Auch Könige haben’s schwer

Der 6. Januar ist der Tag der Heiligen Drei Könige. In der katholischen Kirche werden sie als Heilige verehrt und mit dem Fest der Erscheinung des Herrn, auch Epiphanie oder Epiphanias genannt, gefeiert. Während üblicherweise die Krippen im Lande an diesem Tag um die drei Figuren ergänzt werden, dürfen sie bei Opas Krippe ja schon vom ersten Tag an mit dabei sein. Dieses Privileg ist für die Könige allerdings mit einigen Unannehmlichkeiten verbunden. Denn wenn sich unsere beiden Enkel über ihre Spielkrippe hermachen, dann landen die Drei schon mal kopfüber in einem Bottich, mit Schafen zusammengepfercht auf dem Dachboden oder einsam verstreut irgendwo in der Scheune. Nur selten finden sie sich dort wieder, wo sie hingehören: Vor das Jesuskind. Was soll ich sagen? Auch das Leben als Heilige Drei Könige ist nicht immer einfach.

PS: Übrigens hat es auch das Jesuskind zuweilen schwer. Neulich quittierte unser jüngster Enkel seine vergeblichen Versuche, die Figur in eine senkrechte Position zu bringen, mit der ziemlich vorwurfsvollen Bemerkung: “Das Jesuskind kann ja gar nicht stehen.”

IMG_0264Bei Opas Krippe dürfen die Heiligen Drei Könige vom ersten Tag an mit dabei sein.

Wohl dem, der so eine Oma hat

Unser jüngster Enkel weiß, wie man Frauen glücklich macht. Aber auch Oma hat ihre Qualitäten. Jedenfalls hat sie gerade den kleinen Mann in den siebten Himmel befördert. Nachdem sie in letzter Zeit aufgrund der Beanspruchung durch Opa bzw. dessen Büro ihre künstlerischen Neigungen nicht mehr so ausleben konnte, ist ihr jetzt wieder ein großer Wurf gelungen. Dabei waren die Anforderungen beileibe nicht einfach: Ein Piratenbild mit Gepard, Löwe und Tiger, die, was die beiden ersten Tiere betrifft, miteinander kämpfen. Also hat sich Oma hingesetzt und gemalt, was das Zeug hielt. Und herausgekommen ist ein Bild, das sich wahrlich sehen lassen kann. Was soll ich sagen? Wohl dem, der so eine Oma hat. Jedenfalls hängt das Bild nunmehr über dem Bett des kleinen Mannes und erinnert ihn jeden Tag daran, was er an seiner Großmutter hat.IMG_0031 KopiePS: Auf dem ersten Bild fehlt ein ganz wichtiges Piraten-Utensil, das Oma – nach einem entsprechenden Protest unseres Jüngsten – noch schnell nachträglich eingefügt hat.Piraten 2

“Silber und Gold habe ich nicht”

„Silber und Gold habe ich nicht, was ich aber habe, das gebe ich Dir“, schreibt Matthias Claudius als Prolog in seinem “Vermächtnis” an seinen Sohn Johannes. Abgesehen einmal von der Sprache, die eben so ist wie im Jahre 1799, hat der Brief bis heute nichts an Aktualität eingebüßt. Hier ein paar Beispiele aus dem Text des deutschen Dichters und Journalisten, der von 1740 bis 1815 gelebt hat: „Ich habe die Welt länger gesehen als Du. Es ist nicht alles Gold, lieber Sohn, was glänzt, und ich habe manchen Stern vom Himmel fallen und manchen Stab, auf den man sich verließ, brechen sehen“, schreibt Claudius gleich zu Beginn. Später dann rät er seinem Sohn: „Halte Dich zu gut, um Böses zu tun. Hänge Dein Herz an kein vergänglich Ding“, um dann festzustellen: „Die Wahrheit richtet sich nicht nach uns, lieber Sohn, sondern wir müssen uns nach ihr richten.“ Auch weiß Claudius: „Inwendig in uns wohnet der Richter, der nicht trügt, an dessen Stimme uns mehr gelegen ist als an dem Beifall der ganzen Welt und der Weisheit der Griechen und Ägypter.“ Dass Claudius gerne Metaphern benutzt, zeigt sich spätestens an dieser Stelle: „Lerne gern von andern, und wo von Weisheit, Menschenglück, Licht, Freiheit, Tugend usw. geredet wird, da höre fleißig zu. Doch traue nicht flugs und allerdings, denn die Wolken haben nicht alle Wasser, und es gibt mancherlei Weise. Sie meinen auch, daß sie die Sache hätten, wenn sie davon reden können und davon reden. Das ist aber nicht, Sohn. Man hat darum die Sache nicht, daß man davon reden kann und davon redet. Worte sind nur Worte, und wo sie so gar leicht und behende dahin fahren: da sei auf der Hut, denn die Pferde, die den Wagen mit Gütern hinter sich haben, gehen langsameren Schritts.“ Zwei Passagen, die mir in meinem Leben viel geholfen haben, sind diese: „Was einer nicht hat, das kann er auch nicht geben. Und der ist nicht frei, der da will tun können, was er will, sondern der ist frei, der da wollen kann, was er tun soll.“ und „Tue das Gute vor dich hin, und bekümmre dich nicht, was daraus werden wird. Wolle nur einerlei, und das wolle von Herzen.“ Bemerkenswert ist, dass es offensichtlich schon damals der Mahnung bedurfte: „Tue keinem Mädchen Leides und denke, daß deine Mutter auch ein Mädchen gewesen ist.“ Es gäbe noch vielen Sätze zu zitieren. Aber das wäre sicherlich an dieser Stelle des Guten zuviel. Was soll ich sagen? Wer den ganzen Brief lesen will, kann dies hier tun. Allen anderen sei zumindest noch dieses Zitat anempfohlen: „Sage nicht alles, was Du weißt, aber wisse immer, was Du sagst.“

