BER nicht einmal Science-Fiction

Auch wenn gestern der Aufsichtsrat getagt und über zahlreiche neue Verspätungen beim Bau diskutiert hat, eine neuerliche Verschiebung der zuletzt für 2017 geplanten Eröffnung des Flughafens BER wurde noch nicht verkündet. Aber sie kommt ganz gewiss. Denn kaum waren Einsteins Gravitationswellen letzte Woche bewiesen, wurde Opas Blog am Wochenende das unten eingebettete Video aus der Zukunft zugespielt, das in erschreckender Weise belegt: Auch im Jahr 3745 ist der BER immer noch nicht fertig. Was soll ich sagen? Es ist traurig, aber wahr: Den BER gibt es nicht einmal als Science-Fiction.

PS: Geht man von den rund 1,3 Millionen Euro aus, die der nicht fertiggestellte BER täglich kostet, würden sich die Gesamtkosten im Jahr 3745 auf rund 900.000.000.000 Euro aufaddieren. Da haben wir ja noch mal Glück gehabt. Ich dachte, wir knacken die Billion.

Es ist noch nicht vorbei …

Es ist der vorläufige Tiefpunkt einer ziemlich schmutzigen Affäre, die SPD und ihr ehemaliger Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy haben sich Ende letzter Woche auf einen Vergleich geeinigt: Die SPD erklärte, sie erhebe gegen Edathy „keinen strafrechtlichen Unrechts- oder Schuldvorwurf“. Der ins Zwielicht geratene Edathy wiedrum räumte ein, „dass sein Verhalten den sozialdemokratischen Grundwert des Schutzes von Minderjährigen berührt hat“. Zudem erklärte er sich bereit, seine Mitgliedsrechte fünf Jahre ruhen zu lassen. Dafür darf er in der SPD bleiben. Damit ist der 46-Jährige ziemlich ungeschoren davon gekommen. Denn auch das Strafrechtsverfahren, in dem Edathy wegen des Besitzes von kinderpornografischen Fotos und Videos angeklagt war, hatte mit einem Deal geendet. „Die Vorwürfe treffen zu“, erklärte Edathys Verteidiger im Namen seines Mandanten. Das Gericht stellte daraufhin mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen eine Geldzahlung von 5.000 Euro ein. Kurz darauf verkündete er auf Twitter: „Ich begrüße die Einstellung des Verfahrens durch das Landgericht Verden. Eine Fortsetzung wäre unverhältnismäßig gewesen. – Ich weise darauf hin, dass ein ‚Geständnis‘ ausweislich meiner heutigen Erklärung nicht vorliegt. Die Staatsanwaltschaft war mit dem Wortlaut der Erklärung einverstanden. Eine Schuldfeststellung ist damit ausdrücklich nicht getroffen worden.“ Was soll ich sagen? Verstehe das alles, wer will. Da ergötzt sich einer an Schmuddelbildern, die nur durch Missbrauch der aufgenommenen Kinder entstanden sein können, und stellt sich, als die Sache publik geworden ist, immer schön als Opfer dar. Bislang hat das ziemlich gut funktioniert. Allerdings sind ein paar Fragen noch nicht geklärt: Wer wusste wann was? Und: Wurde Edathy gewarnt und wenn ja von wem? Der feine Herr sollte sich nicht zu früh freuen: Es ist noch nicht vorbei …

Die Deutschen – nicht zu stoppen

Wenn man das Thema Flüchtlinge in den Medien verfolgt, braucht man eine Menge Optimismus, um manchmal nicht schier zu verzweifeln. Zumeist geht es um Probleme, nicht um Lösungen. Und wenn nicht die vielen fleißigen ehrenamtlichen Helfer wären, man könnte in tiefe Depression verfallen. Da kommt der Clip des nach Berlin geflüchteten syrischen Filmemachers Firas Alshater gerade recht. In unnachahmlicher Weise hält er den Deutschen den Spiegel vor und erklärt, wie sie so ticken. Was soll ich sagen? Belassen wir es bei der Aussage von Alshater am Ende seiner charmanten Analyse: „Die Deutschen brauchen längere Zeit, aber dann sind sie nicht zu stoppen. Darum glaube ich, die Integration wird klappen – irgendwann.“

