Alles schon mal da gewesen

Das Flüchtlingsthema beherrscht nicht nur die Schlagzeilen, sondern mittlerweile auch die Gemüter der Menschen. Das, was dabei gedanklich herauskommt, ist, gelinde gesagt, erschreckend. “Wir schaffen das”, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel gesagt. Nun verliert sie zunehmend an Rückhalt in der Bevölkerung, die – nicht zuletzt infiziert durch “besorgte” Bürger – um ihren Wohlstand und ihr versorgtes Leben fürchten. Allerdings ist das ziemlich fatal und beweist einmal mehr, dass die sogenannten Bewahrer des Abendlandes so viel Geschichtsverständnis und -bewusstsein haben wie die Fahnen, die sie schwenken. Denn eine vergleichbare Situation hat es in der Geschichte schon einmal gegeben: Vor rund 1500 Jahren. “Im Römischen Reich herrschten Wohlstand und Offenheit. Es zerfiel, als die Einheimischen die Nerven verloren und dem Hass auf die Flüchtlinge nachgaben”, schreibt  Ralph Bollmann von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung unter der Überschrift Die Völkerwanderung. Zusammengefasst kommt der Autor zu dem Schluss: “Die Römer büßten durch ihre schwindende Integrationsbereitschaft und teils panische Reaktionen ein, was sie so beharrlich verteidigen wollten.” Was soll ich sagen? Die Geschichte darf sich nicht wiederholen, da waren wir uns in Deutschland und Europa einmal einig. Sicher war damit eine ganz andere gemeint, aber die, um die es jetzt geht, scheint es zu tun. Der Ausgang ist hinlänglich bekannt. Insofern kommt es mir so vor, als ob immer mehr Menschen den Ast absägen wollen, auf dem wir alle so bequem sitzen.

Ziemlich lauter Herbst

Jetzt sind sie wieder unterwegs: Die Laubbläser. Alleine von der Berliner Stadtreinigung (BSR) sind derzeit rund 1.800 Mitarbeiter im Einsatz, um die Straßen von Laub zu befreien. Abgesehen einmal davon, dass die Geräte einen höllischen Lärm machen, schaden sie auch der Umwelt ganz erheblich. Denn das Laub dient vielen Insekten als Lebensraum, schützt den Boden vor Austrocknung und dient als Humus-und Nährstoffversorgung für das nächste Jahr. Das österreichische Graz hat daraus – wie bereits berichtet – letztes Jahr die Konsequenz gezogen und die Dinger einfach verboten. Aber auch Städte in Deutschland diskutieren das Thema mit eben dieser Intention. So hat beispielsweise Starnberg in Bayern den Gebrauch von Laubbläsern auf städtischen Grünflächen seit drei Jahren untersagt. Damit sollen Haushalte und öffentliche Einrichtungen animiert werden, es genauso zu machen. Und auch in München überlegen einige Bezirke, Laubbläser einzuschränken. Was soll ich sagen? Ich will ja jetzt nicht mit dem Spruch kommen: Früher war alles besser. Aber in diesem Fall wäre der Griff zum guten alten Rechen in der Tat die bessere Wahl. Und der Herbst wäre auch wieder sehr viel leiser.

IMG_2231Auch mit einem guten alten Rechen kann man dem Laub im Herbst Herr werden.

