Groene vingers voor beginners

Die Überraschung, die unser jüngster Enkel für Opa in petto hatte, war gelungen. Bei seinem letzten Besuch bei uns hat er nämlich zusammen mit Oma ganz heimlich, still und leise diverse Kräuter und Gemüse eingesät, deren Wachstum wir nun gemeinsam verfolgen können. Die Idee stammt von einer niederländischen Supermarktkette, die die die Samen samt des dazugehörenden Equipments – Anleitung, Erde und Vorziehtöpfen – als Marketingmaßnahme unters Volk gebracht hatte – mit dem Slogan “Groene vingers voor beginners”. Eine Schwester von Oma hat dabei sofort auch an unsere Enkel gedacht und fleißig für uns gesammelt. Was soll ich sagen? Hoffentlich entwickeln sich Kräuter und Gemüse besser als unsere Peperoni, deren Aufzucht zuletzt kläglich gescheitert war.

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Fantasie freien Lauf lassen

Die Fantasie von Kindern ist etwas Herrliches. Und sie zu fördern, macht nicht nur Spaß, sondern ist wichtig für die Entwicklung des Nachwuchses. Unser jüngster Enkel beispielsweise liebt es, Bilderrätsel zu kreieren, die dann von Mama oder Papa bzw. Oma oder Opa zu lösen sind. Wenn man dann selbst seiner Fantasie freien Lauf lässt, ist es gar nicht so schwer, die Bilder zu entziffern. Was soll ich sagen? Ist doch wohl klar, was auf den Blättern unten abgebildet ist, oder?

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Neue Leidenschaft

Unsere Enkel haben eine neue Leidenschaft entdeckt: Prickeln. Was das ist? Das ist eine Bastelltechnik, bei der mit einer Nadel Formen ausgestochen werden. Dies geschieht meist auf einer Schaumstoff- oder Pappunterlage, auf der sich die Prickelnadel besser durch die Pappe oder das Papier durchstechen lässt. Vor allem in Kindergärten wird diese Methode dem Schneiden mit einer Schere gerne vorgezogen, weil sie nicht so gefährlich ist. Was soll ich sagen? Unsere beiden Enkel haben das Prickeln jetzt sogar noch weiterentwickelt. Da werden nicht nur Formen ausgestochen, sondern gemalte Bilder mit Löchern ergänzt und verfeinert.

PrickelnNeue Leidenschaft unserer Enkel: Prickeln. Da wird gelöchert, was das Zeug hält.

Ein Himmelsspektakel

Ein Weihnachtsvollmond ist eine seltene Sache. Aber dieses Jahr war es – nach 1977 – wieder so weit. Und nach Angaben der NASA, der US-amerikanischen Weltraumbehörde, wird es erst in 19 Jahren erneut so eine Himmelskonstellation geben. Warum das so ist bzw. nicht ganz stimmt, ist ziemlich kompliziert. Wen es interessiert, kann es hier nachlesen. Fest steht aber, dass es rund um die Weihnachtstage tolle Bilder am Himmel zu sehen gab. Auch Oma und Opa hatten sich auf den Weg gemacht, um das Himmelsspektakel zu bewundern, und wurden belohnt. Was soll ich sagen? Es waren bemerkenswerte Bilder, die sich da auftaten. Und das ist in der Tat nicht alle Tage gegeben.

MondaufgangEin Mondaufgang, der sich sehen lassen kann, und ziemlich voll dazu.

Kein Platz für 24 Kerzen

Das mit der Adventszeit ist eine schwierige und komplizierte Angelegenheit. Als unser jüngster Enkel letztens bei uns war und bemerkte, dass an unserem Adventskranz nur eine Kerze in Betrieb war, beschwerte er sich mit der Begründung: „Ich habe an meinem Adeventskalender doch schon zwei Päckchen aufgemacht.“ Als Oma ihm dann erklärte, dass der Rhythmus am Kalender täglich und am Kranz wöchentlich getaktet ist, resignierte er und akzeptierte wohl oder übel diese Begründung. Was soll ich sagen? Vielleicht hätte ihm Oma einfach nur sagen müssen, dass 24 Kerzen auf dem Kranz keinen Platz gehabt hätten. Aber so ist das eben: Auf die einfachsten Sachen kommt man immer erst hinterher.

IMG_2370 KopieNur eine Kerze am Adventskranz in Betrieb: Das hat unseren Jüngsten irgendwie irritiert.

