Einfach genial, genial einfach

„Kannst Du kochen?“ Wer diese Frage mit der Gegenfrage beantwortet, „Ist das dieses Umrühren?“, für den gibt es jetzt was: Das Prinzip Kochen, ein Kochbuch, mit dem auch die etwas anfangen können, die bislang sogar Wasser haben anbrennen lassen. Dabei ist das Prinzip dieses Buch einfach genial, weil es genial einfach ist. Und dieses Prinzip funktioniert so: Bei jedem Grundrezept wird erst einmal das dahinterliegende Prinzip erklärt, damit klar wird, um was es eigentlich geht. Danach folgt als Rezeptbeispiel ein wirklich einfacher (aber leckerer) Prototyp, an dem man das Prinzip testen kann. Danach geht es schnurstracks rein ins Kreativlabor, in dem ausprobiert und variiert werden kann, bis man ganz ohne Rezept auskommt. Und wer immer noch nicht genug hat, für den gibt es noch zehn Zeitraffervideos, in denen jeweils ein Prinzip visualisiert wird. Was soll ich sagen? Wer nach der Lektüre dieses Buches nach wie vor erst kocht und dann entscheidet, was es ist, sollte seine Küche gleich ganz verkaufen und beim nächstliegenden Pizza-Service einen Dauerauftrag vergeben.

das-prinzip-kochen-300dpi                                                                    Matthias F. Mangold, Das Prinzip Kochen
GRÄFE UND UNZER, München, 2016, 336 Seiten, 24,99 Euro, ISBN 978-3833857201

Zum Greifen nah …

Himmelsspektakel haben irgendwie immer etwas Mystisches. Gestern war wieder so ein Moment. Denn der Mond kam der Erde so nah wie selten. In nur 356.509 Kilometern Entfernung stand er am Himmel. Noch näher der Erde war er am 4. Januar 1912, als es nur 356.375 Kilometer waren. Ähnlich nahe wird der Erdtrabant erst wieder am 7. April 2020 sein, wenn er in einer Entfernung von 356.907 Kilometern auf die Erde blickt. Was soll ich sagen? Nach dem Weihnachtsvollmond im letzten Jahr war das neuerliche Spektakel wieder einmal beeindruckend. Der Mond, sozusagen zum Greifen nah …

img_4056Mystisch: Gestern kam der Mond der Erde mit nur 356.509 Kilometern so nah wie selten.

Jeder kann St. Martin sein

„Laterne, Laterne,
Sonne, Mond und Sterne.
Brenne auf, mein Licht,
brenne auf, mein Licht,
aber nur meine liebe Laterne nicht!“

Heute wird St. Martin gedacht, dem dritten Bischof von Tours und einem der wohl bekanntesten Heiligen der katholischen Kirche. Die Geschichte von seinem Mantel, den er für einen armen unbekleideten Mann geteilt hat, dürfte selbst in Berlin bekannt sein, die Sache mit der Martinsgans vielleicht weniger. Also: Als die Stadt Tours hinter Martin her war und ihn zum Bischof machen wollte, versteckte dieser sich, weil er sich des Amtes unwürdig empfand, in einem Gänsestall. Doch das Federvieh schnatterte aufgeregt drauf los und verriet den guten Mann, was der Legende nach dazu führte, dass seitdem am Fest des Heiligen Martinsgänse zubereitet werden. Wie dem auch sei: Am Martinstag finden die meisten Laternenumzüge statt. Der Kindergarten unseres jüngsten Enkels allerdings ließ bereits vor ein paar Tagen die Kinder mit ihren Laternen durch den Bäkepark spazieren. Dabei fand, wenn man so will, auch eine Kleiderteilung statt. Als unser kleiner Mann nämlich feststellte, dass Oma nur einen Handschuh trug, wollte er von ihr dafür den Grund wissen. „Ich habe den anderen Deiner Tante gegeben, damit sie nicht so an den Händen friert“, entgegnete sie, was wiederum die Frage provozierte: „Bist Du etwa St. Martin?“ Was soll ich sagen? Jeder kann St. Martin sein, egal welcher Religion er angehört. Insofern sollte man das Fest auch nicht in Laternenfest umbennen, denn Laternen können bekanntermaßen nicht teilen.

