„Ich fürchte, wir sehen gerade die Vorboten einer Rentnerdemokratie: Die Älteren werden immer mehr, und alle Parteien nehmen überproportional Rücksicht auf sie. Das könnte am Ende in die Richtung gehen, dass die Älteren die Jüngeren ausplündern.“ Dieser Satz ist nicht etwa eine Reaktion auf das jüngste Rentenpaket der Bundesregierung (Rente mit 63, Mütterrente, Erwerbsminderungsrente und höheres Reha-Budget), sondern ist fünf Jahre alt und stammt von Altbundespräsident Roman Herzog. Wenn dieser Mann, der am 5. April selbst 80 Jahre alt wird, vor solchen Gefahren warnt, sollte man hinhören und darüber nachdenken. Doch weit gefehlt. Die Parteien, die ja immerhin (wieder) gewählt werden wollen, überschlagen sich stattdessen und machen den Alten ein Geschenk nach dem anderen. Koste es, was es wolle. Frei nach dem Motto: Wir verkaufen unser Enkel ihre Zukunft. Was soll ich sagen? Auch Opa ist über 60 Jahre, kann sich aber gleichwohl über die aktuellen Entwicklungen gar nicht freuen. Denn nur Geschenke zu verteilen, deren Finanzierung langfristig nicht gesichert ist, ist alles andere als sozial. Sozial ist vielmehr, erst einmal das zu erwirtschaften, was man anschließend verteilen will. Andernfalls könnte es den Älteren tatsächlich einmal passieren, dass die Jüngeren die Schnauze voll haben und den Generationenvertrag aufkündigen. Und das geht ganz einfach: Die Jungen packen einfach ihre Sachen und verschwinden. Schließlich kann man auch woanders glücklich leben, nicht nur in Deutschland.
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Beruf und Familie
Während ein Essay mit dem Titel „Man muss wahnsinnig sein, um ein Kind zu kriegen“ die Diskussion über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie kräftig angeheizt hat, demonstrieren Spitzenpolitiker der neuen Bundesregierung, wie lässig sie diese Vereinbarkeit herstellen. Vier Beispiele gefällig: Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), wohnhaft in Goslar, eine Tochter, lässt wissen: Meine Frau ist berufstätig und mittwochs bin ich mit dem Abholen aus der Kita dran. Und darauf freue ich mich auch. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), Burgdorf-Beinhorn (bei Hannover), sieben Kinder: Ich hoffe, dass ich weiter viel von zu Hause aus steuern kann. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gilt auch für die Ministerin. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD), Weiler (bei Mayen in der Eifel), eine Tochter: Ich versuche, mir die Wochenenden für sie freizuhalten und einen Tag in der Woche, an dem ich bei uns zu Hause in der Eifel Heimarbeit mache. Wenn an einem Wochenende doch mal Termine anstehen, dann nehme ich mir an einem anderen Tag Zeit. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD), Schwerin, ein Sohn: Ich habe es als Landesministerin so gehandhabt, dass ich mir den Mittwochnachmittag frei hielt. Das will ich weiter tun. … Ich werde einige Tage in Berlin sein, allerdings werde ich auch mein Home Office in Schwerin für Büroarbeit nutzen. Was soll ich sagen? Ich teile zwar nicht die Aussage, dass man wahnsinnig sein muss, um ein Kind zu kriegen, sondern weiß, dass Kinder wahnsinnig glücklich machen. Ob sich allerdings ganz normale Mütter und Väter so leicht tun wie unsere vier Spitzenpolitiker, die offensichtlich einen sehr verständnisvollen und toleranten Arbeitgeber haben und auf Hubschrauber, Auto mit Fahrer, Sekretärin, Referenten oder vieles andere zugreifen können, darf bezweifelt werden. Insofern kann ich schon verstehen, wenn bei der einen Mutter oder dem anderen Vater da Frust aufkommt. Vielleicht sollten unsere Politiker weniger an sich, sondern mehr an die Bürger, ihre Wähler denken. Denn die müssen in aller Regel mit ihren Problemen alleine fertig werden – und das Ganze bezahlen.
