Das Virus matt setzen

Opas Schachspiel hat es heute sogar in den Tagesspiegel Checkpoint geschafft. In der Rubrik “Das Pandemie-Ding” heißt es über dem unten abgebildeten Foto: “Zeiten ändern sich und Corona ändert die Zeiten. In den kommenden Wochen wollen wir an dieser Stelle Gegenstände zeigen, die während der Pandemie an Bedeutung gewonnen haben. Heute: Detlef Untermann und das Schachbrett.” Und dann wird meine Begründung zitiert: “So versuchen meine Frau und ich jeden Abend, das Virus matt zu setzen.” Was soll ich sagen? Dem Checkpoint-Team hat das offensichtlich gefallen. Wenn Sie etwas haben, was Ihr Pandemie-Ding ist, dann aber schnell an den Checkpoint schicken. Denn der freut sich über Fotos (möglichst im Querformat) inklusive einer kurzen Begründung an checkpoint@tagesspiegel.de. Denn mal los!

Vorwärts in die Vergangenheit

Der Tagesspiegel Checkpoint hat es heute auf den Punkt gebracht: “Von einer Ausstattung wie in Finnland können Berliner Schulen nur träumen – da bekam zu Beginn der Pandemie jeder Schüler einen Laptop gestellt, da steht keine Datenschützerin der Kommunikation mit den Lehrern im Weg, da funktioniert der Messenger-Dienst ‘Wilma’, da gibt’s die Lernstatistik per App und noch auf der letzten Rentier-Ranch Highspeed-Internet. Da sind dann auch ein paar Wochen Homeschooling kein ernsthaftes Problem – und es wird der Präsenzunterricht nicht verzweifelt zum Fetisch verklärt wie einst die Kutsche von Kaiser Wilhelm”, hieß es in dem Newsletter. Bei dieser Diagnose könnte man es bewenden lassen, wenn es nicht so traurig wäre. Denn in demselben Newsletter erfuhr man, dass auch am zweiten Schultag nach Weihnachten der digitale „Lernraum“ des Landes Berlin für viele nur ein Leerraum war. Auch von meinen Töchtern höre ich zuweilen (Schul-)Geschichten über meine beiden Enkel, die alles andere als ermutigend sind. Wenn es nicht die eine oder andere engagierte Lehrkraft gäbe, die mit großem Einsatz und innovativen Ideen versucht, das Beste aus der Situation zu machen, wäre es gänzlich zum Verzweifeln. Was soll ich sagen? In Berlin scheint für den rot-rot-grünen Senat und die für Schule seit 1996 (!) verantwortliche SPD Digitalisierung ein Buch mit sieben Siegeln zu sein. Denn während andernorts (siehe oben) Bits und Bytes zum Alltag gehören, lebt man an der Spree noch in der Kreidezeit, während bei anderen das Motto lautet “Zurück in die Zukunft”, heißt es bei uns in Berlin “Vorwärts in die Vergangenheit”. Selbst wenn man die verantwortlichen Politiker dafür haftbar machen könnte, dass sie fahrlässig die Zukunftsaussichten unserer Enkel verspielen, sind die Bildungsdefizite, die jetzt durch Corona auch noch verschärft werden, da und werden wohl nicht mehr ausgeglichen werden können. Aber wenigstens am nächsten Wahltag sollten wir uns daran erinnern. Das ist das Mindeste, das wir für unser Kinder und Enkelkinder tun können.

Kreatives Querlegen

Kreativität ist laut Wikipedia die Fähigkeit, etwas zu erschaffen, was neu oder originell und dabei nützlich oder brauchbar ist. Bei uns im Kiez bin ich kürzlich auf etwas gestoßen, dass der gerade zitierten Definition doch recht nahe kommt. Rund um einen Baum, der in Sichtweite des S-Bahnhofes Lichterfelde-West steht, befand sich eine Bank, die – aus welchen Gründen auch immer – abgebaut worden ist. Zur Sicherung wurden Schraffenbaken aufgestellt, von denen eine nun in einer völlig neuen und gänzlich anderen Funktion ihr Dasein fristet, nämlich, quer gelegt, als Sitzplatz. Was soll ich sagen? Querdenken und Querlegen sind zwar ziemlich unpopulär, und das nicht erst seit Corona. Manchmal aber, wie in diesem Fall, ist quer das einzig Waagerechte.

Frohes und gesundes neues Jahr

Ein Jahr ist zu Ende gegangen, dessen Verlauf sich die meisten Menschen wohl anders gewünscht hätten. Doch das Leben ist kein Wunschkonzert. Man muss die Dinge so nehmen, wie sie kommen. Zumindest muss man versuchen, das Beste daraus zu machen. Was soll ich sagen? Oma und ich wünschen allen ein frohes und gesundes neues Jahr, das hoffentlich etwas normaler wird als das letzte.