Erich Kästner lässt grüßen

Die Bilder, die uns seit Tagen aus den deutschen Hochwassergebieten erreichen, sind erschütternd: Verzweifelte Familien, die alles verloren haben, Menschen, die nicht viel mehr besitzen, als was sie auf dem Leib oder mit ihren Händen tragen. Und inmitten dieses unfassbaren Elends befinden sich Kinder, die all das, was um sie herum geschieht, noch viel weniger verstehen als ihre Eltern. Bundespräsident Joachim Gauck hat bei seinem Besuch in den betroffenen Gebieten passende Worte zu dieser Tragödie gefunden. Deutschland sei ein solidarisches Land. Wer nicht darüber nachdenken müsse, welche Flasche Wein er aufmache oder wie groß der Eisbecher sein solle, der könne das auch mal spenden, oder sogar mehr. Was soll ich sagen? Recht hat er. Es gibt viele Möglichkeiten, zu helfen. Ob über eine der vielen Hilfsorganisationen oder irgendeine örtliche Initiative, wer helfen möchte, kann dies tun. Wer gar persönliche Kontakte in die entsprechenden Regionen hat, kann sogar noch unmittelbarer wirken. Erich Kästner lässt grüßen: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

“Na, geht doch”

Es war auch an der Zeit. Nach diesem scheinbar endlosen Regen, diesen fast winterlichen Temperaturen zeigte sich endlich wieder die Sonne. Wobei es anfangs noch so aussah, als wenn der Wetterbericht wieder daneben liegen würde. Aber Gott sei Dank war es nur ein kurzer Regenguss, bevor sich die Wolken endgültig verzogen und ein strahlend blauer Himmel die perfekte Kulisse für das zweite Angrillen bei unserer jüngsten Tochter bildete. Entsprechend gut gelaunt und ausgelassen waren die Erwachsenen. Vor allem die jungen Männer ließen sich von unseren Enkeln animieren, mit Wasserpistolen aufeinander loszugehen. Einige sahen nach kürzester Zeit so aus, als wenn sie unter der Dusche gestanden hätten. Für unsere Enkel war das toll. Sie mischten bei der Wasserschlacht kräftig mit, wobei Kollateralschäden, wie nasse Unbeteiligte, nicht ausbleiben konnten. Irgendwann hatte dann unser jüngster Enkel seinen Vater ins Visier genommen. Doch leider hatte seine Wasserpistole Ladehemmung. Irgendwie wollte das Wasser nicht aus der Pistole heraus. Er drückte und drückte und drückte. Aber es kam nichts. Dann endlich, als er noch einen letzten Versuch gestartet hatte, bekam sein Vater ein volle Ladung Wasser ab. Was aber noch mehr saß, war der starke Spruch, den der kleine Mann zum Besten gab: “Na, geht doch!” Was soll ich sagen? Wie schön, dass sein Mundwerk keine Ladehemmungen hat.

So einfach kann die Welt sein

Für Kinder funktioniert die Welt ganz einfach. Ein Paradebeispiel: Unser ältester Enkel wünscht sich sehnlichst einen Hund. Was Opa übrigens gut nachvollziehen kann, aber das nur am Rande. Seine Eltern, beide berufstätig, versuchen ihm das nun auszureden. Was ich ja irgendwie auch wieder verstehen kann. Aber sie gehen die Sache verkehrt an, sie kommen mit logischen Argumenten daher. Also, erstens sei der arme Hund ja den ganzen Tag alleine, zweitens könne man ihn so schlecht bei Urlaubsreisen mit dem Flugzeug mitnehmen, drittens müsse der Hund ja auch mal raus und sein Geschäft machen, und so weiter und so weiter. Die Antworten, mit denen diese Argumente vom Tisch gewischt wurden, ließen nicht lange auf sich warten: Gegen die Einsamkeit könnten Radio und Fernsehen helfen, vielleicht mit speziellen Hundeprogrammen, im Urlaub stünden sicherlich Oma und Opa zur Verfügung, um den Vierbeiner zu versorgen, und was das Geschäft betreffe: Na überhaupt kein Problem. Der Hund habe doch sicher einen Penis, den könne er ja aus dem Fenster halten und … Den Rest kann sicher jeder selbst ausmalen. Was soll ich sagen? So einfach kann die Welt sein.