Geschichtsunterricht at its best

Es wird ja viel über das Fernsehen geschimpft. Und das oft auch zu Recht. Heute jedoch soll das Fernsehen ausdrücklich gelobt werden, namentlich das ZDF und seine wöchentliche Sendereihe ZDF-History. Vor allem der zuletzt ausgestrahlte Beitrag „Die Deutschen und Europa – Vom Schlachtfeld zur Union“ ist Geschichtsunterricht at its best – vor allem in diesen Tagen. Untermalt mit Hans Zimmers Filmklängen aus dem „Da Vinci-Code“ lauten die letzten anderthalb Minuten: „Menschen aus 19 Ländern zahlen inzwischen mit dem Euro. Die gemeinsame Währung soll verbinden – in guten wie in schlechten Zeiten. Doch hat die Euro-Krise die Solidarität strapaziert und manches alte Ressentiment wieder belebt – gerade gegenüber Deutschland. Aber nach Jahrhunderten der Konflikte sollte nicht das Geld über ein Europa entscheiden, das sich den Friedensnobelpreis verdient hat. Nach zwei Weltkriegen und vier Jahrzehnten kalter Krieg wurden aus einstigen Gegnern Partner. Heute fordert ein Machtkampf an den Grenzen Europas die Gemeinschaft heraus, das Ringen um die Ukraine. Deutschland kann vermitteln, doch nur mit dem Rückhalt der Union. Die Griechenlandkrise ist wie andere zuvor nur durch den gemeinsamen Rettungsschirm zu bewältigen. Hunderttausende Flüchtlinge strömen über EU-Grenzen vor allem nach Deutschland. Nur gemeinschaftlich lässt sich der weitere Zustrom steuern, die Verteilung der Asylsuchenden und ihre Integration. Auch das Europäische Parlament sucht nach Antworten: Wie weit trägt die Solidarität der Partner – untereinander und gegenüber anderen. Vor allem die Geschichte kann die Völker lehren, was sie heute an Europa haben: Die Chance, Herausforderungen miteinander zu bestehen – und nicht gegeneinander.“ Denn wer die 40 Minute davor gesehen hat, weiß, was wir zu verlieren haben. Was soll ich sagen? Wenn man etwas kritisieren will, dann den Umstand, dass eine solche Sendung am Sonntagabend bzw. Montagmorgen um 0.20 Uhr ausgestrahlt und gestern auch nicht gerade zu den zuschauerfreundlichsten Zeiten wiederholt wurde. Einzige Trost: In der ZDF-Mediathek kann sie noch abgerufen werden. Und das sollte man unbedingt tun, wenn man sie verpasst hat.

Schnee erhitzt schon die Gemüter

Bis zum ersten Schnee ist es in Berlin sicher noch ein bisschen hin. Aber die zu erwartende kalte weiße Pracht erhitzt schon jetzt die Gemüter. Denn die „Liste der Gehwege, die für die maschinelle Reinigung im Winter 2015/2016 ungeeignet sind“, hat die gewerblichen Schneeräumbetriebe auf den Plan gerufen. Und dies vor allem deshalb, weil unter der Federführung des Bezirks Steglitz-Zehlendorf immer mehr Straßen in die Liste aufgenommen worden waren – mit Hinweis auf vermehrte Schäden, die die Räumfahrzeuge an den Gehwegen verursachten. Das kann man natürlich auch anders sehen. „Das Bezirksamt spart und der Bürger zahlt“, bringt der Geschäftsführer von Südwest Winterdienst, Nils Rogal, diese Sichtweise auf den Punkt. „Weil seit Jahrzehnten die Infrastruktur kaputtgespart wird, sind mittlerweile auch die Gehwege so marode, daß eine maschinelle Reinigung ausfällt“, schreibt beispielsweise „prokrastes“ im Internet und fährt fort: „Und den ‚drei- bis vierfachen Preis‘ als ‚etwas höhere Kosten‘ zu bezeichnen, ist einfach nur noch eine Unverschämtheit.“ Damit meinte er Bezirksstadträtin Christa Markl-Vieto von den Grünen, die der Tagesspiegel mit den Worten zitiert hatte: „Es kann nicht hingenommen werden, dass solche Schäden auf Kosten der Allgemeinheit beseitigt werden müssen, nur weil Anlieger an dem Gehweg die etwas höheren Kosten für eine geeignete Handreinigung einsparen wollen.“ Was soll ich sagen? Manche Straßen in Berlin haben im Winter zwar noch nie eine Schneeräummaschine gesehen, präsentieren sich im Sommer aber in der Tat so, als tue sich dort gerade die Erde auf. Jeder, der nicht mehr ganz so gut zu Fuß und auf Hilfsmittel wie Stock, Rollator oder Rollstuhl angewiesen ist, kann ein Lied davon singen. „Steglitz-Zehlendorf“, stellt „anti-euro“ im Netz fest, „ist auch der Bezirk, in dem vor öffentlichen, senatseigenen Gebäuden häufig gar kein Schnee geräumt wird, anscheinend in der Hoffnung auf bald einsetzendes Tauwetter. Beispiel seit Jahren: Die Schulen in der Beuckestraße.“ Nicht nur da, mag man hinzufügen.

IMG_1360   IMG_1357Beispiele für gut und schlecht geräumte Gehwege im Winter in Berlin.

