Eine gute Pointe

Hellmuth Karasek, der vor einer Woche im Alter von 81 Jahren in Hamburg verstorben ist, war einer der wohl profiliertesten deutschen Journalisten und Literaturkritiker. Im Literarischen Quartett des ZDF bot er dem dominierenden Marcel Reich-Ranicki Paroli. Der wiederum hatte im Jahr 2004 seinem „Freund und Weggefährten“ im Tagesspiegel mit einem Beitrag zum 70. Geburtstag gratuliert und unter anderem geschrieben: „Jetzt wird er also siebzig Jahre alt. Da sei es doch höchste Zeit, könnten manche meinen, endlich ganz erwachsen zu werden, also sich des Kindlichen energisch zu entledigen und auf das Spiel zu verzichten. Aber ich denke nicht daran, derartiges von Karasek zu erwarten. Im Gegenteil: Er soll, er muss bleiben, wie und was er ist.“ Und das hat er getan, bis zum Schluss. Nur ein paar Wochen vor seinem Tod rezensiert er noch das meistgedruckte Buch der Welt unserer Zeit – den IKEA Katalog. Was soll ich sagen? Das war noch einmal ganz großes Kino. Um es in Karaseks Worten auszudrücken: „Eine gute Pointe ist besser als eine schlechte Welt.“ Danke Hellmuth Karasek.

Unsere Erde – eure Welt

Der Film Unsere Erde ist wohl einer der spektakulärsten und erfolgreichsten Naturdokumentationen der deutschen Kinogeschichte. 30 Millionen Euro kostete der Film, für den über 40 Kamerateams vom 10. Oktober 2003 bis zum 16. September 2006 an über 4.000 Drehtagen 1.000 Stunden Filmmaterial speicherten, das an mehr als 200 Drehorten in 26 Ländern entstand. So unglaublich die Zahlen sind, so phantastisch sind auch die Bilder – von denen, das soll nicht verschwiegen werden, einige manipuliert wurden. Wie dem auch sei: Es lohnt sich auch heute noch, den 2007 erschienenen Film anzuschauen. Und da die Altersfreigabe ab 6 Jahre gilt, kann man das auch mit kleineren Kindern tun, um sie frühzeitig für die Natur zu begeistern. Oma und ich tun das regelmäßig mit unseren Enkeln. Aufpassen muss man nur, dass man den Film-Titel auch richtig und verständlich rüberbringt. Ansonsten kann es einem so ergehen, wie der Mutter unserer Praktikantin. Die hatte seinerzeit ihrem Patenkind versprochen, in Unsere Erde zu gehen. Irgendwann fragte es dann nach und wollte wissen: „Wann gehen wir jetzt in eure Welt?“ Was soll ich sagen? Unsere, eure, meine, deine, Erde, Welt – ganz schön schwierig und unfassbar schön.

Bitterer Nachgeschmack

Es ist ein gutes Jahr her, dass der Berliner Rechtsmediziner Michael Tsokos und seine Kollegin Saskia Guddat mit ihrem Buch Deutschland misshandelt seine Kinder versucht haben, das Land und seine Menschen wachzurütteln. Gestern nun wurde eine Neuauflage in Form einer Erweiterten Taschenbuchausgabe vorgestellt. Dabei enthält das Vorwort unter der Überschrift „Was unser Buch bewirkt hat (und was noch nicht)“ eine Passage, die einen – unabhängig vom eigentlichen Thema – schon ein wenig nach Luft schnappen lässt. „Zweimal waren wir auch bei Günther Jauch eingeladen, wurden jedoch jeweils im letzten Moment wieder ausgeladen, da sich die Redaktion für ein anderes, offensichtlich viel wichtigeres Thema entschieden hatte. Inwiefern die Schweizer Schwarzgeldkonten einer Alice Schwarzer brisanter sein sollen als das von uns angeprangerte tödliche Versagen des deutschen Kinderschutzes und inwiefern die Edathy-Affäre keine Überschneidungspunkte mit unserer Thematik aufweist, will sich uns allerdings bis heute nicht erschließen. Aus unserer Sicht lässt dies in Sachen Günther Jauch einen schalen Nachgeschmack zurück.“ Was soll ich sagen? Der schale Nachgeschmack wird noch bitterer, wenn man sich einmal näher anschaut, welche Themen für die Sendungen relevant sind. Gibt man beispielsweise den Suchbegriff Euro auf Günther Jauchs Seite ein, bekommt man satte 119 Treffer angezeigt. Geld bringt immerhin noch 54 Treffer, Steuern 25, Banken 21, Löhne 14, Hoeneß 13, Reiche 6 und Soli 5. Money makes the world go round. Und nach dem Motto Sex seils: Die Prostitution bringt es auf 7 Treffer, Kinderpornografie und Sex immerhin jeweils noch auf 4. Und Kinderschutz? Jetzt dürfen sie raten: Sage und schreibe 2 Treffer, beide datiert vom 26. Februar 2012. Der Weckruf von Tsokos und Guddat ist bei der Günther Jauch-Redaktion offensichtlich völlig ungehört verhallt, was um so ärgerlicher ist, als wir alle deren Tiefschlaf bezahlen – müssen.