Hauptstadt-Peperoni geerntet
Oma und Opa konnten es einfach nicht mehr abwarten. Nachdem die Peperoni-Eltern in Leipzig bereits ein gute Ernte erbracht haben, wollten wir hier in Berlin nicht hintenanstehen. Und so haben auch wir geerntet. Dafür, dass wir ja noch anfängerhafte Neulinge auf diesem Zuchtgebiet sind, finde ich, kann sich unsere Ausbeute schon ganz gut sehen lassen. Hauptstadt-Peperoni at its best, also vom allerfeinsten. Da, wie unseren treuen Lesern ja bekannt ist, die Nachfrage enorm war, sollten sich Kaufinteressenten sputen. Oma und Opa wiegen Nacht für Nacht mit der Pikogramm-Waage die Portionen ab und machen sie versandfertig. Was soll ich sagen? Das Schwierigste ist, das große Adressenetikett auf die kleinen Verpackungseinheiten zu kleben, so dass die Adresse noch lesbar ist. Eigentlich unmöglich.
PS: Frau Hornung aus Hamburg muss uns noch ihre Lieferadresse mitteilen, auch wenn die dann gar nicht zu lesen sein wird. Ordnung muss sein!
In Leipzig (Bild links) dominiert eindeutig Rot, während diese Farbe in der Hauptstadt von Grün fast vollständig verdrängt wird. Ob das etwas mit der Regierungsbildung zu tun hat?
Chancen für Kinder!
Heute ist Weltkindertag. Den haben die Vereinten Nationen 1954 ins Leben gerufen. Mittlerweile wird er in über 145 Ländern gefeiert. Dabei können die Staaten das Datum frei wählen – Deutschland hat sich den 20. September ausgesucht. Das Motto des Weltkindertags 2013 lautet „Chancen für Kinder!“. UNICEF Deutschland und das Deutsche Kinderhilfswerk haben sich auf dieses Motto verständigt, “weil noch längst nicht jedes Kind in Deutschland die Chance erhält, sein Recht auf Bildung zu verwirklichen”, wie es auf der Website des deutschen Weltkindertages heißt. Jedes Kind habe das Recht auf eine gute Schulbildung. Das lege die UN-Kinderrechtskonvention in Artikel 28 fest. Bildung sei der Schlüssel für ein erfolgreiches und selbstbestimmtes Berufsleben, vor allem aber für gesellschaftliche Teilhabe. Was soll ich sagen? Dass weltweit ein großer Teil der Kinder und Jugendlichen in den Entwicklungs- und Schwellenländern immer noch ohne ausreichende Bildung bleibt, ist schon schlimm genug und wurde im UNICEF-Report 2013 zu Recht kritisiert. Aber dass in Deutschland je nach Bundesland bis zu 14 Prozent der Jugendlichen eines Altersjahrgangs die Schule ohne Abschluss verlassen, ist ein Skandal und einer Kulturnation unwürdig.
PS: Der Weltkindertag lebt vom Mitmachen. In vielen Orten überall in Deutschland gibt es Aktionen, Feste und andere Aktivitäten. Eine Übersicht, wo was stattfindet, gibt es hier. Das zentrale Weltkindertagsfest unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten findet übrigens am 22. September in Berlin auf dem Potsdamer Platz in der Zeit von 11.00 – 18.00 Uhr statt. Also, wer in Berlin oder Umgebung wohnt: Nach dem Wahlgang Kinder einpacken und ab, nicht durch, sondern in die Mitte Berlins.
Ein Video mit Folgen
Als ich auf der Suche nach Themen und Ideen so durch das Internet streifte und gerade auf den jüngsten Auftritt der SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles im Bundestag, über den sich die Netzgemeinde gerade scheckig lacht, gestoßen war, kam Oma gerade mit unserem jüngsten Enkel zur Wohnungstür herein – Oma-Tag eben. Der Kleine hörte natürlich sofort die Melodie des Pipi-Langstrumpf-Songs und machte sich auf den Weg in mein Büro, um zu sehen, was da denn wohl los ist. Ich kam natürlich nicht darum herum, ihm das Video vorzuspielen. Wer unseren Enkel dabei gesehen hätte, hätte sich nicht mehr eingekriegt – abwechselnd vor Lachen und Entsetzen. Mit total versteinerter Miene, zu der sich Marmor im Vergleich wie sanftester Seidenstoff ausgemacht hätte, saß er vor dem Bildschirm und hörte sich die Gesangsversuche der Politikerin an. Selbst als die Aufzeichnung nach gut anderthalb Minuten zu Ende war, blieb das offensichtlich stark traumatisierte Kind regungslos auf meinem Schoß sitzen. Erst als ich ihm auf die Schnelle ein anderes Video mit Pipi Langstrumpfs Musik herausgesucht und vorgespielt hatte, entkrampfte sich das Gesicht ein wenig und über sein Gesicht huschte wieder so etwas wie ein Lächeln. Was soll ich sagen? Ich schlage für alle Wahlkampfsendungen und -auftritte den zwingenden Hinweis vor: Zu den riesigen Nebenwirkungen fressen Sie das Parteiprogramm und erschlagen Sie den irren Arzt ihres Wahlkreisabgeordneten. Hätte dem Kleinen aber vermutlich auch nicht geholfen.