Opa bei der Huff

Opa bei der Huff

Wie muss Politik für junge Menschen aussehen? Das wollten Huffington Post und Konrad-Adenauer-Stiftung wissen und haben zu einer Veranstaltung nach Berlin eingeladen. Hauptredner war CDU-Generalsekretär Peter Tauber, der seine und die Sicht der Christdemokraten zum Besten gab. Und das war, so muss man es zusammenfassen, wenig erhellend. Als Opa, der als Blogger der Huffington Post auch eingeladen war, darauf hinwies, dass die Jugend durchaus an Politik, aber nicht an den Parteien interessiert sei, und Politiker mit ihrem Politsprech und ihren Sprechblasen nicht (mehr) zu den Jugendlichen – wie übrigens auch den Erwachsenen – durchdrängen, fiel dem CDU-General nichts Besseres ein, als Opa vorzuhalten, er gebe auch nur Sprechblasen von sich. Das lasse ich hier jetzt so mal stehen, stimme Tauber zumindest aber insoweit zu, dass die Parteien ihre abschreckende Bürokratie und Hierarchie überwinden müssen, um ihre Attraktivität zu steigern. Die Antwort auf das Wie allerdings blieb er schuldig. Was soll ich sagen? Auch ich habe kein Patentrezept, bin aber auch keine Partei, die sich um ihre Zugkraft Gedanken machen muss. Dagegen war das Veranstaltungsformat, dass die Huffington Post mit den Live-Zugschaltungen aus aller Herren Länder und der Diskussion vor Ort gewählt hat, vielversprechend und macht Lust auf mehr. Es kann sicher nicht schaden, wenn sich die Verantwortlichen auch mit den anderen politischen Stiftungen wie beispielsweise der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung und der FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung zusammentun und den begonnenen Diskurs parteiübergreifend fortsetzen. Schließlich geht das Thema alle Parteien an.

Böhnke Opa bei der Huff. C72A1150-klein © Juliane Liebers/KAS

Ganz sicher keine Alternative

Sage mir, was du denkst, und ich sage dir, wer bzw. wie du bist: Frauke Petry, ihres Zeichens Vorsitzende der AfD, meint, Polizisten müssten bei Flüchtlingen an der Grenze „notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch machen.“ Ihre Stellvertreterin Beatrix von Storch konkretisiert das auf ihrer Facebook-Seite: “Wer das HALT an unserer Grenze nicht akzeptiert, der ist ein Angreifer. Und gegen Angriffe müssen wir uns verteidigen.” Den Kommentar: “Das ist Schwachsinn. Wollt Ihr etwa Frauen mit Kindern an der grünen Wiese den Zutritt mit Waffengewalt verhindern?” quittierte Storch mit einem klaren “Ja”. Was soll ich sagen? Wer den Minimalkonsens der zivilisierten Welt aufkündigt und älteren Menschen, Frauen und Kindern mit einem Schießbefehl begegnet, ist ganz sicher keine Alternative für Deutschland – weder in den Ländern, noch im Bund und schon gar nicht in Europa.

Schützenhilfe für Tegel

Wir befinden uns im Jahre 2016 n.Chr. Die ganze Politik – also die Bundesregierung, der Berliner Senat und die brandenburgische Landesregierung – will den Berliner Flughafen Tegel schließen. Die ganze Politik? Nein, ein von unbeugsamen Politikern mit getragenes Aktionsbündnis hört nicht auf, den Totengräbern Tegels Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die politischen Legionäre, die in Berlin und Potsdam TXL den Gar ausmachen wollen … Berlin braucht Tegel heißt das Aktionsbündnis, hinter dem der Verein pro Tegel und die FDP Berlin stehen und das Tegel als Verkehrsflughafen dauerhaft erhalten will. Derzeit läuft ein Volksbegehren, bei dem bereits mehr als die Hälfte der benötigten 20.000 Stimmen zusammengekommen sind und das, wie es aussieht, in einem Volksentscheid zur Offenhaltung Tegels mündet. Während sich in der Politik ansonsten bislang weit und breit (noch) niemand traut, sich auch mal öffentlich für den Erhalt Tegels stark zu machen, haben nun zwei Schwestern – ob gewollt oder ungewollt – dem Anliegen tatkräftige Schützenhilfe geleistet. In ihrem gerade erscheinen Buch „Letzter Aufruf Tegel!“ (eine ausführliche Besprechung gibt es hier) erklären Julia und Evelyn Csabai, die seit 20 Jahren im Nebenjob am Flughafen Tegel arbeiten, TXL zum „tollsten Flughafen der Welt“ und geben für ihn eine Liebeserklärung sondergleichen ab. Was soll ich sagen? Die Eingangsanalogie zu den unbeugsamen Galliern ist nicht ohne Bedacht gewählt. Jeder weiß, wie die Geschichten von Asterix und Obelix ausgehen. Stellt sich nur noch die Frage, wer beim Schlussbankett gefesselt am Baum hängt. Innerhalb des Berliner Senats jedenfalls ist der Regierende Bürgermeister für die Musik zuständig …

