Schon ziemlich alt – oder?

Oma und Opa haben gerade Nachrichten gesehen. Dabei ging es u.a. um das Weltwirtschaftsforum in Davos, bei dem an diesem Tag neben Angela Merkel einer der prominentesten Redner der französische Staatspräsident Emmanuel Macron war. Als wir also die Bilder aus dem Schweizer Kur- und Skiort sahen, wurden bei uns doch Erinnerungen wach. Denn unsere Hochzeitsreise vor 42 Jahren ging seinerzeit auch dorthin. Das waren, wie man sich vorstellen kann, nette Erinnerungen, die allerdings noch dadurch einen besonderen Kick bekamen, als wir realisierten, dass eben dieser Macron zu dem Zeitpunkt, als wir dort unsere ersten Gehversuche in unserer Eher unternahmen, noch nicht einmal geboren war. Was soll ich sagen? Es ist wohl besser, dass wir nicht noch weiter darüber nachdenken. Denn dann müssten wir zwangsläufig zu dem Ergebnis kommen, dass wir doch schon ziemlich alt sind. Jedenfalls fühlen wir uns so, als meine jüngste Tochter einmal gesagt hat: Jetzt bin ich wirklich alt! Das war, als sie feststelle, dass sie die heutigen Fußballtrainer noch als Spieler kannte.

Ab und zu “cool”

Der Schock war groß und saß zunächst tief. Am Montag habe ich meine Rente beantragt. Dabei kam ich mir in den Räumlichkeiten der Deutschen Rentenversicherung ziemlich deplatziert vor. Jedenfalls fühlte ich mich alles andere als ein Rentner. So langsam habe ich mich erholt, weiß aber immer noch nicht so recht, wie ich damit umgehen soll, dass ich demnächst Ermäßigungen verlangen darf, wenn ich ins Kino gehe, ins Theater oder in Ausstellungen. Irgendwie sagt mir mein Kopf etwas anderes als das Geburtsdatum meines Ausweises. Der heutige Aufmacher in der Online-Ausgabe der Welt hat mich zumindest ein wenig beruhigt. Stand da doch zu lesen: „Karriere, Liebe, Spaß: Auch für Ältere lohnt es sich, Neues zu wagen.“ Allerdings geht es in dem Artikel mehr um die Generation 50 plus als um die von 65 plus. Und so Sätze wie „Der Greis bleibt mit viel Mühe heiß“ waren letztlich auch nicht dazu angetan, mich mental aufzurichten. Und wenn „50 angeblich das neue 40 ist“, ist dann 65 das neue 55? Fragen über Fragen, die auch nicht viel weiter helfen. Einen Lichtblick aber gibt es: Donald Trump. Dieser „Idiot“ bzw. „Trottel“, wie Vertraute und Berater des US-Präsidenten ihn nennen, hat sich jetzt als „stabiles Genie“ geoutet. Was soll ich sagen? Also, wenn der 71-Jährige ein „stabiles Genie“ ist, dann ist Opa … Ja, was eigentlich? Auch wenn es vermutlich die meisten am liebsten heiß mögen, bin ich schon sehr zufrieden damit, dass mich meine Enkel ab und zu „cool“ finden. Wenn das nichts ist …

Unverzagt und munter

Das war eine Woche. Erst Opas Geburtstag – und dann ging’s rund. Aber wie wusste bereits Wilhelm Busch: “Und ging’s auch drüber oder drunter, wir bleiben unverzagt und munter …” Das haben Oma und ich auch gesagt und munter weiter vor uns hin gewerkelt. So langsam ist auch wieder Land in Sicht und ich komme endlich wieder einmal dazu, meinen Blog zu bedienen. Dabei darf natürlich nicht zu kurz kommen, was mir meine Enkel geschenkt haben. Während der eine mir Topflappen für die Küche verziert hat, hat der andere eine Kaffeetasse bemalt. Oma war schon vor einiger Zeit in den Genuss eines solchen Becher-Kunstwerkes gekommen. Jetzt können wir morgens sozusagen auf (gleicher) Becherhöhe miteinander anstoßen – so nach dem Motto: Guten Morgen liebe Sorgen, seid ihr auch schon alle da … Was soll ich sagen? Morgen gibt es auch wieder einen Beitrag. Versprochen!