Wenn nicht wir, wer dann?

Bislang hatte sich Opa in Sachen Flüchtlingskrise noch nicht zu Wort gemeldet. Und das, wie ich finde, aus gutem Grund: Erstens sind es diejenigen, die mit einer völlig empathielosen Gefühlskälte und zum Teil auch mit Gewalt auf das Flüchlingsproblem reagieren, nicht wert, (zumindest auf diesem Blog) wahrgenommen zu werden. Und zweitens empfinde ich es als Christ vollkommen selbstverständlich, Menschen in Not – gleich welcher Rasse, Religion, Herkunft, Hautfarbe sexueller Orientierung, Alter etc. – zu helfen und ihnen, so gut es geht, beizustehen. Heute allerdings möchte ich mich zu Wort melden und unserer Kanzlerin zur Seite stehen, die gestern einen Satz gesagt hat, den ich zu 100 Prozent unterschreiben kann: „Wenn wir jetzt anfangen, uns noch entschuldigen zu müssen, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land.“ Recht hat sie. Es kann doch wohl nicht sein, dass Deutschland als viergrößte Volkswirtschaft der Welt tatenlos zusieht, wenn Millionen Menschen auf der Flucht sind und im Elend versinken. Auch wir Deutschen waren einmal froh, dass uns geholfen wurde, obwohl wir gerade Europa in Schutt und Asche gelegt und Millionen Menschen bestialisch umgebracht hatten. Wenn man die gesamte Zahl der in einem Land lebenden Flüchtlinge nimmt, belegt Deutschland nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen Platz 17 – nach Pakistan, Libanon, Iran, Türkei, Jordanien, Äthiopien, Kenia, Tschad, Uganda, Irak, Jemen, Süd-Sudan, Frankreich, Ägypten, Kamerun und Sudan, die meistenteils nicht gerade zu den reichsten der reichen Länder zählen. Was soll ich sagen? „Wir schaffen das“, hat Angela Merkel gesagt. Wenn nicht wir, wer dann?

PS: Einen lesenswerten Kommentar zur Aussage der Kanzlerin hat Hajo Schumacher in der Berliner Morgenpost geschrieben.

Bei Rot über die Ampel

Nein, es ist nicht der 1. April. In Berlin hat doch jetzt allen Ernstes der Grünen-Abgeordnete Stefan Gelbhaar vorgeschlagen, dass Radler künftig rote Ampeln überfahren dürfen. Also, das tun sie ja ohnehin schon. Nur soll das dann legal sein. Was soll ich sagen? Das erinnert mich doch stark an einen ziemlich makaberen Witz aus der Zeit, als Norbert Blum als Arbeits- und Sozialminister noch versicherte, die Rente sei sich. Damals jedenfalls brachten Witzbolde eine “Rentenform” ins Spiel, die vorsah, dass man ab einem Alter von 50 Jahren bei Rot eine Ampel überqueren darf und ab 60 muss. Wollen wir mal hoffen, dass das nicht kommt. Aber – siehe oben – sicher sein kann man sich da nicht.

An den WDR: Musste das sein?