PS: Johannes, der älteste Sohn von Matthias Claudius, verließ 1799 mit sechzehn Jahren sein Elternhaus, um in Hamburg eine Kaufmannslehre zu absolvieren. Sein Vater gab ihm sozusagen als Wegzehrung diesen Brief mit, der 1802 im Teil VII seiner Werke abgedruckt wurde. Bald danach entschied sich Johannes für ein Studium der Theologie, das er erfolgreich abschloss und 1813 Pfarrer in Sahms (Lauenburg) wurde. Dort starb er 1859.

IMG_1756Der Brief von Matthias Claudius an seinen Sohn Johannes aus dem Jahre 1799 hat Opa sein Leben lang hilfreich begleitet und bis heute nichts an Aktualität eingebüßt.

Kisch hätte ganz sicher gebloggt

Das Schöne an Krankenhäusern ist ja, dass man mal Zeit hat, Dinge zu tun, zu denen man ansonsten nicht kommt. So zum Beispiel sich von einem Freund besuchen zu lassen und mit ihm über dies und das zu plaudern, ohne Zeit- und Termindruck. Einfach herrlich! Und wenn dieser Freund dann noch ein Büchlein mitbringt, in dem man, wenn er gegangen ist, nach Herzenslust stöbern und lesen kann, ohne Zeit- und Termindruck. Einfach herrlich! Und wenn das Büchlein dann noch Textpassagen enthält, die absolut zeitlos sind, dass es gar keinen Zeit- und Termindruck geben kann, dann ist das einfach nur herrlich. Kleines Beispiel gefällig: „In einer Großstadt wie Berlin erhöht sich die Arbeitszeit schon durch die enorme Entfernung der Wohnung von der Arbeitsstätte, schon die morgendliche Fahrt in der überfüllten Straßenbahn ist Anstrengung, und die abendliche Heimkehr nimmt dem ausgepumpten Arbeiter den Rest seiner körperlichen und geistigen Kraft. Dabei gibt es Zehntausende, die keine Nachtruhe haben, denn der Verkehr zur Arbeitsstelle darf nicht stocken, in Zelten auf dem Fahrdamm werden die Schienen der Straßenbahn beschweißt, in den Tunnels der Untergrundbahn tauscht man die schadhaften Geleise aus, und auf den Landstraßen bessern Erdarbeiter mit Harke und Schippe den Boden aus, damit das Auto des aus seiner Villa kommenden Herrn nicht rüttle … Ein Kontrast? Es gibt ihrer mehr.“ Na, schon ein Idee, von wem der Text stammt? Klingt ja fast zeitgenössisch. Vielleicht hilft ja eine zweite Stelle weiter: „Hinter jedem Luxus steht die harte Arbeit jener, die niemals den Begriff Luxus kennen werden, hinter jeder prunkvollen Theatervorstellung, hinter jedem Ausstattungsfilm steht das Heer derjenigen, die sich um eines Hungerlohnes willen Tag und Nacht hin und her hetzen lassen müssen, deren Namen nicht einmal der kennt, der sie hin und her hetzt, geschweige denn das Publikum, das bewundernd den Namen seiner Lieblinge ausspricht, die „großen“, glänzend bezahlten Regisseure und die „großen“ Schauspieler und Schauspielerinnen.“ Immer noch keine Idee? Um es kurz zu machen: Der Text stammt von Egon Erwin Kisch, Aus dem Café Größenwahn (Berlin bei der Arbeit), aus dem Jahre 1927, gerade neu in 2. Auflage aufgelegt vom Verlag Klaus Wagenbach Berlin. Was soll ich sagen? Es hat sich doch nichts, aber auch gar nichts geändert. Und wenn es damals schon Blogs gegeben hätte, hätte Egon Erwin Kisch ganz sicher gebloggt. Und als Titel für den Blog wäre „Café Größenwahn“ auch prima gewesen.

