Schnullerfee in Gefahr

Bei unserem jüngsten Enkelsohn kommt langsam aber sicher die Zeit der Schnullerfee. Sie kennen dieses Fabelwesen nicht? Dann wird es aber höchste Zeit. Also, die Schnullerfee holt bei kleineren Kindern – so um die zwei Jahre alt – den Schnuller ab, damit die Babys wieder genug Schnuller haben. Das Ganze gestaltet sich als klassisches  Geschäft auf Gegenseitigkeit. Der Tausch sieht dabei folgendermaßen aus: Das Kind legt den Schnuller auf die Fensterbank oder sonst wohin und erhält im Gegenzug ein Geschenk bzw. einen Wunsch erfüllt. Alle sind zufrieden – wirklich alle? Das Kind sicherlich, es hat ja etwas bekommen. Die Mutter gewiss auch, weil sich künftig die leidige Suche nach einem verlegten Schnuller erübrigt. Und die Schnullerfee ebenfalls, weil sie ja Schnullernachschub für die Babys hat. Aber irgendjemand fehlt noch. Was soll ich sagen? Na klar, das Finanzamt fehlt noch und schaut in die Röhre. Denn unser kleines Tauschgeschäft ist ein sogenanntes Bartergeschäft und wäre als solches steuerlich zu berücksichtigen, zumal der Wert des Geschenkes bzw. Wunsches den des Schnullers üblicherweise um ein Vielfaches übersteigt. Es geht zwar nicht um die ganz großen Beträge. Aber bekanntlich macht ja Kleinvieh auch Mist. Bleibt nur zu hoffen, dass das jetzt nicht der Bundesfinanzminister spitzkriegt. Ansonsten hat es die Schnullerfee vermutlich die längste Zeit gegeben. Und das wäre doch schade.

Trotzphase: Eine gute Nachricht

Kinder in der Trotzphase – das kennen alle Eltern. “Im Grunde ist der Beginn der Trotzphase eine gute Nachricht”, zitiert der Spiegel die Kinderpsychologin Ulrike Petermann von der Universität Bremen. “Denn das Kind hat dann einen wichtigen Entwicklungsschritt gemacht.” Ob das die Mütter und Väter auch so sehen, wenn der Nachwuchs gerade wieder einmal einen Wutanfall bekommt und herumtobt? Dabei soll das ganz normal sein. Heute wisse man, dass neun von zehn Kindern zwischen anderthalb und drei Jahren lautstark trotzen, schreibt die Psychologin und freie Journalistin Jana Hauschild in besagten Spiegelartikel. Ein Ausraster pro Tag sei in der Hochphase nicht ungewöhnlich. Da brauchen die Eltern starke Nerven und auch ungewöhnliche Ideen. Über die Idee einer meiner Töchter hatte ich mich schon vor geraumer Zeit unter der Überschrift “Wenn’s aber hilft …” ausgelassen. Andere Eltern, so berichtet die Expertin weiter, rieten, die Kinder all ihren Ärger in einen leeren Mülleimer schreien zu lassen und anschließend gemeinsam mit ihnen die Wut zu entsorgen. Auch eine Möglichkeit. Aber selbst derartige Unterfangen ändern nichts an der Tatsache, dass das emotionale Verhältnis zwischen Eltern und Kind in diesen Stress-Situationen zumindest vorübergehend leicht gestört ist. Was soll ich sagen? Am besten ist, an solchen Tagen das zu tun, was Oma und Opa am liebsten tun: Den Kleinen nachts beim Schlafen zuschauen. Da sind sie nur lieb und süß.