Kein ganz großer Junge

Unsere beiden Kleinen sind großartig, man könnte auch sagen: groß und artig. Vor allem der ganz Kleine ist schon ein richtig großer Junge, dachte wenigstens seine Mutter, die ihn überreden wollte, abends alleine ins Bett zu gehen und einzuschlafen. Zunächst klappte das auch recht gut. Aber irgendwie konnte und wollte der kleine Mann dann doch nicht einschlafen und wurde immer wieder vorstellig. Als er seiner Mutter schließlich zu verstehen gab, dass er zwar ein großer, aber noch “kein ganz großer Junge” sei, hatte die ein Einsehen und legte sich wie gewohnt neben ihn, so dass das mit dem Einschlafen kein Problem mehr war. Was soll ich sagen? Warum soll man alleine einschlafen, wenn so eine nette Mama zur Verfügung steht.

“Den Teller aufessen”

Wer erinnert sich nicht an den Spruch seiner Eltern: “Du gehst erst raus, wenn du deinen Teller aufgegessen hast.” Totaler Blödsinn. Das belegt auch eine aktuelle Untersuchung von Wissenschaftler der Universität Minnesota, auf die jetzt Focus online hingewiesen hat. Der Bericht bringt die US-Studie auf den Punkt: “Wenn Eltern ihre Kinder zwingen, immer aufzuessen, tun sie ihrem Nachwuchs keinen Gefallen. Genauso verkehrt ist es, bestimmte Lebensmittel komplett zu verbieten. Beides setzt falsche Impulse – und kann dazu führen, dass Kinder dick werden.” Was soll ich sagen? Der oben zitierte Elternspruch ist nicht nur unter Ernährungsgesichtspunkten unsinnig, sondern auch semantisch total daneben. “Den Teller aufessen”, na denn guten Appetit. Bleibt nur zu hoffen, dass kein Kind das wirklich wörtlich nimmt. Andernfalls sieht das dann so aus wie in dem Werbespot, den ich immer wieder faszinierend finde.

“Wenn ich alle sage, …”

Kinder spielen gerne. So auch unsere Enkelkinder. Und am liebsten haben sie es, wenn alle mitspielen: Mama, Papa, Oma, Opa und wer sonst noch gerade greifbar ist. So war es auch, als unser ältester Enkel uns letztens mit seinen Eltern besuchte. An diesem Tag, welch Wunder in diesem verregneten Frühling, schien sogar die Sonne. Und auch die Temperaturen waren dazu angetan, sich ausnahmsweise mal im Freien aufzuhalten. Wettrennen und Fangen steht draußen bei dem großen Kleinen besonders hoch im Kurs. Als die Erwachsenen, die ein paar Runden in diesen Disziplinen mitgespielt hatten, sich gerade wieder gesetzt hatten, befand unser Enkel, dass es jetzt an der Zeit sei, die ganze Familie auf Trab zu bringen. Als ich dann, immerhin schon etwas in die Jahre gekommen, nicht sofort von meinem Stuhl hochkam, verlieh er seiner Spielaufforderung deutlichen Nachdruck: “Wenn ich alle sage, dann meine ich auch alle.” Was soll ich sagen? Irgendwoher muss er es ja haben. Selbstbewusst und doch bescheiden.

Wenn “Opa” bröselt

“Opa” verursacht derzeit bundesweit ziemliche Probleme, und kostspielige dazu. An erster Stelle leiden die Straßenbauer. Aber auch die Politiker machen sich berechtigte Sorgen. Denn “Opa” reißt riesengroße Löcher, erst in die Straßen, dann in die Staatsfinanzen. Immerhin liegt “Opa” auf rund 400 Kilometern Autobahn herum und – bröselt. Wenn man bedenkt, dass “Opa” pro Kilometer 400.000 Euro kostet, wird die Dimension klar. Die Suche nach einem Ersatz für “Opa” läuft auf Hochtouren. Splitt-Mastix heißt die neue Zauberformel des Stoffes, der “Opa” ablösen soll, aber noch nicht zugelassen ist. Seien Sie ehrlich, Sie haben keine Ahnung, wovon hier überhaupt die Rede ist. Es geht um Flüster-Asphalt oder auch offenporigen Asphalt, kurz “Opa” genannt, der sich früher als erwartet allerorten in Wohlgefallen auflöst. Was soll ich sagen? Ein richtiger Opa ist dann doch sehr viel widerstandsfähiger, ein ganzer Kerl eben, kostet deutlich weniger und lebt länger.