Letzter Aufruf Tegel Das Buch ist eine Liebeserklärung sondergleichen.

Übers Ziel hinausgeschossen

Also, ich spreche hier nicht pro domo. Aber der Vorschlag des verkehrspolitischen Sprechers der Grünen im Bundestag, Stephan Kühn, ist schon starker Tobak. Danach sollen sich Autofahrer ab 75 Jahren verbindlichen Testfahrten unterziehen. Gott sei Dank hat das Bundesverkehrsministerium dem Vorschlag bereits eine klare Absage erteilt. Aber bleiben wir noch einen Moment bei dem Thema. Denn denkt man den Vorschlag der Grünen zu Ende, dann müssten sich auch über 75-jährige Radfahrer und Fußgänger solchen Tests unterziehen – immerhin nehmen sie ja auch am Straßenverkehr teil. Und was ist mit den 18- bis 24-Jährigen, die mit die Hauptverursacher von Unfällen sind. Alleine daran sieht man schon, dass da jemand gewaltig übers Ziel hinausgeschossen ist. Dies gilt um so mehr, als namhafte Verkehrspsycholgen ein ganz anderes Bild von den Senioren zeichen. Jens Schade beispielsweise von der Technischen Universität Dresden sagt, dass bei Senioren die Reaktionsschnelligkeit zwar nachlässt, sie sich aber ihren eigenen Bedingungen anpassen, nicht zu Stoßzeiten fahren, komplexe Situationen im Straßenverkehr meiden. Und er glaubt, dass die Senioren weniger riskant sind, als manche das behaupten. Was soll ich sagen? Von jahrelanger Fahrpraxis und Erfahrung war überhaupt noch nicht die Rede. Zudem dürfte die Freiwilligkeit bei den sich abzeichnenden Herausforderungen viel erfolgversprechender sein, als starre Altersgrenzen, die sich an unflexiblen Vorschriften orientieren und vielfach zu unsachgemäßen Ergebnissen führen müssen. Darauf haben schon vor Jahren der ADAC und DEKRA in Berlin hingewiesen. Und dann ist da noch die Einsicht, die es sogar bei Senioren geben soll. Sie glauben das nicht. Dann nehmen Sie mal das Beispiel des 92-Jährigen im Breisgau, der jüngst seinen Führerswchein nach einem Unfall freiwillig bei der Polizei abgegeben hat, obwohl nur Blechschaden entstanden war. Und meine Großtante hat auch ohne Unfall ihren Führerschein freiwillig mit 88 Jahren abgegeben. So geht’s eben auch.

IMG_3117Opa am Steuer – bislang brauchen andere noch keine Angst vor mir zu haben.

Nicht mehr normal

Bis Freitag noch verhandeln in Paris auf der UN-Klimakonferenz 183 Nationen und versuchen, sich auf ein historisches Abkommen zu einigen, mit dem die Erderwärmung verlangsamt werden soll. Bisher hat sich die Weltgemeinschaft nur auf ein Ziel von maximal zwei Grad Erwärmung gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter verständigen können. Arme Entwicklungsländer und Inselstaaten wollen mehr als 1,5 Grad nicht akzeptieren. Denn: “Jeder weitere Temperaturanstieg über 1,5 Grad hinaus wird dazu führen, dass wir Tuvalu komplett aufgeben müssen – anderen niedrig gelegenen Nationen geht es genauso“, so der Premierminister des pazifischen Inselstaates, Enele Sosene Sapoaga. Die Begrenzung der globalen Erwärmung sei eine “Frage der Zukunft der Menschheit”, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Eröffnung in Le Bourget. Wie dramatisch die Situation in der Tat ist, kann jeder mittlerweile vor seiner Haustüre spüren. Im November lag die Durchschnittstemperatur in Deutschland nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes mit 7,5 Grad um 3,5 Grad über den Werten der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Gegenüber der Vergleichsperiode 1981 bis 2010 betrug die Abweichung immer noch 3,1 Grad. Damit ist der November 2015 der wärmste November in Deutschland seit Beginn regelmäßiger Messungen im Jahre 1881. Und auch der Dezember schickt sich an, viel zu warm zu werden. Auf unserer Terrasse in Berlin hat das Thermometer am Dienstag fast 15 Grad im Schatten angezeigt, so dass man nur mit Hemd gemütlich in der Sonne sitzen und die blühenden Nelken, Männertreu, Hortensien und Glockenblumen bestaunen konnte. Was soll ich sagen? Auch wenn diese Temperaturen vielen gefallen – normal sind sie nicht mehr.