Sonntage können so richtig erholsam sein. Da wird ausgeschlafen, rumgegammelt (für die Jüngeren: gechillt), gelesen und was auch sonst eben nicht gemacht wird. Tagsüber, also vor 19.00 Uhr, fernsehen, steht eigentlich eher nicht auf dem Programm. Gestern allerdings war das anders. Bei unserer sonntäglichen Zeitungslektüre stieß ich nämlich auf die Nachricht, dass der WDR die Talk-Sendung „hart aber fair“ vom 2. März dieses Jahres aus der ARD-Mediathek gelöscht hat. Da ich kein großer Freund von Talkshows bin und Frank Plasberg nicht gerade zu meinen Favoriten in der Medienlandschaft zählt, hätte mich das normalerweise nicht besonders tangiert. Als ich aber las, dass es bei der Sendung um das Thema „Nieder mit den Ampelmännchen – Deutschland im Gleichheitswahn?“ ging, war mein Interesse doch geweckt. Also habe ich mein MacBook aufgeklappt, auf Youtube „Nieder mit den Ampelmännchen“ eingegeben und siehe da: Die Sendung ist dort noch zu finden. Und, was haben Oma und ich gemacht? Wir haben uns die Sendung, die wir ansonsten nie und nimmer eingeschaltet hätten, angeschaut, um zu sehen, was da zwar nicht gegen die Programmrichtlinien verstoßen, aber einige Frauen offenbar so sehr auf die Palme gebracht hat, dass sich die WDR-Rundfunkratsvorsitzende Ruth Hieronymi zu der Aussage bemüßigt fühlte: „Die Auswahl der Gäste und die Gesprächsleitung waren für die Ernsthaftigkeit des Themas nicht ausreichend.“ Abgesehen einmal davon, dass die Gäste Anne Wizorek, die Netzfeministin, die durch ihren Hashtag Aufschrei bekannt wurde, die Schauspielerin Sophia Thomalla, Birgit Kelle, die Autorin von „GenderGaga“, FDP-Vize Wolfgang Kubicki und Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter das sicher gerne gehört bzw. gelesen haben werden, war die Gesprächsleitung zwar nicht bambiverdächtig, aber doch nicht so schlimm, dass der WDR gleich die Löschtaste hätte drücken müssen. Würde man alle Sendungen in den Mediatheken löschen, die irgendjemanden aufregen, die falsche Gäste haben oder schlecht moderiert wurden, dann wären die Sammelstellen für bereits ausgestrahlte Sendungen ziemlich leer. Was soll ich sagen? Oma und Opa haben ja zwei Töchter und zwei Enkelsöhne. Um unsere Töchter machen wir uns eigentlich keine Sorgen, jedenfalls keine, dass sie sich in dieser Welt nicht durchsetzen könnten. Was unsere beiden Buben betrifft, sieht das schon anders aus. Da ergeht es uns so ähnlich wie einer Zuschauerin, die ihrem Sohn erklären musste, warum bei einem Fußballspiel, bei dem Mädchen und Jungs beteiligt waren, die Tore der Mädchen doppelt gezählt wurden. Bleibt noch ein Problem offen, auf das ein anderer Zuschauer hinwies: Die Einführung der Frauenquote beim Schachspiel. Denn in der Tat gibt es derzeit nur zwei weibliche Figuren auf dem Schachbrett, die beiden Damen, was einer Quote von 6,25 entspricht. Zudem dürfen sie bedroht, geschlagen und entfernt werden. Demgegenüber dreht sich alles um den Schutz des jeweilen Königs. „Das kann“, um bei den Worten des Zuschauers zu bleiben, „so nicht hingenommen werden.“

Baum-Kobolde: Der Harald war’s

Das Geheimnis der Baum-Kobolde in Berlin ist endgültig gelüftet: Harald K. ist Harald Kortmann. Nachdem er in einem Kommentar zu dem Artikel, in dem Opas Blog exklusiv über das Bekennerschreiben von Harald K. berichtet, einen Anruf bei Opa avisiert hatte,  klingelte um 20.24 Uhr das Telefon. “Ich bin’s, der Harald”, wie er sich selber nennt. Angefangen habe alles in seiner Straße in Steglitz, in der zwar 30 Bäume gefällt, aber nur 16 wieder gepflanzt worden seien. Den ersten so geborenen 14 Baum-Gesichtern sollten viele folgen. Mittlerweile seien es weit über 400 Baumstümpfe, denen er mit Holzscheiben und einem kleinen Ast Augen und Nase verpasst habe – “neuerdings gibt’s auch einige Münder”, fügt er hinzu. Die meisten von ihm gestalteten Gesichter stehen in Steglitz-Zehlendorf, in dem Bezirk, in dem nach seiner Einschätzung die meisten Stümpfe stehen. Und in der Tat: Nach eigenen Angaben hat das Grünflächenamt allein 2015 bis jetzt bereits 480 Bäume gefällt, was nur 47 weniger sind als im gesamten letzten Jahr. Da kann es auch nicht verwundern, dass “der Harald” mit der grünen und für die Bäume zuständigen Umwelt-Bezirksstadträtin Christa Markl-Vieto alles andere als zufrieden ist. “Es sind noch nie so viele Straßenbäume gefällt worden wie zur Zeit”, fasst er sein Gefühl zusammen und vermutet auch einen Grund: “Da muss in der Vergangenheit mit Pflege und Wartung etwas ziemlich schief gelaufen sein.” Besonders betroffen seien Akazien und Linden. Insofern will er – nachts mit dem Fahrrad – weitermachen und hofft, dass er ein paar Nachahmer findet. Denn “alle Gesichter sollen wieder verschwinden. Für jedes soll es einen neuen Baum geben.” Was soll ich sagen? Noch nie ist eine Werbung so sinnvoll umgesetzt worden, wie die eines bekannten Baumarktes: Mach was gegen hässlich! Wobei in Berlin vermutlich noch besser passt: Unser Dorf soll schöner werden! Und das Ganze durch nur einen Mann: Den Harald!