Kind müsste man wieder sein

Vor allem zwei Dinge faszinieren mich bei kleinen Kindern am meisten. Da ist zum einen deren feste Überzeugung, dass sich die Welt um sie herum dreht. Und da ist zum anderen deren Fähigkeit, innerhalb kürzester Zeit Unmengen an Wissen in sich aufzunehmen und Neues zu lernen. Ich habe viel darüber nachgedacht, warum das so ist. Im ersten Fall ist die Antwort relativ einfach gewesen: Weil es so ist. Da die Kleinen immer im Mittelpunkt stehen, dreht sich die Welt tatsächlich um sie. Was die zweite Sache betrifft, war die Erklärung schon schwieriger. Aber die Antwort fiel mir wie Schuppen von den Augen, als ich jüngst den folgenden Satz von William Shakespeare aus der Komödie “Was ihr wollt” gelesen habe: Wenn man nicht weiß, wohin man will, so kommt man am weitesten. Kinder lernen nicht mit einem bestimmten Ziel, sondern weil sie einfach neugierig sind. Was soll ich sagen? Beides beneidenswert, Kind müsste man wieder sein.

Sehnsucht nach dem Besseren

Ein Ergebnis des Zensus 2011 lautet: “Neben den 18,2 Millionen Ehen gab es am Zensusstichtag in Deutschland knapp 34.000 eingetragene (gleichgeschlechtliche) Lebenspartnerschaften, davon waren rund 40 % Lebenspartnerschaften von Frauen. Insgesamt lebten 5.700 Kinder in Familien, deren Eltern eine eingetragene Lebenspartnerschaft führten, die meisten davon (86 %) in Lebenspartnerschaften von Frauen.” Soweit die Statistik. In der Süddeutschen Zeitung liest sich das dann im Vorspann des diesbezüglichen Berichtes so: “Alleinerziehende, Patchwork- oder Kleeblattfamilien: Das Vater-Mutter-Kind-Modell ist längst nur noch eine Familienform unter vielen. 5.600 Kinder lebten 2011 in Regenbogenfamilien mit homosexuellen Eltern. Fast alle von ihnen bei lesbischen Paaren.” Was soll ich sagen? Das kann man natürlich so schreiben, in der Süddeutschen allemal, wäre aber, mal abgesehen davon, dass schon die Zahl gleich am Anfang falsch ist und die 18,2 Millionen Ehen in dem Bericht überhaupt nicht vorkommen, auf Opas Redaktionstisch seinerzeit nicht durchgegangen. Damit an dieser Stelle kein falscher Eindruck entsteht. Opa hält es mit dem Alten Fritz, der den Satz geprägt hat: “… hier mus ein jeder nach Seiner Faßon Selich werden.” Mehr noch aber als der Alte Fitz war für Opa, was die Familie betrifft, die viel zu früh verstorbene Tissy Bruns, eine der angesehensten Journalistinnen unserer Zeit, das Maß aller Dinge. Sie hat einmal geschrieben: “… das Leben mit Kindern ist kaum vorstellbar, ohne sich selbst und die Nachkommen einzuordnen in einen Kontext, der weiter und größer ist als das einzelne Individuum. Kinder sind die Sehnsucht nach dem Besseren, das möglich ist. Nicht nur für Eltern und Großeltern. Wo der Ehrgeiz der Gesellschaft schwach wird, wenn sie nicht mehr alle Kinder als ‘ihre’ Kinder wahrnimmt, verliert sie ihre Zukunft.” Auf den Punkt gebracht: Das Kindeswohl steht über allem. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

“Hund nicht Beine hat”

Unsere Enkel sind nicht auf den Kopf gefallen. Selbst dem Kleinen mit seinen gerade einmal zwei Jahren kann man kein X für ein U vormachen. Dieser Tage, als er wieder einmal bei Oma und Opa war, fand er in der großen Spielzeugkiste Snoopy. Snoopy ist ein Holz-Hund, der auf Rädern fährt und fürchterlichen Krach macht. Als er sich das Teil genauer ansah, stellte er ziemlich schnell und zutreffend fest: “Hund nicht Beine hat.” Da mochte und konnte ihm Oma auch nicht widersprechen. Was unser jüngster Familienspross natürlich (noch) nicht weiß, ist, dass der Krach eben nur mit diesen Rädern erzeugt werden kann. Und das ist wohl auch der Sinn der ganzen Angelegenheit. Was soll ich sagen? Snoopy gehörte eigentlich einmal unseren ältesten Tochter. Als sie so klein war wie unser jüngster Enkel, habe ich sie am Wochenende immer mit auf den Tennisplatz zu den Medenspielen, das sind die Saisonspiele im Tennis in Deutschland, genommen. Dort durfte sie dann nach Herzenslust mit Snoopy hin und her laufen – natürlich nur auf der Seite, auf der Opas Gegner spielten. Die sind fast verrückt geworden und waren am Ende ziemlich fertig. Das ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Den Fair Play Preis, wenn es ihn denn damals gegeben hätte, hätte ich damit allerdings nicht gewonnen. Hoffentlich erzählt meinen Enkeln niemand von dieser unrühmlichen Geschichte.