IMG_2819 Kopie  IMG_2822 Kopie Blühende Blumen im Dezember 2015: Hortensie, Glockenblume, Nelke und Männertreu.IMG_2826 Kopie  IMG_2823 Kopie

Tag der Kinderrechte

Kinderrecht2

Die Kinderrechtskonvention, also das Übereinkommen über die Rechte des Kindes (Convention on the Rights of the Child, CRC), wurde am 20.November 1989 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet und von allen Mitgliedsstaaten – bis auf die USA und den Sudan – ratifiziert. Deshalb wird morgen auch der internationale Tag der Kinderrechte oder Weltkindertag begangen. Dass Deutschland seine Vorbehalte gegen die Konvention erst am 15. Juli 2010 rechtsverbindlich zurücknahm, spricht Bände und macht betroffen. Dies um so mehr, wenn so renommierte Wissenschaftler wie der Berliner Rechtsmediziner Michael Tsokos und seine Kollegin Saskia Guddat gleichsam einen Hilferuf in die Welt hinausschreien und 2014 wie 2015 mit ihrem Buch Deutschland misshandelt seine Kinder gravierende Missstände aufdecken. Was soll ich sagen? Wenn es um unsere Kinder geht, brauchen wir statt wenig fassbarer Sonntagsreden vielmehr konsequentes Handeln in Politik und Gesellschaft. Denn wenn es stimmt, dass Kinder unsere Zukunft sind, dann befinden wir uns auf dem besten Wege, diese zu verspielen.

Kinderrechtstag

„Das Spiel ist abgesagt“

Es hätte eine machtvolle Demonstration gegen den Terror und für unsere Freiheit und Demokratie werden sollen. Doch am Ende wurde das dann abgesagte Fußball-Länderspiel Deutschland gegen die Niederlande noch viel mehr. Und Oma und Opa waren mittendrin. Es war schon bemerkenswert, wie die Menschen zunächst gen Stadion in Hannover zogen: Ruhig und gelassen, besonnen und in dem Bewusstsein, dass es an diesem Tag um viel mehr geht als um ein Fußballspiel. Mit rund 1.500 anderen Besuchern waren Oma und Opa gerade durch den Einlass, als die Ankündigung kam: „Das Spiel ist abgesagt.“ Was bei jeder anderen Fußball-Veranstaltung zu unüberhörbaren Protesten und Schmähgesängen geführt hätte, wurde an diesem Abend mit gefasster Enttäuschung und erkennbarem Verständnis zur Kenntnis genommen. Und so zogen die Menschen ebenso ruhig und gelassen wieder von dannen wie sie gekommen waren, und die allermeisten wohl mit der festen Absicht, bei der nächsten Gelegenheit wieder mit dabei zu sein. Die Botschaft an den verbrecherischen Terrorismus war ebenso klar wie deutlich: Wir lassen uns unser Leben von euch nicht bestimmen und kaputtmachen. Was soll ich sagen? Der gestrige Abend hat bewiesen, dass der internationalen Bedrohung eine wehrhafte internationale Gemeinschaft gegenübersteht: Statt aus Hannover kamen die starken Bilder von Solidarität und Mitgefühl eben aus London, wo 80.000 Franzosen und Engländer gemeinsam und Hand in Hand die Marseillaise gesungen und dem Fußball den Stellenwert zugewiesen haben, den er für uns alle hat: Die schönste Nebensache der Welt.

HannoverUnd plötzlich waren die Tore des Stadions in Hannover zu. An anderer Stelle in der Stadt wie am Neuen Rathaus gab es mit der Trikolore Solidarität mit Frankreich und Paris.Hannover2