Ai Weiwei: Erfrischend anders

Dieses Mal hat es geklappt. Im letzten Jahr, als Ai Weiwei seine Ausstellung Evidence im Berliner Martin-Gropius-Bau hatte, musst Opa ja Rücken bedingt passen. Am Sonntag nun, als der chinesische Künstler seine dreijährige Gastprofessur an der Universität der Künste Berlin (UdK) antrat, war Opa mit von der Partie. Und es hat sich gelohnt. Fast etwas schüchtern präsentierte sich der 59-Jährige den rund 1.200 Zuhörern, die in den Konzertsaal an der Hardenbergstraße gekommen waren, und verblüffte sie mit zum Teil überraschenden Geständnissen. So tue er sich schwer, seine Pläne, was er mit seinen Studenten so alles machen wolle und werde, vor so vielen Leuten auszubreiten, sagte er. Schließlich wisse er das noch gar nicht, führte er weiter aus und: „Ich werde bestimmt auch selbst viel lernen.“ Das hoffen seine Studenten ebenfalls, denen er bei den Bewerbungsgesprächen gleich eine Hoffnung geraubt hatte: “Glauben Sie es oder nicht: Ich verstehe nichts vom Markt“, sagte er denen, die wissen wollten, wie denn der Kunstmarkt funktioniere, und sortierte sie dann gleich aus. Leer gingen zudem die aus, die von Ai eine Definition von Kunst erwartet hatten. Auf eine entsprechende Frage aus dem Publikum antwortete er nach längerem Nachdenken schlicht und ergeifend, das könne er nicht. Was soll ich sagen? Das war mal erfrischend anders als anders: Ein ausgesprochen humorvoller Mann, der dafür, dass er angeblich nicht liest, sehr belesen klingt.

IMG_2217Trat seine dreijährige Gastprofessur an der Universität der Künste in Berlin an: Ai Weiwei.

Farbscheiß – einfach zu bunt

Dass unser jüngster Enkel ein ganz großer Maler ist, ist ja mittlerweile bekannt. Und dass jeder Künstler so seine Phasen hat, weiß man auch. In welcher sich unser kleiner Künstler gerade befindet, ist schwer zu definieren. Ich würde sie ja mal als Experimentierphase bezeichnen: Da wird mit einer Zahnbürste die Farbe verspritzt. Da wird ausgemalt. Da wird mit Schablonen gearbeitet. Und da wird gemischt, was die Farben hergeben. Und, und, und. Dass das am Ende nicht immer zu einem befriedigenden Ergebnis führt, musste unser Mini-Picasso auch noch erfahren. Künstler sagen dazu Farbscheiß, weil es eben genau so aussieht. “Das ist jetzt mein Farbscheiß-Bild”, war denn auch der Kommentar  unseres Jüngsten. Was soll ich sagen? Farbenvielfalt bedeutet eben nicht zwangsläufig bunt, sondern oft auch zu bunt. Da weiß man doch gleich, woher die entsprechende Redensart kommt.

IMG_2174Noch ist das Bild schön bunt. Es dauerte aber nicht lange, da war es allen dann zu bunt.

Geschichte einmal anders

“Wenn das heutige Deutschland so etwas hat wie einen Anger, eine Allmende, einen Platz für große Feste und Versammlungen, dann ist es wohl das Areal rund um das Brandenburger Tor. Seit langem ist dies die bevorzugte Szenerie für Treffen und Umzüge der Stadtbewohner, doch seit der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten ist der strenge neoklassische Torbau zum selbstverständlichen Hintergrund aller großen nationalen Ereignisse geworden”, schreibt der schottische Kunsthistoriker Neil MacGregor in dem heute erschienenen Buch “Deutschland: Erinnerungen einer Nation”. Und mit diesem Brandenburger Tor beginnt er auch sein Geschichts-Puzzle, bei dem er Stück für Stück mit der Gutenberg-Bibel, Porzellan aus Dresden, deutschem Bier und deutscher Wurst, Goethe, Schneewittchen und Mutter Courage, der Krone Karls des Großen, einem Tauchanzug made in Ostdeutschland oder dem Tor von Buchenwald ein konsistentes Deutschland-Bild zusammenfügt. Sozusagen das letzte Puzzle-Teil ist Betty von Gerhard Richter, “Betty”, schreibt MacGregor am Ende des Buches, “lebt in einem Raum, der noch erfüllt ist von Werken ihres Vaters, auch wenn das Gemälde an der Wand hinter ihr im Dunkeln nicht mehr zu erkennen ist, so wie alle Deutschen in der Gegenwart der Taten ihrer Vorgänger leben – einer Präsenz, die zwar blasser wird, aber immer noch bestimmend ist. Was Betty von ihrem Vater und seiner Generation hält, was sie daraus macht, können wir nicht erkennen. Doch gleich wird sich diese junge Frau uns zuwenden – und der Zukunft.” Was soll ich sagen? Das ist Geschichte einmal anders als anders und absolut empfehlenswert. Wer mehr zu “Deutschland: Erinnerungen einer Nation” erfahren möchte, wird bei Opas Tests und Kritiken unter der Rubrik Bücher fündig.