Rechnen in Europa

Im Netz macht seit geraumer Zeit eine Geschichte die Runde, die, wie es zumeist heißt, “die EU super erklärt”. Also:

Zehn Männer – ein Grieche, ein Italiener, ein Franzose, ein Portugiese, ein Spanier, ein Zypriot, ein Finne, ein Österreicher, ein Holländer und ein Deutscher – treffen sich regelmäßig zum Essen.

Die Rechnung für alle zusammen betrug immer genau 500,00 €, denn man speiste schon sehr gern auf hohem Niveau.

Die Gäste bezahlten ihre Rechnung, so wie wir unsere Steuern, und das sah ungefähr so aus:

* Vier Gäste (der Grieche, der Portugiese, der Spanier und der Italiener) zahlten nichts.
* Der Zypriot zahlte 1,00 €.
* Der Franzose 5,00 €.
* Der Österreicher 50,00 €.
* Der Finne 80,00 €.
* Der Holländer 100,00 €.
* Der Zehnte (der Deutsche) zahlte 264,00 €.

Das ging eine ganze Weile so. Immer wieder trafen sie sich zum Essen.

Alle waren zufrieden, bis der Wirt Unruhe in das Arrangement brachte, als er vorschlug, den Preis für das Essen um 50,00 € zu reduzieren.
“Weil Sie alle so gute Gäste sind!” Wie nett von ihm! Jetzt kostete das Essen für die zehn nur noch 450,00 €.

Die Gruppe wollte unbedingt weiter so bezahlen, wie das bisher üblich war. Dabei änderte sich für die ersten vier nichts, sie aßen weiterhin kostenlos. Wie sah es aber mit den restlichen sechs aus? Wie konnten sie die 50,00 € Ersparnis so aufteilen, dass jeder etwas davon hatte?

Die sechs stellten schnell fest, dass 50,00 € geteilt durch sechs Zahler 8,33 € ergibt.

Aber wenn sie das von den einzelnen Teilen abziehen würden, bekämen der fünfte und der sechste Gast noch Geld dafür, dass sie überhaupt zum Essen gehen.

Also schlug der Wirt den Gästen vor, dass jeder ungefähr prozentual so viel weniger zahlen sollte, wie er insgesamt beisteuere.

Er setzte sich also hin und begann das für seine Gäste auszurechnen.

Heraus kam folgendes:

* der Zypriot, ebenso wie die ersten vier, zahlten ab sofort nichts mehr (100% Ersparnis).
* Der Franzose zahlte 3,00 € statt 5,00 € (40% Ersparnis).
* Der Österreicher zahlte 45,00 € statt 50,00 € (10% Ersparnis)..
* Der Finne zahlte 72,00 € statt 80,00 € (10% Ersparnis).
* Der Holländer zahlte 90,00 € statt 100,00 € (10% Ersparnis).
* Der Deutsche zahlte 239,00 € statt 264,00 € (11% Ersparnis).

Jeder der sechs kam bei dieser Lösung günstiger weg als vorher und die ersten vier aßen immer noch kostenlos.

Aber als sie vor der Wirtschaft noch mal nachrechneten, war das alles doch nicht so ideal, wie sie dachten.

“Ich hab’ nur 2,00 € von den 50,00 € bekommen!”, sagte der Franzose und zeigte auf den Deutschen, “Aber er kriegt 25,00 €!”.

“Stimmt!”, rief der Zypriot, “ich hab’ nur 1,00 € gespart und er spart mehr als zwanzigmal so viel wie ich”.

“Wie wahr!”, rief der Österreicher, “warum kriegt er 25,00 € zurück und ich nur 5,00 €? Alles kriegen mal wieder die reichen Deutschen!”.

“Moment mal”, riefen da der Grieche, der Portugiese, der Spanier und der Italiener aus einem Munde, “wir haben überhaupt nichts bekommen. Das System beutet die Ärmsten aus!”

