Als Oma und ich dieser Tage bei unserer jüngsten Tochter waren, ist uns etwas aufgefallen, das uns ein wenig nachdenklich gemacht hat. Wir hatten unseren Enkel gerade einmal begrüßt, da eröffnete er Oma, dass er jetzt keine Zeit zum Spielen habe. “Ich muss arbeiten”, erklärte er mit geschäftiger Miene und zog mit seiner Kinderschubkarre von dannen. Da erinnerte ich mich, dass auch unser ältester Enkel, selbst wenn er bei uns ist, ähnliche Anwandlungen hat. Allzu oft nimmt er dann, kaum angekommen, am Schreibtisch im Wohnzimmer Platz, klappt mein MacBook auf, und beginnt, obwohl es passwortgesichert ist, eifrig auf der Tastatur zu tippen. Das Ganze kommentiert er mit den Worten: “Ich muss arbeiten.” Was soll ich sagen? Fast beängstigend. Aber irgendwoher müssen unsere Enkel das ja haben. Im Zweifel von uns allen. Denn unsere Töchter und Schwiegersöhne sind ausgesprochen fleißig. Und auch Oma und Opa neigen nicht so wirklich zum Müßiggang. Beruhigend bei alledem ist jedoch die Erkenntnis, die uns der 1989 von der RAF (Rote Armee Fraktion) ermordete Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, hinterlassen hat: “Der Fleißige hat immer Zeit.” Auch und gerade zum Spielen.
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Windpocken, nicht ansteckend
Unser ältester Enkel war jetzt bei einer großen Veranstaltung, die sich um den Tag der Technik 2013 drehte und bei der über 90 andere Kinder waren. Der bekannte TV-Moderator Stefan Gödde hatte sich ebenfalls die Ehre gegeben und der Veranstaltung mit seinem unnachahmlichen Charme eine ganz besondere Note verliehen. Es gab natürlich viel Technisches, das in der Tat begeisterte. Was die Teilnehmer aber im wahrsten Sinne des Wortes noch mehr bewegte, waren die dort auftretenden “Windpocken”. Die sind nach eigener Aussage “zwar brandgefährlich, aber nicht ansteckend”. “Windpocken” ist nämlich die deutsche Übersetzung für “Catapora”, wie die Trommelgruppe tatsächlich heißt und was im Portugiesischen eben für Windpocken steht. In der Tupí-Sprache der Ureinwohner Brasiliens bedeutet es aber auch soviel wie “Springendes Feuer”. Kein Wunder also, dass es auf der Website der Band heißt: “Wenn ihr also ein Kribbeln in euren Füssen verspürt und eure Glieder anfangen, rhythmisch zu zucken, dann seid vielleicht auch ihr entbrannt.” Was soll ich sagen? Die Inkubationszeit bei der Veranstaltung ließ sich in Sekunden messen. Den brasilianischen Rhythmen konnte sich keiner entziehen, auch nicht unser Enkel, der jetzt unbedingt Trommler werden will. Dann kann er ja gleich bei “Catapora” anfangen. Da hätte sogar Opa Spaß dran. Allerdings hat der bei weitem nicht so viel Rhythmusgefühl wie sein kleiner Großer.
„Wie iPad-Puzzle!“
Unsere beiden Kleinen sind, wie die meisten Kinder der Smartphone-Eltern-Generation, ziemlich pfiffig im Umgang mit iPhone & Co. Neulich, als Oma ihren Aufpass-Nachmittag mit unserem Jüngsten hatte, kramte sie ein Puzzle aus dem Schrank. Nicht so eins wie früher, aus Holz oder Pappe. Nein, eins bestehend aus einer Blechbüchse mit Landschaften und magnetischen Puzzleteilen, aus denen Trecker, Boote, Bagger und Lastwagen zusammengeschoben werden können. Ganz konzentriert und mit wachsender Begeisterung verarbeitete er in kürzester Zeit alle Teile. Als alles fertig war, sagte er: „Wie iPad-Puzzle!“ Was soll ich sagen? Viele meinen ja, früher sei alles besser gewesen, eben aus Holz oder Pappe. Das Moderne allerdings ist unaufhaltsam.