgende Frage beantworten: Wie ist der Titel des Buches Das Phantom, der Opa entstanden und welche Idee verbirgt sich dahinter? Fünf einfallsreiche Ideen – entweder als Kommentar direkt auf Opas Blog oder als E-Mail an opa@opas-blog.de – werden mit einem Buch und persönlicher Widmung von Opa belohnt. Einsendeschluss ist der 16. Dezember. Bei mehr als fünf Ideen entscheidet das Los. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen. Und wer hier nicht zum Zuge kommt und das Buch bestellen will: Es ist aber morgen (10. Dezember) im Handel erhältlich.

IMG_0111Wolfgang Max Kracht / Marina Reiter, Das Phantom, der Opa                                      MIRA Taschenbuch, Hamburg, 2015, 256 Seiten, 9,99 Euro, ISBN 978-3-95649-067-5

“Schlimmstenfalls schließen …”

Um es gleich vorweg zu nehmen: Dieser Beitrag ist eine absolute Ausnahme. Aber dieser Tage ist mir (wieder) ein Büchlein in die Hände gefallen, das so geistreich und amüsant zugleich ist, dass ich dafür unbezahlte Werbung machen muss. Gekauft habe ich das Buch wohl noch zu D-Mark-Zeiten, jedenfalls ist die Preisangabe auf der Rückseite in DM, wobei nur am Rande angemerkt sei, dass der Betrag heute in Euro nur unwesentlich niedriger ist als damals. Aber das tut dem Werk, das den einmaligen Titel “Nationalökonomologie” trägt und als 6., weiter er. Aufl. aus dem Jahr 1991 gekennzeichnet ist, keinen Abbruch. Um dem geneigten Leser einen kleinen Eindruck zu vermitteln, zitiere ich ein paar Zeilen aus einem der zahlreichen Beiträge und habe dafür – sozusagen aus lokalpatriotischer Sicht – den “McKinsey-Bericht über den Besuch bei den Berliner Philharmonikern” von Oswald Neuberger ausgewählt. Und der beginnt so: “Die vier Oboisten haben sehr lange nichts zu tun. Die Nummer sollte gekürzt werden und die Arbeit gleichmäßig auf das ganze Orchester verteilt werden, damit Arbeitsspitzen vermieden werden.” Da weiß man gleich: Wirtschaft(lichkeit) und Kunst – zwei Galaxien prallen aufeinander. Und es versteht sich von selbst, dass es in diesem Sinne weitergeht: “Die zwölf Geigen spielen alle dasselbe. Das ist unnötige Doppelarbeit. Diese Gruppe sollte drastisch verkleinert werden. Falls eine größere Lautstärke gewünscht ist, läßt sich das durch eine elektronische Anlage erreichen.” Hiernach spielt der Autor mit Zweiunddreißigstel- und Sechszehntelnoten, was hier allerdings keinen wesentlichen neuen Erkenntnisgewinn bringt und deshalb ebenso unter den Tisch fallen kann wie seine Überlegungen, Partituren wegen zu vieler Wiederholungen “gründlich” durchzuarbeiten, so dass “das Konzert, das jetzt zwei Stunden in Anspruch nimmt, nur noch schätzungsweise zwanzig Minuten” dauere, “so daß die Pause wegfallen kann.” Da ahnt man schon, dass es mit dem Konzertsaal kein gutes Ende nehmen wird, und ist insofern nicht sonderlich verwundert, dass es zum Schluss heißt: “Schlimmstenfalls könnte man ihn ganz schließen und die Leute in das Konzertkaffeehaus schicken…” Was soll ich sagen? Von dem Kaliber sind auch all die anderen Geschichten wie z.B. “Der alte Trapper”, “Eine Anmerkung zu den Opportunitätskosten des Heiratens” oder das “Anekdötchen”. Wem diese Art von Humor zusagt, der liest hier goldrichtig. Allerdings sollte man sich sputen. Der Verlag Mohr Siebeck hat mir zwar versichert, dass die mittlerweile 7., stark rev. Aufl. von 1994 noch lieferbar sei. Die Frage ist nur: Wie lange? Immerhin steht Weihnachten vor der Tür …

IMG_0030                                                         Hrsg. Orestes V. Trebeis, Nationalökonomologie.                                                                  Verlag Mohr Siebeck, Tübingen, 1994, 287 Seiten, 24 Euro, ISBN 978-3-16-146332-7