Wie aus heiterem Himmel gingen die neun gemeinsam auf den Deutschen los und verprügelten ihn.

Am nächsten Abend tauchte der Deutsche nicht mehr zum Essen auf. Also setzten sich die übrigen Neun zusammen und aßen ohne ihn. Aber als es an der Zeit war, die Rechnung zu bezahlen, stellten sie etwas Außerordentliches fest:

Alle zusammen hatten nicht genügend Geld, um auch nur die Hälfte der Rechnung bezahlen zu können!

Und wenn sie nicht verhungert sind, wundern sie sich noch heute.

Was soll ich sagen? Es ist nur eine Geschichte. Aber manchmal kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass einige Zeitgenossen in Europa tatsächlich so rechnen …

PS: Von Alexis Tsipras, der völlig überraschend die Tagesordnung für die Parlamentsdebatte am heutigen Mittwoch geändert und die den Gläubigern Griechenlands zugesagten Reformen im Steuer- und Rentensystem – darunter die Beschränkung von Frühverrentungen – kurzerhand gestrichen hat, will ich gar nicht reden.

Was für Bildungspolitiker

Nach den Ferien, die in dieser Woche in Berlin beginnen, wird ein Lehrer nicht mehr dabei sein: Harald Mier, der bereits am letzten Freitag als Direktor des Zehlendorfer Schadow-Gymnasiums verabschiedet wurde. Zum Abschied hat er dem Tagesspiegel ein Interview gegebenen, das sich die Bildungspolkitiker unseres Landes getrost hinter den Spiegel stecken können. Denn wenn er auf seine 40-jährige Lehrertätigkeit zurückblickt, hört sich das so an: „Im Kern hat sich nichts gewandelt, die Schüler von damals wie von heute wollen fair und gerecht behandelt und ernst genommen werden, die pädagogischen Leitlinien sind und waren Zuwendung und Konsequenz. Schüler suchen auch heute Grenzerfahrungen und fordern sie auf ihre Art ein. Gewandelt hat sich eher die Haltung der Erwachsenen: Lehrkräfte und Eltern sind nicht mehr in dem Maße zur Grenzziehung, man kann auch sagen zur Erziehung, bereit oder fähig.“ Zu den Schülern von heute weiß er zu berichten: „Sie können auch heute wie eh und je Schüler mit gutem Unterricht beeindrucken. In letzter Zeit hat die Binsenweisheit wieder Konjunktur, dass es primär auf die Lehrkraft ankommt. Manchmal geraten Selbstverständlichkeiten durch überbordende Reformitis aus dem Blick.“ Und was er zum Abitur zu sagen hat, ist alles andere als schmeichelhaft: „Beim Abitur sind viele Stellschrauben betätigt worden, die die Notendurchschnitte angehoben haben. Dazu gehören die zentralen Prüfungen, aber auch das Absenken des Bewertungsschlüssels: Heute ist es leichter als früher, eine Eins oder gerade noch eine Vier zu bekommen. Das ist politischer Wille. … Nicht die Leistungsfähigkeit unserer Abiturienten ist um fünf Zehntel besser geworden, das System hat sie ihnen in die Wiege gelegt. Vielleicht haben diejenigen recht, die von der Ausstellung ungedeckter Bildungsschecks sprechen.“ Last but not least hält er ein flammendes Plädoyer für das Gymnasium: „Vor der Einheitsschule möge Gott oder wer auch immer uns bewahren. Der Gedanke der Einheitsschule dient der Egalisierung des Niveaus und damit seiner Absenkung.“ Was soll ich sagen? Man kann nur hoffen, dass ihm ein Direktor folgt, der das alles ebenso sieht. Dabei sind das nur Auszüge. Und es lohnt sich, das ganze Interview zu lesen. Ich glaube, zur Beruhigung werde ich mir heute Abend zum wiederholte Male die Feuerzangenbowle anschauen. Das waren noch Zeiten mit „Zeus“ und „Schnauz“ und Professor Bömmel und Oberlehrer Dr. Brett und …

Erster Schultag OpaDas waren noch Zeiten, als Opa eingeschult wurde …

PS: Bei der METRO Kochherausforderung läuft der Countdown unaufhaltsam. Es bleiben noch drei Tage Zeit, für Opa abzustimmen. Also, auf geht’s!