“Scharfes Schwert”
Ab morgen hat jedes Kind in Deutschland ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen gesetzlichen Anspruch auf einen Kita-Platz. Soweit die Theorie. In der Praxis sieht es leider so aus, dass in vielen Städten und Gemeinden die entsprechenden Einrichtungen fehlen. Frau Schröder, gemeint ist die Bundesfamilienministerin, rät Eltern, die mit ihrem Nachwuchs sozusagen in die Röhre schauen, für diesen zu klagen. Das sei ein “scharfes Schwert”, schwärmt sie, wohlwissend, dass dieses Schwert nicht sie, sondern die Kommunen trifft. Haben die nämlich einen Ablehnungsbescheid verschickt, reicht es, wenn betroffene Eltern einen formlosen Brief an das Verwaltungsgericht schreiben. Allerdings muss in manchen Bundesländern vor Einreichung einer solchen Verpflichtungsklage fristgerecht Einspruch gegen den Ablehnungsbescheid eingelegt werden. Ob das so ist, geht aus der Rechtsmittelbelehrung des Ablehnungsbescheides hervor, die aufzeigen muss, welche Möglichkeiten Eltern haben, den Rechtsanspruch ihres Kindes auf einen Betreuungsplatz durchzusetzen. Was soll ich sagen? Hört sich ja alles ganz gut an, aber einige Städte und Gemeinde sollen schon gar keine Ablehnungsbescheide mehr verschicken und so betroffene Eltern hinhalten, die damit nämlich auch nicht klagen können. Am besten beschweren die sich bei Frau Schröder, dass ihr “scharfes Schwert” plötzlich so stumpf geworden ist.
PS in eigener Sache: Opas Blog wird heute die Marke von 100.000 Besuchen und 250.000 Seitenaufrufen überspringen, nach nicht einmal sechs Monaten. Dafür allen Lesern schon einmal vorab ein ganz, ganz herzliches Dankeschön. Mehr dazu morgen.
Gesetzliche Besuchspflicht
In China sind Kinder und Enkel jetzt gesetzlich dazu verpflichtet, ihre alten Eltern und Großeltern regelmäßig zu besuchen und sich um sie zu kümmern. Ein schon bestehendes Gesetz zur „Wahrung der Rechte und Interessen älterer Menschen“ wurde entsprechend überarbeitet. Ziel ist es danach, sich auf die Alterung der Gesellschaft einzustellen. Arbeitgeber seien angehalten, Angestellten für Familienbesuche freizugeben. Zudem will die Regierung durch wohnungspolitische Maßnahmen erreichen, dass Eltern und Kinder näher beieinander wohnen. Verstöße sollen auch mit Haftstrafen geahndet werden können. Was soll ich sagen? Abgesehen davon, ob man so erzwungene Besuche überhaupt will, stellt sich die Frage, wer die Eltern und Großeltern besuchen soll, wenn Kinder und Enkel gerade in irgendeinem Gefängnis sitzen.
PS: Vielleicht sollten die Chinesen stattdessen besser über die Einführung eines Großelterntages nachdenken.