Die Geschenke meiner Enkel.

Vivat! Vivat! Vivat!

Nein, das ist nicht Opa, der hier schreibt. Es ist Oma, die ihrem lieben Mann heute zum Geburtstag gratulieren möchte. Also: Herzlichen Glückwunsch zu Deinem 65. Geburtstag, bleib’ so, wie Du bist, und vor allem gesund, damit Du uns noch lange erhalten bleibst. Was soll ich sagen? Hoch soll er leben, dreimal hoch: Vivat! Vivat! Vivat!

Interview mit dem “Kurier”

Opa ist jetzt auch in Österreich groß rausgekommen. Der Kurier, eine überregionale Tageszeitung des Landes, hat ein Interview mit mir geführt und veröffentlicht. “Das ist Deutschlands einziger bloggender Opa”, lautet die Überschrift des Textes, der hier zu finden ist. Was soll ich sagen? Mal sehen, vielleicht gibt’s ja im Nachbarland bald mal einen Nachahmer.

Es fehlt die emotionale Nähe

Die meisten Leser werden enttäuscht sein. Denn der Titel Großvater sein adressiert bereits die Zielgruppe: Großväter oder die, die es gerade werden (wollen). Denn wer sonst sollte zu diesem Buch greifen? Vor diesem Hintergrund allerdings fehlt dem Buch die emotionale Nähe, die Autor Eckart Hammer selbst eingesteht: „Nein, ich bin (noch kein) Großvater. Nicht nur meine betagte Mutter höre ich darum zweifelnd fragen, ‚wie kannst du über etwas schreiben, von dem du selbst noch keine Ahnung hast?‘ Ja, ich kann in der Tat nicht am eigenen Leib spüren, was es heißt Großvater zu sein, diese existenzielle Erfahrung fehlt mir. Deswegen könnte es mir eines Tages vielleicht wie damals gehen, als der studierte Sozialpädagoge Vater wurde und sich zwischen Theorie und Praxis plötzlich eine erstaunliche Lücke auftat.“ Das wird wohl so sein, mag man als geneigter und enkelerprobter Leser anmerken – wenn es denn so kommt, wie sich der potenzielle Großvater in spe es wünscht: „Ich hätte Lust, noch für eine dritte Runde ins Kinderzimmer und in andere Kinderwelten zurückzukehren, mit einem Enkel Sachen zu machen, die ihm und mir Spaß machen und ihm ein Entwicklungspartner zu sein, an den es mit guter Erinnerung zurückdenkt.“ Doch, und hier tut sich bereits die erste große Lücke zwischen Theorie und Praxis, zwischen Buch und wirklichem Leben auf. Denn gerade diese Sichtweise prägt nicht die 175 Seiten, sondern sein letzter Satz, der bereits auf dem Klappentext in die falsche Richtung weist: „Wahrlich, ich wäre gerne ein Vater, dem der liebe Gott eine zweite Chance schenkt!“ Doch genau darum geht es beim Großvater-Sein gerade nicht! Dieses, so sieht es jedenfalls Hammer, „eröffnet Männern eine zweite Lebens- und Entwicklungschance: Sie können im Rentenalter neuen Lebenssinn und Erfüllung erfahren und das nachholen, was sie in der Beziehung zu ihren eigenen Kindern vielleicht versäumt haben.