Taschenbuch Tsokos                                  Deutschland misshandelt seine Kinder                                                                      Michael Tsokos & Saskia Guddat                                                                                    320 Seiten, 9,99 Euro                                                                                                  ISBN: 978-3-426-78637-6                                                                                          Knaur TB 2015

Eine gewisse Ähnlichkeit

Unser ältester Enkel liebt Yakari. Der wiederum ist ein kleiner Sioux-Junge, der mit Tieren reden kann, und eine der beliebtesten Comicfiguren von KiKA. In Folge 59, die man unten sehen kann, soll er gemeinsam mit seinem Freund Kleiner Dachs auf seine Großmutter Schnelle Schildkröte und deren Jugendfreund und Stammesältesten Stiller Fels aufpassen, was der kleine Sioux diplomatisch in “helfen” verpackt. Dennoch findet das Stiller Fels gar nicht gut: “Ich komme seit mehr Sommern, als ihr zählen könnt, bestens zurecht, und es wäre eine sehr unschöne Überraschung, wenn sich daran jetzt etwas ändern sollte”, sagt er, was Opa irgendwie verstehen kann. Sind es doch in der Regel die Alten, die auf die Jungen aufpassen. Oma und Opa jedenfalls würden auch ganz komisch aus der Wäsche schauen, wenn es plötzlich hieße: “Die Enkel passen auf euch auf.” Was soll ich sagen? Vermutlich wird es aber doch irgendwann einmal so weit kommen. Denn eine gewisse Ähnlichkeit zwischen Schneller Schildkröte und Stiller Fels auf der einen Seite sowie Oma und Opa auf der anderen Seite ist nicht zu leugnen. Wie sagt Kühner Blick, der Vater von Yakari, doch sehr richtig: “Die Ältesten sind immer für eine Überraschung gut.” Und das trifft ganz gewiss auf Oma und Opa zu.

Erika Klose kontra Helene Fischer

Unsere beiden Enkel liegen voll im Trend. Wie die meisten deutschen Männer, die nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts „Mafo.de“ im Auftrag des Magazins Playboy absolut von Helene Fischer begeistert sind, schwärmen auch unsere Kurzen von der hübschen Blondine. Wenn die gebürtige Russin über irgendeinen Bildschirm flimmert, schmelzen sie ebenso dahin wie weiland die frisch gebackenen Fußball-Weltmeister am Brandenburger Tor. Allerdings hat die Sängerin starke Konkurrenz, zumindest bei unseren Enkeln. Jedenfalls gibt es da eine – ebenfalls blond gelockte – Erika Klose, die auch noch einen ganz spannenden und faszinierenden Beruf ausübt: Astronautin. Und wenn die über den Bildschirm flimmert, dann hat selbst ihre singende Kollegin kaum eine Chance und bei unseren beiden gibt es kein Halten mehr. Die junge Dame düst nämlich durchs Weltall und hat da zwei Fragen, die auch für die Buben von größtem Interesse sind: „Wo? Wo? Wo geht ein Astronaut auf’s Klo? Wie? Wie? Wie macht ein Astronaut Pipi?“ Die Antwort, die schließlich von der Erde kommt, ist so einfach wie ernüchternd: „Ein Astronaut, der braucht dazu kein Klo. Ein Astronaut, der macht es einfach so. Liebe Erika Klose, mach’ einfach in die Hose!“ Was soll ich sagen? Helene Fischer kann einem ja fast ein wenig Leid tun. Aber gegen den Songtext der Astronautin Erika Klose hat selbst Atemlos durch die Nacht kaum eine Chance. Und wen noch mehr spannende Fragen aus dem Weltraum interessieren, der kann ja auf die Sonderseite der Maus gehen, die zusammen mit dem deutschen Astronauten Alexander Gerst am 28. Mai 2014 ins All geflogen und gerade gestern erst wieder wohlbehalten auf der Erde gelandet ist.

                              Gegen Erika Klose (oben) hat selbst Helene Fischer (unten) kaum eine Chance.