IMG_0121Mit dem Brandenburger Tor beginnt Neil MacGregor sein Geschichts-Puzzle, mit dem er in dem heute erschienenen Buch unter dem Titel “Deutschland: Erinnerungen einer Nation” ein konsistentes Bild von Deutschland zusammenfügt. Absolut empfehlenswert.Deutschland_cover

Unsere Erde – eure Welt

Der Film Unsere Erde ist wohl einer der spektakulärsten und erfolgreichsten Naturdokumentationen der deutschen Kinogeschichte. 30 Millionen Euro kostete der Film, für den über 40 Kamerateams vom 10. Oktober 2003 bis zum 16. September 2006 an über 4.000 Drehtagen 1.000 Stunden Filmmaterial speicherten, das an mehr als 200 Drehorten in 26 Ländern entstand. So unglaublich die Zahlen sind, so phantastisch sind auch die Bilder – von denen, das soll nicht verschwiegen werden, einige manipuliert wurden. Wie dem auch sei: Es lohnt sich auch heute noch, den 2007 erschienenen Film anzuschauen. Und da die Altersfreigabe ab 6 Jahre gilt, kann man das auch mit kleineren Kindern tun, um sie frühzeitig für die Natur zu begeistern. Oma und ich tun das regelmäßig mit unseren Enkeln. Aufpassen muss man nur, dass man den Film-Titel auch richtig und verständlich rüberbringt. Ansonsten kann es einem so ergehen, wie der Mutter unserer Praktikantin. Die hatte seinerzeit ihrem Patenkind versprochen, in Unsere Erde zu gehen. Irgendwann fragte es dann nach und wollte wissen: „Wann gehen wir jetzt in eure Welt?“ Was soll ich sagen? Unsere, eure, meine, deine, Erde, Welt – ganz schön schwierig und unfassbar schön.

Stück für Stück

Über dieses Spielzeug würde sich nicht nur jedes Kind freuen, sondern wohl auch jeder Erwachsene: „Das prachtvolle Schiff ist mit Masten und Takelage ausgestattet, als wolle es gleich in See stechen. Hoch auf dem Achterdeck thront der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Vor ihm defilieren seine höchsten Würdenträger, einer nach dem anderen dreht sich um und bezeugt dem Herrscher seine Ehrerbietung. Aus dem Schiffsrumpf dringt Orgelmusik. Dann feuern, begleitet von plötzlichem Getöse und aufsteigendem Rauch, die Schiffskanonen los, und die kaiserliche Galeone setzt sich majestätisch in Bewegung. All das läuft im Miniaturformat ab. Unser Schiff ist ein kunstvoll gestaltetes Modell aus vergoldetem Kupfer und Eisen, seine Höhe beträgt rund einen Meter. Es ist nicht dazu bestimmt, die Meere zu befahren, sondern dazu, über einen sehr großen Tisch zu rollen. Es ist ein Dekorationsgegenstand, aber gleichzeitig auch eine Uhr und eine Spieldose – in Form einer dreimastigen Galeone, wie sie im 16. Jahrhundert als Handels- und Kriegsschiffe entwickelt wurden. Ein kompliziertes Räderwerk im Inneren trieb das Schiff früher an und erzeugte Geräusche, Rauch und Bewegung. Heute liegt das Schiff im Britischen Museum still vor Anker“, lautet die Beschreibung von Neil MacGregor, der sowohl Direktor dieses Museums als auch Autor des Buches ist, in dem er unter dem Titel „Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten“ diese Objekte nicht einfach nur beschreibt, sondern dem Leser Stück für Stück die Weltgeschichte nahe bringt.

„Dieser Schiffsautomat ist ein wahrhaft beeindruckendes Luxusspielzeug der europäischen Renaissance, und es steht nicht nur sinnbildlich für den europäischen Schiffsbau zwischen 1450 und 1650, sondern für Europa selbst. In diesen zwei Jahrhunderten veränderte sich die Sicht Europas von der Welt und dem eigenen Platz in ihr grundlegend“, schreibt MacGregor. Und allein dieser gedankliche Bogen lässt schon erahnen, mit welcher Leichtigkeit der Kunsthistoriker die Welt erklären kann. Was soll ich sagen? Wer noch mehr über das Buch erfahren will, wird bei Opas Tests und Kritiken unter der Rubrik Bücher fündig. Und ich kann versprechen: Es lohnt sich!

MacGregorGeschichtederWelt_S. 566 KopieSchiffsautomat © The Trustees of the British Museum