“ Abgesehen einmal davon, dass das Vaterbild seinerzeit im Zweifel ein völlig anderes war als heute, kann es bei dem Thema doch nicht um die Perspektive des Großvaters gehen, sondern sollte doch der Blickwinkel des Enkels im Mittelpunkt stehen. Insofern verwundert es nicht und ist zudem ausgesprochen schade, dass erst auf Seite 77 von den „Chancen für die Enkel“ die Rede ist, die dann auch noch etwas kurz kommen. Dafür hat Oma dann nur noch den Kopf geschüttelt, als sie in eben diesem Kapitel lesen musste: „Dauerhaft zu Hause zu sein kann für Männer problematisch sein. Während für Frauen das Zuhause deren weibliche Identität bestärkt, fühlen sich Männer dort deplatziert und in ihrer Identität gefährdet“, und die Frage in den Raum gestellt: „Ja lebt der denn noch in einer Höhle?“ Nun will ich nicht das ganze Buch zerreißen. Es stehen auch richtige Dinge drin wie: Großvater zu werden, ist eine Gnade. Oder: Enkel werden einem ungefragt geschenkt. Aber abgesehen davon, dass der Autor ziemlich oft und willkürlich zwischen Großeltern und Großvätern wechselt, zeugen viele Aussagen von der Unkenntnis des Nicht-Großvaters: „Die Ankündigung des ersten werdenden Enkels gibt dem Mann Anlass und Gelegenheit, sich mit seiner Vergangenheit und seiner künftigen Rolle als Großvater auseinanderzusetzen“, glaubt Hammer zu wissen und kann dabei nicht einmal im entferntesten erahnen, welcher emotionale Quantensprung da auf einen zukommt. Und gleichzeitig verkennt er die sicherste Erkenntnis des Lebens: Erstens kommt es, zweitens anders und drittens als man denkt. Ich will auch die Widersprüche und Inkonsistenzen nicht überbewerten, die an verschiedenen Stellen des Buches auftauchen. Mal sind Großväter Scheidungsopfer, dann profitieren sie wieder von den Trennungen, oder sie entwickelten sich im frühen 19. Jahrhundert zum Leitbild des lehrenden Großvaters, der die Schulbildung ergänzte, obwohl noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts kaum mehr als ein Zehntel der Gesamtbevölkerung überhaupt das Großelternalter erreichte. Wenn der Autor allerdings auf eine Befragung von Vätern eingeht, „die 1950 geheiratet hatten“, also der Generation meiner verstorbenen Mutter angehören, dann versteht man die Welt nicht mehr. Denn dies als Beleg anzuführen, welchen unglaublichen Nachholbedarf viele Großväter haben, die ihre erste Chance als Väter verpasst haben, geht an den Realitäten völlig vorbei, weil diese Herrschaften heute um die 90 Jahre alt sind und nichts, aber auch gar nichts mit der „ganz anderen Großvätergeneration“ zu tun haben, von der an anderer Stelle die Rede ist. Was soll ich sagen? Dass Hammer selbst noch kein Großvater ist, dafür kann er nichts. Aber er hätte mit noch mehr Opas reden sollen, die seine fehlende Erfahrung vielleicht hätten kompensieren können. Derer gibt es genug. Sogar bloggende Großv@ter soll es ja mittlerweile geben …