img_3834Wenn das keine schöne Laterne ist …

Nichts wird so heiß gegessen …

Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Das ist eine alte Weisheit, die auch für die Politik gilt. Insofern bedeutet der Wahlsieg Donald Trumps im Rennen um das Weiße Haus nicht den Untergang des Abendlandes. Dies gilt umso mehr, als es dem US-Präsidenten Trump ganz sicher nicht anders ergehen wird als allen seinen Vorgängern. Denn wie formlierte es dieser Tage Malte Lehming im Berliner Tagesspiegel so treffend: „Und das Amt selbst hat bislang noch jeden seiner Inhaber diszipliniert.“ Dennoch: Viele machen sich nach dieser amerikanischen Wahlnacht Sorgen, wie sich die weltpolitische Lage nach dem 20. Januar 2017, nach der Vereidigung von Trump als US-Präsident, entwickeln wird. Diesen Sorgen werden die verantwortlichen Politiker vor allem in der westlich geprägten Welt quer über den Globus am besten dadurch gerecht, dass sie ungeachtet aller Implikationen an den demokratischen Grundwerten festhalten, die Freiheit und Gleichkeit vor dem Gesetz garantieren. Denn nichts macht Populisten und Despoten mehr Angst, als eine offene Gesellschaft, in der jeder frei seine Meinung sagen kann. Was soll ich sagen? Auch ein Donald Trump kommt an der normativen Kraft des Faktischen nicht vorbei. Sein erster Auftritt hat bereits gezeigt, dass der Wahlkampf vorbei und der Hitzkopf Trump schon um einige Grade abgekühlt ist.

Exklusives Dinner mit Tim Raue

“Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt”, hieß es bei METRO Cash & Carry, als bekanntgegeben wurde, dass der Sternekoch Tim Raue künftig als Markenbotschafter des Großhandelsunternehmens unterwegs sein würde. Jetzt war es einmal mehr soweit: Mitten in den METRO-Großmarkt Berlin-Friedrichshain hatte der Spitzengastronom zu einem exklusiven Dinner geladen, für das Feinschmecker vermutlich mindestens ihre Großmutter verkaufen, wenn nicht Schlimmeres tun würden. Oma jedenfalls war gänzlich aus dem Häuschen und kriegte sich überhaupt nicht mehr ein. Und auch Opa war hin und weg, zumal einem die kleinen “Schweinereien” des 42-jährigen Meisters auf der Zunge zergingen. Ich will das im Einzelnen jetzt gar nicht beschreiben, das käme einer ziemlich qualvollen Folter der Leser gleich, sondern belasse es einfach mal bei den Abbildungen. Aber nicht nur beim Essen wurde das Versprechen mit der Kreativität und den Grenzen eingelöst, auch die Platzierung sprengte alle Konventionen. Oder haben Sie schon mal zwischen Hochregalen ein Sterneessen zu sich genommen, von den Spitzenweine will ich erst gar nicht reden. Was soll ich sagen? Auf so eine Inszenierung muss man erstmal kommen. Aber wenn die Kreativität von Raue in dieser Intensität die METRO ansteckt, dann dürften die Großhandelsmärkte in absehbarer Zeit für die Spitzengastronomen zum Muss werden.

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Opa heute im Radio

Opa war heute schon in Sachen Opas Blog und KINDER | KOCHEN unterwegs. Flux FM hatte letzte Woche angerufen und einen Termin vereinbart. So bin ich denn nach Kreuzberg gefahren und habe im Sender Rede und Antwort gestanden. Das hat mal wieder richtig Spaß gemacht, in einem Hörfunkstudio zu stehen. Immerhin hat Opa selber auch schon mal Rundfunk gemacht. Lang, lang ist’s her: 1986 bis 1989 beim Bayerischen Rundfunk. Am spannendsten waren damals die Livesendungen am frühen Morgen. Von 7.05 bis 7.30 Uhr hieß es: Die Welt am Morgen. Was soll ich sagen? Radio ist und bleibt ein tolles Medium. Man braucht nur ein Mikro oder einen Telefonhörer, und schon kann’s losgehen. Und wen’s interessiert, was Opa gesagt hat: Den Mitschnitt gibt’s hier!