„Bosheit ist kein Lebenszweck!“

„Max und Moritz machten beide, als sie lebten keine Freude“, heißt es in der Einleitung zu eben jener Bubengeschichte, die seit ihrer Erstveröffentlichung im Oktober 1865 Generationen von Kindern in ihren Bann gezogen hat. „Mit behaglichem Gekicher, weil du selbst vor ihnen sicher“, lauschen auch unsere beiden Enkel mit wachsender Begeisterung, wenn Opa die sieben Streiche dieser bösen Kinder vorliest, „die, anstatt durch weise Lehren sich zum Guten zu bekehren, oftmals noch darüber lachten und sich heimlich lustig machten.“ Und in der Tat ist ja das, was Max und Moritz der armen Witwe Bolte, Meister Böck, Lehrer Lämpel, dem Zuckerbäcker und Bauer Mecke antun, nicht von schlechten Eltern. „Aber, wehe, wehe, wehe! Wenn ich auf das Ende sehe!!“ Da wird doch ziemlich deutlich: „Bosheit ist kein Lebenszweck!“, sondern rächt sich. Was soll ich sagen? Auch wenn die Geschichte dieser Bösewichter schon in die Jahre gekommen ist, hat doch die Darstellung und Unterscheidung von richtig und falsch sowie gut und böse nach wie vor ihre Berechtigung bzw. ist notwendiger denn je. Denn nicht einmal im Fernsehen mehr enden alle Kriminalgeschichten damit, dass am Ende das Gute siegt. Nur eben bei Wilhelm Busch bleibt es dabei: „Gott sei Dank! Nun ist’s vorbei mit der Übeltäterei!“

IMG_1682 Opa liest seinen Enkeln “Max und Moritz” vor: Steckt dahinter etwa auch ein kluger Kopf?

Omas und Opas Briefkasten

Dass Fußballer zuweilen Sätze von sich geben, die für die Ewigkeit gemacht sind, wissen wir spätestens, seit Lothar Matthäus gesagt hat: „Wir dürfen jetzt nicht den Sand in den Kopf stecken“, oder Andy Möller kurz vor seinem Wechsel zu Juventus Turin zum Besten gab: „Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien.“ Aber auch die Sprache der Fußball-Reporter hat was. Die Sendung mit der Maus nahm jetzt die Fußballfloskeln wörtlich und demonstrierte, wie es beispielsweise aussieht, wenn sich Mannschaften am Anfang des Spiels erst einmal abtasten oder Klose den Ball unter die Latte nagelt. Was soll ich sagen? Wirklich sehenswert. Allerdings müssen Oma und Opa betonen, dass dieser Blockbuster wohl nicht zustande gekommen wäre, wenn wir nicht gerade unseren Briefkasten über Ebay verkauft und damit eines der wichtigsten Utensilien für den Film zur Verfügung gestellt hätten. Die Produktionsfirma brauchte nämlich dringend einen Briefkasten, in dem Neymar den Pass annehmen konnte, den Dante weit nach vorne geschickt hatte. Leider gibt es noch keinen Oscar für die beste Requisite. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

IMG_0003Was hätte die Produktionsfirma bloß ohne Omas und Opas Briefkasten gemacht?

Wilsberg – ein toller Typ

Für Oma und Opa gibt es sozusagen zwei Pflicht-Fernsehtermine: Wilsberg und den Tatort aus Münster. Da kann kommen, was will – die beiden Serien müssen wir sehen. Grund für unsere Leidenschaft ist, dass wir selbst einige Jahre in Münster verbracht haben. Und da die Geschichten beider Serien in Münster stattfinden … alles klar: Ein nostalgisches Gefühl also. Diese Woche nun gab es für Oma und Opa eine Begegnung der ganz besonderen Art. Die Freunde des Münsterlandes in Berlin hatten zu einer Lesung geladen, die bestritten wurde von … na , wem wohl: Genau, Georg Wilsberg alias Leonard Lansink. Was soll ich sagen? Jetzt werden wir Wilsberg noch intensiver als bisher anschauen. Denn so sympathisch der Buchantiquar und Privatdetektiv Wilsberg in der Serie ist, so sympathisch ist auch der Schauspieler Lansink im realen Leben. Die Gespräche mit ihm nach der Lesung waren unterhaltsam und haben richtig Spaß gemacht. Und neben den beiden Wilsberg-Fans Oma und Opa wird es jetzt vermutlich noch zwei weitere geben, auch wenn die die Sendung noch nicht sehen können. Denn für unsere beiden Enkel haben wir von ihm Autogrammkarten mit bekommen – mit persönlicher Widmung, versteht sich. Wirklich ein toller Typ, dem wir einen ausgesprochen kurzweiligen Abend zu verdanken haben.

IMG_1567Opa im Gespräch mit Georg Wilsberg alias Leonhard Lansink.