                                                                                     Eckart Hammer, Großvater sein                                                                                    Klett-Cotta, Stuttgart, 2017, 175 Seiten, 14,95 Euro, ISBN 978-3-608-96130-0

Es soll ganz viele geben

Opa ist, zumindest soviel ich weiß, bislang der einzige Blogger in Deutschland, der als bloggender Großv@ter seine Gedanken zum Besten gibt. Das könnte sich jetzt bald ändern. Ich will nicht zu viel verraten, weil man ja nie weiß. Aber es gibt da einen anderen Großvater, der angespornt durch diesen Blog, wild entschlossen ist, entsprechend aktiv zu werden. Demnächst reist er sogar zu einem Blogger-Workshop. Insofern darf man gespannt sein, was dabei herauskommt. Auf meine Unterstützung, das verspreche ich hiermit, kann er jedenfalls zählen. Wenn es soweit ist, lasse ich es wissen. Was soll ich sagen? Es kann nur einen geben, hieß es beim Highlander. Bei uns Opas ist das anders. Da kann es nur heißen: Es soll ganz viele geben.

Rent-a-Startup-Granny

Oma und Opa haben jetzt eine ganz neue berufliche Perspektive, ja sogar Herausforderung für sich entdeckt. Gestoßen sind wir darauf, als sich Opa mal in der Startup-Szene umgetan hat. Dabei ist ihm der Deutsche Startup Monitor 2016 in die Hände gefallen. Und darin wird auf Seite 41 darüber berichtet, dass jedes zehnte Startup (10,8 %) eine Feel-Good- bzw. Startup-Oma hat, die den Mitarbeitern den Büroalltag versüßt. Opa traute seine Augen nicht und googelte erst einmal: Startup-Oma. Und siehe da: Tatsächlich wird über die guten Seelen im Startup-Betrieb bereits intensiv berichtet. Und eine Firma in München war sogar auf der Suche nach einer Oma oder einem Opa. Was soll ich sagen? Vielleicht ist das ja die Startup-Idee des Jahres: Rent-a-Startup-Granny oder darf es auch der Opa sein.

PS: First come, first serve!

Opa heute im Radio

Opa war heute schon in Sachen Opas Blog und KINDER | KOCHEN unterwegs. Flux FM hatte letzte Woche angerufen und einen Termin vereinbart. So bin ich denn nach Kreuzberg gefahren und habe im Sender Rede und Antwort gestanden. Das hat mal wieder richtig Spaß gemacht, in einem Hörfunkstudio zu stehen. Immerhin hat Opa selber auch schon mal Rundfunk gemacht. Lang, lang ist’s her: 1986 bis 1989 beim Bayerischen Rundfunk. Am spannendsten waren damals die Livesendungen am frühen Morgen. Von 7.05 bis 7.30 Uhr hieß es: Die Welt am Morgen. Was soll ich sagen? Radio ist und bleibt ein tolles Medium. Man braucht nur ein Mikro oder einen Telefonhörer, und schon kann’s losgehen. Und wen’s interessiert, was Opa gesagt hat: Den Mitschnitt gibt’s hier!

 

Die Familie lebt

Die Ergebnisse einer Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung über “Großelternschaft im Wandel – neue Beziehungsmuster in der modernen Gesellschaft” sind, wenn auch nicht ganz neu, so doch eindeutig: Großeltern sind wichtiger denn je! Der Autor der Studie, François Höpflinger, fasst das so zusammen:

  • Die Großelternrolle genießt heute eine hohe Akzeptanz. Ihre gesellschaftliche Bedeutung bezieht sie aus ihrer Rolle als zusätzliche Bezugsperson und als Betreuung von Kleinkindern, ohne sich in die Erziehung der Enkel einzumischen.
  • Die Beziehung zwischen den Enkeln und den Großeltern ist heute enger als in früheren Generationen und dies obwohl die junge Familie und die Großeltern ihr Alltagsleben weitgehend selbstständig organisieren.
  • Die verschiedenen Generationen leben zumeist in getrennten Haushalten. Drei Generationen-Haushalte sind relativ selten.
  • Die Qualität der Beziehung zwischen Großeltern und Enkeln hängt auch stark von der Qualität der Beziehung ab, die Großeltern zu ihren eigenen Kindern haben.
  • Großeltern gestalten vor allem die Freizeit der Enkel und bieten ihnen, was in jungen Familien häufig Mangelware ist: Zeit, Gelassenheit und soziale Bindung. Hauptträgerin der Familienbeziehungen ist die Großmutter mütterlicherseits.
  • Im Gegensatz zu einigen anderen europäischen Ländern haben in Deutschland Enkel eine positive Wirkung auf die Lebensqualität älterer Menschen. Dies hängt mit dem wirtschaftlichen Wohlstand und der sozialpolitischen Absicherung zusammen, die jeder Generation ihre wirtschaftliche Selbstständigkeit erlaubt.

Was soll ich sagen? Das, was hier eher wissenschaftlich formuliert und etwas unterkühlt daherkommt, heißt doch nicht anderes: Großeltern lieben ihre Enkel und umgekehrt. Da sage noch einer, dass die Familie tot ist. Nein, das Gegenteil ist der Fall: Die Familie lebt!

PS: Übrigens ist es auch bei uns so, dass Oma, wie es in der Studie heißt, “Hauptträgerin der Familienbeziehungen” ist – Oma ist eben doch die Allerbeste.