“Am Ende des Ganges …”

Wortspiele und Redewendungen beherrschen schon nicht alle Muttersprachler. Und in einer fremden Sprache ist es ganz schwierig. Oma beispielsweise hat es überhaupt nicht mit Sprichwörtern, jedenfalls nicht mit deutschen. Und so sind Sprichwörter auch nicht unbedingt die Stärke unserer Kinder. Opa dagegen liebt Redewendungen und Wortspiele. Dieser Tage traf er einen Inder und beschrieb diesem – ohne allerdings schon dessen Nationalität zu kennen – seine einstige Arbeitssituation so: “Da hab’ ich in Kalkutta gearbeitet, am Ende des Ganges …” Dieser fragte daraufhin: “Wie oft waren Sie denn schon in Indien?” Da schaute Opa ziemlich dumm aus der Wäsche und wusste nicht so recht, was er sagen sollte. Als der Inder jedoch begriffen hatte, dass das Ganze nur ein Wortspiel gewesen war, lachte der sich halb tot und sagte: “Jetzt haben Sie mich aber reingelegt und ich wieder was gelernt.” Was soll ich sagen? So unterhaltsam und schön kann Sprache sein.

Und es vererbt sich doch …

Unser jüngster Enkel, nicht einmal zwei Jahre alt, entwickelt sich langsam aber sicher zu einer großen Leseratte. Wenn Oma auf den Kleinen aufpasst, tigert er regelmäßig los und holt sich ein Buch. Aber nicht nur das, er bringt auch seiner Oma ein “Bu’h” mit, um mit ihr gemeinsam zu lesen. Dann wird sich nebeneinandergesetzt und geschmökert. Bei der Auswahl seiner Lektüre ist er durchaus kritisch und anspruchsvoll. Da werden nicht mehr diese kindischen Bilderbücher hervorgeholt, über dieses Stadium ist er längst hinaus. Nein, je mehr Text und Zahlen, desto besser. Bei Oma ist er allerdings etwas zurückhaltender. Die bekommt nur leichte Kost. Bloß nicht so viel Text. Aber ein Bild sagt ja ohnehin mehr als tausend Worte. Was soll ich sagen? Der kleine Mann ist ganz schön weitsichtig. Da er offensichtlich die Unart seines Großvaters geerbt hat, bei gemeinsamer Buch- oder Zeitungslektüre dem oder der Anderen immer wieder etwas vorzulesen, kommt – in diesem Falle – sie ohnehin nicht dazu, selbst etwas zu lesen. Ja, ja, wie sich die Bilder gleichen.

Der Zauber der Zauberflöte wirkt

Meine Frau und ich sind – wie wohl die anderen Besucher auch – begeistert. Die Zauberflöte in der Komischen Oper in Berlin ist eine Sensation. Mozarts Oper kommt als Stummfilm daher. Doch die Kraft der faszinierenden Bilder tut der Musik keinen Abbruch. Zumal sich nicht die Musik dem Tempo des Films, sondern der Film dem Tempo der Musik anpasst. Ein technisches Meisterwerk, das offensichtlich nicht alle Kritiker verstanden haben. Da ist das Publikum schon etwas klüger. In nur drei Tagen waren die geplanten zehn Aufführungen ausverkauft. Drei weitere wurden in das Programm aufgenommen. Erfreulich ist, dass viele Kinder und Jugendliche im Parkett und auf den Rängen zu sehen sind. Nur schade, dass unsere Enkel noch etwas zu klein für diese Oper sind. Denn besser bzw. moderner kann man die Zauberflöte, die ja ohnehin als Einstiegsoper für den Nachwuchs gilt, für die junge Generation nicht inszenieren. Was soll ich sagen? Der Zauber der Zauberflöte wirkt. Das ist große Oper. Diese Zauberflöte – und hier will ich wirklich nicht spießig sein – hätte aber, wie alle anderen Opern übrigens auch, ein etwas besser, sprich festlicher gekleidetes Publik verdient. Und hier meine ich vor allem die Erwachsenen.