Gerade noch die Kurve gekriegt

Mit dem ersten Advent hat jetzt die besinnliche Zeit begonnen, die mit der Vorfreude auf das Weihnachtsfest einhergeht. Für Oma und Opa ist das auch die Zeit, in der wir unseren Enkel gerne und begeistert Weihnachtsgeschichten vorlesen. Was eigentlich als kuscheliger und gemütlicher Nachmittag gedacht ist, kann sich allerdings auch zu einer echten Herausforderungen entwickeln. So jedenfalls erging es Oma. Als unser jüngster Enkel dieser Tage da war, wollte er unbedingt, dass Oma ihm aus “unserem großen Weihnachts-Buch” vorlas. Also blätterte Oma ein wenig und blieb bei der Geschichte hängen: Zu Weihnachten wünsche ich mir einen Weihnachtsmann. Sie begann vorzulesen: Der kleine Pit dachte angestrengt nach. Heute morgen hatte sein Vater zu ihm gesagt: „Überleg mal, was du dir zu Weihnachten wünschst.“ Er wollte etwas ganz Besonderes – etwas, was niemand sonst zu Weihnachten geschenkt bekam. Da kam ihm eine Idee. Er sprang so plötzlich auf, daß der Stuhl, auf dem er gesessen hatte, vor Schreck umfiel. Er rannte zu seinen Eltern. „Ich weiß jetzt, was ich mir wünsche!“, rief er aufgeregt. „Zu Weihnachten wünsch’ ich mir einen lebendigen Weihnachtsmann!“ „Ich hätte dann etwas, was noch nie jemand zu Weihnachten bekommen hat“, erklärte Pit. „Außerdem könnte ich mir das ganze Jahr über vom Weihnachtsmann etwas wünschen.“ Sein Vater sah ihn schmunzelnd an. „Du weißt doch, daß es den Weihnachtsmann …“ Halt dachte Oma, als sie mit ihren Augen bereits die nächsten Zeilen erfasst hatte, so kann das nicht weitergehen. Da stand doch tatsächlich: „… gar nicht gibt!“ Das wollte Oma dem Kleinen (noch) nicht antun und setzte die Geschichte mit den Worten fort: „… nicht nur für ein Kind geben kann. Denn sonst hätten die anderen Kinder auf der Welt keine Geschenke.“ In Windeseile flog sie über die weiteren Zeilen und las für sich den Text weiter, um eine Stelle zu finden, an der sie die Geschichte wieder fortsetzen konnte. Gottlob stieß sie schnell auf eine entsprechende Passage: „Frag den Weihnachtsmann, falls er dich heute Abend wieder besucht, doch selbst, ob du ihn dir wünschen kannst …“ Was soll ich sagen? Da hat Oma ja gerade noch mal die Kurve gekriegt, andernfalls wäre der Weihnachtsmann aus selbiger herausgeflogen.IMG_0246 KopieZiemlich starker Tobak, einfach zu behaupten, es gebe keinen Weihnachtsmann. Da gibt es durchaus auch ganz andere Meinungen, wie hier nachzulesen ist.IMG_0247 Kopie

PS: Das Buch stammt aus dem Jahr 1980 und ist ganz offensichtlich für die Kinder einer ganz anderen Generation. Wie hieß die nochmal?

Schumachers Restlaufzeit

Wer Hajo Schumacher kennt, käme nie auf die Idee, dass sich der Journalist und Autor mit dem Thema Alter bzw. Altern beschäftigt. Doch ganz offensichtlich haben ihn das “Martyrium” seiner Mutter und sein 50. Geburtstag, den er im April gefeiert hat, dazu bewogen, sich mit folgenden Fragen zu beschäftigen: Wie könnte ein würdevoller, lustiger und bezahlbarer Lebensabend aussehen und was muss man dafür tun? In seinem neuesten Buch Restlaufzeit geht er allen möglichen Lebensmodellen für Alte nach: Rentner-WG, Mehrgenerationenhaus, dement unter Palmen oder Luxus-Residenz. Bevor Schumacher allerdings die “Essenz meiner Erkenntnisse, ziemlich viele übrigens” preisgibt, analysiert er mal einfühlsam, mal schonungslos. Ein Beispiel: “Ab 20 plagen vor allem Frauen die erste Krampfadern. Ab 25 setzt die geistige Alterung ein, was aber noch nicht auffällt, jedenfalls nicht so stark wie die ersten Falten. Ab 30 zeigen sich Anzeichen von Bluthochdruck und erste graue Haare, wenn sie nicht schon ausfallen. Ab 35 folgen Anzeichen von Gelenkverschleiß und erste rheumatische Beschwerden. Ab 40 droht verschärfte Vergesslichkeit, Altersflecken, Grüner Star, Alterszucker, Infarkte nehmen zu. Zugleich schrumpft der Körper, Potenzprobleme werden akut, die Lesebrille droht. Ab 50 steigt das Schlaganfallrisiko, Inkontinenz beschäftigt uns sowie zunehmende Schwerhörigkeit. Ab 60 kommt der Graue Star, Osteoporose und – da ist sie – die Mundtrockenheit, an der etwa vierzig Prozent der Senioren leiden. Mangelndes Durstempfinden führt zu Flüssigkeitsmangel, was wiederum Stoffwechselprobleme begünstigt. Genaueres erklärt später der Arzt. Und dann kommt die Demenz.” Altwerden ist nichts für Feiglinge, wusste schon der gerade eben erst verstorbene Joachim Fuchsberger. Ein Feigling scheint Schumacher wirklich nicht zu sein. Mit seinem ihm eigenen Humor und Witz, aber auch mit tiefsinnigem Ernst geht er allen Möglichkeiten nach und kommt zu dem Ergebnis: “Wie erfolgreiches Altern aussehen kann, muss schließlich jeder für sich selbst entscheiden.” Und für alle die, denen es dafür an der entsprechenden Fantasie mangelt, skizziert er mit leichter Feder “Meine 24 Vorhaben”, wobei er ganz genau weiß: “Wie bei allen guten Vorsätzen werden manche auf der Strecke bleiben. Aber Listen sind ein guter Anfang.” Was soll ich sagen? Nur für den, der das Buch liest, gibt es – um bei den Worten des Autors zu bleiben – “gute Chancen, die nächsten zwanzig, dreißig Sommer lustig, bezahlbar und würdevoll zu gestalten.”

U1-Schumacher-Restlaufzeit.indd                                                                                     Hajo Schumacher: Restlaufzeit.                                                                              Eichborn Verlag, Köln, 286 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-8479-0572-1.