 

Es war einmal …

Wer nicht weiß, was er an diesem Wochenende machen soll, dem seien – zumindest in Berlin – die Märchentage ans Herz gelegt, die unter dem Motto “Dornröschen erwacht …!” noch bis zum 20. November gehen. An diesem Leseprojekt für Kinder beteiligt sich sogar das Berliner Abgeordnetenhaus. Und welche Parteien beim Märchenerzählen die Nase vorne haben, erfährt man hier. Was soll ich sagen? Es war einmal … Ein schönes Wochenende noch und bleiben Sie gesund!

2_motiv_bmt2016 Es war einmal …

Nicht gerade gentlemanlike

Nett ist anders. Bei einem Auftritt vor der Berliner Freitagsrunde, die für das Thema „Berlin nach den Wahlen“ unter anderem den Journalisten und ehemaligen Chef des ARD-Hauptstadtstudios, Ulrich Deppendorf, eingeladen hatte, haute der mal so nebenbei den örtlichen Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) so richtig in die Pfanne. „Buletten-TV“ werde der Sender genannt, wusste er zu berichten und hatte natürlich die Lacher auf seiner Seite. Allerdings tut man sich etwas schwer, ein solches Zitat auch zu finden. Im Netz jedenfalls sucht man vergebens, was zumindest den Verdacht nährt, dass da einer noch eine alte Rechnung offen hatte. Immerhin war der heutige Pensionär 2003 als Intendant des RBB im Gespräch, zog aber gegen die spätere Amtsinhaberin Dagmar Reim den Kürzeren. Was soll ich sagen? Gentlemanlike war die Titulierung des RBB als „Buletten-TV“ jedenfalls nicht. Auch wenn der Sender nicht gerade zur ersten Garde der ARD-Anstalten zählt, sollte man so über ehemalige Kollegen nicht reden – öffentlich auf gar keinen Fall.

Nichts für sanfte Gemüter

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Das Auge isst mit. Bei keinem Kochbuch wird diese banale Erkenntnis so wahr, wie bei Salvador Dalís exotischem Meisterwerk „Die Diners mit Gala“. Allerdings ist diese Farbenexplosion auf 320 Seiten nichts für sanfte, zartbesaitete Gemüter. Denn der spanische Surrealist hat sich in seiner ihm eigenen Art nicht nur künstlerisch, sondern auch kulinarisch ausgetobt.

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Bildgewaltig werden da Schweinsohrsuppe, durchbohrtes Herz, Blutwurstsoufflé mit Maronen oder gebackene Froschbällchen in Szene gesetzt. Da wirken Rinderhirn in Speck, Heringspüree oder Kutteln „anno dazumal“ schon fast wie Hausmannskost. Im Grunde ist das ganze Buch eine einzige Attacke auf Auge und Gaumen, die man aushält – oder auch nicht. Wenn man bedenkt, dass dieses verrückte(ste) Kochbuch aller Zeiten bereits 1973 erschien, muss man dankbar sein, dass der Taschen Verlag es jetzt nachgedruckt hat. Denn es wäre ausgesprochen schade gewesen, wenn die legendären Dinnerpartys von Dalí und seiner Frau Gala in Vergessenheit geraten wären. Auch wenn die 136 Rezepte für Kochanfänger zum Teil eine echte Herausforderung darstellen, handelt es sich hier doch um Kochkunst alter Schule, wie sie in Pariser Edelrestaurants wie Lasserre, La Tour d’Argent, Maxim’s und Le Train Bleu gepflegt wurde.

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Dennoch sei an dieser Stelle die Warnung des Maestros höchstselbst zitiert: „Die ‚Gala-Diners‘ sind in Bild und Wort einzig den Freuden des Gaumens gewidmet. Daher werden Sie hier auch keine Diätentabellen finden. Tafeln, an denen die Chemie statt der Gastronomie Platz genommen hat, möchten wir übergehen. Sollten Sie ein Jünger jener Kalorienwieger und -wäger sein, die die Freuden des Mahles in Strafen verwandeln, so schließen Sie dieses Buch sofort: Es ist viel zu lebendig, viel zu agressiv und viel zu herausfordernd für Sie.” Was soll ich sagen? Das nenne ich mal ein Kochbuch, das aus dem Rahmen fällt – ganz im Sinne Dalis: Wer interessieren will, muss provozieren!

va-dali_diners_de_gala-cover_04639                                                                              Dalí: Die Diners mit Gala                                                                                          Taschen, Köln, 2016, 320 Seiten, 49,90 Euro, ISBN 978-3-8365-0875-9