Das Recht auf Zukunft
Eigentlich feiert man seinen Geburtstag mit einem fröhlichen, manchmal auch feucht-fröhlichem Fest – zumal, wenn es sich um einen runden Geburtstag handelt. Anders UNICEF Deutschland. Das deutsche Komitee für UNICEF, wie das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen hierzulande offiziell heißt, hat gestern anlässlich seines 60jährigen Bestehens statt zu einer Sause zu einer Pressekonferenz geladen. Und dabei gab es wenig Grund zum Feiern. Denn weltweit bleibt ein großer Teil der Kinder und Jugendlichen in den Entwicklungs- und Schwellenländern immer noch ohne ausreichende Bildung, so das Ergebnis des in Berlin vorgestellten UNICEF-Reports 2013 „Das Recht auf Zukunft“. Demnach gehen in den Entwicklungs- und Schwellenländern immer noch über 132 Millionen Mädchen und Jungen im Schulalter weder in eine Grund- noch in eine weiterführende Schule. Ihre Lernmöglichkeiten seien häufig zusätzlich durch Unterernährung in den ersten Lebensjahren beeinträchtigt. Und schon jetzt machten junge Menschen fast 40 Prozent der weltweit rund 200 Millionen Arbeitslosen aus. Was soll ich sagen? Ich kann dem Vorsitzenden von UNICEF Deutschland, Jürgen Heraeus, nur recht geben, der festgestellt hat: “Das Wissen und die Wege sind heute vorhanden, damit alle Kinder gesund aufwachsen und ihre Fähigkeiten entfalten können. Doch bis heute profitieren gerade die ärmsten Kinder zu wenig von sozialen und technologischen Fortschritten. Man kann in nahezu jedem noch so entlegenen Ort der Welt mit dem Handy telefonieren – trotzdem fehlen dort elementare Dinge wie sauberes Wasser, ausreichende Nahrung oder gute Schulen. Die Kluft darf nicht weiter wachsen.“
Ein kleines Mädchen aus einem böhmischen Dorf malte UNICEF als Dankeschön ein Bild – die erste Grußkarte war geboren. | Foto: UNICEF
Der König von Amerika
Barack Obama hält heute seine große Rede am Brandenburger Tor in Berlin. Bei seinem letzten Besuch durfte er nur an der Siegessäule reden. Aber sei’s drum. Die Sicherheitskräfte haben dieses Mal vermutlich noch intensiver als beim letzten Mal alles unter die Lupe genommen, was nicht niet- und nagelfest war. Auch unser ältester Enkel hat sich ein Bild von der Sicherheitslage verschafft. Jedenfalls war er noch am Wochenende mit seiner Mutter und seiner schwangeren Patentante am Brandenburger Tor und hat die Kontrolleure kontrolliert, die die Ecken, Schächte und Gullydeckel auf eventuelle Schwachstellen untersucht haben. Doch irgendwie hat ihn die hektische Betriebsamkeit dann doch irritiert. Jedenfalls fragte er plötzlich: “Was machen die hier eigentlich?” Pflichtschuldig antworte seine Mutter: “Die machen alles für Obama sicher.” Die nächste Frage unseres Enkels war denn zwangsläufig: “Wer bitte ist Obama.” Seine Mutter: “Der Präsident von Amerika.” Unser Enkel: “Also der König von der Amerika.” Was soll ich sagen? Kann man so sehen – allerdings mit feststehendem Verfallsdatum.
Auch das noch: “Offizieller Sex”
Morgens die Zeitung zu lesen, kann einem wirklich den ganzen Tag, man muss es so drastisch sagen, versauen. Und das war wieder so ein Tag. Als Erstes las ich einen Bericht, nach dem Eltern in Berlin – der Vater 50 Jahre, die Mutter 37 Jahre alt – ihr eineinhalb Jahre altes Mädchen mit vollurinierten Windeln und ohne Trinken alleine im Auto im Parkhaus gelassen haben, um im Fitness-Center zu trainieren – und das am späten Abend bis nach 23 Uhr. Dass sie den Einsatz der Polizei, die das “bitterlich” weinende Kind befreit hatte, indem sie eine Scheibe des Wagens einschlagen haben, “unverhältnismäßig” fanden und “sich erbost über die beschädigte Scheibe und den Tatvorwurf der Körperverletzung” zeigten, kommentiere ich wegen der zu erwartenden juristischen Folgen besser nicht. Als Nächstes stieß ich auf eine Meldung, wonach ein betrunkener Großvater im neuseeländischen Auckland seinen siebenjährigen Enkel ans Steuer gelassen hat, um heile nach Hause zu kommen. Auch hier verkneife ich mir jeden Kommentar. Weniger dramatisch, aber irgendwie unglaublich war das, was zum Schluss kam, da ich die Zeitung danach aus Verzweiflung weggelegt habe: Das türkische Familienministerium hat für Ehepaare des Landes jetzt eine Sex-Anleitung herausgegeben, um, so könnte man meinen, den Kinderwünschen von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, der mindestens drei Kinder pro Familie bei seinen Landsleuten sehen will, mehr Nachdruck zu verleihen. Was soll ich sagen? Zeitung zu lesen, macht wirklich keinen Spaß mehr – und dieser “offizielle Sex”, wie die türkische Zeitung „Hürriyet“ ihn nennt, vermutlich noch viel weniger.