“Nein, so spricht nur Oma”

“Zweisprachige Erziehung verzögert Sprachentwicklung” und “Zweisprachigkeit fördert Sprachbewusstsein” sind zwei Überschriften, auf die ich bei meiner Lektüre gestoßen bin. “Ja was denn nun?”, fragt man sich verzweifelt. Doch die Fachleute stochern im Nebel. Auf der Website dasGehirn.info gesteht denn auch eine Professorin: “Was genau im Gehirn zweisprachiger Babys geschieht, weiß die Wissenschaft noch nicht.” Dabei gäbe es genügend Beispiele, die man untersuchen könnte. Allein in Deutschland wächst jedes Kind unter sechs Jahren in einem mehrsprachigen Kontext auf. Von unseren Nachbarländern wie der Schweiz (Deutsch, Französisch, Italienisch, Rätoromanisch), Luxemburg (Luxemburgisch, Deutsch, Französisch) oder Belgien (Niederländisch, Französisch) will ich erst gar nicht reden. Bei unseren Kindern und Enkeln, die allesamt zweisprachig aufgewachsen sind bzw. aufwachsen, konnten und können wir jedenfalls keine diesbezüglichen sprachlichen Fehlentwicklungen feststellen. Wichtig ist nur, da sind sich offensichtlich auch die Experten einig, dass jeder nach dem Motto “Eine Person – Eine Sprache” in seiner Muttersprache mit den Kindern spricht. Das wissen auch schon die Kleinsten. Jüngst sprach eine meiner Töchter ihren Sohn nicht wie gewohnt auf Deutsch, sondern in der Sprache ihrer Mutter an. Worauf der kleine Mann meinte: “Nein, so spricht nur Oma.” Was soll ich sagen? Zweisprachigkeit macht jedenfalls nicht dumm.

Wenn’s aber hilft …

Kinder sollen, so wird kolportiert, bei ihren Eltern schon mal anders sein als bei ihren Großeltern. Das könnte stimmen. Jedenfalls habe ich noch nie gehört, dass sich Enkel bei Oma und Opa schreiend auf dem Boden wälzen. Zumindest nicht, wenn sie ohne Eltern dort sind. Wie der übrigens aussieht, so ein Wälz-Schrei-Anfall, kann man sehr gut bei YouTube studieren. Der politisch sicher nicht ganz korrekte Werbespot “Je veux les bonbons” zeigt ganz anschaulich, mit was man im Falle einer solchen Gefühls-Eruption plötzlich konfrontiert ist. Inwieweit die Empfehlung des Kondom-Herstellers allerdings hilfreich ist, sei einmal dahin gestellt. In solchen Momenten ist sie es eher nicht. Eine meiner Töchter hatte da eine bessere Idee: Zuhause und ohne Publikum wirft sich bei passender Gelegenheit die Mutter einmal, der Vater geht natürlich auch, auf den Boden und lässt ihrem Unmut lautstark freien Lauf. Der Nachwuchs ist, so die Hoffnung, geschockt, weiß nicht, wie er reagieren soll, und findet damit den ganzen Auftritt ziemlich peinlich. Was soll ich sagen? Dieser gespielte Wutanfall dürfte in der Tat ausgesprochen grenzwertig aussehen. Wenn’s aber hilft …

Nimm’ den Finger aus der Nase

Manche Eltern verstehe ich nicht, und manche Großeltern bzw. Onkel und Tanten auch nicht. Mir blutet jedes Mal das Herz, wenn ich Begrüßungs- oder Abschiedsszenen sehe, in denen kleine Kinder gezwungen werden, artig Händchen oder – noch viel schlimmer – Küsschen zu geben. Der Widerwillen, der den Kleinen zuweilen ins Gesicht geschrieben steht, tut mir fast schon körperlich weh. Da frage ich mich dann immer wieder und meine eigentlich die Erwachsenen: Habt Ihr eigentlich vergessen, wie sich das anfühlt – die schwitzige Hand des Onkels, der Geruch von ranziger Hautcreme der Tante oder die Duftnote von abgestandenem Parfüm der Oma? Einfach schrecklich. Dass wir Erwachsenen uns bestimmten Konventionen unterordnen (müssen), ist in einer zivilisierten Gesellschaft notwendig, um das Zusammenleben einigermaßen erträglich zu gestalten. Aber diesen unschuldigen Wesen schon derartige Qualen aufzubürden, ist nicht in Ordnung. Was soll ich sagen? Am liebsten würde ich in solchen Situationen quer durchs Lokal oder über die Straße rufen: Kleiner, nimm’ den Finger aus der Nase und gib’ dem Onkel Händchen.